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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Mörder unter Mördern
Der allmählich zusammenbrechende NS-Staat als Hintergrund einer Serienmörderjagd? - Mönschenskünd, was denn noch...? Weit gefehlt! Harald Gilbers' "Germania" ist ein Thriller-Meisterwerk. Anhand eines Kriminalfalls zeigt Gilbers das Leben in Berlin im Jahr 1944. Der Tod ist allgegenwärtig, verursacht von den Nationalsozialisten, verursacht von den...
Vor 9 Monaten von Edwin Baumgartner veröffentlicht

versus
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Atmosphärisch dicht, hervorragend recherchiert - aber grottenlangweilig: 2 1/2 Sterne
Man merkt, dass der Autor seine Hausaufgaben gemacht hat: Berlin 1944 ersteht vor dem geistigen Auge, man spürt fast die Anspannung der Menschen, die Angst vor dem nächsten Bombenanschlag, den Rauch und Staub danach.
Dies alles wird sehr gut geschildert und die ersten Seiten liest man auch gefesselt und freut sich auf einen spannenden...
Vor 4 Monaten von dieleseratz veröffentlicht


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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Mörder unter Mördern, 27. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Germania (Taschenbuch)
Der allmählich zusammenbrechende NS-Staat als Hintergrund einer Serienmörderjagd? - Mönschenskünd, was denn noch...? Weit gefehlt! Harald Gilbers' "Germania" ist ein Thriller-Meisterwerk. Anhand eines Kriminalfalls zeigt Gilbers das Leben in Berlin im Jahr 1944. Der Tod ist allgegenwärtig, verursacht von den Nationalsozialisten, verursacht von den alliierten Luftangriffen. Gilbers fällt keine moralischen Urteile, er zeigt das Geschehen. Und findet dabei Graustufen, die diesen Roman weit, sehr weit, über das Normalmaß erheben. Naturgemäß ist es eine Geschichte von Gut und Böse - aber beides wird intensiv hinterfragt, der Leser zum moralischen Urteil genötigt. Am interessantesten ist das Ende, das... - nein, kein Wort darüber, der Mut, das zu schreiben, ist jedenfalls bemerkenswert.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Atmosphärischer Krimi, 2. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Germania (Taschenbuch)
Inhalt
Berlin 1944. Richard Oppenheimer war ein erfahrener und erfolgreicher Kommissar, bis er aufgrund seiner jüdischen Religion vom Dienst suspendiert wurde. Dass er noch nicht wie so viele andere jüdische Mitbürger von den Nazis deportiert wurde, verdankt er seiner Ehe mit einer arischen Frau. Mit ihr lebt er in einem sogenannten Judenhaus und die Zeiten werden auch für ihn immer gefährlicher. Als die SS eines Tages in seiner Wohnung auftaucht, glaubt er sein Ende nahen. Aber anstatt ihn zu verschleppen, wird er zum Tatort eines bestialischen Mordes gebracht und dort von SS-Hauptsturmführer Vogler eingezogen, mit ihm gemeinsam den Mord aufzuklären.

So sehr ihn diese außergewöhnliche Aufforderung misstrauisch macht, hat er doch keine andere Wahl, als sich zu fügen, denn immerhin steht sein und Lisas Leben auf dem Spiel. Also stürzt er sich in die Ermittlungen, was ihn einerseits aufgrund seiner Freude an dieser Arbeit befriedigt, aber andererseits die Angst vor der darauf folgenden Konsequenz wachsen lässt. Denn immerhin wird er spätestens nach Auflösung des Falles nicht mehr gebraucht werden. Und wenn die SS ihn schon mal in ihren Händen hat ...

Meine Meinung
Germania ist nicht nur ein spannender Kriminalroman, sondern versetzt einen beim Lesen auch sehr gut in die damalige Zeit hinein. Aufwändig hat der Autor die Ereignisse recherchiert und seinen Fall mitten hineingefügt. So hat es mich z. B. überrascht, dass 1944 noch Juden aufgrund eines arischen Ehegatten länger „geduldet“ wurden, wenn auch nur in sogenannten Judenhäusern, was aber wohl der Großstadt Berlin zuzuordnen war. Neben detaillierten historischen Ereignissen tauchten auch einige historische Personen in dem Roman auf und auch die Schauplätze wurden realistisch dargestellt.

Doch nicht nur die Fakten bildeten das Gerüst für diesen Krimi. Der Autor versteht es auch sehr gut, durch seine bildhaften Beschreibungen eine authentisch wirkende Atmosphäre zu erzeugen und die Stimmung der Personen und Geschehnisse zu übermitteln. Bombenangriffe erzeugten grausige Bilder vor Augen. Bilder von Verschüttung und Zerstörung übertragen die Angst und Verzweiflung der Menschen. Die Invasion in der Normandie lässt Hoffnung tröpfeln. Und wenn der Autor durch seine Figuren dem Leser einen Blick auf die Stadt nach einem Bombenangriff zeigt, dann läuft vor dem inneren Auge ein Film ab, der Gänsehaut erzeugte, zumindest bei mir.

Die Figuren wurden nach meinem Empfinden ebenfalls sehr gut dargestellt. Richard Oppenheimer war mir gleich sympathisch und ich konnte seine unterschiedlichen Emotionen sehr gut spüren, die durch die seltsame Situation, in der er sich plötzlich befand, noch verstärkt wurden. Auf der einen Seite das Misstrauen, die Unsicherheit und die Angst um sein und Lisas Leben und die Zermürbung durch die jahrelange Verfolgung, die er nur noch mit der Einnahme von Pervitin einigermaßen im Griff behalten konnte. Auf der anderen Seite dann seine vorsichtige Freude an der so geliebten Arbeit, die er für einen Moment plötzlich wieder aufnehmen konnte, und die Vergünstigungen, die er dafür gleichzeitig geboten bekam. Und immer im Schatten der SS. Wenn dies für den Leser schon eine skurrile Situation darstellte, wie beängstigend und verstörend muss es für Oppenheimer gewesen sein.

SS-Hauptsturmführer Vogler war für mich ebenfalls eine interessante Figur. Er war nicht recht zu greifen und überraschte mit einigen unerwarteten Gesten, nur um im nächsten Moment wieder die Erwartungen zu erfüllen, die man als Leser an einen SS-Mann hat. Diese Unnahbarkeit und Unberechenbarkeit erzeugte eine besondere Spannung bei mir und ich wusste bis zum Schluss nicht, wie seine Rolle in diesem Drehbuch enden wird. Ganz besonders gut hat mir eine längere Szene zwischen ihm und Oppenheimer gefallen, wer das Buch liest, wird sie dann sicher erkennen.

Der Kriminalfall selbst besteht aus einer fast zermürbenden Suche nach Puzzleteilen und Informationen und führt lange nicht zu einem handfesten Ergebnis. Für mich persönlich hat die Aufklärung des Falles aber gar nicht so sehr im Mittelpunkt gestanden, auch wenn Oppenheimers Arbeit sehr interessant zu lesen war und besonders in der zweiten Hälfte für einige spannende und überraschende Momente sorgte, sondern mich beschäftigte mehr das Schicksal und die Geschehnisse rund um Oppenheimer und seinen Auftraggeber Vogler.

Das Ende war dann sehr spannend und wie viele andere Momente im Buch für mich nicht vorhersehbar und bot einen leicht offenen Schluss, der eine gute Grundlage für den nächsten Band bietet, aber auch sehr gut so für sich alleine stehen kann. Das gefällt mir sehr gut.
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24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannender Geschichtsunterricht, 21. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Germania (Taschenbuch)
Zweifelsohne sind es die außergewöhnliche Kulisse und das bizarre Ermittler-Paar, das dieses Buch aus der Flut der Serien-Killer-Thriller herausragen lässt. Ein SS-Hauptsturmführer und ein jüdischer Ex-Kommissar, die das Schicksal ein Jahr vor Kriegsende dazu verdammt hat, im Bombenhagel von Berlin einen wahnsinnigen Nazi zu suchen, der Prostituierte tötet und ihre grausam verstümmelten Leichen vor Kriegerdenkmälern ablegt.
Das klingt erst einmal nach (allzu) starkem Tobak. Doch die ruhige, sachliche, ja fast bedächtige Art, wie diese Geschichte erzählt wird, eingebettet in einen historisch fundierten Hintergrund, helfen dem Autor, nicht abzustürzen in reine billige reißerische Effekthascherei. Im Gegenteil: Mit jeder Zeile spürt man, wie akribisch, ja fast schon detailbesessen Harald Gilbers das (Über)Leben der Menschen und das aberwitzige Agieren des Machtapparats der Nazi im zerbombten Berlin recherchiert hat. Und so gewinnt die fiktive Handlung mit jeder Seite plötzlich immer mehr an Glaubwürdigkeit.
Hochspannung gepaart mit lebendigem Geschichtsunterricht. Wer daran Gefallen hat, dem seien auch noch zwei Romane auf ähnlich hohem Nivau empfohlen: „Der Trümmermörder“ von Cay Rademacher und - ich bin mal so frei mich selbst zu loben - „Der rote Reiter“ von Udo Röbel.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Atmosphärisch dicht, hervorragend recherchiert - aber grottenlangweilig: 2 1/2 Sterne, 22. Mai 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Germania (Taschenbuch)
Man merkt, dass der Autor seine Hausaufgaben gemacht hat: Berlin 1944 ersteht vor dem geistigen Auge, man spürt fast die Anspannung der Menschen, die Angst vor dem nächsten Bombenanschlag, den Rauch und Staub danach.
Dies alles wird sehr gut geschildert und die ersten Seiten liest man auch gefesselt und freut sich auf einen spannenden "Geschichtsthriller".
Aber leider bleibt unser Held Oppermann seltsam blaß - und so richtig sympatisch kommt er auch nicht rüber. Auch die anderen Charaktere (Hilde, Lisa, Vogler etc) sind weder sympatisch noch gut ausgearbeitet.
Die endlosen Schilderungen Berlins langweilen nach den ersten 200 Seiten nur noch, zu oft liest man in epischer Länge immer das gleiche.
Und der Krimiplot ? Keine überraschenden Wendungen, keine spannenden Entwicklungen, kein originelles Ende. Alles plätschert so vor sich hin. Leider ist der Roman mindesten 150 Seiten zu lang. Ein gutes Lektorat und eine sinnvolle Kürzung hätten vielleicht einen halbwegs stringent erzählten Krimi zustande gebracht.
So bleibt es bei einem guten Ansatz und bei einer halbwegs flüssig erzählten Geschichte - Thriller wäre der total falsche Ausdruckt.
Fazit: Gute, wenn auch leider recht langatmige Schilderung des 3. Reichs, langweilige und langwierige Kriminalgeschichte mit lahmer Auflösung. Leider eine verschenkte Chance. Jedoch ein Autor, den man sich merken sollte.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Jude und ein SS-Soldat als Ermittlerteam, 3. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Germania: Roman (Kindle Edition)
„Germania“, der erste Roman von Harald Gilbers, spielt in den Monaten Mai und Juni 1944 in Berlin. Hauptperson ist Richard Oppenheimer, ein ehemals sehr erfolgreicher Ermittler der Berliner Mordkommission. Er ist einer der wenigen Juden, die es in Berlin noch gibt, da er mit einer „arischen“ Deutschen verheiratet ist. Doch täglich muss er ums Überleben bangen. Da er seinen Beruf seit Jahren nicht mehr ausüben darf, kommt es für ihn besonders überraschend, als er ausgerechnet von SS-Hauptsturmführer Vogler als Berater zu den Ermittlungen an einer bestialisch verstümmelten Frau hinzugezogen wird, die sich bald um einige weitere Morde mit ähnlichen Begleitumständen ausweitet.

Auf der einen Seite will Oppenheimer nicht gemeinsame Sache mit dem Nazi-Regime machen, auf der anderen Seite hat er aber keine andere Wahl. Außerdem reizt ihn die Möglichkeit, dem Zwangsdienst in der Wehrindustrie zu entkommen und vorübergehend wieder seinem ihm seit Jahren verbotenen alten Beruf nachgehen zu können. An einer Stelle der Ermittlungen lernt Oppenheimer sogar den Propagandaminister Goebbels kennen, der erkennt, dass für den Kommissar als Jude die Ermittlungsarbeit häufig erschwert ist. Daher erlässt Goebbels die skurrile Anordnung, dass Oppenheimer bis zum Ende der Untersuchung „von der Zugehörigkeit zum jüdischen Volk suspendiert“ ist.

Zum einen fand ich den Kriminalfall sehr spannend. Auf der anderen Seite erfährt man bei der Lektüre sehr viel Details über das Leben in Berlin während der NS-Herrschaft. Das tägliche Leben der Berliner Bevölkerung während der permanenten Bombenangriffe mit ihren verheerenden Zerstörungen ist sehr anschaulich beschrieben. Es wird sehr deutlich, an welchem seidenen Faden das Leben der noch wenigen in Berlin verbliebenen Juden hing. So gibt es eine Szene, in der Oppenheimer bei der Verfolgung des Mörders von einem Trupp Heranwachsender der Hitlerjugend aufgegriffen und beinahe gelyncht wird, da diese ihn als Juden verantwortlich für die Luftangriffe machen.

Etwas verwundert war ich, in „Germania“ auf zwei Details zu treffen, die ich aus den kürzlich erschienenen Krimis von Bela Bolten kenne, die ebenfalls in Berlin zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs handeln. So wird zum einen der „Rosenstraßenprotest“ aufgegriffen, in dem einige hundert Frauen mutig und erfolgreich die Freilassung ihrer verhafteten jüdischen Angehörigen forderten (siehe „Der Aufbewarier“ von Bela Bolten). Und auch die Pension Schmidt („Salon Kitty“), spielt in „Germania“ eine Rolle. In diesem Edelbordell arbeiteten Agentinnen, die von der Waffen-SS ausgebildet wurden, als Prostituierte, um ihre hochgestellte Kundschaft auszuspionieren (siehe „Codewort Rothenburg“ von Bela Boten). Ich vermute, dass Harald Gilbers hier nicht von Bela Bolten abgeschrieben hat, sondern diese kleinen Parallelen einfach auf seine gründliche historische Recherche zurückzuführen sind.

Insgesamt fand ich den Krimi vor der beschriebenen historischen Kulisse sehr gelungen. Das Ende - das im übrigen besonders spannend ist und mit einer plausiblen Lösung aufwartet - lässt es offen, ob Richard Oppenheimer auch in einem weiteren Fall ermittelt, worüber ich mich sehr freuen würde.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Mörder..Nationalsozialisten..Langweilig, 29. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Germania (Taschenbuch)
Ich habe das Buch geschenkt bekommen, demnach also weder Rezensionen oder den Autor selbst gekannt.

Anfänglich hat sich das Buch seeehr gezogen.. da ich jedoch jedes Buch bis zum Schluss durchlese habe ich es auch hier getan. Zum Glück, da ab Mitte die Geschichte an Dynamik zunnahm.. die Suche nach dem Mörder und seinem Motiv wurden interessant. Jedoch war das Ergebnis bzw der eigentliche Schluss eher ernüchternd und sehr enttäuschend.

Alles in allem kann man "Germania" gerne mal lesen aber es wird meiner Meinung nach zu sehr gehypt. Es spielt im Dritte Reich, ja aber mehr bekommt man auch nicht mit. Das gefürchtete Dritte Reich tritt in dieser Story eher als nicht gerade freundliches Regime auf die Bühne aber nicht als die Abscheulichkeit die es war. Vielleicht wollte Herr Gilbers damit die Brutalität des Mörders in den Mittelpunkt stellen.. weder er als auch die eigentlich furchtbare Atmosphäre des Zweiten Weltkrieges nehmen jedoch Überhand und so liest sich das Buch eben so dahin.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fesselnder Lesespaß für Jung und Alt, 28. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Germania (Taschenbuch)
Harald Gilbers schildert auf spannende und auch sehr gefühlvolle und rührende Art und Weise das Leben und Leiden im zerbombten Berlin während der Zeit des Nationalsozialismus.
Nicht nur für Geschichtslehrer/innen wie mich ein packender Roman, den man, sowohl als Urlaubslektüre als auch an kalten Herbst und Winterabenden bei einem beruhigenden Glas Tee (den man für die Nerven gut gebrauchen kann ;o) ), nicht mehr zur Seite legen kann. Man taucht in eine andere Welt ein, die für unsere moderne Zeit kaum noch vorstellbar ist und fühlt förmlich die Bedrohung des Krieges und der vorherrschenden Kriminalität, sowie des Antisemitismus, die einen erschaudern lassen und nachdenklich machen.
Ich hoffe sehr, dass es eine Fortsetzung geben wird und uns Kommissar Oppenheimer noch öfter begegnen wird. Eine starke Figur, von einem starken Autor.

Fazit: Pflichtlektüre! :o)
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierendes Stück Geschichte, spannend verpackt in Kriminalroman-Form!, 23. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Germania (Taschenbuch)
Berlin, 1944. Der Jude Richard Oppenheimer und seine Frau Lisa leben in der zerbombten Reichshauptstadt, in einem der sogenannten Judenhäuser". Oppenheimer hat das Glück, mit einer arischen Frau verheiratet zu sein und ist somit bisher der Deportation ins KZ entgangen. Eines Nachts scheint es aber so weit zu ein, als ein Mann vom Sicherheitsdienst in ihrer Wohnung auftaucht und Oppenheimer auffordert, mitzukommen. Doch dann wird er zum Fundort eines Mordopfers gefahren und SS- Hauptsturmführer Vogler fordert ihn an, um den Mordfall aufzuklären. Vor der NS-Zeit war Oppenheimer ein erfolgreicher Kriminalkommissar und Vogler will den jetzigen Fall unter allen Umständen aufklären, dafür nimmt er auch die Mithilfe eines Juden in Kauf. Abgesehen davon, dass Oppenheimer keine Wahl hat, wird ihm schnell klar, dass das für ihn eine besondere Chance ist und schnell erwacht auch sein altes Jagdfieber wieder und er stürzt sich in die Arbeit.

Doch was hat es mit den Morden auf sich? Offensichtlich handelt es sich um einen Serientäter, doch warum verstümmelt er den Genitalbereich seiner Opfer und legt sie immer wieder vor Denkmälern der Opfer des Ersten Weltkriegs ab? Vogler und Oppenheimer ermitteln lange Zeit recht erfolglos, bis sich nach und nach ein Bild des Täters herauskristallisiert.

Oppenheimer ist eine interessante Figur, ebenso wie SS-Mann Vogler, der für mich wenig greifbar blieb und daher umso spannender wirkte. Aber auch die Nebenfiguren und deren Geschichten und Schicksale tragen ihren Teil dazu bei, dass "Germania" ein ganz besonderer historischer Kriminalroman ist.

Man merkt dem Buch an, wie intensiv sich der Autor mit der Geschichte der damaligen Zeit befasst hat. Der Kriminalfall an sich war durchaus spannend und unterhaltsam, für mich aber nicht das Highlight dieses Buches. Dies war ganz klar die akribisch recherchierte und intensiv beschriebene Atmosphäre Berlins im Jahr 1944. Dass es zu dieser Zeit noch eine ganze Reihe bekannter und geduldeter Juden in der Stadt gab, hat mich überrascht, entspricht aber den Tatsachen, genauso wie viele andere Details, die der Autor geschickt in die Handlung einfügt und um die herum er seinen Fall aufbaut.

Für mich ein absolut faszinierendes Stück Geschichte, spannend verpackt in Kriminalroman-Form!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine empfehlenswerte Zeitreise, 17. Dezember 2013
Rezension bezieht sich auf: Germania (Taschenbuch)
Die Spannung, die alleine schon in diesem ungewöhnlichen Thema bzw. Konstrukt steckt, findet sich fast durchgehend im Roman wieder. Anfangs ist man jedoch etwas erstaunt. Der ca. 50jährige Oppenheimer lebt mit seiner Frau und anderen jüdischen Familien in einem sogenannten Judenhaus, sie sind bei den Behörden registriert und bekannt, Oppenheimer bewegt sich relativ frei in Berlin und geht einer regelmäßigen (Zwangs-)Arbeit als Maschinenputzer in einer Fabrik nach. Obwohl Mitte 1944 ganz Europa nach den letzten noch lebenden Juden durchkämmt wird, lebt der Protagonist mit seiner Frau relativ unbehelligt mitten in Berlin. Sie leiden zwar unter Diskriminierung, unter willkürlichen Hausdurchsuchungen, einer strengeren Rationierung von Lebensmitteln und sonstigen Gütern, arbeiten zwangsverpflichtet und gelegentlich wird auch eine Nachbarsfamilie von der Gestapo abgeholt, aber insgesamt betrachtet scheint der Druck nicht so hoch, als dass man sich ernsthaft sorgen oder etwas unternehmen müsste. Das überrascht zunächst einmal.

Bei näherer Betrachtung der historischen Tatsachen jedoch stellt sich heraus, dass es 1944 eine derartige jüdische Lebenswirklichkeit in Berlin tatsächlich gegeben hat. Der Autor hat penibel und umfangreich recherchiert. Was diese Lebenswirklichkeit einiger sehr weniger Juden angeht, bezieht er sich auf mehrere überlieferte Tagebücher jener Zeit, allen voran denen von Victor Klemperer. Realhistorisch handelte es sich um ca. 1.700 Juden (von ehemals 153.000 Berliner Juden), die in gewisser Weise privilegiert sind, vorwiegend weil sie mit einem "arischen" Partner verheiratet sind. So auch unser Held Oppenheimer, dessen Frau Lisa "Arierin" ist. Diese Wenigen stehen unter einem gewissen Sonderstatus durch ihre Ehe (der jedoch 1945 auch nicht mehr maßgeblich war).

So erleben wir in GERMANIA also die alltägliche Lebenswirklichkeit eines relativ unbehelligt, wenn auch vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen lebenden "arisch versippten" Juden. Und dieser Richard Oppenheimer, einst ein erfolgreicher, inzwischen vom Dienst suspendierter Mordkommissar wird nun von einem SS-Hauptsturmführer angeheuert, ihm bei der Aufklärung einer geheimnisvollen Mordserie zu helfen, mit der dieser SS-Mann überfordert ist. Er ist kein Kriminalist sondern Soldat. Er wurde von der Ostfront abkommandiert und durch die Intrigen eines Konkurrenten mit der Befassung solcher Kriminalfälle betraut - eine (gewollt arrangierte) Karrieresackgasse. Aber aus dieser hofft er wieder herauszukommen, wenn er diese, den üblichen Rahmen sprengende Mordserie aufklärt.

Und so arbeiten ein SS-Hauptsturmführer und ein Jude gemeinsam als Team mitten im von ständigen Bombenangriffen heimgesuchten Zentrum der noch existierenden nationalsozialistischen Macht. Das ist nicht nur ein äußerst interessantes Konzept für einen spannenden Krimi sondern es glänzt auch noch mit einem sehr faktenorientiertem Realismus, der einen manchmal überrascht.

Gilbers webt viele ungewöhnliche und überraschende Ergebnisse seiner umfangreichen Recherchen geschickt in die Geschichte ein. Dazu kommt die Tatsache, dass auch alle die Handlung begleitenden Geschehnisse real sind. Wird das Ermittlungsteam in einer Szene von einem britischen Bomberangriff überrascht, so hat es diesen damals an jenem Tag zu jener Stunde auch tasächlich gegeben. Gilbers historische Treue geht in jedes Detail, bis hin zum Wetter. Das untermauerte den Lesegenuss noch über die eigentliche Story hinaus, da ich als Leser ständig das Gefühl hatte, das Berlin der Frühsommertage 1944 selbst zu erleben statt es nur zu lesen. Dieses Gefühl des Erlebens verstärkt Gilbers durch seine Fähigkeit, seine Sprache mit der jeweiligen Szene zu modifizieren. Er (be)schreibt eine Szene mit Jugendlichen anders als eine mit Parteifunktionären. Seine Art zu formulieren, bestimmte Wörter einzubinden, Sprachtempo und -klang passten sich stets der Szene an. Das ist wirklich eine Kunst, und sie führt eben dazu, dass man eine Szene fühlen kann und nicht nur lesen und verstehen. Gilbers Schreibkunst war ein Genuss.

Etwas getrübt wurde dieser Genuss für meinen Geschmack von der meines Erachtens nicht ganz konsequent durchdachten Motivation oder Handlungsweise einiger Akteure. Ich kann hier nicht näher darauf eingehen, weil ich sonst vom Inhalt zu viel verraten würde. Aber weil es darunter einen zentral wichtigen Punkt gab, ergab das für mich leider einen Minuspunkt bei ansonsten sehr vielen Pluspunkten. Alles andere an und in diesem Roman hat 5 Sterne verdient. Der wichtigste Pluspunkt: Dieser Debütroman von Harald Gilbers zwang durchgehend zum Weiterlesen. Er fesselte mich nicht nur, er bot mir darüber hinaus ein sonst ungewöhnlich realistisches Zeitreiseerlebnis und -wie gesagt- den Genuss einer kunstvollen Sprache. Meine Empfehlung: Unbedingt lesen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein jüdischer Kommissar unter dem Hakenkreuz, 12. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Germania (Taschenbuch)
Ein jüdischer Kommissar unter dem Hakenkreuz
Als Jude fristet Richard Oppenheimer in der Hauptstadt Deutschlands ein gefährliches Leben. Unter Goebbels Propaganda und Hitlers Regime leidend, lebt er in der ständigen Angst, dass er irgendwann depotiert wird wie so viele andere. Gemeinsam mit seiner arischen Frau Lisa wohnt er im Judenhaus, die wichtigsten Habseligkeiten in einem Koffer, unter den ständigen Bombenhagel der Feinde Hitlers.
Für Oppenheimer ist klar, dass irgendwann die Gestapo vor seinem Bett stehen würde um ihn mitzunehmen. Doch die Gestapo will ihn nicht aus der Welt schaffen, sondern führt den ehemaligen Kommissar zu einem Tatort. Er soll als Berater für eine Ermittelung dienen, die den Mord an einer Frau aufklären will. Ihre Geschlechtsteile sind herausgeschnitten und ihr Leichnam vor einem Kriegsdenkmal abgelenkt worden. Für Oppenheimer steht fest, dass er es hier mit einem Serienmörder zu tun haben und es nicht sein erster Mord gewesen sein konnte. Gemeinsam mit Vogler, Mitglied der SS, muss er den Fall aufklären, im Nacken die Gewissheit, dass es sein letzter Fall in seinem Leben sein könnte und der Wichtigste in seiner Karriere.

Ein historischer Kriminalroman steht immer vor einer großen Disziplin: Seinen Fall in die geschichlichen Kontext zu setzen. Harald Gilbers erzählt die Geschichte eines jüdischen Kommissars, der unter dem Hakenkreuz ermitteln muss, gegen jemanden, der aus seinem Hass zu Juden keinen Hehl macht. Eine verzwickte Lage für den Kommissar, der selbst Jude ist und zu diesem Fall nur als Hilfe berufen wurde. Eine Hilfe auf Zeit wie er weiß. So abwegig es vorerst klingt, schafft es Harald Gilbers diesen Umstand so nahtlos in den historischen Rahmen zu setzen, dass er glaubhaft wirkt. Er schafft daraus eine Konflitksituationen schon Beginn an, bei dem der Leser gleich auf zwei Punkte angesetzt wird: Den Morfall und die Judenverfolgung. Beides verknüpft er gekonnt zusammen und schafft ein dichtes Netz, welchen man sich als Leser nicht entziehen kann.
Bei jeden Schritt, den Oppenheimer stärker vorangeht, will man ihn zurückdrängen, ihm klar machen wie sein Leben am seidenen Faden hängt. Schon allein die Tatsache, dass er seine Ermittlungen mit seinen SS-Offizier durchführen muss, lehrt den Leser das Fürchten und schafft eine beklemmende Situation. Während die beiden den Serienmörder auf der Spur sind, versucht das vom Krieg gebeutelte Berlin alle Kräfte noch zu mobilisieren, die es gibt. Dabei lässt Harald Gilbers nichts aus, bringt historische Fakten den Leser nahe und spiegelt gleichzeitig das Lebensgefühl dieser Zeit wieder. Man hat das Gefühl, man sieht die Geschichte durch einen monochromen Filter, der einen die Grausamkeit des Krieges und des Holocoust aufzeichnet ohne emotionalen Weichzeichner oder übertriebene Dramatik. Die blanke Realität und die Atmosphäre rauben einen den Atem und man staunt wie klar und genau der Autor recherchiert hat. Bis in kleinste Detail konzentriert er sich auf das Jahr 1944, datiert die Ereignisse und fügt sie wie Randnotizen ein, spielerisch und unaufdringlich. Noch nie spürte man den Krieg so sehr wie in diesem Roman, obwohl hier ein Kriminalfall die Hauptrolle spielt.
Und der Fall arbeitet mit allen Tricks und Kniffen um den Leser und seinem Protagonisten das Runzeln auf die Stirn zu treiben. Wenn man das Gefühl hat, der Lösung nahe zu sein, entgleitet sie wieder und neue Abgründe tun sich auf. Falsche Fährten führen den Leser wie den Ermittler in die Irre und das Fehlen und Züruckhalten von Informationen machen es Oppenheimer schwer den Fall in allen seinen Details zu überblicken. Der Leser hingegen sieht die Welt in der Oppenheimer lebt aus seinem Betrachtungswinkel, bekommt hin und wieder Einblick in die Perspektive eines Anderen, und fühlt die Stagnation der Ermittelung selbst immer wieder. Das hier sogar psychologische Prozesse einfließen, die sich mit der damaligen Forschung und den herrschenden Erkenntnissen verknüpfen, zeigt die Detailfreude des Werkes. Mit Hilde, Ärztin mit losen Mundwerk und Liebe zur Psychologie, speziell der Psyche von Mördern, wird ein Gegenpol für Oppenheimers ruhige Art geschaffen, die der Geschichte noch mehr an Finesse verleiht. Ihr starker und vorlauter Charakter erfreut nicht nur den Leser, sondern zeigt auch immer wieder auch die Ecken und Kanten von Oppenheimer auf. Das Menschliche geht ihm nicht verloren, trotz aller Verbitterung, die viele Charaktere verspüren in den Trümmerhaufen, in denen sie leben. Sie passen zu ihrer Zeit, verhalten sich zeitgemäß und fügen sich nahtlos in das Konstrukt des Kriminalromans. Bei vielen wird klar, dass die Einteilung in Böse und Gut gar nicht so einfach ist. Dass man manchen Leuten schwer die Fehler vorwerfen kann, die sie begehen müssen um sie überleben und ist doch erschrocken wie grausam sich manche den Parolen angepasst haben.
Die Erzählsweise ist dabei so leicht und gleichzeitig so anspruchsvoll, dass man als Leser an den Seiten hängen bleibt. Eine Stimme, ruhig und betont, die eine Sprache spricht, die sich von großen Spielereien löst und die Dinge auf den Punkt bringt, Plastizität erschafft und vollkommene und klare Bilder produziert. Passend zur jeweiligen Perspektive, wird sprachlich abgeändert und der ruhige Ton Oppenheimers ändert sich, sobald die Emotionalität die Oberhand gewinnt, wird rasanter, wenn der Leser den Atem anhält und einfühlsam, wenn es um das Leid geht.
All diese Elemente schaffen einen großartigen Kriminalroman, zur Zeit des zweiten Weltkrieges, der sich perfekt in seine Zeit einfügt. Aufwühlend, beklemmend und unglaublich detailreich. Bis zum Schluss ist man sich nicht sicher, über das Ende, über den Tathergang, über die Wahrheit des Falls und vor allem über Oppenheimers Schicksal, welches immer in der Schwebe steht. So sollte ein Historienkrimi sein!

Fazit
Harald Gilbers erzählt in "Germania" eine aufwühlende und beklemmende Kriminalgeschichte über einen jüdischen Kommissar, der unter den Hakenkreuz ermitteln muss. Herausragend recherchiert, voller Detailfreude und unglaublich authentisch bildet er eine Zeit ab, in der der Tod auf den Straßen herumlief. Eine rasante und spannende Geschichtsstunde, die man nicht so schnell vergisst und sich nicht entgehen lassen sollte. Unabhängig davon, ob man Krimi- oder Historienfan ist!
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Germania: Roman
Germania: Roman von Harald Gilbers
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