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5.0 von 5 Sternen Faszinierende Reise in das Innere eines großen Autors
"Capote" ist keine Filmbiographie über das ganze Leben des Schriftstellers Truman Capote, wie man anhand des Titels denken könnte. Der Film konzentriert sich vielmehr auf die 4 Jahre, die Capote benötigt hat, um sein erfolgreichstes Buch zu schreiben: "In Cold Blood", zu deutsch "Kaltblütig".

Dennoch erfährt man in diesem Film recht...
Veröffentlicht am 5. April 2007 von D. Schmidt

versus
11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verschenkte Potentiale
[ACHTUNG: SPOILER - soweit das bei diesem Film so zu nennen ist]
Am 15. November 1959 wird am Rande einer Kleinstadt in Kansas die Farmersfamilie Clutter ermordet. Der Schriftsteller und Partylöwe Truman Capote (Philip Seymour Hoffman), der mit dem Romanen "Die Grasharfe" und "Frühstück bei Tiffany" große Erfolge gefeiert hat, will für den...
Vor 11 Monaten von Gavin Armour veröffentlicht


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50 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierende Reise in das Innere eines großen Autors, 5. April 2007
Von 
D. Schmidt (Baden-Baden, Baden-Württemberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Capote (DVD)
"Capote" ist keine Filmbiographie über das ganze Leben des Schriftstellers Truman Capote, wie man anhand des Titels denken könnte. Der Film konzentriert sich vielmehr auf die 4 Jahre, die Capote benötigt hat, um sein erfolgreichstes Buch zu schreiben: "In Cold Blood", zu deutsch "Kaltblütig".

Dennoch erfährt man in diesem Film recht viel über die Figur Truman Capote. Denn der Film behauptet, dass diese vier Jahre den Menschen Capote in einer Weise beeinflusst und - ja, auch geöffnet, vielleicht sogar beschädigt haben, dass es ihm danach unmöglich war, sein Leben als Künstler fortzuführen. Denn immerhin vollendete er nach "In Cold Blood" kein weiters Buch, verfiel immer mehr dem Alkohol und erregte eigentlich nur noch als Talkshowgast öffentliches Aufsehen.

Ob diese Zeit wirklich einen solchen Einfluss aus Truman Capote hatte, kann ich nicht beurteilen. Der Film beruft sich weitestgehend auf eine wohl recht bekannte Biographie über den Schriftsteller und ist wohl schon um Authentizität bemüht. Aber selbst wenn viele Dinge hinzugedacht oder sogar verfälscht wären würde ich "Capote" faszinierend finden:

Denn mir fällt kein weiterer Film ein, der die innere Zerrissenheit eines Menschen so ausführlich, aber gleichzeitig auch so spannend darstellt.

Wie es zu dieser Zerrissenheit kommt, ist leicht verständlich: "In Cold Blood" war nicht vollständig Fiktion, sondern beschrieb einen real stattgefundenen Mord an einer Farmerfamilie in Kansas. Um dieses Buch schreiben zu können, recherchiert Capote nicht nur umfassend sondern geht noch einen Schritt darüber hinaus: Er nimmt Kontakt mit den gefassten Mördern auf, unterstützt sie bei ihrer Verteidigung und besucht sie häufig im Todestrakt, um sie zu interviewen.

Dabei entwickelt er eine Freundschaft mit einem der Täter, Perry Smith. Oder sogar noch mehr, denn in gewisser Sicht fühlt er sich mit diesem Mörder sogar geistig verwandt. Auch dieser hat durchaus künstlerisches Talent, er zeichnet. Allerdings genoss er so gut wie keine schulische Ausbildung und ist dementsprechend ungebildet. Etwas weiteres verbindet die beiden: Beide hatten eine schwierige Kindheit, doch Capote hat es aus dem Kreislauf von Perspektivlosigkeit zu Gewalt hinausgeschafft. Er beschreibt das in einer Szene in dem Film hervorragend. Hier sagt er: "Ich habe das Gefühl, als wären wir beide im selben Haus geboren. Doch während ich zur Vordertür hinausging, ist Perry hinten hinausgegangen."

Auf der anderen Seite steht nun das Buch. Er schreibt es und während dem Schreiben wird ihm klar, dass er es nur veröffntlichen kann, wenn die beiden Täter hingerichtet wurden. Denn auch wenn er durchaus Verständnis für die Person Smith aufbringt, so verurteilt er dennoch dessen Tat und beschreibt diese so brutal, wie sie wohl auch begangen wurde, ohne Entschuldigungsgründe für die Täter anzuführen.

So kollidiert also das Buch mit der Beziehung zu Perry Smith. Wie dies Capote belastet, aber auch wie er mit dieser Belastung umgeht, ist interessant anzusehen: Zwischen ungeheurem Selbstmitleid, echtem Leid, Empathie für die Täter und gnadenlosem Verfolgen seiner Interessen (er erpresst und belügt seinen Freund Perry, um an weitere Informationen zu kommen) schwankt Capote ständig. Hier ist auch das unglaubliche Spiel von Philip Seymour Hoffman hervorzuheben: Die Gefahr war sicher groß, Capote nur über sein exzentrisches Auftreten darzustellen. Aber Hoffman gelingt es, häufig auch nur durch Andeutungen, ständig das innere Vorgehen mit darzustellen. Überhaupt ist der Film großartig darin, Sachen durch kleine Andeutungen darzustellen, ohne alles Erklärungsbedürftige bis zum Ende durchzukauen.

Auch wenn Hoffman ständig im Mittelpunkt des Filmes steht, gelang es Regisseur Bennett Miller auch die Nebenrollen sehr gut zu besetzen. Catherine Keener und Clifton Collins Jr. als Perry Smith möchte ich daher noch hervorheben. Miller hat hier wirklich sorgfältig gearbeitet, er hat wohl auch jeden Statisten einzeln ausgewählt, wie man aus dem Bonusmaterial erfährt. Ob man diese Detailliebe dem Film aber wirklich anmerkt wage ich mal zu bezweifeln.

Eine andere Detailliebe dagegen bemerkt man auf jeden Fall: Der Film hat einen eigenen optischen Stil verpasst bekommen, auf jegliches blau und rot wurde zum Beispiel verzichtet. Inwieweit dies der Geschichte nutzt mag ich nicht beurteilen. Es schadet ihr aber auch in keinem Fall.

Zum Ende möchte ich noch anmerken, dass Kenntnis des Buches beim Ansehen des Filmes sicher hilft. Denn über den eigentlichen Buchinhalt erfährt man kaum etwas. Ich selber habe mal eine Hörspielbearbeitung von "Kaltblütig" gehört, die hat mir sehr gut gefallen. Wenn es die noch zu kaufen gibt kann ich sie nur empfehlen. Genauso uneingeschränkt - man wird es dem Text schon angemerkt haben - möchte ich letztendlich hier auch "Capote" empfehlen. Meiner Ansicht nach wirklich sehenswert.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Verschenkte Potentiale, 18. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Capote (DVD)
[ACHTUNG: SPOILER - soweit das bei diesem Film so zu nennen ist]
Am 15. November 1959 wird am Rande einer Kleinstadt in Kansas die Farmersfamilie Clutter ermordet. Der Schriftsteller und Partylöwe Truman Capote (Philip Seymour Hoffman), der mit dem Romanen "Die Grasharfe" und "Frühstück bei Tiffany" große Erfolge gefeiert hat, will für den "New Yorker" eine Reportage darüber schreiben, welche Auswirkungen ein solches Verbrechen auf eine kleine, konservative und gottesfürchtige Gemeinde hat. Dazu reist er mit seiner Jugendfreundin Nelle Harper Lee (Catherine Keener), der späteren Autorin des Megasellers "To Kill a Mockingbird", in die Kleinstadt Holcomb. Nach und nach gelingt es Capote, die meisten Beteiligten des Falles - Freunde der ermordeten Familie, Ermittler des Falles und ganz allgemein die Menschen des Ortes - dazu zu bringen, mit ihm, einem offensichtlich homosexuellen Dandy von der Ostküste, nicht nur Fakten, sondern auch Gefühle zu teilen. In einer atemberaubenden Mischung aus Hypersensibilität, äußerster Egozentrik, Einfühlsamkeit, einem niemals zu unterschätzendem Charme, Skrupellosigkeit und dem dafür nötigen psychologischem Gespür schafft Capote es, selbst abstruseste Situationen aufzufangen, aufzubrechen und zu lockern. Schließlich gelingt ihm dies auch mit den Tätern, nachdem die gefasst wurden. Vor allem der Gefangene Perry Smith (Clifton Collins jr.) hat es ihm in seiner menschlichen Hilflosigkeit und Naivität angetan. Die beiden freunden sich miteinander an. Doch Capotes Privatleben beginnt zu leiden, sein Lebensgefährte fühlt sich vernachlässigt und den Menschen, denen Capote etwas bedeutet, fällt immer stärker auf, daß er sich monströs zu verändern beginnt. Er will seinen "Tatsachenroman" fertig stellen und dafür müssen die beiden Täter endlich hingerichtet werden...

Truman Capote war ein Egozentriker erster Güte. Das wusste man. Sein Ego war monströs, sein Glaube ans eigene Genie ungetrübt. Seine Sottisen waren gefürchtet, seine Kommentare ebenso; er konnte fürchterlich verletzen und sich damit zugleich Liebkind bei allen denen machen, die gerade nicht gemeint waren. Doch er verfügte eben auch über die Gabe der Sprache. Sein Schreiben war großartig. Und sein Denken scharf. Eben in seiner Rolle eines Südstaatenabkömmlings hatte er ein waches Bewußtsein für Außenseiter, Ausgestoßene und Minderheiten. Und sein Tatsachenroman "In Cold Blood" begründete ein vollkommen neues Genre literarischen Schaffens. Wobei das, was Capote beschrieb, maßgeblich dazu beitrug, in der amerikanischen Rechtssprechung psychologische Gutachten zuzulassen, ja, es half, generell das Vorleben und die Sozialisation von Tätern mitzubedenken. 1967 schuf Richard Brooks einen kongenialen Film, dem es erstaunlich gut gelang, vor allem die ausdifferenzierte Psychologie zwischen Perry Smith und seinem Kompagnon Richard "Dick" Hickock (hier: Mark Pellegrino; allerdings wird diese Figur im Film gnadenlos runtergespielt) darzustellen, die ausgesprochen wichtig für das Motiv der Tötungen selbst war. Auch Capotes Buch legt starkes Gewicht auf das Verhältnis der beiden. Seine Zuneigung zu Smith war wohl echt, doch läßt er auch im Buch keinen Zweifel aufkommen, daß er es mit zwei wirklich kaltblütigen Mördern zu tun hatte.

All das scheint "Capote" als Film nicht zu interessieren. Regisseur Bennett Miller offeriert dem interessierten Publikum ein Psychogramm äußerster Schärfe. Am Ende dieses fast zweistündigen Films bleibt der Zuschauer mit einem madigen Geschmack zurück und sieht einen Menschen vor sich, der vollkommenen moralischen Bankrott erlitten hat. Hier - das allerdings merkt der Zuschauer erst nach geraumer Zeit - geht es nur um die psychologische Betrachtung des Autors und eine Analyse seines Verhaltens in diesem besonderen Fall. Gleichsam ein Gegenstück zu Capotes Buch, daß sich stark um psychologisches Feingefühl für die beiden Täter generell, aber auch und vor allem für die spezifische Situation und das spezifische Verhältnis der beiden untereinader müht, wird hier der Autor als Teil eines Ensembles untersucht. Sein Verhalten, sein Mittun. Allein - es geht nicht auf. Der Film liefert dafür nicht genügend Belege, im Grunde immer nur ein und denselben in unterschiedlichem Gewand.

Truman Capote als Figur hatte ungemein viele Facetten und sein Wirken als öffentliche Figur reichte bis weit in die 70er Jahre und selige Studio-54-Zeiten, neben Andy Warhol et al. Sein Verhältnis zu Harper Lee und sein Anteil an deren Erfolg. Man könnte viele Einzelheiten seines Lebens herausgreifen und darauf basierend seinen Charakter untersuchen (ein homosexueller Südstaatenmann, worauf der Film einige Male anspielt, aber dann schlicht als Hinweis stehen läßt, ohne daraus etwas greifbares zu machen) - doch es muß diese Geschichte um den Mord an den Clutters sein, vermeintlich die aufregendste Episode dieses Lebens. Je nach Standpunkt. Doch was wir dann sehen, ist die zwar delikate, doch letztlich eindimensionale Darstellung dieses Mannes. Philip Seymour Hoffman spielt Capote durchaus tuntig, doch er übertreibt es nicht und schafft damit Differenz. Das ist in einigen Szenen wirklich atemberaubend, doch kann er das nicht durchhalten, allein das Drehbuch verfällt zu häufig darauf, sich zu wiederholen und das ewig gleiche auszustellen. Immer wieder sehen wir Capote in Gesprächen, in denen er das Geschehen - egal, ob da jemand sitzt, der gerade die beste Freundin verloren hat oder ein leidender Freund - an sich zieht, auf sich be-zieht und darum anfängt von sich zu erzählen. Das ist ein, zwei Mal gut ausgespielt, doch dann verflacht es, weil wenig hinzukommt.

Ab etwa der Mitte des Films sehen wir also auch keiner schauspielerischen Analyse eines zutiefst Verstörten zu (der Capote sicherlich auch war, der Film zeigt es, aber wenn er es zeigt, trägt er es auch besonders dicke auf), sondern wir erleben den Skandal: Da macht einer Hoffnung und zieht sich dann zurück, da hat einer die materiellen Möglichkeiten, gute Anwälte hinzuzuziehen und tut so, als fände er keine, schließlich erbittet sich da einer den Tod zweier Menschen, damit er endlich, endlich das Buch beenden kann, das von diesen beiden handelt - doch an dem Punkt angelangt, haben wir es längst kapiert: Capote war ein Schweinehund, was das anging.

So wiederfährt diesem Film, der nicht mal ein wirkliches Biopic ist, stellt er doch wirklich nur dreieinhalb Jahre im Leben seiner Titelfigur aus, das Schicksal der meisten Biopics: Irgendwo verflacht das alles, mangelnder Tiefgang wird mit erlesenem Dekor und famoser Schauspielkunst übertüncht und man denkt, was Wunder das alles toll ist und fragt sich erst später, warum einem der Film dann doch so lang vorkam? Hier kann man einem sehr guten Schauspieler bei der Darstellung eines leidlich interessanten Falles von Omnipotenz zusehen. Viel mehr ist es nicht.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Wiederbelebung des grossen Besessenen, 19. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: Capote (DVD)
Er hatte ein Land begeistert. Er war ein großer Star, ein einmaliger Jetsetliterat. Aber wer hatte ihn sterben hören, wer hatte den von Drogen und Halluzinationen ausgezehrten Schriftsteller begleitet in seinen letzten Tagen? Niemand, nur die Einsamkeit, dieselbe, die auch über die blanken Linoleumböden der Krankenhäuser, in denen er seine letzten Jahre verbrachte, weht.
Truman Capote - das war ein Name, das war ein Genie. Wie hatte nicht alles angefangen, als der gerade erst dreiundzwanzig Jahre alte Capote seinen Debütroman vorstellte. Die Sprache ist meisterhaft, voller unglaublicher Bilder und Vergleiche. "Other Voices, other Rooms" spaltete die Literaturkritiker - und verhalf dem Youngster zu einem nie vorher gesehenen Höhenflug. Nicht zuletzt wegen des sensationellen Bildes, das auf dem Buchumschlag prangte, auf dem die Blicke des mädchenhaft hübschen Capote lasziv in die Kamera versinken...

Seine eigentliche Aufgabe - und seinen einsamen Abgang - fand der Poet aber in der Aufzeichnung eines grausamen Verbrechens, das sich mitten in Holcomb, Kansas, abspielte, einem kleinen Dorf inmitten des "Middle of Nowhere". Im November 1959 drangen zwei bisher noch nie gesehene Kleinkriminelle in ein Farmerhaus einer allseits geschätzten und hoch angesehenen Familie - den Clutters - ein und ermordeten diese - scheinbar grundlos. Und damit beginnt das große Spielfilmdebüt Bennet Millers. Capote ist von dem Verbrechen fasziniert, will die Psychologie der Tat - eigentlich eine unfassbare - in dieselbe Form der Sprache bringen, die er so meisterhaft beherrschte, und reist noch am nächsten Tag in das Städtchen. Er ist besessen von seiner Kunst.

Dieser Capote, den Phillip Seymour Hoffman spielt, er ist das Urbild des modernen Dandys: Wie wir ihn auf Partys sehen, das Glas sanft mit gespreizten Fingern umschlossen, die weiche, brüchige Sensationsstimme und das Gelächter eines schwulen Salonlöwen - es ist schon wieder zu arrogant, zu faszinierend, als dass man es diesem Capote verübeln könnte. Mit seiner Art stößt er bei den Bewohnern Holcombs allerdings nur auf ein verschlossenes, ahnungsloses Schweigen. Aber bald sind die Mörder gefasst. Perry Smith und Dick Hickock werden vom seltsam hart wirkenden Komissar, der Capote übrigens trotz anfänglicher Differenzen mit Material umsorgt, abgeführt.
Dick Hickock ist ein gewöhnlicher Krimineller: Ein hartes, von moralischen Untaten angerauhtes, ja entstelltes Gesicht und wilde, omnipotente Tätowierungen geben ihm nichts Besonderes - einer der für den Knast vorherbestimmt ist. Aber Perry Smith, er ist ein verstörter, gebrechlicher Mann mit verkrüppelten Beinen. In ihm entdeckt Capote etwas Verfeinertes, Träumerisches, das diese Person besonders macht und die Person ergreift ihn mehr noch als das Verbrechen.

Man könnte sagen, dass sich dieser Capote, dieser anteilnahmslose Snob, dass er sich in Perry verliebt hat. Man könnte das sagen, wenn man sieht, wie ihn Capote in mütterlicher Fürsorge mit Babybrei in der Todeszelle - die Strafe der beiden Mörder - füttert. Man könnte - aber die Tatsache, dass wir Capote am Telefon von Perry als einer "Goldgrube" sprechen hören macht uns skeptisch. Capote selbst ist besessen von seinem literarischen Projekt des Tatsachenromans und er muss sich entscheiden. Wird denn die Liebe des zu seiner Zeit öffentlich einzig anerkannten Homosexuellen noch siegen oder die genialische Besessenheit des Künstlers Perry als Objekt in den Todeskammern verkümmern und als bloßen Selbstzweck der eigenen Kunst nur in dem Werk fortleben lassen? Und ein weiteres Problem treibt den Dandy um: Nur wenn der halbwegs geliebte Perry endgültig hingerichtet ist, kann das geplante Werk zuende geführt werden.
Bennet Miller gibt keine Antworten. Die Kameraführung ist so klar und schnörkellos - und doch ist sie von subtiler Ahnung durchsetzt, die uns Capote näherbringt. Wenn wir ihn auf den Partys sehen, wenn wir ihn sehen, wie er Perry belügt, wie er an seiner eigenen Besessenheit zu zerbrechen droht, wie ihn der Ruhm aufputscht - dann sehen wir den Untergang des legendären Dichters heraufziehen. Und immer öfter sehen wir seine abgeklappten Hände mit einer herunterglimmenden Zigarette und immer öfter umschließen die zarten Hände das Glas. Der Alkohol betäubt die eigene Besessenheit und Verzweiflung.

In dieser subtilen Ahnung besteht die bis zur Perferktion gebrachte Kunst Millers. Es ist kein großes Blockbusterkino, sondern ein niveauvolles Drama, das niemanden nicht hineinzieht und verwickelt. Es wurde ein Bild gezeichnet dieses Capotes, das so glänzend von Philipp Seymour Hoffman beherrscht wird, das es alle anderen, auch herrausragenden Schauspielerleistungen einfach als bloßen Hintergrund erscheinen lässt. Aber das ist recht so: Denn auch der echte Capote wirkte mit einer unglaublich anziehenden Kraft auf seine Umwelt, die alles andere verblassen ließ.
Ja, es ist ein großer Film, den man da sehen kann und sollte. Es lohnt sich - in jeder Hinsicht. Am Ende ging Capote zuweit und porträtierte ausgerechnet die von ihm so sehr gebrauchte "high society", von der er fortan verbannt wurde. Er starb ganz einsam.
Aber auch und gerade Bennet Millers Film hat zur Wiederbelebung des Kults um diesen großen Geist geführt. Und das ist schon Verdienst genug.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Der Film und die Capote-Methode, 23. April 2009
Rezension bezieht sich auf: Capote (DVD)
Ein Aspekt, der in den bisherigen Rezensionen ein wenig zu kurz kommt ist die Art und Weise wie der Film sich die Arbeitsweise von Capote zu eigen macht. Mit "Kaltblütig" hat Capote Neuland beschritten, indem er sich tatsächlichen Ereignissen erzählerisch anzunähern versuchte (Stichwort "Non-Fiction Novel"). Auch der Film versucht sich in dieser Erzähltechnik. Statt des Biopic-üblichen Schwenks von Geburt bis zum Tod der dargestellten Person und dem Abhaken wichtiger Schlüsselereignisse greift er sich einen ganz konkreten Abschnitt aus dem Leben heraus und stellt sich die schwierige Aufgabe, alles Erzählte mit überprüfbaren Fakten untermauern zu wollen. Capote näherte sich so in "Kaltblütig" der dunklen Seite der menschlichen Seele an. Gleichermaßen nähert sich der Film dem Wesen und den Abgründen von Truman Capote an. Die biographische Unvollständigkeit und Lücken sollte man daher nicht als Mangel sondern als Methode und Herausvoderung des Films ansehen.

Dass dieses Experiment gelingt, liegt tatsächlich am großartigen Philip Seymor Hoffmann, der es in diesem Film hervorragend versteht, NICHT zu spielen. Was von einigen Rezensenten als Wortkargheit oder dramaturgische Trägheit verstanden wird, sehe ich mehr dem Versuch geschuldet, möglichst nahe an den Fakten zu erzählen und dem Zuschauer selbst das Urteil über die schillernde Figur Capote offen zu lassen: Vom arroganten Scheusal bis hin zum labilen Feingeist sind in diesen Leerstellen verschiedene Deutungen legitim.

Mein Fazit ist: Das Experiment ist gelungen. Auf diese Weise funktioniert der Film über diese außergewöhnliche Persönlichkeit besser als wenn er von vornherein Stellung bezogen hätte und ihn wahlweise als Genie oder als Monster hingestellt hätte. Ein Film, der vom Zuseher eine Eigenleistung und ein eigenes Urteil abverlangt ist mir allemal lieber als eine einseitige Postkarten-Biographie - von denen gibt es wahrlich genug.
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4.0 von 5 Sternen Außergewöhnliche schauspielerische Leistung, 10. August 2014
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Capote [Blu-ray] (Blu-ray)
Truman Capote (Philip Seymour Hoffman), Autor von "Frühstück bei Tiffany" ist scharfzüngig, selbstverliebter Exzentriker und gnadenlos in seinen Verrissen und dafür auch gefürchtet. Dennoch ist der Lebemann gerngesehener Gast der Partyszene. Im November 1959 stößt er zufällig auf einen Artikel in der New York Times, der von einem brutalen Mord an einer vierköpfigen Farmerfamilie in Holcomb, Kansas, berichtet. Die beiden Täter Perry Smith und Dick Hickock werden schließlich in Las Vegas gefasst, nach Kansas gebracht und dort zum Tode verurteilt. Man gewährt Capote jedoch (durch Bestechung) so viel Zeit wie gewünscht mit ihnen zu verbringen. Das Vertrauen der Täter erschleicht er sich dadurch indem er ihnen zugesteht, sie nicht als Monster darzustellen, als die sie jeder sieht. Über die Monate und Jahre hinweg belügt er die Täter, meint, er habe mit dem Schreiben noch nicht angefangen, dabei existieren bereits einige Kapitel vollständig und auch der Titel „Kaltblütig“ steht fest…

Der Film behandelt die Tat nur am Rande. Das Motiv der Täter bleibt unklar. Vieles wird nur oberflächlich gezeigt und charakterisiert. Die vollen vier Sterne hat der Film dennoch aufgrund der schauspielerischen Leistung des leider viel zu früh verstorbenen Hoffmans verdient. Es wird lediglich auf die Entstehungsgeschichte des Tatsachenromans eingegangen und um Capote selbst. Insofern ist der Titel des Films maßgebend aber auch erschöpfend für den Zeitraum um den Roman herum.

Was mich etwas gestört hat ist das etwas unübersichtiche Blu-ray Menü.
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9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Die Truman-Show, 8. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Capote (DVD)
Um mit dem Positiven anzufangen: Phillip Seymour Hoffman's Performance als Truman Capote setzt neue Maßstäbe für die Schauspielkunst. Die Falsettstimme, das Lispeln, jede feminine Handbewegung ist bis ins kleinste Detail einstudiert worden, und zeigt, dass Schauspieler sein mehr ist, als nur Text auswendig zu lernen.
Leider besteht aber ein Film normalerweise eben nicht nur aus seinem Hauptdarsteller: „Capote“ hingegen schon. Hoffman stiehlt jede Szene, die nicht niet- und nagelfest ist, kein Darsteller kann neben ihm Bestand haben, ohne durch seine Ausdruckskraft und Gestik überschattet zu werden. Und scheinbar will es das Drehbuch auch nicht anders, denn außer dem Titelcharakter ist keine andere Rolle besonders großzügig mit Charaktereigenschaften versehen worden und auch an die Rahmenhandlung fällt eher spärlich aus.
Gerne hätte ich beispielsweise mehr über Capotes Verhältnis zu seiner Jugendfreundin Harper Lee erfahren, aber auch sie dient in diesem Film nur als Staffage und Anlaufstelle für die einzelnen Gemütsregungen des eitlen Schrifstellers. Auch die beiden verurteilten Mörder, um die es ja letztendlich geht, kommen nur sporadisch zu Wort.
Selbst über Capotes innere Motive und Gedanken erfährt der Zuschauer nichts. Er, der sich offensichtlich das Vertrauen der Mörder erschleichen muss, um glaubhaft über sie schreiben zu können, aber ebenso gut weiss, dass nur mit dem vollstreckten Todesurteil das Buch zu einem würdigen Ende kommt, befindet sich in einem heftigen Gewissenskonflikt. Aber dieser Konflikt wird nur mit einigen wenigen Zeilen abgehandelt, die Capote, meist in betrunkenen Zustand, von sich gibt. Stattdessen vertrödelt der Film wertvolle Zeit in langweiligen Gerichtsszenen und Telefonaten zwischen Capote und seinem Herausgeber. Was Truman Capote wirklich durch den Kopf ging, und wie er mit dieser Schuld umging, blendet der Film vollständig aus.
So lässt sich der Eindruck nicht verschweigen, dass hier scheinbar nur ein Drehbuch um einen Schauspieler herumgeschrieben wurde. Phillip Seymour Hoffman mag von äußerlich Truman Capote bis ins kleinste Detail imitiert haben- trotzdem ist der Schriftsteller auch nach Ende des Films dem Zuschauer kein bisschen nähergekommen.
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10 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anspruchsvoll und behutsam inszenierter Schauspielerfilm, 20. Februar 2007
Von 
Florian Hoffmann (Homburg/Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Capote (DVD)
"Capote" wird vor allem durch den großartigen, endlich mal in einer echten Hauptrolle zu bewundernden Philip Seymour Hoffman getragen, der seine Rolle auf atemberaubendste Weise verinnerlicht hat. Er füllt seine Rolle mit all den seltsamen, oder besser außergewöhnlichen Eigenheiten, der Gestik und Mimik Truman Capotes aus, spielt aber dennoch nie übertrieben oder annähernd unglaubwürdig. Man sieht hier schlicht und ergreifend den zerrissenen Exzentriker Capote, der Schauspieler Hoffman verschmilzt regelrecht zu diesem Charakter, was ein großartiges Kompliment für einen Darsteller ist.

Über weite Strecken ist dieser Mensch allerdings nicht unbedingt eine Figur mit der man sich identifizieren kann, das liegt jedoch natürlich an der Art Capotes und dessen Komplexität, die Hoffmann bravourös darstellt. Doch zum Schluss hin, als Capote seine Emotionen nicht mehr verbergen kann, ist der Zuschauer in der Lage mit ihm zu fühlen. Zudem wird der geniale Hauptdarsteller von einer Reihe fast ebenso herausragender Nebendarsteller unterstützt. Allen voran Capotes Assistentin Harper Lee, gespielt von Catherine Keener, die eine Art emotionaler Haltepunkt für den Zuschauer ist. Sie hält den Film sozusagen zusammen, da sie einen objektiveren Blickwinkel auf die Geschichte zulässt. Clifton Collins jr., ein ausgesprochen talentierter junger Darsteller, spielt den zum Tode verurteilten Mörder Perry Smith mit einer manchmal beängstigenden Intensität.

Sonst ist der Film sehr klassisch und somit sehr langsam erzählt, der Film ist enorm vielschichtig und um die Komplexität und die vielen Facetten der Geschichte wirklich fassen zu können, ist es womöglich ratsam den Film öfter zu sehen. Dafür benötigt es allerdings einer gewissen Geduld, die sicherlich nicht jeder aufbringen kann.
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5.0 von 5 Sternen Ein außergewöhnlicher Schauspieler, 25. Juni 2014
Rezension bezieht sich auf: Capote (DVD)
Abgesehen von der excellenten Finesse des Kameramanns und der Regie, abgesehen von den schauspielerischen Leistungen der weiteren Hauptrollen (Harper Lee und die beiden Straftäter) : Philip Seymour Hoffman ist mehr als ein 5-Sterne-Darsteller, er ist von einem anderen Stern gewesen - auch wenn ich jetzt immer durch die "war er hier auch gerade stoned ?"-Brille schauen muss.
Was für ein begnadeter Schauspieler !
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5.0 von 5 Sternen Großartiger Schauspieler, 8. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Capote (Amazon Instant Video)
Schauspielerisch eine Riesen Leistung. Es ist schade um diesen großartigen Darsteller. Er vertieft sich in die Rolle des Ich - bezogenen, kindlichen Schriftstellers wirklich einmalig. Sehenswert.
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5.0 von 5 Sternen Bücher und DVD's, 25. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Capote (DVD)
wir sind sehr zufrieden mit alle Produkte. Die Sendungen kammen pünktlich und alles war in ordnung. Amazon Bestellung sind immer für uns ohne Problem.
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