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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Was kann ich dafür, dass ich Dich liebe?", 3. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Carrington - Liebe bis in den Tod (KSM Klassiker) (DVD)
KSM Klassiker veröffentlichen einen der betörendsten Filme der 90er, der schon längere Zeit vergriffen war. Die Ausstattung ist typisch für das Label, dt. UTs und ein paar uninteressante Extras wie Bildergalerien. Anyway, dieser Film kann für sich alleine stehen.

Der 1995 inszenierte britische Spielfilm thematisiert die Liebessgeschichte zwischen dem Schriftsteller Giles Lytton Strachey (1880-1932) und der Malerin Dora Carrington. Für sein Regiedebüt adaptierte der oscargekrönte Drehbuchautor Christopher Hampton ("Gefährliche Liebschaften") die Biographie Stracheys von Michael Holroyd, die interessanterweise in Deutschland nur gekürzt unter dem (irreführenden) Titel "Carrington" erschienen ist. Hampton äußerte einmal, nur deshalb selbst Regisseur geworden zu sein, weil er nach über 15 Jahren Tingelei bei potentiellen amerikanischen Produzenten auf keine Gegenliebe für dieses Projekt gestoßen sei. Da es im Film um historische Personen geht, könnte ich nur gegenüber jemandem "spoilern", der noch nie etwas von den beiden gehört hat.
Zur Handlung: 1915 trifft der noch mittellose, immer etwas kränkelnden Kritiker und Essayist Lytton Strachey (Jonathan Pryce) im Haus seiner Freundin Vanessa Bell (Schwester von Virginia Woolf) die burschikose Malerin Dora Carrington (Emma Thompson). Er ist fasziniert von dem vermeintlich "hübschen Jungen", sie ist eher irritiert von dem "alten Mann mit dem Bart". Gleichwohl erkennt Carringtons Freund, der renommierte Maler Mark Gertler (Rufus Sewell), den großen Einfluss, den Strachey auf seine Freundin ausübt. Er bittet ihn, auf Carrington einzuwirken, endlich seinem (Gertlers) Werben nachzugeben. Die Vermittlung geht allerdings in Gertlers Sinne daneben: Carrington verliebt sich leidenschaftlich in den geistreichen, exzentrischen, homosexuellen Literaturkritiker. Die beiden beschließen, zusammen zu wohnen. Obwohl Carrington schmerzvoll erkennen muss, dass sie zwar zusammen, aber nie miteinander schlafen werden, werden die folgenden die glücklichsten Jahre ihres Lebens. Beide akzeptieren mehr oder weniger die jeweiligen Affären des anderen, ohne dass dies ihre innige, gegenseitige Liebe beeinträchtigen könnte. Der literarische und kommerzielle Erfolg von Stracheys biographischer Sammlung "Eminent Victorians" ermöglicht den beiden auch ein finanzielles Auskommen. Als sich beide in den schneidigen, wenngleich intellektuell etwas schlichten Ralph Partridge (Steven Waddington) –der mal eben alle Pazifisten an die Wand stellen möchte- vergucken, beschließt Carrington –etwas widerwillig- ihn zu heiraten, um Strachey eine Trennung von Partridge zu ersparen. Erst die Krebserkrankung Stracheys führt zu einer ernsten Krise, an deren Ende Carrington eine schwere, aber aufgrund ihrer uneingeschränkten Liebe folgerichtige Entscheidung trifft.

Die knapp 17-jährige Beziehung der beiden egozentrischen Künstler ist auch ein Sittenbild einer sich verändernden Gesellschaft. Strachey verweigert aus Gewissensgründen den Wehrdienst, ist aber zudem auch besorgt darüber, für welche vermeintlichen Werte junge Briten ihr Leben lassen müssen, wenn er sich das verkrustete britische Klassensystem anschaut. Zwar ist der Film in erster Linie auf die Liebesgeschichte zugeschnitten, aber sie vermittelt auch sehr viel vom Lebensgefühl des Bloomsbury-Kreises. Nicht zu Unrecht wurde Strachey oft mit Oscar Wilde verglichen. Als er einmal von Gertler verprügelt wird, kann er nur anmerken, dass dies "ziemlich aufregend" für ihn gewesen sei. Selbst als er bereits vom Tode gezeichnet ist, verlässt ihn nicht sein trockener Humor: "Wenn das der Tod ist, dann halte ich nicht allzu viel davon." Als ein Liebhaber (herrlich idealistisch: Samuel West) von Carrington partout mit ihr durchbrennen will, kann Strachey nur dozieren, dass Liebende niemals zusammen leben sollten, da dies entweder die Leidenschaft abschwäche oder in den Wahnsinn führe, um ganz konkret seine Analyse ad absurdum zu führen, da die innige Gemeinschaft mit Carrington genau das Gegenteil bewirkt. Ohne sich um das Gerede irgendwelcher Leute kümmern zu müssen, führen die beiden ein Leben, das nicht lediglich unkonventionell, eher "antikonventionell" ist, bspw. wenn Carrington, nach der Renovierung ihres Hauses nur halb im Scherz meint, sie würde Strachey gerne über die Schwelle tragen, wenn sie kräftiger wäre. Dass Strachey die Jungvermählten in den Flitterwochen begleitet, versteht sich von selbst, worauf er beschließt, er wolle alle seine Flitterwochen in Venedig verbringen. Überhaupt ist der Film trotz des Titels vollkommen auf Jonathan Pryce zugeschnitten, der hochverdient den Darstellerpreis auf den Filmfestspielen in Cannes erhielt. Thompson hält sich tapfer, aber Pryce hat einfach die dankbarere Rolle.
Der Film ist in kräftigen, satten Farben inszeniert, so als sei fast immer Sommer in England. Ich denke ganz bewusst verzichtet Hampton auf typische "Gefühlsausbrüche" des Wetters wie Gewitter, Regen oder Schnee. Die Ausstattung ist perfekt, aber an keiner Stelle muss der Zuschauer ein "Ausstellungsstück" erwarten. Die Innenausstattung ihres Hauses ist im Stile der Malerei Carringtons. Im Abspann sind viele Bilder Carringtons zu sehen, eine beachtliche Chronik eines Lebens in Fülle. Auch die Kameraführung wäre zu erwähnen. In einer der interessantesten Einstellungen sehen wir Carrington draußen im Dunkeln das beleuchtete Haus mit seinen Bewohnern betrachten. Die dezente Streichermusik von Michael Nyman ("Hauskomponist" von Peter Greenaway) unterstreicht kongenial die Gefühlswirren ohne sich in den Vordergrund zu drängeln.
Am Ende des Films kommen mir regelmäßig –obwohl ich ja schon weiß, was mich erwartet- die Tränen. Glücklicherweise ist der Film an keiner Stelle ein Tränendrücker, aber die Erkenntnisse Stracheys auf dem Sterbebett und der tapfere Versuch Carringtons in ein Leben ohne ihren Geliebten zu finden sind von schmerzvoller Intensität. "Niemand wird je erfahren, wie vollkommen glücklich unser Zusammenleben war."

Fazit: Einer der radikalsten und schönsten Liebesfilme der 1990er Jahre. Bezaubernd, leidenschaftlich, humorvoll, tragisch. Ausdrücklich ans Herz gelegt!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lieblingsfilm, 11. September 2013
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Rezension bezieht sich auf: Carrington - Liebe bis in den Tod (KSM Klassiker) (DVD)
Ja, so einer ist das. Die Liebesgeschichte zwischen Carrington und Lytton ist so schön, so warmherzig, so amüsant und humorvoll erzählt, und das in genau der richtigen Mischung, dass ich sie immer und immer wieder sehen kann und muss. Dazu die geniale Musik von Michael Newman, der ja auch die Musik zu "Das Piano" schrieb. Einfach nur schön.
Die Leere, die Carrington fühlt, als Lytton gestorben ist, wird von Emma Thompson genial gespielt. Das zusammen mit der Musik... ohne Taschentücher kommt hier glaub ich keiner durch.
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Carrington - Liebe bis in den Tod (KSM Klassiker)
Carrington - Liebe bis in den Tod (KSM Klassiker) von Christopher Hampton (DVD - 2013)
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