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am 21. Februar 2003
Sunset Boulevard ist ein Meisterwerk von Billy Wilder, der mit diesem Film bei seinem Erscheinen 1950 für gehöriges Aufsehen in Hollywood sorgte. Denn der Sunset Boulevard gehört zu den ersten Filmen, die der Traumfabrik einen Spiegel vorhielten - was nicht allen sonderlich schmeckte. Dennoch oder gerade deswegen wurde der Film für 11 Oscars nominiert und mit 3 Oscars ausgezeichnet!
Der unvergleichliche Charme dieses Film Noir zieht jeden Filmfan sogleich in seinen Bann. Die Geschichte von Sunset Boulevard feierte später noch einmal große Erfolge, nämlich als Musical aus der Feder von Sir Andrew Lloyd Webber.
Die DVD wird dem Film in jeder Weise gerecht. Das Bild ist für das Alter des Films klasse, den Ton muss man nehmen, wie er ist. Das Bonusmaterial ist durchweg interessant.
Sunset Boulevard kann ich jedem echten Filmfan nur wärmstens ans Herz legen!
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am 9. Dezember 2014
Wie eine ägyptische Grabkammer wirkt das überladene Interieur.
Kein Luftzug des vitalen Lebens , kein Strahl heller Sonne fällt in diesen vor Gold und Prunk glänzenden Sarkophag, den diese spukhafte Villa am Sunset Boulevard darstellt
Erstarrt im Glanz vergangener Zeiten, im leblosen Prunk einer konservierten goldenen Ära.
"Es machte den Eindruck eines Stein gewordenen Unglücks", ist denn auch das erste drückende Gefühl, was uns beim Anblick des verwitterten Anwesens überkommt.
Mit grotesk angemalt weißem Gesicht versucht sich eine zierliche Gestalt in einer hilflos anrührenden Charlie Chaplin Parodie.
In angestrengt nachgeahmten skurrilen Bewegungen stolziert die ältere Frau, unter abblätterndem Make- Up mit obligatorischem Hut, Schnäuzer und Zylinder durch den in Brokat und Gold getauchten Salon.
Eine größere Zuschauerschar, die ihre Pantomime goutieren würde, hat sie schon lange nicht mehr.
Einzig ein junger Günstling, ein abgehalfterter erfolgloser Drehbuchautor verfolgt mehr unangenehm berührt als begeistert ihre ungelenke Performance. Ein stummer Butler schaut schweigend im Hintergrund dem Geschehen zu.
Willkommen im der Villa der zerbrochenen Träume, in einer surreal verstörenden Szenerie, die nur eine von vielen überwältigenden Momenten von Billy Wilders "Sunset Boulevard "darstellt.
Der Film schlechthin über Vergänglichkeit. über den Niedergang von Individuen in aller erschreckenden Konsequenz.
Eine filmische Abrechnung, eine zutiefst berührende, erschreckende Sezierung des Haifischbeckens Hollywood, wo Stars geboren, ausgesaugt, fallen gelassen und vergessen werden und generell eine desillusionierende Reflektion über die Unfähigkeit des Menschen Vergangenes zu bewältigen, abzuschließen, neue Wege zu beschreiten und seine mangelnde Fähigkeit Selbst- und Fremdwahrnehmung, Illusion und Wirklichkeit voneinander zu trennen oder nur zu hinterfragen.
"Sie schritt wie eine Schlafwandlerin auf der schwindelnden Höhe ihres vergangenen Ruhms
Die ältere Dame, die so zwanghaft hilflos die goldene Zeit der Stummfilmära in ihren eigens geschaffenen Kokon zurückholt , deren Villa gespickt ist mit zahllosen Photographien ihrer einst großen, ruhmreichen Zeit als junge Schauspielerin ist Norma Desmond (Gloria Swanson) und ihr einziger Zuschauer in diesem Meer aus erstarrten Reliquien ist Joe Gillis (William Holden).
Zu Anfang des Films sehen wir ihn als Leiche in einem Swimming- Pool schwimmen.
Drei Revolverkugeln in seinem Körper.
Im Off wendet er sich direkt an uns, während uns seine toten aufgerissenen Augen anklagend durch die Wasseroberfläche anstarren. Als Toter wird er nun rückblickend seine Geschichte erzählen.
Wie er als vollkommen erfolgloser junger Drehbuchautor so wenig Geld hatte, daß sein Wagen drohte gepfändet zu werden.
Wie es ihn durch Zufall in den geisterhaften Wohnsitz des Stummfilmstars Norma Desmond verschlug, und wie er hier in der Scheinwelt Hollywoods , die ihn jeden Tag umgibt, die noch klaustrophobischere Scheinwelt eines verglühten
Hollywood -Sterns kennenlernt, immer mehr hineingezogen wird in ein Spinnennetz aus verdrängten Tragödien, hilflosen Lebenslügen und irrealer Täuschung.
Normas Butler Max von Mayerling öffnet dem jungen Besucher die Tür zum Palast ,der dem Untergang geweihten Hoffnungen.
Verschlungene Treppenaufgänge, eine Orgel, durch die ein geisterhafter Wind pfeift, eine alte Kinoleinwand auf der Norma Desmond regelmäßig versonnen eine einsame eigene Werkschau zelebriert.
Einsam, zutiefst innerlich ausgehöhlt und herzzereissend bemitleidenswert ist dieser ehemalige Weltstar , eingeschnürt in das Korsett einer vergangenen Schönheit und Jugend.
Eine launische und wenn sie sich in die Enge getrieben fühlt auch gefährliche Diva.
Spinnenhaft werden ihre weißen Hände gezeigt, expressionistisch starrend sind ihre geschminkten Augen, maskenhaft und ausufernd gestikulierend ihre Gesten.
Sie führt einen aussichtslosen Kampf, wie ein Don Quichote gegen Windmühlen.
Mit aller Macht stemmt sie sich gegen den Zeitgeist, die Erkenntnis der eigenen Endlichkeit, des Verfalls auch gegen die Angst vor dem Tod.
Ihr grösster Feind- der Ton- und Farbfilm, der ,so die tiefe Überzeugung ihrer Karriere ein vorschnelles Ende setzte.
"Sunset Boulevard" ist somit ein erschütterndes Drama über die gnadenlose Brutalität des Erfolgszwangs, dem ständigen Druck angesehen, beliebt, und verehrt zu bleiben,und wie es endet, hat man dem Scheitern nicht eine wirklich gereifte Persönlichkeit entgegenzusetzen.
Wie viele Kinderstars hat die Maschinerie Hollywood letztendlich ins Drogen -und Alkoholgrab gestürzt ? Wieviele Stars endeten in der eigenen biographischen Schmierentragödie ?
"Sunset Boulevard" setzt all diesen Gestrauchelten ein giftig, zynisches unendlich trauriges Denkmal.
In der Person Norma Desmond vereinigen sich all die Stars und Sternchen, die einzig ihr Heil in Karriere und Ruhm suchen, kurzzeitig diesen finden und sich mehr und mehr als Schatten ihrer Selbst präsentieren, wenn es sein muß bis in den jämmerlichen Tod.
Auch Joe Gillis ist Opfer und Täter zugleich.
Hier in diesem Haus scheint er für Norma Desmond die letzte Möglichkeit zu sein noch einmal einen fulminanten Landwanderfolg zu erzielen. Gleichzeitig winkt ihm die ersehnte "Festanstellung".
Der junge Drehbuchautor soll ihr eher dilettantisches Skript zum Film "Salome" überarbeiten.
Ihr einstiger Stammregisseur Cecil B. DeMille ist jetzt schon in ihrem Wahn ihr favorisierter Filmemacher.
Dass weder dieser noch ein grösseres Publikum jemals noch einen Gedanken an die seit Jahren verschwundene Norma Desmond verschwendet, gehört zu dem bewegenden und tiefschürfenden Aspekten des Dramas.
Joe Gillis handelt ebenfalls aus Angst vor der Erfolglosigkeit, vor dem Verstoßen sein aus der glanzvollen Scheinwelt .
Er läßt sich nun korrumpieren , läßt sich ein auf die theatralischen Gesten, die affektierten Gunstbezeugungen des so tief verletzbaren Geschöpfes.
Mit Geld und Gunstbezeugungen begibt er sich in ein gefährliches Spiel, genießt durchaus die Vorzüge des Luxuslebens. Doch aus der Scheinwelt wird es kein Entkommen mehr geben.
In dem riesigen Lügengebäude spielt hier jede Figur ein doppeltes Spiel.
Nichts ist wahr und von Bestand. Hunderte von Briefen begeisterter Fans- von Butler Max eigenhändig geschrieben.
Die Türschlösser in der Villa fehlen. "Madame hat sich schon mehrmals eingeschlossen um sich das Leben zu nehmen. "
In einem Panoptikum der( tatsächlich realen) alten Stummfilmlegenden wird sich hier in dem Kuriositäten- Kabinett mehrmals zum einsamen Kartenspiel getroffen. Bei einer Sylvesterparty gibt es nur ein paar Musiker und eine leere Tanzfläche.
Gar schauerlich und zu Tränen rührend starrt den Zuschauer die furchtbar trostlose Vergeblichkeit durch jeden vergoldeten Spiegel an, verzerrt sich die so mühsam überschminkte Fröhlichkeit zur todgeweihten Fratze.
Als Joe die junge, schöne aufstrebende Autorin Betty Schäfer kennenlernt, die ihm plötzlich wieder die vitale Kraft gibt selbst Drehbücher zu schreiben, in das pulsierende Leben da draußen zurückzukehren, bricht das Konstrukt aus Lebenslügen zusammen und der Vorhang hebt sich zur letzten großen Tragödie.
"Ich wollte ihnen mit der Wahrheit nicht weh tun, sie waren die einzige, die gut zu mir war".
Doch zu lange wurde das gefährliche Konstrukt aus falschem Mitleid schon aufrecht gehalten.
Zu lange wurde auch mit der Illusion von Liebe und Begehrlichkeit gespielt. Für Joe wird es kein Entrinnen mehr geben.
Mag Norma Desmond auch nur eine Selbstkarikatur noch sein, hinter der Fassade pocht der tiefe verwundete Schmerz einer armen kindlichen Seele.
Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben sind gefährlich, und so fallen zur nächtlichen Stunde die verhängnisvoller Schüsse
Die Künstlichkeit Hollywoods, die scheinheilige Plastikwelt der Zelluloidträume, die Menschen benutzt, missbraucht und zerfrisst, die zynische Sensationsgier werden bis zur letzten Konsequenz von Billy Wilder auf die Spitze getrieben.
Doch damit nicht genug begeistert und bewegt "Sunset Boulevard" immer wieder auf neue mit seinen facettenreichen Psychologisierungen, die bis ins letzte ausgetüftelt und raffiniert eingearbeitet sind.
Ein gleissend elegantes Kunstwerk, was bei jedem neuerlichen Schauen weitere schwarz funkelnde Reflexionen offenbart.
Zu erwähnen wäre beispielsweise die durchschimmernde tragische Lebensgeschichte des Butlers, die offenbart wie tief die Abgründe der verschiedenen Hörigkeiten , Sehnsüchte, und Zwänge in Menschenseelen wirken.
Noch einmal wird Norma Desmonds Gesicht im Glanz der Scheinwerfer erstrahlen. Noch einmal wird ihr Lebenstraum von Ruhm sich erfüllen- auf unendlich perfide und entlarvende Weise.
"Kamera läuft , Mrs. Desmond"
Was zählt letztendllich? Das Leben selbst oder nur die Illusion der Wirklichkeit, der wir Menschen uns hingeben.
Über die beißende Hollywoodgeiselung hinaus ist Bills Wilders Film eine Parabel über das "Nicht Abschied", "Nicht loslassen können", und die verbildlichte Bankrotterklärung einer Gesellschaft, die die menschliche Seele nur allzu oft zum hohlen Vakuum verformt, das mit dem nach außen gerichteten Ruhm , der Gier nach Anerkennung, dem Popanz der Kraft, der Stärke des Jugendwahns, der grellen reißerischen Glücksversprechungen befüllt werden muß.
Von "Sunset Boulevard" bis "Facebook Star" über Casting Shows bis zum "Supertalent" ist der Schritt nur ein kleiner, und damit ist dieses Filmmonument so erschreckend zeitlos wie es nur möglich ist.
Einer der denkwürdigsten Filme aller Zeiten.
Zynisch und doch so warmherzig wehmütig- ein schmerzhaftes Klagelied für gebrochene Seelen im Ozean der verzuckerten Lebenslügen.

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TOP 1000 REZENSENTam 16. Oktober 2014
[Vorsicht, starke Spoiler!]

Ein Voice-over wie dieser zu dem Bild eines Mannes, der tot im Pool einer Luxusvilla treibt, setzt den Grundton zu dem Meisterwerk, das Billy Wilder 1950 mit “Sunset Boulevard” erschuf. „[T]ragedy, comedy, history, pastoral, pastoral-comical, historical-pastoral, tragical-historical, tragical-comical-historical-pastoral, scene individable, or poem unlimited” – mit diesen Worten faßt der närrische Polonius die Genrevielfalt seiner Zeit zusammen, und mit Ausnahme des Pastoralen dürfte wohl alles ein bißchen auch auf diesen faszinierenden Film zutreffen, der sich nicht so einfach in eine Schublade stecken läßt. Wilder selbst soll auf die Frage, ob „Sunset Boulevard“ eine Komödie sei, mit seiner charakteristischer Kaustik geantwortet haben, es sei ein Film. Einigen wir uns doch einfach auf „Film noir“, was schon ein genügend diffuser Begriff ist!

„Sunset Boulevard“ erzählt die Geschichte des erfolglosen Drehbuchschreibers Joseph Gillis (William Holden), der von seinen Gläubigern bedrängt wird, zur Begleichung seiner Schulden seinen Wagen in Zahlung zu geben – ein Ansinnen, das er dadurch umgeht, daß er das gute Stück stets versteckt hält. Als er aber von den Inkassomitarbeitern im Auto erwischt wird, liefert er sich mit ihnen eine Verfolgungsjagd, die er dadurch beendet, daß er den Wagen in einer Stichstraße am berühmten Sunset Boulevard versteckt – dort, wo die extravaganten Villen der berühmten Schauspielgrößen stehen, auch die Anwesen der Stummfilmstars, deren Ruhm mittlerweile verblaßt ist. Eine dieser Stummfilmdiven ist die mittlerweile fünzigjährige Norma Desmond (Gloria Swanson), und es ist ihr heruntergekommenes Anwesen, auf das es den Drehbuchschreiber zufällig verschlagen hat. Zunächst hält sie Gillis irrtümlich für den Bestattungsunternehmer, der sich ihres verstorbenen Haustiers, eines Schimpansen, annehmen soll, doch als ihr klar wird, daß sie einen Drehbuchschreiber vor sich hat, wittert sie eine vortreffliche Gelegenheit, ihren langgehegten Plan zu verwirklichen, mit einem selbstverfaßten Drehbuch zur „Salomé“, die sie natürlich selbst spielen wird, wieder einen großen Erfolg zu landen. Gillis soll sich das Skript ansehen, und obgleich er es für grottenschlecht hält, sieht er in der Bearbeitung des Stoffes doch auch eine Chance, seinen Wagen behalten zu können, denn er erkennt schnell, daß das Haus zwar heruntergekommen ist und die Diva mit ihren Invektiven gegen den Tonfilm – „We didn’t need dialogue. We had faces!“ – in der Vergangenheit zu leben scheint und nur über ihren Diener Max (Erich von Stroheim) den Kontakt zu Außenwelt hält, sie aber dennoch Geld im Überfluß besitzt. Schnell ist der Pakt gemacht, der die Diva und den Schreiber am Ende in den Abgrund reißen wird …

Sollte sich heutzutage ein Regisseur an diesen Stoff heranwagen, so wären wohl am ehesten die Coens der Anforderung gewachsen, unter all der Düsternis der Bilder die der Geschichte innewohnende Ironie angemessen in Szene zu setzen, wie sie dies bereits mit „Barton Fink“ (1991) eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben. Im Hollywood der angehenden 50er Jahre, in denen sich mit dem bevorstehenden Niedergang des Studiosystems ein neuer Paradigmenwechsel – ähnlich dem des Stummfilms zu den „talkies“ – abzuzeichnen begann, war niemand anderes als Billy Wilder dazu prädestiniert, einen solchen Film zu machen: Einmal wegen seines scharfzüngigen und bitteren Witzes, der sich in manchem Dialog und manchem Einfall des Drehbuchs widerspiegelt, zum anderen aber auch, weil er als nicht-autochthoner Hollywood-Regisseur sowohl die Distanz zu als auch die Faszination für das von ihm beschriebene Filmgeschäft in Hollywood-land mit sich brachte.

Hollywood ist eine unbarmherzige Rechenmaschine, der es nicht so sehr darauf ankommt, Kunst zu produzieren, als Gewinne einzustreichen – das wird bereits in den ersten zwanzig Minuten klar, in denen Gillis versucht, einen Stoff an einen der Studiobosse zu verkaufen, der daraufhin – mit einem Blick auf den möglichen Publikumserfolg – die Idee bis zur Unkenntlichkeit verändert. Doch nicht nur Ideen werden in dieser Maschinerie verändert; auch Menschen lassen sich von ihr – freiwillig – deformieren, wie das Beispiel der jungen Betty Schaefer (Nancy Olsen) beweist, mit der Gillis später heimlich an einem Drehbuch schreiben und in die er sich verlieben wird, denn in der Hoffnung, als Schauspielerin reüssieren zu können, unterzieht sich die junge Frau einer Nasenoperation. Auch Norma Desmond hat sich von dem mächtigen Moloch verbiegen lassen, an dessen Erschaffung sie jedoch ihren Teil gehabt zu haben glaubt. In ihrer überladenen Villa legen die allenthalben aufgestellten Photographien ihrer selbst aus ihrer Stummfilmzeit Zeugnis ab von der Kunstfigur, die der Film aus ihr gemacht hat und die langsam immer mehr Besitz von ihrer Identität genommen hat, bis Norma nur noch in der Vergangenheit lebt, verbittert ihren alten Erfolgen nachtrauert und sich in ihrer grenzenlosen Selbstbezogenheit zweimal in der Woche ihre alten Filme vorführen läßt. Um die Illusion ihrer Beliebtheit beim Publikum aufrechtzuerhalten, schreibt ihr Max, der sie mit resignierter Ergebenheit in ihrer Einsamkeit begleitet – später kommt gar heraus, daß er ihr seinerzeit als Regisseur zum Starruhm verholfen hat und gar ihr erster Ehemann war – unermüdlich Fanpost, und willfährig genießt sie auch diesen frommen Betrug, ohne auf den Poststempel zu schauen. Nach einem Vorsprechen bei Cecil B. DeMille, der sich in diesem Film selbst spielt, ist sie davon überzeugt, mit dem fertigen Drehbuch zur „Salomé“ bei Paramount wieder unter Vertrag zu kommen, und kurz darauf zeigt uns Wilder in einer Montage grausame Bilder davon, wie sich die ehemalige Stummfilmgröße durch diverse Behandlungen verjüngen läßt. [1]

Wilder inszeniert diese tragische Geschichte dankenswerterweise mit dem ihm eigenen bitteren Witz. Schon die berühmte Einstellung am Anfang des Filmes, in der wir den toten Gillis von schräg unten im Swimmingpool treiben sehen, während über ihm die Polizei sich anschickt, ihn mit Haken aus dem Wasser zu ziehen, macht deutlich, daß wir eingeladen sind, die Dinge aus einer subversiven Perspektive zu sehen. Gnadenlos wird die Diva in fast jeder Minute des Filmes ausgeleuchtet – nicht nur diegetisch, wenn etwa einer der Studiomitarbeiter einen Scheinwerfer auf sie richtet, um die Aufmerksamkeit auf sie zu lenken, sondern auch in Situationen, in denen ihr Antlitz eigentlich dunkel sein müßte –, und auf diese Weise wird, ähnlich wie im Falle Barbara Stanwycks in „Double Indemnity“ (1944) der Eindruck einer unerträglichen und verhängnisvollen Künstlichkeit erzeugt, wobei im Falle Norma Desmonds wohl auch der Gedanke mitschwingt, es handele sich bei ihr um einen Gespenst, das sich weigert, in sein Grab zu steigen. Auch ihre Hände werden immer wieder prominent in Szene gesetzt – und zwar so, daß sie eher alles an sich raffenden Krallen oder unermüdlichen bleichen Spinnen gleichen. Besonders deutlich wird dies, wenn die Kamera nach Normas Selbstmordversuch – dem Bemühen entsprungen, ihren Gigolo Gillis bei sich zu behalten – auf ihren bandagierten Händen ruht, die wir vorn im Bild sehen, während hinten die Tür aufgeht und der reumütige, von schlechtem Gewissen getriebene Gillis zu ihr zurückkehrt. Den obligatorischen Kuß, mit dem der unheilige Liebesschwur besiegelt wird, sehen wir hier nicht, doch statt dessen zeigt uns die Kamera, wie die verbundenen Hände den Kopf des jungen Mannes zu der auf dem Bett liegenden Frau ziehen. Beide Motive – die unnatürliche Blässe und die krallenartigen Hände – werden dann am Ende des Filmes in der berühmten Szene nochmals zu einem schrecklichen Schlußakkord vereint, wenn die nach ihrem Mord an Gillis endgültig in den Wahnsinn hinübergeglittene Norma die prunkvolle Treppe in ihrer Villa hinunterschwebt, in der irrigen Annahme, die Kameras der Revolverblätter und Wochenschauen seien Filmkameras, orchestriert von DeMille, wobei der ergebene Max diese jedoch wieder zur Erschaffung einer Illusion benutzt, mit deren Hilfe sein Schützling ohne großen Widerstand der Polizei übergeben werden kann. Unten angekommen, schreitet Norma nach einer kurzen Danksagung flirtend auf die Kamera zu, mit ihren ausgestreckten Krallen lockend, bis sich schließlich das Licht zu einem gnädigen Nebel verklärt, in dem sie ihre harten Konturen verliert und verschwindet.

Einzig der treue und schicksalsergebene Max und der väterlich auftretende DeMille, der vergeblich versucht, Norma mit der Wirklichkeit zu konfrontieren, sind in diesem grausamen Spiel freundliche Figuren. Ansonsten spielt das Schicksal allenthalben böse Streiche, hinter denen man die spitze Feder Wilders vermuten darf. So lernen wir beispielsweise, daß in Hollywood im Gegensatz zu weiblichen Stars bestimmte Autos sehr gut altern, wenn DeMilles Regieassistent wiederholt bei Norma anruft – zur Verwunderung Gillis‘ –, wobei sich am Ende herausstellt, daß das hartnäckige Werben nicht der Diva, sondern vielmehr dem in ihrem Besitz befindlichen Isotta Fraschini galt. Auch die wöchentlichen Whistrunden im Hause der Diva, bei denen sie mit den anderen längst vergessenen Filmgrößen Buster Keaton, W.B. Warner und Anna Q. Nilsson, die Gillis despektierlich als Wachsfiguren bezeichnet, um Pfennigbeträge spielt, entspringen dem bitteren Humor eines realistischen Hollywoodkritikers, vor allem dann, wenn man sich vergegenwärtigt, daß Keatons einzige Worte „I pass“ sind, was man ja auch im Sinne von „Ich gehe vorüber“ auslegen kann.

Besonders unbarmherzig springt Wilder indes mit seinem Protagonisten um, den es noch schlimmer trifft als sechs Jahre zuvor Walter Neff, obgleich er am Ende doch bemüht ist, sich in Ehren aus der Situation zu verabschieden, und sowohl Betty als auch der besitzergreifenden Norma einen Korb gibt, bevor er zu Fuß – und nicht etwa im Auto – die Villa verlassen will. Nicht nur der bissige Kommentar, mit dem der tote Erzähler seine eigene im Pool treibende Leiche bedenkt, offenbart Wilders Hohn, sondern auch die Tatsache, daß wir den Pool zu Beginn der langen Rückblende in einem arg vernachlässigten Zustand als Heimstatt von Ratten sehen. Ist hier also einer Art Ratte ihre eigene Gier zum Verhängnis, zur Falle geworden? Wilders Tiervergleiche gehen noch weiter, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß Gillis ja recht eigentlich die Nachfolge eines Schimpansen als „Lebensgefährten“ der Filmdiva [2] antritt. Letztlich jedoch erscheint uns Joe Gillis trotz seiner anfänglichen Bereitwilligkeit, sich von der alternden Diva aushalten zu lassen, als eine Figur, der ein Rest von Anstand und Stolz innewohnt, denn er macht am Ende des Filmes den Versuch, sich aus der Umklammerung, in die ihn seine Gier manövriert hat, zu befreien – und beweist damit, daß es eben nicht so leicht ist, dem klebrigen Gift der Traumfabrik zu entkommen.

Wie mächtig dieser giftige Moloch ist, zeigt sich wohl nicht zuletzt auch daran, daß er es geschafft hat, aus „Sunset Boulevard“, dem doch so viel Kritik an Hollywood innewohnt, eines seiner berühmtesten Aushängeschilder zu machen.

[1] Gloria Swanson konnte diese Rolle nicht zuletzt wohl auch deshalb spielen, weil es ihr nicht um jeden Preis um ein Comeback zu tun war wie ihrer Figur. Allerdings trug der Film auch nicht wirklich zur Belebung ihrer alten Popularität – die in der Villa aufgestellten Bilder waren in der Tat Photos aus der Glanzzeit Swansons – bei, so daß sich Swanson in erster Linie auf die Arbeit für das Fernsehen konzentrierte. Daß die Schwierigkeiten für Stummfilmstars, nach Aufziehen des Tonfilms ihre Beliebtheit zu erhalten, allerdings gar nicht so weit hergeholt waren, zeigt sich u.a. in der Tatsache, daß eine der ursprünglich für die Rolle vorgesehenen Kandidatinnen die polnischstämmige Pola Negri war, von der Wilder allerdings nach dem ersten Telefonat sofort absah, da er der Ansicht war, daß ihr starker polnischer Akzent sie für einen Film mit hohem Dialoganteil ungeeignet mache.

[2] Hier scheint Wilder durchaus bewußt auch die Möglichkeit unappetitlicher Spekulationen offen gelassen zu haben, die er selbst Mitte der 90er Jahre offen ansprach.
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Die einst gefeierte Stummfilm-Diva Norma Desmond (Gloria Swanson) lebt einsam in einer verfallenen Villa am Sunset Boulevard, wo ihr Diener Max von Mayerling (Erich von Stroheim) ihr fortwährende Bedeutung ("größter Star auf der Welt") durch gefälschte Fanpost vorgaukelt. Sie ist besessen vom Wunsch nach einem Comeback und versucht den mittellosen Drehbuchschreiber Joe Gillis (William Holden) mit allen denkbaren materiellen Annehmlichkeiten an sich zu binden. Die rücksichtslose Konfrontation Norma Desmonds mit der Wirklichkeit führt zur Katastrophe ("Einen Star verlässt man nicht.") - was die ersten Bilder des Films mit dem toten Gillis im Pool bereits vorweg nehmen. Die Frage ist also nicht, wie der Film endet - sondern wie es zu diesem Ende kommt.

SUNSET BOULEVARD (1950) war eine der ersten kritischen Selbstreflexionen der Traumfabrik Hollywood - und es blieb bis heute die bekannteste. Der frühere deutsche Verleihtitel BOULEVARD DER DÄMMERUNG ist in dieser Hinsicht mehr als ein übersetzter Straßenname. Zahlreiche Akteure aus der Stummfilm-Ära wirken in durchaus selbstironisch zu wertenden Rollen mit. Neben Swanson und Stroheim sind Buster Keaton, Cecil B. de Mille (als er selbst) und Hollywood-Klatschbase Hedda Hopper zu nennen.

Billy Wilder (1906-2002) stand noch am Anfang seiner langen Regiekarriere, die mit dem Schwarze-Serie-Krimi FRAU OHNE GEWISSEN (1944) und dem unvergesslichen Alkoholiker-Drama DAS VERLORENE WOCHENENDE (1945) bereits zwei Höhepunkte hatte. Danach kamen mit REPORTER DES SATANS (1951) und STALAG 17 (1953) zwei weitere Dramen - und es folgten die unvergessenen Komödienerfolge der 50-er bis 70-er Jahre. Der heute zu Unrecht nahezu vergessene Film FEDORA (1977, Wilders vorletzte Regiearbeit) hatte noch einmal ein ähnliches Thema wie SUNSET BOULEVARD: Ein vor dem Ruin stehender Hollywoodproduzent (William Holden) will auf Korfu einen legendären Filmstar zu einem neuen Filmprojekt überreden. Der als übersteigertes Melodram inszenierte Film ist Wilders mit bitterem Spott zelebrierter Abgesang auf das alte Starkino Hollywoods.

Die Paramount-Blu-ray (ausgestattet mit Wendecover ohne FSK) präsentiert den Film in einem gestochen scharfen Bild im Original-Kinoformat 4:3. Kritikpunkt (wie leider bei allen aktuellen Back-Katalog-Veröffentlichungen von Paramount) ist der Verzicht auf jegliche Extras. Die auf DVD erschienene Special-Edition hatte zahlreiche Dokumentationen zu bieten. Es ist unverständlich, weshalb diese (HD-Qualität wäre ja nun nicht zwangsweise Bedingung) nicht den Weg auf die Blu-ray gefunden haben. Dennoch empfehle ich wegen der sichtbar besseren Bildqualität den Umstieg zum HD-Medium, zumal auf der DVD der Film auf 16:9-Bildformat aufgeblasen wurde, was sichtbar merkwürdige Kopfformen zur Folge hat.
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TOP 1000 REZENSENTam 20. August 2012
Vorweg:

Meine Rezension bezieht sich nur auf den Film - wer Informationen zum beworbenen Film-Paket und den enthaltenen Extras sucht, kann meine Rezension einfach überspringen.

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Intro
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"Boulevard der Dämmerung" flackerte in verstaubtem und farbfreiem Gewand über meinen Fernseher und strömte mit jedem Dialog, mit jeder Figur und mit jedem Bild eine altmodische, nostalgische und ja auch antiquierte Wirkung aus. Wir sehen prunkvolle Oldtimer, taddellose Anzüge und manierliche Kleidchen, zierliche Hüte und gepflegte Frisuren. Aus dem Off erzählt uns die Hauptfigur des Films, dessen tragisches Ende zu Beginn vorweggenommen wird, seine Geschichte. Ein Drehbuchautor mit bisher einmaligem Erfolg. Schwierigkeiten, in der rasanten Filmwelt dieser Zeit wirklich Fuß zu fassen und sich finanziell über Wasser zu halten. Ein Zufall, der ihn auf ein scheinbar verlassenes Anwesen und in die beängstigende Szenerie der Bestattung eines geliebten Ersatzmenschen führt. Der Beginn einer Dreiecksbeziehung aus bedrängender Abhängigkeit, obsessiver Liebe, bedingungsloser Loyalität und wahrhaftigem Mitleid.

Wirkung und Figuren
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"Boulevard der Dämmerung", der in diesem altertümlichen Gewand daher kommt, versteht es, gleich mehrere zeitlose Konflikte zu kreieren und erzählt diese auf teils obskure, furiose und spannende, teils auch nüchterne, rationale und zynische Art und Weise. Eben diese Wirkung ist geradezu meisterhaft an den akuten Personenfoklus geknüpft. Da ist auf der einen Seite der sachliche, leicht resignierte, liberale und prosaische Joe Gillis, der an seiner einstigen beruflichen Leidenschaft schon gescheitert zu sein scheint. Und da ist auf der anderen Seite die hysterisch-histrionische, leidenschaftliche, fiebrig-reizbare und ungezügelt-stürmische Norma Desmond, die nur mittels machtvoller Verdrängungsmechanismen ihre größte Angst aus dem Bewusstsein zu verbannen weiß. Ein suspekter Diener der seiner Herrin unbedingt hörig zu sein scheint, zieht wie ein düsterer Puppenspieler im Hintergrund seine mephistophelisch wirkenden Fäden und wirkt dabei immer mehr so, als sei er gar nicht der gedankenlose, form- und steuerbare Klotz, als der er sich uns zu Beginn dargestellt hat.

Hintergrund
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Dieser schon sehr alte und berühmte Film, der sich zweifellos zu den Meisterwerken der Filmgeschichte etabliert hat, beschäftigt sich im Kern mit der künstlichen Scheinwelt des Filmgeschäfts im frühen Hollywood. Er zeigt, wie untrennbar das praktische Handwerk, die filmische Technik und die harte Arbeit des Filmgeschäfts mit dem maskierenden Glamour, der mediengesteuerten Verherrlichung und der unbewussten Steuerung des Individuums durch die mürbende Laudatio der Massen zusammenhängen können. Schon der Titel "Boulevard der Dämmerung" deutet auf das sich unausweichlich abzeichnende Ende des überbordenden medialen Erfolges hin. Wer sich allzu sehr an die äußeren Scheinwerfer dieses Boulevards gewöhnt, der wird sich, wenn diese abgeschaltet werden, schnell in völliger Dunkelheit wiederfinden und vielleicht nicht mehr wissen, welchen Weg er einschlagen muss um wieder ins Licht zu gelangen. So scheint es Norma Desmond ergangen zu sein, die von Gloria Swanson absolut grandios verkörpert und in ihren innewohnenden Konflikten porträtiert wird. Eine Gestik, die es in dieser histrionischen Ausdrucksstärke (natürlich auch aufgrund der heutigen Tendenz zur Dezenz) vielleicht niemals wieder geben wird und die ein gewaltiges emotionales Spektrum zu transportieren weiß. Auch über Diener Max und Gigolo Joe ließe sich ellenlang debattieren, worauf ich an dieser Stelle jedoch verzichten möchte.

Zeitliche Einordnung
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Schon allein an Wilders' Vertuschungen und Geheimniskrämereien bei der Entstehung des Films und der Implementierung des gewagten Drehbuchs ist zu erkennen, welche Brisanz hinter einem solchen Film zur damaligen Zeit gesteckt haben muss. Ich glaube nicht, mir da heutzutage noch ein angemessenes Bild machen zu können. Ohne seine Popularität und der damit verbundenen "blinden Autonomie", die im von den Paramount Studios eingeräumt wurde, wäre dieser Film vermutlich niemals zustande gekommen.

Kritik
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Ein Film, der mich zwar angesichts seiner Hauptdarstellerin, seiner Thematik und vielmals auch aufgrund seiner Stimmung durchaus begeisterte, der aber für mich auch gewisse subjektive Schwächen aufwies. In meinen Augen konnten die Rollen von Jeo und Betty, aber auch die schauspielerischen Leistungen der beiden Akteure William Holden und Nancy Olsen der Präsenz von Gloria Swanson (Norma) und Erich von Stroheim (Diener Max) in ihren beiden Rollen nicht ganz standhalten. Insbesondere Betty, die in der Dramaturgie einen Gegenpart und Kontrast zu Norma Desmond darstellen sollte, verbleibt für mich ein wenig flach und pathetisch. Ihre Oskarnominierung für die Rolle indes zeigt, dass dies möglicherweise auch ein zeitlich verzerrter Eindruck ist. Auf mich wirkten all jene Szenen, in denen Swanson und Stroheim nicht zugegen waren, ungleich trivialer, langwieriger und seicht. Immer dann, wenn es für Joe zurück in den ungeliebten goldenen Käfig ging, nahm der Film für mich wieder an Fahrt auf.

Fazit
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Sich auf einen goldenen alten Schinken einrichten, zurücklehnen und selber ein Bild machen!
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TOP 1000 REZENSENTam 3. August 2012
Der berühmte Sunset Boulevard ist eine Straße im westlichen Teil von Los Angeles, die sich von der Figueroa Street in Downtown L.A. auf den Pacific Coast Highway erstreckt. Die Straße steht immer noch für den einstigen Glanz des Hollywoods vergangener Tage. Als 1911 dort das erste Filmstudio eröffent wurde, lebten zuerst die Filmarbeiter dort, doch mit dem beginnenden Starsystem in der Blüte des Stummfilms wurden dort imposante, luxuriöse Häuser mit Erhabenheit, Prunk und Protz gebaut. Dort lebten die großen Legenden des frühen Hollywood.
Billy Wilder war sehr fasziniert von diesem frühen Hollywood und dessen Ikonen, die 1950 schon lange aus dem Filmgeschäft ausgestiegen waren und zunehmend in Vergessenheit gerieten.
Inspiriert durch die Stummfilmgöttin Norma Talmadge, so sagen unbestätigte Quellen, wurde die groteske Stummfilmkönigin Norma Desmond erfunden, die viele Jahre nach ihrem Ruhm - einsam und vergessen - in einem dieser großen Villen lebte und noch immer verzweifelt am Ruhm von einst festhielt.
"Boulevard der Dämmerung" - so der deutsche Titel des 1950 entstandenen unvergessenen Filmklassiker - wird dem Film Noir zugerechnet, wenngleich er ein sehr untypischer Vertreter des Genres ist.
Er gilt aber auf alle Fälle als einer dieser unsterblichen großartigen Filmwerke, die immer wieder - völlig zu Recht - in sämtlichen Listen über die besten Filme aller Zeiten auftauchen.
Genauso eine heruntergekommene Villa existiert auf diesem geschichtsträchtigen Boulevard, der durch Los Angeles und Beverly Hills verläuft.
Weil die Gläubiger hinter dem erfolglosen Schreiber Joe Gillis (William Holden) her sind und ihm das Auto wegen säumiger Raten nehmen wollen, versteckt sich der Verfolgte auf einem geheimnivoll wirkenden Anwesen, die Villa sieht beinahe etwas verfallen aus. Er wird auch schon erwartet, weil Max (Erich von Strohheim) und seine Herrin (Gloria Swanson) den Leichenbestatter erwarten. Zu Grabe soll der Schimpanse der Filmdiva getragen werden. Der zufällig dort gestrandete klärt das Mißverständnis schnell auf, doch als er erwähnt, dass er für Hollywood Drehbücher verfasst, weckt er das Interesse der exzentrischen Hausherrin.
Denn die schreibt seit Jahren an einem Drehbuch, dass für 6 Monumentalfilme reichen könnte, sie ist fest davon überzeugt, dass das Publikum nichts anderes als eine 50jährige "Salome" sehen will, Dialoge sollen wenig sein, schliesslich war der Stummfilm die wahre Kunst. "Wir brauchten keine Dialoge, wir hatten Gesichter"...die vermögende Frau bindet so den mittellosen Joe an sich, der gleich beim ersten Treffen in der Villa übernachtet und am anderen Morgen bereits sein ganzes Hab und Gut aus seinem Appartment im neuen Zuhause vorfindet.
Norma spekuliert auf Cecil B.D. Mille als Regisseur für ihr Werk, Joe geht daran die ominösen Schriften einigermassen in eine Art Drehbuch zu verwandeln.
Immer wieder versucht er von seinem Gefängnis auszubrechen und wieder mit gleichaltrigen, normalen Menschen wie der hübschen Produktionsassistin Betty Schaefer (Nancy Olson) in Kontakt zu kommen. Doch die Bindung an den alternden Stummfilmstar lässt sich leider immer schwerer lösen. Denn irgendwann verliebt sich der Star in ihren jungen Drehbuchschreiber...
Bei seiner Veröffentlichung kam "Sunset Boulevard" einem nie da gewesenen Skandal gleich, denn Billy Wilder wagte einen Blick auf etwas, was die Großen von Hollywood aus guten Gründen am liebsten tot geschwiegen hätten: Das Schicksal seiner längst vergessener Stars, von der Unterhaltungsmaschine benutzt und hochgejubelt für eine gewisse Zeit und danach fallen gelassen wie heiße Kartoffeln. Es gibt viele kaputte Existenzen, die reich und berühmt waren. Im Falle von Norma Desmond gehts sogar bis zum Wahnsinn, der alles unterordnet für die Großaufnahme bei Mr. DeMille.
Es tut immer mal wieder gut einen der Lieblingsfilme in den DVD-Recorder zu legen und zu geniessen. Denn Billy Wilders düstere Hollywood-Abrechung ist einfach perfekt. Gloria Swanson spielt lange Jahre nach ihrem Ruhm in den 20ern die Rolle ihres Lebens und William Holden als Partner ist ihr ebenbürtig. Es gibt auch ein Wiedersehen mit alten Ikonen des Stummfilms. So spielt die deutsche Regielegende Erich von Strohheim den über alles seine Herrin liebenden Diener. Cecil B.D.Mille wird gezeigt bei seinen Drehbarbeiten zum Monumentalschinken "Samson und Deliah". Er wird beim Dreh in den Paramount Studios von Norma besucht. Ausserdem tauchen auf Buster Keaton, Hedda Hopper, H.B.Warner und Anna Q. Nilsson...in einem meiner 20 liebsten Lieblingsfilme.
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TOP 1000 REZENSENTam 23. September 2011
Produkt: DVD (1 Stück) / Qualität: gut / Vertreiber: Paramount Home Entertainment / ASIN: B00008IXLL.
Deutscher Titel: Boulevard der Dämmerung. Originaltitel: Sunset Boulevard
Produktionsland: USA. Premiere: 1950
Mit: William Holden, Gloria Swanson, Erich von Strohheim, Nancy Olson, Cecil B. DeMille, Buster Keaton, Anna Q. Nilsson, H. B. Warner u. A. Regie: Billy Wilder
Bild: gut / SW / 4:3 / Originalformat. Sprache: englisch. Synchronisation: deutsch, französisch, italienisch und spanisch. Untertitel: deutsch, englisch u.v.a.
Filmdauer: 106 Minuten (Originallänge im PAL-Verfahren)
Genre: Drama > Film Noir > Liebesfilm > Medienfilm
Specials: 26 Doku über die Filmproduktion mit Szenen und Interviews (englisch m. deutschen u. a. UT); ein Audiokommentar und andere unwesentlichere, kleine Specials

Das ist ein Film, der bis ins Mark der Seele reicht. Die Personen darin bewegen sich ständig und streben nach etwas - aber eigentlich geht es um innerste Beweggründe und Motive des Daseins. Die beiden Hauptdarsteller könnten unterschiedlicher nicht sein, und teilen doch so Manches und nicht nur den Faden Liebe, der sie für einen kurzen Augenblick aneinandergebunden hat. Holden ist kein Unschuldslamm. Er benützt die einstige Stummfilmdiva zu seinen persönlichen Interessen. Sie aber ist auch nicht gerade die Besonnenste, wenn sie sich einen jungen Lover aufhalst, der sie unmöglich lieben kann als Frau. Die Gier ist überlebensgroß auf beiden Seiten. Er ist hungrig nach dem Durchbruch seiner Drehbücher in dem Eldorado Hollywood, sie nach der Rückkehr zu Starruhm. Doch auf diesem bitteren Weg blieben hundert- und tausendfach mehr auf der Strecke, als welche hineingelangten ins Mekka des Ruhms. Und um welchen sinnlosen Preis?! Um den höchsten Preis des eigenen Selbstverlustes. Statt im Rampenlicht der Erleuchteten, endet sie als lebende Leiche in der Irrenanstalt, er als redende Leiche im Swimmingpool. Sie haben sich aneinandergerieben, sie haben sich gegenseitig zerrieben. Warum haben sie sich das angetan? Warum ist sie zu seiner Mörderin geworden? Das ist kein Spoiler, denn der Ausgang wird im Anbeginn des Films offenbart. Holden liegt tot im Swimmingpool und seine Stimme reflektiert über sich selbst und wie es dazu kam. Genial diese Idee, einen Toten in Ichform die Geschichte nachträglich erzählen zu lassen. Ein Toter kann nichts Falsches sagen, sondern alles wird vollkommen objektiv aus der Distanz analysiert - die ganze verhängnisvolle Wucht der Verstrickung, aus der es kein Entrinnen gibt - in die sich jedoch die beiden Beteiligten mit vollem Elan hineinbegaben. Das ist Film Noir. Und in diesem Stil entfaltet sich der dunkelgraue Film über Liebe, Sehnsucht, Gier und die Dialektik des Daseins. Schon die Umstände und Hintergründe der Filmproduktion waren atemberaubend. Kein fertiges Drehbuch, Improvisationen am Set, Streitereien, Interventionen, Einmischungen, Zensur, Täuschungen mit dem Titel und Thema des Films, Tarnungen, Vertuschungen, echte Tränen Swansons unmittelbar nach ihrem letzten, tragischen Part. Abgesehen von der grundsätzlich lebens- und weltentfremdeten Diva muß man objektiverweise sagen, dass Norma Desmond (Swanson) das volle Recht besitzt, ihr Leben in Würde und Respekt zu realisieren. Ein älterer Mensch steht einem jüngeren in nichts nach. Es ist ja gar nicht wahr, dass ältere Menschen zu altem Eisen gehören und keine Chance verdienen auf ihre künstlerische Kreativität. Im Gegenteil - oft sind sie wesentlicher, voller und tiefer in ihrem Ausdruck als die jüngeren. Es ist eine Tatsache, dass ältere Menschen genauso viel zu sagen haben, wie die jüngeren. Wogegen sich also Norma Desmond berechtigterweise auflehnt, ist die Borniertheit der Macher, welche ständig nach frischem, jungem Fleisch schnüffeln und die Schönheit der herbstlichen Reife übersehen. Sie kämpft ja nur um ihr Stück Würde auf ihrem Weg des Älterwerdens - Und das mit vollem Recht, obzwar mit falschen Mitteln. So gesehen ist Norma Desmond zum Teil Opfer von arroganten Vorurteilen und skrupellosen Mechanismen der Maschinerie Hollywood, was Wilder in ihrer tragischen Figur sehr gut abbildete. Sie ist also auch Opfer und nicht nur Täter allein. Genauso ist es Holden, denn den Tod hat er wahrlich nicht verdient. Aber wenn er nicht tot wäre, könnte er uns nicht den Film erzählen und wir wüssten nichts über einen der besten Filme der Filmgeschichte.
Gloria Swanson ist wunderbar und unübertrefflich in ihrer Darstellung. William Holden der einzig Richtige für diese Rolle.
Bei dem Film könnte man von der ersten bis zur letzten Sekunde über alles darin Enthaltene schreiben, diskutieren und reflektieren - doch am Besten: selber anschauen und staunend bewundern!
Mladen Kosar
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am 17. März 2003
Über den Film braucht man gar nicht zu diskutieren. Einer der besten aller Zeiten...
Die Ausstattung der DVD wird dem voll gerecht. Audiokommentar, Making of, Trailer, Skriptausschnitte des originalen Anfangs des Films(, in dem der Held des Films im Leichenschauhaus einer anderen Leiche seine Geschichte erzählt), Fotogalerien, Featurettes über die Kostümdesigner und den Komponisten der Filmmusik. Ein wirkliches 'Muss' für jeden Cinéasten. Man lernt enorm viel über den Film im allgemeinen und Sunset Boulevard im Speziellen. Und der Preis stimmt auch...
Das macht Hoffnung, dass noch mehr Billy Wilder Filme in einer angemessenen Art und Weise auf DVD veröffentlicht werden.
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am 11. Juni 2012
Dieser überaus wertvolle schwarz-weiss Tonfilm ist ein Klassiker und Teil der Filmgeschichte. Billy Wilders Drama-Krimi erzählt kritisch von der längst vergangenen Stumfilm-Ära der 20er Jahre in LA. Eine ehemalige Stummfilm-Diva lebt zurückgezogen mit ihrem Butler in einer Villa am Sunset Boulevard und träumt von ihrem Comeback. Als sich ein junger Drehbuchautor in ihre Villa verirrt schöpft sie Hoffnung.
Gloria Swanson, Erich von Stroheim, William Holden und Nancy Olson zeigen sich in ihren besten Rollen und wurden dafür mit 11 Oscars nominiert. Hier sind zwei der prägensten Filmzitate:

"All right, Mr. DeMille, I'm ready for my close-up."
(Ja, Mr. DeMille. Ich bin fertig für meine Großaufnahme) und
"I am big! It's the pictures that got small."
(Ich bin groß, die Filme sind es, die heute keine Größe mehr haben.)

BBC Films, 2003: "Der beste Film, der je über das narzisstische Höllenloch, das Hollywood ist, gemacht wurde."
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am 17. Juni 2013
Einer der besten und bedeutendsten Filme aller Zeiten wird hierzulande von Paramount mal wieder durch den Schmutz gezogen durch diese peinliche Veröffentlichungspolitik, alle auf der US-Blu-ray vorhandenen Extras für den deutschen Markt einfach zu streichen. Kein einziges Special der US-Disc hat es auf das deutsche Pendant geschafft. Nicht eines!!!!!! Eine neue Veröffentlichungspolitik bei Paramount, die uns schon bei Veröffentlichungen wie "Rosemarys Baby", "American Beauty", "Über den Dächern von Nizza" und vielen anderen bedeutenden Klassikern verärgert hat. Daher: 5 Sterne für den Film, 0 Sterne für diese erneut unsägliche Paramount-Veröffentlichung für den deutschen Markt. Aber mit den Käufern hierzulande kann man es ja (anscheinend) machen. Und hier die Auflistung der Extras, die auf der US-Blu-ray von "Sunset Boulevard" aufgespielt sind:

Audio Commentary: Ed Sikov, author of "On Sunset Boulevard: The Life and Times of Billy Wilder,"
Sunset Boulevard: The Beginning
Sunset Boulevard: A Look Back
The Noir Side of Sunset Boulevard
Sunset Boulevard Becomes a Classic
Two Sides of Ms. Swanson
Stories of Sunset Boulevard
Mad About the Boy: A Portrait of William Holden
Recording Sunset Boulevard
The City of Sunset Boulevard
Franz Waxman and the Music of Sunset Boulevard
Deleted Scene: The Paramount Don't Want Me Blues.
Hollywood Location Map
Behind the Gate: The Lot
Edith Head: The Paramount Years
Paramount in the '50s
Galleries: Production, The Movie, and Publicity.
Sunset Boulevard Theatrical Trailer
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