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am 23. März 2008
Chris McCandless hat umgesetzt, was andere nur träumen. Der Traum von Ursprünglichkeit und Unverfälschtheit ist alt, und es gibt immer mehr, die ihn träumen. Das zeigt die Resonanz auf Buch und Film. Aber es gibt eben nur wenige, die ihn auch leben - mit aller Konsequenz. Und da wir ja alle täglich unsere Kompromisse schließen, stempeln wir so jemanden dann gerne als armen Irren ab. Denn schließlich müssen wir ja morgens wieder in den Spiegel sehen ...

Krakauer, versucht, Chris zu rehabilitieren. Es ist ihm ein Anliegen, ihn nicht als armen Irren, als sturen, ahnungslosen Romantiker abgestempelt zu sehen. Die Sehnsucht nach der Einfachheit und der Erhabenheit der Natur teilt und versteht er. Mit diesem Versuch gibt er gleichzeitig all jenen recht, die Chris, alias Alexander Supertramp, auf seiner Reise begegnet sind und ihn kennengelernt haben als einen liebevollen und intelligenten Menschen. Chris' Odyssee ist nicht abzutun als die Reise eines armen Irren, oder eines verwöhnten Vorstadtkindes, das keine Ahnung hat, wie man in der Natur überlebt. Im Gegenteil - Krakauer sagt es an einer Stelle im Buch ganz explizit - die vielen Hobbyjäger, die sich am Wochenende mit allerlei technischer Ausstattung in die "Wildnis" begeben, hätten vermutlich keine zwei Wochen ausgehalten. Chris' Geschichte ist die Geschichte einer Suche nach dem Wahren, Absoluten, nach dem eigenen Ich und dem richtigen Lebensentwurf. Das Schöne ist, das er am Ende all dies gefunden zu haben scheint.

Erstaunlich, wie viel man über Chris erfährt, wie viel Krakauer herausgefunden hat durch mühevolle Detailrecherche. Das ist gut geschrieben und wird nie langweilig. Auch wenn es nicht im eigentlichen Sinne spannend ist, so möchte man doch einfach mehr und besser verstehen, was ihn getrieben hat und vor allem, warum er am Ende viele so allein und ratlos zurücklässt. Am Ende gibt das Buch keine Antwort darauf. Das wäre auch anmaßend. Aber es gibt Hinweise und lädt ein zum Nachdenken.

Also dann: Lesen wir jetzt Jack London und Leo Tolstoi.
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Ich habe ein glückliches Leben gelebt. Christopher Johnson McCandless

Rezension zu Buch und Film - und zur Filmmusik. Gedanken zu Chris McCandless.

Der Stampede Trail ist ein gekrümmter Pfad, der sich in der Taiga Alaskas von Osten nach Westen durch die fast menschenleere, hügelige Landschaft aus Sümpfen und lichten Fichtenwäldern zieht. Er ist stellenweise überwuchert und wird kaum genutzt. Die wenigen Menschen, die das tun, sind überwiegend Jäger und Trapper, gefolgt von Rangern, Wissenschaftlern und sehr selten, obwohl die Zivilisation nicht weit entfernt ist, von Abenteurern, Aussteigern auf Zeit, Naturliebhabern; letztere Spinner und Idioten eben, wie sie aburteilend und mitleidlos von den beinharten Alaskanern genannt werden. Seit einiger Zeit kommen auch Pilger. Aber davon später. Der Teklanika, ein Fluss, dessen Beschaffenheit bedingt durch Schneeschmelze stark variieren kann, zieht sich wie ein braunes Band durch die Gegend. Ihn zu überqueren, ist zuweilen der gefährlichste Part auf dem Fußweg zum Bus. Abweisend und fremdschön ist die Landschaft, die sich selbst genug ist. Etwas - der Form und Farben nach - eindeutig von Menschenhand Geschaffenes duckt sich auf einer Lichtung nahe des Wegs, auf der Höhe des Sushana River: eine Busruine, die, ihrer verwitterten Aufschrift nach, in den 1940er-Jahren Teil des öffentlichen Verkehrsystems von Fairbanks war und in der Innenstadt verkehrte. Der Bus mit der Nummer 142 hat seine letzte Fahrt schon lange hinter sich gebracht und dient seit Jahrzehnten den wenigen Vorbeikommenden als behelfsmäßiger Unterschlupf. Ein skurriles Ding, das an dieser surrealen Haltestelle wie das Artefakt einer untergegangenen Kultur wirkt.

Wie kam der Omnibus in die Wildnis und warum trägt er so sehr zur Faszination von Buch und Film bei? Jon Krakauers Geschichte über dieses einstige Fahrzeug ist eingebettet in eine übergeordnete Geschichte. Es ist die Geschichte eines am Ende kompromisslosen, intensiven und kurzen Lebens, eine Recherche über die letzten beiden Jahre im Leben des Chris McCandless, eines jungen, begabten, gebildeten, privilegierten, sportlichen, gesunden, geliebten und lebenshungrigen Nordamerikaners, dem für eine kleine Weile die ganze Welt offen stand und der sich ein gutes Stück davon einverleibte, bevor er, nachdem er noch nicht einmal ein Vierteljahrhundert gelebt hatte, 1992 in diesem Buswrack, in seinem "Magic-Bus" verhungerte, allein und vielleicht einsam. Es ist aber auch eine Geschichte über einige Menschen, die er auf seiner Odyssee traf und die sich noch heute seine Freunde nennen, über seine Eltern und Schwester und ganz bestimmt auch eine Geschichte, die Jon Krakauer fasziniert und betroffen macht. Und bei allem Respekt für das Leid der Menschen, die diesen jungen Mann lieben und vermissen, ist "Into the Wild" auch ein fantastisches amerikanisches Roadmovie, das bei ganz unterschiedlichen Menschen ein Ziehen in der Magengegend auslösen kann, man kann es "Go-West-Syndrom" oder in diesem Fall "Go-North-Syndrom" nennen. Sean Penn wiederum erlag zuerst dem Bild des tiefverschneiten Busses und anschließend der Faszination der Story und hat sie, als er es endlich durfte, ambitioniert und liebevoll verfilmt. Leider bedeutet die Verfilmung für ein Buch stets, dass die Umschlaggestaltung für alle Zeiten von Bildern des Films dominiert wird. Eine leidige, leider erfolgreiche Marketingunsitte, der wir auch den unsterblichen Satz "Das Buch zum Film" zu verdanken haben. Alaska im Frühling und der echte Omnibus sind seit der Existenz des Films vom Umschlag verschwunden.

Jon Krakauer also hat den Bestseller geschrieben, getrieben von dem Wunsch, die letzten beiden Jahre von Chris "Alex Supertramp" McCandless zu rekonstruieren und den jungen Mann, dessen Verhalten in den Medien überwiegend negativ dargestellt wird, vorsichtig zu rehabilitieren. Sean Penn, selbst ein Suchender, Getriebener, war von der Lektüre so angetan, dass er rund ein Jahrzehnt dafür kämpfte, die Geschichte verfilmen zu dürfen. Eddie Vedder, der Frontmann von Pearl Jam, wiederum textete, komponierte und sang dem Film die Musik auf dem Leib, ein Sound, der anders klingt, als das, was man sonst von ihm zu hören gewohnt ist. ("guaranteed", der herausragende letzte Song auf der CD sollte man ruhig eine Weile in die Stille laufen lassen - es lohnt sich, nicht gleich auszuschalten!)

Was immer man über das Buch, dem Film, der auf dem Buch basiert (!) und zur Musik zum Film anmerken möchte - eines muss man den drei Männern uneingeschränkt zugestehen: sie wollten Chris "Alex Supertramp" McCandless, den sie nie kennengelernt haben, unbedingt gerecht werden. Warum? "Alex Supertramp" geisterte auch durch ihre Jugend und sucht sie vielleicht von Zeit zu Zeit immer noch heim. Eddie Vedder drückt es in einem auf der DVD zur Verfügung stehenden Interview sinngemäß so aus: "Ich habe die Musik parallel zum Film, zu dieser Geschichte geschrieben und unterlag dadurch vielen Einschränkungen, die mich aber nicht einengten. Es macht mir fast Angst, wie gut ich Chris verstehe. Zuerst war ich frustriert, weil ich dachte, das läge alles hinter mir, das hätte ich mit meiner Musik, meiner Kunst, mit meiner Art zu leben verarbeitet. Jetzt musste ich feststellen, dass es unter der Oberfläche immer noch da ist." Wie Chris McCandless stammt Eddie Vedder aus einer Familie, deren Fundament aus gewichtigen Lebenslügen bestand. Die Filmmusik hat er nicht "Alex Supertramp" gewidmet, wohl aber Christopher J. McCandless.

Jon Krakauer lässt in das Buch, das eigentlich eine lange Reportage und der Versuch einer Charakterstudie ist, Geschichten anderer Abenteurer und eigene Erlebnisse aus seiner Jugend einfließen. Auch er hatte, als er ungefähr in Chris' Alter war, sein Alaska-Abenteuer. Er ist fest davon überzeugt, dass er ebenfalls als geistesgestört und selbstmordgefährdet eingestuft worden wäre, wenn er auf diesem Trip ums Leben gekommen wäre. Aus seiner Sympathie und seinem Verständnis für "Alex Supertramp" macht er kein Geheimnis, berichtet jedoch auch über Erkenntnisse, die Chris McCandless nicht nur im strahlenden Licht zeigen. Der junge Mann hatte durchaus seine negativen Seiten, mit denen er bei manchen Leuten aneckte. Allerdings schien diese gewollt einsame Gestalt es zu schaffen, bei anderen Menschen versteinerte Gefühle in Bewegung zu bringen und ist deshalb so eindrucksvoll in deren Erinnerungen präsent. In Penns Film ist Chris eine Lichtgestalt ohne Fehl und Tadel, dargestellt mit Haut und Haaren von einem sehr sympathischen Jungen auf der Schwelle zum Mann: Emile Hirsch. Alle Charaktere sind sorgfältig ausgesucht, das ist nicht nur so dahergesagt. In diesem Film steckt Herzblut, im Buch auch. (Hirschs Kajaktrainer Brian Dierker in der ersten Filmrolle seines Lebens als "Rainey" ist ein reines Vergnügen). Die 37 Orte (!) (etliche Namen lassen Amerikasüchtige das Herz höher schlagen) nebst passenden Jahreszeiten, in denen Chris McCandless nachweislich dort war, werden im Film real gezeigt. Nur der "magische" Bus ist nicht echt und ein, von kleinen Abweichungen abgesehen, zusammengeschweißtes Meisterwerk der Nachbildung, geformt aus mehreren anderen Streamlinern dieser Baureihe, die in unterschiedlichen, aber ausnahmslos schlechten Erhaltungsformen auf den Schrottplätzen von Fairbanks ruhten. Gedreht wurde auch an einem anderen Standort, aber ebenfalls am Rand des Denali-Nationalparks, weil Penn aus Respekt für alle McCandless' an Chris' Sterbeort nicht drehen wollte - und vielleicht auch, weil die Landschaft dort weniger spektakulär ist. Denn schon allein die Naturaufnahmen, wie die des unnahbaren Mount McKinley, unterlegt mit Eddie Vedders so passender Musik, heben den Film weit aus der Masse heraus und machen ihn besonders sehenswert. Doch der seltsame Held wird uns nach Lektüre und Film nicht vertrauter. Besonders letzterer trägt zur Legendenbildung bei. Hollywood ist und bleibt auch in seinen besten Werken wie in diesem, das National-Geographies-Bildniveau erreicht, dennoch der ultimative Mythenmacher der westlichen Hemisphäre und so lässt Penn dann doch einiges weg, was der Glorifizierung von Chris McCandless schaden könnte. So zum Beispiel seinen an den Bus gehefteten schriftlichen Hilferuf gegen Ende seines Lebens, der nachweislich existiert. Er richtet sich an eventuell Vorbeikommende, ist klar formuliert und mit dem Namen unterschrieben, den seine Eltern ihm gaben. Er legt nahe, dass der Mann bereit war, zurückzukehren, es aber aus eigener Kraft nicht mehr schaffte. Aus Leichtsinn und Ignoranz, wie die Einheimischen kopfschüttelnd sagen. Chris McCandless, der die intellektuellen Fähigkeiten dazu besaß, hätte vermutlich auch in der Zukunft keine konventionelle Geldscheffel-Karriere angestrebt (er hielt "Karrieren" für eine schlechte Erfindung unserer Zeit), aber Amerika ist immer noch groß, leer und weit; er hätte seine Nische finden können und wusste das sicher auch. In Buch und Film gibt es voneinander abweichende tödlich verlaufende Vergiftungstheorien durch Pflanzen, die beide von Wissenschaftlern der University of Alaska als absolut haltlos abgetan werden. Sie beharren darauf, dass der Tod des Mannes schlicht durch schleichendes Verhungern eintrat. In seinem Körper, der bei der Autopsie keine Spur von Fett mehr aufwies, fanden sie weder Spuren von Toxinen, noch von Alkaloiden. Der Tote wog nur noch rund 30 kg.

Neben Chris McCandless' Leiche fanden sich "kryptische" Aufschriebe und Notizen und einige Taschenbücher mit unterstrichenen Passagen (London, Thoreau, Walden, Tolstoi), die sich überwiegend mit philosophischen Betrachtungen der Natur und dem Prozess der Selbstfindung beschäftigen. Die aus seiner Kamera gewonnen Bilder zeigen viele Selbstportraits, strahlende Gesichter eines lachenden Mannes, der sich wohlzufühlen scheint. Eine der Aufnahmen, er sitzend vor dem Bus und in die Kamera lächelnd, hat Kultstatus (mit all' seinen Auswüchsen) erreicht. Es ist das einzige Bild, das auch Jon Krakauers Buch zeigt. Bei einem Reportagenroman wünsche ich mir jedoch einen Bildteil und vor allem auch mehr Originaltext aus den Aufzeichnungen, die, da nicht sehr umfangreich, durchaus in einem Anhang gepasst hätten. Aber die Tiefen des Internets helfen auch in diesem Fall, sich eine Fülle von Informationen weit über die Lektüre hinaus zu beschaffen, Bilder und Filmaufnahmen eingeschlossen. Es gibt etliche Filmchen von Leuten aus aller Welt, die ihren Trip zum "Magic-Bus" dokumentiert und öffentlich zugänglich gemacht haben. Es gibt ganze Bilderserien von Ausflügen zum Ort des Sterbens von "Alex Supertramp". Das Internet offenbart, dass es auf der ganzen Welt Menschen gibt, für die dieser Mann zum Held und der Besuch des Busses zur Wallfahrt, zur Pilgerreise wurde. Manche kommen vermutlich aus reiner Neugier, und das Bild vor dem Bus darf als Trophäe nie fehlen. Wie die Einheimischen über diese Leute denken, lässt sich leicht ausmalen. Einer der Elchjäger, der dabei half, die Leiche zu bergen, drückte es wiederholt so aus: "Es ist nichts anderes als ein alter Bus und wenn er ein Held ist, dann ist er ein toter Held." Das Recherchieren zu diesem Fall löst zwiespältige Gefühle aus. Eins ist sicher: diese Geschichte bewegt viele Menschen seit langer Zeit. Details werden diskutiert, Theorien aufgestellt und verworfen. Beispiel: hatte er eine Landkarte oder doch nicht? Schönste Theorie: er hatte keine, denn dann wäre es für ihn so gewesen, wie wenn das Land noch jungfräulich gewesen, nie vermessen worden wäre. Was würde Chris McCandless, der die rasante Entwicklung des Internets für die Massen nicht mehr erlebt hat, zu alledem meinen? Hätte er dieses Buch, diesen Film, beide kommerziell erfolgreich, gewollt? So gewollt? Hätte er überlebt, dann hätte er uns die Geschichte seiner Reisen durch Amerika vielleicht selbst einmal erzählt, aber wir hätten vielleicht gar nicht zugehört. Doch Chris McCandless ist verschwunden. Was geblieben ist, ist jener reizvoll deplazierte Bus in der Wildnis. Meine Meinung über ihn deckt sich nicht mit der des bodenständigen Elchjägers. Ich verstehe seine Anziehungskraft. Einst fuhr er durch die Straßen unserer Zivilisation, war laut, verpestete die Luft und beförderte eine Menge von Leuten, die nicht selten frierend und müde an den Haltestellen auf ihn warteten. Heute ist er ein Außenposten der Zivilisation und beherbergt manchmal Menschen, die durchaus für eine Weile auf eine Menge ihrer Annehmlichkeiten verzichten können. Und er war der Schauplatz eines einsamen Sterbens und ist der von Neugier und wie auch immer gearteter Heldenverehrung oder wie man das nennen will. Er ist ein Ort, der viele und wenige Menschen beherbergte. Und oft gar keine. Könnte man seine Vergangenheit bis zur Gegenwart hörbar machen, was würde man in dieser verrottenden Hülle erfahren, hören? Welche Gedanken wurden hier gedacht? Wir werden es niemals wissen. Nur eins ist sicher. Meist ist "Magic-Bus", der die Faszination des Unbelebten mit belebter Vergangenheit besitzt, ein sehr stiller Ort. Ein Ort, der sein Wissen über Chris McCandless auch um den Preis, totfotografiert und -gefilmt zu werden, nicht preisgibt. Garantiert nicht.

Helga Kurz, April 2009
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am 9. März 2004
Jon Krakauer beschreibt in diesem Buch das Leben und Sterben von Christopher Mc Candless, einem jungen Abenteurer, der sich im Jahr 1992 in die Wildnis Alaskas aufmachte, wo er nach einigen Monaten, in denen er sich nur von dem, was die Natur hergab, ernährt hatte, schließlich den Hungertod fand.
Akribisch beschreibt der Autor dabei das Leben von Mc Candless, wobei er einen Fokus auf die letzten Lebensjahre des Mannes, der mit nur 24 Jahren starb, legt. Unzählige Personen, die Mc Candless kannten, darunter Familienmitglieder, Schul- und Studienfreunde, sowie Menschen, die den Tramper in ihren Wagen mitnahmen und sich mit dem seltsamen Fremden anfreundeten, wurden von Krakauer für diese eindrucksvolle Charakterstudie befragt.
Nach und nach kommt heraus, dass Christopher Mc Candless zwar ein hoffnungsloser Romantiker und Zivilisationskritiker war, nicht aber - wie ihm von vielen nach seinem Tod vorgeworfen wurde - ein weltfremder Spinner, der von einer Todessehnsucht getrieben wurde. Ein Freund des Toten merkte an, dass Mc Candless im falschen Jahrhundert geboren wurde, da er sich nach einer Wildnis sehnte, die längst nicht mehr existiert. Auch diese Tatsache wurde dem glühenden Verehrer von Tolstoi, London und Thoreau letztlich zum Verhängnis.
Obwohl man als Leser auf der einen Seite über das Verhalten Mc Candless' nur den Kopf schütteln kann, muss man auch seine Lebensweise, die nichts mehr verabscheute als Oberflächlichkeit, anerkennen, ja sogar bewundern. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass einen das Schicksal des jungen Mannes und das seiner Familie, die sehr unter dem Verschwinden des Sohnes zu leiden hatte, sehr nahe geht.
Jon Krakauer versteht es meisterlich, das Leben von Christopher Mc Candless ohne übertriebene Sentimentalität zu beschreiben. Dabei zieht der Journalist und begeisterte Bergsteiger immer wieder Parallelen zu jenen, die ähnlich dachten und handelten wie Mc Candless. Hin und wieder streut Krakauer auch autobiographische Erlebnisse ein, denn auch er selbst hatte, als er in diesem Alter war, einiges mit Mc Candless gemeinsam, was wohl auch erklärt, weshalb gerade dieses Thema Krakauer nicht losgelassen hat.
"In die Wildnis" hätte man nicht besser schreiben können. Das Buch liest sich flüssig und ist spannender als jeder Roman, so dass man die 300 Seiten in Windeseile verschlungen hat. Mich persönlich hat bereits Krakauer's Everest-Drama "In eisige Höhen" sehr fasziniert und auch dieses Buch hat mich gefangen genommen und sehr gerührt.
Absolut empfehlenswert (nicht nur für Abenteuerfreaks)!
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am 17. Juni 2013
"So viele Leute sind unglücklich mit ihrem Leben und schaffen es trotzdem nicht, etwas an ihrer Situation zu ändern, weil sie total fixiert sind auf ein angepasstes Leben in Sicherheit, in dem möglichst alles gleich bleibt. (...) In Wirklichkeit wird die Abenteuerlust im Menschen jedoch am meisten durch eine gesicherte Zukunft gebremst. Leidenschaftliche Abenteuerlust ist die Quelle, aus der der Mensch die Kraft schöpft, sich dem Leben zu stellen. Freude empfinden wir nur, wenn wir neue Erfahrungen machen, und von daher gibt es kein größeres Glück als in einen immer wieder wechselnden Horizont blicken zu dürfen, an dem jeder Tag mit einer neuen, ganz anderen Sonne anbricht."

Der das schrieb, war ein 24jähriger Amerikaner namens Chris McCandless. 1968 in gutsituierten Verhältnissen geboren (sein Vater war Ingenieur bei der NASA), aufgewachsen in einem vornehmen Vorort von Washington, hervorragender Schüler und Student, zugleich ein guter Sportler, ließ er 1990, mit 22 Jahren, nach dem Universitätsabschluss plötzlich sein ganzes Leben hinter sich. Er spendete sein gesamtes Geld, fuhr mit seinem Auto in den Westen der USA, ließ es dort stehen und reiste zu Fuß und als Anhalter kreuz und quer durch das Land. Zwischendurch lebte er von schlecht bezahlten Aushilfsjobs. Im April 1992 begab er sich nach Alaska, wo er das ultimative Abenteuer erleben wollte. Im September 1992 wurde seine Leiche von Elchjägern im Wrack eines dort vor Jahrzehnten abgestellten Busses auf einer aufgegebenen unbefestigten Straße in der Wildnis gefunden - er war verhungert.

Chris McCandless wäre in Vergessenheit geraten, hätte nicht Jon Krakauer, der bekannte Publizist mit Spezialgebiet Bergsteigen und Outdoor-Abenteuer, sich seines Schicksals angenommen. Im Januar 1993 veröffentlichte er zunächst in einem amerikanischen Magazin eine fünfseitige Reportage über den ungewöhnlichen Aussteiger. Doch viele Leser reagierten ungehalten: Wer so unvorbereitet, naiv und ahnungslos in die Wildnis gehe, brauche sich nicht zu wundern, wenn er dort umkommt. Jon Krakauer recherchierte weiter, um seinem Helden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Er hatte Zweifel, ob dieser seinen Tod wirklich so leichtfertig herbeigeführt hatte. Immerhin hatte er 16 Wochen in der Wildnis überlebt, bis er starb. Und was trieb ihn überhaupt in das Innere Alaskas? Das Ergebnis dieser Spurensuche ist das vorliegende Buch.

Das Buch ist von Anfang bis Ende ein packender, ein mitreißender, ein aufwühlender Bericht. Sicher lebt es nicht zum geringen Teil von der Faszination, die der Westen der Vereinigten Staaten auf viele Menschen ausübt. Wobei der Autor diese Landschaften gar nicht beschreibt, sondern nur den Weg seines Helden durch diese Landschaften, was es dem Leser ermöglicht, seine eigenen Bilder, die er im Kopf hat, einzusetzen. Und ein Teil der Wirkung des Buchs beruht sicher auch darauf, dass Chris McCandless mit großem Mut und großer Konsequenz einen Traum verwirklicht hat, den viele Menschen träumen: Der Traum vom Ausbruch, von der Weite, von der Ferne, den Traum vom Aussteigen und vom Umherziehen. Nicht zuletzt aber lebt das Buch auch von der Persönlichkeit seines Helden: Chris McCandless war kein durchgeknallter Spinner, kein Hippie, kein weltfremder Träumer, sondern ein gebildeter Mensch, der gern Tolstoi und Jack London las, ein höflicher und kultivierter junger Mann, der die Einsamkeit suchte, aber durchaus auch sozial und gesellig sein konnte.

Der Autor rekonstruiert das Leben von Chris McCandless, indem er ihn selbst - das heißt seine Briefe und Tagebucheintragungen - ausführlich zitiert und indem er Bekannte und Weggefährten, die er aufgespürt hat, zu Wort kommen lässt. Hilfreich ist, dass der Weg des Helden des Buchs anhand von Karten nachvollziehbar wird. Interessant ist auch, dass der Autor, um seinen Helden besser beurteilen zu können, von ähnlichen Aussteigern der Vergangenheit berichtet und auch eigene Alaska-Erfahrungen einbaut. Lediglich ein paar Fotos von den Landschaften, um die es geht, wären schön gewesen. Aber man kann eben nicht alles haben.

Und warum ist Chris McCandless nun gestorben, obwohl er, wie der Autor zeigt, weder naiv noch leichtsinnig war und schon 16 Wochen in der Wildnis Alaskas überlebt hat? Die Antwort wird nicht verraten, der geneigte Leser dieser Rezension möge das Buch lesen.
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am 5. März 2003
das musste nicht zuletzt Chris McCandless auf seinem ausgedehnten Trip nach Alaska erfahren.
McCandless ist ein junger Mann, der nach dem Studium zu einer zweijährigen Reise quer durch den nordamerikanischen Kontinent aufbricht, um intensive Lebenserfahren zu sammeln und wahrscheinlich auch, um sich selbst zu finden. Soweit noch nichts besonderes.
Aber Krakauer stellt in seinem Buch schon sehr früh heraus, dass McCandless keiner der üblichen Tramper ist, die sich immer wieder am Rande Alaskas tummeln, sondern ein Mann mit großen Begabungen, scheinbar sowohl im interlektuellen als auch im zwischenmenschlichen Bereich. Warum kam er also um? Krakauer gibt natürlich die rationellen Gründe an, die wenigen, aber verhängnisvollen Fehler, die McCandless auf seiner Reise machte. Aber was viel interessanter ist, Krakauer versucht auch, die Motivation, die hinter McCandless' Verhalten stehen mag, zu ergründen und so das eigentlich wahnwitzige Unternehmen in ein anderes Licht zu rücken.
Wem Verhaltensweisen wie bei McCandless fremd und abartig erscheinen, der sollte sich das Buch sparen. Die Gründe, warum die Reise tödlich endete, liegen schnell auf der Hand und lassen sich mit Dummheit und Leichtsinn erklären. Wer aber hinter das Warum steigen möchte, dem bietet das Buch verschiedene sehr interessante Ansätze!
Ich fand das Buch alles in allem sehr interessant, obwohl mir der Mittelteil etwas langatmig erschien.
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am 16. September 2003
Eines muss man Jon Krakauer lassen. Er ist ein guter Geschichtenerzähler. Auch wenn ich persönlich kritisch gegenüber Krakauers Ansichten in "Into thin air" und seiner Einstellung zum Bergsteigen gegenüber stehe, muss ich ihm doch ein grosses Talent zum Erzählen fremder Geschichten attestieren.
In diesem Buch beschreibt er die Geschichte eines jungen Aussteigers, der allein und auf einfachste Art und Weise durch Amerika zieht und seinen Traum lebt. Krakauer gibt darin Aussagen und Erkenntnisse wieder, welche er bei seinen Recherchen gesammelt hat. Er tut dies in einer sehr spannenden und packenden Art. Er baut zwar keine künstliche Spannung auf, schafft es aber trotzdem, den Leser zu fesseln.
Einziger Negativpunkt ist die lange Schilderung seiner eigenen Erfahrung in Alaska, die meiner Meinung nach viel zu ausführlich geraten ist.
Alles in allem ein sehr gelungener Tatsachenbericht.
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am 12. Januar 2010
Ich bin vor Ewigkeiten auf die "In die Wildnis" Verfilmung von Sean Penn gestoßen und hab den Film wirklich lieben gelernt. Ich habe eine ganze Weile gehadert mir das Buch zu kaufen in der erwartung das entweder das Buch oder der Film schlechter ist...also das eine das andere Abwerten könnte. Habe mich dann aber, weil ich vorher schon "In eisige Höhen" gelesen habe und ziemlich begeistert war von Krakauers Schreibstil, dazu entschlossen es mir zuzulegen und die Wahl war gut.

Es ist am Anfang Gewöhnungsbedürftig das das Buch so distanziert geschrieben wirkt wohingegen der Film sofort Persönlich ist. Das wird aber dadurch geklärt das "Supertramp" sein eigenes Tagebuch auch schon in der 3ten person verfasst wurde.
Das Buch gibt rundum sehr viele zusätzliche Informationen die im Film natürlich verborgen bleiben und werfen ein sehr menschliches Licht auf den Protagonisten und seine Selbstreflektion.
Krakauer versteht es wirklich einen zu Fesseln, mit Informatonen
zu versorgen und die Dinge, trotzdem er vorwarnt Persönlich zu werden, immernoch Kritisch zu betrachten.

FAZIT: Das Buch lohnt sich Definitiv zu Lesen, es geht schnell von der Hand und ist auch für die die den Film kennen eine sehr gelungene Erweiterung der Sicht auf einen außergewöhnlichen jungen Mann und seine außergewöhnlichen Sichtweisen ohne zu verführen.
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am 10. März 2008
In "In die Wildnis" beschreibt John Krakauer die Geschichte von Chris "Alex Supertramp" McCandless. Dieser bricht, nachdem er das College absolviert und sein gesamtes Vermögen gespendet hat, zu einer Rucksackreise quer durch die USA auf. Er überlebt 14 Tage in der Wüste und geht später nach Alaska, um sein letztes großes Abenteuer zu erleben: den Sommer nur mit dem zu überstehen, was die Natur ihm bietet. Zuerst läuft alles gut, aber als ihm der Rückweg durch einen angestiegenen Fluss verbaut wird, stirbt er durch Unterernährung.
Das Buch ist solide geschrieben. Krakauer schildert Chris' familiären Background, rekonstruiert seine Reise und erzählt von Treffen mit Menschen, denen Chris in dieser Zeit begegnet ist und mit denen er sich angefreundet hat. Durch Tagebucheinträge und angestrichene Passagen in Büchern, versucht Krakauer Näheres über seine Persönlichkeit und Motive herauszufinden (zu seinen Lieblingsautoren gehörten u.a. Thoreau und Jack London).
Generell finde ich die Themen des Buches sehr faszinierend und tiefgreifend. Leider bin ich aber von Krakauers Umsetzung etwas enttäuscht. Einige Stellen sind zu ausufernd und werden langweilig. Durch diese muss man sich durchkämpfen. 50 Seiten weniger hätten das Buch sicher aufgewertet. Auch finde ich, dass er zu wenig auf philosophische Hintergründe eingeht, die bei McCandless sicher vorhanden waren (siehe z.B. Thoreau). Hier bleibt das Buch leider etwas oberflächlich. Positiv erwähnen möchte ich noch die vielen Zitate und Buchausschnitte, die man v.a. am Anfang jedes Kapitels findet. Hier lassen sich vielleicht noch einige Perlen ausgraben...Mein Fazit: wegen der beschriebenen "Mängel" 3(,5) Sterne.
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am 15. August 2013
Ein junger Mann zieht in die Wildniss, ziemlich unvorbereitet, und ueberlebt diese Abenteuer nicht. Ich war kurz nach dieser wahren Geschichte Austauschstudent in Alaska, und dort schuettelten viele den Kopf ueber die Naivitaet von Chris MacCandless (er hatte keine Karte, eine Bruecke in der Naehe haette in gerettet usw...) Warum dann aber der Erfolg und die Faszination fuer seine Geschichte?

Ich denke, Chris McCandless lebte genau das, von dem viele in ihren jungen Jahren traeumen. Diese verrueckte Alltagswelt hinter sich zu lassen in der nur Geld und Erfolg zaehlt, unabhaengig leben, nach Alaska und dort vom Land leben... In gewissem Sinne erkenne ich meine eigenen Jugendfantasien wieder, durch die nach Alaska kam, wenn auch "nur" als Student.

Am Ende hat McCandless eine Einsicht: "Happiness is only real when shared -- nur geteiltes Glueck ist wirkliches Glueck." Wir sind keine isolierten, unabhaengigen Wesen, die alleine und vergessen fuer sich in der Wildniss leben, wir sind Teil dieser Alltagswelt und brauchen sie, auch wenn sie uns noch so nervt.

Wie Krakauer in der Einleitung schreibt, McCandless haette genauso Alaska lebend verlassen koennen und wir haetten nie etwas von ihm gehoert. Er kam um, verhungerte, aber das Paradoxe ist, dass gerade dadurch seine Geschichte und seine Einsicht so viele Menschen in der Welt erreichen und faszinieren konnte.
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am 13. August 2012
Als ich mit meinem Bruder in der Videothek stand, habe ich den Vorschlag gemacht "Into the Wild" auszuleihen. Er fing plötzlich an von dem Film zu schwärmen, wie sehr ihm der Film gefallen hat und wie tiefgreifend der Film ist.
Dann habe ich mir erstmal gedacht, dass es sicherlich auch ein Buch über die Geschichte gibt, sodass ich dann auch auf das Taschenbuch von Jon Krakauer gekauft habe.
Ich wusste nicht viel über die Story, nur, dass ein wohlhabender Collegeabsolvent sein ganzes Vermögen der Wohlfahrt spendet und nur mit den Sachen, die er dabei hat, in die "Wildnis" stoßen will, in der er dann auch seinen Frieden findet und stirbt.
Dann fing ich an das Buch zu lesen, und war anfangs schon etwas skeptisch, da viel zwischen den Zeiten gesprungen wird und man dadurch leicht den Überblick verlieren kann.
Der Schreibstil ist solide, fesselt einen an diversen Stellen, kann aber auch ausufernd wirkend, was leicht die Lust am Lesen verdirbt.

Mir hat das Buch insgesamt nicht sehr zugesagt. Ich werde mir aber demnächst mal den Film anschauen, da dieser, auch wenn man das wohl nicht glauben kann, besser sein soll als das Buch.
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