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am 12. September 1999
McEwan hat einen psychologisch-politischen Detektivroman, in dem man sich, geleitet durch seine einfühlsame wie sympathische Erzählweise, sogar auf die Geschichte einer gestörten englischen Ehe und deren etwa 40jährige Geschichte einläßt. Zwei junge Leute, Engländer, während des Krieges für die Regierung und deren Unterstützung der französischen Résistance arbeitend, idealistische Kommunisten, machen ihre erste Auslandsreise als Jungverheiratete 1947 in das befreite Frankreich. Auf einer Wanderung durch die einsamen Wälder Südfrankreichs hat June, die junge Frau, ein Schockerlebnis, das sie zutiefst verwandelt und an dessen Verarbeitung - oder Nichtverarbeitung vor allem seitens ihres skeptisch-rationalistischen Mannes Bernard - ihre Ehe später zerbrechen soll: sie wird von zwei schwarzen Hunden angefallen und meint, in ihnen dem Bösen zu begegnen. So findet sie zu Gott. Als sie dem Bürgermeister des Dorfes von dem furchtbaren Zwischenfall berichtet, stellt sich heraus, daß es sich dabei um 1944 freigelassene und seitdem verwilderte Gestapo- Hunde handelte, mit denen die Deutschen vor ihrem Abzug Partisanen gejagt hatten. Aber je mehr wir erfahren, um so komplexer wird das Bild: das der Ex-Kommunisten, das der Résistance, zu der jener Bürgermeister selbst gehört hatte, die Ehe unserer beiden Hauptpersonen, die mühsame Aufarbeitung von Vergangenheit und Gegenwart (Majdanek und Kreuzberg spielen da eine Rolle), die Dissonanzen zwischen dem inzwischen zum Labour-Reformer mutierten Bernard und seiner gottsuchenden June, die sich später in ihr Haus nach Südfrankreich zurückzieht. Die Schwarzen Hunde kehren Jahre später als Nazi-Skins zurück, als Bernard, der bei dem historischen Fall der Mauer unbedingt in Berlin sein wollte, dort einen Türken beschützt, und verletzen ihn schwer. Ein tolles Buch, sehr gut übersetzt von Christian Oeser, das uns auf beklemmende Weise mit der Vergangeheit konfrontiert, die wir nur unterdrücken, aber nie vergessen können. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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am 12. Juli 2009
Bernard und June sind auf Hochzeitsreise in Südfrankreich. Der zweite Weltkrieg ist vorbei, sie haben in dieser Zeit in London für den Kommunismus gearbeitet, erleben erst jetzt so richtig das Ausmaß der Zerstörung, dem Europa anheim gefallen war.

Mitten in der wunderbaren, wildromantischen Landschaft Südfrankreichs, sie waren gerade dabei, sich eine herrliche Zukunft auszumalen, passiert etwas, das dem Idyll ein jähes Ende setzt: June begegnet 2 schwarzen Hunden, die sie bedrohen, und nimmt diese Begegnung mit dem Bösen als Anstoß, ihr Leben zu ändern. Die lebenslange Entfremdung der frisch verheirateten beginnt, June zieht sich mehr und mehr nach Frankreich zurück.

40 Jahre später beginnt ihr Schwiegersohn und Ich-Erzähler, die Geschichte nochmals nachzufragen, sich beide Seiten anzuhören. Schon als Jugendlicher hatte er sich bei den Eltern seiner Freunde angebiedert, da seine eigenen schon sehr früh verstorben waren. Eine Suche nach der Vergangenheit, die ihn tief in sich selbst führt....

Ein merkwürdiges Buch. McEwan zählt zu meinen absoluten Favoriten, ich liebe seine Sprache, seine Fähigkeit, den Leser in seinen Bann zu ziehen, indem er das Grauen von Innen zeigt.
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am 10. September 2006
das buch "schwarze hunde" ist nicht nur die geschichte von einer zerbrochenen ehe, es ist der ewige kampf zwischen vernunft und glauben, verkörpert durch die schwiegereltern des weisen jeremy. jeremy steht zwischen diesen beiden poolen. zwischen der wissenschaft, die alles begründen kann und dem glauben an einen gott und damit an einen teufel,den glauben an das unerklärlich gute und das unerklärich böse.

seine schwiegermutter june begegnete dem bösen in form von zwei hunden und wurde dadurch zum glauben an einen gott bekehrt. paradox, mag es scheinen, doch gleichsam einleuchtend.

doch neben dem drama des kampfes zwischen vernunft und glauben wird noch eine frage aufgeworfen, die frage nach der utopisch veranlagten natur des menschen. das ergründen der vergangenheit seiner schwiegereltern ist die suche eines haltlosen, vereinsamten nach einem sinn, einem halt... die zu keinem klaren ergebnis führt.

jeremy sieht, wie die dinge je nach weltanschauung verschieden interpretiert werden, wie jeder die fakten zu gunsten seiner utopie/lebensauffassung etwas abändert und wie die vergangenheit zurchtgebogen wird.

daher kann man sich des eindrucks nicht erwehren, dass am ende jede utopie zum scheitern verurteilt ist und der mensch wieder ohne wegweiser (ohne eltern), verweist in der dunkelheit zurückgelassen wird.

ein nachdenklich stimmendes, tiefgründiges buch.
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am 20. Juni 2012
... gelang dem Autor nicht mit diesem Roman. Doch Ian McEwan gehört eben zu jenen Vertretern "anspruchsvoller Gegenwartsliteratur", die von Berufskritikern routinemäßig bejubelt werden, auch wenn (oder gerade weil) sie in erster Linie ihre sprachliche und konstruktive Meisterschaft vorführen, wie es hier der Fall ist. Man muss McEwan aber zugutehalten, dass er im vorliegenden Werk ziemlich glaubwürdige, sympathische Hauptfiguren agieren lässt, anders als etwa im "Liebeswahn", einem spannenden, aber völlig grotesken Psychothriller zum Thema "Stalking". An dieses Buch musste ich denken, weil McEwan dort nochmals ein Motiv anklingen lässt, das in "Schwarze Hunde" das zentrale Thema darstellt: Zwei gegensätzliche Weltanschauungen prallen aufeinander, wobei die wissenschaftlich-rationale Denkweise dem Mann zugeordnet wird, während die Frau den spirituellen, intuitiven Standpunkt vertritt. So wie immer halt - umgekehrt wäre es doch mal originell. Der Ich-Erzähler Jeremy, Schwiegersohn der beiden entfremdeten Ehepartner, mag sich auf keine Seite schlagen und bekennt sich zur Macht der Liebe, die ihm eine Familie und damit sein Lebensglück bescherte, nachdem er jahrelang bindungsunfähig und vergeblich auf der Suche nach Ersatzeltern gewesen war.

Es fällt auf, dass der Autor mehrere Elemente einführt, die er dann später wieder aufgreift: Gewalt in der Familie, Auswirkungen des 2. Weltkriegs, Kommunismusbegeisterung in den 50ern versus Maueröffnung in Berlin. Dadurch erhält der Roman noch eine hintergründige Struktur und erscheint zugleich gewichtiger, als er tatsächlich ist. McEwan wollte zwar diverse zeitgeschichtliche Begebenheiten, Schauplätze und Lebensphasen einbeziehen, andererseits kein gewaltiges Familienepos schreiben. Ich finde, mit der Verdichtung hat er es übertrieben: "Schwarze Hunde" ist nur 220 schmale Seiten lang; da die Handlung mitsamt den Erinnerungen von Bernard und June aber einen Zeitraum von 43 Jahren umfasst, musste sich der Autor auf episodisches Erzählen beschränken. Die durchaus interessanten Figuren werden dabei zu wenig entwickelt, sie sind dem "Bauplan" und der Grundidee ihres Erfinders stets untergeordnet. Zum Schluss tauchen noch einmal die titelgebenden Tiere auf - "das Böse" in den Augen von June Tremaine erscheint nun gespenstisch überhöht als ewig drohende Heimsuchung im Bewusstsein des Erzählers. Sehr effektvoll, aber wie hätte McEwan diese Geschichte auch sonst zu Ende bringen sollen?

Fazit: Wer schon einmal in Südfrankreich war und die beschriebene Gegend aus eigener Anschauung kennt, kann dem Roman sicher noch etwas mehr abgewinnen. Außerdem bietet er genug Material für subtile Interpretationen, aber das überlasse ich doch lieber einem eifrigen Doktoranden der Anglistik.
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am 27. April 2016
Der Ich-Erzähler erzählt die Geschichte seiner Schwiegereltern. Es ist die Geschichte einer gescheiterten Ehe, aber auch die Geschichte einer Abkehr vom politischen Ideal des Kommunismus vom Kriegsende 1945 bis zum Fall der Berliner Mauer.

Ian McEwans Roman kommt schwer in die Gänge. Mühsam skizziert er seine Protagonisten und deren psychische Eigenheiten. Sprachlich überzeugt der Autor, inhaltlich bleibt er jedoch einiges schuldig und hat letztlich ein langatmiges Werk geschaffen in dem er über familiäre Beziehungen, Ängste und menschliches Streben sinniert.
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am 10. Juli 2015
Ich muss gestehen, ich bin ein McEwan - Fan. Jedes Buch ist eine Offenbahrung. Immer abwechslungsreich, immer voller Überraschungen, kein Buch wie das andere und ein Schreibstil, der mich immer wieder auf's Neue ergreift... Wann kommt endlich ein neues Buch von ihm?!
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TOP 1000 REZENSENTam 9. Dezember 2010
Während meines mehrwöchigen Krankenhausaufenthaltes hatte ich das Glück, Unangenehmes mit dem Angenehmen zu verbinden: da ich nun sehr viel Zeit hatte, konnte ich endlich ein weiteres Werk von Ian McEwan lesen: "Schwarze Hunde", wozu ich sonst im Alltag nicht gekommen wäre. Man muss wissen, dass ich ein großer Bewunderer dieses Autors bin; ich besitze sämtliche Bücher, die Ian McEwan jemals veröffentlicht hat, habe aber aus Zeitgründen noch nicht alle seine Werke gelesen. Den Schreibstil dieses großartigen Schriftstellers finde ich einfach faszinierend!

Das Buch "Schwarze Hunde" hat mir sehr gut gefallen! Es geht um ein junges Paar, June und Bernard, das nach dem Zweiten Weltkrieg in Südfrankreich seine Flitterwochen verbringt. Beide sind große Anhänger des Sozialismus und aktive Parteimitglieder der Kommunistischen Partei. Währed ihres Urlaubs in Südfrankreich hat June ein schockierendes Erlebnis mit zwei riesigen schwarzen Hunden. Erst fällt es ihr schwer, überhaupt darüber zu sprechen. Mit Hilfe des Bürgermeisters des Dorfes, in dem sich das furchtbare Ereignis zugetragen hat, kommt June nach und nach dem Geheimnis der schwarzen Hunde auf die Spur. Es ist wirklich grausam, was es mit den schwarzen Hunden auf sich hat. Ian McEwan hält die Spannung bis zum Schluss hoch, da das Geheimnis der schwarzen Hunde erst ziemlich am Ende des Buches gelüftet wird (kann hier an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden, was die schwarzen Hunde in Wirklichkeit verkörpern - bitte unbedingt selbst lesen!).

Ian McEwan hat auch hier wieder seine unglaublichen schriftstellerischen Fähigkeiten und sein ganzes Können unter Beweis gestellt. Das Buch liest sich allerdings nicht ganz so flüssig wie z. B. "Liebeswahn", "Amsterdam", "Am Strand" oder "Unschuldige", da man an manchen Stellen sehr aufpassen muss, ob es sich bei dem Erzählten gerade um Erlebnisse von June und Bernard, den Schwiegereltern von Jeremy (dem Ich-Erzähler) handelt, oder um das soeben Erlebte von Jeremy und seiner Frau, deshalb einen ganz kleinen Stern Abzug für dieses Buch.

Das nächste Buch von Ian McEwan ("Saturday") habe ich gerade begonnen zu lesen, danach geht es mit "Solar" weiter. Es ist schön, dass es in der heutigen Zeit so gute Schriftsteller wie Ian McEwan gibt, die einen mit ihren Büchern immer wieder aufs Neue beglücken und ihre LeserInnen mit ihren Ideen immer wieder überraschen!
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am 17. April 2009
Ian McEwan ist eigentlich einer meiner liebsten Schriftsteller, dieses Buch hat mich nicht überzeugt. Schade.
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