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4.0 von 5 Sternen Biographie - Evolutionsbiologie - Geschichte der Frauenrechte - Religion in den USA des 19. Jahrhunderts, 11. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Antoinette Brown Blackwell - Die erste Evolutionsforscherin (sciebooks 9) (Kindle Edition)
... all dies steckt in diesem kleinen Band des Religionswissenschaftlers Dr. Michael Blume. Ein bischen viel auf einmal? Das findet die Rezensentin auch. Warum das Buch trotzdem lesenswert ist erfahren Sie in folgender Rezension:

Das Anliegen
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Auf Antoinette Brown Blackwell (1825-1921), eine höchst bemerkenswerte Frau, stieß Blume offenbar bei seinen eigenen Arbeiten zur Bedeutung der Evolutionsforschung für die Analyse und das Verständnis religiöser Gruppierungen in unserer Zeit.
Der Religionswissenschaftler Dr. M. Blume, will mit diesem Werk eine Frau dem Vergessen entreißen. Ein durchaus löbliches Anliegen. Er betont zu Recht, dass diese Frau in ihrer Zeit außergewöhnliche Leistungen erbracht hat und macht an ihrem Beispiel eindrücklich darauf aufmerksam, dass die Bagatellisierung der Beiträge von Frauen in der Wissenschaftsgeschichte einen bewussten Verzicht auf Erkenntnisse und Wissen bedeutet hat.

Antoinette Brown Blackwell so führt Blume auf, kämpfte für die Frauenrechte und für Bildungschancen und Gleichberechtigung, sie studierte unter erheblichen Einschränkungen die für ihr Geschlecht galten, wurde dennoch als erste Frau zur Gemeindepfarrerin ordiniert und war eine erfolgreiche Vortragsrednerin und Autorin. Sie sprach auf dem Weltparlament der Religionen in Chicago und führte eine fortschrittliche Ehe aus der sechs Kinder hervorgingen.

Ihre Werke wurden und werden immer noch verkannt, ihre einzigartige Deutung der Evolutionstheorie sind nur in Expertenkreisen bekannt. Und das obwohl sie „viele heutige Gedanken und Forschungen um ein Jahrhundert vorweg nahm“ (Blume, Pos.54). Ihre Unbekanntheit, so Blume, scheint einzig und allein in ihrem Geschlecht und der Vorherrschaft der Männer über die Wissenschaft begründet zu sein.

Brown Blackwell ist also eine Persönlichkeit ist, die für die Frauenbewegung, die Religionswissenschaft aber auch für die Evolutionsforschung von großem Interesse sein dürfte. Blume möchte einerseits ihre wissenschaftlichen Arbeiten aufgreifen und würdigen und somit einen Beitrag dazu leisen das Unrecht das Männer dieser Frau und ihren Leistungen durch Ignoranz zugefügt haben auszugleichen.

Kritik am Buch
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Das Anliegen des Buches ist sicher höchst ehrenwert und vielfältig. Genau das ist meines Erachtens nach eine der größten Schwächen des Buches. Blume will erzählen. Und das gelingt ihm höchst eloquent. Seine Schilderungen eines Amerikas des 20. Jahrhunderts sind farbig und lassen diese Zeit vorm inneren Auge des Lesers auferstehen.

Blume will aber auch einordnen. Und so unterbricht er seine lebendige Erzählung über die Browns, durch einen plötzlichen Schwenk zu Joseph Smith jr, dem Begründer der Mormonen – der zufällig ganz in der Nähe seine Visionserfahrung hatte. Zugegeben: Es ist nicht unpassend und für die Einordnung der Jugend Brown in die religiösen Entwicklungsströme ihrer Zeit nicht uninteressant – dennoch führt die Illustration der Engelserscheinung und der Hinweis auf die Mormonen die Gedanken des Lesers urplötzlich in eine andere Richtung. Blume wendet sich nun komplett vom erzählerischen Duktus ab und erscheint uns im Gewand des Religionswissenschaftlers, der eine – ebenfalls zugegebenermaßen sachkundige und erhellende- Einführung in die Differenzierung von progressiven, konservativen und orthodoxen Religionsgemeinschaften gibt.

Und so geht es weiter. Erzählerische, erklärende und einordnende Elemente wechseln sich ab. Amish, Mormonen und Haredim tauchen gleich Gedankenblitzen auf, die irgendwie schon zum Thema passen, aber letztlich eher Assoziationen gleichen, die für religionskundige Leser nützlich sind, für Einsteiger, die eher an Brown Blackwell als Persönlichkeit, Frauenrechtlerin eben Wissenschaflterin interessiert sind aber eher verwirrend erscheinen.

Also: Wer soll das lesen?
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Das ist hier die Frage! Oder anders formuliert: Welchen Leser hat Blume vor Augen? Der Titel deutet an, dass es um Evolutionsforschung geht. Entsprechend werden Leser angesprochen, die genau an diesem Thema Interesse haben. Sie werden aber rasch von religionskundlichen Erörterungen abgehängt und kommen etwa auf Position 501 – also nach 56% der Buchlektüre zu ihrem Recht.

LeserInnen, die eher an feministischen Themen, an der Geschichte des Frauenwahlrechts und an der Lebensgeschichte außergewöhnlicher Frauen interessiert sind kommen von Anfang bis Ende auf ihre Kosten – aber werden sie das Buch finden? Macht der Titel des Buches diese LeserInnen neugierig?

Das leidenschaftliche Plädoyer Blumes für eine freie Wissenschaft die auch ungewöhnliche Geister wertschätzt, die wissenschaftliche Beiträge entsprechend ihrer Qualität, aber ohne Ansehen von Geschlecht, Rasse, Einstellung oder Glauben des Forschenden, aufnimmt und weiternutzt ist höchst ehrenwert. Das Buch ist für alle Menschen mit einem Interesse am wissenschaftlichen Diskurs daher höchst lesenswert. Doch auch wenn sich dieses Thema durch das Buch ziehen mag und dem Autor am Herzen liegt – wird es je als Beitrag zu diesem Diskurs wahrgenommen werden?

Und trotzdem
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Es ist ein gutes Buch. Mit vielen wichtigen Themen. Mit einer beeindruckenden Protagonistin.

Der Autor vollzieht die Lebensgeschichte Brown Blackwells nach und genau wie in einer guten Persönlichkeits-Dokumentation erfahren wir von der Wiege bis zur Bahre eine Menge über die Kämpfe, die Freuden, die Anschauungen und die Erfolge der beschriebenen Person.

Es ist auch ein gutes Buch über die religiöse Landschaft im Nordamerika des 20. Jahrhunderts, das gerade beim europäischen Leser Verständnis weckt für ein ganz anderes Verständnis von Religion, für eine Religiosität die sich an Gemeinden und Gemeinschaften orientiert, die sich von unten her aufbauen, statt an einer hierarchisch von oben nach unten strukturierten religiösen Institution.

Es ist ein Buch, dass gegen Ende dann auch erklärt, wieso denn nun ein Religionswissenschaftler sich mit Evolutionsforschung befasst und welchen Beitrag dieselbe zur Erforschung religiöser Gemeinschaften leistet. Weshalb also die gute Brown Blackwell nicht nur als erste Gemeindepfarrerin und Theologin genannt werden muss, sondern auch durch ihre Sicht auf die Evolution eine Relevanz für die Religionswissenschaften hat.

Nicht zuletzt ist es ist eine Geschichte der Frauenrechte in Nordamerika und ein Plädoyer für die vollumfängliche Anerkennung wissenschaftlicher Beiträge von weiblichen Forschenden.

Aber es ist zu viel für ein Buch. Der Autor will alle Aspekte anreissen, alle Hintergründe erläutern, seine Überzeugungen proklamieren, den Bezug zwischen Religionsforschung und Evolutionsforschung aufzeigen und gleichzeitig die Geschichte einer Frau erzählen. Er wechselt zwischen verschiedenen Schreibstilen (Plädoyer, Erzählung, Wissenschaftliche Analyse, Belehrung) ohne den Leser hier mitzunehmen.

Dies alle in einem schmalen Band und mit einem sehr begrenzenden Titel. Denn Brown Blackwell war mehr als eine Evolutionsforscherin. Das wird auch klar – verwirrt den Leser jedoch und lässt ihn mit einem Kaleidoskop von Eindrücken zurück.

Fazit
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Der Autor hat sich irgendwo in der Fülle seines Wissens und seiner Assoziationen verzettelt. Das ist schade. Und dennoch: Eine spannende Frau. Interessante Perspektiven. Interessant für alle Menschen, die an Religion, an Wissenschaftskultur und -geschichte, an Feministischen Themen oder einfach am Amerika des 20. Jahrhunderts Interesse haben. Ich hoffe, dass dieses Buch seine Leser findet. Denn es ist es wert, dass man über die erläuterten Schwächen hinwegsieht.

Und so fällt mir denn auch die Bewertung mit den Amazon-Sternen schwer. Fällt es unter "Nicht schlecht" (3 Sterne) oder "Gefällt mir" (4 Sterne). Ich würde am liebsten 3,5 geben - und im zweifelsfall wird halt aufgerundet.

Ich hoffe meine Rezension konnte Ihre Kaufentscheidung erleichtern und freue mich über eine entsprechende Wertung.
Marion Mahnke

Diese Rezension von Marion Mahnke bezieht sich auf: „Antoinette Brown Blackwell – Die erste Evolutionsforscherin“, Michael Blume, 2013, sciebook-Verlag, Kindle-Version, 04.02.2014
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5.0 von 5 Sternen Einer große Frau - fast vergessen oder nie bekannt..., 25. Juni 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Antoinette Brown Blackwell - Die erste Evolutionsforscherin (sciebooks 9) (Kindle Edition)
Biografie, Sachbuch, Geschichte der Evolutionsforschung, Religionsgeschichte in den USA, Geschichte der Frauenrechte in den USA
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Zielgruppe: Nicht nur Melissa, die Tochter des Autors, der das Buch gewidmet ist, sollte diese Frau kennen, sondern ALLE, die sich für Evolution, Evolutionsgeschichte, Religionsgeschichte Amerikas und die Geschichte der Frauenrechte interessieren!

Zum Inhalt: Antoinette Brown Blackwell (1825-1921), eine fast vergessene Frau: sie war die erste amerikanische Pastorin, eine Frauenrechtskämpferin, Naturphilosophin und Evolutionsforscherin, Zeitgenossin von Charles Darwin. Ihr mutiges, aufrechtes Leben, in dem sie überholte Strukturen ihrer Zeit aufbrach und doch zugleich altbewährten Werten treu blieb, ist im besten Sinne des Wortes innovativ. Zeit Ihres Lebens war sie beruflich aktiv, Ehe und Familie - sie hatte 5 Töchter - waren eine partnerschaftliches Unternehmen. Ihr Leben war bewegt und spannend, und so ist das Buch auch geschrieben.
Sie nahm Charles Darwins „Origin of Species“ (1859) positiv, ja sogar euphorisch, auf und integrierte ihren Glaube mit den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen in harmonischer Weise. Sie versteht gerade IN und DURCH die Evolution die Einzigartigkeit jedes Geschöpfes, und jedes Menschen. Und Gott als den, der uns die Intelligenz und diese einzigartige Würde geschenkt hat. Sie schrieb dazu gleich das Buch „Studies in General Science“ (1869), das auch vorgestellt wird. Und das interessanterweise ohne Rückgriff auf den Design-Gedanken, wie viele andere, so auch der amerikanischen Botaniker Asa Gray – zum Leidwesen von Charles Darwin – es immer wieder taten.
Auf die Begeisterung folgte dann aber dann die Enttäuschung: In seinem Buch „The Descent of Man“ (1871) „vergaß Charles Darwin einfach auf die Hälfte der Menschheit“ (Sarah Blaffer Hrdy) – hier sah sich Brown Blackwell gefordert, forschte und schrieb das Buch „The Sexes throughout Nature“(1875). Ihre Arbeiten gerieten in Vergessenheit, Ihre Erkenntnisse wurden in den 1970er Jahren neu entdeckt – mehr sei hier nicht verraten!

Eine Anmerkung für eine Neuauflage: Ein Hinweis auf die Bücher des Autors wäre durchaus ausreichen, die Abbildung des Covers stört den Lesefluss ein wenig!

Gesamtbewertung: Bereicherndes Buch über eine spannende Frau! 5 Punkte!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen interessant und lesenswert, 8. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Antoinette Brown Blackwell - Die erste Evolutionsforscherin (sciebooks 9) (Kindle Edition)
Interessant fand ich nicht nur die Geschichte der Antoinette Brown Blackwell selbst, sondern auch dass ein konservativer Mann sie vor dem Vergessen werden bewahrt und die Dominanz der Männer in der Wissenschaft in Frage stellt.
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