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5.0 von 5 Sternen Dialoge über grundlegende Überzeugungen und Lebenshaltungen
Zu Zeiten, als die im buch abgedruckten Gespräche stattfanden, war Jorge Bergoglio, der heutige Papst Franziskus I., Bischof von Buenos Aires und Abraham Skorka, wie auch heute noch, Rabbiner. Eine glaubens- und religionsübergreifende Freundschaft somit, als erste Besonderheit. Und eine echte, tiefe Lebensfreundschaft, die sich in Gesprächen, im Austausch,...
Vor 18 Monaten von M. Lehmann-Pape veröffentlicht

versus
6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen „Das hebräische Wort für beten lautet „leitpalel“ und bedeutet: sich selbst beurteilen.“
Ich wurde von den Gesprächen zwischen dem vor kurzem neu gewählten argentinischen Papst Franziskus und dem Rabbiner Abraham Skorka etwas enttäuscht. Die Gespräche gehen nicht in die Tiefe und ins Detail, sondern halten sich schön an der Oberfläche, dort wo Allgemeinplätze zu Hause sind. Beide Geistliche bleiben im zeitgeistigen...
Vor 12 Monaten von Mag Sarah Krampl veröffentlicht


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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dialoge über grundlegende Überzeugungen und Lebenshaltungen, 3. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Über Himmel und Erde: Jorge Bergoglio im Gespräch mit dem Rabbiner Abraham Skorka - Das persönliche Credo des neuen Papstes (Kindle Edition)
Zu Zeiten, als die im buch abgedruckten Gespräche stattfanden, war Jorge Bergoglio, der heutige Papst Franziskus I., Bischof von Buenos Aires und Abraham Skorka, wie auch heute noch, Rabbiner. Eine glaubens- und religionsübergreifende Freundschaft somit, als erste Besonderheit. Und eine echte, tiefe Lebensfreundschaft, die sich in Gesprächen, im Austausch, in regelmäßigen Treffen niederschlug. Eine ganze Reihe dieser Gespräche, ein Austausch zu einer Vielfalt von Themen ist es, die ihren Niederschlag in diesem Buch gefunden haben, den die beiden Autoren und Glaubensmänner dem Leser quasi zur Verfügung stellen.

Und eine gute Wahl für all jene, denen der Hintergrund des aktuellen Papstes noch nicht unbedingt geläufig ist.
Gott, Teufel, Atheisten, Frauen, Abtreibung, Scheidung, die homosexuelle Ehe, Globalisierung, Geld, Armut, in der fast gesamten breite aktueller gesellschaftlicher Fragen und globaler Entwicklungen, aus Sicht von zwei „Mitmenschen“ auf diesem Planenten und aus theologischen Reflektionen heraus bilden sich so im Verlauf der Lektüre beim Leser doch klare Bilder, klare Möglichkeiten, beide Beteiligte in ihren Grundhaltungen einschätzen zu können. Themen, die in ihrer Breite und Vielfalt auch zeigen, dass zumindest in der Überlegung, im Gespräch, Papst Franziskus kein „Eisen“ scheut, weder ein heißes noch ein für „die Welt“ eher am Rande liegendes.

Kurze Kapitel sind es, keine elegischen Abhandlungen. Klare Sätze zudem, keine theologisch schwer verständlichen Abstraktionen. „Mitten aus dem Leben“ heraus, kann man sagen, aus dem Leben natürlich von theologisch verankerten und reflektierten Männern, die dennoch pragmatisch zu dneken verstehen.

So setzt Skorka beim Thema der homosexuellen Ehe genau jenen Pragmatismus zunächst voran. Das eine „gesetzliche“ Lösung gefunden werden muss für den Fakt der real lebenden Paare. Um gleich darauf den zweiten Impuls zu setzen, dass ein Stellen auf „eine Stufe“ mit heterosexuellen Ehen eine ganz andere Sache mit ganz anderen Voraussetzungen ist. Spannend wird es, wenn Bergoglio auch in dieser, katholisch heiklen, Frage betont, dass der geistliche Leiter der Gemeinde „kein Recht hat, das Privatleben von irgendwem in irgendeine Richtung zu zwingen“.

„Wenn Gott mit der Schöpfung das Risiko einging, uns frei zu schaffen, wer bin ich, mich einzumischen“? Eine zumindest gedanklich liberale Haltung, die aufhorchen lässt. Und eine anthropologische Argumentation gegen die „Heirat zwischen Personen gleichen Geschlechtes“, die zumindest ihrer „innerweltlichen Argumentation“ nachdenkenswert ist.

Auf ganz anderer Ebene verdeutlicht sich diese offene Haltung. In den kurzen Einlassungen zum Umgang mit anderen Glaubensrichtungen und Religionen betont Bergoglio die Notwendigkeit und Wichtigkeit des Gemeinsamen. „Jeder betet gemäß seiner Tradition, wo liegt das Problem“? Auch hier finden sich deutlich andere Töne als in den letzten Jahren und Jahrzehnten aus der katholischen Kirche gewohnt.

Man muss selbstredend nicht in allen Facetten oder grundlegend Haltungen der gleichen Meinung sein wie Bergoglio oder Skorka. Beide sprechen erkennbar auf der Basis der Grundlagen ihrer jeweiligen Religion und halten an den Gründüberzeugungen und deren Umsetzungen in die Gesellschaft hinein fest.

Andererseits bietet dieses Buch in bester Weise einen breiten Einblick in die doch menschlich differenzierte und pragmatisch aus dem vorfindlichen Leben gespeisten Haltungen beider Männer und deren Folgen für ihr konkretes Zugehen auf die wichtigen Fragen der Moderne in gesellschaftlicher und religiöser Ausrichtung.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen „Das hebräische Wort für beten lautet „leitpalel“ und bedeutet: sich selbst beurteilen.“, 6. Dezember 2013
Von 
Mag Sarah Krampl "sarahkrampl" (Villach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Ich wurde von den Gesprächen zwischen dem vor kurzem neu gewählten argentinischen Papst Franziskus und dem Rabbiner Abraham Skorka etwas enttäuscht. Die Gespräche gehen nicht in die Tiefe und ins Detail, sondern halten sich schön an der Oberfläche, dort wo Allgemeinplätze zu Hause sind. Beide Geistliche bleiben im zeitgeistigen Mainstream verfangen und wagen es nicht, einen Schritt in die Tiefe (oder Höhe?) zu tun. Es gibt zwar einige gute Gedanken, diese müssten aber alle vertieft werden und ich dachte eher, dass es in diesem Dialog gerade darum ging, dass man diese Gedanken hernähme, um sie dann sogleich eingehend zu betrachten. Wenn Skorka zum Beispiel an einer Stelle sagt: „Das Böse darf uns nicht beherrschen“ und Bergoglio darauf antwortet: „Das genau ist der Kampf des Menschen auf Erden“, dann wird zwar eine Wahrheit ausgesprochen, auf die jedoch nicht näher eingegangen wird. Der Weg, wie der Mensch dort hin gelangen soll, wird nicht beschrieben und ich hatte öfter den Eindruck, dass sowohl Skorka als auch Bergoglio die Sätze, die sie sagten, nicht wirklich mit ihrem Geist und ihrem Menschsein überprüft haben. Eine Wahrheit zu verkünden, ohne sie selbst überprüft zu haben ist leicht, aber jeder merkt sofort, dass es sich dann um eine leere Hülle handelt, um ein Gemeinplatz, um Wörter und Sätze, die man blind übernommen hat, irgendwo aufgeschnappt hat und einfach brav nachsagt, damit man sich dem Zeitgeist und der Allgemeinheit anpasst. Das kam mir beim Lesen dieser Dialoge oft in den Sinn und ich komme nicht umhin zu denken, dass beide Gesprächspartner ihre Gedanken nicht wirklich aus tiefstem Herzen und aus tiefster Überzeugung nehmen, was man vom höchst genannten Geistlichen – dem Papst – und von einem sehr hohen Geistlichen – einem Rabbiner – wohl erwarten kann. Nur hin und wieder ließen beiden durchscheinen, dass sie sich mit manchen Glaubensfragen eingehender befasst haben, aber insgesamt zu spärlich und das finde ich schade, denn wo bleibt der Mut beim ganzen Gespräch? Und Mut ist gerade in solchen Glaubensfragen, glaube ich das Wichtigste, mit einem lauwarmen, oberflächlichen, unüberlegten Glauben kann man schwer Berge versetzen. Ein Satz oder eine Überlegung von Skorka möchte ich hier als Beispiel näher betrachten:

„Die Bibel lehrt uns, dass wir alle von ein und demselben Menschen abstammen. Mit anderen Worten: dass zwischen allen Menschen ein brüderliches Band besteht. Man darf dem Menschen gegenüber nie gleichgültig werden. Vielleicht ist die Bibel nur ein einziger Aufruf: Sei nicht gleichgültig gegenüber dem Spirituellen, Gott und deinem Nächsten. Was wäre sonst die gesellschaftliche Funktion von Religion?“

In diesem Satz sind sämtliche politischen und ethischen Fragen enthalten, die sich der Mensch seit jeher gestellt hat und stellen wird. Eine derart schwerwiegende Behauptung sollte meiner Meinung nach nicht einfach so als Wahrheit in den Raum gestellt werden, denn diese Wahrheit entpuppt sich dann unweigerlich als Heuchelei. Kein Mensch schafft es, dass ihm alle 7 Milliarden Menschen nicht gleichgültig sind und sobald tiefere Beziehungen ins Spiel kommen, ist es auch wichtig, sich von anderen abgrenzen zu können und dazu ist eine gewisse Gleichgültigkeit sogar förderlich. Ich möchte wissen, wie Skorka da reagieren würde, wenn ich oder ein anderer ihn mit seinem Menschsein „penetrieren“ würde. Herr Skorka so wie der Papst begeben sich nicht einmal in Situationen, die eine menschliche Nähe zulassen würden und sie haben auch nicht genug Erfahrung mit dem was sie als „Nicht-Gleichgültigkeit“ vom anderen fordern. Bin ich für Skorka der Nächste, oder was heißt das überhaupt? Es ist leicht solche Aussagen zu tätigen, aber lassen sich Geistliche wirklich so auf ihre Nächsten ein, wie sie es da zumindest vorgeben tun zu wollen? Der Mensch als Abstraktum gedacht ist etwas anderes als der Mensch, der mir gerade jetzt begegnet. Die Gesellschaft gibt es genau genommen gar nicht, wenn ich über meinen Nächsten spreche. Und das sind die Schwierigkeiten, die sich ergeben, wenn man so allgemeine Sätze hinwirft. Der Nächste und die Gesellschaft, das sind große Worte und große problematische Aussagen, die zumindest ein bisschen erläutert gehören. Es liegt mir fern, beide Geistliche in der Luft zu zerreisen, wie ich es hier zum Teil tue, und ich nehme hier einen Teil für das Ganze und lege übertrieben dar, was bei diesem Gespräch falsch gelaufen ist. Aber die Erwartungen sind einfach groß, denn die beiden wurden als höchste Glaubensinstanzen gewählt und das darf nicht übersehen werden. Wie Bergoglio selbst an einer Stelle sagt:

„Es gibt einen Unterschied, ob man ein Lehrer oder ein Meister ist. Der Lehrer unterrichtet einfach nur sein Fach, während der Meister, der wahre Lehrer, sich selber einbringt. Er ist zutiefst an seinem Unterricht beteiligt. Seine Lehre und sein Leben stimmen überein.“

Wenn sich beide Geistlichen wirklich selbst einbringen würden, dann hätten sie keine Zeit, diese Gespräche zu führen, denn dann wären sie dort, wo sie ihrer Meinung nach gebraucht werden:

„Das Leben ist ein Kampf, und wenn jemand, der diesen Kampf mit Würde geführt hat, seine letzte Lebensphase in schrecklicher Einsamkeit verbringen muss, dann ist das sehr bitter. In medizinischer Hinsicht verdienen manche dieser Altersheime die Bestnote, aber in spiritueller Hinsicht lassen sie viel zu wünschen übrig. Ein alter Mensch braucht Liebe, Zuneigung, Gespräch.“

Über solchen Aussagen war ich eben enttäuscht, denn es ist leicht, sich im Warmen und „Sicheren“ mit Glaubensfragen auseinander zu setzen und groß zu reden und schwer, diese großartigen Gedanken und Wahrheiten in die Praxis umzusetzen. In diesem Buch sprechen nicht zwei demütig Glaubende miteinander, die ihre tiefsten Gotteserfahrungen und Glaubensfragen erörtern, sondern zum Großteil zwei Intellektuelle, die allgemeine, nicht immer nur demütige Aussagen tätigen.

Ein paar Sätze noch, die mir gut gefallen haben:

(Bergoglio)
Theologisch betrachtet ist der Teufel ein Wesen, das gewählt hat, den Plan Gottes nicht zu akzeptieren. Das Meisterwerk des Herrn ist der Mensch, einige Engel akzeptierten das nicht und rebellierten. Der Teufel ist einer davon. Im Buch Ijob ist er der Verführer, der Gottes Werk zu zerstören sucht, der uns zur Selbstzufriedenheit führt, zum Hochmut. Jesus definiert ihn als den Vater der Lüge, und das Buch der Weisheit sagt, Sünde und Tod seien durch den Neid des Teufels auf Gottes Meisterwerk in die Welt gekommen. Seine Früchte sind immer Zerstörung, Spaltung, Hass und Verleumdung. Und in meiner persönlichen Erfahrung spüre ich das jedes Mal, wenn ich versucht bin, etwas anderes zu tun als das, was Gott von mir verlangt. Ich glaube, dass es den Teufel gibt. Vielleicht war es sein größter Erfolg in diesen Zeiten, uns glauben zu lassen, es gäbe ihn nicht, alles werde auf einer rein menschlichen Ebene ausgemacht. Das Leben des Menschen auf Erden ist ein ständiger Kampf, Ijob sagt das in dem Sinne, dass man fortwährend auf die Probe gestellt wird; ein Kampf also, um Situationen zu bewältigen und über sich selbst hinauszuwachsen

(Skorka)
Wenn jemand von sich sagt: „Ich bin Atheist“, dann ist das meiner Meinung nach eine arrogante Haltung. Die viel wertvollere Position ist die des Zweifels. Ein Agnostiker denkt, dass er die Antwort noch nicht gefunden hat, während ein Atheist überzeugt ist, zu 100 Prozent überzeugt ist, dass es Gott nicht gibt. Damit legt er die gleiche Arroganz an den Tag wie jemand, der steif und fest behauptet, dass Gott existiert, so wie dieser Stuhl existiert, auf dem ich gerade sitze. Religiöse Menschen wie wir sind Gläubige, und Gläubige halten Gottes Existenz nicht für selbstverständlich. Bei einer tiefen, wirklich sehr, sehr tiefen Begegnung können wir ihn spüren, aber Ihn selbst sehen wir nie. Wir erhalten subtile Antworten. Der Einzige, der laut der Tora explizit mit Gott gesprochen hat, von Angesicht zu Angesicht, war Mose. Allen anderen – Jakob, Isaak – erschien er in Träumen oder auf eine andere indirekte Art und Weise. Wer behauptet, dass Gott existiert, als wäre dies eine Gewissheit unter vielen, erweist sich als arrogant, egal wie überzeugt er ist.

(Skorka)
Wir sollten Gott nicht durch die Brille der natürlichen Logik betrachten, sondern ihn in ganz eigenen Begriffen denken. Schon Maimonides hat sich mit dieser Frage auseinandergesetzt. Ein Agnostiker könnte dessen berühmtes Paradox anführen: Wenn Gott allmächtig ist, kann er einen Stein erschaffen, den er nicht anheben kann; aber wenn er tatsächlich einen Stein erschafft, den er nicht anheben kann, ist er nicht allmächtig. Gott steht über der Logik und ihren Paradoxien. Oder wie Maimonides sagt: Gott kennt die Dinge in ihrer Gesamtheit. Das Wissen des Menschen hingegen ist begrenzt. Wüssten wir so viel wie Gott, wären wir selbst Götter.

(Bergoglio)
Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun.

(Skorka)
Ich glaube zwar, dass ein Mensch die spirituelle Kraft haben kann, einen Kranken zu heilen, aber das Wunder kommt letztlich von Gott. Nie vom Menschen. Die chassidische Tradition lehrt, dass es laut dem Talmud 36 Gerechte gibt, um derentwillen Gott die Welt nicht untergehen lässt; dass aber jeder dieser Gerechten in dem Moment, in dem er sich selbst für einen gerechten hält, aufhört, ein solcher zu sein.

(Bergoglio)
Wenn ich ein Problem mit jemandem habe, hilft mir eine Haltung der ägyptischen Mönche aus der Frühzeit des Christentums. Sie klagten sich selbst an, um einen Lösungsweg zu finden; sie setzten sich auf die Anklagebank, um zu sehen, welche Dinge in ihnen nicht richtig funktionierten. Ich mache das, um zu beobachten, welche Dinge in mir nicht richtig funktionieren. Diese Haltung gibt mir die Freiheit, um anschließend dem anderen seinen Fehler verzeihen zu können. Man sollte den Irrtum des anderen nicht zu sehr herauskehren, denn ich habe meinen eigenen, wir haben beide unsere Fehler. Die Eintracht der Personen, der Völker, wird geschaffen, indem man nach Wegen sucht;

(Skorka)
Ich habe weiter über das Thema Konflikt nachgedacht. Mir gefällt, was Freud dazu zu sagen hat: dass der Mensch nicht um Konflikte herumkommt, dass aber die Art, wie er sie löst, bestimmt, wie er handelt. Ein Arzt könnte seinen Beruf nicht ausüben, wenn er nicht über eine gewisse Aggressivität verfügen würde, denn allein schon ein Skalpell in die Hand zu nehmen – oder auch nur eine einfache Spritze zu setzen oder Blut abzunehmen – hat etwas Gewalttätiges an sich. Aber er sublimiert diesen Anteil in sich eben zu etwas Positivem. Jeder von uns muss sich überlegen, wie er mit seiner Aggressivität umgeht, mit seinen destruktiven Neigungen. Ich glaube –und das hat nicht Freud erfunden, das steht schon in den rabbinischen Schriften von vor 2000 Jahren -, dass wir einen Instinkt zum Guten und einen Instinkt zum Bösen haben; und dass es darauf ankommt, diesen negativen Instinkt in etwas Positives zu verwandeln. Wenn Konflikte nicht auf diese Weise gelöst werden, entsteht eine Welt wie die, in der wir leben; weil die Dimension der Demut fehlt. Mose war aus vielerlei Gründen der größte aller Propheten, aber der Hauptgrund war, dass er der demütigste unter allen Menschen war.

Der Mensch ist ein konfliktreiches Wesen, das macht seine Stärke aus, aber auch seine Schwäche. Im Talmud heißt es an einer Stelle, dass der Mensch sowohl etwas Engelhaftes als auch etwas Tierisches hat. Engel sind reine und geistige Wesen, die keinen eigenen Willen haben und lediglich Gottes Befehle ausführen. Der Mensch hingegen hat alles drei: einen freien Willen, tierische Eigenschaften und geistige Eigenschaften. Und diese Eigenschaften geraten permanent miteinander in Konflikt.

(Skorka)
Wenn wir zu einer tieferen Religiosität kommen wollen, müssen unsere geistlichen Führer demütiger werden. Eltern müssen ihren Kindern erläutern, dass der Glaube, den sie ihnen vermitteln, ihr Glaube ist und dass sie diesen ihren Glauben gern in ihnen weitergeführt und verbessert sähen. Aber es ist falsch, die Religion des anderen schlecht zu machen, zu glauben, dass man die allein gültige Wahrheit besitzt. Wenn wir zu einer Haltung wahrer Demut finden, können wir die Welt verändern. De Prophet Micha gibt geradezu eine Definition eines religiösen Menschen: „Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott.“
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Über Himmel und Erde, 5. Oktober 2013
Von 
K. Johann "Joerg" (Monheim Schwaben) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Eine spannende Gegenüberstellung von Begriffsdeutungen, die zum persönlichen Vertiefen der Inhalte anregt. Erstaunlich kurzweilig. Die kurzen und prägnanten Darlegungen sind übersichtlich.
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14 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Welch ein Buch! Welch ein Dialog! Welch ein Zeugnis! Großartig!, 8. Mai 2013
Der argentinische Jesuit Jorge Bergoglio und seit wenigen Wochen amtierende Papst Franziskus ist eine Persönlichkeit, auf die unsere Welt seit langem gewartet hat. Ein Geschenk des Himmels, ein Hoffnungsträger, der die Botschaft Jesu Christi in ihrer tiefsten Dimension durchdrungen hat und in die Welt tragen wird, nicht als dogmatischer Missionar, sondern als Mensch, der sich von einer römischen Kirchenfürsten-Hierarchie und Glaubensdiktatur distanziert. Drei Jahre vor seiner Wahl zum Papst führte Jorge Bergoglio in seiner Heimat Argentinien einen faszinierenden Dialog mit dem 14 Jahre jüngeren Rabbiner und Freund Professor Dr. Abraham Skorka. Sie berühren in ihren vielfältigen Themen über Gott, Teufel, Atheismus, Geistige Führung, Gebet, Schuld, Sterbehilfe, Tod, Alter, Frauen, Abtreibung, Scheidung, Homosexualität, Wissenschaft, Schule, Erziehung, Politik und Macht, Globalisierung, Armut, Holocaust,
Zukunft der Religionen u.v.m. die Dimension und Erfahrungsfülle des menschlichen Wesens. Die herzensgebildeten Freunde, der Christ und der Jude, berühren den Leser auf jeder Seite des Buches. Jorge Bergoglio: "Jeder Mensch ist ein Ebenbild Gottes, ob er nun gläubig ist oder nicht. Eine rein ritualistische Religion ist zum Sterben verurteilt, denn sie füllt einen mit Riten, lässt das Herz aber leer!" Und Abraham Skorka begeistert über Jorge Bergoglio: "Ein gradliniger Mensch, der die Dinge beim Namen nennt."Zwei Freunde, die ihre bedingungslose Liebe zu den Menschen zum Ausdruck bringen. Großartig! Ein Buch, das Hoffnung macht.Herzensbildung benötigt keine metaphysischen Spekulationen. Die in jedem Menschen tief verwurzelte religiöse Weisheit wird zu neuem Leben erweckt.

Roland R. Ropers
Religionsphilosoph & Publizist
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Papst Franziskus, 29. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein sehr ehrliches Buch mit klugen Gedanken zu Christentum und Judentum + + + + + + + + +
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie denkt Papst Franziskus?, 22. Juli 2013
Wie denkt Papst Franziskus?

Gespannt blickt man auf den Vatikan mit der Frage. „Was ist von Franziskus zu erwarten“. Dass er die Menschen nach seiner Wahl schlicht mit ‚Guten Abend’ begrüßt, ihr nach dem ersten Angelus-Gebet am Sonntag ‚Guten Appetit‘ wünscht, ja, selbst dass er auf prunkvolle Gewänder verzichtet und in einem alten Ford fährt, sagt noch nicht viel. Wichtiger ist schon, dass er als erste Enzyklika ‚Lumen fidei‘ unter seinem Namen herausgibt, eine Enzyklika, die Papst Benedikt geschrieben, aber vor seinem Rücktritt nicht mehr vollendet hat. Das sagt etwas über die geistige Übereinstimmung beider aus. Man ist gespannt, wie er mit der Kurie umgehen wird. Und da ist schon erstaunlich, wie er sie ein bisschen umgeht, indem er sich zunächst ein Beratergremium von 8 Kardinälen nach seiner Wahl schuf.
Wer mehr über sein Denken erfahren will, sollte sein Buch ‚Über Himmel und Erde‘ lesen. Drei Jahre vor seiner Wahl sprach er mit seinem langjährigen Freund, dem Rabbiner Skorka über ihre Ansichten zu Glauben, Kirche und Gesellschaft. Es ist erstaunlich, wie hier zwei tief religiöse Menschen unterschiedlicher Konfessionen miteinander reden. Das Wort ‚Toleranz‘ wäre unangebracht. Denn zwischen beiden gibt es keine Gegensätze, sie gehen völlig von ihren Gemeinsamkeiten aus und suchen von diesen Gemeinsamkeiten ausgehend nach Wahrheiten, nach Lösungen zur Bewältigung zeitlicher Probleme.
Allein die Kapitel über den Menschen sind umfassend: Tod, Sterbehilfe, Alter, Frauen, Abtreibung, Scheidung, Ehen Gleichgeschlechtlicher, zu all diesen Bereichen findet der Lesser qualifizierte Aussagen.
Natürlich wollen speziell Katholiken erfahren, was sie für ihre Kirche von von diesem Papst zu erwarten haben. Mit Erstaunen liest man dass in Brasilien nur 40% Bewerber für das Priesteramt ins Seminar aufgenommen werden. Immer wieder betont Franziskus, wie wichtig es ist, die Auffassung jedes Einzelnen zu respektieren. Auf autoritären Machtanspruch habe man zu verzichten. Priester sollten sich die Ärmel hochkrempeln, durch ihr Beispiel wirken.
Franziskus weiß, der Zölibat muss nicht sein, aber er erklärt auch die Vorteile der priesterlichen Ehelosigkeit. Selbst in der Ostkirche dürften Priester nur vor der Ordination heiraten, danach nicht mehr. Da Pracht und Prunk der Kirche nicht ansteht, ihr im Gegenteil schadet, weil sie zur Veräußerlichung führt, hat man schon bei der Erstkommunion eine einheitlich schlichte Kleidung der Kinder durchgesetzt. Im Hinblick auf die Ökumene spricht er von einer versöhnten Verschiedenheit, die eigentlich das Ziel sei.Das Schwergewicht sollte auf den einzelnen Gemeinden liegen, ein zu starker Zentralismus wäre nicht gut, zumal jedes Volk die Religion seiner Kultur anpasst.
Beide Gesprächspartner klagen darüber, dass der Respekt vor dem Leben verloren gegangen sei. Die heutige Gesellschaft sei zu hedonistisch, konsumorientiert und narzisstisch. Wer das Buch liest, wird erkennen, was von diesem Papst wohl zu erwarten ist: Er wird nicht durch Worte Wirkung erzielen, er wird den Geist des Christentums vorleben.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Franciscus bleibt bei dem, was er als Jorge Bergoglio gesagt hat, 17. Juli 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über Himmel und Erde: Jorge Bergoglio im Gespräch mit dem Rabbiner Abraham Skorka - Das persönliche Credo des neuen Papstes (Kindle Edition)
Vieles von dem, was Papst Franciscus jetzt als Papst sagt, kommt bereits in diesem Buch vor. Zudem hatte ich die Gelegenheit, seinen Gesprächspartner, den Rabbiner Skorka, persönlich kennenzulernen und seine Wertschätzung für Jorge Bergoglio zu sehen. Das Buch scheint die Denkansätze dieser beiden Autoren getreu wiederzugeben. Franciscus scheint das, was er damals gesagt bzw. als Erzbischof von Buenos Aires geschrieben hat, auch jetzt als Bischof von Rom durchzuhalten.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr interessant, 28. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wenn man dieses Buch liest und den Papst erlebt, wie er in Rom als Bischof und Papst die Schäfchen leitet, dann
werden wir noch Überraschungen erleben. Dieses Buch ist einfach genial, im Moment liest es mein Pfarrer.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen lesenswert auch für vermeintlich Nichtgläubige, 12. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über Himmel und Erde: Jorge Bergoglio im Gespräch mit dem Rabbiner Abraham Skorka - Das persönliche Credo des neuen Papstes (Kindle Edition)
Ich wollte mich schlau machen. Wer ist dieser neue Papst Franziskus?
Beim Lesen des Buches musste ich innehalten. Fragen, Zweifel und Orientierungen wirbelten durch den Kopf und gilt es nun zu ordnen. Das wird ein langer Gang. Doch den Weg vom Hirn zum Herzen haben die beiden Herren für mich verkürzt.
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5 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leicht verständlicher Einblick in die Gedankenwelt des neuen Papstes, 28. Mai 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Über Himmel und Erde: Jorge Bergoglio im Gespräch mit dem Rabbiner Abraham Skorka - Das persönliche Credo des neuen Papstes (Kindle Edition)
Das Buch liefert einen guten Einblick in die Gedankenwelt de neuen Papstes. Er verwendet so gut wie keine Fachbegriffe, so das auch der interessierte Laie das Buch ohne Probleme lesen und verstehen kann. Dabei thematisiert es umfassend die Themen, welche die Kirche betreffen. Homo-Ehe, Tod, Politik, Zölibat, die Beziehungen zwischen den Religionen und vieles mehr.
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