Kundenrezensionen


27 Rezensionen
5 Sterne:
 (12)
4 Sterne:
 (5)
3 Sterne:
 (1)
2 Sterne:
 (5)
1 Sterne:
 (4)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


38 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was zu erwarten war....
.... ist natürlich eingetreten; sowohl in der Bewertung der vorliegenden Aufnahme in diesem Forum und in der allgemeinen (professionellen) Kritikals auch in der Besprechung der zeitgleich stattfindenden Aufführung der Oper in Salzburg.
Zunächst einmal werden sich an einer Sängerin wie Cecilia Bartoli immer die Geister scheiden. Entweder man mag...
Vor 16 Monaten von Ingo Scharrenbroich veröffentlicht

versus
36 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein interessanter Irrtum!
Eine neue Norma-Aufnahme verdient immer eine gewisse Aufmerksamkeit. Erst recht, wenn Cecilia Bartoli sich der Titelpartie angenommen hat und sich damit das Belcantofach erobern will. Zunächst aber zu ihren Kollegen: Giovanni Antonini animiert das Orchestra La Scintilla zu einem schlanken, aber explosiven Spiel. Bereits in der Ouvertüre ist er sehr schnell...
Vor 16 Monaten von Orientalist veröffentlicht


‹ Zurück | 1 2 3 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

38 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was zu erwarten war...., 19. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Bellini: Norma (Audio CD)
.... ist natürlich eingetreten; sowohl in der Bewertung der vorliegenden Aufnahme in diesem Forum und in der allgemeinen (professionellen) Kritikals auch in der Besprechung der zeitgleich stattfindenden Aufführung der Oper in Salzburg.
Zunächst einmal werden sich an einer Sängerin wie Cecilia Bartoli immer die Geister scheiden. Entweder man mag ihre zuweilen herbe, immer sehr persönliche Herangehensweise an ihre Rollen und ihren immer mit sehr viel Aufwand betriebenen "Überbau" bei ihren Projekten - oder man mag es halt nicht.
Aber eines hat Bartoli doch konsequent (seit ihrem Vivaldi Album) doch anders und besser gemacht als alle anderen Mitbewerber, Jordi Savall (der ähnlich faszinierende Konzeptalben produziert) einmal ausgenommen: Anstatt ein Arienalbum nach dem nächsten ohne inneren Sinn und Zusammenhang abzuliefern, gestaltet sie doch sehr kluge Programme mit viel Hintergrund, macht auf so manche unentdeckte Rarität aufmerksam, und kann somit sogar Arien von Agostino Steffani verkaufen; wer hat ähnlich gute Zusammenstellungen anzubieten? Und wenn, dann bleiben die Ergebnisse immer ein wenig hinter den Alben von Bartoli zurück (Kermes, Fleming,Jaroussky etc.).
Und nun, nach dem sehr erfolgreichen "Maria" Album und der durchaus zwiespältig aufgenommenen "Sonnambula" nun das Schlachtross der dramatischen Oper schlechthin, "Norma".
Bartoli macht auch dieses Mal marketingtechnisch alles richtig: Sie lässt das Album zeitgleich mit der Salzburger Pfingstaufführung auf den Markt bringen, gibt erklärende Interviews in der überregionalen und internationalen Presse, bezieht bei ihrer Interpretation die neue kritische Ausgabe des Werkes mit ein etc. etc.
Alls wohl durchdacht und es lässt sich im gesamten Konzept auch kein Haken finden. Es leuchtet mir ein, daß es gerade einer Säule des Opernrepertoires nicht anders gehen kann als es Norma erging: Schicht um Schicht wird das Original überlackiert, gefirnisst und verändert; es sieht im Rückblick dann aus wie die Fresken in der sixtinischen Kapelle, deren knallige Farbigkeit nach der Restauration wie ein Schock wirkte. So versuchen die Interpreten an "Norma" heranzugehen; ganz so geschockt ist man nach dem Anhören der vorliegenden Norma Aufnahme nicht. Aber daß Bellini eben doch näher an Rossini war als am späten Verdi, was nicht zuletzt die Rollenbesetzung suggerierte, wird hier offenbar. Das Norma von "enzyklopädischem Charakter" sei (was immer das eigentlich bedeutet...) wird hier niemand behaupten; das es auch leichter, transparenter und direkter geht als sonst doch immer so gewohnt wird aber ebenso klar. Natürlich muß die Norma nicht komplett neu überdacht werden. Aber daß leichtere Stimmen dieses Drama überzeugend interpretieren können wird überzeugend klar. Und daß man das (mir geht es da immer so) eigentlich etwas abständige "bigger than life" Drama mit einer immer am Rande der Hysterie agierenden Titelheldin als reine Kolportage empfindet? Mich berührt diese menschliche Dimension auf jeden Fall sehr.

Cecilia Bartoli singt die Norma natürlich in ihrer Manier; ihre eigentlich sehr kleine Stimme lebt von den sehr konsequent eingesetzten Pianophrasen, von der Verinnerlichung der Partie; zugegeben, die erregten Ausbrüche der eifersüchtigen Frau klingen mit ihrem sehr charakteristischen Mezzo doch zuweilen etwas meckerig, aber das ist eigentlich nichts Neues, diese Art zu singen ist schon auf ihrer ersten Aufnahme zu hören. Und dennoch berührt mich persönlich ihr Gesang, ist eben nicht nur ein Vehikel, zumal sie technisch die Partie wirklich im Griff hat.
Warum man Sumi Jo so hartnäckig als langweilige Sängerin tituliert ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Diese Künstlerin hat es geschafft, ihre Stimme im Laufe ihrer nunmehr recht langen Karriere bemerkenswert frisch zu erhalten, singt technisch wirklich makellos, phrasiert elegant und eben nicht langweilig, die Duette mit Bartoli stellen hier wirklich den Höhepunkt der Aufnahme dar. Daß man mit John Osborne den Pollione mit einem Rossini Tenor besetzt, der ansprechend und technisch ebenso versiert singt, ist da nur folgerichtig und im Gesamtkonzept stimmig.
Auch orchestral wird einiges anders gestaltet als bisher gewohnt.
Daß dies nicht allen Hörern gefällt oder gefallen kann - richtig. Aber es ist doch erfrischend zu sehen, daß auch liebgewonnene Hörgewohnheiten sich hinterfragen und ändern lassen; daß es auch bei tausendfach repetierten Repertoireschlagern gelingt ihnen noch neue Seiten abzugewinnen und sie - wie hier - durch eine kritische Befragung der Aufführungstradition in eine neue Interpretation geführt werden.
Daß ist nun weder unpersönlich noch schlecht - es ist anders, und es muß nicht jedem gefallen. Und wenn ich bedenke wie sich unser Eindruck und unsere Wahrnehmung von Barockmusik geändert hat seitdem die historische Aufführungspraxis diese Musik für sich okkupiert hat, und welche Kämfe da geführt wurden: Es könnte uns in Bezug auf das romantische Repertoire noch einiges bevor stehen.

Fazit:
-> Die Sänger, voran Cecilia Bartoli, interpretieren die Musik weniger als aufgeblähtes Drama denn als menschliche Tragödie, und gewinnen der Musik so viele neue Facetten ab. Dies auf stimmlich hohem Niveau mit den - zumal bei Bartoli - bekannten stimmtechnischen Eigenheiten.
-> Orchestral wird einiges erfrischend anders als gewohnt dargeboten, zumal in Bezug auf die gewählten (originalen) Tempi und der etwas veränderten Klanggestalt durch die Verwendung von Originalinstrumenten
-> Alles in allem eine höchst spannende und anregende Neuaufnahme und willkommene Ergänzung der bisherigen Norma - Diskographie, ohne an der Qualität der großen Rollenvorgängerinnen etwas zu ändern oder diese überflüssig zu machen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


36 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein interessanter Irrtum!, 18. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Bellini: Norma (Audio CD)
Eine neue Norma-Aufnahme verdient immer eine gewisse Aufmerksamkeit. Erst recht, wenn Cecilia Bartoli sich der Titelpartie angenommen hat und sich damit das Belcantofach erobern will. Zunächst aber zu ihren Kollegen: Giovanni Antonini animiert das Orchestra La Scintilla zu einem schlanken, aber explosiven Spiel. Bereits in der Ouvertüre ist er sehr schnell unterwegs und setzt auf knallige Effekte und scharfe Konturen. Mit John Osborn ist der Pollione sehr leicht besetzt, was der Charakterisierung der ohnehin schwachbrüstigen Rolle nicht unbedingt gut tut. Das Timbre bietet aber einige Schönheit und im oberen Register muss man nicht um die Töne fürchten. Sumi Jo ist als Sopran-Adalgisa das was sie immer war: Eine schön singende, aber leider vollkommen langweilige Sängerin. Dennoch: In „Mira, o Norma“ mischt sich ihre Stimme in fast magischer Weise mit der von Cecilia Bartoli.
Frau Bartoli ist in der Rolle der Norma ein höchst interessanter Irrtum. So richtig es sein mag, die Partie mit einem Mezzo zu besetzen (Giuditta Pasta!) so sehr fragt sich doch, ob dieser nicht mehr Fundament und Gewicht haben sollte, als die doch allzu klein dimensionierte Stimme von La Bartoli.
Im Einzelnen: Die melismatischen Passagen des „Casta Diva“ bewältigt sie mit imponierender Sicherheit und ohne jedes Problem. In der Cabaletta „Ah! Bello a me ritorna" kann sie durchaus mit dramatischer Spannung überzeugen, wobei diese immer auch eine Tendenz zur Überspanntheit hat. In den großen darauffolgenden Konfrontationen mit Adalgisa und Pollione bemüht sie sich redlich und singt, wie immer, mit großem Engagement. Auch hier gefällt wieder ihre technische Versiertheit, wobei man sich zuweilen des Eindrucks nicht erwehren kann, dass sie die Koloraturen großartig herunterbuchstabiert, sie aber nicht zum formativen Element ihrer Gestaltung werden (vgl. „Oh non tremare, o perfido“). Auch hier wieder viele exaltierte Gesten und das Bemühen um Ausdruck, der leider ein Äußerlicher bleibt. Im Adalgisa/Norma-Duett gelingt das Zusammenspiel jedoch hervorragend, sicher ein Höhepunkt der Aufnahme. Das Duett mit Pollione („In mia man“) ist leider ein trauriger Tiefpunkt. Bartoli bleibt hier weit hinter den meisten ihrer Kolleginnen zurück. Die Stelle „Solo? Tutti! I Romani a cento a cento, fian mietuti, fian distrutti, e Adalgisa…“ verpufft ohne jede Wirkung. Warum sie sich dann auch noch den con-furore-Triller auf „Adalgisa“ spart, bleibt ihre Geheimnis.
Das Finale versöhnt wieder etwas. Bartoli kann in den verhaltenen Passagen überzeugen und auch Osborn überrascht mit schönem Piano („Sublime donna, io t'ho perduta!“).
Alles in allem ist die Aufnahme für all’ jene eine Anschaffung wert, die bereits einige andere Einspielungen besitzen. Für eine Referenzaufnahme reicht das Gebotene nicht!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen belanglos, 3. Juli 2013
Von 
Wilhelm Kaiser "Alexander" (Wiesbaden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Bellini: Norma (Audio CD)
Die kontrovers geführte Diskussion über Cecilia Bartoli als Norma zeigt die Schwierigkeiten einer einhelligen oder wenigstens überwiegenden Meinungsbildung mit Überzeugungskraft auf. Cecilia Bartoli ist eine sympathische, intelligente und überragende Künstlerin, mit vielen Talenten gesegnet. Ihre darstellerischen und stimmlichen Möglichkeiten sind ganz fabelhaft, aber als Norma hat sie sich einer Rolle angenommen, mit der sie schlicht und einfach überfordert ist. Die moderne elektronische Unterstützung kann über manche Klippe hinweghelfen, aber sie ist trotzdem kein Allheilmittel. Vor allem große Künstlerinnen und Künstler leisten sich den schlechtesten Dienst, wenn sie ihre Grenzen nicht kennen und diese quasi verletzen. Die auf Cecilia Bartoli als Norma angestimmten Loblieder sind mir unbegreiflich, soweit nicht nur Marketingstrategien des Musikverlags ihre Wirkungen entfaltet haben mögen. Wenn von der Kritik teilweise vorgeworfen wurde, Frau Bartoli rolle zu stark den Buchstaben R, kann ich das so nicht teilen, weil gerade die Akzentuierung des R ein wichtiges und probates gesangstechnisches Mittel ist. Aber das ist nur ein kleines Detail. Von Giuditta Pasta und Jenny Lind kennen wir nur legendäre schriftliche Überlieferungen. Maria Callas hatte der Figur der Norma ein solches Leben eingehaucht, dass man unwillkürlich zu sagen geneigt ist, sie ist Norma. Für große Überzeugungskraft hatte danach noch Elena Souliotis gesorgt. Selbst Joan Sutherland kann nicht wirklich überzeugen, da sie - trotz großer Stimme mit der Befähigung zu dramatischen Spitzen - eine cremige Klangfärbung in das Zentrum ihrer Interpretation stellte. Die pastose Klangschönheit als wesentliches Ausdrucksmittel wirkt mit der Zeit ermüdend und langweilig – im Gegensatz zur Callas, die auch vor hässlichen Nuancierungen nicht zurückscheute, aber wie kaum eine andere ihren Figuren pulsierendes Leben einhauchte. Bei Cecila Bartoli habe ich den Eindruck, dass sie einmal ihre Grenzen ausprobieren wollte, bei großen Künstlern schon immer ein heikles Unterfangen. Ihre Darstellung wirkt aufgesetzt. Vor allem aber ist ihre Stimme zu klein, und bei den verschiedenen Lobliedern, die diese Tatsache offenkundig kaschieren wollen, scheint kühner Fantasie keine Grenzen gesetzt. Störend sind ihre eigenartigen Koloraturen, die nicht natürlich, sondern überhastet und stakkatoartig erscheinen. Die erotische und natürliche Ausstrahlung der Sängerin halte ich als ausschlaggebend für ihren Erfolg, aber das wird kaum auf Dauer ausreichen. Der Tenor John Osborn, der den Pollione verkörpert, singt klangschön und suggeriert den Eindruck, dass es sich bei Pollione um ein Weichei handelt. Nicht im Entferntesten kann er beispielsweise an Franco Corelli oder gar Mario del Monaco und deren Überzeugungskraft heranreichen. Leider hat die Partie des Pollione unter schwachen Interpreten sehr gelitten, bis auf die beiden letztgenannten Protagonisten versteht sich. Seit dem Aussterben der Gattung von Tenören, die auch mit großer Strahlkraft ihre Partien vergolden konnten, und vor allem ein bestimmter Kritiker und Gesangsprediger den lyrischen Schönklang als wahres Mittel der tenoralen Gesangskunst apostrophiert, erlebt der Konzert- und Opernbesucher einen Niedergang in der Weise, dass ihm fast ohne Ausnahme nur noch um klangliche Schönheit bemühte Tenöre begegnen, die teils ohne Rücksicht auf die psychologische Deutung der Partie mehr oder weniger in schrecklicher Weise knödeln.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Überraschend? Ja! - Aber überragend?, 16. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Bellini: Norma (Audio CD)
Ich gebe zu, dass ich persönlich sehr lange auf die Veröffentlichung einer Normaeinspielung mit der Bartoli gewartet habe. Ich hatte nie das Glück, sie live in dieser Partie zu hören, habe aber die Berichterstattung (die ebenso polarisierend ausfällt wie die Rezensionen der vorliegenden Aufnahme) mit Spannung und Vergnügen verfolgt.
Da ist sie nun - und jetzt?
Um eines mal vorweg zu nehmen, man muss schon ziemlich mit tradierten Hörgewohnheiten brechen, damit man sich voll auf diese Norma einlassen kann. Sie ist nicht die erste Mezzosopranistin, die sich an dieser Partie versucht und auch Sumi Jo nicht die erste Sopranistin, die in der Partie der Adalgisa für sich einnehmen kann. Aber der Reihe nach!
Maestro Antonini rauscht mit dem hervorragend disponierten Orchester zeitweilen durch die Partitur, dass es nur so kracht; das führt aber auch unweigerlich dazu, dass die eine oder andere Klangfarbe unerwartet daherkommt, manches aber auch einfach nur klanglich durchgehudelt wird (man höre sich nur die Streicher in der Preghiera der Ouvertüre an).
Michele Pertusi klingt als Oroveso teilweise sehr abgesungen und überzeugt nicht so sehr.
John Osborn kommt aus dem Rossinifach und man mag den Machern dieser CD ein großes Danke schön für diese Besetzung zurufen, kommt sie doch dem Sänger der Uraufführung Donzelli wahrscheinlich näher als jede hemdsärmelige Tenorbesetzung heutiger Tage. Andras Batta charakterisiert in seinem Werk "Opera" den Pollione wie folgt: Auch der sündhafte Pollione ist kein Bösewicht, sondern eher ein schwacher Mann, der nur durch Normas Größe und durch den gemeinsamen Flammentod zum Helden wird. Insofern ist diese Besetzung relativ konsequent und folgerichtig.
Normas Größe - bitte nicht gleichzusetzen mit Steherqualitäten überdramatischer Sopranistinnen, sondern dabei geht es um zu phrasierende Feinheiten in dieser vielschichtigen Gesangspartie, die einer Sängerin außer Kraft noch kluge Disposition und feines Gespür für Gesangsästhetik abverlangen. All das bewältigt die Bartoli klug und meistenteils durchdacht - lediglich gegen Ende verliert die Bartoli ein wenig den Faden und das Gespür für den durchdachten Gesangsstil.
Sumi Jo kommt bei den Rezensionen überraschend schlecht weg, gelingt es ihr doch der Adalgisa Farben abzugewinnen, die um einiges zarter und vor allem auch mädchenhafter gestrickt sind als vielen ihrer Kolleginnen.
Was bleibt nun von dieser Einspielung? Zum einen eine gute Alternative zu den Aufnahmen, die man von der Norma einfach haben sollte, zum anderen aber auch die Hoffnung, dass dieser musikalische Ansatz, der weitgehend überzeugen kann, die Norma-Traditionen, die sich erst seit dem 20. Jahrhundert mit Aufnahmen durchgesetzt haben, hinterfragt und aufweichen kann für folgende Generationen. Wenn die Bartoli-Aufnahme das erreichen sollte, ist schon eine Menge getan!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1.0 von 5 Sternen Dies hat wenig mit Norma zu tun!!!, 4. September 2014
Rezension bezieht sich auf: Bellini: Norma (Audio CD)
Dies hat wenig mit Norma zu tun...Bartoli singt Bartoli und orientiert sich vielleicht ein wenig an der Oper...aber mit Bellinis NORMA hat dies nichts zu tun... Frau Bartoli mag eine sympathische, quirlige und liebenswerte Person sein aber das macht leider keine Norma aus. Ich höre wirklich keinerlei Dramatik, viel eher ein hysterisches Gegurgel. Schade!!!
John Osborn als Pollione ist ohne jegliches Temperament.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


13 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessante Aufnahme, 18. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Bellini: Norma (Audio CD)
Diese Aufnahme der Norma auf historischen Instrumenten mit Cecilia Bartoli, Sumi Jo, John Osborn, Michele Pertusi und Giovanni Antonini als Dirigent hat viele schöne und interessante Momente. Die besonderen Farben des Orchesters fallen sofort in der Ouvertüre auf, die dadurch rauer als gewohnt klingt. Die ganze Aufnahme hindurch gab es Stellen an denen ich dachte, so habe ich das noch nie gehört, hier ist die Instrumentierung interessanter als ich wusste und verleiht der Szene neue Akzente. Besonders gut gefällt mir auch die leise Herangehensweise der Darsteller. Ich werde nicht vergessen, wie ich mir einst mühsam eine damals schwer erhältliche, besonders gerühmte Live-Aufnahme der Norma mit der Callas besorgte, die ich dann aber kaum hören mochte, denn sie klang in meinen Ohren wie ein Wettkampf der Darsteller, in dem es um Lautstärke und Spitzentöne ging. Ein weiterer Pluspunkt in meinen Ohren ist die gute Textverständlichkeit, man kann Konsonanten auch deutlich genug hören, um auch ohne glänzende Italienischkenntnisse etwas zu verstehen. Bei keiner der von mir gerade verglichenen Aufnahmen kann ich z.B. das c bei der Stelle „Culla non ebbe in Gallia“ hören, aber Sumi Jo singt das klar und deutlich. An die Besetzung der Norma mit einer Mezzosopranstimme und der Norma als Sopran musste ich mich stellenweise etwas gewöhnen, aber im Ganzen klingt sie plausibel und gefällt mir nun gut.
Mein Verhältnis zur Bartoli ist zwiespältig. Ihren Gesangsstil finde ich teilweise manieriert, besonders missfallen mir ihre aspirierten Koloraturen. Andererseits ist sie eine intelligente Musikerin, der besonders in langsameren Stücken oft sehr berührende Interpretationen gelingen. In der vorliegenden Aufnahme sind die Koloraturen weniger aspiriert als ich befürchtete, obwohl sie mir ab und an trotzdem noch negativ auffallen, zum Beispiel sehr schlimm in „Oh non tremare“. Es gibt berührende Arien, wobei mir „Casta Diva“ und „Deh, non volerli vittime“ in dieser Hinsicht besonders gelungen scheinen. Die erste Szene des zweiten Aktes, in der Norma im Begriff ist, ihre Kinder zu töten, hat mich erstaunlich kalt gelassen; da haben mich andere Interpretinnen der Rolle in der Vergangenheit sehr viel tiefer erschüttert.
Sumi Jo ist eine tatsächlich jung und mädchenhaft wirkende Adalgisa. Ihr Gesang ist innig und die Konflikte, in denen sie sich befindet, stellt sie glaubhaft dar.
John Osborn als Poleone singt wirklich Belcanto, und ich empfinde es als eine Wohltat, dass er meilenweit von der Kraftmeierei eines Franco Corelli entfernt ist. Besonders schön kommt das zum Beispiel in „Qual cor tradisti, qual cor perdesti quest’ora orrenda ti manifesti“ zum Tragen. Norma und Poleone klingen hier nicht wie in manchen andern Aufnahmen, als ob sie sich selber beim Held Spielen zugucken, sondern als ob sie entsetzt sind, in welche Situation sie sich da manövriert haben, aber das jetzt mit Würde tragen wollen. Ab und an stelle ich mir das Auftreten Poleones allerdings auch etwas entschiedener vor, zum Beispiel im Duett „In mia man alfin tu sei“.
Michele Pertusi singt den Oroveso in meinen Ohren angemessen. Seine Stimme klingt für mich etwas alt, aber das darf sie auch, er stellt ja einen Vater dar.
Giovanni Antonini wählt andere Tempi als ich sie aus mir bekannten Aufnahmen gewohnt bin. „Oh rimembranza“ ist zum Beispiel sehr viel schneller. Insgesamt klingt das Orchester sehr präsent und lebendig.
Ich finde diesen Ansatz die Norma zu spielen auf jeden Fall interessant und würde diese Ausgabe auch gern einmal mit anderen Darstellern hören um zu sehen, was damit noch alles möglich ist. An der vorliegenden Aufnahme werde ich sicher auch in Zukunft noch Freude haben, aber ich bin froh, dass es nicht die einzige Version dieser Oper ist, die ich besitze.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


30 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Bartoli und Belcanto, 2. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Bellini: Norma (Audio CD)
Meiner Meinung nach - und da werden mir jetzt einige Fans an die Gurgel wollen - klingt die Bartoli eigentlich schon lange in keiner Rolle mehr wirklich angenehm. Und das hat keineswegs mit ihrem grundsätzlich schönen Stimmaterial zu tun, sondern vielmehr mit ihrer eigentümlichen Technik, die durch ihren aufgekratzt- extrovertierten Charakter noch besonders in Erscheinung tritt. Kein Zweifel, die Bartoli ist eine sympathisch wirkende, quirlige Persönlichkeit mit grosser Bühnenpräsenz. Davon konnte ich mich schon selber bei Besuchen ihrer Auftritte überzeugen.
Passt das angespannt Überdrehte aber allenfalls etwa zu einer Rosina im Barbier oder einer "Fille du Régiment", geht diese Herangehensweise bei vielen - nicht nur seriösen - Rollen einfach gar nicht.
Und gerade das ist es, was mir Bartoli auch ihre barocken Heldinnen, auf deren Interpretation sie sich gerne konzentriert, zum Verleiden bringt: dieses dauernde backfisch-naiv angespannt-forcierte und aspirierte, gleichförmige Heruntergluckern der Koloraturen.
Was im Barock schon stört, geht dann im Belcanto aber vollends nicht. Zumal dort die vielen lyrischen und dramatischen Elemente hinzukommen, die mir einfach keinen Genuss bereiten, wenn sie so bartolisch gewollt und angespannt brodelnd daherkommen, als könnte sich die "Prima Donna" kaum zurückhalten und müsste gleich wieder vesuvartig eruptieren. Das ist eben auch bei dieser Norma das grosse Defizit: eine Norma hat abwechslungsweise glut- und geheimnisvoll, sanft und furios zu sein. All das bleibt uns die Bartoli schuldig. Angespannt und nervös gewollt zu singen allein genügt nicht. Die Interpretation bleibt an einer an der Forciertheit gescheiterten Oberfläche.
Die Norma ist eine Primadonnen-Oper, deshalb konzentriere ich mich hier in erster Linie auf sie. Die restlichen Rollen wurden allesamt schon ebenso gut oder besser interpretiert, sind aber dem Gesamtbild dieser Norma bestimmt nicht abträglich.
Löblich bleibt letztendlich der Wille und Versuch, eine Oper in der "originalen" Intention (was immer das heisst) des Komponisten einzuspielen. Der Orchesterklang ist überraschend frisch. Schade, dass auch beim Dirigenten mitunter schnell heruntergerasselte Tempi mit angebrachter melodieinhärenter Spannung verwechselt werden.
Aber offenbar gibt es halt in der Geschichte der Operneinspielungen so etwas wie eine "ausgleichende" Gerechtigkeit: zur Zeit, als man die Partituren zu kürzen und anderweitig zu maltraitieren pflegte, hatte man wunderbare Stars und Ensembles zur Verfügung, während heute häufig auf löbliche "Authentizität" geachtet wird, es dafür aber oft an diesem unbeschreiblichen inneren Feuer mangelt, das zahlreichen Interpreten von einst zu eigen war.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


16 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hervorragende "Rekonstruktion" - Ziel voll erreicht, 26. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Bellini: Norma (Audio CD)
Mein positiver Eindruck der Aufnahme könnte ein Stück weit durch das eigene Erleben der entsprechenden Aufführung in Salzburg beeinflusst sein.
Dennoch, das Ziel war eine Interpretation, die sich eher dem „Originalklang“ als der Aufführungspraxis der letzten 50 Jahre annähert. Bellini ist im Spannungsfeld der führen Romantik zur späten Klassik zu verorten. Entsprechend wurde die Besetzung der leichteren beweglicheren Stimmen, die schlankere doch dabei „schärfere“ Instrumentierung wie auch die Tempi gewählt. Das ist grandios gelungen. Die Instrumentierung und Stimmen entsprechen der Zielstellung und die Feinheit, in der sich die Duette und Terzette ver- und entspinnen, vermögen zu begeistern. Es wird feinster Belcanto geboten!

Cecilia Bartolis Gesang finde ich hier wunderbar, auch passen u.a. John Osborn und Sumi Jo hervorragend zu den ihnen zugedachten Rollen.

Wem nun als „Ideal“ die verfälschte Aufführungspraxis im Ohr ist, bei der eher „veristrische Klangteppiche“ die Unterlage für prächtigen Gesang als noch prächtigerer wahrgenommener Diven bereitet, wird gewiss weniger begeistert sein. Insbesondere die Stimmen werden diesen zu wenig „saftig“, bzw. „wuchtig“ sein.

Wem, wie mir, z.B. die durchaus formidabel gesungene 1972 Aufnahme u.a. mit Caballé und Domingo, schon immer gleichsam musikalisch wie im falschen Anzug erschien, wird begeistert sein. Diese neue Aufnahme ist wohl die erste, von der man annehmen kann, dass sie im Sinne Bellinis stimmig ist und zudem auf (mal realistisch betrachtet) höchstem Niveau.
Daher handelt es sich m.E. ganz sicher um eine „Referenzaufnahme“.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lebendige Neuausrichtung, die teilweise überzeugt, 20. Mai 2013
Von 
Grüner Baum - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Bellini: Norma (Audio CD)
Die 2 CDs dieser Ausgabe stecken in einem als Buch im CD-Format gebundenen Booklet von ca. 170 Seiten (mit dem Nachteil, dass man beim Rausnehmen mit den Fingern on oben auf die CDs langen muss). Das Booklet ist aufwendig und geschmackvoll gestaltet und bietet neben einem viersprachigen Libretto längere Texte mit Gründen für die Neuerungen dieser Aufnahme im Vergleich zur üblichen der letzten 50-60 Jahre. Die Neuerungen würde ich mal so zusammenfassen:
1. Orchester spielt auf tiefer gestimmten, historischen Instrumenten und weitestgehend in einem beschleunigten Tempo.
2. Norma und Adalgisa sind mit Mezzo und lyrischem Sopran besetzt (anstatt dunkel gestimmten Sopran und Mezzo).
3. Der Gesangstil lehnt sich mehr an Barock/Klassik an und ist weniger auf Verismo/Romantik ausgerichtet.

Vorab kann ich schonmal sagen: Während mich die ersten beiden Punkte als mögliche Spielart überzeugen können, trifft das auf den dritten weniger zu. Speziell zu Punkt 2 gilt, dass im Gegensatz zu Bartolis "La sonnambula" hier diesmal die Gesamtkomposition stimmt. Dort entstand vom Wechsel der Hauptrolle von Sopran auf Mezzo ein Hauptliebespaar aus Mezzo und Tenor, was etwas komisch wirkte; hier nun steht ja die Dreiecksbeziehung im Vordergrund und da passt die Komposition von Liebhaber (Tenor) mit neuer Liebe (Sopran) und abgelegter Liebe (Mezzo).

Ein grundlegendes Problem muss man voranstellen, denn es bringt mit sich, dass mancher Kritikpunkt an den Sängern eventuell nur z.T. deren genuinen Leistungen zuzuschreiben ist: Die klangliche Qualität ist für meine Ohren nicht die, die eine hochwertige Opernaufnahme haben sollten, wobei der Eindruck vom Abspielgerät abhängt: Auf meiner halbwegs hochwertigen Hifi-Anlage klingt es im ganzen recht eng, in Richtung spröde und mechanistisch. Die Stimmen bleiben zu klein und hängen etwas im Hintergrund, die Klänge haben zu wenig Farbe. Im Auto auf der Standard-VW-Golf-Anlage ändert sich der Eindruck: Die Stimmen sind nun deutlich und stehen klar im Vordergrund, der mangelnde Farbenreichtum fehlt weniger auf, aber die Eindeutigkeit dessen, was gehört werden kann, wirkt besser. Man hat sich wohl bei der Aufnahme stark auf die mittleren Frequenzbänder beschränkt bzw. diese verstärkt. Wenn dies auch die Abspielgeräte tun, dann ergibt das ein stimmiges Bild. Wollen die Geräte mehr abbilden, dann fehlt dem Hörer was, weil er merkt, das was fehlt.

Speziell Bartoli klingt im Auto viel überzeugender: Die Stimme steht klar im Vordergrund und man hört den natürlichen Wohlklang und ihre faszinierende Stimmkontrolle, die den Grundton ihrer Stimme sehr rein werden lässt. Auf der Hifi-Anlage bleibt die Stimme zu sehr im Hintergrund und neben dem Grundton fehlen die Klangfarbenreichtum begründenden Obertöne. Das klingt dann weniger lebendig, tendenziell etwas spröde. Man weiß nun nicht recht, was davon dem genuinen Gesang und was der Aufnahmetechnik anzulasten ist.

Giovanni Antoninis Dirigat des Orchestra La Scintilla gefällt mir als eine mögliche Option gut, wenngleich die Aufnahmetechnik sicher nicht soviel der 'Wärme' der tiefer gestimmten Instrumente transportiert wie möglich wäre. Das etwas zügigere Dirigat betont an vielen Stellen schön die eigentliche Geschichte. weniger das festliche Drama. Nur würde man sich ab und zu mal mehr Flexibilität und eine etwas langsamre Gangart wünschen, wenn die Handlung es verlangt.

Michele Pertusi singt keinen Oroveso, der besondere Highlights bietet, aber die Leistung ist routiniert und absolut solide.

John Osborn als Pollione ist leider ein sängerischer Schwachpunkt der Aufnahme. Er hat eine klangschöne Stimme und singt mit kontrolliertem, aber spürbarem Gefühl. Es gibt zum einen aber für mein Ohr ein paar technische Schwierigkeiten. Bei sehr hohen oder sehr tiefen Tönen oder schnellen Klangfolgen bricht ihm immer mal wieder der Druck auf dem Tone und es wird unsauber. Schwerwiegender ist aber seine im ganzen zu lasche Ausstrahlung. Es wird nicht glaubhaft, warum sich zwei Frauen - speziell die temperamentvolle Norma - um diesen Schluffi streiten und wenn er gegen Ende Sätze wie "Oh! Mio Dolor!" (O welch ein Schmerz) zart klingend ins Mikrofon sendet, dann wird es ein wenig grotesk.

Die Umsetzung der Adalgisa auf einen lyrischen Sopran gefällt mir sehr gut. Die Anlage ist für die junge von der Liebe überwältigte Priesterin sicher überzeugender als eine Mezzostimme. Sumi Jo ist sicher keine brilliante Interpretin der Rolle, dafür ist sie in der Gesamtausstrahlung zu zart. Aber sie singt mit klangschöner Stimme sehr sicher, versucht nichts, was sie nicht kann, sondern setzt ihre Mittel gekonnt ein und bietet in ihrer Art eine überzeugende Darstellung: eine junge Frau, der nicht so recht weiß, wie ihr geschieht, die verunsichert ist, im Schatten der Überfigur Norma steht und sich nur schüchtern aus der Deckung traut.

Bartoli als Norma schließlich gibt das vielschichtigste Bild. Sie liefert eine ganze Menge Lebendigkeit und gibt der Figur eine Frische, die frühere Darstellungen in dieser Form naicht haben. Beim ersten Hören war ich - Callas im Ohr - etwas verstört, wegen der fehlenden Größe der Figur. Nach ein paar Durchgängen Bartoli kehre ich noch mal zu Callas zurück und dann erscheint mir diese zwar im Klang packender und aufregender, aber fast zu distanziert. Aus dieser Perspektive ist Bartolis Norma schon mal eine interessante Geschichte. Speziell auf der Autoanlage kann ihre Lebendigkeit packen, vielleicht in der konkreten Interpretation nicht immer überzeugen, aber durch die grundlegende Ausstrahlung berühren.

Einschränkungen ergeben sich natürlich dadurch, dass ihre Stimme an mehreren Stellen nicht den nötigen Druck für die Rolle mit sich bringt und nicht den nötigen Farbenreichtum. Die ungewöhnliche Klarheit und Schönheit ihrer Grundfarbe kann sich in Barock und Klassik besonders entfalten; in der Norma fehlt ihrem Klang die Vielschichtigkeit, die etwa im 'Casta Diva' die Mischung (!) aus Klage und sehnsüchtiger Hoffnung in einem kontrolliert sirrend-flirrenden Ton ausdrücken könnte. Wie sie selber im Booklet fordert, singt sie das pianissimo sehr schön pianissimo, aber sie kann es für mein Empfinden nicht ausreichend mit Substanz und Vielschichtigkeit füllen.

Eine in dieser Rolle besonders heikle Geschichte sind die für sie typischen Verzierungen und Betonungen. Sie aspiriert, lässt die R's rollen, presst die P's und zischt die S-Laute. Das ist technisch fantastisch gemacht, ihre Stimmkontrolle wirklich bewunderswert. Interpretatorisch macht es die Figur eben oft lebendiger und persönlicher - aber nur zum Teil: es transportiert die Frau, die leidenschaftlich liebt und die Freiheit herbeisehnt, die Mutter - die sie ja in vielen Szenen ist - bleibt zuweilen arg im Hintergrund, da unterdrücken ihre Verzierungen Liebe und Gefühl. Zu Beginn des zweiten Aktes, wenn sie kurz davor ist, ihre Kinder zu töten, und damit an einem Punkt von nicht mehr steigerbarer existenzieller Tiefe angelangt ist (und damit übrigens eben am Neuen des Verismo gegenüber Barock/Klassikopern) erscheint mir der Stil gar unflätig inadäquat. Auch wenn sie am Ende ins Feuer geht, wirkt es mir zu verkünstelt.

Generell harmoniert mir ihr Gesangstil auch zu wenig mit Orchester und den anderen Interpreten, so dass sie manchmal ein bisschen wie ein Fremdkörper wirkt. Beim Orchester mag die Aufnahmetechnik manche Verästelung verschlucken; bei den GesangskollegInnen aber tut es ihr eigentlich nur Osborne ein wenig nach (und Liliana Nikiteanu in der kleinen Rolle als Clotilde), Sumi Jo und Michele Pertusi bleiben in der Stimmführung (nicht im Ausdruck) doch eher romantisch.

Fazit: Für mich nicht der ganz große Wurf, aber interessant. Die Neuerung der Adalgais als lyrischer Sopran wäre für mich auf jeden Fall zur Beibehaltung empfohlen und dafür kann man dieser Aufnahme schon dankbar sein. Norma als Mezzo ist möglich, aber müsste ein druckvollerer sein. Der klassisch gewählte dunkel timbrierte dramatische Sopran scheint mir aber fast noch passender. Den Rückgriff auf barocke Gesangselemente sollte man m.E. intensiv durchdenken und sehr dezent einsetzen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


9 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die wilde Seherin mit menschlichen Zügen, 18. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Bellini: Norma (Audio CD)
Wie üblich macht Cecilia Bartoli keine halben Sachen und ihre Norma wird sich einen sicheren Platz in der Diskographie dieser Oper erwerben. Bartoli hat sich die Rolle ökonomisch in die Kehle gelegt und auf ihre Betriebstemperatur erhitzt. Hier ist keine Note langweilig. Einige Stücke hat sie für ihre geläufige Gurgel großzügig ausgeziert, etwa die Cabaletta "Ah bello, a me ritorna". Geschmacksfrage: Bartoli sättigt die Rolle mit Emotionen auf - erregtes Vibrato, herausgeschleuderte Konsonanten, dramatische Glottisschläge - und so wirkt die Rolle dann auch auf mich - wie ein Lehrstück in kluger vokaler Dramaturgie. Ich habe die Rolle durch die Aufnahmen von Maria Callas kennnegelernt - und deren Norma klingt für mich authentischer emotional - weniger nach Ringen um Ausdruck und Spannung.

Auch gefällt mir die differenziertere Ausdruckspalette der Callas-Norma besser. Wer mag, höre im Vergleich Normas Beschwichtigungsrede "Sediziosi voci" - Bei Cecilia Bartoli höre ich diffuse Aufregung, bei Maria Callas eine autoritäre Ansage an das Galliervolk (Track 8). "Dormono entrambi" ist bei Bartoli ein differenzierter Monolog, die Kinder scheinen aber nie wirklich in Gefahr. Bei Callas wird eine innere Zerrissenheit und Fatalismus hörbar, die beim Hörer wirkliche Bedrückung weckt. "Oh di qual sei tu vittima": Bei Bartoli (Track 20) eine ängstliche Warnung an die Freundin - bei Callas (CD 2 Track 6) eine schonungslose Urteilsverkündung über den skrupellosen Pollione. In den lyrischen Gesängen, so perfekt sie gesungen sind, verliert Cecilia Bartoli zeitweise den dramatischen Kontext. "Casta diva" ist nunmal keine verinnerlichte Kontemplation, sondern eine sakrale Invokation mit Dutzenden Teilnehmern. Piano - gern. Aber Norma führt hier eine öffentliche Zeremonie an; und genießt nicht versunken den kühlen Schatten ihres Lieblingsbaums. Bei Bartoli gibts da kaum Unterschiede. Zu den entsagenden Schlussgesängen passt der verinnerlichte Ton besser (letzter Track).

Aus den älteren Aufnahmen kenne ich Norma als überlebensgroße Tragödin, deren Schicksal eher überwältigt als Mitleid weckt. Der vorliegenden Einspielung wurde nachgesagt, sie gebe den Protagonisten menschlichere Züge. Damit wäre ein Mangel beseitigt, den ich nicht als solchen empfinden kann. Die gallische Hohepriesterin, die nach ihrer übermenschlichen Kränkung das Blut ihres Geliebten fordert, die gemeinsamen Kinder umbringen will, um sich dann öffentlich selbst zu opfern und auf die eigene Großherzigkeit hinzuweisen - was den Geliebten dann derart beeindruckt, dass er sich freiwillig mitverbrennen lässt - das ist ein reines Opernkonstrukt. Stört mich aber nicht, darauf kommts hier nicht an. Eine menschlichere Zeichnung der Protagonisten erzeugt eine spürbare Diskrepanz zur grobgeschnitzten Handlungsschablone.

Ähnliches bei Pollione. John Osborn versucht ein diffenrenziertes Rollenportrait und stattet den Römer mit Skrupeln und Empfindsamkeit aus (wobei manches larmoyant gerät und dramaturgisch nicht ganz schlüssig). Die unbekümmerten Prachtburschen Corelli und Co. finde ich passender. Pollione lässt seine Frau unverheiratet mit den gemeinsamen Kindern sitzen und schnappt sich ihre beste Freundin - nicht gerade der empfindsame Denker, zu dem Osborne ihn streckenweise machen will.
Der hohe Sopran von Sumi Jo ist in der Rolle der Adalgisa eine Überraschung, und eine erfreuliche. Antonini und das Orchester La Scintilla wollen eine neue kritische Ausgabe der Partitur mit einer ursprünglicheren Orchestrierung verwendet haben. Die historischen Instrumente sorgen für einen konturierteren aber intimeren Klang. In der Eingansarie hört man den weicheren Klang einer Holztraversflöte. Die abgespeckten Klangmassen erlauben Cecilia Bartoli, die Rolle (in dieser Besetzung im kleineren Haus für Mozart) auch live in Angriff zu nehmen.

Das soll aber nicht heißen, die Einspielung wäre vor allem eine musikwissenschaftliche Leistung. Bartoli und Sumi Jo singen hervorragend (und ganz ohne die sauren Spitzentöne der Callas-Norma), das Orchester spielt lebendig und musikalisch, die Klangqualität ist ausgezeichnet. Ich kann mir vorstellen, dass die Einspielung Hörern den Zugang zu "Norma" ermöglicht, die sich mit der bisherigen Verismo-Exegese nicht anfreunden konnten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 3 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Bellini: Norma (2 Discs) [+digital booklet]
Bellini: Norma (2 Discs) [+digital booklet] von Cecilia Bartoli and Giovanni Antonini and John Osborn and Michele Pertusi and Orchestra La Scintilla and Sumi Jo
MP3-Album kaufenEUR 13,49
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen