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4.0 von 5 Sternen Das gehet meiner Seele nah..., 13. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Matthäus-Passion Bwv 244 (Ga) (Audio CD)
Eine der mich ergreifenden Interpretationen von Bachs "Matthäus-Passion" ist Ton Koopmans erste Einspielung des Werkes aus dem Jahre 1993, weil dieser hier den Versuch unternommen hat, verschiedene Aufführungstraditionen zu verbinden. Alte Instrumente, historisch informierte Sänger, barocke Gestaltung auf der einen Seite, breites Spektrum der Tempi (von gemessen bis zu ausgesprochen rasant), Momente schon fast romantischer Verinnerlichung auf der anderen Seite. Koopmans Interpretation gelingt es, die Passionsgeschichte kontemplativ, gemessen, ruhig und - vor allen Dingen - glaubwürdig erklingen zu lassen. Da höre ich weder die mich gruselnde Klempererscher Erstarrung noch Richtersche Romantizismen und kein Karajansches Frömmeln. Die Gardinersche Asepsis suche ich - gottlob - vergebens und auch den mich nicht angehenden prätendierten Affektivität Suzukis und den experimentellen Schnickschnack van Veldhovens findet man hier nicht.
Das Personal agiert mE durchweg ordentlich: Guy de Mey gibt mit klarer und leicht geführter Stimme einen ausdrucksstarken Evangelisten, wo bei sein leicht flackerndes Vibrato nicht jedermanns Sache sein mag. Christoph Prégardiens Gestaltung der Tenor-Partien ist mE durchweg ein Genuss, Barbara Schlicks Sopran ist glänzt und hat (noch) jenen sphärisch über den Dingen schwebenden Ton, den sie schon bei Herreweghe I zeigt, Klaus Mertens singt die Bass-Partien mit leicht geführter, sehr eleganter Stimme, wobei er nicht im Schöngesang hängen bleibt, sondern durchweg sehr textnah gestaltet. Peter Kooys Jesus-Darstellung ist ohne Makel. Einziger Schwachpunkt ist Altus Kai Wessel, der in meiner persönlichen Favoritenliste nur kurz vor Syste Buwalda rangiert. Nicht, dass er durchweg nicht zu ertragen wäre. Sein "Buß und Reu" gelingt recht ordentlich, aber spätestens das "Erbarme Dich" (dessen Violinsolo Andrew Manze im Übrigen ausgesprochen berückend spielt) will mich nicht mehr angehen. Spätestens hier denke ich:
Hätte sich Koopman doch dazu durchgerungen, eine Frau singen zu lassen. Brillant ist indes der (nicht ganz kleine) Chor der Nederlandse Bachvereiniging, dessen klangliche und interpretatorische Flexibilität einfach atemberaubend ist. So sind die Turbae von einer bisweilen unglaublicher Geschwindigkeit, Aggressivität und Wucht gekennzeichnet, ohne dass sich die Darstellung hierauf beschränken würde. Da wird immer ganz nah am Text gesungen, da kann ganz plötzlich zurückgenommen und wieder aufgebaut werden - eben immer im Dienest der Textauslegung. Daneben stehen ganz verinnerliche, ebenfalls immer sehr textnah gedeutete Choräle. Da ist mE auch ein Monteverdi Choir nicht unbedingt überzeugender. Koopmans Hausorchester The Amsterdam Baroque Orchestra musiziert auf höchstem Niveau.
Und so geht Koopmans synthetischer Ansatz für mich im Großen und Ganzen auf, sodass ich hier gern mit Bach und Picander sagen kann: Das gehet meiner Seele nah.
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0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Notwendige Subjektivierung, 28. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Matthäus-Passion Bwv 244 (Ga) (Audio CD)
Ich habe meinem Vorrezensenten nichts hinzuzufügen - möchte allerdings meinem Eindruck Gehör verschaffen, dass der Hauptkritikpunkt der Rezension (Kai Wessel als Altus) im Bereich der Geschmacksfragen liegt und keineswegs objektiv kritisiert werden kann. Unter gesangstechnischer Sicht war Wessel 1993 erste Wahl, er hatte eine Intonationssicherheit, Textklarheit und Gestaltungskraft, die viele andere Altisten in ihrer Karriere zu keinem Zeitpunkt erreicht haben. Insofern hätte Koopman unter der Prämisse, die Partie mit männlichem Alt zu besetzen, 1993 keine bessere Wahl treffen können. Dass andererseits Wessels Stimme die typischen Attribute eines Altus trägt, ist selbstverständlich - und wem das nicht zusagt, wer sich das menschlichere, gelegentlich weichere Timbre einer weiblichen Altstimme wünscht, der wird mit Koopmans Entscheidung tatsächlich nicht glücklich werden - vice versa.

Ich persönlich bin Koopman dankbar, dass er so entschieden hat. Für mich dokumentiert diese Aufnahme die beste mit bekannte Umsetzung der Alt-Partie in der Matthäuspassion und insbesondere "Erbarme Dich" ist auch Dank der kongenialen Umsetzung durch Andrew Manze eines der absoluten Highlights der Aufnahmegeschichte von Passionsmusiken seit Beginn der Tonaufzeichnung überhaupt.
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