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TOP 1000 REZENSENTam 13. August 2012
Felbers Buch enthält den gegenwärtig vielleicht elaboriertesten Versuch, eine alternative Wirtschaftsordnung innerhalb einer freiheitlich, demokratischen, marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaft zu entwerfen.

Große Unternehmen und Banken werden vergemeinschaftet (nicht verstaatlicht), d.h. Belegschaft und Gesellschaft werden unabhängig von der Eigentumsfrage an Unternehmensentscheidungen beteiligt. Regionale Wirtschaftskonvente besprechen Strategien und Konzepte, die alle Belange betroffener Menschen berücksichtigen. Kleine und Mittelständische Unternehmen bleiben in Privatbesitz bzw. selbstbestimmt.

Einkommensscheren, Erbschaften und Vermögen werden gedeckelt (Vorschläge des Autors: Einkommen bis zum 10fachen des Mindestlohns, Privatvermögen 10 Mio., Erbschaften 500.000). Das Wettbewerbsprinzip wird durch das Kooperationsprinzip ersetzt. Statt zu konkurrieren soll es zu einem Austausch von Know How, Technologie, gegenseitiger finanzieller Unterstützung usw. kommen. Das Prinzip Gewinnmaximierung wird durch das Prinzip Gemeinwohlorientierung ersetzt - gute Arbeitsbedingungen, ökologisches Wirtschaften, Beteiligungs- und Lohngerechtigkeit. Alles zusammen ergibt die Gemeinwohlbilanz.

Jedes zehnte Jahr ist arbeitsfrei. Die Arbeitszeit wird auf 30-33 Wochenstunden begrenzt. Wer nicht arbeiten will, wird trotzdem finanziell gestützt. Das Bildungssystem fokussiert besonders eine gute Persönlichkeitsentwicklung der Kinder bzw. Heranwachsenden ebenso wie Wissensvermittlung.

Auf den ersten Blick sieht das alles linker als links aus. Bei genauerem Hinsehen unterscheidet sich das Konzept jedoch in wesentlichen Positionen von den klassisch linken. Zum Einen hebt es sich sehr wohltuend vom Klassenkampfjargon ab. Bei Felber hat man den Eindruck, dass er nicht erzwingen, sondern begeistern, gewinnen und einbinden möchte. Obwohl Felberts Ansatz von Grund auf ethisch-moralisch ist, schwingt er nicht die Moralkeule.

Des Weiteren findet man bei ihm keine Staatsgläubigkeit, und schon gar keinen EU- oder gar Globalzentralismus. Sein Konzept ist Bottom up, basisdemokratisch. Auch bei der Durchsetzung denkt er nicht an Zwangsmaßnahmen von oben, sondern setzt auf Transparenz und Abstimmung durch den Käufer bzw. Konsumenten. Flankiert freilich durch ein steuerliches Anreizsystem, dass positive Gemeinwohlbilanzen eines Unternehmens belohnt und negative bestraft". Es ist auch durchdachter als linke Konzepte, weil es über bloße materielle Aspekte und Gerechtigkeitskriterien weit hinausgeht und v.a. das gesellschaftliche Miteinander in den Blick nimmt.

Auf die oft gestellte Frage, ob das vorgestellte Wirtschaftsmodell nicht zu Wachstumseinbußen und somit Verlust von Lebensqualität führt antwortet Felber:

Wenn die Flüsse, Seen, Felder wieder Erholungswert bieten; wenn die Wohnungen und Häuser infolge guter Dämmung , natürlicher Materialien und intelligenter Bauweise kein Öl und Gas benötigen (und die reichen Länder keine Ressourcenkriege führen); wenn die Möbel nach Naturholz duften und Augen und bloßen Füßen schmeicheln; wenn die Lebensmittel nähren und mit Energie erfüllen; wenn alle wichtigen Tagesziele zu Fuß oder mit komfortablem öffentlichem Verkehr erreichbar sind; wenn das Arbeitsklima stressfrei, entspannt und und wertschätzend ist; wenn die Armut und das Betteln von den Straßen und öffentlichen Plätzen verschwindet; wenn alle im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben mit gleichen Chancen und Rechten integriert sind; und wenn alle wissen, dass ihr Lebensstil Menschen in anderen Ländern der Erde und zukünftigen Generationen keine Existenz- und Entwicklungschancen raubt, dann lebt es sich schlicht und ergreifend besser."

Ist das Konzept sozialromantisch? Ein wenig ganz sicher! Den Leistungs- und Konkurrenzdruck aus einem Unternehmen heraus zu nehmen bedeutet noch längst nicht, dass die Arbeitsatmosphäre besser wäre. Und auch wenn der Autor mit der Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen argumentiert, die belegen, das Kreativität und Leistungsfähigkeit in einem kooperativen Klima besser ist als unter Konkurrenzdruck - die Erfahrung aus sozialistischen Betrieben, im Beamtenapparat, im sozialhelferischen Berufsfeld usw. zeigen, dass zwischen Lebensrealität und dem Versuchsaufbau" sozialwissenschaftlicher Experimente doch eine nicht unerhebliche Kluft besteht. Auch bedeutet mehr Einkommen nicht automatisch mehr Lebensglück. Etc. Etc.

Und dennoch - Felbers Entwurf hat Charme, ist ein wirklich bedeutsamer Beitrag zum gegenwärtigen Diskurs um das Themenfeld Wirtschafts- und Finanzordnung" und stellt eine gute Ausgangsbasis für weitere Überlegungen dar.
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am 16. Dezember 2012
ich möchte nicht übertreiben: das ist das Beste Buch, dass ich in den letzten Jahren gelesen habe;
mit dem größten persönlichen Gewinn.
(vielleicht noch Katharina Ohanas: "Gestatten Ich", aber das ist ein ganz anderes Thema...)

Gemeinwohlökonomie ist jetzt kein spannender Krimi, sicher, aber es liest sich fast wie einer.
vielleicht eher wie eine Liebesgeschichte..?

warum ist dieses Buch so gut?
Christian Felber zeigt dem Leser in klarer Sprache, sachlich fundiert aber nicht zu (pseudo-)wissenschaftlich, seine Vision von einer (viel) besseren Wirtschaft und mithin Gesellschaft.
In diesem Buch macht die richtige und wichtige Kritik an bestehenden Verhältnissen (derer wir z.T. schon müde sind) nur den kleineren Teil aus. Der größere Teil ist sein >VISION<.

Kritik gibt es im Überschuss.
Visionen sind selten. Visionen sind wertvoll.
Deshalb ist dieses Buch unglaublich wertvoll für mich.

Andere Rezensenten mögen das anders sehen, ich finde Felber durchweg angenehm sachlich und bodenständig. Er verirrt sich nicht in Pathos und nicht in Schwarz-Weiß-Gut-Böse-Schemata.
Seine Ideen gründen m.E. auf einer soliden und beinahe leidenschaftslosen (sic!*) Analyse der Probleme, deren Ursachen, des Möglichen, des Gangbaren und der nächsten Schritte.
"Seine" (in Wirklichkeit eher ein Gemeinschaftsprojekt) "Utopie" hat ein erkennbares Für und Wider.
Er führt uns diese Vision nicht als alleinigen Heilsweg vor, sondern bedacht als einen möglichen Weg, der zur Disposition steht.

Vielleicht gibt es aus wissenschaftlicher Sicht Schwächen, die ich nicht beurteilen kann? Ich habe nicht Ökonomie oder eine Gesellschaftswissenschaft studiert, sondern bin in diesen Feldern eher Laie.
Als solcher kann man das Buch gut verstehen, aber auch, wenn man mit wissenschaftlich-methodisch geschultem Auge herangeht, scheint es noch recht solide. (da bin ich kein Laie) Felber zitiert, belegt im Rahmen einer populären Monografie reichlich und nennt Quellen.

Ich erschöpfe mich jetzt im Lob und ende mit einer unverholen-enthusiastischen 6-Sterne Leseempfehlung, besonders für alle, denen der Unmut über das gegenwärtige Wirtschaftssystem bis zum Hals steht und die sich mit der "Alternativlosigkeit" nicht abfinden wollen.
An alle, die auf eine Vision gewartet haben.

vielen Dank, Christian Felber!

* für mich ist Leidenschaftslosigkeit ein sehr nötiges Adjuvanz für alle, die große Dinge - Menschen, Gesellschaften etc. - ändern wollen.
Wenn einer nicht hasst, was er verbessern will, ist mir das ein Zeichen seiner Reife und ein Merkmal einer guten Idee.
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TOP 50 REZENSENTam 7. Mai 2012
Zu kooperieren, anderen zu helfen und Gerechtigkeit walten zu lassen ist eine global anzutreffende, biologisch verankerte menschliche Grundmotivation. Diese Aussage von Joachim Bauer ist das Motto für dieses Buch und ich bin überzeugt davon, dass sich die Menschheit in 100 Jahren fragen wird, warum wir alle in die Sackgasse des Egoismus gelaufen sind - mit den unsäglichen nationalistischen und den neoliberalen Ansätzen des letzten Jahrhunderts, die unser Wirtschaften bis zum heutigen Tag begleiten. Entlassen aus den Fängen von Amtskirchen sind wir unversehens in die Dikatur des Wirtschaftens geraten, aus denen informierte Bürger langsam aber sicher beginnen, aufzuwachen und nach menschlichen Quellen zu fragen.

Bücher wie dieses sind erste, aber täglich wachsende Seismographen einer anderen Zeit. Jedem ist hinlänglich bekannt, dass er im privaten Bereich Freundschaften nur entwickeln kann, wenn Vertrauensbildung, Ehrlichkeit, Wertschätzung, Empathie etc. gelebt werden. Warum glauben wir, dass einen in Unternehmen nur hierarchisches Denken und Sklavenhandeln weiterbringt? Gewinnstreben und Konkurrenz fördern Neid, Ausbeutung, Rücksichtslosigkeit, Gedankenlosigkeit und Geiz. Menschen werden aber nicht primär durch Konkurrenz und Gier angetrieben, sondern vor allem aus sich selbst heraus und hohe Einkommen machen ab einer gewissen Größe nicht mehr glücklich, sondern bewirken das Gegenteil.

Die Vorschläge in diesem Buch sind vielfach schon auf dem Weg der Realisierung, eine partizipative Demokratie wächst über bestimmte Projekte (S 21 z.B.) und die Piraten beginnen, Ideen der tatsächlichen Teilhabe aller umzusetzen, ohne dies als Diktat der Massen zu empfinden. Kein anderes Medium bietet bessere Transparenz- und Realisierungschancen dafür als das Internet. Unsere Gesellschaft schwimmt in Geld, aber einige fahren obenauf mit ihren Yachten und lassen anderen keinen Platz zum Atmen mehr. Es kommt darauf an, dem Fetisch Wachstum die rote Karte zu zeigen und sinnvolles ethisches Wirtschaften an diese Stelle zu setzen. Dazu gehört vor allem die Lösung bestehender Einkommens-Ungleichgewichte, die menschenwürdige Teilhabe aller am Weiterkommen aller. Ich denke, das Bedingungslose Grundeinkommen (im Parteiproramm der Piraten) ist eine weitaus größere Leistung hin zu mehr Kreativität aller als z.B. ein Herrn Spreng je ahnen könnte. Er frage im ZDF (Wer kann Kanzler?) die Kanditatin für das Bedingunglose Grundeinkommen, ob sie rechnen könne. Die Frage wäre zu stellen, wen Herr Spreng je erfolgreich beraten hat - Herrn Stoiber?

Die Frage wäre zudem auch zu stellen, was die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft tatsächlich zum Gemeinwohl beiträgt, außer im Auftrag mächtiger Industriearbeitgeberverbände den Abbau des solidarische Wohlfartsstaates weiterzuführen. Der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz bilanziert, dass die Annahme von effizienten Märkten jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehrt. Es gibt zudem keine Selbstheilungskräfte des Wirtschaftens, sondern lediglich brachliegende, ausgebeutete Lanschaften und Völker, mehr sehe ich nicht. Wir alle müssen Rahmenbedingungen des Menschlichen schaffen, ethische Leitlinien, die für alle verbindlich hinführen zu Kooperation, Kreativität und der Teilhabe aller.
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Felber ist möglicherweise ein Visionär, also eine Person, die Vorstellungen von der Zukunft entwickelt. Er könnte aber ebenso ein Phantast sein, also ein Träumer, ein Mensch mit überspannten Ideen. Auch ich stelle mir immer wieder ähnliche Fragen wie Felber: wie wird es mit der Wirtschaft, mit der Beschäftigung, mit dem Geld weitergehen, mit der Preisspirale? Die Ansätze von Felber klingen einfach und oft logisch: Banken dürfen nur mehr ihre Selbstkosten erwirtschaften und keine Gewinne erzielen; Unternehmen sollen ein Art Gemeinwohl-Ökonomie-Zertifikat erhalten: zahlen sie weiblichen Arbeitnehmern denselben Lohn, beteiligen sie Mitarbeiter an Unternehmensentscheidung, produzieren sie Umweltschonend usw; Unternehmer selbst dürfen nur ein bestimmtes Vielfaches des Mindestlohnes ihrer Mitarbeiter verdienen; Konkurrenz soll verboten werden; Besitz soll limitiert werden (besitzt jemand eine über die erlaubte Zahl an Wohnungen oder Häusern, z. B. durch Erbschaft, soll er gezwungen werden, das Zuviel zu teilen oder zu verschenken u.a.).

Felber glaubt an eine globale, alle Menschen erfassende Gemeinwohl-Ethik. Keiner soll mehr übermäßig viel verdienen, alles soll vernünftig günstig sein, der einzige Grund noch Unternehmer zu werden, liegt darin, sich seinen Mitmenschen gegenüber ethisch anständig zu zeigen und es allen gut gehen lassen. Liest man sich tiefer ins Buch, werden zwei Dinge schwierig: das Lesen, weil oft etwas zu breitgetreten und ausufernd geschrieben wird (wohl um dem Buch eine gewisse Seitenanzahl zu garantieren). Das Verstehen: Beispiel: wenn ein Unternehmen nur mehr einen bestimmten Betrag verdienen darf, ab einer gewissen Unternehmensgröße alle Mitarbeiter bei Unternehmensentscheidungen mitreden müssen usw. kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand Lust hat, sein privates, beschränktes „Vermögen“ noch für andere zu investieren und dann dabei gar nicht mehr mitreden darf, was damit geschieht.

Es führe zu weit, hier alle sinnhaften und fragwürdigen Thesen von Felber anzuführen. Natürlich sind in vielen Theorien sinnvolle Ansätze, ja meines Erachtens auch durchaus realistische, praktikable Lösungen. Aber einerseits zieht Felber über Reglementierungen und Gesetze her, andererseits verlangt er neue. Einerseits soll der Staat neue Kontrollinstitutionen einrichten, andererseits sollen ethische und umweltschonende Unternehmen keine Steuern mehr zahlen – woher aber das Geld, um alle sonst formulierten Gemeinwohl-Einrichtungen zu erhalten? Beim Lesen beschlich mich so das Gefühl, Christian Felber würde gerne bequem leben - wer nicht - aber dafür sorgen sollten „die anderen“ und meint damit sehr oft Unternehmer.

Wie sich der Leser an der Realisierung beteiligen kann, erläutert Felber natürlich auch. Aber von den acht Vorschlägen kann man im Moment nur zwei verfolgen. Die anderen gehen erst, wenn Felber’s Ideen realisiert wurden. Wie oben erwähnt, es ist etwas schwierig, den Visionär zu verstehen. Oder ist der doch ein Phantast?
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TOP 500 REZENSENTam 19. November 2014
Christian Felber kommt ohne eigenes Verschulden aus Salzburg - und bewusst aus dem Attac-Umkreis. Er konstatiert in "Gemeinwohl-Ökonomie" das Versagen des jetzigen Systems. Insbesondere die Betonung des Eigennutzes und der Konkurrenz sind ihm ein Dorn im Auge. Der Mensch sei eher auf Kooperation und Gemeinwohl ausgerichtet wie in Kleingruppen, wie in Familien. Wenn man jetzt nicht gerade als Jurist oder Ökonom massiv anders auf das Eigennutz-Dogma hin gedrillt wurde, klingt das sehr plausibel, wobei wir Menschen wir vielleicht doch beides in uns haben. Und bereits aus Gründen der Ökologie (und auch von Gerechtigkeitsgefühlen) geht es so jedenfalls nicht einfach weiter. Wachstum ist für Felber mit Leopold Kohr nur "ein Mittel zur Erreichung der optimalen Größe" und sicher kein Selbstzweck. Dem Finanzgewinn als Messgröße will Felber gleich mit den Zahn ziehen.

Neben der Kritik am Existierenden werden vor allem Gegenbeispiele hierzu aufgeführt und Gegenprinzipien postuliert. Das Kontrapunkt-Buch zu Felber wäre übrigens wohl Hayeks "Road to Serfdom" (oder vermutlich die diversen Ayn-Rand-Schinken), der Mitte des 20. Jahrhunderts sinngemäß fragte, welcher Supermächtige denn dann bitteschön Gemeinwohl definieren und Tugend einfordern dürfe und ob der Markt hingegen nicht herrlich kontrollarm wäre. Felber argumentiert dagegen und auch gegen diverse Standard-Totschlagargumente.

Gelesen habe ich es gemeinwohlökonomisch aus der Stadtbücherei. Dass "Gemeinwohl-Ökonomie" zumindest mich auch in allen Punkten überzeugt, inhaltlich wie stilistisch, mag freilich noch ein paar überarbeitete Neuauflagen dauern. Dreieinhalb bis vier Sterne.
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am 25. September 2014
Felber vertritt in seinem Buch zur Gemeinwohlökonomie die These, dass grundlegende menschliche Werte - wie etwa Solidarität, Kooperation und Teilen -, die wir im normalen Umgang miteinander und in der Gesellschaft insgesamt wertschätzen, auch im Bereich der Wirtschaft gelten sollten.

So wichtig dieses Anliegen ist, so hätte man sich doch einige Präzisierungen gewünscht, ganz zu schweigen von der schwierigen, um nicht zu sagen aussichtslosen Umsetzung seiner Ideen. Was die Präzisierungen betrifft: Man ist doch einigermaßen überrascht, dass für Felber "Wirtschaft" per se als Konkurrenzunternehmen angesehen wird, in der es nur darum geht, sich gegenseitig gleichsam "fertig zu machen". Gilt dies auch für jeden Handwerker, jeden Ortsbäcker, jeden Landwirt? "Wirtschaft" gerät in Felbers Buch zur Chiffre für ein rein egoistisches Gewinnstreben - eine differenziertere Sichtweise wäre hier sicher von Vorteil gewesen.

Eine weitere Schwierigkeit, die im Buch aber kaum thematisiert wird, ist die Frage der konkreten Umsetzung im Rahmen einer globalisierten Ökonomie. Der Vorschlag, Schutzzölle für jene Gebiete einzurichten, in denen bereits nach der Gemeinwohlökonomie gewirtschaftet wird, mutet jedenfalls ziemlich anachronistisch an.

Obwohl manche Ideen im Buch durchaus überlegenswert erscheinen, ist der z.T. radikale Duktus mancher Formulierungen wenig geeignet, bestehende Gräben zu überwinden bzw. um Verständnis für die eigene Position zu werben.
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am 4. November 2014
Ein inspirierendes Buch zu dem, was machbar wäre. Obwohl es utopischen Charakter hat, führt Herr Felber Schritt für Schritt den Leser dazu anzuerkennen, dass sein Modell tatsächlich im Bereich des Möglichen liegt.
Alle gesellschaftlich relevanten Bereiche (Politik, Wissenschaft, Bildungswesen etc.) werden angerissen, wobei der Schwerpunkt auf der Wirtschaft und deren Umgestaltung liegt. Dass auf eine "Allianz der Willigen" hingearbeitet wird, macht die Konzepte so sympathisch und nimmt den Nimbus des Utopischen (bei mehr als 100 das Konzept anwendenen Firmen auch nachvollziehbar.
Den Inhalt wiederzugeben, würde den Rahmen dieser Rezension sprengen.
Etwas weniger gut gefiel mir der Ersatz des "bedingungslosen Grundeinkommens" durch ein Sabbatjahr alle 7 Jahre und das Verbot feindlicher Übernahmen. Lieber eine "Dreckschleuder" feindlich übernehmen und stilllegen oder sanieren, als auf die Vernunft hoffen.
Die Überbewertung des Faktors Arbeit ist m.E. ein weiteres Manko. Hier besteht sicher noch Handlungsbedarf in der Diskussion innerhalb der Gemeinwohl-Ökonomie-Bewegung.
Alles in Allem aber ein wunderbares Buch, das einem zum Nachdenken bringt und der Menschheit Hoffnung schenkt jenseits jeglichen Profitstrebens.
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TOP 1000 REZENSENTam 14. April 2016
Endlich einer, der den Märchen widerspricht, die einem in jeder Bank eingeredet werden: Mach mit im Hamsterrad des Geldscheffelns, auch wenn du keine Chance hast, denn die Reichen lassen dir eh nichts übrig. Es hat schon alles seine Ordnung, die Krisen sind harmlos, die Finanzspezialisten kriegen schon alles hin. (Wie wir inzwischen leidvoll erfahren haben, ist letzteres eher eine gefährliche Drohung)
Ist das wirklich die einzig mögliche Wirtschaftsrealität?
Ist es nicht! Felbers regeln sind ganz einfach. Wenn jeder das verdient, was er braucht und das was er nicht braucht für die Gemeinschaft übriglässt, ist die Welt reich genug für alle.
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am 5. Januar 2013
Der Autor sucht nach einer Alternative zu unserer Wirtschaftsordnung die sich zunehmend in "den Fängen des ideologischen Sozialdarwinismus" befindet. Das Ergebnis der entfesselten und durch Profitmaximierung bestimmten "freien" Marktwirtschaft sind Instabilität, Massenarbeitslosigkeit, wachsende Armut und Ungleichheit sowie die Zerstörung der Lebensgrundlagen für Mensch und Tier. Er sucht nach einer Wirtschaftsordnung in der Kapital und Markt, wie dies u.a. in der Verfassung des Freistaats Bayern formuliert ist, dem Gemeinwohl der Gesellschaft verpflichtet sind. Eine neue Ordnung einer "solidrischen Ökonomie" in der die Würde möglichst aller Menschen gewahrt wird und die verstärkt durch Kooperation gekennzeichnet ist. Das Ziel ist eine "Gemeinwohlökonomie" in der in den Bilanzen nicht mehr allein die "bottom-line", der Gewinn, zählt. Der "Erfolg" eines Unternhmens wird mit rund 20 Indikatoren ermittelt (Produktnutzen, Arbeitsbedingungen, Ökologie, Kooperation etc.). Auch wenn sich bereits hunderte Unternehmen freiwillig den Grundsätzen der Gemeinwohl - Ökonomie verpflichtet haben, bleibt deren Realisierung auf breiter Ebene vorerst eine positive Utopie.
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am 21. April 2014
Es ist sicherlich hilfreich über Themen der Wirtschaft zu schreiben, wenn man weder theoretisch noch praktisch vorbelastet ist. Das Buch von Herrn Felber, das ich tatsächlich gelesen habe, ist für jemanden, der sich im Studium und in jahrelanger Praxis mit wirtschaftlichen Themen befasst, ein harter Brocken. In geradezu abenteuerlicher Weise setzt sich Felber mit einem Federstrich über Probleme der Wirtschaft hinweg, an denen sich schon Nobelpreisträger die Zähne ausgebissen haben. Felber hat auf alles eine schnelle Antwort!

Die z. B. von ihm vorgeschlagene Nutzenmessung ist abenteuerlich, da es keinen objektiven Nutzen gibt. Nutzen ist immer subjektiv und hängt von vielen Faktoren ab. Felber maßt sich an diesen Nutzen messen zu können und daraus gesetzlich verankerte Belohnungen und Bestrafungen abzuleiten. Sogar der österreichische Nobelpreisträger August Friedrich von Hayek wird in einem Nebensatz hinweggefegt. Felber sollte seinen eigenen Satz zu Herzen nehmen: "Wer seinen Selbstwert daraus bezieht, besser zu sein als andere, ist davon überzeugt, dass andere schlechter sind. Psychologisch gesehen, handelt es sich hier um pathologischen Narzissmus: Sich besser zu fühlen, weil andere schlechter sind, ist krank." (Seite 28 f.).

Die Reglementierungswut, die Felber an den Tag legt, hätte selbst Stalin oder Mao in Staunen versetzt. Felber fordert vor allem gesetzlich vorgegebene Lenkung, Lenkung der Gewinne, Lenkung des Kapitals, Lenkung der Kreditvergabe, Lenkung der Lohnhöhe, Lenkung der Darlehensvergabe durch eine "Demokratische Bank" - mit Genderbeauftragt-In natürlich! Felder behauptet sogar, dass es sich bei seinem Modell nicht um eine Planwirtschaft sondern um eine Marktwirtschaft handelt (die DDR hat sich auch "Demokratische Republik" genannt). Alle bisherigen planwirtschaftlichen Abenteuer sind in einem Desaster geendet. Ich schlage vor die Idee von Felber in das Buch von John Carey aufzunehmen, der eine Anzahl von Utopien gesammelt und beschrieben hat: The Faber Book Of UTOPIAS.

Man kann nur hoffen, dass diese Utopie niemals Wirklichkeit wird, denn sie würde unsere Wirtschaft und das soziale Zusammenleben ins Chaos stürzen. Verbesserungen der wirtschaftlichen und sozialen Situation dürfen nicht revolutionär sondern nur evolutionär erfolgen. Wer soll die Verantwortung denn übernehmen, wenn auch dieser Versuch an die Wand klatscht - wie so viele sozialistische Utopien bisher? Wir hatten schon genügend "gut gemeinte" Revolutionen im 20. Jahrhundert, die die Menschheit an den Rand des Abgrunds gebracht haben. Einen Gemeinwohl-Kommunismus brauchen wir nicht!
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