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TOP 1000 REZENSENTam 31. Oktober 2013
Ich bin eigentlich kein Freund der diversen Eisenbahnspiele und war zunächst sehr skeptisch, als in unserem Spieleverein unter dem Motto "Messeneuheiten" Russian Railroads ausgepackt wurde. Aber: "Gib jedem eine Chance" sag ich mir und hab mich dazugesetzt. Zum Glück!

Bei "Russian Railroads" werden nicht wie sonst üblich auf mehr oder weniger komplexe Weise Schienen auf einer Karte verlegt. Es ist vielmehr ein klassisches Placement-Worker Game:

Es gilt von Moskau aus drei Strecken aus in Richtung Osten zu verlegen. Diese Strecken existieren als abstrakte Bauleisten. Es gibt zwei "kurze" und eine "lange" Strecke. Der Ausbau der Strecke wird über ein Schienenstück in verschiedener Farbe dargestellt. Dabei stellt das Schienenstück nicht nur die Gleise selbst dar sondern den gesamten Grad der Infrastruktur der Strecke. Die Güteklasse wird durch verschiedene Farben dargestellt. Natürlich muss man jede Strecke zuerst einfach ausbauen, ehe man die Qualität um eine Stufe erhöhen kann usw. Um die Gleise tatsächlich zu befahren, muss man neben sie noch ein bzw. zwei Lokomotiven stellen. Die Werte der Lokomotiven stellen die Reichweite dar, die die Strecke tatsächlich befahren wird.

Auf vielen Streckenabschnitten gibt es bestimmte Ereignisse. Ausgelöst werden diese durch das Erfüllen bestimmter Bedingungen. Die einfachste Bedinung ist "die Strecke ist bis hier hin mit der einfachsten Gleisart angebunden". Schwierigere Bedingungen sind höherwertige und tatsächlich befahrene Strecken. Die dabei interessantesten Ereignisse sind die Ereignismarker, von denen jeder Spieler eine Handvoll zur Verfügung hat. Löst der Spieler ein Ereignismarker aus, sucht er sich eines aus seiner Auswahl aus. Hier kann man je nach der persönlichen Strategie wichtige Entscheidungen treffen, die den Spielverlauf ausgesprochen unterschiedlich beeinflussen können.

Zu guter Letzt geht es nicht nur um "Russian Railroads" sondern auch um "Russian Industrie". Auf einer weiteren Leiste kann man die allgemeine Industrieinfrastruktur entwickeln. Diese Leiste bringt zum einen Punkte, zum anderen können in sie Industrieanlagen eingebaut werden, die bei erreichen bestimmte Effekte ähnlich wie die Ereignismarker auslösen.

Wo bleiben jetzt die Worker? Jeder Spieler beginnt mit einer Handvoll Arbeitern. Auf dem Spielplan sind diverse Bereiche verteilt, auf denen die Spieler jede Runde ihre Arbeiter verteilen können. Je nach Stärke des Feldes wird dazu einer oder mehr benötigt. Es gibt einen Bereich, der für den Streckenausbau wichtig ist. Einen weiteren Bereich, der für den Bau von Lokomotiven und Industrieanlagen wichtig ist. Einen dritten Bereich, der für "diverse" Vorteile da ist. Und einen vierten Bereich, auf dem Ingenieure mit einmaligen und im Laufe des Spiels wechselnden Fähigkeiten genutzt werden können.

Spielspaß: Wie bei den meisten Worker-Placement-Games kann man sich nicht in allen Bereich gleichzeitig entwickeln. Man muss sich für eine Strategie (spezialisiert oder gemischt) entscheiden, um im Spiel voranzukommen. Ein bisschen an den Strecken muss zwar jeder bauen, aber ob man das Hauptgewicht darauf legt, oder lieber über Industrie oder Ingenieuere oder die "diversen" Felder Punkte macht, bleibt jedem selbst überlassen. Neben dieser Auswahlmöglichkeit, die schon mal hohen Wiederspielbarkeitsfaktor garantiert, kommt noch hinzu, dass es ein paar mehr Ereigniskarten und ein paar mehr Ingenierue gibt, als im Spiel tatsächlich eingestetzt werden. Im aktuellen Spiel spielen also nicht alle Möglichkeiten mit und die nächste Partie kann durch neue kombinierbare Möglichkeiten noch mal ganz anders verlaufen.
Nicht erwähnt habe ich dabei noch diverse Kleinmechanismen und Spielmöglichkeiten, die noch mehr Möglichkeiten bieten, ohne dabei "über" zu wirken.
Gespielt wird über 7 Runden, an deren Ende jeweils eine Abrechnung erfolgt. In der ersten Runde sammelt man nur eine Handvoll Punkte, diese werden aber von Runde zu Runde höher. Zum Schluss hat man dann schnell weit über 300 Punkte. Klingt ein bisschen inflationär, ist aber ehrlich gesagt einfach mal schön, die Punkteexplosion in den weiteren Runden zu beobachten. Da kommt ein richtiges Feeling von "industrieller Revolution" auf. In unserem Testspiel landeten übrigens drei Spieler trotz radikal unterschiedlicher Strategien alle im Bereich 360 bis 370 Punkte. Ob das Zufall war oder eine extrem fein austarierte Punktemechanik, werden weitere Partien zeigen.

Ausstattung: Das Spielmaterial ist solide in angemessen starker Papp- und Kartenstärke mit Holzfiguren. Das Artwork sowohl vom Brett als der Karten ist sehr stimmungsvoll und gelungen und spiegelt die Zeit des industirellen Aufbaus wider. Auch hier also keine Abstriche.

Nachtrag: Inzwischen habe ich das Spiel regelmäßig gespielt und es macht immer noch viel Spaß. Dabei haben sich leider ein paar starke Unausgewogenheiten gezeigt, auf die ich im Kommentar noch mal näher eingehe.

FAZIT: "Russian Railroads" ist kein Familienspiel sondern ein Spiel für Vielspieler. Es gibt viele unterschiedliche Möglichkeiten, Punkte zu machen, und sowohl der Reiz, die unterschiedlichen Möglichkeiten auszuprobieren als auch die bekannten zu optimieren sorgt für einen hohen Wiederspielwert. Freunde von "Agricola", "Ora et Labora" oder "Village" dürften ihre helle Freude daran haben. Mit den übrigen Eisenbahnspielen von "Transamerika" bis "1830" hat das Spiel kaum etwas zu tun.
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am 14. November 2013
Russian Railroads ist ein klassisches Worker-Placement Spiel.
In einem Komplexitätsranking von 0 (simpel) bis 10 (sehr komplex) würde ich es etwa bei 7-8 einordnen. Will heißen: Es gibt kompliziertere Spiele, aber dennoch hat dieses Spiel einen hohen Anspruch. Wenn man gewinnen will und gute Mitspieler hat, so muss man intensiv planen und frühzeitig festlegen, wie man seine eigene Strategie aufbauen will, denn es gibt zahlreiche verschiedene Optionen, die mal mehr und mal weniger mit anderen zu kombinieren sind.

Im Folgenden will ich nur einen ganz kurzen Abriss geben. Das komplette Spiel lässt sich dank einer sehr gut aufgebauten und geschriebenen Anleitung in ca. 30 Minuten erlernen. Nach dem Spielen der ersten 2-3 Runden geht der Mechanismus ins Blut über, so dass die Züge recht schnell ablaufen. Nur das (Nach-)lesen einiger Sonderkarten verzögert bei den ersten Partien den Ablauf kurz:

Das Ziel des Spieles sind möglichst viele Siegpunkte zu erreichen.

Diese kann man überwiegend durch drei verschiedene Bereiche bekommen:
- Man baut seine Eisenbahngleise und die darauf fahrenden Loks gut aus
- man entwickelt seine Industrie
- durch spezielle Siegbedingungskarten, die zusätzlich eine (beträchtliche) Anzahl von Punkten bringen.

Die einzelnen Aktionen wie der Gleisausbau, Lok-Kauf oder das Anwerben von Ingenieuren wird durch das besetzen des jeweiligen Feldes durch einen seiner eigenen Arbeiter erreicht. Die Spieler setzen immer reium einen Arbeiter ein. Bis auf eine Aufnahme, kann jedes Feld nur durch einen Arbeiter besetzt werden. Von daher geht dem eigenen Zug meist folgende Überlegung vorraus:
- Was brauche ich jetzt (oder nächste Runde, sofern man vorraus plant - und das sollte man umbedingt :D)
- was brauchen die anderen Spieler - also was sollte ich u.U. blockieren, so dass sie es nicht nutzen können.

Wichtig ist, dass man nicht einfach wild drauf losbaut, je nachdem welche Felder gerade frei sind, sondern, dass die Spielzüge gut aufeinander abgestimmt sind, denn es ergeben sich immense Synergien durch bestimmte Kombinationen.

Zu guter Letzt noch: Das Spiel ist toll ausbalanciert und es gibt - je nach Spielrunde und vorgehen der anderen - unterschiedliche Siegoptionen. Das Spielfeld ist übersichtlich gestaltet, so dass man sich schnell mühelos zurecht findet, wann was zu tun ist.

Es ist sicherlich auch für Familien geeignet, erreicht aber seine wahre Stärke in Vielspielerrunden.

Fazit: Sehr tolles Spiel, dass für mich zu den absolut besten dieses Jahres gehört.
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TOP 1000 REZENSENTam 31. Oktober 2014
HUNTER 8/10
+ Viele strategische Optionen, sehr gute Balance.
+ Funktioniert auch als 2-Spieler-Spiel sehr gut.
- Man sollte keine Angst vor Zahlenspielen haben.

CRON 8/10
+ Worker-Placement par excellence...
- ...aber das Thema bleibt sehr abstrakt.

Wir haben auf unserem Kanal auch eine Video-Review zu RUSSIAN RAILROADS gemacht.

OFFIZIELLE SPIELBESCHREIBUNG
Russland am Ende des 19. Jahrhunderts. Zar Alexander III. entscheidet sich auf Anraten seines Verkehrsministers für die Durchführung eines gewaltigen Projekts: Den Bau der Transibirischen Eisenbahn! Um sein Reich in die Moderne zu führen, sollen aber auch andere wichtige Routen errichtet werden. Die Industrialisierung ist nicht mehr aufzuhalten... In RUSSIAN RAILROADS begeben sich die Spieler in einen spannenden Wettstreit um das größte und fortschrittlichste Streckennetz. Dabei gilt es, seine Arbeiter in jeder Situation am sinnvollsten einzusetzen. Mit einfachen Gleisen erreicht man schnell wichtige Orte, während die Modernisierung des Streckennetzes die Maschinerie erst richtig in Gang bringt. Neue Loks legen größere Entfernungen zurück und Fabriken schaffen Fortschritt. Es gibt viele Möglichkeiten, die Weichen für den Sieg zu stellen. Doch wer gibt am meisten Dampf und wer bleibt auf der Strecke?

BESONDERHEIT
RUSSIAN RAILROADS ist ein Kennerspiel, das sich ganz klar an Vielspieler und nicht an Familien richtet. Der HANS IM GLÜCK Verlag ist sogar so freundlich, auf der eigenen Homepage noch einmal darauf hinzuweisen. Wer aber schon immer Vielspieler werden möchte und nicht weiß, wie das geht, das ist mit RUSSIAN RAILROADS perfekt bedient, denn die Anleitung, die es mit sich bringt, ist ein absoluter Traum! Perfekt und fehlerfrei! So muss das sein... ist es aber leider nicht immer so.

TRIVIA
RUSSIAN RAILROADS ist keinesfalls das erste „Eisenbahnspiel" von Helmut Ohley und Leonhard Orgler: Die beiden haben bereits ausreichend Erfahrung im 18XX-Bereich gesammelt, so stammen zum Beispiel 1880 CHINA, 1848 AUSTRALIEN und 1824 ÖSTERREICH-UNGARN aus ihrer Feder. Die Eisenbahnfreaks unter euch nicken nun begeistert, aber manch Ottonormalbrettspieler fragt sich jetzt vielleicht auch: Was zum Teufel ist 18XX? Kurz zusammengefasst: Der Begriff 18XX bezeichnet eine ganze Reihe von „Eisenbahnwirtschaftsimulationen", bei denen auf nationalen Landkarten die Entstehungsgeschichte der jeweiligen Eisenbahnnetze mehr oder weniger genau simuliert wird.

@hunterundcron
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am 3. November 2013
Schon das Auspacken macht Spaß, am Material gibt es nichts auszusetzen. Viele schöne Holzteile (je 8 Arbeiter und 2 Anzeigefiguren in den 4 Spielerfarben, 48 Gleise), ca. 25 Karten, viele Plättchen und Geldmünzen sowie Spielertableaus aus stabiler Pappe. Die Schachtelgrafik ist ungewöhnlich, aber zum Thema passend; Spielertableaus und Spielplan sind zweckmäßig übersichtlich, aber dennoch schön gestaltet. 15 Ingenieure haben jeweils ein eigenes Gesicht.
Die Spielregel ist 24 Seiten lang, aber es macht Spaß, sie zu lesen. Alles gut bebildert, übersichtlich gestaltet, sogar nett geschrieben (man bekommt den Eindruck vermittelt, etwas geleistet zu haben, was zum Weiterlesen anspornt).

Nun aber zum Wichtigsten, dem Spiel. Wir sind Eisenbahnmogule, die in Russland die Transsibirische Eisenbahn sowie zwei weitere Strecken bauen. Neben dem Gleisbau kaufen wir Lokomotiven, heuern Arbeiter und Ingenieure an und treiben unsere Industrialisierung voran - natürlich alles, um Siegpunkte zu bekommen.
Was sich umfangreich anhört, ist in der Praxis gar nicht kompliziert. Nach altbekanntem Workerplacement-Mechanismus setzen wir unsere Arbeiter auf Aktionsfelder und dürfen dann entweder Gleise bauen, Lokomotiven oder Fabriken kaufen, unsere Industrie ausbauen, Geld beschaffen, die Spielerreihenfolge beeinflussen, Leiharbeiter oder einen Ingenieur anheuern oder deren Wissen nutzen. Jedes Aktionsfeld bis auf eines ist nur einmal pro Runde nutzbar, dadurch entsteht Konkurrenz um die besten Plätze.
Herzstück des Spiels sind die Spielertableaus, auf denen wir unsere Gleise bauen. Je nachdem, wie weit wir unseren Gleisbau vorangetrieben haben, erarbeiten wir uns auf den drei Strecken unterschiedliche Boni wie die Berechtigung zum Bau "besserer" (wertvollerer)Gleisstrecken, zusätzliche Arbeiter, wertvolle Punktefelder oder die Auswahl eines Bonusplättchens, welches einen weit voranbringen kann. Durch die drei unterschiedlichen Strecken sowie die Fabrikleiste gibt es verschiedene Strategien, auf die wir uns konzentrieren können, was den Wiederspielreiz ungemein erhöht.
Das Spiel läuft zu viert über 7 Runden, nach jeder erfolgt eine Wertung, bei der man zunehmend viele Punkte erhält. Die Wertung der Gleise wirkt anfangs ein wenig kompliziert, hierfür liegen jedoch für jeden Spieler ein Übersichtsplättchen bei, das man spätestens nach der 2. oder 3. Runde nicht mehr brauchen dürfte.

Das Spiel von Helmut Ohley und Leonhard Orbler ist für 2-4 Personen ab 12 Jahren. Bisher habe ich es zweimal zu viert gespielt. Für 2-3 Spieler wird die Spielplanrückseite verwendet - ein toller Luxus. Die geringen Regeländerungen klingen logisch; ich vermute stark, dass der Spielspaß ähnlich groß ist wie zu viert. Die angegebene Spieldauer von 2 Stunden ist zu viert angemessen, mit weniger Spielern sollte es schneller gehen.

MEIN FAZIT: Wieder mal ein Workerplacement-Spiel, aber ein besonders tolles. Die Regeln sind recht einfach, das Thema toll umgesetzt, der Wiederspielreiz sehr hoch. Für Leute, denen Kopfrechnen nicht liegt, könnte die Wertung anfangs ein wenig mühsam sein - dies ist aber auch die einzige Einschränkung für ein empfehlenswertes Strategie-/Taktikspiel.
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am 17. Februar 2015
"Russian Railroads" ist ein Worker Placement-Spiel - d.h. die Spieler haben jeweils eine Handvoll Spielfiguren, die sie abwechselnd "aussenden" um Aufgaben zu übernehmen. Das Thema ist der Ausbau verschiedener Bahnstrecken, um das eigene Bahnunternehmen möglichst aufblühen zu lassen. Dieses Thema ist allerdings völlig aufgesetzt und hat mit dem Spielerlebnis nicht viel zu tun. Vielmehr geht es darum, eine möglichst optimale Abfolge von Aktionen zu wählen, die verschiedenen Möglichkeiten zum richtigen Zeitpunkt richtig zu nutzen und auf die Aktionen der Mitspieler richtig zu reagieren (insbesondere wenn sie die eigene Strategie bewusst blockieren).

Das Spiel enthält ein paar sehr ansprechende Spielideen, die ich so noch nicht gesehen habe und die Vielzahl möglicher Strategien gibt "Russian Railroads" mit Sicherheit einen hohen Wiederspielwert. Die Komplexität des Spiels liegt meiner Meinung nach noch ein Zacken über dem "Kennerspiel des Jahres"-Niveau. Es richtet sich also ganz klar an Vielspieler, aber die ausführliche Spielanleitung ist hervorragend geschrieben.
Leider ist das Thema des Spiels so sehr aufgesetzt, dass ich fast versucht bin, es als abstraktes Strategiespiel zu bezeichnen. Mit Eisenbahnen hat es jedenfalls wenig zu tun und für mich persönlich ist das ein fetter Minuspunkt. Es fühlt sich manchmal beinahe so an, als würde man die beste Lösung zu einer frickeligen Mathematik-Aufgabe suchen - aber für manche Spieler ist das wahrscheinlich genau das, was sie lieben.

Obwohl ich das Spiel persönlich nicht mag und nicht gerne spiele, gebe ich 4 Sterne - denn die Mechanismen funktionieren ausgezeichnet und die Vielzahl strategischer Möglichkeiten scheint hervorragend ausbalanciert. Dazu kommt die gute Aufmachung, die gute Qualität der Komponenten und eine vorbildliche Anleitung.
Das Spiel ist unthematisch und mathematisch - aber ob man sich daran stört, ist ganz einfach nur Geschmackssache.
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am 3. Februar 2015
Schon wieder ein Eisenbahnspiel – und dann auch noch in Russland. Das waren meine ersten Gedanken als ich Russian Railroads sah. OK, Russland steht gerade nicht als Symphatieträger da, doch das Spiel spielt im russischen Zarenreich des späten 19. Jahrhunderts und hat mit Putin nun gar nichts zu tun. Außerdem spielen viele andere Eisenbahnspiele in Amerika (Zug um Zug, 1830, Union Pacific) und bisher keins in Russland. Überhaupt erinnere ich mich an kaum ein neues Eisenbahnspiel in den letzten Jahren, die meisten dieser Spiele sind Jahrzehnte alt (Ausnahme Snowdonia, was aber auch kein typisches Eisenbahnspiel ist). Auf den zweiten Blick bietet Russian Railroads also ein neues Thema.

Abweichend zu anderen Eisenbahnspielen zeigt der Spielplan keine Landkarte auf der Strecken gebaut werden müssen, auf denen dann Züge rollen sollen. Stattdessen ist Russian Railroads ein typisches Worker-Placement-Spiel. Der zentrale Spielplan zeigt deshalb eine Vielfalt von Einsetzfeldern, auf denen die Arbeiter platziert werden können. Jeder Spieler hat ein eigenes Tableau auf denen er „seine“ 3 Strecken ausbauen kann, die als lineare Felder Reihe angedeutet sind. Die Transsibirische Eisenbahn gibt es also nicht nur einmal, sondern einmal pro Spieler. Der gesamte Spielaufbau erinnert eher an Spiele wie Agricola statt an ein typisches Eisenbahnspiel

Spielmaterial:
Zum Spiel gehört ein schmaler langer 2-fach gefalteter und beidseitig bedruckter Spielplan und 4 Spielertableaus mit einem gezackten unteren Rand - beides aus dicker stabiler Pappe. Auffallend sind eine größere Zahl Pfeilförmiger Plättchen die auf der einen Seite Lokomotiven und auf der Rückseite Fabrikeinrichtungen zeigen. Weitere größere Plättchen mit einer abgeschrägten Ecke zeigen Ingenieure. Die Ecke sorgt dafür dass die beidseitig bedruckten Plättchen stets lagerichtig platziert werden. Für jeden Spieler gibt es 8 hölzerne Arbeiterfiguren sowie 2 weitere Holzmännchen, die sich von den Arbeitern unterscheiden und als Anzeiger für Punktestand und Spielerreihenfolge dienen. Violette sechseckige Klötzchen dienen als Fabrikmarker und beidseitig bedruckte runde Pappmärkchen als Münzen. Weiterhin gibt es eine große Anzahl von „Schienenstücken“ (Holzklötzchen in Doppel-T-Träger-Form) in 5 Farben und 2 Größen. Einige weitere Holzteile, Pappplättchen und einige mittelgroße Spielkarten ergänzen den Packungsinhalt. Das Spielmaterial ist sehr umfangreich und vielfältig, dabei durchdacht, stets sehr liebevoll gestaltet, sorgfältig hergestellt und durchgängig aus hochwertigem stabilem Material.

Spielschachtel:
Bei der Vielzahl der Spielmaterialien ist die Schachtel von überraschend kleinem Format und im selben braunen Grundton gehalten wie das gesamte Spielmaterial. Schriftzug und die Front der abgebildeten Lokomotive sowie die seitlich aufgedruckten Ingenieure sehen allerdings viel mehr nach der Zeit von Stalin aus als nach russischem Zarenreich. Leider hat auch dieses Spiel mal wieder keinerlei Aufteilung und kein Inlay. Der Verlang meint, dass ein paar Zip-Tüten ausreichen. Wer die verwendet braucht für den Auf- und Abbau locker die doppelte Zeit. Vielleicht sollte der Verlag sich einmal bei „Seasons“ ansehen, wie man so ein perfektes Kartoninnenleben gestaltet. Ich selbst helfe mir mit kleinen Sortierkästen aus Plastik, die man günstig bei Conrad beziehen kann.

Spielregel:
20 Seiten Spielregel sind natürlich schon eine Herausforderung, die manchen dauerhaft von dem Spiel abschrecken wird. Doch keine Panik. Ich habe selten eine Regel gelesen, die so anschaulich und leicht verständlich geschrieben ist. Klar strukturiert und zusammenhängendes farblich hinterlegt umrahmt mit zahlreichen Beispielen und Humor geschrieben („Ein schwarzes Gleis…das bringt Null Punkte. Das ist nicht viel, aber dafür einfach zu rechnen“). Am Ende der Regel sind alle Plättchen und Karten aufgeführt und einzeln beschrieben. Wirklich vorbildlich.

Spielmechanismus:
Russian Railroads ist ein typisches Worker Placement Spiel, das in 6-7 (je nach Spielerzahl) Spielrunden gespielt wird. Jeder Spieler erhält 5 bzw. 6 Arbeiter, mit denen er die zahlreichen Felder auf dem zentralen Spielplan aktivieren kann. Sobald alle Spieler ihre Arbeiter eingesetzt haben endet eine Runde. Die Felder fordern den Einsatz von je 1-3 Arbeitern und können pro Runde nur von einem Spieler genutzt werden. Anschließend sind sie bis zur Folgerunde besetzt.
Jeder Spieler hat auf seinem Tableau 3 Eisenbahnstrecken sowie eine Industrieleiste. Die Eisenbahnstrecken müssen mit Schienenstücken gebaut werden, wobei es Schienen unterschiedlicher Hierarchie gibt. Zunächst müssen auf jeder Stecke die schwarzen, dann die grauen, braunen, beigen und weißen Schienen gebaut werden. Bei der Zwischenwertung nach jeder Runde bringen die höherwertigen Schienen mehr Punkte aber nur, so weit auf der Strecke, wie die Reichweite der Lok(s) reicht. Zu Spielbeginn können aber nur Loks mit geringer Reichweite erworben werden, erst wenn eine Loksorte verbraucht ist, ist die nächstbessere erhältlich.
Zusätzlich schalten die Schienenfelder, wenn sie mit einer bestimmten Schienensorte erreicht werden, weitere Funktionen frei, wie Zusatzpunkte einmalig oder bei jeder Wertung, zusätzliche Arbeiter oder einen Bonus. Jeder Spieler erhält zu Spielbeginn 7 Bonusplättchen (sog.?-Plättchen), von denen er beim Erreichen der entsprechenden Schienenfelder eins aktivieren kann – es gibt allerdings nur 4 solcher ?-Felder, so dass man die Auswahl sorgsam treffen muss, denn die Boni sind sehr stark.
Neben den Eisenbahnstrecken gibt es noch die Industrieleiste. Hier geht man mit einem violetten Marker voran, trifft aber nach einigen Schritten auf Lücken in der Leiste, die mit Fabriken geschlossen werden müssen. Fabriken sind auf den Rückseiten der Lokomotiven und können alternativ zu diesen erworben werden. Jede Fabrik bietet wiederum eine Sonderfunktion, sobald man sie mit dem Marker betritt, welche mal stärker und mal schwächer ausfällt.
Eine weitere Besonderheit in dem Spiel sind die Ingenieure. In jeder Runde kann ein Ingenieur gekauft und 1-2 weitere genutzt werden. Derjenige, der den Ingenieur kauft erwirbt damit ein privates Einsetzfeld für einen seiner Arbeiter, dass kein anderer Spieler besetzen kann.
Nach 6-7 Runden (je nach Spieleranzahl) wird eine letzte Wertung durchgeführt, wer dann die meisten Punkte hat gewinnt. Typisch für das Spiel ist eine inflationäre Punktevermehrung zum Spielende, so ist man zu Spielbeginn über jeden Einzelpunkt glücklich, in der letzten Runde kann man aber auch schon mal über 100 Punkte erhalten.

Komplexität:
Russian Railroads ist ein durchaus anspruchsvolles Spiel, dass sich klar an Vielspieler wendet und nicht mehr als Familienspiel geeignet ist (natürlich können Familien auch Vielspieler sein). Es erreicht vielleicht nicht ganz das Anspruchsniveau von „Agricola“ oder „Caylus“ spielt aber auf jeden Fall in einer Liga mit „Vor den Toren von Loyang“ oder „Tzol’in“. Die Verlagsangabe ab 12 Jahre halte ich für realistisch.

2-Spieler-Eignung:
Für 2 Spieler gibt es einen eigenen Spielplan auf der Rückseite auf dem einige Felder der Mehrspielerversion gestrichen sind. 2 Spieler spielen nur 6 statt 7 Runden, starten aber mit 6 statt 5 Arbeitern. Mit diesen Modifikationen ist das Spiel genauso spannend wie mit 4 Spielern. Es gibt zwar ein paar strategische Änderungen (z.B. Startspieler weniger wichtig), aber das Spiel verliert keinesfalls an Spannung.

Interaktion:
Wie bei den meisten Worker-Placement-Spielen ist die Interaktion auf das Besetzten der Aktionsfelder beschränkt, die der Mitspieler benötigt. Vielleicht kann man ihm noch mal einen Ingenieur oder eine Spielendekarte vor der Nase wegschnappen – das ist dann aber alles. Wer ein interaktionsreiches Spiel wünscht, bei dem man die Mitspieler richtig ärgern kann ist bei Russian Railroads falsch.

Spieldauer:
Eine Runde Russian Railroads dauert zu zweit ca. 60-80 Minuten, zu viert ist mit ca. 120 bis 150 Minuten zu rechnen. Niedrige Downtime zwischen den Zügen, da stets nur 1 Aktion pro Zug gespielt wird, allerdings benötigen die Zwischenwertungen nach jeder Runde (insbesondere gegen Spielende) etwas Zeit. Auf- und Abbau ist (wenn man nicht die Zip-Tüten verwendet) in guten 5 Minuten erledigt.

Zufall:
Russian Railroads ist ein Spiel fast ohne Zufallselemente. Einziges wesentliches Zufallselement ist die Auswahl und Reihenfolge der Ingenieure. Außerdem werden noch 2 Spielende-Karten zufällig aus der Gesamtanzahl entfernt. Alles andere ist berechenbar, sofern die Mitspieler nicht die eigenen Pläne durchkreuzen. Es besteht allerdings die Gefahr, dass sich nach vielen Spielen in einer Gruppe eine gewisse Routine einschleicht.

Strategie:
Russian Railroads ist ein klares Strategiespiel, bei dem man sein Vorgehen von Anfang bis Ende planen und durchdenken kann. Wer siegreich sein will muss sich möglichst von Anfang an eine Strategie erdenken und konsequent durchziehen. Fehler werden gnadenlos bestraft. Da nach jeder Runde eine Wertung durchgeführt wird ist es sinnvoll sich möglichst früh viele Punkte zu sichern, da diese dann in jeder Runde gewertet werden. Als erfolgsversprechend haben sich die konsequente Transsib-Strategie oder der parallele Ausbau der Kiew-Strecke und der Industrie erwiesen.

Gestaltung:
Das ganze Spiel ist in einem einheitlichen Braunton als Hintergrund gehalten, was eine gute Atmosphäre gibt. Die Spielertableaus wirken auf den ersten Blick sehr Überladen mit Symbolen, hat man die Systematik der Symbole aber verstanden sind sie leicht verständlich (Siegpunkte sind immer mit Sternen hinterlegt, Fragezeichen bedeuten Bonusmarker, kleine Loks auf Feldern bedeuten, dass das Feld nur mit einer Lok aktiviert werden kann. Sehr durchdacht ist die Form der Plättchen (Fabriken passen in die Lücken des Industrie-Pfads, zeigen aber gelichzeitig in die Fahrtrichtung der Loks, Ingenieure haben abgeschrägte Ecken, die dafür sorgen, dass automatisch die richtige Seite oben liegt)

Das einzige, was nicht passt, ist Darstellung der Lokomotiven. Wer ein Eisenbahnspiel gestaltet, sollte doch zumindest hier ein wenig Sachverstand einholen, aber keine der 9 Loktypen entspricht auch nur annährend dem, was im 19.Jahrhundert auf Russlands Gleisen so herumfuhr. Ist die 1er Lok als Handhebeldraisine noch lustig, so scheinen die Loks 2-8 reine Phanasiewesen zu sein. Lok 4 ist eine Tenderlok mit Schlepptender (sinnlos), Lok 5 hat eine deutsche Farbgebung (ab 1925) mit rotem Rahmen und Fahrwerk, Lok 3 hat einen viel zu kleinen Schlepptender, dazu haben fast alle viel zu hohe Schornsteine (kommen durch keine Tunnel) und alle Loks sehen mehr nach 20. statt nach 19. Jahrhundert aus. Einzig die Lok 9 sieht aus wie eine deutsche 52er Kriegslok. Davon sind tatsächlich viele nach dem Russlandfeldzug in der damaligen Sowjetunion stehen geblieben und wurden dort noch jahrzehntelang genutzt, das hat allerdings wiederum mit der Zarenzeit gar nichts zu tun.

Authentizität:
Eigentlich passt gar nichts. Was macht es für einen Sinn eine Eisenbahnstrecke mit einer Schienenart zu bauen und dann gleich eine zweite Schienensorte hinter, obwohl die erste noch nicht mal ihr Ziel erreicht hat. Lokomotiven fahren nicht in dem Spiel. Sie transportieren nichts, sondern dienen nur als Siegpunktwerter. Bei der Industrie ist es egal in welcher Reihenfolge die Fabriken gebaut werden und wofür mag bloß eine Kiew-Medaille gut sein (außer für 20 Punkte pro Runde)? Aber irgendwie ergibt sich eine in sich stimmige Spielwelt in der alles zueinander passt, was auch dem gelungenen Design geschuldet ist. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber die ganzen Ungereimtheiten stören mich nicht und Russian Railroads fühlt sich an wie ein thematisch stimmiges Spiel.

Obwohl es eine Eisenbahnspiel ist, obwohl es in Russland spielt und obwohl es ein weiteres Arbeitereinsatzspiel ist, gefällt mit Russian Railroads außerordentlich gut. Es erzeugt ein Spielgefühl, dass sich von jedem anderen Spiel unterscheidet, obwohl viele Mechanismen nicht neu sind, so ist die Kombination wirklich gut gelungen, wozu auch das atmosphärische Spielmaterial beiträgt. Wer Spiele wie Tzolk’in, Cuba, Egizia oder Navegador mag, der wird auch bei Russian Railroads auf seine Kosten kommen.
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am 6. Dezember 2014
Als russische Eisenbahnpioniere folgen wir dem Ruf Zar Alexanders, um vom Bau der Transsibirischen Eisenbahn in Form von Ruhmespunkten zu profitieren. Wir senden eigene Arbeiter aus, die verschiedene Gleise unserer Strecken verlegen, neue Lokomotiven erwerben sowie unsere Industriealisierung vorantreiben. Angeheuerte Ingenieure und fremde Saisonarbeiter stehen uns dabei zusätzlich zur Verfügung.

Ablauf:
Reihum setzen die Spieler ihre Arbeiter auf die freien Felder des Spielplans und führen sofort die entsprechenden Aktionen aus:
• verschiedenfarbige Streckenausbaufelder: Der Spieler rückt seine/n Schienenstein/e der entsprechenden Farbe/n auf seiner Spielertafel vor. Die unterschiedlichen Gleisfarben bringen unterschiedlich viele Punkte. Je weiter die höherwertigen Schienen vorrücken, desto mehr Punkte erhält man. Dabei ist allerdings zu beachten, dass man die Schienen in einer bestimmten Reihenfolge vorziehen muss. Zuerst müssen die minderwertigen Schienen vorrücken, damit man später die höherwertigen nachziehen kann. Die höherwertigen Gleisbausteine erhält der Spieler erst nach und nach, wenn er mit dem niedrigsten Gleis bestimmte Strecken zurückgelegt hat.
• Neue Lokomotiven bauen oder aufwerten: Die Zahl einer Lok gibt ihre Reichweite an und bestimmt damit, wie weit eine Strecke gewertet werden kann. Schließlich nützt die komfortabelste Strecke nichts, wenn Sie kein Zug erreichen kann. Eine niedrigere Eisenbahn kann durch eine höherwertige ersetzt werden. Es muss immer die kleinste verfügbare Lok des Vorrats gebaut werden.
• Fabrik errichten: Fabrikplättchen in die eigene Industrie-Leiste legen.
• Industrialisierungsmarker vorrücken. Erreicht er dabei eine Fabrik, wird deren Sonderaktion sofort ausgelöst.
• Schienenfeld-Verdoppler, Münzen oder Leiharbeiter nehmen.
• mit Geld den aktuellen Ingenieur anheuern. Er bietet dem Erwerber eine bestimmte Aktion, die kein Mitspieler wählen kann (z.B. günstigerer Gleisausbau, Industriealisierung mit Siegpunkten u.a.).

Erreicht man mit seinen Gleisen oder seinem Industriemarker bestimmte Felder, erhält man zusätzliche eigene Arbeiter oder Bonusplättchen. Durch sie kann man beliebige Gleise ausbauen, seinen Industriemarker vorrücken, ein Gleis-Aufwerter-Plättchen erhalten, Endbonus- und Zusatzbonuskarten (z.B. ein weiteren Arbeiter, eine Langstrecken-Lok oder 4 Aktionen) bekommen.

Haben alle Spieler gepasst, erhalten sie Siegpunkte für den Fortschritt der drei Strecken und der Industrieleiste ihres Tableaus.

Das Spiel endet nach der 7. Runde. In der Schlusswertung gibt es weitere Punkte für die meisten Ingenieure und die individuellen Spielende-Karten (Bonuspunkte für zusätzliche Arbeiter, für jedes einfache Gleis, für die Summe aller Lok-Werte usw.)

Fazit:
Russian Railroads bietet sehr viele verschiedene strategische Möglichkeiten. Meine ersten Schritte in meiner allerersten Runde waren noch ziemlich planlos. Bei den zahlreichen Optionen konnte ich nicht gleich deren Wertigkeit einschätzen. Trotzdem sind die eigentlichen Regeln relativ einfach und schnell verinnerlicht. Vor allem wegen der sehr übersichtlichen und intuitiven Symbolik der Aktionsfelder.

Schwieriger ist es hingegen, die richtige Strategie zu finden: Spiele ich auf die Mehrheit der Ingenieure und/oder setze ich auf Industrialisierung? Welche meiner drei Bahnstrecken baue ich zu welchem Zeitpunkt aus? Und wann hole ich mir die neuen Lokomotiven, die die neu gebauten Strecken erreichen können? Kauft man sie zu früh, erhält man nur die kleinen Kurzstrecken-Zugmaschinen. Wartet man stattdessen zu lange, kann man erst später die entsprechenden Strecken erreichen und werten. Besonders in der letzten Runde beginnt der Run auf die letzten Eisenbahnen. Wohl dem, der dann auf seine eigenen Ingenieure zurückgreifen kann.

Habe ich eine Strategie gefunden, heißt das noch lange nicht, dass ich sie zielstrebig verfolgen kann. Immerhin pfuschen mir dabei meine lieben Mitspieler ins Handwerk, indem sie die zu meiner Strategie gehörigen Aktionsfelder frühzeitig besetzen. Dann muss ich meine Spielweise oftmals den noch freien Options-Feldern anpassen.

Und welches ist nun die beste Strategie? Würde man ungehindert - also ohne Mitspieler - spielen, erscheint mir die "Ingenieur-Strategie" am erfolgversprechendsten: Immer alle möglichen Ingenieure kaufen und über den Industriemarker die Fabriken "Summe aller Ingenieure" werten. Andernfalls erscheint mir der Strecken-Ausbau nach Vladivostok in Verbindung mit dem "Gleisaufwertplättchen" sehr lukrativ. Darauf sollte man sich dann voll konzentrieren und diesen Weg zielstrebig vorantreiben.

Andererseits ist es ebenfalls sehr wichtig, möglichst viele der Boni zu nutzen und möglichst früh seine weiteren Arbeiter auszulösen. Außerdem ist es immer sinnvoll, sich Ingenieure anzuheuern. Damit sichert man sich eigene gute Aktionen.

Und das Spielgefühl?
Spannend bis zur letzten Sekunde … und sogar danach. Nach meiner ersten Partie war ich richtig gefesselt: Mir ist die Partie noch nach Tagen immer wieder in den Sinn gekommen (das war mir lange nicht mehr passiert): Wie wär es, wenn ich dies oder jenes getan hätte? Das Spiel hat mich echt fasziniert und ich habe ungeduldig meiner zweiten Partie entgegengefiebert! Unterdessen habe ich sieben Partien gespielt mit allen möglichen Besetzungen: Wenn ich daran zurückdenke, war es immer wieder sehr spannend, die verschiedenen Strategien auszuprobieren. Selbst wenn ich nicht am Zug war, hatte ich mir Gedanken gemacht, wie ich meinen Zug optimieren kann.

Die Atmosphäre des Spiels gefällt mir ebenfalls sehr gut: Man fühlt sich wie ein Planer, der seine Strecke auf dem Reißbrett entwirft und mit seinen Arbeitern ausführt. Das wird auch durch die sehr schöne Grafik des Spielplans und das hochwertige Material unterstützt: Hübsche Lokomotivplättchen und viele Holzmännchen sowie -schienen.

Sehr erfreulich, dass das Spiel in jeder Besetzung gut funktioniert. Besonders gut und schnell spielt es sich auch zu zweit!

Mein Rat: Probiert es selber aus. Ihr werdet es nicht bereuen!
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TOP 1000 REZENSENTam 27. Januar 2014
Russian Railroads
Mit 400 Bahnhöfen und eine Gesamtstreckenlänge von 9288 km ist die Transsibirische Eisenbahn auch heute noch die längste Bahnstrecke der Welt. Rund 90.000 Arbeiter waren 25 Jahre beschäftigt um die Verbindung zwischen Moskau und Wladiwostok zu errichten. Ganz so lange sind wir bei Russian Railroads (Helmut Ohley und Leonhard Orgler / Hans im Glück) glücklicherweise nicht gefordert und auch die Spielerzahl (2 bis 4) fällt im Vergleich doch eher moderat aus.

Dafür beschränken sich unsere Aktivitäten allerdings auch nicht auf nur eine Bahnstrecke sondern deren drei. Obendrein sollen wir auch gleich noch die russische Industrie wieder auf Vordermann bringen. Dazu steht uns zu Beginn nur eine Hand voll Arbeiter zur Verfügung die für Gleisbau, technologischen Fortschritt oder zum Kaufen von Lokomotiven ausreichen müssen.

Spielertableaus, Aktionsfelder,...
Neben dem zentralen Spielplan mit Aktionsfeldern in Abhängigkeit der Spielerzahl erhält jeder Teilnehmer zu Beginn ein Tableau welches die drei zu bauenden Strecken sowie eine Leiste für die Fabriken enthält. Dabei baut jeder selbst vor sich hin, gemeinsames Bauen ist ebenso wenig möglich wie das Wegschnappen bestimmter Strecken. Interaktion kommt vielmehr beim Platzieren der Arbeiter auf. Dazu liefert das zentrale Spielbrett ausreichend Möglichkeiten. Hier lassen sich mittels Arbeitern Strecken verlegen, Locks und Fabriken errichten und allerlei weitere Vorteile generieren. Unter anderem lassen sich auf diesem Wege auch die beliebten Ingenieure erwerben die dem Käufer ein eigenes (und verbessertes) Aktionsfeld bieten und obendrein am Spielende punkten.

...Strecken, Fabriken, Locks...
Apropos Punkte. Punkte generiert man in Russian Railroads vorwiegend auf dem Spielereigenen Tableau. Jede der 3 darauf abgebildeten Bahnstrecken bietet neben einer variablen Punkteausbeute diverse Boni. Um an die angestrebten Boni und Punkte zu kommen, müssen allerdings zuerst Gleise verlegt werden. Anfänglich stehen uns dafür nur die (wenig lukrativen) schwarzen Gleisteile zur Verfügung. Mit steigendem Fortschritt schalten wir aber stetig bessere Gleiskategorien frei die über die alte Strecke gebaut werden können. Richtig lukrativ wird es dabei mit den edlen, weißen Gleiselementen. Zumindest sofern wir die Strecke auch befahren können. Und dazu benötigen wir entsprechend zugkräftige Locks welche ebenfalls über Aktionsfelder erworben werden können. Auch diese sind anfänglich etwas schwachbrüstig, gewinnen aber im Laufe des Spiels deutlich an Zugkraft. Haben wir bereits ausreichend Locks (oder wollen schlicht keine weiteren) befinden sich auf deren Rückseite Fabriken welche uns wiederum Punkte und Boni auf der Industrialisierungsleiste versprechen. Dass auch hier umfangreiche Boni warten versteht sich von selbst.

...und noch einiges mehr
Verschiedenfarbige Gleise, Locks, Fabriken und Ingenieure... die Möglichkeiten um bei Russian Railroads an Punkte zu kommen scheinen schier unendlich. Und dabei habe ich viele Elemente noch gar nicht erwähnt. So können die Punkte für einzelne Streckenabschnitte verdoppelt werden, Münzen können Arbeiter ersetzen, Bonuskarten liefern Punkte bei Spielende und Fragezeichenplättchen liefern bei Erwerb wiederum Siegpunkte oder Boni. Und all das am Ende jeder der sechs bis sieben gespielten Runden.

Fazit
Russian Railroads ist ein klassisches Arbeiter-Einsetz Spiel bei dem an allen Ecken und Enden gepunktet wird. Die Möglichkeiten wirken dabei im ersten Spiel fast schon überwältigend, überall locken erstrebenswerte Boni. Sich hier auf einen Bereich konzentrieren fällt schwer. Erfahrene Spieler finden sich aber nach spätestens einer Partie zurecht, die vorhandenen Elemente sind durchweg bekannt. Damit wären wir auch schon beim einzigen Kritikpunkt von Russian Railroads. Trotz perfekter Abstimmung fehlt mir persönlich etwas die kreative Idee die das Spiel zu etwas besonderem macht. Bei der perfekten Abstimmung des Spiels, der stimmungsvollen Gestaltung und dem hohen Wiederspielwert ist dies allerdings nur eine kleine Kritik die dafür sorgt, dass Russian Railroads kein herausragendes Spiel sondern nur" ein sehr gutes ist. Für alle Fans des Genres und solche die es werden wollen eine klare Kaufempfehlung.

@Spielfreude.blogspot
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am 4. April 2016
Russian Railroads entführt die Spieler (und hier insbesondere erfahrene Gelegenheitsspieler und Vielspieler) in die Zeit um den Bau der transsibirischen Eisenbahn. Ziel ist es, als Eisenbahn-Unternehmer den Ausbau der transsibirischen Eisenbahn sowie zweier Nebenlinien aktiv voran zu treiben und die Linien durch geeignete Lokomotiven zu betreiben. Dazu verplant jeder Unternehmer seine verfügbaren Arbeitnehmer, denen er einzelne Arbeiten wie den Ausbau des Schienennetzes, Fortschritt in der Industrie oder den Erwerb von Lokomotiven investiert und kann gleichzeitig seine finanziellen Gewinne in die Anwerbung von Ingenieuren investieren, die den Ausbau unterstützen.

Russian Railroads ist ein klassisches Arbeiter-Einsetzspiel, das es jedoch ermöglicht, durch Fortschritt im Spielverlauf zusätzliche Elemente freizuschalten. Wie bei jedem Arbeiter-Einsetzspiel ist es auch hier das oberste Ziel, schnellstmöglich die Eisenbahnstrecke so weit auszubauen, dass man einen zusätzlichen Arbeiter erhält, um mehr Aktionen pro Runde nutzen zu können. Anschließend variieren die Spielmöglichkeiten jedoch deutlich und man kann durch unterschiedliche Strategien zum Ziel kommen und der erfolgreichste Eisenbahn-Betreiber in Moskau werden.

Das Spielmaterial ist hochwertig gewählt und überzeugt durch schöne Grafik. Einzig in kleinen Details hätte man sich noch geringfügige Verbesserungen wünschen können. Wer mit Arbeiter-Einsetzspielen vertraut ist – sei es als Familie, Gelegenheitsspieler oder selbstverständlich als Vielspieler – findet hier ein Spiel, das auch nach mehrmaligem Spielen noch immer Spaß macht und Spannung liefert. Thematisch greift das Spiel zwar das Thema Eisenbahn auf, Lokomotiven findet man aber leider nur in seiner Auslage neben dem Spielbrett, während man sich primär damit befasst, das Schienennetz in verschiedenen Qualitäten zu verbessern. Hier hat man etwas Potential verschenkt; schön wäre es beispielsweise gewesen, wenn durch die Ausbaustufen neue Lokomotiven wie E-Loks hätten genutzt werden können.
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am 3. August 2014
Ich hatte das Spiel bei der letzten Spielemesse in Essen gekauft, weil die Testspieler voller Kopfzerbrechen dort am Tisch saßen. Selbst konnte ich es dort leider nicht testen.
Trotz des "Blindkaufs" wurde ich nicht enttäuscht. Die rund 22 Seiten Anleitung sind schnell gelesen und das Spiel ist auch leicht erklärt. Schwieriger ist die Umsetzung der Ziele mit 2-4 Spielern, die sich beim erreichen der Ziele bemühen den Gegnern das Leben schwer zu machen.
Bis jetzt habe ich es nur zu zweit gespielt, wobei es trotz 6 Runden schon kurzweilige 1,5 - 2 Stunden werden können. Zu viert wird es wohl deutlich länger dauern.
Fazit: Schönes Spiel, gute Qualität und viel Spaß für ehrgeizige Strategen.
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