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Kundenrezensionen

29
3,9 von 5 Sternen
Ein gutes Herz (detebe)
Format: Kindle EditionÄndern
Preis:10,99 €
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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. November 2013
"Ein gutes Herz" ist einfach genial!
Mit diesem Buch hat sich der großartige Leon de Winter selbst übertroffen und einen Roman geschrieben, der ähnlich einem Feuerwerk explodiert und die schillerndsten Bilder an den Himmel projiziert und dem Leser/Betrachter vor fassungslosem Staunen den Mund offenstehen lässt.

Leon de Winter hat eine Gruppe illustrer Hauptfiguren für "Ein gutes Herz" zusammengeführt. Da wären Theo van Gogh, radikaler und vor Jahren ermordeter Filmemacher, der in einem Bereich zwischen Himmel und Hölle auf sein weiteres Schicksal wartet; sein Betreuer in diesem Zwischenreich, Jimmy, ein schwarzer Franziskanerpriester, der sein Herz vor seinem Tod einem ganz bestimmten Mann gespendet hat; Max Kohn, ehemaliger jüdischer Drogendealer und König der Unterwelt, hochintelligent und nun nur noch vom Gedanken, vergangenes Unrecht wiedergutzumachen, beherrscht; Sonja Verstraete, Ärztin und mit allen Männern auf verschlungene Weise vertraut. Und zu guter letzt, Leon de Winter selbst!
Die Leben dieser fünf Hauptfiguren sind zum Teil seit vielen Jahren eng verwoben. Als sich ihre Wege in Amsterdam wieder kreuzen, könnte der Zeitpunkt nicht schlechter gewählt sein. Denn eine Gruppe radikalisierter junger Marokkaner, in den Niederlanden aufgewachsen und ausgebildet, mit hervorragenden Zukunftschancen, beschließt, ein Zeichen zu setzen und führt mitten in Amsterdam einen Terroranschlag durch. Naiv und blauäugig wollen sie die Welt aufrütteln, der Gedanke, dass ihren Taten Tote folgen könnten, irritiert sie und jedwede Opfer werden den Ungläubigen angelastet.

Leon de Winter, Max Kohn und Theo van Gogh sind die gelungensten literarischen Figuren, die sich ein Leser nur wünschen kann. Ihre Eigenheiten und politischen Ansichten werden perfekt in Worte gefasst. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion lösen sich komplett auf. Manchmal hat man als Leser das Gefühl, einer Reportage oder einem CNN-Live-Bericht zu folgen. An einigen Stellen muss man sich in Erinnerung rufen, dass es im realen Amsterdam keinen Terroranschlag gab, dass dies alles frei erfunden ist.
Leon de Winter schreibt über menschliche Einzelschicksale und Tragödien, verwoben mit dem großen Welttheater, das manchmal die Lebenswege des einzelnen brutal durchkreuzt und binnen Sekunden Lebenswege komplett umlenkt. Und dennoch ist jede einzelne Seite dieses Buches allerbeste Unterhaltung!
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37 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. September 2013
Wenn Leon de Winter den toten Theo van Gogh im Wartezimmer zum Himmel vor lauter Heimweh nach allem Irdischen 36 Gauloises und ebenso viele Chivas Regal auf einmal rauchen und trinken lässt (ja, in der Ewigkeit ist alles möglich), der Qualm dem einstigen Regisseur dabei aus sämtlichen Kopföffnungen dringt, dann ist das große - ach, was, zum Teufel mit der Angst vor starken Adjektiven - dann ist das göttliche Komödie! Ich habe selten so gelacht und gleichzeitig doch so mitgelitten. Was dem niederländischen Autor mit diesem Roman gelungen ist, findet beinahe keine Worte, man möchte nur noch jauchzen vor Begeisterung und dieses Buch jedem, der da kommt, in die Arme legen. Damit er es lese und die himmlische Botschaft dann seinerseits verkünde.
Einfühlungsvermögen, Selbstironie, erzählerische Superkraft, der ein irrwitziger, politsch höchst brisanter Plot entspringt, in dem sich am Ende dennoch alles fügt UND die Tatsache, dass Leon de Winter seine Figuren einfach liebt - seinen früherern Widersacher van Gogh sogar auf besonders versöhnliche Weise - geben diesem Buch sowie seinem Schöpfer unbedingte Einzigartigkeit. Was viele scheuen, scheut de Winter nicht: Sentimentalität, Theatralik, große Gefühle und vor allem den Mut zur eigenen Wahrheit - auf wundervoll undiplomatische Art lässt er seine Figuren (und damit auch sich selbst) Menschen sein und gewinnt dabei mit jedem Satz. Ein großer Wurf voller Saft und Kraft, der mich nach vollendeter Lektüre sofort zum Regal marschieren ließ, um einen früheren de Winter hervorzuziehen: "Leo Kaplan". Und auch hier schallt es froh aus mir heraus: Lesen!Lesen!Lesen!
Darauf einen Chivas Regal, und wenn es sein muss, auch 35 mehr!
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. September 2013
Ein neuer Roman eines meiner Lieblingsautoren? Der wird natürlich zum Erscheinungstermin bestellt und gleich gelesen. Und nachdem mich der letzte Roman "Das Recht auf Rückkehr" eher ratlos zurückließ, war ich von "Ein gutes Herz" wieder begeistert. Ein echter de Winter. Skurrile Geschichte, absurde Situationen und bei allem Überbordenden doch wieder eine Tiefe und Wärme, die ich kaum in anderen Büchern finde.

Ein halbkrimineller jüdischer Geschäftsmann, Max Kohn, entdeckt durch sein neues Herz seine Bestimmung. Er reist nach Amsterdam in der Gewissheit, dort nicht gern gesehen zu sein. Seine große Liebe Sonja ist derweil mit dem Schriftsteller Leon de Winter liiert. Der wiederum kennt den Bürgermeister Amsterdams Job Cohen sehr gut. Der dann wiederum, hat seine Verbindungen zu Max Kohn. Und später löst ein Fußballteam, das aus jungen Marokkanern besteht, Panik in Amsterdam aus. Und so finden alle Beteiligten ihren Weg zueinander. Herzen werden gebrochen, Lebensentwürfe infrage gestellt und alles endet in einem großen Finale. Dabei spielt der ermordete Filmemacher Theo van Gogh eine entscheidende Rolle.

Es ist mal wieder ein typischer und damit wundervoller Roman von Leon de Winter. Die einzelnen Charaktere sind toll herausgearbeitet und all ihre Handlungen, mögen sie auch noch so absurd erscheinen, sind logisch. Leon de Winter mag seine Figuren und das merkt man. Es lässt sie einfach Menschen sein, mit ihren Fehlern, ihren Obsessionen und Gefühlen. Jeder von ihnen hat seinen eigenen Hintergrund.

Sprachlich ist de Winter wie immer über jede Kritik erhaben. Es ist nun nicht gerade ein Jugendbuch, aber man kann dem Plot jederzeit folgen, egal welche interessanten Wendungen hinzukommen. Immer wieder schimmert ein feiner Humor durch und auch sich selbst gegenüber spart de Winter nicht mit Ironie. Ob es um die ganz großen Gefühle oder um politische Ansichten geht, der Autor trifft immer den richtigen Ton.

Der Roman selbst ist schwer einzuordnen. Es ist ein Gesellschaftsroman, ein Krimi, ein politisches Buch und gelegentlich ein Thriller – aber immer ein echter de Winter. Der Autor spielt mit der Vermischung aus Fiktion und Realität. Dies merkt man an den real existierenden Figuren (unter anderem ja auch der Autor selbst), die aber in der Geschichte so handeln, als wären sie erfunden.

Fazit: Lesen!

Leon de Winter, 1954 in den Niederlanden geboren, begann schon in seiner Jugendzeit, Bücher zu schreiben. Aber auch Filme übten eine große Faszination auf ihn aus, so dass er sogar begann, an der Filmakademie zu studieren. Aber bekannt wurde er vor allem durch seine Romane. In diesen kehren die Themen Judentum, Schriftsteller und unerreichbare Väter immer wieder, so dass man davon ausgehen kann, dass viele seiner Bücher autobiografische Züge tragen.
Leon de Winter bietet mit seinen Ansichten zum Islam und zum Staat Israel regelmäßig Diskussionsstoff. Er lebt und arbeitet heute in Amsterdam und Los Angeles und ist mit der Schriftstellerin Jessica Durlacher verheiratet.
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34 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. August 2013
Eines sei ganz zu Anfang gesagt: der neue Roman von Leon de Winter ist nicht nur ein großes Lesevergnügen, sondern auch eine Art literarischer Standortbestimmung de Winters nach Jahren heftiger Auseinandersetzungen mit seinen Gegnern. Leon de Winter ist nicht nur in der niederländischen Öffentlichkeit als ein entschiedener Kritiker des Islamismus in allen seinen Spielarten bekannt, sondern auch als scharfer und kompromissloser Kommentator zeitgenössischer Entwicklungen.

Hatte er vor fünf Jahren in seinem letzten Roman „Das Recht auf Rückkehr“ in einer Art SF-Story den Staat Israel auf den Rest von Tel Aviv eingedampft gesehen und so ein düsteres Bild von der Zukunft eines Staates und seiner jüdischen Bewohner gemalt, für dessen Existenzrecht und Selbstverteidigungsrecht gegen seine arabischen und islamistischen Feinde er eintritt wie kaum ein zweiter, kehrt er in seinem neuen Roman wieder in die Niederlande zurück.

In einem wahnsinnigen Plot führt er nicht nur den toten Theo van Gogh, der im Himmel sozusagen auf Bewährung ist und seinen auf Erden inhaftierten Mörder wieder zusammen, sondern er lässt Freunde und Bekannte von ihm, wie den Amsterdamer Bürgermeister Job Cohen und den Anwalt Bram Moszkowicz in eine Handlung verwickelt werden, die den Leser von Kapitel zu Kapitel mit neuen Wendungen überrascht. Da wird aus einer harmlos scheinenden Fußballmannschaft junger Marokkaner eine Gruppe von Terroristen, ein dubioser jüdischer Geschäftsmann und Drogendealer bekommt das Herz eines schwarzen Priesters und Theo van Gogh im Himmel von ebendiesem Priester die Aufgabe, Max Kohn, den Geschäftsmann, als Schutzengel zu begleiten.

Auch Leon de Winter selbst spielt eine Hauptrolle in einem Roman, in dem der Plot bis kurz vor dem Ende immer neue Verwicklungen und vorher ungeahnte Zusammenhänge bereithält. Wer sich mit der niederländischen Innenpolitik der letzten zehn Jahren etwas auskennt, und vielleicht auch die Auseinandersetzungen um Pim Fortuyn, Theo van Gogh und jüngst um Geert Wilders verfolgt hat, der kann auch die Feinheiten der Anspielungen de Winters gut verstehen.

Leon de Winter hat einen Roman geschrieben, in dem er auch seine persönliche Auseinandersetzung mit einem Teil der niederländischen Intellektuellen beschreibt, aber auch ein besorgtes und hellsichtiges Szenario entwirft, von der bevorstehenden Explosion der Gewalt im Herzen unserer Gesellschaft. Dass er dabei die Notwendigkeit metaphysischer Synergien beschreibt, ist neu und vielleicht nicht nur ironisch gemeint.

Leon de Winters Buch ist mehr als ein Thriller. Es ist eine durchaus plausible Geschichte, die geschickt mit den Grenzen von Fiktion und Realität spielt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. April 2015
"Leon war okay, ein bisschen spinnig zwar - was er so erzählte, klang immer ein bisschen strange -, und er war auch ziemlich dick und behaart wie ein Affe, das konnte man sehen, wenn er aus dem Bad kam. Dass Mama das gefiel, verstehe ich nicht." So Leon de Winter selbstironisch über seine Romanfigur "Leon de Winter" in diesem großartigen, spannenden Roman.

Ausgangspunkt ist die (reale) Ermordung des holländischen Filmemachers Theo van Gogh durch den Islamisten Mohamed Boujeri im Jahre 2004. Dieses reale Ereignis wird im Roman gleich im ersten Kapitel in einer biblisch an das alttestamentliche Buch Hiob angelehnten Szene im Himmel gespiegelt, in der der bereits verstorbene Theo durch einen ebenfalls verstorbenen "Berater" Jimmy in die Aufgaben und Möglichkeiten eines Schutzengels eingewiesen wird. Und genau in dieser wilden Mischung von Fakten und Fiktion geht es dann über 500 Seiten weiter. Jeweils in ich-Perspektive tauchen Kapitel für Kapitel reale zeitgeschichtliche Personen auf (z.B. der holländische Innenmininister Piet Hein Donner, der Amsterdamer Bürgermeister Job Cohen, der Rechtspopulist Geert Wilders), und dann wieder erfundene Personen (z.B. die wunderschöne Sonja, der Franziskanerpriester Jimmy, der 10jährige Nathan). Leon de Winter versetzt sich außerordentlich einfühlsam in all diese unterschiedlichen Charaktere hinein, spricht ihre Sprache, denkt ihre Gedanken und erzählt die spannende Geschichte eines dreifachen Terroranschlages in Amsterdam: mitten in der Stadt geht eine Bombe hoch, auf dem Flughafen wird ein Flugzeug besetzt, und in einer Schule findet eine Geiselnahme durch eine Gruppe junger fanatischer Islamisten statt.

"Ziemlich beste Feinde" hat Dirk Schümer seine sehr lesenswerte Rezension zu diesem fantastischen Roman in der FAZ vom September 2013 überschrieben. Darin verweist er u.a. auf "die angenehm inkorrekte Tendenz der Zeitungskolumnen Leon de Winters, der nicht einsehen will, warum begründete Islamkritik heutzutage gleich als rechtsradikal gilt". Genau diese politisch inkorrekte Tendenz hat mir beim Lesen des Romans gut gefallen. Leon de Winter schreibt tatsächlich ein Buch über einen Menschen, der ihn offensichtlich gehasst und bei jeder Gelegenheit öffentlich geschmäht und verunglimpft hat: Theo van Gogh. Aber er macht diesen Theo im Roman nicht etwa nieder, sondern lässt ihn zum Schutzengel werden. Und das geht dann immer so weiter: Leon de Winter lässt in seinem Roman munter Moslems, Juden, Christen, nicht-Religiöse, Verliebte, Hasserfüllte, Politiker, Künstler, Männer, Frauen, Kinder zu Wort kommen - und immer, ohne sie zu verunglimpfen, ohne sie zu karikieren, mit einem gewissen Respekt und mit Würde und mit Glaubwürdigkeit. Das ist hohe Kunst. Und das regt sehr zum Nachdenken an über unsere geschlossene gesellschaftliche Debattenkultur, in der heutzutage Vieles von dem, was de Winter hier schreibt, weder gedacht noch gar öffentlich ausgesprochen werden darf. Respekt!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. August 2014
Ich gebe zu, ich hätte dieses Buch nicht gekauft, wenn mir nicht eine gute Freundin (die viel von Büchern versteht) dringend dazu geraten hätte. Einerseits war ich ein wenig enttäuscht von den vorangegangene Büchern des Autors, andererseits erschien mir die Geschichte aus den verschiedene Beschreibungen zu abenteuerlich. Das ist es in gewissem Sinne auch, aber es ist ein höchst vergnügliches und auch toll geschriebenes Abenteuer. De Winters fantastische, und erfrischend unkonventionelle Ideen über ein Leben nach dem Tod am Beginn des Buches haben mich schmunzeln lassen. In weiterer Folge tritt diese etwas augenzwinkernd mythische Grundlage das Buches aber angenehm in den Hintergrund, kommt erst am Ende wieder stärker zum Tragen und wird ganz am Ende vom Autor gekonnt aufgelöst. Generell hatte ich während des Lesens einige dieser Momente, wo ich befürchtete das Buch könne jetzt abfallen oder das könne jetzt wirklich nicht gut gehen: zum Beispiel wenn der Autor sich selbst als Person ins Buch einbringt; Oder auch die Geschichte mit dem Herzen, die am Anfang doch zu phantastisch wirkt. Aber de Winter bekommt diese sonst leicht ins peinliche abfallenden Passagen mit Bravour, und mittels eines ausgezeichneten Plots wunderbar hin.

Eigentlich wollte ich einen Thriller schreiben, gibt de Winter im Buch selbst zu. Zum Teil (aber eben nur zum Teil) hat er diesen auch geschrieben. Hier hätte man sich zwar einiges "überdramatisches" sparen können - diese Passagen lesen sich wie ein Filmplot, man sieht die Bilder auf einer Leinwand, manche Szenen in Zeitlupe - aber die terroristischen Hintergründe sind selten so erschreckend genau herausgearbeitet worden (auch wenn das einige wohl als politisch wenig korrekt ansehen werden).

Für mich ist De Winter, nach Leo Kaplan, wieder ein wirklich großes Buch gelungen. Chapeau!
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. Dezember 2013
Seit nunmehr nahezu dreißig Jahren liefert Leon de Winter gleichbleibend gute Unterhaltung auf stilistisch hohem Niveau und schafft es dabei, immer wieder Themen und Sujets aufzugreifen, die Brisanz versprechen. Er ist ein politischer Autor, der sich nicht scheut, als Jude durchaus in Europa eher unpopuläre Positionen zu Nahostfragen, zum Verhalten des Staates Israel oder dem der Palästinenser und auch zu solchen von Krieg und Frieden in der Region einzunehmen. Dies merkt man weniger in seinen Büchern (obschon da auch), als in den Essays, die hierzulande regelmäßig z.B. vom SPIEGEL abgedruckt werden. Diese Essays haben de Winter unter Liberalen den Ruf eines schwerst Konservativen, unter Linken den eines üblen Rechtsauslegers eingebracht. Da de Winter in seiner Familiengeschichte nicht nur auf die Rettung seiner Eltern durch katholische Priester, sondern leider auch auf Angehörige verweisen kann, die in den Todeslagern der Nazis umgekommen sind, sollte man vielleicht als Deutscher grundsätzlich vorsichtig mit der Beurteilung sein, wie ein Jude das Verhalten Israels beurteilt. Vielleicht sollte man auch vorsichtig sein, Israels Verhalten generell zu beurteilen, doch ist das eine andere Geschichte.

Das Jüdische spielte bei de Winter immer eine Rolle, doch nur in einigen seiner Romane wurde es politisch explizit. Dennoch brachte es ihm den Vorwurf ein, er nutze sein Jüdisch-Sein aus; mehr noch, er "schlachte" es aus - warf ihm z.B. der niederländische Künstler, Publizist und Filmemacher Theo van Gogh vor. Dieser Theo van Gogh wurde in Deutschland einem breiteren Publikum erst 2004 ein Begriff, nachdem er von dem Islamisten Mohammed Bouyeri an einem diesigen Novembermorgen auf offener Straße regelrecht abgeschlachtet worden war. Van Gogh hatte gemeinsam mit der Menschen- und Frauenrechtlerin Ayaan Hirsi Ali den Film "Submission" gedreht, der massiv das islamische Patriarchat und somit die Religion grundsätzlich angriff. Doch war van Gogh auch ein grundsätzlicher Provokateur, ein Satiriker, vor dessen strengen Urteilen niemand sicher war; andere sagen auch, er sei ein Kotzbrocken gewesen, unsympathisch und menschenfeindlich. Wahr und belegt ist jedenfalls, daß er und de Winter seit den frühen 80er Jahren herzlichst miteinander verfeindet waren, obwohl man meinen sollte, diese beiden zögen am selben Ende eines Stranges.

Nun begegnet uns Theo vam Gogh auf den ersten Seiten des neuen Buchs von Leon de Winter, "Ein gutes Herz". Er sitzt seit seiner Ermordung in einer Art Pugatorium und weigert sich, "weiterzugehen". Ihm wird eine Art "Leiter" zur Seite gestellt, der ihm helfen soll, im Himmel (oder der Hölle) zumindest wieder Vollständigkeit zu erlangen, denn momentan hat man es lediglich mit seinem Kopf zu tun, der sich aber mit all dem amüsiert, was er auch auf Erden schon gern tat: Saufen, Rauchen und unflätige Beleidigungen ausstoßen. Dieser van Gogh nun soll, um endlich mal voran zu kommen in seinem neuen und endgültigen Heim, als Schutzengel fungieren für einen gewissen Max Kohn. Dieser Max Kohn wiederum war lange Zeit einer der führenden Drogenbarone der Niederlande, wenn auch "nur" spezialisiert auf "weiche" Drogen. Doch hat er vor 10 Jahren mit all dem aufgehört, als er und seine damalige Freundin - seine große Liebe - Sonja von einem Sonderkommando aus dem Bett geholt wurden wegen der Ermordung zweier Jugoslawen. Die allerdings waren - ohne dessen Wissen - von Kohns rechter Hand Kichi, einem marokkanischen Berber, beseitigt worden. Kohn ging daraufhin in die USA, sein Kompagnon in den Knast und Sonja verschwand irgendwo...nun ist sie die Freundin eines holländischen Schriftstellers namens Leon de Winter, der von seiner Frau Jessica Durlacher verlassen wurde und sich dieses neuen Glücks erfreut. Hätte Sonja bloß nicht solche Angst vor Kohn, den sie für das Böse schlechthin hält. Kohn seinerseits hat in Amerika ein neues Herz bekommen - und zwar ausgerechnet jenes von van Goghs "Leiter" im Himmel - Jimmy. Dieser - ein ehemaliger katholischer Priester, der eine enorme Schwäche für schöne Frauen und mit einer davon auch 2 Kinder hatte - hatte nur ein paar Tage mit Sonja verbracht, doch war sie in diesen Tagen auch zu seiner großen Liebe geworden. Und dieser Jimmy, dessen "gutes Herz" nun in Max Kohns Brust schlägt, hatte diesen "Zufall" genau so geplant und arrangiert, wollte er doch, daß seine große Liebe zurückfindet zu IHRER großen Liebe - die eben Max Kohn hieß. Als sei das alles nicht genug, beschließt der Sohn von Kichi, der mittlerweile zu einem hervorragenden Fußballer und einem strenggläubigen Islamisten herangewachsen ist, nicht nur das Opernhaus in Amsterdam in die Luft zu jagen, sondern auch ein Flugzeug zu entführen und zudem eine Schule zu besetzen. Eben jene Schule, in die Sonjas Sohn Nathan geht...alles kulminiert an diesem Tag, an dem all diese in sich verworrenen Lebenslinien aufeinander zulaufen und sich endgültig ineinander verknoten...

Das klingt nach Kolportage und es wäre auch so, wenn Leon de Winter hier nicht einmal mehr stilistisch und sprachlich zu einer Hochform aufliefe und nicht durch das sich-selbst-in-den-Roman-Einschreiben einen Kniff angewendet hätte, wie er entweder nur vollkommen scheitern oder aber nur brillant gelingen kann. De Winter ist er brillant gelungen. Das ganze Buch ist ein Wagnis und man merkt es ihm an. In einem Nachwort berichtet de Winter, daß er unbedingt habe über van Gogh schreiben wollen, doch mit zunehmender Beschäftigung mit dem Mann und dem , was ihm zugestoßen ist, habe er erkannt, daß er z.B. sich selbst nicht aus dem Kontext auslassen könne usw. Schließlich habe dieses Buch, diese Geschichte ihn gefunden und so sei sie entstanden, wie sie nun ist.

De Winter nimmt mit diesem Buch zu manchem Stellung, was ihm in den letzten Jahrzehnten vorgeworfen wurde. Er macht ein äußest schwieriges Kapitel auf. Er will keinesfalls als Rechter gelten, und er will auch nicht, daß van Gogh so wahrgenommen wird. Doch will er ganz offensichtlich - und das eben nicht als Jude und Opfer, sondern als Europäer, der sich einer Geschichte und gewisser Werte, die dieses Europa in den letzten 250 Jahren v.a. (seit der französischen Revolution) hervorgebracht hat, bewußt ist - nicht klein beigeben vor einer Bedrohung, die unserem Weltbild radikal entgegensteht, da sie auf den Glauben setzt, wo Europa sich entschlossen hat, den Glauben säkular zurückzudrängen und auf das vermeintliche Wissen und die vermeintliche Vernunft zu setzen. Dabei wird gerade in diesem Text deutlich, wie schwer es ist, differenzierte Standpunkte abseits vom Mainstream zu vertreten, wenn die Gemüter erhitzt sind und eigentlich nur noch populistisch einfache Meinungen zugelassen werden. Es gibt Punkte, an denen de Winter ganz offensichtlich kompromißlos ist: Wenn er einen seiner Protagonisten aus dem Koran zitieren läßt und dabei eben Suren auswählt, bei denen kaum mehr Zweifel angebracht sind an ihrer eindeutigen Aufforderung, den Islam auch mit Gewalt zu verbreiten, dann kann man in diesen Passagen schon den streitbaren und Widerspruch herausfordernden Autor jener Essays im SPIEGEL erkennen, von dem oben die Sprache war. Aus dem Zusammenhang gerissen würde auch manche Stelle der Bibel dem Zuhörer solcher Zitate wahrscheinlich kalte Schauer den Rücken runterschicken.

Doch da es de Winter gelingt, diese Aspekte in einen Zusammenhang zu stellen - va.a mit der ängstlichen Sonja (die im Buch die meiste Zeit vor einem Juden Angst hat), deren Kind in eine potentiell tödliche Situation gerät - , in dem all diese theoretischen religiösen Fragen schlicht hinter dem Schrecken einer realen, konkreten Bedrohungssituation verblassen, kann man auch schön sehen, daß all diese Problematiken v.a. Männerproblematiken sind. Ob Kohn oder van Gogh, ob Kichi oder dessen fanatisierter Sohn - all diese sich so wichtig nehmenden Menschen sind Männer, die meinen, das Recht zu haben, über das Leben anderer verfügen zu dürfen (in gewisser Weise gilt das auch für Jimmy, der die ganzen Verstrickungen ja erst auslöst). Sonja und ihr Sohn Nathan, 10 Jahre alt und erstmals verliebt, stehen dem gegenüber für eine Menschlichkeit, die sich nicht aus Abstrakta speist, sondern aus ganz einfachen und doch so realen Bedürfnissen: Eine Party besuchen, jemandem ein Geschenk machen, ein ruhiges Leben leben ohne Angst haben zu müssen.

Der Roman nimmt also bei aller Doppeldeutigkeit, bei aller Ambivalenz, derer er sich bemächtigt, um den Leser eben auch zu verunsichern, klar an einer gesellschaftlichen Debatte, einem Diskurs, teil und stellt in diesem Diskurs gewisse Thesen und Meinungen aus, um sie zu diskutieren und diskutieren zu lassen. Daß de Winter weder sich selbst noch die meisten der anderen (realen) Figuren sonderlich gut weg kommen läßt, sondern durchaus selbstkritisch die eigenen Vorurteile und möglichen denkerischen Einschränkungen ausstellt, macht die Sache natürlich ernst- und glaubhaft. Doch bleibt auch einfach dies festzuhalten: "Ein gutes Herz" ist nicht unr Debattenbeitrag und Darlegung verschiedener Sichtweisen auf das Europa auf mittelfristige Sicht bestimmende Thema, es ist nicht nur ein intellektuelles Spiel mit Positionen und Figuren, es ist auch nicht unbedingt ein Schlüsselroman - aber was es ist, ist gute, manchmal wirklich witzige Unterhaltung, die den Leser dennoch zwingt, sich der beschriebenen Problematik zu stellen und zu verstehen, daß es wahrscheinlich keine "einfachen" Lösungen gibt. Wahrscheinlich nicht mal "einfache" Standpunkte oder Standorte, auf denen man sich sicher fühlen und auf die man sich zurückziehen könnte. Das macht die Wucht dieses Buches und seine Klasse aus.

Ein kontroverses Buch, das zu unterhalten weiß - selten und absolut empfehlenswert!
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Ich habe noch nie ein Buch gelesen, in dem Fiktion und Wirklichkeit so dreist vermischt sind, und dabei so harmonisch miteinander im Einklang stehen.

Der Roman >Ein gutes Herz< startet mit einem skurrilen Anfang. Schon ist man mittendrin in der Handlung. Perfekt ineinander verwoben knüpft der Autor Leon de Winter seine Handlungsfäden, bindet sich selbst mit ein, und dröselt das Fadengewirr am Ende auf, wenn alles mit allem ins Verhältnis gesetzt ist.

Im Jahre 2004 wurde der niederländische Filmemacher Theo van Gogh von islamischen Fundamentalisten ermordet. Diesen tatsächlich so geschehenen Tod nimmt Leon de Winter als Aufhänger für seinen in Amsterdam spielenden Roman und lässt den Filmemacher darin kurzerhand als Engel zu Wort kommen.

Hinzu gesellen sich allerhand weitere Figuren: der schwarze Priester Jimmy Davis, der nach seinem Tod auf den Geist des Filmemachers van Gogh trifft, der jüdische Kriminelle Max Kohn, der fortan mit dem Herzen des verstorbenen Priesters weiterlebt, die hübsche Sonja Verstraete, die die Geliebte von Beiden war, ihr Vater, der sich als Geldwäscher für Kohn in der Unterwelt verdingt hat, und eine junge marokkanische Fußballmannschaft, die für Terroranschläge in Amsterdam verantwortlich zeichnet, und deren Anführer Sallie wiederum der Sohn eines Handlangers von Kohn ist. Klingt verwirrend, ist es aber keinesfalls.

Die Personen erzählen jeweils aus wechselnden Perspektiven. Ihre Namen dienen als Kapitelüberschriften und helfen dem Leser, sie auseinanderzuhalten und zudem alle Handlungsstränge in der Hand zu halten.

Die Erzählung ist politisch, gesellschaftskritisch, klug und gewitzt. Dabei überzeugt sie durch starke Charaktere, denen man ihre Handlung und den Antrieb für diese Handlungen stets abnimmt, auch wenn sie gelegentlich abstrus erscheinen.

Leon de Winters Figuren sind oft männliche Niederländer jüdischer Herkunft - somit sind durchaus autobiographische Züge erkennbar. Zudem schreibt sich de Winter selbst mitten hinein in seinen Roman, wie übrigens auch seine Frau Jessica Durlacher und seinen befreundeten Anwalt Bram Moskowicz.

An Einfallsreichtum kaum zu übertreffen wird dem Leser eine Geschichte präsentiert, bei der man sich nicht mehr sicher ist, was wahr und was der Phantasie entsprungen ist.

Ich jedenfalls habe nach der Lektüre erst einmal fleißig recherchiert und mich mit den lebenden wie auch toten darin vorkommenden Personen näher beschäftigt.

Lange nachdem ich das Buch zur Seite gelegt habe, schmunzle ich noch immer über das raffinierte literarische Spiel. Ein anspruchsvolles Lesevergnügen!
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am 24. August 2014
Wie soll man so etwas bewerten? Ich habe es verschlungen! Und ich könnte schwören, dass jedes Wort darin der Realität entspricht !!! ;)
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 15. September 2013
Leon de Winter ist mit seinem Roman beides gelungen: eine wahnwitzige Story, die keine Zeit zum Durchatmen lässt, die von Beginn an volles Tempo aufnimmt und erst nach allen durchlaufenen, unmöglichen Verstrickungen seine eigentliche Handlung entfaltet und, ein unbeschreiblich beklemmendes Szenario das eine europäische Stadt in den Ausnahmezustand des Terrors treibt!

Das mystische daran ist der Schutzengel Theo dessen Aufgabe die Sicherheit seines Schützlings Max Kohn ist, Hollands berüchtigtstem, jüdischen Gangster. Das phantastische daran die gekonnte Verflechtung wahrer Begebenheiten der Vergangenheit und lebender oder toter Personen unseres Zeitgeschehens. So startet er seinen Roman mit der Ermordung Theo van Goghs 2004 durch den Islamisten Boujeri.

Die Charaktere sind wie üblich in de Winters Romanen sehr authentisch und zumal Zerrissene, zumal Persönlichkeiten von starker Überzeugung. Alle befinden sich auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit und der Suche nach einem anderen, neuen Leben, immer wieder heimgesucht, von dem was war. Selbst dem Autor persönlich wird eine begleitende Rolle zu Teil, auch wenn er hier nicht zum Helden der Story gekürt wird. Denn die Helden, das sind andere.

Der Roman verspricht ungebremsten Drive, einen intelligenten, kreativen Plot von politisch provokanter Tonart, eine spannende Handlung, die bis zuletzt unvorhersehbar bleibt und einen gepflegt humorvollen Rahmen.

Im Abgang ein Hauch von Rauch und Chivas Regal.
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