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am 23. März 2014
Es ist schon erstaunlich, wie sehr manche Rezensenten die Symbolik und Metaphorik von „Only God Forgives“ nicht wahrnehmen und nicht sehen wollen. Dabei ist eben diese eigentlich ohne allzu große Fantasieanstrengungen greifbar. Allein der Titel des Films sollte bei kurzem Nachdenken über das Gesehene einiges klarmachen. Das setzt allerdings voraus, dass man bereit ist Gehirn und Fantasie anzustrengen und den Film nicht nach 20 Minuten auszuschalten (was nebenbei jedem freisteht – eine fundierte Meinung kann man mMn dann allerdings eher weniger fällen). Das Credo lautet daher frei nach „The Prestige“: Sehen Sie auch genau zu?

Richtig, „Only God Forgives“ ist ein Film, über den man nochmals nachdenkt und nachdenken sollte. Und wenn man zum Schluss kommt, dass der Film prätentiös, selbstherrlich und über alle Maßen brutal ist und man ihn deswegen schlecht findet, ist das ok. Gerade hinsichtlich der expliziten, fetischistischen Brutalität kann man viel kritisieren und für mich geht es, trotz Nicolas Winding Refns bekanntem Faible für Gewalt, an einigen Stellen schlicht zu weit. Bei der überwiegenden Mehrheit der negativen Rezensionen muss man allerdings sehr genau nach substanziellen Gründen für die schlechte Bewertung suchen. Dass er nicht dem Geschmack entsprach, gehört nicht in diese Kategorie.

Die Symbolik mancher Szenen ist tatsächlich nur schwer zu verstehen, wenn man den Film nach einer halben Stunde abstellt. Als Beispiel seien hier nur die unzähligen Einstellungen von Julians Händen genannt, deren Bedeutung dem Zuschauer erst gegen Ende des Films in ihrer Gänze bewusst wird. Kennt man diese Szene nicht, ist es kein Wunder, dass man über diese Szenen wie auch die Traumsequenzen und deren Bedeutung für den Plot stolpern wird.
Refn war schon immer gut darin bis aufs Äußerste zu polarisieren. Man liebt oder hasst seine Filme, berühren tun sie den Zuschauer so oder so. „Only God Forgives“ ist anders, in jeder Hinsicht. Er ist anders, als das generische Hollywood-Kino, er ist anders als die meisten Rachethriller und er ist anders als „Drive“. Denn ehrlich gesagt lässt der Film „Drive“ wie Mainstream aussehen. Wer sich darüber beklagte, dass Ryan Gosling in „Drive“ zu wenig redete, der wird nachdem er „Only God Forgives“ gesehen hat denken, dass Herr Gosling in „Drive“ eine komplette Lesung von „Krieg und Frieden“ veranstaltet hat. So ist das eben, wenn die (vermeintliche) Hauptfigur in 90 Minuten nicht mal 20 Sätze von sich gibt. Gerade dieser Reduktionismus und die Langsamkeit der Erzählweise setzt sich erfrischend von vielen anderen Filmen ab.
Beim Punkt Charaktere und Handlungsverlauf stoßen vermutlich viele auf Probleme. Und zwar nicht, weil es keine Handlung gäbe, diese langweilig oder schlecht sei (das mag jeder für sich selbst entscheiden). Der Plot wird dem Zuschauer eben nicht wie ein roter Teppich vor den Füßen ausgebreitet und es erfordert vermutlich eine Anpassung der Sehgewohnheiten.

Man sollte also wissen, was einen hier erwartet – und das ist eher das, was man von aus Filmen wie „Walhalla Rising“ kennt. Stilistisch und visuell ist der Film eine Augenweide und besitzt unglaublich gute Szenen, in denen das Spiel von Licht und Schatten im Verbund mit Farben auf eine Art und Weise Wirkung entfaltet, das man sich niederknien möchte. Der Soundtrack von Cliff Martinez ist, wie schon bei „Drive“, großartig und unterstützt die mal subtile, mal aufgeladene Atmosphäre außergewöhnlich gut. „Only God Forgives“ ist stilistisch mit seiner Ecstasy-für-die-Augen-Ästhetik, die mich irgendwie an "Enter the void" erinnert, absolut outstanding, zeitlos und gehört in dieser Hinsicht zum interessantesten, was ich 2013 gesehen habe.
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am 31. Juli 2013
Update, 04.08.13

"Der Film ist einfach schlecht, weil er anders ist. Selbst wenn er gut wäre, ist er ja immer noch anders und somit wieder schlecht."

Nicolas Winding Refn muss dem Mainstream ordentlich ans Bein geschifft haben, denn in der Tat, "Only God Forgives" ist anders. Ganz anders. Thomas Anders. Die "Drive"-Fans fühlen sich hintergangen, weil sie eben keinen "Drive"-Abklatsch in Bangkok aufgetischt kriegen. Generation "Gefällt mir" hat schon nach 20 Minuten keine Lust mehr der konfusen und anstrengenden Erzählstruktur zu folgen und wieder andere würden Regisseur Refn für seinen nächsten Teil seiner ermüdenden Stummfilmsaga am liebsten gleich an die Gurgel springen. Gibt es in diesem Film doch leider:

- kaum bis gar keine Dialoge
- keine Identifikationsfiguren
- merkwürdig agierende Schauspieler
- eine öde Rachegeschichte und
- einschläfernde Kamerafahrten durch egale Innenareale, in denen egale Typen egale Sachen machen

"Only God Forgives" ist ein audiovisuelles Erlebnis. Refn begreift das Medium "Film" stets als Kunstform und behandelt das elementare "Wie" in all seiner möglichen Ausdruckskraft. Kamera, Schnitt, Farbe, Licht, Schatten und Musik verschmelzen hier zu einer surreal anmutenden Ästhetik, welche man in dieser Form selten zuvor gesehen hat. Prominentestes Beispiel dafür wäre wohl noch Gaspar Noés "Enter the Void", wenn es dort heißt: "Dies ist kein Film, sondern ein Trip. Acid für die Augen".

Ähnlich ist es auch hier, wenn man denn wenigstens für 90 Minuten dazu in der Lage wäre, offen für neue Seh- und Denkräume zu sein. Dann könnte vielleicht sogar auffallen, dass "Only God Forgives" seine Tristesse mit komplexen Themen füllt, die man in seiner augenscheinlichen Leere erst entdecken muss. In einer pessimistischen Welt gibt es keinen Platz für strahlende Helden; keine Figuren, die wir sympathisieren oder bewundern sollen. Vielmehr sind sie bloß Schablonen von Seelenkrüppeln, die wir durch ein ebenso hoffnungslos verdorbenes Milieu begleiten. Wenn der Polizist Chang beispielsweise zwischen bestialischen Gewaltakten immer noch Zeit findet in einer Karaokebar ein paar schnulzige Popsongs zu trällern, dann ist das wohl ein "Abgesang" auf eine mehr als verkorkste Gesellschaft - überhaupt nicht deplatziert, sondern geradezu zynisch der Unschuld in Person dabei zuzusehen. Großartig!

Aber in Zeiten, wo das Kino irgendwo zwischen Michael Bay`ischer Zerstörungswut und quietschbuntem Blockbuster-3D-Comic-Kitsch zu versacken droht, verlangt "Only God Forgives" wohl zuviel von seinen Zuschauern und lässt diese ebenso verärgert, wie desillusioniert zurück. Dabei sind wir Zuschauer es, die endlich mal wieder die Möglichkeit haben, uns die nötigen Gedanken selbst zu machen, anstatt diese wie in jeder x-beliebigen Hollywood-Produktion auf dem Silbertablett serviert zu bekommen. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie "2001: A Space Odyssey" wohl heute aufgenommen worden wäre (Was sollte dieses endlos lange Intro mit den Affen? Und wieso fliegt da ein Knochen durch die Luft und wir befinden uns auf einmal im Weltraum?).

Schließlich bleibt ein Film, der gerne missverstanden wird: Er ist langsam, aber nie träge, leise, aber nie stumm. Aus welchem Blickwinkel man ihn auch immer betrachten mag, eine Sache lässt sich nicht verleugnen: "Only God Forgives" wird wohl der am kontroversesten diskutierte Film in diesem Jahr sein und ist dabei in seiner stilistischen Perfektion vor allem eins: zeitlos.
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am 27. April 2014
Nicolas Winding Refn erschuf mit "Only God Forgives" eine Gewaltoper sondergleichen, die meiner Ansicht nach absolut zu unrecht im Kino sehr wenig Beachtung geschenkt wurde. In den Straßen Bangkoks erwacht ein blutrünstiges sowie prätentiöses Monster der Selbstdarstellung zum Leben, das sich am Ende in endloser, unerträglicher Leere verliert.

Eigentlich klingt die Geschichte nach einem ziemlich wüstem Genre, und doch erzählt sich dieser verblüffende Film nicht über den Plot, sondern nur über die Ästhetik. Das fängt schon beim Schauspiel an: Keiner der Darsteller zeigt die geringste Mimik, kaum einer spricht, und alle bewegen sich mit provozierender Langsamkeit, die Refn auch noch in Slow-Motion filmt. Die zerdehnte Körpersprache ist nicht nur Ausdruck der meditativen Spiritualität, aus der heraus hier rituell getötet wird. Die Regungslosigkeit, in der die Protagonisten mehr erscheinen als auftreten, lässt sie wie Traumbilder wirken.

Der Film ist oft von schwer erträglicher Brutalität ; am unheimlichsten aber sind die scheinbar harmlosen Bilder. Jede einzelne der meisterlichen Einstellungen ist dabei unerträglich schön. Auch die Besetzung ist perfekt – von Kristin Scott Thomas bis hin zu Ryan Gosling in der Hauptrolle.

Das Bild und der Ton der blu ray sind von herausragender Qualität. Klare, satten Farben, scharfe Bilder in Nähe und Ferne.

Die blu ray erhält man in einem hochwertigen Mediabook, für Sammler bestens geeignet. Als Bonus liegt dieser Edition auf einer zweiten Disc die Dokumentation "NWR - Die Refn-Doku" bei. Für Fans dieses Film sowie des Regisseurs Nicolas Winding Refn ist diese Doku durchaus mal einen Blick wert. Desweiteren wurde in das Mediabook ein Booklet eingeklebt. Das Booklet enthält u. a. Interviews, Filmografien und verschiedenste Fotografien aus dem Film. Als besonderes Highlight liegt außerdem noch ein stylishes Poster bei.

Fazit:

Eine Gewaltoper sondergleichen. Aber auch ein echtes Meisterwerk. Und das in einer klasse Sammleredition. Absolut zu empfehlen!
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am 26. Mai 2014
Julian (Ryan Gosling) betreibt in Bangkok gemeinsam mit seinem Bruder Billy einen Boxclub. Doch nicht nur sportlichen Interessen wird hier nachgegangen, auch mit Drogen wird gehandelt. Der Club dient nur als Tarnung für ein Familien-Unternehmen, deren Leitung der Mutter der beiden Brüder in den USA unterliegt. Eines Tages tötet Billy eine sechzehnjährige Prostituierte auf brutalste Art mit seinen bloßen Händen. Der Vater des Mädchens, der zugleich ihr Zuhälter war, tötet Billy daraufhin auf dieselbe Weise im Auftrag seines Bosses Chang (Vithaya Pansringarm) eines Polizisten. Mutter Crystal (Kristin Scott Thomas) reist aus den Staaten an um ihren Sohn zu identifizieren. Sie erteilt Julian den Auftrag Rache zu üben. Aber Julian ist nicht aus dem gleichen Holz wie sein Bruder geschnitzt, auch wenn er die gleiche innere Leere wie dieser verspürt. Er ist es gewohnt von seiner Mutter gedemütigt zu werden, wehrt sich nicht dagegen, handelt ausschließlich aus inneren Impulsen heraus, agiert nur sporadisch, ist allerdings ebenfalls zu äußerster Brutalität fähig. Seine selbstzerstörerische Kraft findet in Lt. Chang ein willkommenes Ventil.

Auf die Frage hin, worum es denn in seinem nächsten Film gehen würde, antwortete Nicolas Winding Refn nach seinem künstlerischen wie kommerziellen Durchbruch mit DRIVE (2011), es gehe um einen Mann der sich mit Gott anlegt. Die Hauptrolle bekleidet wie im Vorgängerfilm Hollywoods Hot Shot Nr. 1 Ryan Gosling, Handlungsort ist Bangkok. So weit, so interessant. Die Premiere des neuen Werkes fand wieder bei den Filmfestspielen von Cannes statt, wo DRIVE seinerzeit frenetisch bejubelt wurde. Doch diesmal ging der Schuß nach hinten los, ONLY GOD FOGIVES fiel komplett durch. Etwas das verwundert, setzt man sich mit dem filmischen Schaffen von Nicolas Winding Refn auseinander.

ONLY GOD FORGIVES ist ein reinrassiger Refn wie er typischer nicht sein kann. Der Regisseur profiliert sich mit seinem ganz auf Atmosphäre ausgerichteten Werk einmal mehr als der legitime Erbe Stanley Kubrick's dessen kalte Sterilität er ins einundzwanzigste Jahrhundert gerettet hat. Es ist ein Film der Schauplätze, Farben und Töne, der sich um den Inhalt, eine simple Rachegeschichte wenig schert, dem die Stimmungen wichtiger sind. Ein Film der, und das eint ihn mit DRIVE, von einer berückenden Langsamkeit ist, der sofort gefangen nimmt, den Zuschauer anzieht und zugleich abstößt. Eine Herausforderung wie WALHALLA RISING (2009) und BRONSON (2008), ein ebensolches Experiment mit surrealer Note von einem Regisseur der längst seinen Stil gefunden und ausdefiniert hat. Man darf nun gespannt sein was Refn als nächstes serviert, der mit ONLY GOD FORGIVES einmal mehr bewiesen hat, das er zu den spannendsten Regisseuren der Gegenwart gehört.

Fazit: Refn beweist einmal mehr seine ganze Klasse mit einem Werk von nachhaltiger Irritation.
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am 12. Januar 2014
Nur wenige Filme setzen sich durch den Einsatz filmischer Mittel deutlich vom Mainstream ab. Dazu gehören für mich u.a. die Werke von Darren Aronofsky und David Lynch, die auf ihre Art immer ein mysteriöses Ereignis sind.
"Only God forgives" kannte ich nicht aus dem Kino, sondern griff eher zufällig in der Hoffnung auf eine etwas andere Geschichte danach. Und das habe ich nicht bereut- ganz im Gegenteil!

Was sich als schräge aber einfache Rache-Story auf der Blu-Ray Hülle liest, entpuppt sich sehr schnell als meisterhaft durchkomponierte Oper - ein visueller Rausch der Langsamkeit!
Alle filmischen Elemente treten hier gleichberechtigt nebeneinander auf: ein genialer Soundtrack unterstreicht die ungewöhnliche Kameraführung; es gibt keine schnellen Schnitte. Edle durchgestylte Bilder unterstreichen die große Schauspielkunst der Protagonisten - Dialoge gibt es nur wenige. Die karge Storyline ist durchsetzt mit Ausbrüchen blutiger und doch rituell stilisierter Gewalt. Zudem ist der Film angefüllt mit schon fast poetischer Symbolik. Auf der Blu-Ray Hülle steht geschrieben: Time to meet the devil. In "Only God forgives" gibt es da gleich viele von.

Der Film endet nach knapp 90 min auf die denkbar ungewöhnlichste Weise. Mein erster Gedanke: Wow! So etas habe ich noch nie gesehen!
Der zweite Gedanke: Das stimmt nicht ganz! Die exzessiven Gewaltausbrüche kennt man aus David Lynch Filmen. Aber sie sind nicht einfach nachgeahmt. Der Regisseur Nicolas Winding Refn komponiert daraus ein Gesamtbild, welches zumindest mir den Atem raubt.

Das Echo auf diesen Film ist zutiefst gespalten, wenn ich mir die vielen Rezensionen durchlese. Bei einem derartig ungewöhnlichen Film muss das wohl auch so sein. In einem sind sich aber wohl die meisten Zuschauer einig: mit Mainstream hat das nichts zu tun!

Ein Film, den man für sich entdecken muss. Für mich der Film des Jahres 2013!!!
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am 19. Januar 2014
Nachdem ich diesen Film gesehen habe, waren mir zei Dinge klar: 1. In Bezug auf die Bilder ist dies einer der besten Filme, die ich je gesehen habe! 2. Wer nicht in der Lage ist, sich auf den Film einzulassen, wird sich fragen, wie andere so begeistert davon sein können.

Refn hat schon bei Drive bewiesen, wie unfassbar gut er Bilder komponieren kann. Dies übertrifft er sogar noch in diesem Werk.Jede einzelne Szene wirkt, als wenn ein Meisterfotograf seine Finger im Spiel hatte!

Die Story ist schon arg schräg, aber hier heißt es entweder, das zu akzeptieren, was einem vorgesetzt wird oder den Film nach 20-30 min auszumachen. Dies ist kein Mainstream, sondern ein Kunstwerk! In der Musik ist es ähnlich. Der eine mag Improvisationsjazz und der nächste kann sich das keine 2 min anhören. Von daher hätte es mich sehr überrascht, wenn die Rezensionen nicht so gespalten wären, wie sie es sind.

Ich kann "Only God Forgives" nur empfehlen und sagen: Lasst Euch beeindrucken!
22 Kommentare18 von 23 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
»Only God forgives« ist in jeder Hinsicht ein Alptraum. In endlos langen Sequenzen baut der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn Spannung auf, die den Zuschauer bis zur letzten Einstellung fesselt. Dabei sind es vor allem seine streckenweise nahezu unbewegte Kameraführung, ständige Einblicke in lange Gänge, manieriert wirkende Bordell- und Clubszenen, blitzschnelle Ausbrüche extremer Gewalt, die alles dominierende Farbe Rot und eine dumpf-verhaltene, kafkaesk anmutende Musik, die den Streifen charakterisieren.

Für den Betrachter ist all das keine leichte Kost, und ich habe vollstes Verständnis für jeden, der nach einem Viertelstündchen abschaltet statt die Herausforderung anzunehmen, sich einen Film anzusehen, der ganz offensichtlich vom 08-15-Schema abweicht.

Selbst die inhaltliche Seite erschließt sich erst auf den dritten Blick. Formal geht es um zwei psychisch kranke Brüder, die in Bangkok mit einem Boxstudio und Drogenhandel gute Geschäfte machen. Bobby, der eine der beiden, zerfleischt eine minderjährige Prostituierte und wird dafür von deren Vater auf Aufforderung eines hochgestellten Polizisten erschlagen. Dieser Cop zelebriert im Hintergrund mit einem Kurzschwert auf martialische Weise seine eigene Version von Recht und Gerechtigkeit. Er sieht sich als Gott, verkörpert aber gleichzeitig den Teufel. Im Film wird das sehr schön deutlich: Nach jeder Privat-Exekution singt er für seine uniformierten Untergebenen in einer Karaoke-Bar schmalzige Lieder.

Während Julian, der »schwache« Bruder, stillhält, fordert die aus den Staaten anreisende Mutter, Drahtzieherin der Drogengeschäfte, blutige Rache. Sie inszeniert einen Blutrausch, um den göttergleichen Cop als eigentlichen Mörder ihres Sohnes exekutieren zu lassen. Das geht jedoch gründlich schief, denn die traditionellen einheimischen Strukturen sind stärker und überlebensfähiger.

Die dominante Mutter und ein von ihr erzeugtes perfides Hörigkeitsverhältnis zu ihrem Sohn ist dann auch das eigentliche Thema des Films. Denn Julian ist offensichtlich in einem extremen Ödipuskomplex gefangen. Er hat bereits den eigenen Vater ermordet und ist deshalb nach Thailand geflohen. Aufgrund der Abhängigkeit von seiner Mutter ist er unfähig, sich anderen Frauen auf normale Weise sexuell zu nähern. Der Film endet zwar mit seiner Unterwerfung unter das brutale Regime des Polizeioffiziers, der eigentliche Schluss liegt aber in der erlösenden Hinrichtung der bereits toten Mutter.

So ist die schwache Gestalt, die letztlich unterliegt, die einzige Figur, zu der ein Betrachter eine – sicherlich höchst ambivalente – Beziehung aufbauen kann. Dies ist jedoch nur demjenigen möglich, der bereit ist, zu abstrahieren und in dem Film mehr sehen möchte als eine Gewaltphantasie.
55 Kommentare10 von 13 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 18. Januar 2014
Dass der Film nichts für Fans von gute Laune-0815-Popcornkino ist, dürfte spätestens dank dem Trailer klar sein.

Aber wenn man sich darauf einlässt, packt er einen von erster bis zur letzten Minute, und selbst nachdem man den Kinosaal verlassen hat, bleibt einem ein eigenartiges Gefühl im Magen, Nachwehen quasi. Es gibt nicht viele Filme, die mit so wenig Dialog und Handlung so einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Umso bildgewaltiger und subtiler schafft Nicolas Refn es, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen und es mit so wenigen Mitteln auf den Punkt zu bringen. Ryan Gosling macht seine Sache (wie auch schon bei "Drive" und "The Place Beyond The Pines") ebenfalls wunderbar, auch ohne viel Text.

Absolut hinreißend und atemberaubend - nicht weil, sondern OBWOHL er "anders" ist.
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am 14. August 2013
Neulich veranstaltete das „Brooklyn Academy Of Music“ in New York ein Filmfestival der besonderen Sorte: Unter dem Titel „Ausgebuht in Cannes“ wurden Filme wie „Taxi Driver“ von Martin Scorsese, „Pulp Fiction“ von Quentin Tarantino oder Filme von Federico Fellini und David Lynch gezeigt. Die Gemeinsamkeit liegt mit Blick auf den provokanten Slogan auf der Hand. Heute als Klassiker verehrte Filme, die Cannes mit Schmäh-Rufen diffamierte. Gleiches Schicksal wurde Nicolas Winding Refn vor einigen Wochen zuteil, als dem Dänen im diesjährigen Festival sein vom asiatischen Rache-Kino geprägter Noir-Thriller „Only God Forgives“ um die Ohren gehauen wurde. Vielleicht wird sein Film in einigen Jahren auch beim BAM-Festival gezeigt.

Vorgeworfen wurde Refn seitens der Kritiker vor allem, dass er „Style“ über „Substance“ stelle, ein Vorwurf mit dem sich der Däne bestens auskennt. Bereits nach der Vorstellung von „Drive“, der ihm den internationalen Durchbruch bescherte, wurde ähnlich harsche Kritik laut. Während Refn das selbst eigentlich nur cool findet, kann dem Vorwurf getrost widersprochen werden. Der sogenannte „Style“ des Films ist nicht an sich selbst interessiert oder überlagert den eigentlichen Inhalt, sondern provoziert in erster Linie einen Großteil des Publikums, weil er durch seine mutige Szenenästhetisierung, die archaische Reduktion und dem krassen Einsatz des Soundtracks schlicht dem Zuschauer den freundschaftlichen Handschlag verweigert, ihn herausfordert und in Aufruhr setzt, statt an die Hand zu nehmen. Wenn abstrakte und groteske Elemente noch hinzukommen, kann ein Cannes-Publikum recht schnell beleidigt sein.

Gleichzeitig ist jener „Style“ auch die einzige Zugangsmöglichkeit, eine Art Reiseführer. Denn nur über die im hohen Maße auftretende Symbolik, die selten benötigten Dialoge und die verquere Bildsprache ergibt sich etwas wie Verständnis für das vordergründig abstoßend brutale Blutdrama. Innenansichten und Charakterisierungen finden kaum statt, eine Ähnlichkeit zu „Drive“ ist nicht vorhanden. Eine Herausforderung, die still und heimlich zeigt: „Only God Forgives“ darf als moderner Versuch des Noir-Films verstanden werden – in Ästhetik wie Inhalt - der sich und das Medium Film weniger als Fenster, also als eine mögliche Wiedergabe der Realität, sondern mehr als eine Art Rahmen, der Bildkomposition und Szenenkonstruktion in den Vordergrund stellt, versteht.

Die Substanz des Films, eine Geschichte eines Drogendealers, der in einem zu Gott wie Racheengel gleichermaßen hochstilisierten Antagonisten seinen großen Gegner auf der Suche nach Erlösung gefunden hat, steht immer im Kontext und Kampf des von Refn geschilderten Bangkoks. Einer verkommenden Stadt, die nicht zwischen Gut und Böse unterscheidet, weil alleine die Frage danach überflüssig geworden ist. Längst hat die Notwendigkeit zum Überleben im Sumpf der Korruption und der wirtschaftlichen Misslage jede Person zu einem potenziellen Killer gemacht. Wenn der Preis stimmt, versteht sich. Diese Welt ist ein übler Ort, der sogar bei Tageslicht eine unruhige Atmosphäre ausstrahlt. Der Film-Noir lässt grüßen.

Refn serviert dem Zuschauer innerhalb dieser Welt keinen Sympathieträger, keinen Hoffnungsschimmer, aber auch keinen moralischen Diskurs. Sie ist so festgefahren und doch in verquerer Weiße logisch und rational, dass selbst die Kommunikation überdrüssig wirkt. Niemand muss mehr verhandeln, niemand mehr eine Silbe zu viel aussprechen, weil schon längst alles beschlossene Sache ist. Blicke reichen aus. Fatalismus in seiner makabren Reinform.

Wenn der pensionierte Lieutenant Chang den Drahtzieher eines verunglückten Mordanschlags auf seine Person ausfindig macht, kündigt sich seine Ankunft über einen immer wieder vehement einsetzenden, ohrenbetäubenden Score ein. Einen Score, der zahlreichen Charakteren eine wiederkehrende Melodie verleiht, aber weitgehend als eigenständige Figur des Films auftritt. Gleichzeitig wir „das Böse“ durch die Verkommenheit des Ortes, an dem sich das Opfer befindet, vollendet. Der Zuschauer erblickt einen herunter gekommenen Reparaturservice, kaum Lichter flackern hier auf, Schatten dominieren die von Refn bis ins kleinste Detail komponierte Szene.

Was im „Style“ an David Lynchs „Blue Velvet“ erinnert, zeigt die Parallelität zum Film-Noir auch in der Handlung. Denn das Opfer durchlebt nicht die Qualen, denen das Publikum ausgesetzt ist, sondern weiß um sein Schicksal und akzeptiert dies ohne Diskurs. Einzig bei der Bitte um seinen behinderten Sohn, dieser möge unversehrt bleiben, zeigt er eine letzte menschliche Reaktion. Diese unverrückbare Einsicht in sein Schicksal, für den Außenstehenden schier wahnsinnig, ist eng verknüpft mit der Figur des Chang.

Nicolas Winding Refn bezeichnet ihn selbst als einen unfehlbaren Gott, der zugleich einen Racheengel darstellt. Für den Zuschauer ist er die Verkörperung des übermächtigen Bösen, aber auch eines unumstößlichen, strikt reglementierten Rache-Codex. Dagegen wirken seine Show-Auftritte als Sänger und Entertainer absurd bis grotesk, wenn er im nächsten Moment seine Samurai-Klinge wie aus dem Nichts zum Vorschein bringt und seine Widersacher quälend zur Strecke bringt.

Er braucht keine Günther-Netzer-Gedächtnisfrisur wie einst Javier Bardem in „No Country For Old Men“, er schöpft seine diabolische Ader durch sein einfaches, unscheinbares Auftreten und der Übernatürlichkeit seiner Fähigkeiten. Er ist göttlich, verprügelt seinen Herausforderer Julian ohne dass dieser einen Hauch einer Chance besitzt und ist – wie es der Titel zu verstehen gibt – der einzige, der vergeben kann. Vielleicht ist dies auch das eigentliche Thema in diesem vom asiatischen Rache-Kino („Old Boy“, „Pieta“) geprägten Films: Erlösung. Julians Erlösung.

Der sprecharme Julien ist der einzige Charakter, der inmitten von Blutdurst und Rachegelüste etwas wie Gnade und traditionelle Moral erkennen lässt, ein junges Mädchen vor ihrer sinnlosen Ermordung beschützt und sogar Verständnis für die Ermordung seines Bruders aufbringt – Auslöser der eigentlicher Handlung. Doch wie es sich für eine Figur im Stile des Film Noir gehört, speist sich seine Anziehungskraft und Ablehnung aus seinen Widersprüchen und der nicht offengelegten Charakteristik. Seiner Mutter ist er vollends unterlegen, in der von ihm geliebten Prostituierten sieht er ein Vehikel, eine Machtposition, die er ausnutzt, zu der er aber gleichermaßen abhängig ist.

Erst spät erfährt der Zuschauer, dass er nach Erlösung für den brutalen Mord an seinem Vater strebt, der Grund, warum er nicht mehr in der USA weilt. So ist der symbolische Akt, in dem Julien seine Hände abgetrennt werden, seine intime Form der Erlösung, die er sich zuvor in zahlreichen Imaginationen vorstellte. Mit den bloßen Fäusten soll er den Vater getötet haben und diese werden ihm im Stile einer „Zahn um Zahn“ Logik abgetrennt. Von Gott (Chang) persönlich natürlich. Denn nur dieser kann in der gottverlassenen Welt von Bangkok vergeben.

Fazit:
Abstoßend ist das Bild, welches Refn seinem Zuschauer präsentiert, weil es von Verrohung, Fatalismus und Nihilismus nicht nur dominiert wird, sondern sich daran schon fast ergötzt. Verstörend ist dieser Film, weil das hyperstilisierte Werk auf inhaltliche Reduktion und Lückenhaftigkeit setzt, während Bildsprache, Symbolik in grotesker, aber bemerkenswerter Ernsthaftigkeit hervorgehoben werden. Faszinierend ist das gnadenlos brutale Spektakel aber, wenn der Blick hinter den „style“ geglückt ist, wenn sich Verständnis für dieses, dem Zuschauer ins Gesicht schlagende Noir-Werk ergibt.

In Cannes wurde Refn ausgebuht, er selbst aber hat nach seinem Erfolg mit „Drive“ seine eigene künstlerische Integrität gewahrt und sich nicht als „Everybodys Darling“ ergeben. Gut so. Denn wie sagt er es so schön. Kunst muss polarisieren, ansonsten wird sie nur konsumiert. Und sein Werk ist Polarisation pur.

08 von 10 Sternen
11 Kommentar12 von 16 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. Juni 2014
Da der Film von vielen eine schlechte Kritik erhalten hat, habe ich beschlossen,
Selbst eine Rezension zum Film zu schreiben.

Als erstes kurz etwas zu Blu-ray: Auf dieser sind zwei Fassungen des Films enthalten,
Eine TV- und eine Kino-Fassung; in der Kino-Fassung sind die Dialoge teils in Japanisch?!,
Um den Charakter des Filmes zu stärken, in der TV-Fassung hingegen auf deutsch, was für
Das Verstehen des Filmes auf jeden Fall hilfreich ist, oder man nutzt deutsche Untertitel.

Jetzt zum Film selbst: Über die Bildqualität lässt sich nichts negatives sagen, einfach gestochen
Scharf!
Der Film selbst ist absolut kein Film für die Masse, denn er ist insgesamt schon sehr speziell:
Das fängt schon mit den Dialogen an, die kaum vorhanden sind, besonders der Hauptdarsteller
Ist mehr als schweigsam;
Auch der Stil des Films ist anders: Er setzt besonders auf Bilder und Musik, auch ist die Kameraführung
Eher ruhig
Brutalitäten werden klar gezeigt, um die harte Realität zu veranschaulichen.
Die Schauspieler sind gut gewählt, besonders "die Mutter" kann zusammen mit
"ihrem Sohn" überzeugen.

Der ganze Film geht in Richtung Arthouse-Kino, wie auch "No Country for old man", und ich kann ihn nur empfehlen:
Zwar ist er nichts für jeden, aber es lohnt sich auf jeden Fall, ihn gesehen zu haben!
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