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Kundenrezensionen

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am 14. Dezember 2014
Eine gute Recherche ist bei einem historischen Roman fast selbstverständlich, war aber in dieser Genauigkeit bei einem Newcomer nicht zu erwarten. Doch das ist nicht das eigentliche Highlight dieses Romans. Die Schilderung der Lebensumstände, der engen geistigen Horizonte des frühen Mittelalters und die sich daraus ergebenden Irrtümer in der Beurteilung fremder Kulturen, sind hervorragend gelungen. Die zahlreichen militärischen Auseinandersetzung werden in ihrer ganzen Brutalität und Sinnlosigkeit dargestellt, ohne jegliche Glorifizierung. Die historischen Personen sind sehr gut getroffen und als Charaktere sorgfältig ausgearbeitet. Das Buch ist flüssig lesbar und auch für Jugendliche gut geeignet. Deshalb kann ich nur empfehlen es zu kaufen und/oder zu verschenken.
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am 30. Dezember 2014
Mit diesem Buch hat man einen guten Einblick in die Gräueltaten und Entbehrungen
von damals angeblich heilsbringendem Christentum. Der Papst befiehlt und das Volk
und Adel versprechen sich ewiges Leben. Was wird daraus, hier ist es zu lesen.
Sehr gute Umsetzung.
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Ein Junge aus schwierigen Familienverhältnissen --- würde heutzutage wohl schnell mal auf die schiefe Bahn geraten. Anfang des 11. Jahrhunderts erging es dem jungen Raimond von Aguilers zwar etwas anders, doch Entbehrungen, Gewalt, Zerstörung und Leid spielen in seinem Leben auch eine wesentliche Rolle - aber eben auch viel Neugier und Hoffnung.
Nach dem (gewaltvollen) Tod des Vaters flieht Raimond mitsamt Mutter und Geschwistern und wird Geistlicher. Seine Liebe gilt dem Schreiben ebenso wie der Gelehrigkeit und Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem. Doch schwer liegt die Bürde einer Sünde auf seiner Seele, die er auf sich geladen hat. Nicht genug, dass er als Schreiber zu dem (berühmten) Konzil von Cluny, geleitet von Papst Urban, einberufen wird, dort erfährt er noch dazu von einer Möglichkeit sich seiner Sünden zu entledigen:
Indem auch er sich mit auf einen Kreuzzug begibt ---- den Kreuzzug in welchem das Heilige Land von den Besetzern/ Barbaren/ Nicht-Christen befreit werden soll.

Indem Raimonds Schicksal Pate steht für so viele Andere, die vergleichbare Gründe haben, ihre Heimat für so ein ungewisses Abenteuer zu verlassen (in der es zu dieser Zeit ohnehin schwer zu nagen gab), kann man als Leser nur ahnen, wie sehr dieser Aufruf des Papstes das Volk inspiriert haben muss, sich in Massen auf eben diesen Weg ins Unbekannte zu begeben.
Schlimmer noch, Raimund fungiert nämlich nicht nur als Protagonist dieser entbehrungsreichen, abenteuerlichen Reise - dem ersten großen Kreuzzug, der 1096 begann, er wird der CHRONIST dieses Kreuzzuges.

In eben dieser Person als CHRONIST lässt Raimond den Leser äußerst detailliert und lebhaft den Kreuzzug mit erleben und erleiden.

Vor einigen Jahren hatte ich das große Glück auf den Roman DER BAST*RD VON TOLOSA (Ulf Schiewe) zu stoßen. Das war der Roman, der mich (die ich mich in Geschichte als Niete bezeichnen muss) den Zahn gezogen hat. Ich begann zu verstehen WARUM Menschen sich auf diese Reise gemacht haben und ein wenig wurde über die Motive aufgeklärt, WARUM sich Menschen im Namen des Glaubens aufgeführt hatten wie die Berserker. Der Roman von Ulf Schiewe hat mir quasi Zugang zum Verständnis für die Kreuzzüge verschafft. Hätte ich allerdings CHRONIST zuerst gelesen - es wäre auch kein Fehler gewesen, denn hier beginnt die Reise etwas früher, denn in CHRONIST wird der komplette Leidensweg der Kreuzzügler in voller epischer Breite geschildert: Angriffe auf die Karawanen, Zweckbündnisse, Hinterhalt, Verrat ... und nicht zuletzt noch ein paar Funken Liebe. Im Vordergrund stehen Belagerung und Schlachten und - Entbehrungen. Hunger vor allen Dingen. Wie ernährt sich wohl eine Karawane von zehntausenden Menschen?

Kurz und gut: CHRONIST ist ein mitreißendes Kreuzzug-Epos und wahrlich eine CHRONIK. Jedoch nicht in trockener Form, sondern bildhaft und lebendig. Es ist ein Roman eines Autors der viel Arbeit und Mühe in sein Werk gesteckt hat. Es steckt merklich Herzblut in diesem Roman, das meine ich nicht im mindesten als Ausrede dafür, dass die Lektüre langweilig wäre, ich möchte das darum hervorheben, weil mich dieser Roman wahrlich beeindruckt hat. Man bemerkt wohl den einen oder anderen Fehler in der Rechtschreibung und im Stil. Mich hat es irgendwann etwas irritiert, dass es dem (naiven) Raimond dauernd "schwindelt", wenn er etwas nicht begreift. Und über die Einflechtung einer Liebesgeschichte mag man wohl auch geteilter Meinung sein. Dieser Faden hat (mich) nicht regelrecht gestört, aber so richtig in das Gesamtgeflecht eingepasst hat sich diese Romanze für meinen Geschmack nun auch wieder nicht.

Es gibt gewiss hie und da Anlass zu Kritik an der Sprache, doch ich komme nicht um eine 5 Sterne Bewertung umhin, denn im Vordergrund sehe ich bei meinen Bewertungen mein Bauchgefühl und das gute Gefühl das sich beim Lesen einstellt:
...wenn ein Roman lebhaft wird, ...wenn man mit auf eine Reise genommen wird, ...wenn Bilder entstehen, die sich derart einprägen, als ob man selbst am Schlachtgetümmel teil hatte, ...wenn man die Figuren voneinander unterscheiden kann, w ihre Macken und Wesenszüge kennenlernt, diese versteht und nicht ablehnt --- und schließlich ja sogar mit ihnen fiebert
Das alles noch dazu bei einer Geschichte, die nicht fiktiv ist, sondern geschichtlich sogar sehr gut belegt, was ich sagen möchte: Der ausgang der Geschichte ist nicht ungewiss --- doch der Weg dahin, wurde mir in CHRONIST deutlich vor Augen geführt.
Der Roman bleibt bis zum Ende hin spannend.

Ich kann nur für mich sprechen und gewiss ist es unfair anderen Größen dieses Genres gegenüber, einem Neuling die "gleichen" 5 Bewertungssterne zu vergeben, aber was ich (zu den mir nicht unbekannten Kritiken) vielleicht doch entgegenbringen will, um Leser nicht davon abzuschrecken:
Eine zu (!) ungelenke Sprache hält auch mich bei einigen Newcomer-Autoren vom Lesen ab, verleidet mir also den Genuss. Das ist bei CHRONIST nicht der Fall gewesen.
Falls ich dem Roman damit nicht unrecht tue, würde ich sogar sagen: Die Sprache ist wahrlich nicht explizit exquisit im sinne von hochgestochen oder Anspruchsvoll, so dass ich auch Anfängern und Leuten die mit Geschichte nicht so viel am Hut haben, zum Lesen raten kann --- und zwar guten Gewissens.

Mit CHRONIST ist Matthias Wenzel eine gelungene Mischung aus Chronik aus den belegten Fakten des Kreuzzuges und mitreißender, unterhaltsamer Erzählung gelungen.
Ich danke ihm, dass er mich doch noch überredet hat sein Buch zu lesen und dass er es mir als gedruckte Ausgabe zur Verfügung gestellt hat. Dass ich es lange habe liegen lassen lag daran, dass ich es mit Muse lesen wollte und das war auch gut so. Schließlich hatte ich es in drei Tagen durch. Leider hielt die Bindung die vielen Seiten (umblättern) nicht stand. Das wäre noch als Kritik an den Verlag anzubringen. CHRONIST würde sich gewiss gut als Gebundene Ausgabe machen.

TIPP: Der Vorteil für Kindle-Besitzer: Der Preis ist ein Schnäppchen für einen Roman diesen Umfangs!
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am 21. Dezember 2013
z u m I n h a l t : Mit das größte Lob erhält der Autor von mir für die Wahl des Themas: Der erste Kreuzzug aus Sicht der realen Figur seines historischen Chronisten - aus meiner Sicht insgesamt sehr lebendig und schlüssig erzählt. Ich hatte Spaß und Spannung beim Lesen bis zur letzten Seite.

Die zentralen Figuren Raimund von Aguilers, Raimund von Toulouse, Gräfin Elvira und Pontius und auch Peter Bartholomäus wurden mir sehr greifbar. Bei den weiteren Grafen und Gefährten der Reise hatte ich da schon gewisse Schwierigkeiten. Da würde ich mir einen Anhang wünschen, der die Personen noch einmal beschreibt und am besten gleich noch eine Karte der Reiseroute enthält.

Beachtenswert erscheint mir vor allem der in das historische Setting eingebettete Coming-of-Age-Prozess des Protagonisten. In Übereinstimmung mit der höchsten kirchlichen Autorität - dem Auftrag des Papstes - und voller naiver religiöser Inbrunst begibt sich Raimund auf den Kreuzzug. Überzeugt für die richtige und heilige Sache zu streiten, schlägt er den warnenden Rat seines väterlichen Abtes dafür in den Wind. Offensichtlich sensibler als die meisten in seinem Umfeld reagiert er auf die kriegerischen Grausamkeiten und das sinnlose Blutvergießen um ihn her.

Auf dem Weg verliert er selbst gleich in mehrfacher Hinsicht seine Unschuld. Er erlebt einerseits den massenhaften Tod unter anderem den seines besten Freundes, andererseits wird er selbst zum Ehebrecher, zum mordenden Soldaten und todbringenden Inquisitor. Zum Beginn hofft er durch die Reise sein Gewissen von der Schuld zu entledigen, die er irriger Weise glaubt, am Tod seiner Mutter und des Pfarrers seiner Kindheit - Vater Bernard - zu tragen. Ihm wird mehr und mehr klar, dass er - statt Sühnung und Vergebung zu erreichen - nur noch mehr und größere Schuld auf sich lädt.

Seine Loyalität ist zunehmend gespalten zwischen der Liebe zu einer Frau und der Treue gegenüber seinem gräflichen Herrn, zwischen seiner eigenen inneren Wahrheit, die dem Dogma der Kirche und dem Anspruch an seine Rolle als Mönch und Priester widerstreitet. Im Verlauf einer sich durch den Roman ziehenden zunehmenden Desillusionierung entscheidet sich Raimund für seine Menschlichkeit.

Diesem Prozess fällt sein christlicher Glaube fast gänzlich zum Opfer, weniger weil er ihn für unwahr hält als vielmehr aufgrund einer zunehmend kritischen Haltung zur Politik der der Institution Kirche und vor allem wegen dem für ihn scheinst nicht mehr überbrückbaren Widerspruch zwischen religiösem Anspruch und der Erkenntnis welche offensichtliche Fehlbarkeit seine innere Realität demgegenüber darstellt, deren Authentizität er aber nicht mehr verleugnen kann.

Zusammen mit seiner Geliebten träumt er davon, aus diesem gesellschaftlichen Gefängnis auszubrechen und woanders frei von äußeren Zwängen ein neues Leben anzufangen. Als Alternative bietet sich dagegen nur ein unerfülltes Leben im Verharren unter den Verhältnissen.

Die in diesem Zusammenhang relevanten Dialoge mit Elvira und anderen Reisegefährten enthalten philosophische und gesellschaftskritische Fragestellungen, in denen die gesamte Zeitenwende zwischen Mittelalter und Neuzeit aufscheint. Ich zweifele daran, dass im beginnenden Hochmittelalter die Anliegen von Neuzeit und Moderne, von Reformation und Aufklärung vorweg genommen wurden. Allerdings kenne ich mich historisch nicht genug aus, um dies genauer zu beurteilen. Sollte ich recht haben, steht dieser Anteil der Erzählung durch seine Fiktionalität in einem Kontrast zur sonstigen offensichtlich angestrebten historischen Authentizität des Stoffes.

Z u r S p r a c h e : Im Zusammenhang mit der eben gemachten inhaltlichen Anmerkung ist mir auch stark aufgefallen, dass der Autor eine eher einfache und zum Teil sogar besonders modern anmutende Sprache verwendet. Zum Teil kann ich dies begrüßen, wo es zu sehr guter Lesbarkeit führt. Eine interessante Spannung entsteht dadurch zum historischen Inhalt des Geschehens. Nicht wirklich deutlich ist mir geworden, ob dies dem Autor einfach nur unterläuft, weil es die Sprache ist, die er selber spricht, oder ob er es auch bewusst einsetzt, um uns den altertümlichen Stoff nahe zu bringen, was so sicherlich besser gelingt, als wenn mittelalterlich gestelzte Sprache imitiert worden wäre.

Neben der Modernität fallen aber (zumindest in der von mir gelesenen Kindle-Version) etliche Rechtschreibfehler unangenehm auf. Ich nenne hier nur ein Beispiel: „Und auch der Wunsch seinen Sohn wenigsten einmal zu halten, war unvermindert Star.“ (Position 10121, Seite 446) Gemeint war hier doch vermutlich „starr“, oder?

Was den Ausdruck angeht, mag es daran liegen, dass der Autor gut 14 Jahre jünger ist als ich, dass ich mich daran störe, wenn das Adjektiv „normal“ verwendet wird, wo m.E. die adverbiale Form „normalerweise“ hin gehört:

„Normal übernehmen unsere Novizen alle niederen Arbeiten, aber …“ (Position 465, Seite 23)
„Es ist normal nicht meine Art, aber …“ (Position 3167, Seite 145)
„Normal tagen die Grafen nicht bis zu so später Stunde.“ (Position 6715, Seite 298)
„Sie kannten ihn zwar, aber normal durfte niemand ohne Einladung … „ (Position 11841, Seite 522)

Ähnliches gilt für die Verwendung von „trotzdem, dass“, wo es m.E. auf jeden Fall besser „obwohl“ heißen sollte:
„ … der sich langsam an ihre Aufmerksamkeit gewöhnte, trotzdem dass sie ihn immer noch etwas peinlich berührte.“ (Position 3601, Seite 163)
„ Ich spürte keine Angst mehr, trotzdem dass wir durch Straßen wanderten, die damals noch voll von Feinden waren.“ (Position 10517, Seite 463)
„Trotzdem, dass inzwischen jegliche Nahrung aufgebraucht war, …“ (Position 10976, Seite 483)

In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt die Wendung „trotz seiner selbst“, die mir gar nicht geläufig ist: „ … Raimund musste trotz seiner selbst lächeln.“ (Position 3520, Seite 150)

Richtig falsch ist es dann, wenn das Präteritum von „sich entspinnen“ fälschlich mit „entspannte“ statt mit „entspann“ wiedergegeben wird:
„ … und es entspannte sich zwar keine Freundschaft, aber …“ (Position 4904, Seite 220)
„Es entspannte sich ein unfreiwilliger Waffenstillstand, …“ (Position 12441, Seite 548)

Für diejenigen, die das schon lustig fanden, habe ich noch folgendes zu bieten: Die Verwendung von Konstruktionen mit dem Wörtchen „dank“ für kausale Zusammenhänge, wo es um ausgesprochen negative Folgen geht, bei deren Ursachen sich hier „bedankt“ wird. Mein Spitzenreiter ist die Stelle: „Nicht durch Feindeshand, aber dank Kälte, Stürmen und Unfällen.“ (Position 3258, Seite 149). Ähnliches findest sich aber auch Position 3601, Seite 163; Position 7811, Seite 346 und Position 8645, Seite 383. Hier möchte ich Herrn Wenzel eigentlich gerne fragen, warum er nicht die sehr üblichen deutschen Formulierungen „aufgrund von“ und „wegen“ benutzt.

Als ausgesprochene sprachliche „Eingefahrenheit“ oder Einfallslosigkeit erscheint es mir auch, dass im gesamten Buch die verschiedenen Charaktere in ihren Dialogen nicht weniger als 45 mal mit den Schulter (bzw. Achseln) zucken, das ist statistisch auf jeder 13. Seite. Immerhin noch mindesten 20 mal (also im Schnitt spätestens nach 30 Seiten) wird Gesprochenes „geschnaubt“.

Ich kenne mich nicht damit aus, wie heutzutage Bücher entstehen, aber in diesem Fall habe ich mich gefragt, ob das vorliegende Buch jemals ein Lektorat gesehen hat, oder nur die Korrekturfunktion von Word.

Z u r t h e m a t i s c h e n R e l e v a n z : Mein persönliches Interesse an der Thematik liegt vor allem darin begründet, dass der christliche Glaube mir wichtig ist, wobei ich sofort hinzufügen möchte, dass ich sowohl der Meinung bin, dass der Mensch in eine persönliche Beziehung zu Gott treten kann als auch, dass er in diesen Kontakt möglichst selbstbestimmt leben können sollte. Hieraus ergibt sich meine institutionskritische Haltung. Das heißt ich verstehe und erlebe eine christliche Weltanschauung, die freundlich, verständlich, lebbar und konsistent ist. Wenn ich dann mit Menschen in meinem Umfeld über den Glauben ins Gespräch komme, begegnet mir oft das Argument, wie moralisch verwerflich die Kirche und ihre Vertreter im Laufe der Jahrhunderte gehandelt haben. Herausragende Eckpunkte dieser Diskussion sind dann meist das Papsttum, die Inquisition und Hexenverbrennung und eben die Kreuzzüge.

Einerseits halte ich nun ein korrekte historische Einordnung und auf dieser Grundlage auch eine moralische Bewertung der Kreuzzüge für sinnvoll, andererseits finde ich es immer wieder notwendig darauf hinzuweisen, dass Verbrechen, die im Namen Christi durch die Jahrhunderte begangen wurden, durchweg auf niederen Motiven und nicht auf der christlichen Weltanschauung und Lehre selbst beruhen. Natürlich kommt es auch vor, dass die Lehre und Weltanschauung bewusst korrumpiert wurde, um den machtpolitischen Interessen der Institution Kirche zu dienen. Im Gegensatz zur landläufigen und populären Meinung denke ich aber, dass alle wesentlichen ursprünglichen christlichen Botschaften in der Bibel weitgehend unverfälscht enthalten und von dort extrahierbar sind. Dadurch lässt sich i.d.R. recht leicht nachweisen, wo die „institutionelle Korruption“ der biblischen Botschaft direkt widerspricht.

Diese gesamte Thematik begegnet mir im vorliegenden Buch „Der Chronist“ häufig wieder. So verspricht Papst Urban II den Menschen die Vergebung aller Sünden, wenn sie sich auf den Kreuzzug begeben. Für Raimund spielt dies eine große Rolle, weil er von schlechtem Gewissen geplagt ist. So wie ihm, wird es vielen gegangen sein. Biblisch ist aber Fakt: Sünden vergeben kann nur Gott allein. Es ist ein freiwilliger Akt der Gnade Seinerseits. Er lässt sich dabei von keinerlei frommen Leistungen der Menschen beeindrucken. Nichts könnte dafür ausreichen! Die ausreichende Voraussetzung für die Vergebung besteht in der Erlösungstat Jesu und in deren Annahme durch den Menschen. Unter dieser Voraussetzung reicht dann „einfache“ Reue und der Wunsch nach Vergebung. Die Vorstellung, dass ein einzelner Mensch sich als Stellvertreter Gottes auf Erden versteht und Sachwalter dieser heiligen Dinge sein will ist in diesem Zusammenhang eine ungeheure Anmaßung, hat aber in Bezug auf die machtpolitischen Ziele der Kirche natürlich gut funktioniert.

Aus theologischer Sicht interessant war für mich auch die Episode um Peter Bartholomäus. Als Raimund ihm begegnet, verfügt dieser über eine Gabe offensichtlicher Offenbarung, denn er weiß von zumindest zwei Tatsachen, von denen er kaum aus natürlichen Quellen Kenntnis haben konnte. Daher liegt zunächst nahe, dass es sich bei dieser übernatürlichen Quelle um Gott handelt. Im weiteren Verlauf wird der Einfluss dieses Propheten auf den Grafen Raimund von Toulouse aber so übermächtig, dass dieser fremdbestimmt und angespannt unter dessen Einflüsterungen wirkt. Raimund wird zum auslösenden Faktor, dass der Prophet auf die Probe gestellt wird, indem dieser durchs Feuer geht. Der Ausgang der Feuerprobe bleibt ambivalent. Einerseits überlebt Bartholomäus, was an ein Wunder grenzt, andererseits ist er schwer verletzt, so dass er offensichtlich zumindest nicht völlig unter übernatürlichem göttlichen Schutz steht.

Der Autor Wenzel lässt offen, wie diese Vorgänge theologisch einzuordnen sind. Er schildert sie eher phänomenologisch, wie sie eventuell von den Kreuzfahrern erlebt wurden. Dass Raimund durch seine Intervention mitschuldig wird am Tod des letzten ihm bekannten Mitwissers seines großen Geheimnisses, wird nicht in voller Tiefe exploriert.

Insgesamt lässt sich in diesem Zusammenhang sagen: Wie schon weiter oben angesprochen spiegelt sich in Raimund die gesamte moderne kritische Rezeption des Christentums. Dass es daneben ein authentisches christliches Lebens- und Wertemodell gibt, deutet sich in der Figuren von Pater Bernard und des Abts Artaud an.

G e s a m t u r t e i l : Gute Thematik, mit viel Fleiß sehr spannend aufbereitet. Für mich interessante Frage: Wie wäre es möglich gewesen, die Geschichte spannend zu erzählen ohne die Liebesgeschichte? Also, trotz einiger kritischer Anmerkungen: 4 Sterne!
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am 2. September 2013
Warum nicht mal wieder einen historischen Roman lesen, habe ich mir gedacht, als mir dieses Buch zur Rezension angetragen wurde. Es ist lange her, dass ich zuletzt einen historisch angehauchten Roman gelesen habe. Leider muss ich Iny Lorentz und Konsorten auf ihre Plätze verweisen, ich bin nämlich kein Fan der romantisierten Mittelalter-Schnulze ohne Niveau. Ein Glück, dass Chronist hier in anderen Gewässern fischt.

Der Autor:
Matthias Wenzel wurde am 31. Mai 1979 in Aschaffenburg geboren. Er bezeichnet sich selbst als „leidenschaftlicher Leser von Fantasy, Krimis, Science Fiction, Abenteuerromanen und historischen Romanen“. Stephen King’s Friedhof der Kuscheltiere hat seine Schreiblust geweckt. Wer kann es ihm verdenken. Friedhof der Kuscheltiere war einer meiner ersten “Erwachsenen”-Romane und hat auch meine Lesewelt geprägt wie kein anderes Buch danach.

Inhalt:

»Was ist dort geschehen, fragst du? Wenn ich dir die Wahrheit sage, wird es deine Vorstellungskraft übersteigen …« – Raimund von Aguilers, Die Eroberung Jerusalems, Jahr des Herrn 1099

Manchmal wird Geschichte lebendig. Dies ist bei Chronist der Fall. Chronist ist nicht nur einfach ein weiterer historischer Roman, denn für das Buch hat Wenzel sich lange in Recherchen gestürzt und viel Zeit darauf verwendet, historische Fakten in das Buch einfliessen zu lassen. In Chronist – Der erste Kreuzzug begegnen wir Raimund von Aguilers, einem schon früh vom Leben gebeutelten Jungen, der mit viel Glück seinen Weg ins Kloster der Benediktiner in Vézelay findet. Seine Intelligenz und eine tiefe Sehnsucht, Neues zu entdecken, aber auch Schuldgefühle aus der Kindheit, all diese Faktoren führen dazu, dass Raimund stets ein nagendes Gefühl von Rastlosigkeit in sich trägt. Vor allem Schuldgefühle plagen seinen Geist und wecken in ihm den Wunsch, Busse zu tun.

Als Raimund im Jahre 1905 als Chronist am Konzil von Clérmont teilnehmen darf, bietet sich ihm auch bald Gelegenheit, dem eintönigen, behüteten Klosteralltag zu entfliehen. In Clérmont während des Konzils lernt er nämlich alsbald seinen Namensvetter, den Grafen Raimund IV. von Toulouse, kennen und schätzen. Mit dieser Bekanntschaft ist auch Raimunds Chance gekommen, in die grosse, weite Welt zu entfliehen, er soll als Chronist unter dem Grafen den Kreuzzug von Papst Urban dem Zweiten für die Nachwelt dokumentieren. Jedoch entpuppt sich dieser Aufruf als Auftakt zum Eintritt in die menschliche Hölle des religiösen Fanatismus und Raimunds Glaube wird auf eine harte Probe gestellt.

Meine Meinung:
Chronist – Der erste Kreuzzug ist ein Erstlingswerk, das sich jedoch mit anderen bereits landläufig bekannten und erprobten historischen Ergüssen ohne Scham messen kann. Es ist interessant und sehr spannend einen Roman zu lesen, bei dem man sich immer wieder vergegenwärtigt, dass man hier nicht nur der Fantasie eines Autoren „zu“liest. Oft habe ich mich gefragt, was ich an Stelle von Raimund getan hätte. Da ich mich selber zur unreligiösen Sorte Mensch bekenne, hat mich die Frage „Wie viel Blut darf der Weg ins Paradies kosten? „ besonders beschäftigt. Es ist immer wieder unsagbar beängstigend, was Menschen im Namen Christi, Allah’s oder auch eines Xenu zu opfern bereit sind.

Wieviel Religion braucht der Mensch und wozu führt Religion eigentlich im ungünstigsten Fall? Antworten findet man für sich selber genug in diesem Roman. Besonders gut gefallen hat mir das Buch selber. In der Hardcover Variante fühlt sich das Buch, selbst schon rein was das Gewicht angeht, wie eine Bibel an. Das macht Eindruck. Auch sehr schön ist das Buchcover. An dieser Stelle möchte ich dem Illustratoren Chris Reinfels ein Kränzchen winden. Sollte ich jemals einen Roman schreiben wollen, hätte auch ich gern ein Cover von ihm gestaltet. Es ist sehr stimmig zum Buch und passt quasi wie die Faust aufs Auge. Der Schreibstil soll an dieser Stelle auch noch erwähnt werden: Wenzel schreibt flüssig und direkt. Auf detaillierte Beschreibungen der Umwelt oder auch Gesichtszüge wurde zwar verzichtet, aber anstatt zu stören, lässt dies mehr Raum für die eigene Fantasie. Lediglich etwas habe ich auszusetzen: das englische Wort „Baby“ empfinde ich in deutsch verfassten, historischen Romanen als etwas zu neumodisch, insofern auch die Dialoge in eher mittelalterlichen Gefilden fungieren.

Fazit:
Wer sich den Fans von historischen Romanen zugehörig fühlt oder Autoren wie Ken Follet (Die Säulen der Erde) gerne mag, sollte auch hier beherzt zugreifen! Liebevoll recherchiert und spannend geschrieben, erleben wir als Leser den Kreuzzug in Begleitung von Protagonist Raimund von Aguilers am eigenen Leib. Ein Autor, von dem man sicher auch in Zukunft wieder lesen wird.
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am 28. Mai 2014
Sehr lehrreich, wunderbar beschrieben, überaus spannend. Beim Lesen leidet man förmlich die Entbehrungen der Pilger und Ritter des Kreuzzugs mit. Eine unterhaltsame und interessante Gelegenheit, Geschichtskenntnisse aufzufrischen, aus einer vielleicht ganz neuen Perspektive.
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am 7. April 2014
Dieses Buch ist so gut, dass ich vor lauter lesen rote Augen bekommen habe! Da es zum Teil auf einem authentischem Bericht beruht, ist es für diejenigen, welche sich an Geschichte interessieren sehr interessant.
Manchmal ist es sehr heftig - und ich musste das Buch eine Weile weglegen! Aber in der Zeit, in der ich es gelesen habe hat mich dieses Buch Tag und Nacht beschäftigt - und das vollbringen nur wenige Bücher!
Ich empfinde es als sehr realitätsnah, da ich mich schon früher mit den Kreuzzügen beschäftigt habe - und was damals verbrochen wurde, an dem leidet fast die gesamte Menschheit heute noch!
Aber wie gesagt: Dieses Buch ist schwerer Tobak und nichts für Zartbesaitete!!!
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am 16. August 2013
Zum Inhalt muss ich nicht viel sagen, das haben die anderen Rezensenten ja bereits ausführlich getan. Trotzdem möchte ich die tolle Recherchearbeit des Autors nochmals herausheben!

Die Geschichte um und mit Raimund von Aguilers ist sehr dicht geschrieben und sowohl der Protagonist, wie auch die "Nebendarsteller", erscheinen in ihrem Denken, Handeln und Fühlen sehr authentisch. Man hat während des Lesens den Eindruck, man würde Raimund über die Schulter schauen und ihn auf seiner langen Reise begleiten. Als ich das Buch ausgelesen hatte, war es beinahe so, als würde ich mich von einem guten Freund verabschieden. Die Entwicklung von Raimunds Persönlichkeit ist faszinierend, sowohl gefühlsmäßig, als auch in Bezug auf seine Haltung gegenüber der Kirche und dem Glauben.

Der Roman hat mich voll und ganz in seinen Bann gezogen, teilweise konnte ich die Rauheit und Unwirtlichkeit der Landschaften, durch die Raimund im Laufe seiner Reise zieht, fast körperlich spüren. Selten bin ich bei einem historischen Roman so in die Vergangenheit eingetaucht - ähnlich wie Umberto Eco ist es dem Autor gelungen, den Leser in eine weit vergangene Welt zu entführen!

Ich kann diesen hervorragenden Roman nur wärmstens empfehlen und würde mich freuen, noch weitere Bücher vom Autor lesen zu können!
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am 7. Juli 2016
Ich habe das Buch aus der Kindle Bibliothek ausgeliehen. Es ist ein sehr interessanter Roman, viele Figuren sind autenthisch. Es hat mir ausgesprochen gut gefallen. Nur 4 Sterne gibt es deshalb, weil es wirklich nervt, daß "das und daß" permanent verwechselt wird. Schade um das schöne Buch!
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am 29. September 2013
Matthias Wenzel gelingt mit seinem Erstlingswerk eine sehr anschauliche Darstellung des ersten Kreuzzugs. Die charakterliche Tiefe der handelnden Personen ist stringent und überzeugend. Zwar sind die meisten Akteure eher "von einfacherem Gemüt", aber viel mehr erwartet man von Menschen des beginnenden Hochmittelalters auch nicht.

Die Handlung ist rein linear - wer kurzweilige Unterhaltung über einen (angesichts des Umfangs) langen Zeitraum sucht: Kaufen!
Wer spannende (auch Alternativ-) Historienromane voller überraschender Wendungen gewohnt ist, könnte enttäuscht werden.

Ich habe die Kindle-Version gelesen. Für die Print-Version hoffe ich, liegt eine Karte des Kreuzzugs bei. Ich persönlich bin ein sehr visueller Typ und gerade auf dem Gebiet der heutigen Türkei fällt es schwer, bei all den historischen Ortsnamen nicht die Orientierung zu verlieren.

4 Sterne - solide Wertung, gerade für ein Debut. Weiter so - ich würde auch das nächste Buch kaufen!!!
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