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Kundenrezensionen

18
4,2 von 5 Sternen
Das Böse im Blut: Roman
Format: Kindle EditionÄndern
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TOP 1000 REZENSENTam 14. März 2015
Auf schonungslos nüchterne und brutale Art und Weise "entzaubert" James Carlos Blake in seinem Roman etwaige noch immer bestehende Mythen über den "Wilden Westen". Mitte der 1840er Jahre bricht die Familie Little blutig auseinander, die beiden Brüder John und Edward verlassen für immer die Gegend, im Glauben ihre jüngere Schwester Maggie wäre tot. Die beiden Halbwüchsigen sind in einer grausamen Familie aufgewachsen, zu einer Zeit, als sich das Gesetz zumeist auf der Seite des Stärkeren befand.

Wir verfolgen nun ihre beiden Wege, die sie zuerst auseinander-, und am Ende unter höchst dramatischen Umständen wieder zusammenführen.

Der historische Hintergrund ist der Anschluss von Texas an die Föderation, und der daraus entstandene Amerikanisch-Mexikanische Krieg 1846 - 1848. Sowohl John als auch insbesondere Edward hinterlassen eine blutige Spur in den nur dünn besiedelten Landstrichen, wo Indianer, Mexikaner und US-Amerikaner einen an Grausamkeit kaum zu überbietenden Kleinkrieg gegeneinander führen. Frauen sind nur Ware, die nach Belieben benutzt und dann weggeworfen wird, Gefangene werden höchstens gemacht, um sie anschließend möglichst raffiniert zu foltern, auch eigene Verwundete werden kaum versorgt, dazu kommen widerwärtige Krankheiten, der Autor entwirft ein schillerndes Panoptikum der Hölle.

Der Vergleich mit "Apocalypse Now" bzw. "Das Herz der Finsternis" erscheint mir treffend, es ist der Mensch, welcher die Hölle entstehen lässt, ein Teufel ist dazu nicht nötig. Schließlich der Krieg in Mexiko selbst, an dem die Brüder auf zwei verschiedenen Seiten teilnehmen, man riecht beinahe das Blut und den Pulverdampf, hört beinahe das Surren der Fliegenschwärme auf den verwesenden Leichenhaufen. Ein dramatisches und stimmiges Ende lässt den Leser schier erschöpft von diesem Amoklauf der Gewalt zurück.

Die historischen Details, insbesondere bei Kleidung und Waffen, sind hervorragend recherchiert, die Landschaften beeindruckend und lebensecht beschrieben (auch an den Übersetzer ein dickes Lob für seine ausgezeichnete Arbeit!), man meint, die unbarmherzige Sonnenglut direkt im Nacken zu spüren, während der Staub zwischen den Zähnen knirscht. Der Vergleich mit Cormac McCarthy, den ich sehr verehre, ist naheliegend und wie ich finde durchaus verdient.

Wer einen gelungenen, historisch präzisen und spannenden Roman über das blutige und brutale Fundament der USA lesen möchte, ist hier goldrichtig. Ein "guter Magen" schadet dabei nicht, die Grausamkeit vieler Szenen mag für manchen Leser jenseits der selbstgewählten Grenzen liegen.

Ich war jedenfalls verstört und begeistert zugleich, und gebe gerne 5 Sterne.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. März 2015
Ganz sicher ist „Das Böse im Blut“ ein außergewöhnlicher Roman, der den Lesern im Gedächtnis bleibt. Selten wurden Gewalt und Verbrechen so kompromisslos in Szene gesetzt. Dabei schert sich James Carlos Blake nicht um Grenzen. Sein Wilder Westen hat nichts von der romantischen Inszenierung, wie sie in den frühen Western zu sehen ist. Seine Hauptfiguren sind so weit von glorreichem Heldentum entfernt, wie es nur geht. Damit stehen sie nicht alleine da. John und Edward fehlt von Anfang an der moralische Kompass. Die Welt, in der sie aufgewachsen sind, bestehet auf dem Gesetz des Stärkeren und drakonischen Strafen für die Schwächeren, und als sie sich auf den Weg in eine neues Leben aufmachen, kommt es noch schlimmer. Sie geraten in eine Spirale der Gewalt, die sich immer schneller dreht und immer größere Opfer verlangt.
Es ist eine Welt des Wahnsinns, in welcher die Brüder leben. Die Menschen mögen die Bibel kennen, danach leben tun sie nicht. Frauen sind nicht mehr wert als Tiere, die nach Belieben benutzt, bestraft und entsorgt werden können. Mütter bieten ihre Töchter zum Sex an, Brüder begehren ihre Schwester, Stiefväter ihre Töchter. Indianer werden getötet, Ohren und Finger als Trophäen aufbewahrt. Sie zu töten, ist kaum eine Sekunde des Nachdenkens wert. Das ist schrecklich, entspricht aber dieser dreckigen, rohen, primitiven Gesellschaft, in der ein falsches Wort, ein falscher Blick schon ausreicht, um einem anderen aufzulauern und ihn zu gnadenlos zu verprügeln, wenn nicht gar zu töten. Die Menschen nehmen diese Regeln achselzuckend hin, denn das Gesetz ist weit weg und im Zweifelsfall gewinnt derjenige, der schneller schießt.

Kein Wunder, dass „In the rogue blood“ 1997 den "Los Angeles Times Book Prize for Fiction" gewann und die Kritiken sich förmlich überschlugen. Selten beschrieb ein Buch so grausam und so deutlich die hässliche Seite der Geburt der USA und zog die Leser dabei so in seinen Bann.
Blakes rauher, ungeschliffener Stil verleiht der Handlung eine unglaubliche Wucht. Keine noch so unmenschliche Handlung wird durch Umschreibungen abgemildert, jede Tat gnadenlos beschrieben und jeder heimtückischer Gedanke auf den Punkt gebracht.
„Das Böse im Blut“ ist kein Buch für die Freunde typischer Western. Wer auf unerwartete Menschlichkeit hofft, ist hier fehl am Platz. Und doch finden sich auch kurze Momente, in denen der Autor Schönheit beschreibt, sei es in Landschaftsbeschreibungen oder in kurzen Begegnungen mit anderen Menschen, die von der Gnadenlosigkeit ihrer Zeit nicht berührt wurden. So kurz diese Ereignisse sind, lassen sie die Leser doch innehalten und Luft holen. Diese Zeilen sind ein Lichtblick in einem düsteren Drama, das seinen Lesern nichts schenkt und sie in eine Welt zieht, die sie nicht so leicht wieder vergessen werden.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 1. Februar 2014
Die Brüder John und Edward wachsen in den 1840ern in den noch jungen Vereinigten Staaten auf. Ihre Eltern, ein gewalttätiger Säufer und eine nymphomanische Furie, bieten ihnen zunächst tatsächlich noch so etwas wie familiären Zusammenhalt. Sie lernen, in der Wildnis zu überleben, was neben Jagen und Schießen vor allem heißt bei Bedarf jedem ordentlich auf die Schnauze zu hauen. Als die Familie von Georgia nach Florida zieht, nehmen die Ereignisse eine sehr ungünstige Wendung: Die Familie wird zerstreut, auch von der jüngeren Schwester Maggie fehlt jede Spur. John und Edward ziehen hinaus in eine brutale Welt, für die sie gar nicht so schlecht gerüstet scheinen: Mit jugendlicher Selbstverständlichkeit schlagen sie sich durch - Respekt vor Eigentum, Gesundheit und Leben ihrer Mitmenschen ist ihnen dabei vollkommen fremd. Rücksicht auf sich selbst und andere scheint fehl am Platze in einem Land, in dem Moral, Recht und Gesetz noch nicht erfunden sind.

Ich habe wirklich länger überlegt, ob man dieses Buch empfehlen kann. Nach den ersten 100 Seiten hatte ich das Gefühl, dass das Ganze nun endgültig in einen fiebrigen Gewaltporno abdriftet. Muss man lesen, wie ein Mann seine Frau an einem Seil aufhängt und mit einer Rute blutig prügelt? Oder wie eine Mutter ihre geistig behinderte minderjährige Tochter in der Wildnis als Prostituierte anbietet? Von all den erschossenen, erstochenen, verkrüppelten, vergewaltigten Männern und Frauen, den bei lebendigem Leib verbrannten schwarzen Sklaven, den abgeschlachteten Indianern, den zu Tode gefolterten Kopfjägern kann sich einem leicht der Magen umdrehen. Die erste Entscheidung muss also lauten: Trifft das Ihren Geschmack oder können Sie wenigstens damit leben?

Trotz Bedenken las ich das Buch in Rekordzeit zu Ende, weil das Leben der beiden Brüder eine (morbide) Faszination auf mich ausgeübt hat. Diese traumatisierten Charaktere, die immer und sofort zu Gewalt greifen, auch wenn sie selbst dabei oft nur verlieren können, ließen mich sehr schnell mit Spannung verfolgen, wo das Ganze überhaupt enden kann. Der Autor kennt keine Helden. Aber er baut einen Mythos um die Familie der beiden, den ihr Vater ihnen in Albträumen offenbart, nämlich dass ihre Familie, ihr Blut vom Wahnsinn vergiftet sei - und dieses Schicksal manifestiert sich nicht nur im Töten als Lebensunterhalt, sondern auch in der unbestimmten Sehnsucht, sie könnten nur dort draußen, im gesetzlosen Westen, ihre Bestimmung finden.

Falls der "Wilde Westen" (wir reden hier für die 1840er v.a. von Mexiko und dem Indianerland der so genannten Comancheria und Apacheria) noch eine Entzauberung gebraucht hat, James Carlos Blake liefert sie.
"Wild", das klingt so nett, wenn wir von einer "wilden Party" sprechen. Die Wildheit dieses Buches ist jedoch von einem anderen Schlag. Wahrscheinlich ist es die Ambivalenz der Geschichte, die sie so interessant macht: ein geradezu schicksalhaft großartiges Land mit abenteuerlichen Möglichkeiten - und dann das, was Menschen daraus gemacht haben.

Alles in allem eine außergewöhnliche Lektüre, welche verständlicherweise beiweitem nicht jedermanns Sache sein wird. Vor diesem Hintergrund sind die vier Sterne zu verstehen.
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21 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. August 2013
Edward und John Little können auf keine behütete Kindheit zurück blicken. Der Vater ein brutaler, cholerischer Mörder. Die Mutter ein Missbrauchsopfer seit ihrer frühesten Kindheit. Da kann nichts gutes bei rum kommen, denkt man? Stimmt. Hinzu kommt, dass sich Edward und John auch noch im übelsten Teil des Wilden Westens aufhalten, wo marodierende Indianerhorden und jede Menge Outlaws ihr Unwesen treiben. Eine Karte der Region mit den wichtigsten Handlungsorten wäre zur Orientierung für den Leser super gewesen, ist aber auch nicht unabdingbar und von daher ist ihr Fehlen auch leicht zu verschmerzen.
Die Handlung dreht sich in erster Linie um die beiden Geschwister und wie diese sich in dieser Region der Gewalt durchschlagen. Es ist schaurig zu erkennen, wie in ihnen tatsächlich das Böse im Blut heranwächst.
Insgesamt ist das Buch sehr heftig, voller Gewalt und Brutalität. Die Handlung ist ab der ersten Seite präsent, aber auch ab der ersten Seite schonungslos. Hier gibt es keinen romantischen Revolverhelden. Hier geht es um die Darstellung einer verrohten, anarchischen Welt, fokussiert auf die beiden Brüder und deren voranschreitenden Metamorphose zu verrohten Menschen. Aber auch die Charaktere, welche die Brüder auf ihrer, teilweise gemeinsamen, teilweise getrennten Reise durch den Wilden Westen kennen lernen sind zum größten teil böse. Ganz selten einmal sticht ein Lichtblick aus dem Konglomerat aus Vergewaltigern, Mörder, religiösen Fanatikern und allerhand weiterem Gesindel heraus. Nicht nur die Brüder sind schlechte Menschen, sondern die gesamte Gesellschaft besteht in diesem Buch zu 99% aus schlechten Menschen. Ob dies tatsächlich die amerikanische Gesellschaft in dieser Epoche und in diesem Landstrich darstellt, so wie es der Klappentext vermittelt (Zitat:"James Carlos Blake erweckt eine Epoche zum Leben, ohne sie zu verklären, und führt uns so vor Augen, dass Amerika auf Hass, Gewalt und Habgier gebaut ist."), halte ich für zweifelhaft und finde es auch etwas überzogen. Dieses Buch ist ein Roman und kein Tatsachenbericht. So eine Plattitüde á la Michael Moore halte ich für unpassend. Allerdings war (nicht nur) Texas zu dieser Zeit tatsächlich ein heißes, von Brutalität durchzogenes Pflaster. Ich empfehle hier ganz stark das Buch "Interessante Abenteuer Unter Den Indianern: Enthaltend Erzählungen der merkwürdigsten Begebenheiten in den ersten Indianischen Kriegen, sowie auch Ereignisse während der neuern indianischen Feindseligkeiten in Mexico Und Texas" von John Frost aus dem Jahre 1857, auch erhältlich als (zugegebenermaßen nicht ganz günstiges) Paperback. Dies ist dann allerdings tatsächlich eine Quelle, ein Tatsachenbericht und absolut zu empfehlen.
Weiterhin erschien vor einigen Jahren, ebenfalls bei Liebeskind, der Western-Roman Deadwood, welchen ich ebenfalls empfehlen kann. Ich finde zwar, dass man bei der Gestaltung von "Das Böse im Blut" etwas von Deadwood hätte abweichen können, da die beiden Bücher sich so zum Verwechseln ähnlich sind, aber was soll's. Insgesamt ist "Das Böse im Blut" allerdings wesentlich härter als Deadwood und sollte auch nur von solchen Lesern konsumiert werden, welche dies ertragen können. Hinzu kommt nämlich besonders eine Tatsache, welche ich bei vielen Romanen, die bei Liebeskind erscheinen, und weshalb Veröffentlichungen in diesem Verlag mittlerweile stets von mir beobachtete werden: Das Buch ist wortgewaltig. Ja: Es ist richtig stark geschrieben! Nicht immer ganz einfach, aber es liegt uns ja hier auch kein Groschen-Western vor, sondern wirklich (mal wieder) große Literatur! Chapeau, Liebeskind!
Glatte 5 Sterne. Must have!
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Um es vorweg zu sagen: Dies ist kein banaler Baller-Western. Und man muss kein Westernfan sein - ich selbst bin z.B. das genaue Gegenteil davon -, um sich auf dieses Buch einlassen zu können. Aber Vorsicht: Blakes Mischung aus Sittenporträt und "Roadmovie" hat es in sich. Körperliche und psychische Gewalt sind allgegenwärtig. Tabus gibt es nicht. Es beginnt damit, das der eine Bruder des Antihelden-Duos den gewalttätigen Vater umbringt. Auf der Suche nach dem Glück und wohl auch nach der flüchtigen, vom Vater geschundenen Mutter - nebst Schwester, wie sich später herausstellt – schlagen sich die beiden Jungs durch. Und das ist wörtlich gemeint. Gefängnisse, Saloons, Armeeeinrichtungen und Puffs sind häufige Schauplätze. Alter Schweiß, Leder, Pferd und diverse Körperausscheidungen verströmen im Kopf-"Kino" des Lesers dauerhaft ihren strengen Geruch. Nein, das ist keine schöne Geschichte. Hier ist gar nix schön. Die Menschen sind nicht schön und ihr Handeln liegt fernab jeder Moral. Aber Blake gelingt es, äußerst lebendig ein Stück amerikanischer Geschichte einzufangen. Und das in einer intensiven, einfachen Sprache. Die macht zu einem Großteil das Tempo des Buches aus. Zumindest mir ging es so: Ich konnte kaum von dem Buch lassen. Ich wollte immer mehr wissen, obwohl oder gerade weil mir klar war, dass es kein Happy End geben würde. Für die unglaubliche Wirkung, die Blakes Roman auf mich gemacht hat, gibt es von mir fünf Sterne. Er hat es geschafft, auf originelle Weise die emotionalen Abgründe von Meisterwerken wie "Das Herz der Finsternis" oder "Apocalypse Now" in eine Wild-West-Geschichte zu transferieren.
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TOP 500 REZENSENTam 25. August 2015
Dieser Roman gehört zum Heyne Hardcore Programm. Und er hält, was der Name verspricht – Hardcore in Reinkultur. Lange habe ich keinen Roman mehr gelesen, der so hoffnungslos, düster und brutal ist. Messerstechereien, Schießereien, Vergewaltigungen, brutale Morde prägen diesen Roman. Mütter verkaufen ihre Töchter für ein paar Münzen, Vätern bedienen sich ihrer wie selbstverständlich. Das Gesetz ist weit weg, es gilt das Faustrecht, das Recht des Stärkeren. Alle sind auf der (verzweifelten) Suche nach einem besseren Leben, nach Wohlstand und so nimmt sich jeder das, von dem er denkt, es stünde ihm zu.

James Carlos Blake zeigt ein Bild des Wilden Westens, zu einer Zeit, als er noch wild war. Westernromantik und Ritte in den Sonnenuntergang wird der Leser vergeblich suchen. Trotzdem schafft es der Autor, stimmungsvolle Bilder zu zeichnen und Charaktere zu schaffen, die weitgehend glaubwürdig und zeitgemäß sind. Edward und John wurden von der Zeit, aber ganz besonders von der Brutalität in der Familie geprägt. Aber sie stehen damit nicht allein, alle kämpfen tagtäglich ums Überleben, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Zahl der Getöteten und Verletzten in diesem Roman bleibt ungezählt, nicht nur wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen.

Stellenweise war diese dem Roman innewohnende Gewalt und Metzelei selbst mir hartgesottenem und erfahrenem Thrillerleser zu viel, lassen konnte ich von dem Buch aber bis zur letzten Seite nicht. Vor allem deshalb nicht, weil die Gewalt nicht Selbstzweckwar, sondern in erster Linie der Zeit, der Abwesenheit von Recht und Gesetz und der Gier nach Wohlstand geschuldet war.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 16. Februar 2015
Ich besitze viele Bücher aus der Zeit der Eroberung des 'Wilden Westens' und ich kaufte dieses weil es in einer Zeit angesiedelt ist vor dem
Amerikanischen Bürgerkrieg. Es ist die Zeit der Gründung von Texas und wahrscheinlich ist kein anderer Bundesstaat der USA gewalttätiger entstanden. Und wenn man mit einer Farbe dieses Buch beschreiben müsste so wäre diese Rot; Rot in allen seinen Schattierungen stellvertretend für das unglaubliche Blutvergießen.

Edward und John, die beiden Hauptakteure sind zwei durch allgegenwärtige Gewalt ihres Vaters traumatisierte Jugendliche, die dadurch letztlich ihre Familie und ihr Heim verlieren. Sie beschließen nach Westen zu gehen, in die freien Gebiete, dort wo Texas entstehen sollte. Der Weg dorthin ist gewaltsam und sie erreichen ihr Ziel getrennt aber beide geraten unausweichlich in ein Inferno der Brutalität, beide auf verschiedenen Seiten, beide nicht zu unterscheiden von anderen in dem was sie tun. Ihr Weg führt sie tief nach Mexico hinein, ihr Weg gekennzeichnet durch Orgien der Brutalität die in den Schlachten des Mexikanisch-Amerikanischen Krieg um Texas gipfeln. Und wohin sie auch gehen, sie werden immer begleitet vom Dämon ihres Vaters aber da ist noch mehr, sie können es beide spüren aber es gibt eigentlich keine Worte dafür. Es ist nichts Gutes, was sie in sich tragen und deshalb sind sie nicht einmal tragisch. Dass einer der Brüder am Ende des Buches noch lebt und
sich zum ersten Mal in seinem Leben allem bewußt wird ... es entschuldigt nichts.

Dieses Buch ist roh, es ist flüssig mit genau so vielen und klaren Worten wie nötig und es enthält auch Schönheit; die Schönheit der Natur und atemberaubenden Landschaften, durch die der Weg der Brüder führte. Wer das Buch 'Die Abendröte im Westen' vom Bestseller Cormac McCarthy schätzt, wird in diesem Werk eine gleichwertige Bereicherung finden. Ich gebe diesem Werk die Bestnote, weil dieses Buch mir genau so gefällt.
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10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 29. November 2013
Ein überaus brutaler, rücksichtsloser Vater der einen Mann wutentbrannt tötet weil der mit seiner Frau tanzen will. Ein Mann und Vater der diese Frau schwer misshandelt, zwei Söhne die diesen Vater später töten und eine Tochter die aus diesem Elend flieht um als alkoholsüchtige Prostituierte ihr Dasein zu fristen. Die Brüder fliehen und der Leser begleitet die Beiden bis zum bitteren Ende.
Ein von beiläufiger, intensiver Brutalität, zahllosen Morden, Vergewaltigungen und Verstümmelungen gekennzeichneter Weg durch den Westen nach Mexico. Die beiden Brüder sind durch Albträume von ihrem übermächtigen Vater und die Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend gequält. Der Weg der Beiden führt entlang historisch verbürgter Ereignisse und zeigt die Zeit und ihre Menschen ungeschönt und fernab von Western Klischees. Ein Mix aus Western, historischem und Noir Roman. Wir sehen die beiden Hauptfiguren agieren, erleben mit wie ihre Wegbegleiter sich verhalten, Einblicke in ihr Innenleben erhalten wir nicht.
Dieses Road Movie in die Finsternis ist von Beginn an von verstörender, beiläufiger Brutalität. Was anfänglich noch fesselt, weil es erschreckt und aufrüttelt, führt im Verlauf des Buchs fast schon zu Langeweile. Kaum eine Seite wo nicht ein Mord, Verstümmelung oder üble Schlägereien geschildert werden. Das Zusammentreffen von Menschen ist stets geprägt von Gier, Rücksichtslosigkeit, Geilheit und erbarmungsloser Brutalität. Als Leser wird einem schnell klar, dass die nächste derartige Szene kommen wird. Man weiß nur nicht ob lediglich ein paar Zähne dran glauben müssen, ein Bauch aufgeschlitzt wird oder gleich ein Kopf rollt (falls der nicht vorher noch skalpiert wird). Das Gute im Menschen findet hier kaum statt.

Möglicherweise wollte der Autor ja diese abstumpfende Wirkung der Gewalttätigkeit beim Leser hervorrufen, so wie sie offenbar bei seinen Hauptfiguren auch wirkt. Das ist ihm gelungen. Der Irrwitz des Krieges wird von Blake zum Schluss im Bild der Brüder klar, die auf unterschiedlichen Seiten im Krieg kämpfen. Der eine auf amerikanischer Seite, der andere auf mexikanischer Seite in einem Bataillon von desertierten amerikanischen Iren.

Wirklich viel erfährt der Leser über die geschilderte Epoche dabei nicht. Das Kriege überaus brutal sind, das der Westen auch durch Morde an Indianern (Kindern, Frauen) erobert wurde, Kopfjäger marodierend für Geld das Abschlachten übernahmen dürfte für die Mehrzahl der Leser nicht neu sein. Ob detailfreudige Schilderungen von brutalen Strafen innerhalb der amerikanischen Truppen einem die Zeit näherbringen ist fraglich. Klar all das gehört zur Wahrheit dazu, aber in der Häufung und als Fokus der Erzählung sind verrohte Menschen die sich gegenseitig an die Gurgel gehen auf Romanlänge zu wenig. Wirklich spannend fand ich das auf Dauer nicht. Die gewaltätigen Szenen wären nachtrücklicher und intensiver, wenn sie die Handlung nicht derart dominieren würden.

Sprachlich gelungen, aber nicht herausragend. Um wirklich glänzen zu können hätte der Autor sich und seinen Lesern etwas mehr Einblick in die Psyche seiner Figuren gewähren sollen. Mitfühlen mit diesen seelischen Krüppeln, Sympathie für eine der Figuren, eine Spannungskurve im Handlungsverlauf, ein Ziel um dessen erreichen mitgefiebert wird - all das gibt der Roman nicht her. Insofern kann ich die Fünf Sterne Rezensionen persönlich nicht nachvollziehen. Dafür ist mir das Geschehen zu eindimensional. Blake gelingt es am Ende nicht uns die Tragik seiner Figuren wirklich nahezubringen. Die verlorenen Seelen die hier agieren erhalten zu wenig Raum sich zu entfalten. Einige intensive, schöne Szenen, etwa die Liebesgeschichte die sich in Mexico andeutet, sind bei der Länge des Buchs zu wenig. Hier zeigt der Autor das er viel mehr kann als eindrucksvoll Gewalttaten zu beschreiben. Gerade der Kontrast dieser Episode, fast deutet sich so etwas wie Erlösung aus dem Albtraum an, macht die Schilderung so stark. Mehr solcher Elemente hätten dem Buch gut getan. So bleibt das Wenige in dieser Art in gleichförmig vorbeiziehender Gewalt verschüttet.
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12 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 27. August 2013
Auf den ersten Blick scheint es, als ob James Carlos Blake einen Western geschrieben hätte, aber nachdem ich bereits McCarthy, Woodrell und Pollock gelesen habe, würde ich "Das Böse im Blut" eher in die gleiche Richtung einordnen - ein Noir-Roman der allerdings im Westerngewand daherkommt und in den Jahren zwischen 1838 und 1850 angesiedelt ist.

Die Hauptfiguren, das Brüderpaar Edward und John Little, wachsen in einer dysfunktionalen Familie auf und werden bereits im Laufe ihrer Kindheit mit Gewaltexzessen konfrontiert, die sich nachhaltig in ihr Gedächtnis einbrennen und Einfluss auf ihr späteres Verhalten nehmen. Ihrer allmählichen Verrohung haben sie nichts entgegenzusetzen, im Gegenteil - der Hass und "das Böse im Blut" nehmen stetig zu.

Alkohol, Misshandlungen, Schlägereien, Missbrauch, Totschlag sind an der Tagesordnung, und nachfolgend immer wieder der Wechsel des Aufenthaltsortes auf der Flucht vor dem Gesetz, weshalb die Brüder auch keine Heimat im herkömmlichen Sinn kennen. Sie lassen sich von Ort zu Ort treiben, trennen sich und landen schließlich dennoch beide wieder in der Grenzregion zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko, einem Gebiet, in dem Gesetzlose das sagen haben. Noch immer ist rohe Gewalt ihr täglich Brot: John hat sich, um dem weitreichenden Arm des Gesetzes zu entgehen, der US Armee angeschlossen und kämpft gegen die Mexikaner, Edward streift mit einer Mörderband auf der Jagd nach indianischen Skalps durch die Region. Bis sich die beiden Brüder schließlich auf dem Schlachtfeld des mexikanisch-amerikanischen Krieges wiedersehen - allerdings auf verschiedenen Seiten.

Ich bin gewiss nicht zimperlich, aber die geschilderten Gräueltaten sind schon sehr blutig und brutal und mir fällt auf Anhieb kein Roman ein, in dem so viele Menschen gewaltsam zu Tode kommen wie in "Das Böse im Blut". Und dennoch ist es nicht das, was mich bei der Lektüre erschreckt hat. Es ist die Beiläufigkeit, die Selbstverständlichkeit mit der hier jede Zeile von Gewalt durchtränkt ist und die mich deshalb umso mehr sowohl erschreckt als auch beeindruckt hat.

Wie die bereits erwähnten Autoren schafft es auch Blake, eindringliche Bilder vor den Augen des Lesers entstehen zu lassen, denen er durch seine wortgewaltige Sprache eine unglaubliche Intensität verleiht.

Großartige Literatur und ein höchst empfehlenswertes Buch für Leser mit starken Nerven!
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7 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. Oktober 2013
In den Klappentexten wird gern nach den Sternen gegriffen. Hier steht "…ist bildmächtig, blutig und nachtschwarz" oder "…erkundet meisterhaft die dunklen Seiten der menschlichen Seele". Meine anfängliche Skepsis ist auf Seite 20 verflogen, auf Seite 70 nicke ich bereits anerkennend. Blake macht aus der damals (die Geschichte beginnt 1845 im Hochland von Georgia) herrschenden Gnadenlosigkeit keine große Sache. Wie im Vorbeigehen schildert er Verrohung und ungeheuerliche Brutalität. Das Böse ist unangenehm präsent, aber das Leben geht einfach weiter. Auch wenn ich die Diskrepanz zum eigenen Empfinden deutlich spüre, gefällt mir sein Stil ausnehmend gut. Seine Geschichte – und das ist mal eine, Mann-o-Mann! - entwickelt einen einzigen großen Bildersog. Ich nehme ihm die Darstellungen dieser rauen Epoche ab, die er mit einer derben Sprache unterstreicht und es nie an Halunken, Huren und Henkern mangeln lässt. Welche Wendung die Story nimmt, ist nie sicher. Das einzig Sichere ist, dass er seinen Leser fest im Griff hat. Diesen Autor merke ich mir.
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