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  • Oh Boy
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Kundenrezensionen

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Niko Fischer war wohl noch nie so recht fleißig, jetzt lebt er in Berlin und ist nur äußerlich noch Student, da er längst sein (Jura-)Studium aufgegeben hat und laut einer eigenen Aussage "nix" macht. Sein Vater wird ihn später am Tag fragen, was er eigentlich die ganzen zwei Jahre getrieben habe, in der er seinem Sohn monatlich 1000 € Unterhalt überwiesen hat, und Niko antwortet: "Ich habe nachgedacht ... über mich, über dich, über alles eben." So wirkt dieser junge Mann (grandios dargestellt von Tom Schilling) auch immer etwas abwesend, stets grübelnd und die Welt um ihn herum beobachtend. Der Film beginnt am Morgen, als nach gemeinsam verbrachter Nacht Niko sich davonstehlen will und seine Freundin ihn bittet, noch zu bleiben. Niko behauptet zwar, er habe viel zu tun, kann aber nicht sagen, was eigentlich. Diese Haltung, nicht zu wissen, was er will, bleibt bestehen, und der Betrachter folgt dem Protagonisten durch einen Tag und eine Nacht voller Begegnungen: mit einem verzweifelten Nachbarn, mit seinem Vater und dessen Assistenten (der bereits fertiger Jurist ist, obwohl jünger als Niko), mit zwei merkwürdigen S-Bahn-Kontrolleuren, mit seinem Freund Matze und dem Besuch eines Filmsets, mit einer ehemaligen Schulkameradin und dem Besuch einer Theater-Performance und mit einer zufälligen Kneipenbekanntschaft und dem Besuch eines Krankenhauses. Dazwischen immer wieder der Versuch, einen Kaffee zu bekommen und Bilder der Metropole Berlin: Straßenszenen, Häuserecken, Mietwohnungen, Orte und Menschen. Nach 24 Stunden kann der Betrachter wieder die Hauptfigur beobachten und mit ihr gemeinsam schweigend den Blick über Berlin (als heimliche Hauptdarstellerin des Films) schweifen lassen.

Jan Ole Gerster (bisher nur als Darsteller in Ein Freund von mir bekannt) hat mit seinem Regiedebüt eine melancholisch-komödiantische Beobachtungsstudie gedreht, die traumhaft sicher die in schwarz-weiß gedrehte, ruhige Bildsprache, den jazzigen Soundtrack und eine völlig unspektakuläre Geschichte über einen jungen Mann im Zwischenstadium des Erwachsenenseins verbindet. Oberflächlich betrachtet plätschert der Film dahin, auf einer zweiten Ebene erzählen die Begegnungen und Gespräche von der Suche nach einem Platz im Leben, von Einsamkeit, Verletzung, Liebe, Respekt und schließlich sogar vom Leben als Ganzes, das unweigerlich auf den Tod zuläuft. Das Flanieren durch die Metropole Berlin verzichtet dabei völlig auf Klischeebilder (wie z.B. Brandenburger Tor und Reichstag) und zeigt die Großstadt in ungewöhnlichen Perspektiven als Lebensraum, der schmutzig-laut und spannend-abenteuerlich zugleich ist. Durch die ausgefeilte und ruhig beobachtende Bildsprache entsteht auch eine Poesie der Großstadt, die sich auf die Stimmung des Filmes insgesamt überträgt. Eine kleine Szene, wie das Umarmen der Großmutter beim Aufenthalt in der Wohnung eines jugendlichen Dealers kann so zu einer lange nachklingenden Metapher für die Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit werden.

Sehr gute Schauspieler - allen voran ein grandioser Tom Schilling in der Hauptrolle - ein an Woody Allen erinnernder Sondtrack und poetische und gut eingesetzte Schwarz-weiß-Bilder machen dieses melancholisch-komödiantische 24-Stunden-Porträt zu einem ruhigen und rundherum gelungenen Filmvergnügen. Der Triumph bei der Verleihung des deutschen Filmpreises ist durchaus berechtigt.
In den Extras ist neben einem Trailer, Casting- bzw. Improvisationsaufnahmen und Outtakes auch ein Audiokommentar von Regisseur und Hauptdarsteller zu finden.
Empfehlenswert! Für Fans des anspruchsvollen deutschen Films ein Muss!
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am 15. November 2013
Erwartungen können etwas tolles sein, sie können aber auch einiges zerstören. Filme etwa. Ein Film kann noch so gut sein, wenn man etwas völlig anderes von ihm erwartet, wird man zwangsläufig enttäuscht. Diese Gefahr besteht auch bei "Oh Boy", vor allem, weil der Trailer einen falschen Eindruck erweckt. Damit potentiellen Käufern eine Enttäuschung erspart bleibt, schreibe ich jetzt eine Rezension zu "Oh Boy" und zwar in Form von einigen Warnungen:

1. Der Film ist keine Komödie.
Damit meine ich natürlich nicht, dass der Film nicht lustig ist. Im Gegenteil hat "Oh Boy" einen ganz eigenen Humor, mal subtil, mal skurril, mal gesellschaftskritisch. Allerdings ist diese Komik nie so allgegenwärtig, wie im Trailer. Der Film hat auch deutlich ruhigere, nachdenklichere Seiten und wer eine typisch deutsche Komödie mit Slapstick, lustigen Verwechslungen und "Gags" am laufenden Band erwartet, wird mit "Oh Boy" nicht glücklich. Er ist ein Film zum schmunzeln, nicht zum lauthals lachen.

2. Der Film hat keine wirklich zusammenhängende Handlung.
Vielmehr stolpert die Hauptfigur des Films von einer absurden Situation in die nächste, ohne zu wissen was kommt, ohne ein Ziel vor Augen zu haben. Und der Film tut es dem ziellosen Hauptcharakter, der einfach in den Tag hineinlebt, gleich. Er steigt ohne Umschweife in das Leben des Protagonisten ein, begleitet ihn einen Tag lang vom Bett seiner Freundin zum Verkehrsamt, zu einem Filmset, zu einem Untergrundtheater und schließlich ins Krankenhaus. Und dort entlässt "Oh Boy" den Zuschauer, ohne eine wirkliches "Ende" anzubieten. Weil es eben kein Ende gibt, da die "Geschichte", die erzählt wird, einfach das Leben der Hauptfigur ist. Der Film greift sich einfach einen Tag aus diesem Leben und präsentiert ihn, ohne Ansprüche auf Tiefgründigkeit, Epik oder Spannung. Ob die erzählte "Handlung" den Zuschauer packt, beührt oder zum Nachdenken anregt, liegt ganz beim Zuschauer. Der Film erwartet es jedenfalls nicht von ihm, lässt es aber zu.

3. Der zweite Star des Films ist Berlin.
Tom Schilling spielt fantastisch, keine Frage. Trotzdem wird er sich mit Berlin darum streiten müssen, wer präsenter ist. Denn obwohl der Film sehr ordentlich besetzt ist und die Dialoge außerordentlich gut geschrieben sind, schaffen es auch die schwarz-weißen, von Jazzklängen unterlegten Bilder Berlins, zu fesseln. Die Stadt wirkt dreckig und edel, spießig und gefährlich, faszinierend und abstoßend zugleich. Die Kamera schafft es, Ecken Berlins einzufangen, die einfach faszinieren, die den Zuschauer glauben lassen solch skurrile Gestalten wie im Film könnte es in dieser Stadt tatsächlich geben.

Wer jetzt immer noch Lust auf "Oh Boy" hat und nicht abgeschreckt ist, dem wird der Film vermutlich auch gefallen. Vielleicht wird er sogar einen neuen Lieblingsfilm finden. Das Potential dazu hat "Oh Boy" allemal.
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am 16. April 2015
Oh Boy oder dem Leben auf die Finger geschaut. Eigentlich habe ich mir den Film nur angesehen weil er gute Kritiken bekommen hat, mal wieder ein Film von heute in S/W war und einen jazzigen Sountrack hat und natürlich Tom Schilling.
Ich war überrascht wie gut der Film war. Klar war mir auch, das Leute die auf Actionkino und Krawallkino stehen dem Film nichts
abgewinnen können. Ich vermute einfach mal das viele den Film in der Aussage die er machen wollte auch einfach nicht verstanden
haben oder verstehen wollten. Beschrieben wird der Ablauf eines ganzen Tages vom eigentlich liebenswerten aber sehr unkonventionellen
Tagträumer von Tom Schilling perfekt verkörpert. Dabei erfährt der Zuschauer so ganz nebenbei, das der Hauptdarsteller im Prinzip
zwei Jahre volles Rohr auf Papas Kosten gelebt hat und davor einfach mal sein Jurastudium geschmissen hat.

Einge Szenen kommen einem irgendwie doch sehr aus dem Leben genommen vor wie die Szenen wo er beim Geldautomaten die
EC Karte reinlegt um Geld zu ziehen und schwups der Automat einfach die Karte einbehält. Vorher hatte der Hauptdarsteller
natürlich einem armen Bettler sein ganzes restliches Geld in diesem Fall 2,80 Euro in den Hut geworfen. Als er es wieder raus-
nehmen wollte wurde er natürlich prombt erwischt.

Wer mal ein richtige Nervensäge sehen will, der hat sicherlich seine Freude an dem Gespräch von Niko dem Haupdarsteller mit
dem Psychiater beim Idiotentest wegen des Führerscheins. Gute Laune macht auch die herrlich enspannte Easy Listening
Jazz Musik aus, die sich dezent über den Film verteilt.

Der Film hat durchaus Tiefgang und eine vernünftige Story aber halt mit einem Open End. Aber warum so nicht ?
Warum werden höchstens mal alle 8 - 10 Jahre solche entspannten Filme gedreht, die sich nicht durch überbordende Bugets
auszeichnen oder Drehbücher mit Dialogen wo sich dem halbwegs gebildeten Kinogänger die Fußzehen rückwärts klappen
und er nur noch zur Kotztüte greifen kann wenn er sieht was aus dem Qualitätskino von einst mittlerweile teilweise geworden ist.

In diesem Sinne es lebe das handwerklich sauber gemachte Independent Kino mit frischen Gesichtern und Storys.

Wir empfehlen Ihnen, Ihre Rezension zu überarbeiten und erneut einzusenden. Hier sind einige allgemeine Punkte, die beachtet werden sollen:

• Ihre Rezension sollte sich auf die spezifischen Eigenschaften des Produkts und Ihre Erfahrungen mit dem Produkt
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Erzählt wird ein Tag im Leben von Nico, der gerade umgezogen ist, sich von seiner Freundin getrennt hat und aus unterschiedlichen Gründen irgendwie nicht an eine heiß ersehnte Tasse Kaffee kommt. Sein reicher Vater hat ihm den Geldhahn zugedreht, da er herausbekommen hat, dass es schon vor Jahren sein Studium geschmissen hat und unterdessen nur noch 'über sein Leben nachdenkt'. Mit seinem Kumpel Matze zieht er umher, trifft eine alte Schulkameradin wieder, die er früher aufgrund ihrer Fettleibigkeit gehänselt hatte, die sich mittlerweile jedoch völlig verwandelt hat und immer noch auf ihn steht. Sie nehmen die Einladung zu einer experimentellen Tanzperformanz an und fallen dort unangenehm auf. Auch die potentielle Romanze endet in einer bedrückenden Sackgasse. Nico zieht weiter durch das nächtliche Berlin und wird mit dem Sterben konfrontiert....

Ein kleines cineastisches Kunstwerk über das stinknormale Leben, in schwarz-weiß gedreht. Früher hätte man Taugenichts zu der Gestalt des Nico gesagt, heute würde man ihn eher Verlierertyp nennen. Aber er ist keine unsympathische oder gar tragische Gestalt. Wie viele andere seiner Generation lebt er in den Tag hinein, lässt sich treiben und macht sich wenig Gedanken über seine Zukunft. Vielleicht setzt nun der Film an einem Punkt an, in dem ein Umdenkprozess eingeleitet wird, da er sich bis dato keinen Kopf um Geld machen musste, das er monatlich von seinem reichen Vater überwiesen bekommen hat. Vielleicht zeigt der Film den letzten 'unbeschwerten' Tag, bevor die 'Mühe des Lebens' Einzug erhält. Es könnte aber auch gut sein, dass Nico ein Lösung für sich findet, sich weiter durchwurstelt. Doch darum geht es letztendlich nicht, sondern um das Portrait eines jungen Mannes in Berlin und seiner Lebenszusammenhänge. Es ist weniger die Handlung, als vielmehr die Umsetzung, die besticht.

Tom Schilling spielt eindrucksvoll gelassen und gibt der Figur des Nico dadurch genau das richtige Maß an Authentizität.

Fazit: Vor kurzem ist das Werk mit Preisen überschüttet worden. Nicht zu Unrecht, wie ich meine.
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TOP 1000 REZENSENTam 3. Januar 2014
Niko Fischer (Tom Schilling) hängt einfach nur rum und lässt sich treiben vom Motor der Metropole Berlin. Seinen Vater (Ulrich Noethen) hat er verheimlicht, dass er das Jurastudium schon lange geschmissen hat. Wäre ja auch doof, denn dann wären 1.000 Euro elterliche Unsterstützung weg. Doch an diesem Tag wird die Kontokarte eingezogen. Da hilft nur ein Anruf. Ansonsen schaut der Endzwanziger und Tagträumer was die Stadt noch so an Komischem und Tragischem heute zu bieten hat. Ok, zuerst mal zum "Idiotentest", weil auch der Führerschein eingezogen wurde. Hoffentlich sind nicht alle Psychologen so krank wie dieser anmaßende Aggressor (Andreas Schröders). Auf den Misserfolg einen Kaffee, doch der ist in dieser Bar zu teuer. Es geht weiter abhängen mit dem Freund und Schauspieler Matze (Marc Hosemann), so schauen die beiden bei Dreharbeiten zu einem NS-Film zu. Wenig später treffen sie auf Julika (Friederike Kemper)), eine ehemalige Mitschülerin von Niko, die die beiden einlädt zu einer Avantgarde-Theateraufführung, in der sie mitspielt. Bevor die Nacht in Berlin zu Ende geht, kriegt Niko noch eine aufs Maul und landet alleine als einsamer Wolf in einer Bar, dort erzählt ein besoffener Gast (Michael Gwisdek) von seiner Kindheit im dritten Reich. Der Ausklang findet im Krankenhaus statt...
Jan Ole Gersters "Oh Boy" ist ein sehr schöner Städtefilm. In exzellenten s/w Aufnahmen gelingt dem Kameramann Philipp Kirsamer eine Weltklassearbeit. Die Tragikomödie ist perfekt aufgebaut und hält durchgehend eine schöne, teils unbekümmerte, teils schwermütige Melancholie. Einerseits ist viel Leere vom heutigen Großstadtmenschen eingefangen, aber auch der emotionale Durchbruch, der durch die Menschen erreicht wird, indem sie sich einander flüchtig und dennoch sehr intentiv begegnen und einander wahrnehmen. Für mich eine der besten deutschen Filme der letzten Jahre, es ist eine Art berliner Variante zu Woody Allens großartigem New York Portrait "Manhattan" geworden. Tom Schilling spielt genial, er wirkt authentisch und bietet viele Identifikationsmöglichkeiten. Im Grunde spielt er so einen Tagträumer von der Art eines Antoine Doinel, der weltbekannten Filmfigur von Francois Truffaut. Und wer weiß: Vielleicht greift Gerster ja die Idee auf in einigen Jahren eine Fortsetzung zu drehen, interessant wäre es auf jeden Fall wie es mit Filmfigur Niko weitergeht.
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am 8. April 2013
Irgendwie ist dieser Film Kunst, schwer zu beschreiben. Im Gedächtnis geblieben ist mir vor allem die tolle Kameraführung und die unglaublich liebevolle Gestaltung im Detail. Beispiel: an sich völlig unspektakuläre, simple Schwarz-Weiß-Bilder von irgendwelchen hässlichen, unbededeutenden Ecken, Häusern und Straßen in Berlin - und trotzdem "catchen" einen diese Bilder (und ich bin kein Berliner!).

Die Story ist recht simpel, aber toll umgesetzt. Wenn der Film aufgrund seines melancholischen Fundaments - und Hauptdarstellers - Gefahr läuft, in einen allzu kitschigen Sumpf abzudriften, wird an den richtigen Stellen immer mal wieder subtiler Humor eingestreut, der den Zuschauer ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert. Zudem lebt der Film eindeutig von zahlreichen Dialogen (Nikos mit den facettenreichsten/unterschiedlichsten Weggefährten im Laufe des Films).

Selbst Kinogänger, die sich Hauptdarsteller Tom Schilling ansonsten aufgrund seines weinerlichen Naturells/Auftretens bzw. seiner weinerlichen Stimme nicht über längere Zeit "antun" können/wollen, werden zugeben müssen, dass Schilling die Hauptrolle in "Oh Boy" wie auf den Leib geschneidert scheint. Das passt einfach. Er spielt das richtig gut.

Eines der Kinohighlights Ende 2012/Anfang 2013.
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am 30. März 2015
"Oh Boy" ist ein deutscher Film, den man sehr schwer in eine Schublade stecken kann. Im Grunde geht es nur um den Verlauf eines Tages der Hauptfigur Nico Fischer (Tom Schilling), mit dem das momentane Seelenbild und die Lebenseinstellung dieser Person verbildlicht wird. Schnell wird klar, dass sich Nico in dieser Welt und bei den Menschen um ihn herum deplatziert fühlt. Streit mit der Freundin, Verlust des Führerscheins und Geldprobleme sind einige der nebensächlich wirkenden Konflikte, mit denen sich Nico herumschlagen muss. Es nimmt alles mehr oder weniger hin und driftet weiterhin ziellos durch Berlin und sein Leben. Die merkwürdigen Personen denen er dabei begegnet, zeigen mit ihrem Charakter immer wieder Anekdoten auf, die sich so auch in Nicos Leben wiederfinden. Doch auch diese gleiten, wie so vieles, einfach an der Hauptfigur vorbei. Was sich zunächst etwas belanglos anhört, ist ein ruhiges, melancholisches Porträt der heutigen Zeit und einem Gefühl der innerlichen Einsamkeit. Tom Schilling agiert wirklich großartig, genau wie alle Nebendarsteller. Zugegebenermaßen ist dieser Film nicht unbedingt Massen tauglich und sicherlich für den ein oder anderen gewöhnungsbedürftig. Es bedarf einem leichten Hang zum Nachdenklichen oder zumindest der Motivation sich auf den Film einzulassen. Dann jedoch bekommt man großartiges deutsches Kino über das was unsere Zeit ausmacht und wie die Menschen auf ihre Umwelt reagieren.
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am 6. Dezember 2013
Es gibt sie doch.
Hin und wieder finde ich einen deutschen Film, der weder schweigerblöd noch wendersöd ist, in dem zuückhaltende großartige Schauspieler konsequent den schmalen Weg zwischen Komödie und Tragödie gehen und der liebevoll und ganz, ganz leise erzählt ... von einem liebenswerten Verlierer in einer Welt, die keinen Platz hat für Verlierer.
Die schönste Perle in diesem cineastischen Kollier ist die kleine Szene am Ende des Films, mit dem großen Michael Gwisdek.
Und: Der Film ist keinesfalls "Zum Brüllen komisch", wie es irgendwo in der Werbung heißt. Zum Glück ist er das nicht.
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am 7. Juni 2013
Junge....warum hast du nichts gelernt ?
Niko (Tom Schilling), Ende 20 hat sein Jura Studium geschmissen...und das schon vor zwei Jahren.
Sein Papa, der die Sache finanziert weiß nichts davon, denkt jedenfalls Niko.
Und als der Geldautomat seine EC-Karte einzieht, und das Geld nicht mal mehr für
eine Tasse Kaffee reicht ("3,40 €.. ist ja auch der Columbia") ist ein Besuch bei Papa
fällig...und der hat nur auf den Besuch gewartet.
Und so streift Niko durch Berlin auf der Suche nach irgendwas, und macht jede Menge skuriler
Bekanntschaften : Nachbarn, Freunde, Schauspieler, Beamte, Drogendealer und deren Omas,
alte Schulfreundinnen sind nur einige Fälle von schräger Situationskomik.
Wird er seinen Kaffee bekommen ? Nicht nur die Filmmusik erinnert hier an Woody Allen.
Ein deutscher Film der anderen Art, nicht umsonst war "Oh Boy" beim deutschen Filmpreis
ganze vorne mit dabei. Tipp !

Die BD bietet stellenweise zwar nicht das beste Bild, wurde wohl mit 16 mm gedreht ?
Und da ist dann auch einfach nicht mehr drin. Passt aber irgendwie zum Film.
Der Griff zur DVD könnte reichen !
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am 6. März 2016
Ist noch Kaffee da?
Gerade alle geworden.

Dieser Niko (Tom Schilling) – was macht der eigentlich den ganzen Tag?
Er denkt nach. Über sich. Über die anderen. Über seinen Vater. Über … joa … dies und das. Letztlich macht er: nichts.
Niko ist Ende zwanzig, sein Studium hat er schon vor zwei Jahren geschmissen, er denkt, sein Vater weiß davon nichts. 1000 Euro bekommt er von ihm im Monat. Noch. Als die Bankkarte vom Automaten geschluckt wird, ist klar: Irgendwas ist anders.
Aber Niko hat sowieso andere Dinge im Kopf. Da ist seine neue Wohnung, die noch nicht eingerichtet ist. Womit auch? Der Nachbar, der ihm seine Probleme erzählt. Die Freundin, die jetzt seine Ex-Freundin ist. Der Kumpel, der ihm zu einem Filmdreh mitschleppt. Die ehemalige fette Klassenkameradin, die jetzt gar nicht mehr fett ist – aber trotzdem seltsam. Der alte Mann (toll: Michael Gwisdek), der in der Kneipe Niko seine Geschichte erzählt. Und – ja, verdammt noch, dass es nirgendwo mehr vernünften Kaffee gibt!

Oh Boy!, möchte man ihm gern zurufen.
“Oh Boy” heißt auch das Langfilmdebüt von Jan Ole Gerster, gedreht in schwarz-weiß in einer pulsierenden Metropole – Berlin (mit dem Bahnhof Schönfließ in einer Nebenrolle).
Wir begleiten Niko einen Tag lang durch sein Leben. Und das tut bisweilen ganz schön weh. Wenn Niko beim Idiotentest sitzt, tut das weh. Denn der Psychologe ist ein Arsch. Wenn sich Niko das Leid des Nachbarn anhören muss, tut das weh. Denn der Nachbar ist ein armes Würstchen. Wenn sich Niko im Café zwischen zig Kaffeesorten entscheiden muss und dafür 3,40 Euro hinlegen muss, dann tut das weh. Denn 3,40 Euro hat Niko gar nicht dabei. Wenn sich Niko ein beklopptes, aber angeblich kulturell total wertvolles Tanztheaterstück ansieht, dann tut das weh. Denn kulturell total wertvolles Tanztheater ist nahezu unerträglich und unfreiwillig komisch. Wenn sich Niko das Gezeter seines Vaters (und Geldgebers) anhören muss, dann tut das auch weh. Denn Papa hat leider recht.
Der Film hat Züge einer Komödie, dabei ist er eigentlich todtraurig und melancholisch. Er hat durchaus witzige Momente – die aber gleichzeitig ebenfalls traurig sind -, extrem rührende und erhellende.
In schönen Nebenrollen sind Michael Gwisdek, Justus von Dohnányi, Frederick Lau zu sehen.
Tom Schilling – der immer noch aussieht wie ein Teenie – spielt den verunsicherten jungen Mann, der sich nach etwas sehnt, wovon er selbst noch keine Ahnung hat, einfach wunderbar. Schwach, zerbrechlich, in den Tag hinein lebend, scheinbar ohne Ziel. Man sympathisiert mit Niko, gleichzeitig wünscht man ihm so sehr, doch endlich zuzupacken und aus dem seltsamen Vakuum herauszukommen.

Und, gibt’s noch Kaffee?
Na, mal sehen.
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