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"Man darf die Grausamkeiten der Menschen nicht Gott anlasten."

(Carla La Penautier, maltesische Adlige)

In der Schlacht bei Mohacs, am 29.08.1526 besiegte Süleyman das Heer Lajos II., wodurch weite Teile Ungarns unter die direkte Herrschaft der Osmanen, bzw. in deren Abhängigkeit geraten sollten. Bereits 44 Monate zuvor hatte der Sultan den Rittern des Johanniterordens eine ehrenvollen Abzug von Rhodos gewährt, da sie sich mit einem Eid verpflichtet hatten, nie mehr gegen das osmanische Reich die Waffen zu erheben. Nachdem den Ordensrittern im Jahre 1530 von Kaiser Karl V. die Inseln Malta, Gozo und Comino als neues Staatsgebiet überlassen worden waren, brachen sie jedoch den geleisteten Eid. Mit ihren Galeeren machten sie sich erneut zu Raubzügen im Mittelmeer auf, das dadurch im Wechsel mit den moslemischen Kontrahenten aus Nordafrika -je nach Standpunkt- als unsicher, bzw. sicher bezeichnet werden konnte....

....bis Suleiman der Prächtige, der auch als Kanuni (Gesetzgeber) bezeichnet wird, den Befehl erteilte, dass dieser erneute "Stachel in seinem Meer" entfernt werden soll. Im Jahre 1565 rückte eine gewaltige osmanische Flotte, unterstützt von ihren nordafrikanischen Verbündeten, mit insgesamt mehr als 40.000 Kämpfern an, um die nunmehr Malteser genannten Ordensritter zu vernichten und die Inseln zu erobern. Dieser gewaltigen Übermacht standen der vom christlichen Europa alleingelassene Großmeister Jean de la Valette-Parisot mit 9000 Kämpfern, einschließlich einiger Hundert Ordensbrüdern gegenüber.....

....vor dieser gewaltigen Kulisse der Weltgeschichte lässt Tim Willocks die Handlung seines ersten, unter dem treffenderen englischen Originaltitel "The Religion" (als Glaubensbekenntnis oder Bezeichnung für den Ritterorden) publizierten Romans ablaufen. Der deutsche Titel "Das Sakrament" ist ein Fehlgriff da der Roman keine der sieben Handlungen, die aus der "deputatio ad cultum divinum" hergeleitet werden, thematisiert, sondern vielmehr geeignet ist, falsche Assoziationen zu erfolgreichen Publikationen ("Sakrileg") zu erwecken. Auch das für die deutsche Ausgabe gewählte Cover führt zu Irritationen, weil es das achtspitzige weiße Ordenkreuz der Johanniter/Malteser, dass auf dem schwarzen oder roten Habit getragen wird, in roter Farbe (!) abbildet.

Der mit großem Merchandising angekündigte historische Roman, der angeblich auch Ken Follets "Säulen der Erde" in den Schatten stellen würde, weist ein hohes Maß an historischen, geographischen und anderen begrifflichen Fehlern und Ungenauigkeiten vor. Die folgende Aufzählung ist nur beispielhaft und nicht abschließend. Bereits die im Prolog verwendete Ortsangabe "In den Fogarasch Bergen – Auf der Ostungarischen Steppe" ist geradezu paradox, denn die Transsilvanischen Alpen (Südkarpaten) sind weit von der Puszta entfernt. Gegen die Bezeichnung als Steppe spricht zudem die ungarische Name Siebenbürgens: Erdély, (von Erdő-elve; ung. erdő: "Wald"). Der aus dem persischen hergeleitete Titel "Padisha", war in der Form "Pascha" bei den Osmanen seit dem 15. Jahrhundert der Titel der höchsten Beamten und Militärs und daher keine Bezeichnung für den Sultan. Devşirme (türk.: sammeln) ist der Terminus für die osmanische Zwangsrekrutierung christlicher Kinder zum Militärdienst (Knabenlese) und daher kein Begriff für den Zwangsrekrutierten selbst. Philipp II. war König von Spanien, Portugal und Sizilien und herrschte über ein riesiges Kolonialreich, anders als ein Vater Karl V. trug er jedoch nicht den Kaisertitel. Die Belagerung von Rhodos fand nicht 1521 statt, sondern begann am 26. Juni 1522 und endete am 1. Januar 1523 mit dem Abzug der Johanniter. Der Kommandeur einer Orta der Janitscharen stand im Range eines Kompanieführers (Hauptmannes) und wurde als Corbschi und nicht als Janitor bezeichnet, denn derart wurde vielmehr in der römischen Antike ein Sklave (lat. auch ostiarius), der als Tor- bzw. Türhüter von seiner cella ostiaria aus den Hauseingang zu bewachen hatte, bzw. ein mittelalterlicher Klosterpförtner, genannt.

Trotz der aufgezeigten Mängel ist dem studierten Psychologen Tim Willocks eine abenteuerliche Geschichte um Liebe und Glauben, Obsession und Intrige, Krieg und Verrat gelungen, in der er besonderen Wert auf die Charakter seiner Protagonisten und ihren sozialen Beziehungen gelegt hat. Der in fünf Kapitel mit Prolog und Epilog gegliederte Roman bietet daher mit seinen 21 AudioCD 26 Stunden und 45 Minuten beim Zuhören eine diesbezügliche Spannung. Als Zugabe gibt es zwei einfache Karten des maltesischen Archipels und des großen Hafens, ein Dramatis Personae fehlt jedoch. David Balls Roman "Asha", der ebenfalls die Belagerung Maltas zum Gegenstand hat, ist jedoch Vergleich zu "Das Sakrament" glaubwürdiger und weist vor allem mehr historische Details vor. Bleibt zu hoffen, dass die vom Autor geplanten Sequels, mit der die Geschichte von Mattias Tannhäuser und Carla zu einer Trilogie werden soll, ein höheres Maß an besser recherchierten Fakten bieten werden. 3 ½ Amazonsterne.
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am 14. Februar 2009
Der Autor dieses schön recherierten und mitreissend erzählten Romans, Tim Willocks, macht aus dem Leser einen Grenzgänger der Kulturen und der Zeit.

Mattias Tannhäuser wird als Junge von einer türkischen Streifschar entführt und kommt als Ibrahim zu den Janitscharen. In dieser türkischen Eliteeinheit, gebildet aus geraubten Christenkindern, macht er Karriere und wendet ihnen aber kriegsmüde den Rücken zu.
Wärend die osmanischen Türken den tödlichen Schlag gegen den christlichen Ritterorden auf Malta vorbereitet, hat sich Tannhäuser bereits zehn Jahre mit seinen beiden besten Freunden Svi und Bors durch den halben Mittelmeerraum gehandelt gezecht und gehurt. Den drohenden türkischen Angriff sieht er nur als eine gute Gelegenheit durch handel reich zu werden.
Allerdings sieht der Großmeister der Malteser Ritter La Valette Tannhäusers Wissen um die türkische Kriegsführung als mitentscheidende strategische Ressource. Um Tannhäuser in den Konflikt mit hineinzuziehen setzt er die schöne verwitwete Gräfin Carla auf ihn an.
Diese und ihre treue spanische Begleiterin haben aber ein ganz eigenes Interesse nach Malta zu kommen. Es rangt sich ein gut gehütetes Geheimnis um die Vergangenheit der Gräfin auf Malta...

Fazit: toller Roman, der den Helden in die Zwickmühle zwischen zwei Frauen geraten läßt. Letztendlich versucht der Protagonist wenigstens seine Seele zu retten.
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am 9. September 2006
Wer das Sakrileg kauft, sollte trotz des irrefuehrenden Titels keinesfalls einen weiteren Dan-Brown-Verschnitt um religioese Geheimsekten erwarten. Es handelt sich um einen echten Historienroman, und zwar meiner Meinung nach um einen der Besten!

Nach einem packenden Prolog und einer doch etwas lang geratenen Einfuehrung der Hauptpersonen verlagert sich die Handlung nach Malta zum Kampf zwischen dem Malteserorden und dem Heer Suleymans.

Die folgenden 600 Seiten haben mich absolut in ihren Bann gezogen. An der Beschreibung des Krieges hat mir besonders gut gefallen, dass der Autor nicht der bei dem Setting allzu naheliegenden Versuchung erliegt, ihn als heldenhaften Abwehrkampf der Christenheit gegen die dunklen moslemischen Horden zu schildern. Ueber die Hauptperson Tannhaeuser bietet er Zugang zu beiden Lagern und zeigt neben den Heldentaten auch die auf beiden Seiten begangenen unglaublichen Grausamkeiten.

Neben der fesselnden Darstellung der Schlachten vergisst Willocks jedoch auch die Charakterentwicklung der Protagonisten nicht und bietet zudem noch etwas fuers Herz (die sterbende Nachtigall, wer das Buch gelesen hat, wird wissen was ich meine..).

Fazit: Ein Muss fuer alle Freunde von Historienromanen!
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"Man darf die Grausamkeiten der Menschen nicht Gott anlasten."

(Carla La Penautier, maltesische Adlige)

In der Schlacht bei Mohacs, am 29.08.1526 besiegte Suleiman das Heer Lajos II., wodurch weite Teile Ungarns unter die direkte Herrschaft der Osmanen, bzw. in deren Abhängigkeit geraten sollten. Bereits 44 Monate zuvor hatte der Sultan den Rittern des Johanniterordens eine ehrenvollen Abzug von Rhodos gewährt, da sie sich mit einem Eid verpflichtet hatten, nie mehr gegen das osmanische Reich die Waffen zu erheben. Nachdem den Ordensrittern im Jahre 1530 von Kaiser Karl V. die Inseln Malta, Gozo und Comino als neues Staatsgebiet überlassen worden waren, brachen sie jedoch den geleisteten Eid. Mit ihren Galeeren machten sie sich erneut zu Raubzügen im Mittelmeer auf, das dadurch im Wechsel mit den moslemischen Kontrahenten aus Nordafrika -je nach Standpunkt- als unsicher, bzw. sicher bezeichnet werden konnte....

....bis Suleiman der Prächtige, der auch als Kanuni (Gesetzgeber) bezeichnet wird, den Befehl erteilte, dass dieser erneute "Stachel in seinem Meer" entfernt werden soll. Im Jahre 1565 rückte eine gewaltige osmanische Flotte, unterstützt von ihren nordafrikanischen Verbündeten, mit insgesamt mehr als 40.000 Kämpfern an, um die nunmehr Malteser genannten Ordensritter zu vernichten und die Inseln zu erobern. Dieser gewaltigen Übermacht standen der vom christlichen Europa alleingelassene Großmeister Jean de la Valette-Parisot mit 9000 Kämpfern, einschließlich einiger Hundert Ordensbrüdern gegenüber.....

....vor dieser gewaltigen Kulisse der Weltgeschichte lässt Tim Willocks die Handlung seines ersten, unter dem treffenderen englischen Originaltitel "The Religion" (als Glaubensbekenntnis oder Bezeichnung für den Ritterorden) publizierten Romans ablaufen. Der deutsche Titel "Das Sakrament" ist ein Fehlgriff da der Roman keine der sieben Handlungen, die aus der "deputatio ad cultum divinum" hergeleitet werden, thematisiert, sondern vielmehr geeignet ist, falsche Assoziationen zu erfolgreichen Publikationen ("Sakrileg") zu erwecken. Auch das für die deutsche Ausgabe gewählte Cover führt zu Irritationen, weil es das achtspitzige weiße Ordenkreuz der Johanniter/Malteser, dass auf dem schwarzen oder roten Habit getragen wird, in roter Farbe (!) abbildet.

Der mit großem Merchandising angekündigte historische Roman, der angeblich auch Ken Follets "Säulen der Erde" in den Schatten stellen würde, weist ein hohes Maß an historischen, geographischen und anderen begrifflichen Fehlern und Ungenauigkeiten vor. Die folgende Aufzählung ist nur beispielhaft und nicht abschließend. Bereits die im Prolog verwendete Ortsangabe "In den Fogarasch Bergen – Auf der Ostungarischen Steppe" ist geradezu paradox, denn die Transsilvanischen Alpen (Südkarpaten) sind weit von der Puszta entfernt. Gegen die Bezeichnung als Steppe spricht zudem die ungarische Name Siebenbürgens: Erdély, (von Erdő-elve; ung. erdő: "Wald"). Der aus dem persischen hergeleitete Titel "Padisha", war in der Form "Pascha" bei den Osmanen seit dem 15. Jahrhundert der Titel der höchsten Beamten und Militärs und daher keine Bezeichnung für den Sultan. Devşirme (türk.: sammeln) ist der Terminus für die osmanische Zwangsrekrutierung christlicher Kinder zum Militärdienst (Knabenlese) und daher kein Begriff für den Zwangsrekrutierten selbst. Philipp II. war König von Spanien, Portugal und Sizilien und herrschte über ein riesiges Kolonialreich, anders als ein Vater Karl V. trug er jedoch nicht den Kaisertitel. Die Belagerung von Rhodos fand nicht 1521 statt, sondern begann am 26. Juni 1522 und endete am 1. Januar 1523 mit dem Abzug der Johanniter. Der Kommandeur einer Orta der Janitscharen stand im Range eines Kompanieführers (Hauptmannes) und wurde als Corbschi und nicht als Janitor bezeichnet, denn derart wurde vielmehr in der römischen Antike ein Sklave (lat. auch ostiarius), der als Tor- bzw. Türhüter von seiner cella ostiaria aus den Hauseingang zu bewachen hatte, bzw. ein mittelalterlicher Klosterpförtner, genannt.

Trotz der aufgezeigten Mängel ist dem studierten Psychologen Tim Willocks eine abenteuerliche Geschichte um Liebe und Glauben, Obsession und Intrige, Krieg und Verrat gelungen, in der er besonderen Wert auf die Charakter seiner Protagonisten und ihren sozialen Beziehungen gelegt hat. Der in fünf Kapitel mit Prolog und Epilog gegliederte Roman bietet daher mit seinen drei MP3-Discs 26 Stunden und 45 Minuten beim Zuhören eine diesbezügliche Spannung. Als Zugabe gibt es zwei einfache Karten des maltesischen Archipels und des großen Hafens, ein Dramatis Personae fehlt jedoch. David Balls Roman "Asha", der ebenfalls die Belagerung Maltas zum Gegenstand hat, ist jedoch Vergleich zu "Das Sakrament" glaubwürdiger und weist vor allem mehr historische Details vor. Bleibt zu hoffen, dass die vom Autor geplanten Sequels, mit der die Geschichte von Mattias Tannhäuser und Carla zu einer Trilogie werden soll, ein höheres Maß an besser recherchierten Fakten bieten werden. 3 ½ Amazonsterne.
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am 2. September 2009
Das Buch behandelt die Belagerung Maltas durch das türkische Heer.
Der Held des Buches ist ein gewisser Tannhäuser der durch das Aufwachsen im türkischen Reich den Verteidigern Maltas etwas über die osmanische Kriegsführung beibringen soll.
Ihn dazu zu bewegen scheitert erst, gelingt aber am Ende doch. Er steht mit Rat und Tat den verteidigenden Kreuzrittern zur Verfügung, da er sich für eine Frau interessiert, die unbedingt Ihren unehelichen Sohn auf Malta suchen und retten will.
Das Buch schildert eindrucksvoll die Schlachttaktik der damaligen Zeit und das Leiden aller beteiligten durch Verletzungen, mangelhafte Nahrung und verseuchtes Wasser.
Den Übersetzern ist es tatsächlich gelungen über weite Strecken die Spannung lebendig zu halten, die Druckqualität des Buches ist gut.
Alles in allem ein Buch welches Liebe, Triebe, Kriminalistik und Historie sehr gut unter einen Hut bekommt.
Mein diesjähriger Favorit bei den historischen Romanen!
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am 14. September 2006
Ohne schlechtes Gewissen darüber, die Marketingkampagne des Verlages zu unterstützen, kann ich "Das Sakrament" absolut begeistert weiterempfehlen. Das Buch ist tatsächlich einer, wenn nicht der beste Historienroman, den ich kenne, und ich stelle es mir angesichts der Übersättigung des Historienroman-Marktes wahrlich nicht leicht vor, etwas Neues mit einem solchen Gehalt, einer solchen Spannung und soviel Herz und Hirn zu schaffen. Das Buch von stolzen 760 Seiten beginnt an wirklich keiner einzigen Stelle zu nerven, es treten nirgendwo Wiederholungen auf (und das trotz der über zwei Drittel des Buches ausmachenden Schilderung der Schlacht um Malta!), man empfindet weder eine Oberflächlichkeit von Gedanken noch eine Unglaubwürdigkeit von Handlungen, man kann sich in jede der Hauptpersonen hineinversetzen und die Beweggründe ihres Handelns erspüren. Eigentlich ist der Plot des Buches gar nicht sehr ausgeklügelt und verschlungen, aber so authentisch und packend umgesetzt, dass man sofort in den Bann gezogen wird und dank des frischen, nicht gestelzten und trotzdem den Zeitgeist widerspiegelnden Schreibstils mit Leichtigkeit bis zum Ende durchhält. Vielleicht hätte noch eine kleine Hilfe für die sehr eigene Aussprache der maltesischen Orte am Ende angefügt werden können...

Alles in allem ein wunderbares, durch und durch glaubwürdiges und kluges Buch, das jede Minute des Lesens lohnt!
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am 27. März 2015
In Arabien, erklärte, sagt man, dass früher einmal die Rosen weiß waren.
Mit hellwacher Neugier stand Amparo auf. Sie blickte auf die roten Blüten, die dicht an dicht hingen, und dann wieder zu ihm.

Eines Abends, bei abnehmbarem Mond, fuhr Tannhäuser fort, landete eine Nachtigall bei solch einer Rose - einer hohen weißen Rose - und entbrannte beim ersten Anblick in Liebe zu ihr. Nun hatte man bis zu diesem Tage niemals eine Nachtigall singen hören….
Die Nachtigallen konnten nicht singen?, fragte Amparo voller Eifer.
Tannhäuser nickte. Sie verbrachten stumm ihr Leben, vom Anfang bis zum Ende, aber die Liebe dieser Nachtigall war übermächtig - die Liebe zu dieser wunderbaren weißen Rose - dass ihr Lied von wunderbarer Schönheit aus der Kehle strömte. Dabei breitete sie ihre Flügel wie zu einer leidenschaftlichen Umarmung aus und…….

Er hielt inne, denn das Mädchen schien völlig verzaubert und schaute ihm mit so schmerzlicher Verzückung an, dass er sich fürchtete, ihr das Ende der Geschichte zu erzählen.
Bitte, drängte sie ihn, fahrt fort.
Die Nachtigall drückte die Rose an die Brust, aber mit so wilder Leidenschaft, dass die Dornen ihr Herz durchbohrten und sie starb, während ihre Flügel noch um die Blüte gebreitet waren.
Amparo schlug entsetzt die Hände vor den Mund, und sie trat einen Schritt zurück, als wäre ihr eigenes Herz durchbohrt worden. Tannhäuser deutete auf die roten Blüten.

Das Blut der Nachtigall färbte die weißen Blütenblätter. Und deswegen blühen seither bestimmte Rosen rot!
Amparo dachte eine Weile darüber nach. Mit großem Ernst fragte sie dann; Ist das wahr?
"Es ist eine Geschichte, antwortete Tannhäuser…

Es ist eine Geschichte, über Opfer und Freundschaft, Verrat und Liebe und zwischen dem Glauben an einen Gott auf einen Schlachtfeld und einer belagerten Insel.
Malta: Im Süden Europas, etwas weiter wie das italienische Sizilien gelegen liegt diese Insel im Mittelmeer. Malta war immer schon ein strategisch wichtiges Bollwerk für eine Vielzahl von Völkern und Kulturen. Phönizier, Römer und auch die Spanier bauten die Insel zu einer scheinbar uneinnehmbaren Festung aus. Rund um die Küstenlinie säumen Festungen und Schanzen die Grenze zum Meer.

Der Roman "Das Sakrament" von Tim Willocks schildert die Historische Belagerung Maltas im Jahre 1565. Auf der Insel haben die Ritter vom Johanniterorden, später bekannt als der Malteserorden ihren Stützpunkt. Nach dem Verlust und der Vertreibung von der griechischen Insel Rhodos sind nicht gewillt den Osmanen die letzte Grenze Europas kampflos zu überlassen.
- Story -

Matthias Tannhäuser der Sohn eines sächsischen Schmied dessen Familie in die Karpaten ausgewandert ist, muß mit ansehen wie seine Schwester und Mutter von den eindringenden Türken vergewaltigt und ermordet werden. Mit dem Mut und dem Schock der ihn umfängt, imponiert er einem General der ihn osmanisch erzieht und der Matthias zu einem Janitscharen entwickelt.
Die Janitscharen waren die Elitetruppe und persönliche Leibwache des Sultans. Rekrutiert wurden diese zumeist aus "erbeuteten", eroberten Ländern. Griechen, Bulgaren, Serben und viele andere "Christen" wurden islamisch umerzogen und bis zum 24 oder 25 Lebensjahr ausgebildet.

Doch Matthias entsagt später dem osmanischen Glauben und sagt sich los, desillusioniert und egoistisch baut er sich in Sizilien ein legales und illegales Handelsnetz auf. Tannhäuser ist politisch vollkommen neutral und nur Profit interessiert. Zugleich respektiert und gefürchtet macht ihn das für den Johanniterorden außerordentlich interessant.
Mit einer List versuchen die Ritter vom Orden der Johanniter Matthias für sich zu gewinnen. Seine Kenntnisse als erfahrener und kampferprobter Janitschare könnten dabei helfen die Festung Malta vor den anrückenden Osmanen zu stärken.

Die List kommt daher in der Form einer schönen Frau der Comtessa Carla die ihn bittet ihren vermissten Sohn den sie nach der Geburt noch nie gesehen hat, auf der Insel zu finden und zurückzubringen. Matthias willigt ein unter der Voraussetzung die Comtessa zu heiraten, da ihm dann ein Adelstitel zusteht. Ein reines Geschäft für den Kaufmann der zusammen mit seinem Partner, einem Engländer, Bors von Carlisl aufbricht um sich diesen zu verdienen.
Zusammen mit der Comtessa und ihrer Dienerin Ampara machen sie sich auf den Weg nach Malta. Tannhäuser findet sich schnell inmitten der Schlacht um Malta wieder, aber nicht nur die wird ihren Tribut fordern. Malta ist schon längst von hohem politischem Interesse geworden für den Vatikan und den Spaniern. Der "Botschafter" und Inquisitor Ludovico, den Tannhäuser kennt und verabscheut hat persönliche Interessen daran das Malta als Bastion Christi entweder fällt oder aber durch seine Hilfe und seinen Einfluss gerettet wird.

Tannhäuser ist dies alles recht egal, er hat seine eigenen Pläne, weiß aber auch das die Konfrontation mit Ludovico stattfinden wird, schließlich hat dieser einen seiner Freunde und Gelehrten auf den Scheiterhaufen gebracht und als Ketzer verbrannt.
Es kommt schließlich wie es kommen muss und sollte. Der Plan der Johanniter geht auf und Tannhäuser findet sich auf dem Schlachtfeld wieder. Die Osmanen rücken mit 30000 Soldaten an, dieser Streitmacht stehen nur 700 Ordensritter und ca. 8500 Malteser entgegen. Der Großmeister Jean de la Vallette ein grandioser, aber auch skrupelloser Taktiker sieht sich gezwungen die Insel zu verteidigen, mit allen Mitteln. Für jeden Tag der Belagerung wird ein "Moslem" auf der Festungsmauer, vor den Augen der Osmanen gehängt. Egal ob dieser nun ein Kriegsgefangener ist, oder früher schon auf der Insel gelebt hat. Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt, und das nehmen alle Beteiligten mehr wie nur ernst.

Tannhäuser macht sich auf, den Sohn der Comtessa zu suchen und was er findet wird seine Opfer fordern….
- Kritik -

Der Autor Tim Willocks legt hier mit seinem Debütroman "Das Sakrament" einen großartigen Historischen Roman vor. Vor wenigen Jahren habe ich selbst Malta besucht und die alten Festungen und Schlachtfelder besucht. Willocks Gespür für die historische Komplexität ist brillant und gibt dem Roman eine eindrucksvolle Atmosphäre von der ersten bis zur letzten Seite.
"Das Sakrament" ist ein klassisches Drama mit viel Sinn fürs Detail. Willocks beschreibt alle Situationen in allen Facetten. Nicht nur die vielen Kämpfe werden in der Zeit und dem Ablauf einwandfrei erzählt, auch nimmt sich der Autor viel Platz und Zeit um die schönen Insel, die Natur und die Ortschaften zu beschrieben.

Der Leser fiebert förmlich mit seinen Hauptpersonen mit und hat stets das Gefühl selbst daran beteiligt zu sein. Emotional absolut ansprechend geschrieben.
Die Protagonisten sind stark beschrieben und überaus durchdacht. Matthias Tannhäuser als Hauptfigur wird nicht nur einseitig dargestellt, auch seine Entmenschlichung, seine egoistische Seite werden detailliert geschildert. Er ist ein Wanderer zwischen den Welten, osmanisch erzogen und nun wieder mehrere Jahre in der christlichen Welt lebend, fühlt er sich hin- und hergerissen zwischen Verstand und Gefühl.

Die Comtessa Carla und ihre hellsichtige Dienerin Amparo bestechen durch ihre Attraktivität. Aber auch diese erfahren im Laufe der Handlung einer Wandlung der sie sich nicht erziehen können. Tannhäusers Gegenspieler der Inquisitor Ludovico ist durchtrieben und grausam genug für einen Mächtigen Mann der Kirche. Auch aus der "zweiten" Reihe heraus, hat er viel Einfluss auf die politische Lage und das Schicksal der Menschen die nur an Gott glauben wollen und sich eigentlich beschützt und behütet wünschen.
Das Schicksal der Charaktere ist nicht unbedingt vorgezeichnet. Tim Willocks hat viele kleine Überraschungen in der Geschichte eingebaut die das Buch so lebendig machen.

Der reale Hintergrund wie auch die historischen Charaktere bilden die Basis des Romans. Die Vorstellung alleine wie die Ritter und die Malteser auf den Festungsmauern stehen, kämpfen und sterben, erobern und zurückgeschlagen werden, sind zwar blutig und detailreich geschildert, gehören aber zu der Handlung dazu, gerade weil die Hauptpersonen mit all ihren Ängsten und Hoffnungen daran teilnehmen müssen.
Die Kampfszenen sind drastisch und glaubwürdig, aber es sind die Szenen im Hospital, die Verwundeten, Sterbenden, die mir im Gedächtnis bleiben.
Die Comtessa Carla opfert sich beinahe auf und macht es sich zur Aufgabe die Opfer zu pflegen oder sie sanft in den Tod zu begleiten. Sie wird vom egoistischen unnahbaren Charakter zu einer starken, aufopfernden Frau.

Die Tragik der Geschichte findet sich wieder in der Person von Ludovico. Auch dieser wandelt sich, muß sich wandeln und das ganz überraschend. Hingegen jedes Klischees eines klassischen Bösewichts gibt es zutiefst bewegende Szenen.
Der Roman bietet eindringliche Porträts historischer Fiuren, u. a. das des Jean de la Vallette, Hochmeister des Malteserordens. Vallette ist brillanter Taktiker, dessen Strategien gegen jedes Kriegsrecht auch seiner Zeit verstoßen; ein korruptionsfreier und integrer Mann, der einen Kardinalshut ablehnt, aber völlig unfähig ist, im Frieden zu leben, und mit seinem Fanatismus furchteinflößender ist als so mancher korrupter, aber verhandlungsfähiger Politiker.

- Fazit -
Es gibt einige Roman die die Belagerung von Malta durch das Osmanische Reich schildern und dieser Roman ist mit das beste was ich zu dieser Schlacht bisher gelesen habe.

"Das Sakrament" ist ein spannender und zutiefst bewegender Roman.
Für Freunde und Leser Historischer Romane ein wahrer Leckerbissen und ein rundum gelungenes Werk, dass man nur sehr ungern aus der Hand legen wird.
Es wird eine Fortsetzung geben, mit den Überlebenden Figuren und in welche Richtung diese laufen wird, vermag man bis dato noch nicht zu sehen.

Die Leseprobe, die Geschichte die Tannhäuser dem Mädchen Amparo erzählt, hat einen tieferen Sinn und gibt eigentlich alles wieder was dem Leser an Botschaft bringen soll.

- Autor -

Tim Willocks wurde 1957 in Manchester geboren und begann bereits mit zehn Jahren zu schreiben. 1983 promovierte er in London, wo er Medizin und Psychologie studierte. Bis 2003 arbeitete er als Psychologe und behandelte vor allem drogenabhängige Patienten. Vor Jahren hat er mehrere erfolgreiche Thriller geschrieben. Dann entdeckte ihn der Agent von Ken Follett, der ihm auf unbegrenzte Zeit seine Villa in Florida zur Verfügung stellte, damit er sein Buch "Das Sakrament", seinen ersten historischen Roman, schrieb.
-Detail -
- Broschiert: 761 Seiten
- Verlag: Aufbau Tb; Auflage: 1 (Dezember 2007)
- Sprache: Deutsch
- ISBN-10: 3746623804

Danke fürs Lesen und Kommtieren
Michael Sterzik
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am 29. Dezember 2008
Voller Vorfreude auf ein neues spannendes historisches Hörbuch bin ich eingestiegen in Tim Willocks Geschichte. Anfangs dachte ich, dass ich mich erst an die Art des Vorlesens gewöhnen müßte, jetzt nach 9 CDs habe ich aufgegeben. Es zieht sich wie Kaugummi und langweilt mich schrecklich. Die sprachliche Hörbuchumsetzung ist anstrengend und unspannend. Zu meinen vorangegangenen Hörbüchern zählten auch "Säulen der Erde" und "Tore der Welt". Sprachlich vielleicht nicht so anspruchsvoll, aber in der Umsetzung wesendlich angenehmer und sehr spannend. Zu lesen ist dieser Roman bestimmt besser als zu hören. Trotz des Umfangs, der Sprache und der historischen Hintergründe, kann mich dieses Hörbuch kein einziges bißchen begeistern.
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am 19. Februar 2012
Sehr gut erzählte Geschichte. Hat alles was eine gut erzählte Geschichte braucht um trotz dieser Länge unterhaltsam und Spannend zu sein. Hab mich beim hören nicht gelangweilt.
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Die Belagerung Maltas im Jahre 1565 war ein Ereignis von historischer Tragweite, nicht nur für das Osmanische Heer, sondern auch für Europa. Der Orden der Johanniter stand damals kurz vor seiner Vernichtung und versuchte verzweifelt sein Überleben zu sichern. Dieser historische Roman von Tim Willocks zeigt die dramatischen Umstände in einer Kombination aus Liebeepos und Drama.

Der Kampf zwischen dem muslimischen Heer und der Christenheit wogt hin und her, vor der Insel Malta kommt es zu einer weiteren finalen Auseinandersetzung in deren Verlauf die Türken, diese Insel nie wieder angreifen.

Der Johanniter Orden ruft den Kämpfer Tannhäuser im Namen des Glaubens auf den Plan, doch eben dieser war jahrelang in Gefangenschaft und Diensten bei den Muselmanen. Zum gleichen Zeitpunkt sucht die Contessa Clara nach ihrem unehelichen Sohn auf der Insel. Ein Epos entspinnt sich auf dieser Basis, wo Tannhäuser und die Contessa Clara, sowie der Großmeister des Johanniter Ordens mit von der Partie sind. Zusätzlich in die Szenerie tritt der Inquisitor des Vatikans ein, welcher aus ungeklärten Gründen die Reise Tannhäuser`s auf die Insel Malta verhindern will.

Eine abenteuerliche und ferne Welt wird hier vom Autoren Tim Willocks aufgebaut und der Leser wird entführt, um eben diese kennen zu lernen. Das Buch: Das Sakrament erfährt seine unbändige Spannung gerade in Bezug auf den Konflikt zwischen Liebe und Glaube, Hoffnung und Resignation und der alles beherrschenden Kraft der Kirche im Feuer der osmanischen Angriffe.

Ein Roman so unbändig und fesselnd wie: Die Säulen der Erde von Ken Follett, wenngleich von anderer Brisanz und Tragweite. Dem Autoren Tim Willocks ist ein großartiges historisches Epos gelungen, welches dem Leser die ganze Tragweite der damaligen Zeit, die Höhen und Tiefen, wie auch die Dramatik aufzeigt. Wenn man das Buch bis zu Ende gelesen hat, glaubt man tatsächlich dabei gewesen zu sein und das ist, so glaube ich, ein großartiges Kompliment!
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