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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine großartig erzählte Familiengeschichte mit einem pseudophilosophischen Augustinus-Dressing
Das vorliegende Buch gehört sicher zu den Ungewöhnlichsten der letzten Jahre. Gehört es auch zu den Besten?
Zunächst und vor allem handlet es sich um ein sprachlich ungemein packendes Buch. Wer sich nach einigen Seiten an den Rhythmus der langen Satzkaskaden gewöhnt hat, wird gefesselt sein. Selten habe ich eine derart funkelnde,...
Vor 14 Monaten von euripides50 veröffentlicht

versus
1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kneipenphilosophie
Jerome Ferrari (Jg. 1968) arbeitete als Philosophielehrer in Algier und Korsika, jetzt lebt er in Abu Dabi. Dieser sein zweiter Roman wurde in Frankreich hoch gelobt und gut verkauft und er ist von Christian Ruzicska kongenial übersetzt worden, kein leichtes Unterfangen, denn Ferarri liebt lange, verschlungene Satzkaskaden und pflegt einen erlesenen, oft...
Vor 10 Monaten von Joachimski veröffentlicht


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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine großartig erzählte Familiengeschichte mit einem pseudophilosophischen Augustinus-Dressing, 28. Juni 2013
Von 
euripides50 (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das vorliegende Buch gehört sicher zu den Ungewöhnlichsten der letzten Jahre. Gehört es auch zu den Besten?
Zunächst und vor allem handlet es sich um ein sprachlich ungemein packendes Buch. Wer sich nach einigen Seiten an den Rhythmus der langen Satzkaskaden gewöhnt hat, wird gefesselt sein. Selten habe ich eine derart funkelnde, vielfältige Assoziationen stimulierende und gehaltvolle literarische Sprache gelesen, die in der Übersetzung von Christian Ruzicska offenbar ungeschmälert erhalten bleibt. Ich nehme an, dass es nicht zuletzt diese singuläre Poetik des Buches war, die ihm in Frankreich den Prix Goncourt eingetragen hat. Dafür nur ein Beispiel unter vielen, eine Passage aus dem fünften Kapitel, in dem das Leben Jacques Antoniettis als französischer Kolonialbeamter beschrieben wird:
"Er regierte von nun an über ein riesiges Territorium, dessen Feuchtigkeit nur von Insekten, Negern, wilden Pflanzen und Raubtieren bevölkert war. Die französische Flagge hing am Ende einer Fahnenstange wie ein nasser Lappen vom Giebel seiner Residenz herab, etwas abseits von einem ärmlichen Dorf, dessen Hütten an den Ufern eines schlammigen Flusses errichtet worden waren, den entlang Kinder mittels einer Kordel Kohorten erblindeter Alter führten, die unter einem Himmel dahinzogen, der ebenso milchig weiß war wie ihre erloschenen Augen."(131)
Nach diesen Sätzen und ihrem Rhythmus kann man regelrecht süchtig werden - wie aber steht es mit dem Inhalt? Vordergründig handelt der Roman von der Geschichte der korsischen Familie Antonietti vom Großvater bis zum Enkel im Zeitraum eines ganzen Jahrhunderts. Noch Vordergründiger dreht es sich um die Geschichte einer Bar auf Korsika, die von zwei enttäuschten Philosophiestudenten gepachtet und zunächst mit einigem Erfolg betrieben wird, ehe der Lauf der Welt auch hier zu Niedergang und End führt. Die erzählerische Entfaltung dieser beiden Ebenen ist große Literatur - packend, ergreifend und auch noch kurzweilig.
So weit, so beeindruckend.
Aber das ist (leider) noch nicht alles. Hinter dem Leben des Großvaters, dem Niedergang des französischen Kolonialreiches, der Pervertierung der Bildung und dem Ende der Bar wabert dem Leser eine misanthropisch-melancholische Weltsicht entgegen, die - und das gibt dem Buch den letzten, schrägen Dreh - durch deutliche Anklänge an die Predigten des Augustinus zum Untergang Roms in Beziehung gesetzt wird.
Potzdonner, denkt man, was für ein Genie! Da setzt einer das Treiben und Getriebenwerden in einer korsischen Bar in Beziehung zur Untergangsgeschichte Roms, die ja auch nur paradigmatisch dafür ist, dass alles, was ist, auch vergeht. Augustines behauptet ja in seinen Predigten ( und in seinem Hauptwerk De Civitate Dei", das in dem Roman nicht zitiert wird), der Untergang der sichtbaren Welt habe nichts zu bedeuten, solange die geistige Welt intakt bleibe und das Individuum Gott als seinen ewigen Kompass nicht verliere. Was aber soll das in Bezug auf den Niedergang der Kolonialreiche, dem Ende der Liebe zwischen Aurelie und ihrem algerischen Kollegen oder Untergang der Bar bedeuten? Ich habe lange gesucht und ich gestehe: ich habe jenseits einer grundbanalen Aufstiegs-Untergangs-Parallele nichts Sinnvolles entdeckt. Mein verehrter Vorrezensent Dr. Frank Holofernes hat - obwohl er das Buch gerne gelesen hat - diese dem Roman übergestülpte Rom-Thematik kurzerhand als "pseudointellektuellen Blödsinn" abgetan. Hut ab vor solch klaren Positionierungen. Ich würde es eher als ein pseudo-philosophisches Augustinus-Dressing bezeichnen, als einen literarischen Spoiler ins Nirgendwo, der eine weit überzogene Ambition nur andeutet, ohne sie einzulösen. Dass der Autor dem armen Augustinus dann in der Stunde des Todes auch noch eine Überzeugung andichtet, die im diametralen Gegensatz zu allem steht, was Augustinus je geschrieben hat, macht die Sache auch nicht besser.
Das ist ein schade, denn die bloße Antonietti-Geschichte von Familie und Bar ist so glänzend, so stilvoll und unterhaltsam erzählt, dass es dieser feuilletonanbiedernden Überwölbung überhaupt nicht bedurft hätte. Deswegen - und nur deswegen - vier statt fünf Punkte, aber trotzdem eine unbedingte Leseempfehlung für dieses auch ohne Augustinus aufwühlende Buch.
Nachtrag: Die Diskussion im Lesekreis am 15.7.2013 erbrachte keine Änderung dieses Befundes. Es wurde an Joyce und Ulysses erinnert, einem Werk, das auch Alltagsabläufe in Beziehung zu mythischen Figuren und Vorgängen setzte, doch eine tragfähige einsichtige Verbindung der Antonietti-Geschichte zu Augustinus wurde nicht gefunden. Einige berauschten sich an der "mythischen Anmutung" des Textes und wollten keine Kritik zulassen, andere mäkelten über die nicht eingelöste Ambition. Trotzdem hat das Buch allen gefallen.
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19 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine französische Reise, 5. Mai 2013
Von 
Daniel Schnock (Arnsberg, Westfalen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Dieser Roman scheint sich so einiges vorgenommen zu haben. Die römische Dekadenz, Augustinus von Hippo, das Theodizee-Problem, die beste aller möglichen Welten, die Leibnitz‘sche Philosophie und und und.
Ein auf den ersten Blick unlesbarer Roman, der sicherlich zu recht den Prix Goncourt 2012 erhalten hat, so vollgepackt mit intertextuellen Verweisen auf die literarische Vergangenheit Europas. Aber bereitet mir so ein Roman eine vergnügliche Lektüre? Ja, das tut er definitiv. Denn von all den Ankündigungen und Besprechungen über diesen so viel gepriesenen Roman sollte man sich nicht abschrecken lassen. Im Zentrum der Geschichte stehen die drei Figuren Marcel, Matthieu und Aurelie. Die Geschichte der drei wird erzählt, wie sie mit Marcel zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts begann, sich über die beiden Weltkriege und das französische Kolonialreich, bis hin zu seinen Enkeln Matthieu und Aurelie zog. Es handelt sich manchmal fast um eine Art französische Reise in die Geschichte. Immer wieder zentriert sich die Handlung auf Korsika - denn hier steht die Bar, die Matthieu mit seinem Studienfreund Libero übernommen hat, und in der sich einiges an Handlung abspielt.
Nebenbei werden, auch da Matthieu und Libero Philosophie studierten, die oben bereits erwähnten Theorien und Probleme erörtert, das Prinzip der besten aller möglichen Welten zieht sich schleichend durch den Roman, jedoch stehen diese nie im Vordergrund. Dieses Werk zeichnet sich durch eine spannende Geschichte und seinen gewöhnungsbedürftigen, aber wunderschönen Sprachstil aus. Wer lange Sätze à la Thomas Mann und deren blumige, manchmal fast ungelenk komische Wortwahl, mag, der findet in diesem Buch genau das richtige und es ist fast schon bedauerlich, dass der Roman nur 200 Seiten fasst.
Inhaltlich bekommt der Roman nur 4 Sterne von mir, da die Handlung manchmal doch, gerade aufgrund zahlreicher verwendeter Theorien und Ideen, ein wenig konstruiert und bemüht wirkt. Die Sprache, der Stil und auch die Haptik und wunderschöne Setzung des Buches in deutscher Übersetzung, machen das jedoch spielend wieder wett.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Wechselspiel zwischen Bitterkeit und Ironie, 8. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ein überaus gelungenes Machtwerk, das Jérôme Ferrari hier abliefert - zurecht preisgekrönt!
Die Stimmung der letzten Tagen Roms wird durchlebt von zwei Barbesitzern und einem Kolonialbeamten; melancholisch durch und durch, doch dabei stets gebrochen durch die stille Ironie des Autors.
An die Sprache mag man sich gewöhnen, doch sobald man eingelesen ist, entfalten sie ihre einzigartige Wirkung - ein Lob für die Übersetzung.
Auch wenn die Sätze lang sind, auch wenn einem beim ersten Durchblättern der Begriff "Bleiwüste" in den Sinn kommt - sobald man die kaum 200 Seiten durchgelesen hat, bemerkt man, dass dieses Buch gar nicht anders hätte geschrieben werden können.

Der Autor bietet viel: ein Gewirr von Leben, das geeint wird durch den steten Untergang, den Fall und Verfall der Welt - einer Welt, die doch eigentlich nie war. - Und wie subtil zeigt sich hier die Verbindung zu Augustinus! Jener predigte, dass aller Verfall der äußeren Welt (civitas terrena) den einzelnen nichts angeht, wenn nur dessen Innerstes (civitas dei) fest steht - und darum müssen auch die beiden Protagonisten scheitern, weil der eine sein Glück davon abhängig macht, hinaus zu kommen, in die große weite Welt; und weil der andere hinein will, in die kleine, dörfliche Welt seiner Vorfahren -- doch wie alle Welten müssen diese Welten fallen. Es gibt sie nicht, die beste aller Welten - auch nicht für den Leibniz-Schüler auf Korsika.
Und wie steht's nun mit Augustinus? In allerletzter Minute fällt auch er, auch er geht unter und erkennt den Untergang. Vielleicht will das Buch genau das aussagen, dass alles - egal was wir auch tun - es wird untergehen, dass letztlich auch die Innenwelt nur eine Welt ist, das jedes Leben eine Welt ist - und alle Welten gehen unter. Darum ist die Predigt auf den Untergang Roms eine Predigt auf den Untergang des Menschen...
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Große französische Literatur in eleganter deutscher Übersetzung, 24. Juli 2013
Zwei idealistische Studenten voller Tatendrang wollen dem schnöden Alltag den Rücken kehren. Mit der Gründung einer Bar wollen sie sich ihre eigene perfekte Welt errichten. Doch wird die Blase bald zerplatzen, ihr Projekt so kläglich scheitern, wie es ruhmreich begonnen hat.

Dieses Buch ist aus mehreren Gründen uneingeschränkt weiterzuempfehlen:

Inhaltlich ist vor allem die literarisch glanzvoll umgesetzte Verstrickung von Mikro- und Makrokosmos menschlichen Wirkens auf Erden hervorzuheben. Auch eine auf Anhieb vielleicht banal wirkende Bargeschichte spielt sich im breiteren Kontext der Menscheitsgeschichte ab. Das Kleine liegt im Großen und im Großen liegt das Kleine. Der Versuch der Loslösung von dieser Interdependenz, von höheren, das Individuum oft übersteigenden Gesetzen, scheint von vornherein zum Scheitern verurteilt zu sein. Dessen sind sich die jungen Bargründer anfangs jedoch nicht bewusst, da sie eifrig an der Umsetzung ihrer eigenen kleinen Utopie arbeiten. Doch so wie in der Menschheitsgeschichte große Reiche zerfallen sind, werden auch sie schließlich scheitern. Der Demiurg ist zugleich auch für seine eigene Zerstörung verantwortlich.

Schnell fällt auf, dass mit Jerome Ferrari hier jemand mit profunden philosophischen Kenntnissen schreibt, ohne dabei jemals hölzern zu wirken. Selbst in äußerst langen Sätzen bleibt der Autor stilistisch-literarisch glanzvoll. In Ferraris literarischer Ästhetik koexistieren hoch komplexe Gedanken mit rohen Gewalt- und Sexszenen. Dem Autor gelingt es, jede menschliche Alltags- oder Ausnahmesituation in seinem schrifstellerischen Schaffen intellektuel und ästhetisch zu sublimieren. Bei allem, was aus Ferraris Feder stammt, schwingt stets das Feierliche menschlichen Daseins mit - ungeachtet der geschilderten Tragödien. Bei aller Zerstörung wird der Goncourt-Preisträger niemals pessimistisch; vielmehr vermitteln seine Romane unermüdlich den unerschütterlichen Glauben an die Menschlichkeit.

Ich habe sowohl das französische Original, als auch die deutsche Übersetzung gelesen und muss sagen, dass die Übertragung ins Deutsche höchst elegant geraten ist. Die Übersetzung orientiert sich stets dicht am Original (aus keinem der langen Sätze wurden etwa zwei gemacht), sodass der Geist der französischen Sprache erhalten bleibt und durch die Zeilen hindurchschimmert. Gleichzeitig wird das Potenzial der deutschen Sprachästhetik kreativ eingesetzt. Kurz gesagt: Es macht viel Spaß, das Buch (in wie gewohnt sehr ansprechender Gestaltung des Secession-Verlags) auch auf Deutsch zu lesen, was bei vielen Übersetzungen leider oft nicht der Fall ist.

Die Predigt auf den Untergang Roms ist ein Muss für jeden anspruchsvollen Leser.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Vom Tresen aus die Welt erklären, 24. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wer hätte das gedacht, das ausgerechnet ein aus dem Französischen übersetztes Buch eine solche Möglichkeit bietet, die Schönheiten und Facetten unserer Sprache wiederzuentdecken? Nein, einfach ist es nicht, den stilistischen und gedanklichen Purzelbäumen Monsieurs Ferraris zu folgen. So manches Kapitel muss man nach der ersten Lektüre glatt noch einmal lesen, weil man unterwegs irgendwo den Faden verloren hat, doch lohnt es sich, sich die Zeit zu nehmen. Man würde sonst einfach zu viel verpassen.

Zwei Freunde brechen ihr Philosophiestudium ab, um in ihrem korsischen Heimatort die Dorfkneipe zu übernehmen. Der Weltenlauf nebst dem Sinn, der ihm eventuell zu eigen ist, lässt sich schließlich auch vom Tresen aus ergründen. Das klingt irgendwie nach einer französischen Variante des frühen Henscheid. Doch begnügt sich Monsieur Ferrari nicht damit, das Große im Kleinen zu erklären, es zumindest zu versuchen, sondern er erzählt parallel noch die Geschichte eines Verwandten des Protagonisten, der zunächst als Soldat und später als Diplomat das Ende der französischen Kolonialzeit erlebt. Dazwischen eingestreut sind Passagen aus der Predigt des Kirchenvaters Augustinus, die die dem Buch auch den Titel gab. Darin erklärt der Gottesmann, dass Untergang an sich nichts Schlimmes ist: Es wird immer eine Welt geben, die auf die folgt, die gerade vor die Hunde gegangen ist, gleich, ob im Kleinen oder im Großen.

Wie? Das könnte auch alles einfach nur pseudointellektueller Blödsinn sein? Mag sein, aber dann blieben immer noch die wunderbar verdrehten "Sprachgirlanden", durch die es durchzufinden gilt - und wer daran keinen Spaß hat, der soll es eben lassen. Und dann ist noch der wunderbar lakonische Charme der Insel Korsika. So schön getroffen fand der Autor dieser Rezension ihn letztmalig in einem Asterix-Heft.
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4.0 von 5 Sternen Gewaltige Untergangsprosa, 14. Juli 2014
Von 
Birgit Böllinger (Augsburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Nomen est omen. Viel Zeit zum Atemholen lässt einem dieser Ferrari nicht. Der einen hineinzieht mit diesen Suada-Schleifen-Sätzen und die Schlaufe nicht lockerlässt, bis man zerschlagen&zertrümmert den Buchdeckel zusammenklappt. „Die Predigt auf den Untergang Roms“ (2012 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet), ist Schluss- und Meisterstück der Korsika-Trilogie dieses französischen Philosophielehrers und Schriftstellers: „Balco Atlantico“ (2008), „Und meine Seele ließ ich zurück“ (2010) und die Predigt – drei furiose Gewaltstreiche, nichts für zarte Gemüter, überwältigend auch in ihrer sprachlichen Wucht, selbst in der Übersetzung (erschienen beim Secession Verlag für Literatur, Zürich).

„Die Predigt auf den Untergang Roms“ – diese Predigt des Augustinus gibt den Rahmen, bildet das eigentliche Fundament dieser archaischen Geschichte von Werden und Vergehen, Aufbau und Zerstörung.

„Hat Gott jemals versprochen, dass die Welt ewig sei? Die Mauern Karthagos sind gefallen, Baals Feuer ist erloschen und die Krieger Massinissas, die die Festungsmauern Cirtas niederschlugen, sind ihrerseits verschwunden, wie Sand, der verrinnt. Das wusstest Du bereits, aber Du meintest, Rom würde nicht fallen? Wurde Rom nicht aufgebaut von Menschen wie Dir? Seit wann denkst Du, dass Menschen die Macht besitzen, ewige Dinge zu erreichten? Der Mensch hat auf Sand gebaut.“

Der Mensch hat nicht nur auf Sand gebaut, er ist auch ein schlechter Schöpfer, in seinen Schöpfungen ist bereits der Verfall begriffen und der einzige Trost, der darin liegt, ist: Dass sich die Welt trotzdem und dennoch in ihrer Unvollkommenheit immer weiter dreht.

Das ist aber auch das Einzige, aus dem die Figuren in Ferraris Korsika-Trilogie für sich Hoffnung schöpfen können: Ihre Welt ist geprägt von Gewalt, Grausamkeit, Erniedrigung, Inzest, Perversion, Lieblosigkeit, Krankheiten, Nymphomanie, Debilität.

[...]
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Top!, 4. Januar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Alles gut, alles toll. Was muss ich noch schreiben? Zehn Worte verbleiben erfoderlich... Brauch ich nicht. Alles einwandfrei verlaufen und so.
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Kneipenphilosophie, 30. Oktober 2013
Von 
Jerome Ferrari (Jg. 1968) arbeitete als Philosophielehrer in Algier und Korsika, jetzt lebt er in Abu Dabi. Dieser sein zweiter Roman wurde in Frankreich hoch gelobt und gut verkauft und er ist von Christian Ruzicska kongenial übersetzt worden, kein leichtes Unterfangen, denn Ferarri liebt lange, verschlungene Satzkaskaden und pflegt einen erlesenen, oft pretiösen Stil, wenn er nicht gerade in Kneipenjargon verfällt.

Trotzdem lässt den Leseteufel dieses schmale Bändchen ziemlich kalt. Er hat sich zwar gerne von dem suggestiven Sprachduktus dahintreiben lassen, aber letztendlich ist wenig vom Inhalt hängen geblieben. Es geht nämlich wieder einmal um eine das letzte Jahrhundert umfassende Familiengeschichte, diesmal in Korsika.

Die jüngsten hoffnungsvollen Sprösslinge studieren Philosophie in Paris, nur um bald entnervt ihr Studium abzubrechen und in Korsika eine Bar zu übernehmen. Der Hauptteil des Romans spielt in dieser Bar, die die beiden ein halbes Jahr betreiben, bis auch daraus nichts wird. Den Höhe- und Schlusspunkt stellt eine Kneipenschlägerei dar, bei der es natürlich um die Frauen geht.

Da zu jedem Studentenleben, auch dem des Leseteufels, solche Geschichten gehören, erschließt sich nicht ganz, wozu sie der philosophischen Überhöhung bedürftig sind, oder noch krasser, warum sie überhaupt das Erzählen wert sein sollen.
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3 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Was für Gestrandete auf einsamen Inseln mit viel Zeit, 28. Oktober 2013
Vielleicht ist es wirklich ein grandioses Buch. Nur müßte ich mich dann wohl über die Seite 65 hinaus kämpfen, und das gelingt mir einfach nicht. Warum? Weil hier in über-überlange Sätze Gedanken gepackt werden, deren Sinn sich erst erschließt, wenn man die oft seitenlangen Sätze mehrmals gelesen hat. Und soviel Zeit habe ich nicht. Zugegeben, nicht jeder pflegt einen Hemingway'schen Stil. Aber ein Buch sollte heutzutage vor allem eines nicht - langweilen.
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6 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Fürchterlich, 12. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Predigt auf den Untergang Roms: Roman (Kindle Edition)
Von Möglicherweise der Übersetzung geschuldet ist das Buch voll von überlangen teilweise unverständlichen Satzgirlanden. . Die Datei ist voller Formatierungsfehler.
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