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70 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kauz und Schelm
Es ist bei Volume 10 der insgesamt nur zu lobenden Bootleg Serie von Bob Dylan (die seit 1991 alle zwei bis drei Jahre versetzt zu seinen regulären neuen Alben eine Art Parallel-Diskographie des Meisters aus den Archiven auftauchen lässt), wie schon so häufig davor auch: Nachdem man die opulente Ausstattung der Doppel-CD bestaunt hat, die von einem...
Vor 7 Monaten von Christian Günther veröffentlicht

versus
9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen auch "das andere selbstportrait" ist nicht viel besser als das originale
In Dylans mehr als 50jähriger Karriere gibt es viele beeindruckende Gipfel. Was heißt, dass es auch ein Dazwischen gibt - das können - um beim Bild zu bleiben - Hochebenen sein, manchmal geht's tiefer hinab. Allerdings gibt es einen wirklich dramatischen Absturz, den nach dem Jahr 1968, nach der Platte "John Wesley Harding". Diese Feststellung hat weniger...
Vor 7 Monaten von Andreas veröffentlicht


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70 von 75 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kauz und Schelm, 23. August 2013
Von 
Christian Günther - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Es ist bei Volume 10 der insgesamt nur zu lobenden Bootleg Serie von Bob Dylan (die seit 1991 alle zwei bis drei Jahre versetzt zu seinen regulären neuen Alben eine Art Parallel-Diskographie des Meisters aus den Archiven auftauchen lässt), wie schon so häufig davor auch: Nachdem man die opulente Ausstattung der Doppel-CD bestaunt hat, die von einem großzügigen Kartonschuber ummantelt ist, sodass zusätzlich zur CD auch noch das 60seitige mit Bildern und Informationen gesättigte Hochglanz-Booklet bequem mit hinein passt, dann die erste CD einlegt und den ersten Archiv-Fund hört, dass man sich kopfschüttelnd fragt, warum um alles in der Welt lag dieses Juwel solange verschütt in muffigen Archiven?

"Went to see the Gypsy" eröffnet diese Sammlung bisher unveröffentlichter Songs und alternativer Versionen, hier in der Demo-Fassung aufgenommen am 03.03.1970, also während der Sessions zum Album "Self portrait" (VÖ:06/1970). Die endgültige offizielle Version erschien erst auf dem Nachfolge-Album "New morning" (VÖ:10/1970), die unterschiedlicher aber hätte kaum ausfallen können. War es später ein kompletter, für Dylan-Verhältnisse beinah ungewöhnlich glatter Band-Song, kommt die hier die Sammlung eröffnende Version des Songs mit nur zwei akustischen Blondinen aus. Eine von Dylan selbst gestreichelt, die andere von David Bromberg. Und es mutet nicht wie ein hingehuschtes Demo an, sondern wie ein so und nie anders gedachter feiner melodischer Folk-Klassiker, dem nur 43 Jahre lang verwehrt wurde ein Klassiker wie meinetwegen "Chimes of freedom" oder "Blowing in the wind" zu werden. Ob ich übertreibe? Ganz bestimmt. Ob der Song in dieser Version damals so veröffentlicht und Single geworden, dann auch ein ebensolcher Klassiker geworden wäre ist natürlich hypothetisch, aber er hat das Zeug dazu. Die klangliche Aufbereitung anno 2013 tut ihr übriges, der Staub blieb in den Archiven, heraus kamen nur kristallklare Töne - zumindest überwiegend.

Nicht alle 35 hier zusammengefassten unveröffentlichten Songs oder alternativen Versionen der Jahre 1969-1971 sind von der Güte des Openers. Und dennoch, in diesen drei Jahren veröffentlichte Dylan vier Alben, aus deren Sessions hier nun auf "Another self portrait" sehr viel Material veröffentlicht wird, was das damals von Dylan für die LPs ausgewählte zum Teil weit übertrifft. Der ewige Kauz begann sich in jenen Jahren so richtig zu entfalten. Nachdem seine ersten acht Alben nahezu lückenlos vom geneigten Publikum wie das Evangelium in Empfang genommen wurden und die Ehrerbietung für den damals noch nicht 30jährigen sich uferlos steigerte, beschloss er selbst diesen Huldigungs-Auswüchsen entschlossen entgegen zu wirken. Partiell durchaus mit Erfolg, zumindest lösten seine Veröffentlichungen jener Phase bei einigen Anhängern heftigen Widerspruch und Entsetzen aus, langfristig aber trug er mit dieser Überbetonung des Kauztums so wohl ganz erheblich selbst zur Bildung des Mythos Dylan bei - ob gewollt oder ungewollt, bleibt wohl eine der Fragen, die er nie beantworten wird, was den Mythos wiederum weiter steigert.

Zunächst legte er 1969 mit "Nashville Skyline" ein amtliches Country-Album vor. Unter den stets zum Klassenkampf bereiten Linksideologen unter seinen eifrigen Fans hatte es zwar durchaus eine desillusionierende Wirkung, weil Country damals in den ausklingenden 1960er Jahren klar eher republikanisch-konservativen Kreisen zugeordnet wurde, dem Erfolg aber tat es keinen Abbruch. Nur zwei der hier versammelten Songs stammen aus diesen Sessions (gelungene alternative Versionen von "I threw it all away" und "Country pie"). Hier liegt auch die einzige Enttäuschung von "Another self portrait", wofür das Bootleg-Album wahrscheinlich gar nichts kann. Das '69er Album wurde mit einem Duett mit dem wunderbaren Johnny Cash eröffnet. Dylan und Cash spielten damals aber (mindestens) zwölf weitere Stücke ein (hauptsächlich Cash-Klassiker), die mir bisher nur in fast unzumutbar schlechter Qualität bekannt sind und nie offiziell veröffentlicht wurden. Dass sie nun auch hier fehlen, lässt gemächlich die letzten Reste Hoffnung schwinden, dass dieses Material je in guter Qualität auf den Markt kommt. Offenbar ist es nicht restaurierbar.

Im Juni 1970 schickte Dylan dann das mit 24 Songs bepackte Doppel-Album "Selfportrait" ins Rennen, von dem er der Legende nach sagte: Ich habe ein Album gemacht, das man unmöglich mögen kann". Die Aussage ist zwar nicht verifiziert, Dylan hat sie aber auch nie dementiert. Und unter den Fans herrscht diesbezüglich auch ungewöhnliche Einigkeit. Welches der bisher 35 Studio-Alben das beste ist, dürfte kaum auszumachen sein. Fragt man aber nach dem schlechtesten, wird man von Dylanologen wohl fast ohne Ausnahme "Self portrait" genannt bekommen, neben vielleicht ein, zwei klang-technisch verhunzten Produktionen in den unrühmlichen 80's.
Im Vorfeld der neuen "Bootleg Series Vol.10", habe ich die vier Alben der hier umfassten Zeitspanne um 1970 mit dem offiziellen Material gezielt gehört, und in der Tat: "Self portrait" bleibt ein Problemfall.
Die hier nun aufgetauchten insgesamt 17 Exponate dieser Session lassen den Dylan zugeschrieben Satz oben glaubhaft scheinen. Denn beinah alle 17 alternativen Versionen oder gar gänzlich unveröffentlichten Songs, die "Another self portrait" nun präsentiert, überbieten das damals veröffentlichte Material bei weitem. Allein die Versionen ohne Overdubs (die 1970 das offizielle Album über weite Strecken einfach nur fürchterlich zugekleistert haben), machen deutlich, dass die Songs in Ihrer Substanz Dylan-Niveau hatten. Jetzt, 43 Jahre danach, kommen sie ungeschminkt zur Geltung und offenbaren wahre Schönheit und Klarheit. Die späte Rehabilitation eines zurecht geächteten Albums.

Noch im selben Jahr, nur vier Monate später, schickte Dylan sein nächstes ordentliches Album hinterher: "New morning". Kein Überalbum, aber ein solides Werk. Zehn Stücke aus diesen Sessions sind hier integriert, acht davon alternative Versionen der offiziellen Albumtracks. Nicht besser oder schlechter als die endgültigen Versionen, meist einfach erstaunlich anders und für Fans ein wahres Fest. Neben dem eingangs schon erwähnten "Went to see the Gypsy", läßt auch die völlig anders gedachte Version von "If not for you" den Hörer einen alten Bekannten noch einmal völlig neu kennenlernen.

Im Folgejahr 1971 erschien dann mit "More Greatest Hits" (oder auch "Greatest Hits 2") zwar nur eine Hit-Kompilation, die allerdings zusätzlich sechs exklusiv eigens dafür eingespielte Stücke enthielt. Auch aus diesen 71er Sessions tauchen hier nun noch drei Outtakes auf. Entdeckenswert, wenn auch sehr gewöhnungsbedürftig, ist vor allem die nur am Piano eingespielte Version von "When I paint my masterpiece". Es ist zwar eindeutig die auf "More Greatest Hits" veröffentlichte Full-Band-Version im Ergebnis vorzuziehen, aber die Nummer hier als Ausklang der knapp zweistündigen Archiv-Ausbeute zu hören, hat mehr als nur seine Berechtigung.

Wer mitgezählt hat, kommt auf 32 Songs aus den Sessions zu den vier Alben. Auf 35 Titel aufaddiert wird "Another self portrait" durch zwei mit The Band 1969 beim Isle of Wight Festival aufgenommen Versionen von "I'll be your Baby tonight" und "Highway 61 revisited". Schon auf "Selfportrait" waren 1970 zwei andere Stücke aus diesem Konzert veröffentlicht worden, eins davon war die seltsame Version von "Like a rolling stone". Das gesamte Konzert ist übrigens nun erstmalig der Deluxe-Ausgabe von "Another self portrait" als Bonus-CD beigelegt.

Bleibt nur noch ein Song, der mir hier allerdings in jeder Hinsicht Fehl am Platz scheint: eine schauerliche Version von "Minstrel boy". Abgesehen davon, dass Dylan die Nummer in der vorliegenden Version so lustlos nölt, dass man schon sehr Fan sein muss, um dem noch etwas abzugewinnen, fällt die Aufnahme auch nicht in den Zeitraum der hier zusammengefassten Session-Outtakes, sondern stammt aus den Basement-Tapes-Sessions, die 1967 stattfanden und damals schon zunächst unter Verschluss blieben, um dann 1975 doch als mehr oder weniger reguläres Studio-Album zu erscheinen. Die Nummer wäre hier aus jeder Hinsicht entbehrlich gewesen.

David Bowie veröffentlichte 2012/13 (sehr dürftige) 40th Anniversary-Editions seiner legendären Alben "Ziggy Stardust" und "Alladin Sane", beide Alben waren zehn Jahre zuvor auch schon (damals in sehr üppigen) Jubel-Editionen erschienen. Elton Johns legendäres '73er Doppel-Album "Goodbye yellow brick road" wird im Laufe dieses Jahres noch gebührend gefeiert werden, wie auch schon 2003 mit einer edlen Neuauflage. Wie oft Paul McCartney nun schon "Band on the run" und Pink Floyd ihr "Dark side of the moon" mit Juhu-Jubiläums-Ausgaben veredelt haben, ist nur noch für beinharte Fans überschaubar. Und all das ist auch völlig legitim. Wer erinnert sich nicht gern an besondere Momente im Leben, wo einfach alles glückte und irgendwie alles gepasst hat.
Bob Dylan hat derlei Anniversary-Editions bisher nie veröffentlicht, obwohl er mindestens ein Dutzend musikhistorisch relevanter Alben vorweisen kann. Dass er nun ausgerechnet diesem nicht zu Unrecht wenig gemochten Album seiner Karriere eine besondere Würdigung zuteil werden lässt, das Cover-Konzept aufgreift und sich am Titel anlehnt, ist wieder einmal typisch Dylan. Es gibt viele Gründe, warum man Bob Dylan verehren und bewundern kann, für diese schrullige Kauzigkeit allerdings, muss man ihn fast schon lieben. Und letztlich beweist er damit 43 Jahre später, dass er auch in dieser umstrittenen Karrierephase sein Talent nicht verloren hatte. Er wollte damals offenbar wirklich ein Album machen, was man unmöglich mögen kann. Und liefert heute das Album nach, was das Augenzwinkern von damals unterstreicht und was man um ein Vielfaches lieber hören will.
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leuchtfeuer der Authentizität, 26. August 2013
Von 
André Beßler (Bremen, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Die vorliegende Zusammenstellung "Another Self Portrait" wird sehr erhellend sein für jene, welche Bob Dylans Schaffensperiode nach "Blonde on Blonde" (1966) hin zu "New Morning" (1970) bislang nicht viel abgewinnen konnten oder wollten. Nach seinem Motorradunfall im Juli 1966 und der damit eingeleiteten Wendung vom Rock zur Americana sind - mit "John Wesley Harding" (1967) beginnend - einige Platten in den Fußstapfen Woody Guthries, Robert Johnsons und Hank Williams entstanden, welche aus Bob Dylans Œuvre nicht wegzudenken sind. Wer die hier vorgestellten Song-Rohversionen aus der Zeit zwischen 1969-71 hört merkt schnell, dass es bei "Nashville Skyline", "Self Portrait" oder "New Morning" mit Sicherheit um mehr ging, als um mangelnden Willen zum (kommerziellen) Erfolg oder um die Freiheit, sich "nichts mehr beweisen zu müssen".

Während seiner 1966-Tournee wirkte Bob Dylan müde und ausgezehrt. D. A. Pennebakers Dokumentarfilm "Don't Look Back" zeigt den damals 25-Jährigen nach fast fünf Jahren, in denen er ständig unterwegs war, als neben sich stehend und in höchstem Maße hilfebedürftig, als ein Risiko für sich selbst. Von heute aus gesehen war sein Motorradunfall lebensrettend für ihn. In einem 1966 aufgezeichneten Interview mit Robert Sheldon machte Dylan kein Geheimnis aus seiner Sucht. Er brach mit dem Heroin und sagte 1969 in einem Interview zu Jann Wenner, er habe zu jener Zeit viele Drogen genommen, nur um weitermachen zu können. Nach mehrmaligem Hören dieser Takes erschließt sich dem Hörer, wie sehr der persönliche Wandel, den Bob Dylan zu dieser Zeit vollzogen hat mit dem musikalischen Anknüpfen an eine dem Leben zugewandte Folk-, Blues- und Country-Tradition verwoben ist.

Als ich vor fünf Jahren die schlechte Abmischung der Remaster-Version von "The Times They Are A-Changin'" kritisiert habe, hatte ich eine sehr genaue Vorstellung davon, wie sich die CD am bes­ten hätte anhören sollen. Dieses Ideal finden wir hier gleich zu Anfang bei "Went To See The Gypsy" verwirklicht. An diesem Track werden sich alle künftigen technischen Überarbeitungen messen lassen müssen. Gesang und Gitarre stehen in einem unübertrefflich guten Verhältnis zueinander, der Sound ist kraftvoll und transparent. Das gesamte Album klingt atemberaubend gut, doch dieser Titel toppt es alles. Die hier versammelten, mehr als vierzig Jahre alten Aufnahmen übertreffen in ihrer Nachbearbeitung selbst aktuelle Alben. Um heutigen Hörgewohnheiten gerecht zu werden, jagt man die Einspielungen oft durch den Begrenzer, damit sie ohne große Laut/Leise-Schwankungen problemlos am MP3-Player zu hören sind (Beispiel "Adele 21"). Das Ergebnis klingt dann oft recht geglättet. Im Gegensatz dazu ist hier alles optimal aufeinander abgestimmt.

Bislang unveröffentlichte Songs wie "Pretty Saro", "Spanish Is The Loving Tongue", "These Hands" und "Bring Me A Little Water" offenbaren die Seelenlage eines Mannes, der wahrhaft Zugang zu seinen Gefühlen gefunden hat. "Time Passes Slowly #1", "I Threw It All Away" und "House Carpenter" zeigen die Stimmgewalt Dylans - und dass er sehr wohl zur Tongenauigkeit in der Lage ist. "Days Of '49" (mein Favorit auf "Self Portrait" von 1970) ohne Overdubs zu hören, ist eine angenehme Überraschung. Doch nur eine von vielen. George Harrison hatte "If Not For You" auf "All Things Must Pass" (ebenfalls 1970) so überragend interpretiert, dass die Verantwortlichen gut daran getan haben, die hier veröffentlichte Version (die von einer anrührenden Geige veredelt ist) bis zu dessen Tod im Archiv zu lassen.

Eines der Glanzlichter von "Another Self Portrait" ist das Stück "Only A Hobo". Genau genommen begleitet es Bob Dylan bereits seit seinen Anfangstagen. Die älteste mir bekannte Version wurde unter seinem damaligen Pseudonym Blind Boy Grunt Anfang der Sechzigerjahre veröffentlicht. Die meisten Hörer werden es jedoch von "More Bob Dylan's Greatest Hits" kennen. Kaum je hat sich Dylan so sehr als der legitime Thronfolger Woody Guthries gezeigt. Hier hören wir eine sehr schöne, countryeske Version mit Banjo. "If Dogs Run Free" erschien im Original auf "New Morning" (dort mit einem unvergesslich schaurig-schönen Oberton-Gesang einer Background-Sängerin als zweiter Stimme). Ich habe dieses Stück von jeher geliebt und musste immer daran denken, dass Dylan hier "If dogs run free - why nor we?" trällert, während er sich selbst immer mehr zurückzog.

Insgesamt ist "Another Self Portrait" ein ziemlich entspanntes Album, das sehr gut zum genial aufbereiteten Mitschnitt des Konzerts auf der Isle of Wight passt, der bisher nur als "Field Recording" in Sammlerkreisen zirkulierte:

In den drei Jahren vor seinem legendären Auftritt mit The Band beim 'Isle of Wight Festival' am 31. August 1969 hatte sich Bob Dylan sehr rar gemacht. Umso größer war deshalb das Interesse unter den 150.000 Konzertbesuchern. Mir gefällt der Akustik-Teil am besten, besonders "Wild Mountain Time" und der unvermeidliche Walzer "To Ramona" (bis heute Bestandteil in Dylans Live-Repertoire). Elektro sprechen mich "I Threw It All Away" und "I Pity The Poor Immigrant" am meisten an. Das ganze Konzert überzeugt durch sehr solides Zusammenspiel. Man spürt vom ersten bis zum letzten Takt, Bob Dylan kann sich fest auf seine Mitmusiker verlassen. Als offizielle Live-LP/CD hätte dieser Mitschnitt in der Hörergunst der vergangenen Jahrzehnte etwa den Rang der - sehr viel rauheren - "Before The Flood" eingenommen, denke ich. Ein Ereignis, dass dieses lang ersehnte Konzert-Dokument nun endlich legal und in bemerkenswerter Klangqualität erhältlich ist.

Achtung: Die 4CD-Box enthält außer dem (nur schwer verzichtbaren) 'Isle of Wight'-Mitschnitt auch "Self Portrait" von 1970, der MP3-Download nicht.
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27 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen unverzichtbar !, 23. August 2013
Von 
Rocker - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 1000 REZENSENT)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Kaum ein Künstler ist ja wohl so von seinen Anhängern vereinnahmt worden wie Bob Dylan. Er sollte ihr Sprachrohr sein, gesellschaftliche und politische Skandale aufdecken oder zumindest ins kollektive Gedächtnis zurückholen. Stattdessen wurde er Folkrocker und musste sich daraufhin übelste Beschimpfungen gefallen lassen. All diese Geschichten kennt man. Wer Fans hat, der braucht keine Feinde. Jedenfalls nicht solche, die selbst nicht davor zurückschrecken die Mülltonnen vor Dylans Haus im Greenwich Village zu durchwühlen, um seinem Idol noch näher kommen zu können und Details seines Lebens aus Küchenabfällen hervor zu zerren.

Da half offenbar nur noch die Flucht nach vorn. Nicht, dass Dylan sich der Countrymusik zuwandte. Das hatte er mindestens 1967 schon getan. Nein, in die neue Dekade der 1970er startete er mit einer Kollage aus Studioschnipseln und Coverversionen und er sang plötzlich mit ungewohnt glockenheller Stimme wie ein Chorknabe oder so schräg und offenkundig absichtlich falsch, dass man sich fragen musste, ob das wirklich noch derselbe Mann war, der wenige Jahre zuvor noch jedes öffentliche Interview mit kaltschnäuziger Coolness nach seinen Regeln diktiert und in kurzer Abfolge 3 Albumklassiker nacheinander abgeliefert hatte.

Die neue Platte hieß dann vielsagend Self Portrait und war offenbar zuviel für seine damaligen Fans. Selbst bei Dylan normalerweise wohlwollend bis bewundernd gegenüber stehenden Kritikern löste die Platte teilweise heftige, negative Reaktionen aus. Ich erstand diese Platte auch erst spät. So viele Dylan Platten schienen dringlicher zu sein. Erst irgendwann Ende der 80er oder Anfang 90er (ganz genau weiß ich das gar nicht mehr) musste es dann doch sein. Die CD hatte die Schallplatte aus den Läden verdrängt, war als altmodisch verpönt und abgeschrieben, da kaufte ich mir das Doppelalbum in einem 2nd Hand Laden.

Ungefähr zu dieser Zeit (oder kurz darauf) erschienen die ersten 3 Teile der Bootleg Series in einer 3-CD bzw. 5-LP-Box. 22 Jahre später sind wir nun bei Teil 10 angelangt. Vol. 10 befasst sich im ersten Teil vorwiegend mit Self Portrait und auf CD2 steht der Nachfolger New Morning mehr im Mittelpunkt. Ich habe jede der bisherigen Ausgaben verschlungen und halte die Bootleg Series insgesamt für unverzichtbar. Für mich ist dieses "hinter-die-Kulissen-schauen" zu einem essenziellen Bestandteil in der Betrachtung von Bob Dylans Werk geworden und hat meine Wahrnehmung dieses Mannes als Gesamtkunstwerk stark geprägt.

Vieles hat sich mir im Laufe der Zeit mit Hilfe dieser Serie erschlossen und erklärt. Was Dylan in den vergangenen 50Jahren nicht zu erklären bereit gewesen war, muss man sich dann eben anhand von Demos, Outtakes und Konzertausschnitten erarbeiten. Bei Teil 10 funktioniert das aus meiner Sicht nun besonders gut, weil dieses Mal ein Album im Focus steht, das sehr zwiespältig beurteilt wird. Auch ich musste mir die Perlen suchen, vieles auf Self Portrait ist bis zur Unkenntlichkeit verkitscht und mit Streichern und Chören zugeklebt.

Man musste sich die Mühe machen und die Songfundamente unter der überzuckerten Kruste frei legen, und dann konnte man feststellen, dass Dylan doch im Grunde noch der alte geblieben war. Diese Arbeit wird dem Hörer jetzt hier abgenommen. Ohne Firlefanz werden die Songs jetzt hier präsentiert. Und noch etwas wird dabei deutlich: all die Kritiker, die auch nach jeder neuen Veröffentlichung von Bob Dylan behaupten, dass Dylan nicht singen könnte, liegen falsch. Er kann es sogar sehr gut und er weiß es auch. Nicht umsonst hat er 1965 schon behauptet: "I am as good as Caruso. And I hit all those notes." Nur erachtet er es offenbar selten für nötig, es zu tun.

Another Self Portrait gehört für mich jetzt schon nach wenigen Durchläufen zu den Top 3 der Bootleg Series und hat -was neu dabei ist- durchaus das Zeug als eigenständiges Album durchgehen zu können. Der Klang der Aufnhamen ist unterschiedlich, aber trotzdem durchweg gut bis sehr gut. Aber das ist im Grunde nichts Neues bei dieser Serie. Was jetzt m.M.n. noch fehlt, ist eine Ausgabe, die sich intensiver mit Dylans christlicher Phase 10 Jahre nach Self Portrait befasst. Man wird sehen...
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen All die müden Pferde wieder munter, 3. September 2013
Von 
Bob, sehr nasal: Dadadidadadadadeida…

Akustische Gitarre: Schrumm! Schrumm! Schrummpedischrumm!

E-Gitarre: Dingeldingelding! Ping! Twäng!

Bob, sehr kehlig: Dadadadeidadum… Days of 49…

Lapsteelgitarre: Jaaaaaauuuuul…

Backgroundsängerinnen: „Aaaaaah! Aaaaaah! Uuuuuuh!“

Bob, mürrisch: „How does it feel… like a complete unknown…”

Piano: Klimmpediklomm…

Schlagzeug: Bumpedibumm! Bumpedibumm!

Bob, vernuschelt: “Leilalei… all lies and jest...”

Ich kann die Musik des berüchtigten „Self Portrait“ (dem Original) hier leider nur unvollkommen wiedergeben. Ist aber, versichere ich, auf eigenwillige Weise schön, auch wenn einige obskure Coverversionen nur mit Augenzwinkern zu genießen sind.

Diese viel geschmähte Dylan-Phase um 1970 musste jedenfalls endlich rehabilitiert werden, was nun mit dieser neuesten Bootleg-Edition geschieht.

Dylan hat damals – das Album „New Morning“ ist da noch charakteristischer – schöne, knackige, kurze Songs ohne Endlos-Lyrics gemacht, einige wirkliche Perlen darunter. Zu anderen Zeiten hätte er Lieder wie „New Morning“, Mighty Quinn“, „Went to See the Gypsy“ auf sieben Minuten gestreckt. Die Edition bietet viele Stücke dieser Ära in Studioaufnahmen und Alternative Takes in zumeist sehr guter Klangqualität und vor allem: im purem Dylan-Sound, also ohne die Verkleisterungen, Verunzierungen, Versüßlichungen, Overdubs, die sie dann zu großen Teilen auf „Self Portrait“ hatten (woran man allerdings auch seinen Spaß haben kann).

Manches ist in deutlich besserer Fassung zu hören, zB „Went to See the Gypsy“ oder „Time Passes Slowly“. Einige Versionen haben hier allerdings sogar zusätzliche Overdubs wie das jetzt richtig vollsaftig klingende „New Morning“ mit der zusätzlichen Bläsersektion oder „Sign on the Window“ mit Orchester.

Kurz: sehr hörenswert, sehr authentisch, ist jetzt nach „Tell Tale Signs“ mein Favorit in der Bootleg-Serie.
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5.0 von 5 Sternen Things have changed, 25. Oktober 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Bob Dylan trägt heute keinen Hut mehr in Konzerten und verwendet eine set list. Und die Sachwalter seines Werkes bereiten die Gesamtausgabe vor. Zeiten ändern sich. Zum Beispiel mit einer rundum gelungenen Momentaufnahme in etwa des Jahres 1970. Wer wie ich das Format einer Schallplatte wegen der besseren Gestaltungsmöglichkeiten bedauert, wird hier belehrt, dass auch unter DIN A 4 noch gut gestaltet werden kann. Informative Texte (ja es könnte noch mehr sein, eine bessere Zuordnung zu den Liedern etc.) und ein Bildband erfreuen den Bob Dylan Fan und die Musik erstaunt alle: Was für eine Vielseitigkeit von teilweise gleichen Songs! Es gibt Geigen, es gibt Hörner und eine andere Stimme, als man sie heute kennt. Beispiel "Alberta" und "When I paint my masterpiece". Letzteres baut eine Brücke zwischen der zweiten und dritten CD (mit The Band at the Isle of Wight). Alles Andere ist bereits Detail-genau gesagt. Dank einer gut orientierten Fan-Gemeinde, Friends of Bob: Danke :-)
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5.0 von 5 Sternen Self Portrait and New Morning Revisited, 21. Oktober 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
The vandals stole the handles but, thank Jesus, they left these tapes lying around!
This is my personal favorite Bob Dylan phase, 1970. I just love that "Lay Lady Lay" type voice he often sang with in this period, and because nearly this entire collection is comprised of studio-outtakes, the sound quality is more or less perfect. When one considers what else was going on in the music world at this time; Led Zeppelin, Pink Floyd, Jethro Tull, Yes, King Crimson, etc., .... then Bob was certainly following his own advice...."Don't follow leaders".
He really seems to have been musically reborn after his motorcycle accident in 1966....he fell deeper and deeper into the Universe of Americana (and he was in REAL deep anyway) and never came back. He's still there. He is more there than America itself....Dylan is a planet unto himself. A planet I prefer to the one called Earth.
Two things really stick out on this collection to me.....
1. his GUITAR.....I just LOVE the way he plays his big old acoustic guitar, WONDERFUL ! ...sounds GREAT! (and David Bromberg and all the other musicians are no slouches either!) and ....
2. His FACE.(the CD comes with a very well made booklet). He really looks like a Jewish Cowboy. Funny that I never associated Bob Dylan with being Jewish (whatever that means). I have the feeling Bob Dylan never associated Bob Dylan with being Jewish (whatever that means too.); but his image just STRONGLY strikes me in that way seeing these photos today. I don't mean it in a positive or negative sense....it's just an observation. It's like sometimes being surprised when I look into the mirror these days, and see my father looking back at me.
Well, those are two of my favorite musicians (and human beings) of All Time....Bob Dylan, the Jewish Cowboy....and Jimi Hendrix, the Afro/Native American Gypsy (Jimi also had Cherokee blood). I guess that is what makes America, America; it's in the BLEND; and this collection is REAL Americana, at its absolute best.
So, "jump down a manhole, light yourself a candle, don't wear sandals, try to avoid scandals," and buy this CD !!!
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4.0 von 5 Sternen Weiter so!, 1. Oktober 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Ich höre immer gern seine Songs aus den frühen Jahren und die Bootleg Serie hält was es verspricht. Weiter so.
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5.0 von 5 Sternen Schmuckstück in meiner Dylan-Sammlung, 14. September 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Schöne, großzügige gestaltete Box mit vielen Informationen. Das Begleitbuch lädt ein, sich auf eine Reise in die Vergangenheit zu begeben - der von Bob Dylan und auch der eigenen. Eine Einladung, sich zu erinnern. Und für die Nachgeborenen: Es lohnt sich, sich auf dieses musikalische Zeitdokument einzulassen.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Another Self Portrait, 1. September 2013
Von 
Reinhard Busse "reinhardlbusse" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Selten habe ich zu einem Produkt so viele sehr gute und fundierte Beiträge gelesen wie zu dem vorliegenden "Another Self Portrait / The Bootleg Series Vol. 10". Von daher erübrigt sich (leider) eine eigene Rezension ... es wäre eine einzige Wiederholung.
Mein Fazit: "Another Self Portrait" ist eine der besten Veröffentlichungen im Rahmen der 'Bootleg Series'. Sehr empfehlenswert!
Reinhard Busse
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Musik & Package & Preis, 24. August 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Gute Rezensionen zu dieser Veröffentlichung findet man unter der Doppel CD. Das erstmalige Hören verführt sogar dazu, sich das Original (Self Portrait) nach Jahren mal wieder anzuhören (auch remastered immer noch kein Meisterwerk) und das Package der Limited Edition ist sehr schön zusammengestellt worden (eine frühere Rezension auf dieser Seite bezieht sich wohl auf die Vinyl Box. Das Isle of Wight Konzert gab es bisher in deutlich schlechterer Qualität nur auf "richtigen" Bootlegs und ist sehr hörenswert, obwohl auch hier der "Selfportrait-Dylan" zu hören ist. Das Buch-Booklet ist informativ und in den Bildband kann man versinken, während man die musikalischen Schätze erforscht. Es fehlen eigentlich nur ein paar Dylan-Cash Songs. Warum eigentlich? Gekauft habe ich diese Edition übrigens hier für 64.95 Euro. Dieser Preis (weitere frühere Rezension) wird wohl auch wieder erreicht, wenn amazon Nachschub bekommen hat. Ich freue mich auf das Dylan Konzert im Oktober in Düsseldorf, wo ich ein weiteres "Another Selfportrait" erleben werde. Einen Song von Self Portrait oder New Morning wird er gewiss nicht singen.
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