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am 24. Juli 2013
Anhand seiner wissenschaftlichen Herkunft aus der Schule Adorno beurteilt er die Entwicklung in der EU, im Euro und in der Wirtschaft allgemein. Er sieht die Demokratie in Gefahr durch die Verlagerung von Kompetenzen und sog. „Marktmacht“ und warnt vor immer stärkeren Eingriffen in Renten, Sozialprogramme. Belegt durch die tägliche Entwicklung. Viele Tabellen liefern Hintergrund.
Zentralbanken werden zu gigantischen Badbanks mit angeschlossener Notenpresse. Er stellt die Frage, wie lange die Bürger dies hinnehmen.
Seine Lösung liegt in höheren Steuern, mehr Einfluss der Bürger und des Staates und vor allem Rückgabe des Rechtes auf Änderung der Währungsparität nach den Erfordernissen des Staates bis zum Schuldenschnitt zu Gunsten des Staatsvolkes und zu Lasten des Machtvolkes.

Er zeigt die Zusammenhänge zwischen den Amtsträgern bei den Staatsbanken, Goldman, der EZB und bei den Staatsregierungen und EU-Ämtern klar auf. Die EU verlangte niemals von Griechenland die Besteuerung der Reichen mit Wegzugsteuer oder der internationalen Einkünfte und Vermögen. Er fordert die Bürger auf, sich gegen einen undemokratischen europäischen Einheitsstaat zu wehren.

Meine Kritik:

Es wird nicht einbezogen:
• Die Frage, was braucht der Staat, wird nicht gestellt.(Moloch Staat) Die Ausgabenseite greift er nicht auf. Weder in der EU-Organisation, den Nordstaaten aber auch nicht in Griechenland oder der Bürokratie im Allgemeinen. Der Autor geht davon aus, dass die Ausgaben im Wesentlichen die sozial schwachen Bürger betreffen und nur hier „gespart“ werden soll. Was in der Bürokratie verschwindet oder von Unfähigen und Egomanen verschwendet wird, ist keine Thema (Stadtschloss, Flughafen BER, Hamburg, Hessen, München oder Stuttgart). Vgl. auch die Thesen von Cyrill Northcote Parkinson.

• Das Problem des Schuldenstaates an sich. Es erfolgen Ausgaben zu Lasten einer noch wehrlosen künftigen Generation. Damit wird der Widerstand der Bürger umgangen, welche die tatsächlich – für eine Deckung - notwendigen Steuern nicht hinnehmen würden und wohl zum Widerstand und Boykott schreiten würden.
Die Schlussfolgerung, dass Bürger mit geringem sozialen Status nicht zur Wahl gehen, weil sie keine Änderung erwarten ist nicht belegt. Es kann auch sein, dass uninteressierte Bürger aufgrund von Bildung und Engagement einen beruflichen Erfolg nicht erreichen konnten.

Das Buch stellt viele interessante Zusammenhänge dar und regt zum Nachdenken an. Mich hat gestört, dass das staatliche Handeln an sich nie in Frage gestellt wird. Der ganze Bereich von Macht, Klientelwirtschaft, Gier und auch einfach Selbstverwaltung und Versorgung ist kein Thema für den Autor.
Er hat einen unerschütterlichen Glauben an die mechanistische Steuerung der Gesellschaft durch den Staat. Der Kompetenzverfall der Staatsorgane ist außen vor.

Ein wichtiges Buch in der Zeit der „Rettungen“. Die Analysen sind gut und verständlich, die Schlüsse teile ich nur teilweise.
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TOP 100 REZENSENTam 24. April 2013
Der Autor zeigt, wie die Politik seit vielen Jahrzehnten immer wieder mit Geld Zeit kauft, um die Lösung der Probleme, für die man keine Antwort hat, in die Zukunft zu verschieben. Das beste Beispiel ist die derzeitige Euro-Krise. Mit immer neuen Rettungsmilliarden wird versucht, überschuldeten Krisenländern wieder auf einen wirtschaftlichen Wachstumskurs zu bringen. Doch Streek zeigt im Buch, dass diese Strategie zum Scheitern verurteilt ist, weil es der staatlichen und europäischen Wirtschaftsförderung bisher so gut wie nie gelungen ist, die Unterschiede zwischen wirtschaftlich starken und schwachen Regionen zu verringern.

Doch der Autor macht auch klar, dass diese Form von Krisenmangagement nicht nur weitgehend wirtschaftlich nutzlos ist, sondern sogar die Demokratie in ganz Europa gefährdet. Denn die Souveranität von Staaten wird beschnitten, die Regierungen unterwerfen sich den Finanzmärkten und machen eine Politik gegen die eigene Bevölkerung: entweder in dem sie ihre Bürger zu Zwangssolidarität verpflichten oder indem sie ihnen schmerzhafte soziale Einschnitte abverlangen. Streek ruft daher die Bürger auf, sich gegen einen undemokratischen europäischen Einheitsstaat zu wehren - mit Hilfe der Reste ihrer nationalen Demokratien. Fazit: ein wichtiges Buch zur rechten Zeit.
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am 26. Oktober 2014
Im Gegensatz zu vielen politisch-ökonomischen Abhandlungen, die entweder vor Polemik triefen oder pseudowissenschaftlich, aber unverständlich daherkommen, habe ich bei Streeck (nach dem etwas abschreckend intellektualisierenden 1. Kapitel) einige Zusammenhänge nachvollziehbar erklärt bekommen.
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am 27. März 2013
Nach der Lektüre dieses Augenöffners habe ich es begriffen: Seit Ende des Weltkrieges ging es im Westen immer nur um den möglichst friedlichen Erhalt des kapitalistischen Systems. Solange bis das Konkurrenzsystem besiegt war.

Der Friede wurde anfangs durch reale Beteiligung der Lohnabhängigen an Produktivitätsfortschritten und Gewinnsteigerungen erzielt. Weil sie nicht wussten, wie gut es ihnen dabei ging, schlugen die Gewerkschaften mit immer höheren Forderungen und Streiks über die Stränge. Das Kapital trat auf die Bremse.

Fortan musste der Staat uns Arbeiter und Angestellte glauben machen, dass wir beteiligt werden: Zuerst durch Inflation, die unsere in Lohnabschlüssen erzielte Kaufkraft wieder aufzehrte. Dann kamen Reagan und Thatcher und traten auf die Inflationsbremse, in dem sie ihre Leitzinsen erhöhten. Investitionen wurden gebremst, Arbeitsplätze gingen verloren. Wir zahlten die Zeche. Die deutsche Wirtschaft suchte einen Weg, von der heimischen Nachfrage und Lohnentwicklung unabhängig zu werden: Sie setzte auf Exporte. Eine Rhetorik, der sogar SPD und einige Gewerkschaften bis heute folgen.

Der Staat sprang ein: Er finanzierte die ausgedörrten Sozialkassen auf Pump. Reagan und Thatcher, später auch Kohl wurden die Schuldenkönige der westlichen Welt. Bis auch das nicht mehr weiter ging.

Der letzte Weg für die Politik war: Nicht mehr den Staat, sondern die Bedürftigen selbst in Kreditaufnahme zu treiben. Der "Subprime" wurde durch Deregulierung ermöglicht. Die finanziell Schwachen sollten nicht merken, dass es mit ihrem Wohlstand seit Jahrzehnten abwärts ging, der Kredit wirkte als Betäubung. Bis auch das crashte.

Einen weiteren Weg gibt es nicht. Jetzt droht das Ende des friedlichen, demokratischen Kapitalismus. Die EU-Staaten werden ihre Demokratieren entmachten, indem sie Kompetenzen an eine nicht legitimierte Kommission der EU abgeben, die von einem machtlosen Parlament "kontrolliert", aber eigentlich nur beobachtet wird.

Machen wir uns auf schwierige Zeiten gefasst. Es droht der "kalte Bürgerkrieg".
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am 4. Juli 2013
Bei dem Buch handelt es sich um sehr gelungene Analyse der letzten Jahrzehnte Gesellschaftsentwicklung, mit einem Blick in die nahe Zukunft. Streek sieht als eine der Möglichkeiten (auf S. 234), auf die wir zusteuern, "die Inflation ... als Strategie zum Schuldenabbau, zuerst langsam im Schritt, dann möglicherweise auch trabend, und am Ende vielleicht sogar galoppierend und außer Kontrolle geratend." Wie sollte es auch anders kommen? Als Direktor des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung in Köln spricht er damit eine Einsicht aus, auf die die meisten Bürger aber auch schon allein gekommen sind.

Aber Streek wird noch deutlicher (auf S.235): "Wenn der Kapitalismus ... auch die Illusion sozial gerechten Wachstums nicht mehr erzeugen vermag, kommt der Moment, an dem sich die Wege von Kapitalismus und Demokratie trennen müssen. Der heute wahrscheinlichste Ausgang wäre dann die ... Diktatur einer vor demokratrischer Korrektur geschützten kapitalistischen Marktwirtschaft. Ihre Legimität hinge davon ab, dass diejenigen, die einmal ihr Staatsvolk gebildet haben" - Streeck spricht also vom Volk in der Vergangenheit, denn es gibt dann offenbar nur noch Multikulti-Bevölkerung; Streek nennt es "vereinigtes Marktvolk" - "gelernt hätten, Marktwirtschaft und soziale Gerechtigkeit für dasselbe zu halten." Funktionieren kann das aber nur, solange es den Konsumenten noch einigermaßen gut geht. Andernfallls werden sie diese Gesellschaftsform hinwegfegen und die Überlegungen des Verfassers überflüssig machen.

Wenn man als Direktor eines solchen Instituts berufen werden will, muß man sich zuvor jahrzehntelang der Politischen Korrektheit befleißigt haben. Kurz vor dem Ruhestand darf man dann wagen, auch einmal seine geheimeren Gedanken und Befürchtungen zu Papier zu bringen, wie in diesem Buch geschehen.

Zu noch tieferen Einsichten könnte Streek gelangen, wenn er den Bogen seiner Überlegungen weiter spannen würde, vergleiche Die Intelligenz und ihre Feinde: Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft. Wann und unter welchen Bedingungen ist denn die Demokratie in den Industriestaaten überhaupt entstanden? Sie waren vor der Entstehung der Massengesellschaften ja schon Rechtsstaaten.

Meiner Ansicht nach wäre es die Aufgabe der Geschichtsforschung, Soziologie, Demographie, Wirtschaftswissenschaften usw. ein Modell zu schaffen, das die Vorhersage von Krieg, Bürgerkrieg, Revolution und politischem Systemwandel leistet. Man muß die Variablen benennen und ihr Zusammenwirken, mit denen das langfristige Entstehen politischer Krisen - der Hochs und Tiefs der Politik und ihrer Gewitterfronten - und ihr wahrscheinlicher Ausgang vorhergesagt werden kann. Das Buch von Streek leistet dazu einen Teilbeitrag.
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am 11. März 2016
1. Das Buch stellt den Neoliberalismus in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als historische Entwicklung und Strategie dar, deren Drohpotential von weiten Teilen der Bevölkerung leider nicht verstanden wird. Insofern sollten sich sicherlich mehr Leser als bislang der Anstrengung unterwerfen, Autoren wie Streeck, Negt, Butterwegge, etc. zu rezipieren. Die Lektüre von Streeck insbesondere stellt eine Anstrengung dar.

2. Dass z. B. Steuergesetze ungerecht sind, wird an deren Auswirkungen deutlich: 'Nicht zu hohe Ausgaben (') sind Ursache der Staatsverschuldung, sondern zu niedrige Einnahmen, die darauf zurückzuführen sind, dass Wirtschaft und Gesellschaft (') ihrer eigenen Besteuerbarkeit Grenzen setzen, während sie zugleich vom Staat immer mehr verlangen. (S. 140; ähnlich S. 156). ' Leider fehlen Beispiele im Buch: Die risikolosen Gratisdarlehen, die der Staat über § 6b EStG und § 8b KStG bis zum Totalverlust den Unternehmen gewährt oder schenkt. § 8b KStG (Steuerfreiheit von Beteiligungserträgen) wurde von einem Chemiekonzern dem Genossen der Bosse = damaligem Vorsitzenden der Arbeiterpartei Anfang des 21. Jh. diktiert. Ferner das einseitig unternehmerfreundliche Erbschaftsteuergesetz, dessen Schieflage C. Butterwegge richtig, aber nicht tief genug analysiert (pars pro toto: Link auf seiner Homepage, Art. v. 22. 12. 2015); nicht zu vergessen der § 224a AO als lex 'Hochadelsfamilie XY' zur Schonung ihres Vermögens beim Erbanfall. Die Radbruchsche Formel gegen die Steuergesetze wird dabei in großen Summen von den Protagonisten auf den Steuer-CDs in Anspruch genommen, die z. T. sowieso schon auf die Steuergesetzgebung in ihrem Sinne, und sei es nur institutionell eingebunden (z. B. Funktionsträger im Chemiekonzern oder in einem Logistikunternehmen), Einfluss nehmen konnten.

3. Die Europäisierung oder Globalisierung wird deutlich herausgestellt als Strategie, nationale Demokratien zu eliminieren. Die EU, der EuGH, der IWF gibt der nationalen Regierung einen nicht demokratisch legitimierten Auftrag, der von der nationalen Regierung gegen den Willen des Volkes umgesetzt wird ' S. 190 ff. ' aktuelles Beispiel Griechenland. Diese Strategie wurde bereits von Jean Monnet, einem der honorigen?? Gründerväter der EU formuliert: 'Europas Länder sollten in einen Superstaat überführt werden, ohne dass die Bevölkerung versteht, was geschieht. Dies muss schrittweise geschehen, jeweils unter einem wirtschaftlichen Vorwand.' (zitiert nach Focus, 34/2010, Artikel von Frederick Forsyth). Auch hier wiegt die Anstrengung der Lektüre den Gewinn an Erkenntnis auf.

4. Streeck, der sich im Vorwort zu Taschenbuchausgabe selbst über seinen hohen Buchabsatz wundert, ist der Vorwurf zu machen, einen gewöhnungsbedürftigen Jargon zu schreiben. Insofern sind die Reaktionen von 'Michael Mustermann, 7. Dez. 2014' oder 'Rumpelstilzchen, 23. Okt. 2013' in der Liste der Rezensionen sehr ernst zu nehmen.
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am 15. August 2015
Wolfgang Streeck gelingt es in einer bisher in der Wissenschaft im Wortsinn "unerhörten" Weise, die weltwirtschaftliche Entwicklung in der kritischen Weiterentwicklung der Frankfurter Schule mit dem um sich greifenden Neoliberalismus in einem großen historischen Bogen kausal zu verbinden, der eine völlig neue Sicht nicht nur auf das politische Handeln der Vergangenheit, sondern auch und insbesondere der Gegenwart eröffnet; und der mit der Transformation des Staates auf mehreren Ebenen bis hin zum heutigen "Konsolidierungsstaat" einhergeht, der händeringend nach kurzfristigen Lösungen sucht, um sich aus der Misere, in die er sich reiten ließ, zu befreien, sich weitere "Zeit kaufen" zu können.

Er entwickelt dabei unter anderem die - aus meiner Sicht sehr zentrale - These von zwei konkurrierenden Referenzgruppen staatlichen (vulgo: politischen) Handelns: Dem "Staatsvolk" - den Wählern, die das politische Handeln durch ihre Wahlen demokratisch legitimieren - und dem "Marktvolk" - dem subjektivierten Neoliberalismus, der den Staat in die ökonomische Zange nimmt und ein begünstigendes Handeln "erpresst.

Ohne - oder mit nur sehr wenigen - direkten, "lauten" Worten erinnert Streeck uns - das Staatsvolk - an unsere Pflicht, dem Staat diesen Spiegel vorzuhalten und damit in eine hörbare Konkurrenz zum ökonomischen Druck des Marktvolkes zu treten.

Streecks Buch ist sicherlich keine Bettlektüre, ist aber auch weit davon entfernt, vollkommen unlesbar zu sein, wie manche Rezensenten behaupten.
Wenn man sich darauf einlässt, ist es ein wirklich beeindruckendes Buch, das mehr als die meisten anderen Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, zum Denken und reflektieren anregt, auch - oder sogar weil - es einer gewissen ideologischen Färbung nicht ganz unverschlossen bleibt.
Aber sind wir mal ehrlich: Was wäre ideologischer als der Neoliberalismus, gegen den sich dieses Buch wendet? Insofern ist m.E. auch dieses "Stilmittel" durchaus legitim!

Eine unbedingte Kaufempfehlung! Ein sehr anregendes und aufschlussreiches Buch, sowohl für den Haus- als auch für den wissenschaftlichen Gebrauch!
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am 19. Juli 2015
Es ist ein Verdienst des Autors, viele auf den ersten Blick unübersichtliche und unzusammenhängende Ereignisse in einen größeren Zusammenhang zu stellen und damit den Spannungsbogen anzudeuten, der in der Entwicklung der letzten Jahrzehnte in Europa stattgefunden hat: Von einem langsamen, aber kontinuierlichen Rückzug des Staates hin zu einer immer stärkeren Betonung wirtschaftlicher Effizienz in allen Lebensbereichen.

Griff im Nachkriegskapitalismus der Staat - z.B. durch inflationspolitische Maßnahmen - noch steuernd in die Geschicke wirtschaftlichen Lebens ein, so änderte sich dies spätestens in den 1970er und 1980er Jahren, als der Staat durch immer größere Aufnahmen von Schulden jene Illusion wirtschaftlichen Wachstums und sozial gerechter Verteilung aufrechterhielt, die seit 2008 mit der Finanzkrise spektakulär in sich zusammenfiel. Seither sehen sich viele Euro-Staaten zu einer 'inneren' Abwertung gezwungen, d. h. es müssen Produktionsleistungen verbilligt werden - z.B. durch längere Arbeitszeiten oder Kürzung von Sozialleistungen -, weil das Mittel der Geldabwertung innerhalb des Euro-Raumes für wirtschaftlich schwächere Länder nicht mehr möglich ist.

Besonders brisant ist diese Entwicklung auch unter demokratiepolitischer Sicht: Die wichtigen wirtschaftspolitischen Entscheidungen werden immer weniger in nationalen Parlamenten gefasst, sondern von neoliberal gesinnten Technokraten in Brüssel (vgl. in diesem Zusammenhang auch das Beispiel TTIP). Letztlich läuft die Entwicklung immer mehr auf die Unvereinbarkeit der derzeit praktizierten, neoliberalen Form des Kapitalismus und einer demokratischen Gestaltung gesellschaftlichen Lebens hinaus.

Streeck sieht pessimistisch in die Zukunft: Europa sei auf dem besten Weg, ein neoliberales Korsett für seine Mitgliedsstaaten zu schnüren, das ohne Rücksicht auf kulturelle Unterschiede nur den Profit als einzigen Wert in allen Lebensbereichen anerkennt. Als Lösung schlägt Streeck die Möglichkeit eines geordneten Ausstiegs aus dem Euro vor, denn es sei abwegig zu behaupten, dass "Europa scheitere, wenn der Euro scheitert" (Angela Merkel) - was ja tatsächlich kaum einleuchtend ist ...

Das Buch liest sich streckenweise spannend wie ein Krimi und die darin geschilderten Geschehnisse bergen auch eine Menge (halb-)krimineller Energien. Mit aller Schärfe - und nicht ohne Humor - werden die Entwicklungen des Neoliberalismus in Europa nachgezeichnet. Schade nur, dass die Gedanken sprachlich auf sehr hohem Abstraktionsniveau dargelegt werden - ein Umstand, der vermutlich dazu führt, dass die Lektüre für einen breiteren Leser_innenkreis als zu mühsam erscheint. Hätte man das nicht einfacher sagen können?
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am 6. September 2013
Einer der interessantesten Beiträge zur aktuellen Diskussion über die Finanzkrise. Sehr erhellende Darstellung der Ursachen und Folgen seit dem Ende der Nachkriegszeit.
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am 7. Dezember 2014
Ich habe es mir als Kindle-Book gekauft und nach knapp 30% aufgegeben. Es gibt kaum Sätze, die auf einer Kindle-Seite anfangen und auch wieder aufhören. Solch geschraubte Satzungetüme, mit einer Inflation an Einschüben, sind für mich im wörtlichen Sinne unverständlich. Es ist ja keine einfache Materie. Warum macht es einem dann der Autor durch seine Schreibe noch so viel schwerer?
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