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Kundenrezensionen

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am 1. Oktober 2013
Das Titelbild ist grauenhaft, später als üblich habe ich erfaßt, daß das Buch "David und Goliath" heißt. Klar, wer kennt diese alttestamentarische Geschichte, die den Schwachen und Unterlegenen Hoffnung macht, daß sie auch mal auf der Gewinnerseite stehen könnten, nicht?

Nachdem ich Gladwells "Blink" vor Jahren mit Interesse und Genuß gelesen hatte, griff ich beim Stöbern in der Buchhandlung beherzt zu. Und ich habe das Buch binnen drei Tagen gelesen. Der Autor macht es einem sehr leicht, sein Stil ist abwechslungsreich und die Storys sind sehr spannend aufgebaut.

Natürlich geht es mit der Geschichte von David und Goliath los. Interessant, welche Schlußfolgerungen die Forschung über das mögliche Krankheitsbild des Riesen Goliaths heute zieht, bedenkt man die doch äußerst dünne Faktenlage. Solche Informationen haben zwar wenig mit der Ankündigung, daß Gladwell berichten will, wie scheinbar unterlegene Gegner gegen erdrückende Mächte siegen können, zu tun, lesen sich aber gut.

Auf knapp 230 Seiten breitet Gladwell drei Teile aus: 1. Die Stärken der Schwachen (und die Schwächen der Starken), 2. Die Theorie der wünschenswerten Schwierigkeiten und 3.Die Grenzen der Macht.

Im meines Erachtens stärksten ersten Teil schildert er, wie sportlich unterlegene Mädchen weitaus besser trainierte Gegnerinnen im Basketball schlagen (weil der Trainer sich nicht an die üblichen Konventionen hält ohne gegen die geltenden Regeln zu verstoßen), warum kleine Klassen für Schüler schädlicher sein können als große und wieso es gut sein kann, als recht guter, aber nicht brillanter Schüler einer mittelguten Universität gegenüber einer Spitzenuniversität den Vorzug zu geben. Gladwell, dessen Kunst das Schreiben, weniger das Forschen, ist, zitiert Studien wonach zunehmendes Einkommen oder die Kleinheit einer Klasse bis zu einem bestimmten Punkt hilfreich sein können. Wenn der Idealpunkt überschritten sei, steige der zusätzliche Nutzen (wie vielleicht zu erwarten wäre) nicht immerhin noch inkrementell an, sondern entwickle sich zurück, so daß weder großer Reichtum für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern noch die Kleinheit einer Klasse für die Leistungen von Schülern vorteilhaft sein sondern eher mit starken Nachteilen einhergehen könnten. In diesem Teil fühlte ich mich gelegentlich an "Der Blaue Ozean als Strategie: Wie man neue Märkte schafft, wo es keine Konkurrenz gibt" erinnert.

Im zweiten Teil schildert Gladwell u.a., warum Legasthenie für die Entwicklung mancher Fähigkeiten von Vorteil sein kann, auch wenn man eine solche "Behinderung" seinen Kindern wohl kaum wünschen möchte. Die Story kann Eltern von Kindern mit Legasthenie- oder Dyskalkulie-Problemen sicher Hoffnung und manche Unterstützungsplackerei erträglicher machen. Interessant auch die Ausführungen, wie eine schwere Kindheit Menschen so formen kann, daß sie zu Leistungen fähig sind, die Personen aus unproblematischeren Verhältnissen womöglich nie gezeigt hätten.

Im dritten und meines Erachtens enttäuschendsten Teil zeigt Gladwell die Grenzen von staatlicher Macht oder gar von Willkürherrschaft auf. Der Leser, der vielleicht Anregungen erwartete, wie er sich in ähnlich gelagerten Fällen verhalten könnte, muß hier erkennen, daß längst nicht alles so vorhersagbar und kalkulierbar ist, wie im Klappentext des Buchs suggeriert. Aber auch hier gibt es einiges Nachdenkenswertes, insbesondere über die Frage, wie man auf Tötungsdelikte gegenüber nächsten Angehörigen "angemessen" (so, daß man als Hinterbliebener selbst den Rest des Lebens einigermaßen zufrieden weiterleben kann) reagieren könnte.

Auf der Rückseite des Buchs prangt ein Zitat aus Time: "Gladwells Genie liegt in seiner Kunst, Geschichten zu erzählen." Es beschreibt dieses Buch sehr gut. Gladwell kann definitiv fesselnd erzählen, in jedem Kapitel einen Spannungsbogen aufbauen, in dem zuerst scheinbar nicht miteinander zusammenhängende Geschichten geschildert werden, die sich später wie perfekt passende Puzzleteile zu einer schlüssigen Aussage zusammenfügen.

Auch wenn Gladwell einen über zwanzigseitigen Anhang mit Erläuterungen und Hinweisen auf Quellen anfügt, haben mich seine Schlußfolgerungen nicht immer überzeugt. Insgesamt ist mir das Buch zu feuilletonistisch und in seinen Schlußfolgerungen oft beliebig. Es ist definitiv eine spannende und unterhaltsame Lektüre, aber der Nutzen, den ich bei einem im Campus-Verlag erschienenen Buch -auch für meine Arbeit erwartete- ist mir zu gering. Geärgert habe ich mich über die schlampige Rechtschreibkorrektur, gefühlt alle zehn Seiten mindestens ein Rechtschreib- oder Sinnfehler. Der Vorname der zitierten Person zu Beginn des 1. Kapitels ist falsch und der italienische Sinnspruch auf Seite 50 lautet korrekt: "Dalle stelle alle stalle". Hoffentlich sind Autor und Lektor an wichtigerer Stelle keine solchen Schnitzer unterlaufen. Deshalb und wegen des Stils, der in erster Linie ausschließlich auf Unterhaltung abzuzielen scheint, nur "tre stelle", d.h. 3 Sterne.
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am 17. November 2013
Die Geschichte von David und Goliath, die im vorliegenden Buch auch nochmals ausführlich und leicht verdaulich dargestellt wird, dient als Aufhänger für eine ganze Reihe weiterer Beispiele. Eigentlich sollte es um die Kleinen (Missverstandenen, Unterdrückten) gehen, die Regeln brechen und unerwartet über die Großen und Mächtigen siegen.

Leider fehlt den Beispielen meistens der Bezug zum Leitthema, diesem Buch fehlt der rote Faden. Ohne den Faden ist es auch schwierig, die Annäherung an das Thema wie etwa die Diskussion um die richtige Klassengröße in Schulen im vorderen Drittel des Buches einzuordnen. Später folgen Themen wie der irische Wiederstand gegen die Briten, der eigentlich immer nur falsch dargestellt werden kann, wenn man ihn auf "David gegen Goliath" reduziert. Auch gefällt mir nicht, dass indirekt Terroristen als Davids gerechtfertigt werden könnten. Der Ausflug in die Politik ist schlecht gelungen und stört mich als Leser in seiner Undifferenziertheit. Den Sechs-Tage-Krieg Israels sucht man hingegen vergebens, er kommt nur im Quellenverzeichnis vor. Ebenso neuere Phänomene - Davids, die durch die sozialen Medien Goliaths besiegt haben, fehlen.

Von allen Gladwell-Büchern, die ich bislang gelesen habe, ist dies meiner Ansicht nach das Schwächste. Gladwell ist ein exzellenter Übersetzer seiner differenzierten Beobachtungen -Wissenschaftler ist er nicht. Da hilft auch die ausführlich kommentierte Quellensammlung am Ende nicht weiter.

Ich habe den Eindruck, dass hier zu schnell etwas für die Gladwell-Fans (wie mich) zusammengebacken wurde. Verärgert auch über den stolzen Preis des kleinen Buches nur zwei Sterne von mir.
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am 24. Oktober 2013
Auf gut 228 Seiten hat mich Gladwell mal wieder in die Welt seiner – wahren – Geschichten entführt. Dass dieser Autor gut erzählen kann, ist inzwischen bekannt. Die These steckt natürlich im Titel und ist leicht erzählt: Die Rahmengeschichte dreht sich um das wohlbekannte biblische Duell von David gegen Goliath, in dem der Underdog den übermächtig scheinenden Riesen besiegt. Um diese ungleichen Gegner herum bastelt Gladwell geschickt sein Geflecht aus Erzählungen.
Erwartet habe ich ein im klassisch lockeren, mit Fakten und Daten um sich werfenden Gladwell’schen Stil geschriebenes Geschichtenbuch. Und bekommen habe ich genau das! Wer liest nicht gerne Aschenputtelgeschichten, in der das eigentlich schlechtere, aber cleverere Team gewinnt und Handicaps zum ausschlaggebenden Vorteil werden?! Die Geschichten sind echt – das macht ihre Qualität aus. Begeistert hat mich die Fülle an zusätzlichen politischen und geschichtlichen Informationen und der ausführliche Anhang von fast 30 Seiten spricht wohl für Gladwells akribische Recherche. Der Umschlag sagt mir eher nicht zu, dafür ist die innere Gestaltung des Buches umso schöner. Leider gibt es doch einige Schreibfehler, die dem Lesevergnügen doch ab und zu einen Dämpfer verpassen.
Die Idee des Buches ist einfach – und dadurch mitreißend und eingängig. Schwache haben mehr Stärken, als man ihnen zutraut, und Starke ebenso mehr Schwächen als man auf den ersten Blick sieht. Worauf es aber ankommt ist die Perspektive, die wir als Außenstehende einnehmen. Wissen wir wirklich immer schon vorher wer gewinnt?
Das Buch hat mir inhaltlich super gefallen und ist absolut empfehlenswert. Doch an der nächsten Auflage könnte noch ein bisschen gefeilt werden. Daher zuerst einmal vier Sterne!
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Mit seinen beiden Büchern „Tipping Point“ und „Blink!“ erreichte der kanadische Journalist, Autor und Unternehmensberater Malcolm Gladwell sogar, dass ihn das „Time Magazin“ zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt zählte. Das ist natürlich maßlos übertrieben, zumal Gladwells Thesen alles andere als neu sind. Aber zu den erfolgreichsten Geschichtenerzähler gehört der studierte Historiker bestimmt. Allerdings scheint er vergessen zu haben, dass Geschichten keine Wahrheiten erzählen, sondern Glaubensbekenntnisse vermitteln. Hatte er sich in seinen ersten Büchern noch darum bemüht, seine Thesen mit Studien zu untermauern, die in der Fachwelt ein gewisses Renommee genießen, bleibt von diesem Konzept im neusten Werk nicht mehr viel übrig. Zudem biegt er auch die Quellen zurecht, auf die er sich beruft.

Das alles hätte mich gar nicht so sehr gestört, wenn wenigstens klar geworden wäre, was er mit seinem neusten Buch aussagen will. In einer vergleichbaren Gemütslage musste sich auch der Klappentexter gefühlt habe. Denn er beendet seine Inhaltsangabe mit den Fragen: „Soll ich mich an die Spielregeln halten? Oder soll ich ein Risiko eingehen? Soll ich ausharren oder aufgeben? Soll ich mich wehren oder verzeihen?“ Zieht man das Fazit aus den erzählten Geschichten, ist jedenfalls jede Antwort möglich.

In der Einleitung fasst Malcolm Gladwell die alttestamentarische Geschichte von David und Goliath zusammen, um daraus den Schluss zu ziehen, dass die Starken und Mächtigen oft nicht das sind, was sie zu sein scheinen. Diese Folgerung ist zwar möglich, steht aber nicht im Zentrum der Geschichte. Viel bedeutender ist der Satz „David aber hatte Glück auf all seinen Wegen, denn der Herr war mit ihm“ (1.Samuel 18.14). David gewinnt den Kampf nicht, weil Goliath etwas vorspielte, das er nicht war. Er besiegt den Feind, weil er einer höheren Macht vertraut, die man Schicksal, Gott oder das Unerklärbare nennen kann. Ich erwähne dies nicht, um einen Streit unter Bibelauslegern zu entfachen, sondern weil Malcolm Gladwell das Prinzip der selektiven Wahrnehmung auch bei den anderen Geschichten anwendet.

Führt eine schwierige Kindheit zum Premierminister, weil laut einer von Gladwell zitierten Studie 76 Prozent der untersuchten Amtsinhaber vor dem 16. Altersjahr mindestens einen Elternteil verloren hatten? Oder führt sie nicht eher in die Kriminalität, wie andere Studien vermuten lassen? Gladwells Antwort ist ebenso fahrig wie fast lächerlich, zitiert er doch einen Herrn Brown mit dem Satz: „Der Lebensweg dieser Prominenten lässt vermuten, dass sich unter bestimmten Umständen aus der Not eine Tugend machen lässt.“ Ich glaube nicht, dass ich der einzige Leser bin, der von Gladwell gerne erfahren würde, was ich mir unter diesen „bestimmten Umständen“ vorstellen muss.

Der Behauptung Gladwells, dass es Underdogs immer wieder gelingt, übermächtige Gegner zu bezwingen, werden wohl all seine Leser zustimmen. Aber sie möchten sicher auch gerne erfahren, wie sie es anstellen und welche Verhaltensmuster sich eventuell übernehmen lassen. Aber genau diese Antworten bleibt ihnen der Geschichtenerzähler Gladwell schuldig. Es sei denn, die Verweise auf Schlauheit, Mut und innere Haltung würden ihnen genügen.

Malcolm Gladwell erzählt uns spannende und unterhaltsame Geschichten aus den verschiedensten Lebensbereichen. Zum Beispiel: Schule und ideale Klassengrößen, Basketball, Wahl der richtigen Universität, Legasthenie, Leukämie, Nordirland, Kapitalverbrechen, Rassentrennung oder Widerstand im Nationalsozialismus. Aber seine brillant erzählten Geschichten könnten auch in einem Buch stehen, in dem ganz andere Thesen vertreten werden.

Mein Fazit: Da ich Malcom Gladwell für einen begnadeten Geschichtenerzähler halte, habe ich alle seine Bücher gelesen. Aber während er sich früher mehr Mühe gab, Geschichten und Belege für seine Thesen zu verbinden, unterzieht er sich dieser oft mühseligen Aufgabe offenbar nicht mehr. Das ist auch deshalb schade, weil er so unnötige Angriffsflächen bietet und einen Teil seiner treuen Leserschaft verlieren wird. Aufgrund dieses Buches hätte ihn das Time Magazin wohl kaum „zu den einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt“ gezählt. Die zum Teil doch recht holprigen Formulierungen und Ungenauigkeiten sind allerdings nicht ihm, sondern dem Verlag der deutschen Übersetzung anzulasten.
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am 28. Dezember 2014
In seinem Buch „David und Goliath“ stellt Gladwell auf unterhaltsame Art dar, warum Macht und Größe selten die entscheidenden Elemente für den Erfolg sind.

Es sind andere Faktoren, die über Sieg oder Niederlage entscheiden, Faktoren, die nicht transparent auf der Hand liegen, die Gladwell aber einleuchtend vorstellt: Mut wird zum Beispiel erlernt und ist uns nicht ursächlich in die Wiege gelegt worden, persönliche Handicaps müssen auf dem Weg zum Erfolg nicht hinderlich sondern können durchaus hilfreich sein und der Besitz großer Vermögen hält den Nachwuchs häufig davon ab, hart zu arbeiten, um die eigene Unabhängigkeit zu streiten und den Wert des Geldes richtig einzuschätzen.

Am Ende der durchaus abwechslungsreichen Lektüre weiß der Leser, warum die Mächtigen nie so mächtig sind, wie es anmutet und die Schwachen selten so schwach, wie es scheint.

3 von zahlreichen Antworten, die das Buch bietet:

Warum Studenten Eliteuniversitäten meiden sollten
Welche maßgebliche Rolle umgekehrte Parabeln in unserer Welt spielen
Warum viele erfolgreiche Unternehmer Legastheniker sind

Stärken des Buches:
Es sind Geschichten, die Gladwell erzählt. Die Schlüsse, die er unterhaltsam zieht, sind an eine breite Gruppe gerichtet: Schüler, Lehrer, Studenten, Vermögende und Unvermögende. Das Buch ist leicht zu lesen und nimmt verschiedene Perspektiven auf immer dieselbe Botschaft ein: der Schwache ist nicht immer der vermeintliche Verlierer. Ebenso der Starke.

Schwächen des Buches:
Nicht immer ist der Zusammenhang der verschiedenen Geschichten zum Hauptthema unmittelbar zu erfassen und wirken deshalb etwas beliebig. Einfacher wird es, wenn man als Leitgedanken die Erkenntnisse der „umgekehrten Parabel“ zugrunde legt.
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Malcolm Gladwell gilt als brillanter Geschichtenerzähler. Auch in diesem unterhaltsamen Buch glänz er damit wieder. Geschickt überdeckt seine Erzählkunst jedoch die Tatsache, dass einige seiner Geschichten nicht wirklich bis zum Ende durchdacht sind. In diesem Buch fällt das an mehreren Stellen auf. Spätestens wenn der Leser anfängt zu stutzen und sich fragt, was denn die eine oder andere Story in diesem Buch noch mit dem Titel zu tun hat, wird er sich vielleicht auch an anderen Stellen zu wundern beginnen.

Eigentlich geht es in diesem Buch um falsche Wahrnehmungen, denen man aus den verschiedensten Gründen unterliegt und darum, wie daraus intellektuelle Kopfgeburten entstehen, die der Wirklichkeit nicht standhalten können, weil sie mit ihr eben nichts zu tun haben.

Die Geschichte von David und Goliath wird fast immer so interpretiert, dass ein vermeintlich Schwächerer einen vermeintlich übermächtigen Gegner durch eine verblüffende Taktik schlägt. Wenn David allerdings aus der Zukunft gekommen wäre und eine moderne Schusswaffe benutzt hätte, wäre eine ganz andere Wahrnehmung entstanden und die ganze Geschichte hätte niemals ihre merkwürdige Berühmtheit erlangt. Aber die Steinschleuder, die David benutzte, besitzt eine ähnliche Wirkung wie eine moderne Schusswaffe. Wir können uns das eben nur nicht vorstellen, weil wir diese Technik nicht kennen.

Um solche falschen Wahrnehmungen geht es letztlich bei allen Geschichten in diesem Buch. Das ist die große Klammer, die alles zusammenhält. Allerdings scheint das dem Autor selbst nicht ganz klar zu sein, denn er erwähnt das nirgends deutlich.

Obwohl Gladwell die Geschichte von David und Goliath eigentlich richtig erklärt, reitet er später dennoch auf der üblichen Interpretation herum. Er erzählt zum Beispiel von Menschen mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche, die gerade wegen dieser Schwierigkeit zu großen Erfolgen kamen, weil sie gezwungen waren, sich andere als normale Strategien zum Vorwärtskommen zurechtzulegen.

Das sind alles schön zurechtgebogene Storys. Sie passen allerdings weder in eine der Wirklichkeit nahe kommenden Interpretation der David-und-Goliath-Geschichte, noch sind sie zwingend. Nicht alle Menschen mit dieser Schwäche haben es weit gebracht. Gladwell blendet einfach andere Vorzüge der von ihm präsentierten Erfolgsmenschen aus, weil sie nämlich die vermeintliche Logik seiner Geschichten ins Wanken bringen könnten.

Menschen lieben einfache Antworten auf alle Fragen, die sie haben. Und besonders lieben sie lineare Zusammenhänge, ohne sich dessen allerdings wirklich bewusst zu sein. Gladwell demonstriert diesen Aberglauben an zwei interessanten Beispielen. Dass eine geringe Klassenstärke in Schulen für die Entwicklungen von Kindern gut wäre, ist eine gängige Annahme. Sie stimmt auch, so lange man Klassenstärken von 18-24 Schülern mit Klassenstärken von 30 bis 40 Schülern vergleicht. Fällt die Klassenstärke jedoch wesentlich unter 18, dann kippt der Zusammenhang ins Gegenteil. Gladwell erklärt das überzeugend im Text. Der lineare Zusammenhang (je weniger, desto besser) gilt eben nicht durchgängig.

Noch interessanter wird es, wenn Gladwell die Frage untersucht, ob man tatsächlich immer an den vermeintlich besten Hochschulen studieren sollte. Auch hier entsteht die falsche Wahrnehmung, dass je besser die Universität ist, umso besser auch die persönlichen Erfolgsaussichten seien. Im Buch zeigt der Autor, dass diese Annahme in der Regel häufig nicht stimmt. Die Wirklichkeit ist komplexer, als dass man sie auf einfache Zusammenhänge reduzieren könnte.

Gladwell kommt dann gegen Ende des Buches auf den Nordirland-Konflikt und die Kriminalitätsraten in Kalifornien zu sprechen. Was das nun noch mit David und Goliath zu tun haben soll, hat sich mir nicht erschlossen. Allerdings geht es auch hier in Wirklichkeit um falsche Wahrnehmungen, aus denen man falsche Schlüsse gezogen hat. In Kalifornien wurde unter dem Eindruck eines Gewaltverbrechens ein Gesetz erlassen, dass Wiederholungstäter immer härter bestraft. Inzwischen wurde dieses Gesetz durch einen Volksentscheid wieder zurückgenommen, denn man musste einsehen, dass härte Strafen ab einem gewissen Punkt ihre Wirkung verlieren.

Gladwell spricht dabei gerne vom Gesetz der umgekehrten Parabel. Das soll bedeuten, dass ein Zusammenhang bis zu einem gewissen Punkt so besteht, wie man denkt, sich aber danach ins Gegenteil verkehrt. Wenn man das Buch unter diesem Gesichtspunkt liest, zeigt es einige spannende Beispiele, wie Menschen die komplexe Wirklichkeit für sich in angenehmer Weise interpretieren, weil sie sie nur unter bestimmten Aspekten wahrnehmen oder wahrnehmen wollen und andere Dinge einfach ausblenden. Spätestens wenn man aus der schiefen Wahrnehmung praktische Schlüsse zieht und sie umzusetzen versucht, wird man den Konflikt mit der Realität zu spüren bekommen.

Gewöhnlich kommentiere ich Rechtschreibfehler oder andere Flüchtigkeiten nicht, weil sie mich nicht interessieren. Allerdings nervt mich schlechtes Deutsch. Ich kann mich zum Beispiel nicht an den schwachsinnigen Gebrauch von "die Studierenden" gewöhnen, der nur dazu da ist, sich den politisch korrekten weiblichen Plural von Studenten zu ersparen. Man merkt dem Buch leider an, dass es hastig übersetzt wurde. Um es mit Gladwell zu sagen: Ab einem gewissen Punkt bringt der Wunsch, besonders schnell zu sein, keinen positiven Effekt mehr, sondern ruiniert nur noch das Image.

Das Buch erwies sich als gut geschriebene und unterhaltsame Lektüre. Besonders konsequent durchdacht erschien sie mir allerdings nicht. Weil es mich unterhalten und zum Nachdenken inspiriert hat, bekommt das Buch einen Bonusstern.
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am 29. Juni 2015
Wer kennt nicht die Geschichte des kleinen und schmächtigen Hirtenjungen David gegen den übermächtigen Riesen Goliath? Malcolm Gladwell entlarvt das Konzept des vermeintlichen Underdogs in seinem Buch "David und Goliath: Die Kunst, Übermächtige zu bezwingen" als falsche Sichtweise. David war keineswegs so hilflos und unterlegen, da er ein guter Schleuderschütze war und aus der Distanz kämpfte. Der Erzählung nach litt Goliath an Gigantismus, was die Sicht stark beeinträchtigt und ihn nur im direkten Nahkampf überlegen machte – auf den sich David nicht einließ. Natürlich bleibt der Kern dennoch bestehen, der kleine Hirtenjunge tötet den Riesen.

Gladwell geht es jedoch um die Story hinter der Story, nämlich dass wir oft Mythen aufsitzen, weil wir glauben, dass die Dinge im Vorfeld festgelegt sind. Doch nicht immer sind es die scheinbaren Übermächte und Favoriten, die Schlachten gewinnen und siegen. Und auf eben dieses Scheinbare geht Gladwell in diesem Buch ein, das mir weitestgehend gut gefallen hat. Die Frage lautet also eher, was wirklich riesig ist und was einen Underdog ausmacht. In seinem gewohnt anekdotischen Stil führt Gladwell auf, weshalb sehr reiche Menschen ebenso unglücklich sind wie sehr arme und weshalb es das Mittelmaß ist (Einkommen von 75.000 Dollar), das die höchste Zufriedenheit aufweist. Einen ähnlichen Zusammenhang weist er zum Grad der Erziehung deren Kinder auf, wonach die Kinder reicher Eltern öfters Lebens-Probleme haben und überproportional das Lebenswerk/ Erbe der Eltern vernichten, weil sie in Kindheit und Jugend keinen Biss brauchten und weniger Ehrgeiz an den Tag legen mussten (Stichwort gemachtes Nest).

Es geht also um Lebensbalance, falsche Ziele und richtige Emotionen. Um Ärzte in einer Kinderklinik, die gegen den Mainstream für neue Behandlungsmethoden kämpfen und so die erste heilsame Chemotherapie für Leukämie entwickelten. Es geht um Kriege zwischen Staaten wie den USA und kleineren Nationen, bei denen der Underdog gewinnt, weil er sich nicht an die Regeln hält – ganz wie David. Gladwell geht auf den Irland-Konflikt ein und weshalb die Briten damals mit einer falschen Einstellung in den stetig ausartenden Konflikt gingen. Übrigens, das fand ich auch sehr interessant, weist Gladwell anhand einiger Metastudien nach, dass der Schulunterricht in kleinen Klassen von den Leistungen her in keiner Hinsicht besser, oftmals sogar schlechter ist als in großen Klassen. Und Gladwell zeigt anhand verschiedener Legastheniker wie beispielsweise Richard Branson (Virgin) und Ingvar Kamprad (IKEA), wie ein Problem auf der einen Seite großartige Fähigkeiten in anderen Bereichen fördern kann. Alle Beispiele zeigten, wie aus anfänglichen Underdogs später Giganten wurden, nicht obwohl, sondern weil sie ein Handicap haben.

Äußerst interessant fand ich auch das Konzept der relativen Intelligenz. So geht Gladwell auf Statistiken ein, wonach an den meisten amerikanischen Universitäten eine vergleichbare Abbrecherquote zwischen dem ersten, zweiten und dritten Drittel (bezogen auf die Eingangstests zu finden ist). So brechen im letzten Drittel weitaus mehr Studenten ab, was zunächst nicht verwundert. Interessant ist allerdings, dass diese Zahlen auch mit Leistungen nach dem Abschluss korrelieren, zum Beispiel mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen. So schneidet ein mittelmäßiger Harvard-Absolvent „schlechter“ ab, als ein guter Absolvent einer mittelmäßigen Uni. Da sich die Studenten stets mit ihresgleichen vergleichen, kommen sich die schlechteren Harvard-Studenten unverhältnismäßig dumm vor, während sich die Top-Studenten an einer Noname-Uni ganz toll vorkommen. Dis beeinflusst stark die tatsächlichen Leistungen.

Das Buch ist belegt anhand von Studien und nachvollziehbaren Beispielen. Was ich an den meisten Büchern von Gladwell mag ist die leichte Lesbarkeit bei gleichzeitig großem Informationsgehalt.
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am 24. Oktober 2013
Zum Inhalt:

Nach einer kurzen Einleitung teilt sich das Buch in drei Abschnitte mit insgesamt 9 Kapiteln.

In jedem Kapitel widmet sich der Autor einer Frage oder einer Konstellation, wie sich Schwächen oder Minderheiten auf das Leben in unserer Gesellschaft auswirken und wie man als scheinbarer „Verlierer“ doch noch gewinnen kann.

Er zeigt Lösungswege und neue Denkmuster auf verschiedenen Ebenen, die einem in dieser Form schon unbewusst bewusst waren oder auch zum Nachdenken in neue Richtungen anregen.

Teil 1: Die Stärken der Schwachen (und die Schwächen der Starken) ... beschäftig sich mit den Schwächen – den eigenen, die man umgehen und den Schwächen der Stärkeren, die man erkennen und gegen sie verwenden kann. Hier werden auch Beispiele im Bildungswesen und der Einfluss von Einkommen erläutert im Bezug darauf, dass Extreme in die eine oder andere Richtung meist keine guten Entwicklungen bewirken und welche Entscheidungen getroffen werden, oft aus den falschen Richtlinien.

Teil 2: Die Theorie der wünschenswerten Schwierigkeiten ... beschäftig sich mit den Schwierigkeiten, die man im Laufe des Lebens meistern muss. Hier wird deutlich, dass gerade diese Hürden, die man bezwingen muss, einen Anstoß geben können, an Stärke zu gewinnen. Auch beschreibt es die Chancen von Minderheiten, mit (il)legitimen Tricks auf sich und ihre Probleme aufmerksam zu machen.

Teil 3: Die Grenzen der Macht - Hier geht es um die Macht, die der Staat, gesellschaftliche Gruppen oder auch der einzelne ausüben können und welche Grenzen diesen gesetzt sind; mit einigen Beispielen aus der Geschichte von Menschen, die sich gegen eine Übermacht gewehrt und damit Erfolg gehabt haben.

Meine Meinung:

Als erstes muss ich kurz meine Meinung zum Cover loswerden, das mir gar nicht gefällt – weder die Art und Weise noch die Farbgebung trifft meinen Geschmack.

Ich fand es etwas schwierig, mich in den Sprachstil reinzulesen, nach dem ersten Drittel wurde es aber ganz angenehm und ich konnte dem Schreibfluss gut folgen. Es ist auf jeden Fall kein Buch, das man schnell mal zwischendurch lesen kann.

Die Einleitung war wichtig, hier wurde die Geschichte zwischen David und Goliath beschrieben, um jedem Leser erst mal einen Einblick in die Hintergründe zu zeigen.

Die Kapitel im Ganzen waren gut durchstrukturiert und haben sich jeweils einem neuen Thema gewidmet. Manche Kapitel waren etwas trockener geschrieben mit viel Fachsimpelei und Tabellen, andere hingegen waren spannend und haben mich zum Nachdenken angeregt. Das ganze Thema ist natürlich sehr interessant und der Autor hat es geschafft, grundsätzliche Denkmuster neu zu ordnen und Anregungen zu geben, sich selbst und andere aus einer neuen Perspektive zu sehen.

In den Beispielen wurden hauptsächlich große Gruppen als Modell verwendet, ich hätte mir auch etwas Persönlicheres gewünscht. Manchmal fehlten mir Anreize, wie man in bestimmten Situationen umgehen soll – aber es wurde auch klargemacht, dass man jeden Fall einzeln betrachten und für sich selbst und seiner Lage entsprechend reagieren muss. Es gibt eben kein Allgemeinmittel.

Die wichtigste Aussage dieses Buches war für mich: Man muss trotz Schwächen nicht auf seinen Traum verzichten und es gibt verschiedene Möglichkeiten, trotz aller Widrigkeiten sein Ziel zu erreichen.

In diesen ganzen Schilderungen ist mir allerdings auch aufgefallen, wie falsch und brutal viele Gruppierungen der Gesellschaft denken und sich verhalten. Ich frage mich bei sowas, war das schon immer so oder ist das Bestandteil der Bevölkerungsdichte, soll heißen, wenn viele Menschen in einem Bereich leben, bilden sich auch viele Gruppen, die sich gegeneinander stellen und regelrecht bekämpfen? Wie entwickelt sich der gesellschaftliche/staatliche „Goliath“ und warum müssen zahlreiche Einzelkämpfer dafür sorgen, diesen zu bezwingen?

Fazit

Ein sehr interessantes Buch zu einem spannenden Thema, dass einiges erklärt aber auch einige Fragen aufgeworfen hat. Über einige bedeutende Antworten werde ich sicher noch nachdenken.

© Aleshanee

blog4aleshanee.blogspot.de
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am 7. November 2013
Jeder kennt die Geschichte von David und Goliath aus der Bibel. Der kleine David geht (fast) unbewaffnet dem riesigen, trainierten Schwertkämpfer Goliath entgegen, im Vertrauen auf seinen Gott. Und er tötet ihn und rettet dadurch die Israeliten vor der Versklavung.

Dieses Buch macht deutlich, auf welche Arten Goliath mutmaßlich behindert war und wie sich das auf Davids Kampf ausgewirkt hat. Nicht immer muß derjenige, der groß und stark und mächtig aussieht, gewinnen.

An vielen verschiedenen Beispielen belegt der Autor, wie man vermeintliche Schwächen durch geschickte Taktik in Stärken verwandeln kann - so wie jede Münze zwei Seiten hat. Man muß nur für die objektive Sicht sensibilisiert sein.

Das letzte Kapitel hat mich besonders beeindruckt: Die Bewohner eines kleinen französischen Bergdorfs und ihre beiden Pfarrer haben sich dem mächtigen Apparat des Deutschen Reiches im Zweiten Weltkrieg entgegengestellt - und sie haben unzählige Menschenleben gerettet. Hätten sie auf sich selbst gesehen, hätten sie sich in ihre Löcher zurückgezogen. Aber weil sie einfach taten, was sie konnten, haben sie Gewaltiges erreicht.

Ein sehr ermutigendes Buch!
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am 16. Dezember 2013
Malcolm Gladwell zeigt anhand einiger Beispiele, dass Underdogs die Gewinner sind/sein können. Es stellt verschiedene Personen vor, die trotz bzw. wegen ihrer Schwächen eine erfolgreiche berufliche Laufbahn geschafft haben. Ein Anwalt, der als Legastheniker Stunden zum Lesen von ein paar Zeilen benötigen würde und deshalb einen anderen Weg eingeschlagen hat und vor Gericht mit seinem Gedächtnis punkten kann. Und natürlich am Beginn des Buchs der Kampf David gegen Goliath.

Mit dem gedruckten Buch erhält man auch das E-Book. Die Kombination von gedrucktem Buch und E-Book hat mir sehr gut gefallen, da ich unterwegs mit dem Reader weiterlesen konnte. Die Vorstellung der unterschiedlichen Personen in dem Buch war interessant. Mir persönlich haben die Einblicke in die Bombardierung Londons und die Auswirkungen auf die Bevölkerung, die Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King und ein kleines französisches Dorf, dass im Zweiten Weltkrieg viele Juden gerettet haben, sehr gut gefallen. Malcolm Gladwell konnte schlüssig und interessant seine Beispiele erklären. Ein paar Kapitel waren langatmig, aber da mir die letzten Kapitel sehr gut gefallen haben von mir eine Leseempfehlung.
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