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5.0 von 5 Sternen Vivaldi mit Alan Curtis - Bitte hören!, 19. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Vivaldi: Catone in Utica / Il Complesso Barocco, Curtis (Audio CD)
Hier ist sie (schon) wieder: Eine wunderschöne Oper von Antonio Vivaldi... einfach überirdisch gut... traumhafte Arien.... melodisch, schwungvoll und nie 'langatmig'.
Und ich muß es einfach schreiben: Hallo Herr Curtis: Es geht doch!
Man muß also nicht durch eine Oper rasen und kann trotzdem das richtige Tempo treffen. Wie das geht, weiß ich natürlich auch nicht, aber hier funktioniert es.
Für Händel-Fans, die, wie ich, bei Alan Curtis' Einspielungen meist 'einschlafen', kann diese CD eine echte „Versöhnung“ mit Herrn Curtis sein. Was würde ich aber jetzt darum geben, daß seine Händel Opern auch so klingen würden....
Denn, die besten Sänger und Sängerinnen hat er immer dabei. Hervorheben möchte ich bei dieser Einspielung besonders Roberta Mameli, Ann Hallenberg und Romina Basso.
Mein Lieblingsstück: Roberta Mamelis 'Se mai senti spirati sui volto lieve': Nie habe ich eine schönere Stimme gehört....
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meisterwerk des späten Vivaldi, 2. Dezember 2013
Von 
Claus Fischer "clausfischer" (Lampertheim, Hessen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Vivaldi: Catone in Utica / Il Complesso Barocco, Curtis (Audio CD)
In der Regel haben die Helden von Metastasio-Opern gute Aussichten, im Schlusschor mitsingen zu dürfen, mögen sie vom Schicksal vorher auch noch so hart geschlagen werden. Vor seiner Berufung zum kaiserlichen Hofdichter nach Wien hatte der spätere Meister des "lieto fine" jedoch eine gewisse Vorliebe für tragische Schlüsse, ganz gegen den Zeitgeschmack. Dass die von Aeneas verlassene Dido am Schluss von "Didone abbandonata" den Tod in den Flammen ihres brennenden Palastes sucht, ließ das Publikum noch hingehen, das war schließlich eine allgemein bekannte Sage. Dass der Titelheld von "Catone in Utica" sich aber im Finale auf offener Bühne in sein Schwert stürzt, wie sein reales Vorbild, der stolze Republikaner Marcus Porcius Cato, es anno 46 v. Chr. getan hatte, um Caesars Tyrannenherrschaft über Rom nicht mehr erleben zu müssen - das war Manchem zu viel Realismus. Zumal der Dichter in diesem Libretto auch sonst nur wenige Konzessionen an die Erwartungen des Publikums gemacht hatte. Statt in vergoldeten Thronsälen und lauschigen Lustgärten spielt die Handlung größtenteils an recht tristen Örtlichkeiten; die entscheidende Konfrontation zwischen den vier Hauptfiguren ereignet sich gar in einem unterirdischen Aquädukt, quasi in der Kanalisation, worüber einige Kritiker die Nase rümpften. Gleichwohl erzielte dieses unkonventionelle "dramma per musica" 1728 in der Erstvertonung durch Leonardo Vinci einen veritablen Skandalerfolg. Metastasio glättete jedoch daraufhin einige Ecken und Kanten und ließ Cato zum Selbstmord diskret hinter die Kulissen gehen; als Caesar die Kunde vom Suizid seines geachteten Gegners erhält, schleudert er mit dramatischer Geste seinen Siegeslorbeer zu Boden. Diese Fassung liegt allen nachfolgenden Vertonungen des Librettos zu Grunde.

Auch Antonio Vivaldi griff zu diesem selbst in der entschärften Fassung noch durchaus spannenden Text und stellte seine musikalische Sicht darauf im Jahre 1737 dem Publikum des Teatro Filarmonico in Verona vor. Es war einer seiner letzten großen Erfolge auf der Opernbühne; Vivaldi hielt es in einem Brief an seinen Mäzen, den Marchese Guido Bentivoglio, für erwähnenswert, dass diese Oper mehr Geld einspielte, als sie gekostet hatte. Leider ist der erste Akt verschollen bis auf eine Arie ("È follia se nascondete"), die Vivaldi in seiner späteren "Rosmira fedele" wiederverwendet hat. Die erhalten gebliebenen Akte 2 und 3 jedenfalls zeigen ihn auf dem Höhepunkt seiner Gestaltungskraft. Als Vivaldi-Liebhaber muss man sich jedoch damit abfinden, dass der Prete Rosso manchen originellen Zug seines tief in der alten venezianischen Tradition verwurzelten Stils schließlich geopfert hat, um zu beweisen, dass er ebenso gewandt wie seine jüngeren Kollegen ins Fahrwasser der modernen neapolitanischen Schule einschwenken konnte. Viele Arien seines "Catone" würde man bei einer "Blindprobe" ohne Weiteres Vinci, Pergolesi oder Porpora zutrauen. Der Zuschnitt sowohl der Arienthemen (gleich ob sanft oder aufbrausend) wie auch der oft buchstäblich atemberaubenden Bravourkoloraturen erinnert viel stärker an besagte Neapolitaner als an das, was man aus früheren Vivaldi-Opern kennt. Das für ihn charakteristische Feuer hat sich Vivaldi aber auch bei dieser stilistischen Neuorientierung bewahrt - man nehme zum Beweis die schroffen Streicherrhythmen in "Degl'Elisi dal soggiorno" oder den Parforceritt der Hörner in "Nella foresta", zwei der explosivsten Stücke, die je aus Vivaldis Feder geflossen sind.

Für die vorliegende Einspielung wurde der fehlende erste Akt von Alessandro Ciccolini rekonstruiert, der dabei zu ganz anderen Ergebnissen kommt als Jean-Claude Malgoire in seiner Aufführung, die 2001 live in Tourcoing mitgeschnitten und vom Label Dynamic veröffentlicht wurde. Die Live-Aufnahme Malgoires hat durchaus einige Meriten, wird von der vorliegenden, von Alan Curtis dirigierten Studio-Version aber hinsichtlich Klangqualität und Gesamtwirkung doch deutlich überflügelt.

Bei Curtis' Händel-Dirigaten stellte sich bei mir oft das Gefühl ein, er wolle nichts anbrennen lassen und serviere deshalb Händels Arien-Filets nur auf Sparflamme leicht angegart, sozusagen "halb englisch". Bei Vivaldi traut er sich offenbar mehr, und sein spieltechnisch überaus kultiviertes Orchester Il Complesso Barocco folgt ihm darin bereitwillig. Er überspannt den Bogen nicht so weit wie Jean-Christophe Spinosi, der jede Vivaldi-Arie pulverisiert, aber jedes einzelne Stück in der Arienkollektion dieser Oper wird schon kräftig abgestaubt und ordentlich blank poliert. Perfekt wird das Vergnügen durch die sorgfältig zusammengestellte Sängerriege, die mit durchweg blutvollen und geschmeidigen Stimmen ein farbenfrohes, affektgeladenes Historiengemälde erstehen lässt - das seiner poetischen Freiheiten wegen zur musikalischen Ergänzung des Latein- und Geschichtsunterrichtes freilich nur bedingt geeignet ist. Musikalisch aber uneingeschränkt zu empfehlen - wer der Flut an Vivaldi-Opern ein wenig überdrüssig geworden sein sollte, könnte hier erneut auf den Geschmack kommen.
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