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TOP 100 REZENSENTam 18. Januar 2014
Format: TaschenbuchVine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Wäre wenigstens der Buchtitel Programm! Doch bereits hier beginnt das Absurditätenkabinett. "Glücklich ohne Geld" ist Raphael Fellmer überwiegend genau deshalb, weil er gekonnt auf Kosten anderer Menschen lebt. Denn - surprise, surprise - auch seine Konsummittel, Möbel, Wohnräume, Dienstleistungen und Transportmöglichkeiten wirft nicht einfach der liebe Gott vom Himmel. Alles ist mit schnödem Mammon verbunden. Fellmer lässt bezahlen und nennt das "besser und ökologischer leben". Ich nenne es schmarotzen.

Bekannt aus Funk und Fernsehen war mir der selbsternannte Lebenskünstler schon lange. Und sein Idealismus, gepaart mit Dreistigkeit, Naivität und Frechheit erschien mir zwar etwas weltfremd, aber nicht völlig unsympathisch.

Das eigentliche Konzept des Buches ist einfach und schnell auf den Punkt gebracht. Fellmer berichtet von seiner - Achtung, Bescheidenheit ist eine Zier - "Reise der Menschheit", die gleichzeitig einer kleinen Autobiographie seines Lebensweges ähnelt. Der Leser begleitet Ihn, seine Familie und Freunde dabei abschnittsweise auf einer mehrmonatigen Reise über den Atlantik, nach Mittelamerika und durch Länder wie Brasilien, Kolumbien, Venezuela & Costa Rica bis nach Mexico. Erst auf den letzten Seiten des Buches berichtet Fellmer von seinem Leben in Deutschland und seinen Lebensmittel/Foodsharing-Projekten.

Nach Pippi Langstrumpfs Motto "ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt" erhebt Fellmer in seinen Erzählungen und bei jeder noch so kleinen Gelegenheit jeden irgendwie verfügbaren moralischen Zeigefinger. Wobei, eigentlich steckt er mir als Leser alle seine aufdringlichen Finger inkl. Daumen völlig ungefragt in alle Körperöffnungen, verliert sich in surrealen Statistiken, entwickelt skurrile Theorien, spielt den Weltverbesserer und - nervt.

Irgendwann habe ich mir das Vergnügen gegönnt, die "Böse-böse-böse-Liste", frei nach Fellmer - ohne Anspruch auf Vollzähligkeit - zu notieren. Mit einem Kugelschreiber (Plastik & Tinte!) auf Papier (Baumsterben!). Entschuldigung, aber die nächste Höhle für meine Einkerbungen mittels Fingernagel war gerade so weit weg.

Demnach erstreckt sich die ökologische Sünde auf: Autos, Flugzeuge, Kapital, Export, Import, Banken, Politik, Fleisch (sehr böse!), Wasser in Plastikflaschen, verpackten Reis, die Textilindustrie, Aluminium & Dosen, Konzerne, Tourismus, Milchkühe, tierische Produkte aller Art (Milch, Eier, Honig, Gelatine), Einmalwindeln, Pferdetransporte, Plastik, die Ananasindustrie und den Konsum im Allgemeinen. Noch Fragen? Fortsetzung folgt.

Fellmers Verweigerung gegenüber den o.g. Punkten begründet er selbst mit seiner Bestimmung. Beruf "Mensch" würde in seiner Selbstauskunft zu finden sein, die dann in vielen Lebensabschnitten und Situationen darin endet, mit bitten und betteln über die Runden zu kommen.

Dies gipfelt in Teilbereichen in einer Weltanschauung, die Komikern Konkurrenz beweist.

Spätestens dann, wenn Fellmer stolz davon berichtet, auf reguläres Toilettenpapier zu verzichten und stattdessen die Reinigung mit schmutzigen Servietten von Gasthäusern zu übernehmen, schwanke ich sichtlich zwischen lachen und weinen. Und wünsche mir eine extragroße Prise Chilli-Pulver in die Serviette. Oder er berichtet stolz davon, während seiner Reise irgendwann das Prinzip "Seife" aufgegeben zu haben und ist begeistert, dass sein Körper nach Wochen der mangelnden Hygiene einen eigenen, unverfälschten Kokos-Duft entwickelt.

Sollten RTL und Co. zukünftig auf der Suche nach einem anspruchslosen Sendeformat irgendwo zwischen "Frauentausch", "Dschungelcamp" und "Bauer sucht Frau" fündig werden, dann sicher hier.

Leider ist die Gratwanderung jederzeit überschaubar und das Risiko kalkulierbar. Gerade in einem Sozialstaat wie Deutschland fällt es leicht, sein eigenes Lebenswerk dem ökologischen Fußabdruck unterzuordnen, im Notfall landet man in der sicheren Hängematte der staatlichen Unterstützung und der Allgemeinheit. So ist Fellmer nach eigenen Aussagen mit seiner Ehefrau beispielsweise in der gesetzlichen Krankenkasse beitragsfrei familienversichert. Eine Versicherung, die er derzeit - da gesund - nicht oder kaum nutzt. Sollte ich diesen Teil der Rezension bei seinem Eintritt in das Rentenalter oder plötzlicher Pflegebedürftigkeit ergänzen? Hat Fellmer im Bedarfsfall ein Problem mit dem "grauen Energieverbrauch" und dem "virtuellen Strom" seiner Krankenversorgung? Wer also ist hier wirklich der Fehler im System.

Mein Fazit nach 224 Seiten ist nach o.g. Kriterien klar, ehrlich und vernichtend. Obwohl ich mich selbst als offen, interessiert und umweltbewusst bezeichne, schafft es Raphael Fellmer mit der im Buch umschriebenen Art und Weise, mir jegliche Lust auf das Thema Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Fairtrade und Foodsharing zu vermiesen. Ich möchte aus freien Stücken handeln und nicht in ein Dogma gezwungen werden, bei dem ich zu allem Überfluss auch noch das Gefühl habe, genau einer der Deppen zu sein, auf dessen Kosten Fellmer sich profiliert und letztlich finanziert.

In diesem Sinn und unter Anlehnung an den Titel der Rezension - Mitleid gibt es geschenkt,...
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. März 2015
Raphael Fellmer's Buch ist sehr lesenwert, stimmt nachdenklich und sollte zur Pflichtlektüre in allen Schulklassen werden!
Ein Buch für Groß und Klein. Wir leben alle gemeinsam auf einem Planeten - unserer wunderbaren Mutter Erde - und sollten alle
zusammen alles dafür tun, unseren Heimatplaneten in seiner unglaublichen Schönheit zu erhalten. Für uns und für folgende
Generationen von Menschen, Tieren und Pflanzen. Dieses Buch m u s s gelesen werden!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 28. Dezember 2014
Dieses Buch ist kostenlos erhältlich.

Man fühlt beim Lesen dieser Lektüre, dass dem Autor die Natur und die Menschen sehr am Herzen liegen.

Es ist klar, das nicht jeder alles so umsetzen kann, wie es der Autor getan hat ( wenn es keine Menschen mit Auto gäbe, könnte er nicht trampen und wo Energie sparen .... :).

Das Buch regt zum Nachdenken an. Ein bemerkenswerter Ansatz und ein besonderer Mensch, der Autor.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 6. Januar 2015
Erst gestern (04.01.2015) habe ich dieses wunderbare, wertvolle und absolut lesenswerte Buch entdeckt, das mich sehr in allem, wie ich denke und fühle bestärkt. Ich weiß zwar noch nicht wirklich, wie ich ganz ohne Geld leben könnte, schließlich muss ich immer noch Miete bezahlen, um ein Dach über dem Kopf zu haben... aber ich praktiziere schon seit längerem bewussten Konsumverzicht nach dem Motto "Weniger ist mehr". Man wird unabhängiger und fühlt sich unendlich freier, wenn man sagen kann, "dieses oder andere Produkte brauche ich nicht mehr, ich will sie auch nicht mehr konsumieren, weil ich nicht mehr dazu bereit bin, die menschen- und umweltbelastenden Herstellungsprozesse zu akzeptieren". Ich verweigere weitgehend den Konsum von Indestrieprodukten sowie von Nahrungsmitteln, die aus Massentierhaltung stammen, weil ich diese Art der industriellen und quälerischen Ausbeutung von Tieren nicht mehr länger unterstützen möchte. Daher habe ich vor ca. drei Jahren auch meine Ernährung radikal umgestellt von einer bisher vegetarischen auf eine rein vegane Lebensweise und verzichte gänzlich auf jegliche Art von tierischen Produkten. In dem Buch geht es aber um weit mehr, als nur um Verzicht. Es geht vielmehr um ganzheitliche Denkweisen, um das Bewusstsein, dass es in Wirklichkeit überhaupt keinen Mangel gibt, dass genug für jeden von uns da ist, dass wir einfach nur umdenken müssen und lernen zu teilen. Es geht um Ungerechtigkeit und Leid, um die brutale Tierindustrie, um die Zerstörung unseres Planeten, die totale Ausbeutung der Ressourcen, um modernen Sklavenhandel und so vieles, was in unserer modernen Konsumgesellschaft inzwischen als "normal" und unverzichtbar angesehen wird. Dabei kann man auf das meiste davon mit Leichtigkeit verzichten und es wäre noch nicht einmal ein Verzicht sondern eher eine totale Befreiung, eine Bereicherung des ganzen Lebens, wenn wir in Einklang und Harmonie mit uns selbst, unserer Umwelt, den Tieren und unseren Mitmenschen leben würden und wenn wir uns wie wirkliche Gäste dieser Erde verhalten würden - nicht wie die Besitzer.

Der Autor ist für mich fast so etwas wie ein Heiliger, jedenfalls ist er eine Lichtgestalt für unsere Zeit. Ich habe früher, vor ca. zwei Jahren schon mal eine Dokumentation über ihn, sein Projekt und seine Lebensweise im Fernsehen gesehen. Sie ist noch immer auf der ARD Mediathek verfügbar. Auch damals fand ich ihn schon sehr beeindruckend.

Das Buch ist absolut empfehlenswert und jeder, wirklich jeder Mensch, vor allem in unserer total (un)zivilisierten, ausbeuterischen und kapitalistisch geprägten Welt, sollte es bis zur letzten Seite lesen und sich von den wundervollen Ideen und Lösungsansätzen anstecken und inspirieren lassen. Es sollte zur Pflichtlektüre in den Schulen werden und alle Bibliotheken sollten es in ihren Bestand aufnehmen.

Es geht in dem Buch übrigens auch um die sog. "Geplante Obsoleszenz", die Ursache, warum z.B. mein PC schon jetzt seinen Geist aufgegeben hat (ich hatte gehofft, er würde wenigstens nochmal weitere fünf Jahre durchhalten), warum ein Kühlschrank oder eine Waschmaschine in der Regel nur 5 und nicht 25 Jahre ihren Dienst tun und warum Glübirnen nur ca. 1000 Stunden brennen und nicht 100 000 oder sogar noch länger. Es wäre technisch möglich, alle Geräte so zu bauen, dass sie ein Leben lang funktionieren oder dass man sie immer wieder reparieren könnte. Aber warum um Himmels willen tut man es dann nicht????? Weil das für unser Wirtschaftswachstum nicht zuträglich wäre und weil man uns genau aus diesem Grund zum Konsum zwingen möchte. Deshalb wird die Erde ausgebeutet, deshalb werden Menschen versklavt und abhängig gemacht, werden Ressourcen verschwendet, werden Tiere gequält und in erbärmlichen Massentierhaltungsfabriken als Rohstoffe für minderwertige und vollkommen überflüssige Nahrungs-und Gebrauchsartikel (Wolle, Leder...) missbraucht - werden täglich Billionen Liter sauberes und wertvolles Trinkwasser vergeudet und vergiftet....

Wann werden endlich alle Menschen umdenken und sich für einen besseren Weg entscheiden?

Ich danke dem Autor aus tiefstem Herzen für dieses wunderbare, aufklärende und bewusstseinserweiternde Buch, für das Aufzeigen der wirklichen Ursachen für die scheinbar unlösbaren Probleme unserer Zeit, für seinen Mut, einen gänzlich anderen Weg zu versuchen und diesen selbst vorzuleben, sowie für seine liebevolle und selbstlose Art, die nicht kritisiert, sondern mit Geduld und Nachsicht seine Mitmenschen zum Umdenken motiviert.

Danke lieber Raphael Fellmer
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113 von 154 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. November 2013
Nach Lektüre des hier vorgelegten Buches kann man Herrn Fellmer bestenfalls als verklärten Idealisten ansehen, der den großen, aber entscheidenden Fehler seiner Idee nicht erkannt hat. Weniger freundlich formuliert handelt es sich hier um die oberlehrerhaft und selbstzufrieden aufgezeichnete Biographie eines Leistungsverweigerers, der noch dazu völlig intolerant seine Lebensweise als die einzig Richtige darstellt.

Das erste Drittel des Buches schildert den "Werdegang" des Autors. Hier möchte ich einmal stellvertretend auf zwei kurze Absätze eingehen:

"In der Waldorfschule fühlte ich mich wohl, obwohl ich nur äußerst ungern Hausaufgaben machte. Meistens schrieb ich sie einfach ab. In den Unterricht und die Pausen dazwischen legte ich mein Herzblut, nicht in die Epochenhefte, Diktate und Vokabeltests."

Soso, ein offensichtlich nicht sehr strebsamer Schüler. Und, trotzdem das Prinzip Waldorfschule nach Fellmer ja der Entfaltung der Persönlichkeit dient, war sein Gedankengut offenbar noch zu sehr im bösen, kapitalistischen System gefangen:

"Obwohl ich an einer Waldorfschule war, reichte meine Kreativität nicht, um neue Wege zu gehen, Plan B zu leben."

Wie auch immer, Herr Fellmer behält den Weg seiner Erleuchtung trotz fortwährender Manipulation durch das falsche Gesellschaftssystem auch in der Schulzeit, und entschließt sich nach dem Abitur also dazu, seinen Horizont durch diverse Reisen zu erweitern. (Ich verkürze stark und sehe großzügig über die stetig wiederkehrenden Huldigungen seines eigenen Egos hinweg.)

Das kommunistische Kuba erscheint ihm dabei als Paradies, und zwar gleich aus zweierlei Gründen, Zitate:

1. "Verschwendung von Ressourcen ist aufgrund des herrschenden Mangels praktisch nicht vorhanden. Flaschen werden,
wenn der Hals zerbrochen ist, einfach durchgeschnitten und als Glas weiterbenutzt.Alle Gebrauchsgegenstände, allen voran natürlich die schönen Autos, werden immer wieder repariert, und man spürte förmlich, dass das »Gesetz der geplanten Obsoleszenz« in der kubanischen Gesellschaft keinen Platz hat."

- Herrschaften, DAS ist die Lösung! Durch die im kommunistischen System verankerte Warenverknappung wird das Problem der Ressourcenverschwendung eliminiert! (Der Zwang, aus Mangel einen spritfressenden, unsicheren, stinkenden Oldtimer restaurieren zu müssen, ist da doch zu vernachlässigen. Er ist ja "schön".)

Deswegen sind kommunistische Systeme rund um den Globus so erfolgreich, deswegen sind alle bestehenden kommunistischen Systeme der Welt auch demokratisch durch das Volk in freien Wahlen legitimiert, und deswegen haben diese Systeme auch so regen Zulauf.

2. "Werbung für Produkte oder Dienstleistungen gibt es hingegen überhaupt keine. Es war befreiend, nicht ständig schreiend bunte Anzeigen zu sehen, die uns suggerieren sollen, dass wir unbedingt dieses oder jenes Produkt kaufen müssen."

- Logisch, denn: wenn Mangel herrscht, was soll dann beworben werden? Das Wecken von Wünschen oder Bedürfnissen, die ohnehin nicht erfüllt werden können, sorgt nur für Frustration. Auch zu Zeiten der DDR gab es damals kein Werbefernsehen. Warum wohl? Weil ein Werbespot für den Trabant im Jahre 1988 den westdeutschen Bewohnern, die ja so dringend alle gerne gen Sozialismus streben, die eindeutige technische Überlegenheit des Fahrzeugs gegenüber z.B. einem 5er BMW demonstriert und damit für umstürzlerische Bewegungen im Westen gesorgt hätte?

Zudem: kann nicht auch in einer durch und durch kapitalistischen Welt wie unserer jeder Mensch selbst entscheiden, was er in welcher Menge erwirbt und was nicht? Sicher, ich könnte mir jeden Monat drei neue Handys kaufen. Ich kann dieselbe Geldmenge aber auch regelmäßig zur Seite legen, um für etwas Größeres zu sparen, z.B. eine Wohnung. Oder ich kann mein so schlecht und böse, da kapitalistisch verdientes Geld Ende Monat an wohltätige Organisationen spenden. Siehe da, eine Verwendung für Geld, die der Gesellschaft zugute kommt! Das dürfte es nach Definition des Autors gar nicht geben.

Nicht zuletzt: Wenn der Autor dem Leser diese Entscheidungskompetenz in Bezug auf die Verwendung seiner Finanzmittel abspricht, halte ich das fast schon für eine grobe Beleidigung (zumindest für den großen Teil der Bevölkerung, der nicht überschuldet ist).

Auf den Rest des Buches (in ähnlichem Stile geschrieben) möchte ich nicht eingehen, denn der Tenor bleibt in hübscher schwarz/weiß-Malerei der gleiche: gut ist derjenige, der nur gebrauchte Gegenstände nutzt, und diese möglichst vielen unentgeltlich zur Verfügung stellt. Schlecht ist derjenige, der Neues kauft, dieses für sich behält, und/oder sich in irgendeiner Form gegen Geld an der Wertschöpfungskette beteiligt.

Der große Denkfehler, den Herr Fellmer auch nach 227 Seiten nicht einsieht: um eben seinen Lebensstil nachzuahmen, muss am Ende der (ich nenne es mal so) "Leihkette" immer ein Produzent stehen. Und niemand wird produzieren, wenn er nicht zumindest den Einkaufspreis des Rohstoffs für seine Ware erhält, von der Wertschöpfung durch individuelle Arbeitsleistung mal ganz abgesehen.

Sofern also nicht JEDER Mensch auf der ganzen Welt JEGLICHE Arbeit oder Leistung, die in irgendeiner Form abgegeben wird, unentgeltlich verrichtet, KANN das von Fellmer geschilderte System schlußendlich überhaupt nicht funktionieren.

Gleichzeitig wettert Herr Fellmer mit einer erstaunlichen Intoleranz gegen jeden, der sich an der so verachtenswerten kapitalistischen Produktionswelt beteiligt. Es geligt ihm jedoch nicht, zu abstrahieren, dass jeglicher Nutzen, den er zieht, auf kapitalistischer Produktion fußt.

Da passt es gut ins Bild, dass der Autor sich für die umweltschonende Art der Fortbewegung als Tramper lobt, gleichermaßen aber das Auto als schmutzendes, ressourcenverwertendes Teufelsgerät verdammt.

Auch ich bin gegen Lebensmittelverschwendung, und auch mir sind Menschen, die Kleinwägen zum pendeln nutzen sympathischer, als jene, die einen SUV fahren. Aber auch mir ist klar, dass eine Welt ohne Geld nicht funktionieren kann, weil jegliche gesellschaftlichen Systeme, die auch nur ansatzweise in die Nähe dessen gegangen sind, gescheitert sind. Und so idealistisch, zu glauben, dass die kostenlose Produktion / Arbeit schon irgendwann alle nachmachen werden, wenn nur mal einer damit anfängt, bin ich schon seit meinem 12. Lebensjahr nicht mehr.

Zum Abschluss: Wer Herrn Fellmers Tagesberichte in den sozialen Netzwerken verfolgt, konnte außerdem feststellen, dass er vor kurzem Opfer seiner eigenen Idee wurde: sein Fahrrad wurde ihm geklaut, im Sinne des Buches wohl eher formuliert, es wurde ihm genommen - von jemandem, der es wohl just in diesem Moment dringender brauchte als er. Es folgte der logische Aufruf, wo denn bitte Menschen leben, die ihm im Bedarfsfalle ihr eigenes Fahrrad zur Verfügung stellen könnten. Aber: auch dies wird nur so lange funktionieren, bis eines der Räder mal defekt ist, denn um es zu reparieren braucht man... richtig: Geld.
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
In dem Buch „Glücklich ohne Geld“ von Raphael Fellmer, erschienen im Redline Verlag, führt der Autor seine Erfahrungsberichte im Umgang mit Geld auf. Er spricht dabei von persönlichen Erfahrungen und globalen Entwicklungen.
Dabei hinterfragt es sozialkritisch unser Konsumdenken und Verhalten, auf eine absolut sympathische Art und ohne erhobenen Zeigefinger.

Schon als Kind bewegte ihn die Tatsache das es soviel Ungerechtigkeit und Leid
gibt auf der Welt, obwohl sich alle nach Liebe und Frieden sehnen.
Sein Mitgefühl galt schon damals den Tieren, den hungernden Menschen und insbesondere den vielen Kindern auf der Welt, die mit leerem Magen ins Bett gehen mussten ohne zu wissen ob sie den nächsten Tag noch erleben werden.
Mit viel Geld so glaubte er damals könne man materiell den Armen helfen, so der Plan.

Schon während der Schulzeit wollte er einige Zeit im Ausland verbringen, doch der Preis lag bei mehreren tausend Euro, Geld das er und seine Eltern nicht hatten. „Der Glaube versetzt Berge, mit einem starken Willen kann uns nichts aufhalten!“ so Raphael Fellmer.

Er suchte eine Zivildienstmöglichkeit in Lateinamerika. Durch das Glück einer zufälligen Bekanntschaft, eröffnete sich die Möglichkeit, nach Mexico gehen zu dürfen. Schon damals liebte er das Abenteuer, und es erschien im unlogisch, Geld auszugeben für etwas was es auch kostenlos gab also fuhr er als Anhalter mit.

Weitere Reisen folgten in denen er nicht nur fremde Kulturen, andere Menschen sondern auch sich selbst erfuhr.
Er berichtet von seinen Erfahrungen mit dem Veganismus und ist heute überzeugter Veganer. Schon als Kind verweigerte er Fleisch auf dem Teller, da er nicht wollte das Tiere für ihn sterben mussten.

Vegan zu Leben stieß in anderen Ländern oft sehr auf Verwunderung und teilweise auf Ablehnung, so auch in Italien.
Dieses Buch zeigt Leben und Überleben ohne Geld funktioniert das gilt auch für Lebensmittel. Schon in den damaligen WG-Zeiten lebten sie von den sogenannten Abfällen der Supermärkte, umgangssprachlich auch „Containern“ genannt. Dabei wurde ihm zum ersten Mal mit aller Deutlichkeit klar wie viel „nicht mehr verkäufliche Wahren“ im Müll landen.

Es waren im Schnitt 30-50kg noch genießbare Lebensmittel täglich. Vornehmlich Milch, Joghurt, Fleisch, frisches Brot , Obst und Gemüse.
Heut setzt er sich aktiv für die Organisation Foodsharing, um diesen Missständen entgegen zu wirken. Dieses Buch bewegt zum Nachdenken, dass unsere Welt immer mehr im Materialismus erstickt und noch mehr mentale und physische Mauern zwischen uns und unseren Mitmenschen entstehen.

„Auch wenn wir manchmal ungerecht behandelt werden oder negatives erfahren haben, so können wir doch unser eigenes Verhalten gegenüber unserer Umwelt und den Mitmenschen verändern.“

Seine Visionen werden täglich von viel Menschlichkeit gestärkt und beflügelt.
Es macht Spaß dieses Buch zu lesen, den Raphael Fellmer lässt uns auf sympathische weise die Dinge mit anderen Augen sehen. Empfehlenswert!
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
VINE-PRODUKTTESTERam 12. Januar 2014
Format: TaschenbuchVine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an den Schlager "Der lachende Vagabund" (1958) von Fred Bertelmann. Dieses alte Lied hat mit "Glücklich ohne Geld" eine verblüffende Ähnlichkeit.
Stilistisch bewegt sich der Text auf der Ebene religiöser Erweckungsliteratur, aufgeregt vorgetragen wie von einer angestrengt-dauergutgelaunten Radiomoderatorin. Inhaltlich ist er wenig strukturiert und leider noch weniger durchdacht: Der von sich selbst enorm überzeugte Autor will ja gar nicht, wie auf dem Klappentext behauptet, den Konsumverzicht. Er will im Gegenteil sehr wohl konsumieren, den Konsum sollen aber andere bezahlen. Andere, auf die der Autor herabsieht.
Eigentlich schade, dass das grundsätzlich interessante Thema so oberflächlich vertan wurde, denn es hat reichlich Potential. In der vorliegenden Form ist es nicht mehr als ein über alle Maßen selbstverliebter, kaum erträglicher Lobgesang aufs Schmarotzertum.
Wer Fred Bertelmanns "Der lachende Vagabund" mag, wird vielleicht auch diesem Buch etwas abgewinnen können. Ich persönlich fühle mich von beidem peinlich berührt, heute sagt man wohl "Fremdschämen" dazu.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 23. Dezember 2014
Sehr ansprechend geschrieben. Ein kostenloses Buch, das auch durch Fehlerlosigkeit besticht. Das ist bei kostenlosen nicht immer der Fall.
Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Ich kam sehr ins Grübeln. Auch habe ich mein eigenes Handeln überdacht und werde einiges ändern.
Die Umsetzungen am Ende des Buches haben mir gut gefallen.
Ein Ideal ist der seinem Traum unbeirrt folgt und ihn konsequent umsetzt.

Eine kritische Anmerkung noch. So ganz ohne Geld geht es doch nicht. Au h wenn man selbst kein Geld braucht, so.muss dies oft von einem anderen aufgewendet werden. Denn wenn ich bei jemandem mitfahre, hat ja derjenige die Kosten. Eine Tankstelle die Benzin verschenkt, habe ich noch nicht gefunden.
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16 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 28. Januar 2014
Format: TaschenbuchVine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
Glücklich ohne Geld!: Wie ich ohne einen Cent besser und ökologischer lebe. Dass ich nicht lache... Schmarotzertum unter dem Deckmäntelchen der Ökologie wäre ein treffenderer Buchttitel gewesen.

Hier handelt es sich um eine Anleitung zum Leben auf Kosten anderer, auch sozial noch schlechter gestellter Menschen. Echt peinlich!! Sehr weitsichtig ist der Autor hierbei nicht. Diese Art von "Abenteuerurlaub für Arme" funktioniert vielleicht wenn man gesund und ungebunden ist und eine rosarote Brille trägt. Not-OPs und genau vorgegebenes Schulmaterial finden sich selten passend auf dem Müllhaufen hinterm Konsumtempel...

Auch ich versuche meinen Kindern vorzuleben, dass man auch ohne viel Geld und abseits des üblichen Konsumterrors glücklich leben kann, doch ich würde dies niemals auf Kosten anderer tun, denn es gibt andere Wege, die vorbildlicher und intelligenter sind.

FAZIT:
Glückwunsch, lieber Autor! Auf so einen Weltverbesserer wie Sie haben wir gerade noch gewartet. Man kann nur hoffen, dass nicht allzu viele Leute auf die Idee kommen, Ihnen nachzueifern... dann geht es mit unserem Sozialstaat nämlich noch vollends bergab.

Dieses Buch und die Zeit, die man fürs Lesen investiert, kann man sich übrigens sparen und jedes weitere Wort dazu auch.
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 500 REZENSENTam 1. Februar 2014
Format: TaschenbuchVine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts( Was ist das? )
„Glücklich ohne Geld“ behandelt ein sehr spezielles Thema in unserem heutigen, von Finanzhaien und Machtmetropolen bestimmten Leben im Überfluss. Unter diesen Aspekten sind die Ansätze von Raphael Fellmer interessant, und er beschreibt den ein oder anderen Punkt, den jeder für sich selbst einmal reflektieren sollte. Hierzu zähle ich beispielsweise den ökologischen Fußabdruck, den jeder täglich hinterlässt, oder auch die Wegwerfgesellschaft, die nicht nur Nahrung wegwirft, sondern auch Kleidung oder Dinge, derer sie einfach überdrüssig geworden ist, obwohl sie ihre Funktion noch tadellos erfüllen.

Inkonsequent finde ich seine Art, seine Ansichten umzusetzen. Er verzichtet nämlich nicht auf seine Reisen, auf Energie für Licht oder Kühlschrank oder vieles, was den Alltag so angenehm macht, sondern nutzt es einfach bei anderen mit. Unterm Strich schmarotzt er und nutzt die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft anderer, auch sozial schwächer gestellter Menschen aus. Er nimmt sehr gerne, doch was kommt von ihm? Ein Lächeln, ein Danke, die Aussage, dass er seine Hilfe und seine Zeit gerne zur Verfügung stellen würde, und die Erkenntnis, wie gut doch die Welt zu ihm ist. Aber von diesem Denken des gegenseitigen Aufrechnens möchte er sich entfernen. Die Druckausgabe des vorliegenden, vegan hergestellten Buches mit gerade mal 224 Seiten kostet stolze 14,99 EUR. Selbst wenn Fellmer nach eigenen Aussagen auf jegliche wirtschaftlichen Erträge aus diesem Buch verzichtet (das EBook steht kostenlos zum Download bereit), frage ich mich, wie er dies in Einklang mit seinen Ansichten bringt. Ich frage mich auch, ob er seine Frau zahlen lässt, sollte seine kleine Tochter jemals auf eine medizinische Notfallbehandlung angewiesen sein.

Auf Dauer ist es ermüdend zu lesen, wer ihm wieder wo behilflich war, ihn kostenlos zu Ort X transportiert hat und wie gut es ihm damit geht, denn für die breite Masse funktioniert das so nicht. Zwei Sterne erhält dieses Buch dennoch von mir aufgrund seiner Denkanstöße zum ökologischen Bewusstsein. Er begrenzt seine Sicht hier nicht nur auf Kleidung und Nahrung, sondern schaut unter anderem auch auf die CO2 Emission der Massentierhaltung, die häufigen, oft auch weiten Fahrten der Menschen und die Transportwege und Energiebilanz bei der Fertigung von Konsumgütern.
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