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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Kraft der umfassenden Balance, 10. Juli 2014
Von 
Klassikfreund (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Holländer (Audio CD)
Nachdem mich Franz Konwitschnys Tannhäuser-Aufnahme von 1962 in ihren Bann gezogen hatte, wurde ich auf seine zwei Jahre jüngere Gesamteinspielung des Fliegenden Holländers aufmerksam. Erstaunlicherweise besteht eine faszinierende Kontinuität zwischen beiden Interpretationen.

Das Sängerensemble...

... ist in großen Teilen identisch: Gottlob Frick (später Landgraf Hermann) singt Daland und Marianne Schech (Venus) Senta, Fritz Wunderlich (Walther) singt den Steuermann und Dietrich Fischer-Dieskau (Wolfram) die Titelpartie, den Holländer. Nur Rudolf Schock als Erik und Sieglinde Wagner als Mary finden sich nicht bei der Tannhäuser-Aufnahme wieder.

Orchester und Chor...

... sind ebenfalls dieselben: Es spielt die Staatskapelle Berlin, und es singt der Chor der Deutschen Staatsoper Berlin. Beide demonstrieren nur 15 Jahre nach Kriegsende, daß sie an die großartigen Leistungen und die Tradition der Jahre zuvor anzuknüpfen vermögen.

Beste Voraussetzungen...

... also für einen Holländer, der aufhorchen läßt. Und diese Erwartungshaltung wird vollends befriedigt. Es sind einige der namhaftesten deutschen Sänger der Zeit versammelt, die zu Recht eine (goldenen) Generation des Wagner-Gesangs mitgeprägt haben. Das zahlt sich aus, wenngleich die Leistungen insgesamt eher lyrisch rund – im Sinne eines Gesamtensembles – sind, als daß sie extreme Glanzlichter an Charakterstudien bringen. So ist es dieses Ensemble, das sicherlich auch kleine Schwächen hat, aber mit seiner großartigen Homogenität besticht und damit für Ausgleich sorgt.

Hinzukommt ein Dirigent, der sich ganz dem Werk verschrieben hat und eine handwerklich ausgereifte Interpretation bietet. Der Begriff des Kapellmeisters klingt heutzutage fleischlos und mehr nach trockener Tätigkeit als nach Kunst, aber Konwitschny zeigt, was wirklich dahintersteckt: fachliche Reife und Ausgewogenheit sowie Wissen um die Seele des Werks. Deshalb gelingt ihm eine sehr stimmige Sicht der Seemannsoper. Die stürmische Seite des Werks kommt dabei ebenso markant zum Ausdruck wie die melodischen Momente oder die wuchtigen "Chornummern". Darüber hinaus beschert die Berliner Grunewaldkirche dem Mitschnitt – wie zwei Jahre später dem Tannhäuser – ein harmonisches, in meinen Augen angenehmes Klangbild.

Das Tolle dieser Aufnahme ist für mich die umfassende Balance der Interpretation, ohne daß dabei an Ausdruck gespart wird. Dieser Holländer ist künstlerisch aus einem Guß, in sich stimmig und überzeugend in den Leistungen seiner Beteiligten. Letztlich steht die Einspielung auch als ein exemplarisches Dokument für eine Zeit, in der es noch "rein" deutsche Produktionen gab, bevor der Musikmarkt sich vollständig internationalisierte.

(Das Begleitheft ist in deutscher und englischer Sprache.)
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Beste deutsche Operntradition, 14. März 2008
Von 
K.H. Friedgen "friedgen" (Burgbrohl, Rheinland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Holländer (Audio CD)
Auch Richard Wagners geniale Frühoper "Der fliegende Holländer" hat zahlreiche Einspielungen auf Tonträger erfahren. Dazu zählen so berühmte Aufnahmen wie die von Fricsay (DGG), Dorati (Decca), Sawallisch (Philips) und Klemperer (EMI).
Die hier von Berlin Classics wieder vorgelegte Produktion aus dem Jahr 1960 hat ebenfalls viele Vorzüge aufzuweisen. Sie entstand in der (West-)Berliner Grunewaldkirche mit gesamtdeutschen Kräften, knapp ein Jahr vor dem Mauerbau. Es war eine Co-Produktion zwischen ELECTROLA Köln und dem VEB Deutsche Schallplatten Berlin.
Franz Konwitschny (1901-1962), der Dirigent der Aufnahme, ist wegen der damaligen verzwickten politischen Situation im Westen viel zu wenig bekannt geworden. Das ist bedauerlich, denn er war ein Künstler von hohen Graden und als Dirigent des deutschen Repertoires über viele Jahre eine der tragenden Säulen in Dresden, Leipzig und Ostberlin. Wagners geniales Frühwerk gestaltet er mit eher verhaltenen Tempi und weiten Spannungsbögen, mehr die lyrischen als die dramatischen Aspekte der Partitur betonend. Die Themen und Strukturen der Oper werden sorgfältig und glasklar herausgearbeitet. Dazu standen ihm hervorragende Kräfte, nämlich der Chor der Berliner Staatsoper sowie die Staatskapelle Berlin, zur Verfügung. An keiner Stelle ist ein Abfallen der Spannung festzumachen, beide Formationen leisten glänzende Arbeit.
Eindeutiger Mittelpunkt der Aufnahme ist Dietrich Fischer-Dieskau. Er gestaltet die Titelfigur im Bewußtsein seiner sängerischen Möglichkeiten nicht sonderlich kraftvoll, verleiht ihr aber dafür geradezu transzendentale Züge und entwirft damit ein faszinierendes Psychogramm des bleichen Seemanns. Jede Phrase, jede Note wird nicht nur tonschön gesungen, sondern mit höchster Intelligenz gestaltet. Auch der Daland von Gottlob Frick verdient Bestnoten. Der Sänger besaß eine der schönsten Baßstimmen des 20. Jahrhunderts; im Wagner-Fach war er seit früher Jugend zu Hause, und das bringt auch dieser Aufnahme zusätzlichen Gewinn. Der junge Fritz Wunderlich läßt in der kleinen Rolle des Steuermanns schon ahnen, zu welchen großartigen Leistungen er befähigt war. Sein herrlicher Tenor erhebt den Steuermann fast in den Rang einer Hauptrolle. Sieglinde Wagner war eine grundsolide Sängerin und bewährt sich auch hier wieder als Mary. Es ist schade, daß sie kaum je von der Plattenindustrie ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt wurde. Nur wenige, meist nicht sehr attraktive Nebenrollen wurden ihr übertragen.
Als Senta kam Marianne Schech zum Einsatz, und sie ist der eigentliche Schwachpunkt dieser Aufnahme. Sie kann weder stimmlich noch darstellerisch mit ihren Kolleginnen Leonie Rysanek (Decca), Anja Silja (EMI) oder Astrid Varnay (Decca) ernsthaft konkurrieren. Ihrer Stimme fehlt es einfach an Leuchtkraft, und auch schauspielerisch bleibt ihre Leistung eher schwach. Die Partie des Erik zählt gottlob nicht zu den tragenden Rollen, so daß Rudolf Schock mit seinen ewigen Höhenproblemen und seinem mangelnden Stimmglanz nicht allzu viel verderben kann. Warum hat man keinen Sänger vom Format eines Wolfgang Windgassen heranziehen können? Schock wurde eigentlich immer überschätzt, aber als Wagner-Sänger war er doppelt fehl am Platze. Schech und Schock haben den fünften Stern für diese ansonsten ausgezeichnete Aufnahme leider verhindert.
Dirigent, Chor und Orchester habe ich weiter oben bereits mit Lob bedacht, und von den gemachten Einwänden abgesehen verkörpert diese Aufnahme beste deutsche Operntradition, wie sie an den führenden Häusern im deutschen Sprachraum zu dieser Zeit noch Standard war.
Die Aufnahmetechniker haben gute Arbeit geleistet. Der Produzent Fritz Ganss und sein Team haben für eine klare, gut gestaffelte klangliche Umsetzung des Werkes Sorge getragen. Die Stereowirkung ist imponierend. Ein schön illustriertes Textheft mit dem vollständigen deutschen Libretto liegt bei, und so kann man das preisgünstige 2 CD-Album im modernen Digipack jedem Opernliebhaber bedenkenlos empfehlen.
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nasser Dämon mit Charakter !, 27. Juli 2009
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Holländer (Audio CD)
Nasser Dämon mit Charakter !

Ein dem Meer entsteigendes Ungeheuer, welches eigentlich schon tot ist und trotzdem schön singen kann, wirkt auf den ersten Blick etwas unglaubwürdig. Wir befinden uns mit Richard Wagner jedoch in der Zeit der Hochromantik, in der so ziemlich allem Leben eingehaucht wurde, was da kreuchen und fleuchen konnte. Ob es sich nun um singende Drachen handelte oder eben um Seeungeheuer.

Mit Dietrich Fischer- Dieskau hat man für diese Aufnahme nun einen Charakter- Bariton engagiert, der dem Unhold "Holländer" geradezu intellektuelle Züge verleiht. Ob gehaucht, geseufzt oder gestöhnt: Dietrich Fischer- Dieskau gibt seinen Figuren eine Authentizität, die in der Musikwelt ihres Gleichen sucht. Dabei ist es nicht die große Stimme, mit der er überzeugt. Sein großes Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten verleiht seinem Protagonisten Dramatik und seelischen Tiefgang in einem.

Im ersten Akt sind mit Gottlob Frick als Daland, Fritz Wunderlich als Steuermann und eben Dietrich Fischer- Dieskau drei kongeniale Musiker zu hören, die sich die musikalischen Bälle nur so zuspielen. Da rauschen die Wogen und klimpern die Seeräuberschätze !

Leider kann dieses Weltniveau im zweiten Akt nicht gehalten werden, da sowohl Marianne Schech als Senta, als auch Rudolf Schock als Erik nicht über die stimmlichen Mittel ihrer Kollegen verfügen. Beiden Sängern fehlt es an Jugendlichkeit in der Stimme, beide klingen etwas abgesungen. Trotzdem ist beiden eine gewisse Ensembletauglichkeit nicht abzusprechen, die nicht gerade einfachen Gesangsrollen werden zumindest intonationssicher dargebracht.

Aus diesen durchaus unterschiedlichen Sängern formt Franz Konwitschny nun ein derart homogenes Ensemble, dass man sogar geneigt ist, die kleinen stimmlichen Unpässlichkeiten zu verzeihen. Die musikalische Transparenz Konwitschnys ist für die Sechzigerjahre beispielhaft, die Exaktheit und Intonationssicherheit von Musikern und Sängern beeindrucken noch heute.

Die 4,5 Seesterne werden aufgrund der Charakterstärke des Rezensenten großzügig aufgerundet !
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Und er fliegt noch immer!, 13. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Holländer (Audio CD)
So habe ich mir das vorgestellt! Zeitlos schön, Stimmen, die man zuordnen kann. Ein Abenteuer für die Seele. Welch eine Aufnahme!
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5.0 von 5 Sternen summ summ summ, 23. April 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fliegende Holländer (Audio CD)
habe 4 einspielungen, 5 mal live gehoert - dies ist die beste, mit abstand. auch die klangqualitaet ist fuer eine historische aufnahme wirklich zufirednestellend.
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5 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Feierliche, reservierte Interpretation., 22. November 2010
Von 
Grüner Baum - Alle meine Rezensionen ansehen
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Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der fliegende Holländer (Audio CD)
Ich kenne diese Aufnahme und die unter Klemperer, Levine und Barenboim genauer. Diese hier erscheint mir als die im ganzen reservierteste und gemächlichste. Sie atmet einen bildungsbürgerlichen Hauch. Sängerisch kann sie mit Ausnahme von Wunderlich m.E. nicht überzeugen.

Konwitschnys Dirigat klingt im ganzen recht hell und ist gemächlich angelegt. Es erinnert in Rhythmus und Ausdruck oft an Ritterszenerieren und zuweilen wähnt man sich für Momente in Lohengrin.

Ein Schwachpunkt der Aufnahme ist Gottlob Frick als Daland. Er klingt tendenziell etwas belanglos und gelangweilt. Der Vortrag ist korrekt und serlös, etwas emotionslos. Beim bekannten "Mein Kind, du siehst mich auf der Schwelle" stellt er z.B. fest, dass das Kind ihn auf der Schwelle sieht, aber man spürt kaum, was es für ihn bedeutet.

Fritz Wunderlich als Steuermann vermittelt hingegen einen wunderbaren Eindruck. Er klingt hell und stark, jugendhaft, schwärmerisch. Die Wunderlich eigene hohe Kunst der kontrollierten Inbrunst kommt voll zum Tragen. Einziger 'Makel' ist, dass man ihn sich, so wie er klingt, eher als Erik vorgestellt hätte, was der Aufnahme auch gut getan hätte, weil der stärkere Sänger in dieser Rolle, die für das 'Soziogramm' der Gesamtoper mehr Gewicht hat, eine größere Wirkung gehabt hätte.

Fischer-Dieskau als Holländer.... Er ist ja im Opernbereich immer umstritten und es ist schwer ihn unvoreingenommen zu beurteilen, weil es darauf ankommt, wie man mit seinem an einen Liedvortrag erinnerenden, deklamatorischen, intellektuellen Stil zurecht kommt (der auch hier voll zum Tragen kommt). Manche erleben es als Differenziertheit und Durchdringung, die neue Dimensionen eröffnet. Ich finde es bei aller Bewunderung für die Reinheit und Feinheit des Vortrags (die ich genießen kann) als unpassend und emotional störend. Eine echte Figur - geschweige denn die eines seit Jahrhunderten von der Sehnsucht nach Liebe über die Weltmeere Getriebenen - wird für mich hier nicht lebendig.

Auch Senta (Mariacnne Schech) kann für mich nicht überzeugen. Sie wird in den dramatischen Szenen einfach zu laut (fast schreiend) und überdramatisch. Auch baut sie einige komisch anmutende Pausen und Verzögerungen ein, deren Sinn ich an diesen Stellen nicht verstehen kann.

Auch Rudolf Schock als Erik wirkt etwas blass. Man fühlt nicht viel vom zwar unglücklich, aber doch tief empfunden Liebenden. Schock singt sauber, aber er wirkt eher wie eine außenstehender Kommentator, den das alles nicht mehr soviel angeht.

Fazit: Im Vergleich eine eher schwächere Aufnahme. Vier Sterne ist sie für mich aber wert, da sie kaum wirklich Fehler macht, sondern eben 'nur' nicht überzeugt. Dem, der einen eher reservierten, feierlichen, deklamatorischen Ansatz mag, kann sie sogar liefern, was er sich wünscht.
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Der Fliegende Holländer
Der Fliegende Holländer von Chor Chor der Deutschen Staatsoper Berlin (Audio CD - 2013)
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