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64 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Rehabilitation eines mutigen Träumers
Chris McCandless hat umgesetzt, was andere nur träumen. Der Traum von Ursprünglichkeit und Unverfälschtheit ist alt, und es gibt immer mehr, die ihn träumen. Das zeigt die Resonanz auf Buch und Film. Aber es gibt eben nur wenige, die ihn auch leben - mit aller Konsequenz. Und da wir ja alle täglich unsere Kompromisse schließen, stempeln wir...
Veröffentlicht am 23. März 2008 von Tom Sawyer

versus
27 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solides Buch über ein faszinierendes Thema - allerdings mit Längen
In "In die Wildnis" beschreibt John Krakauer die Geschichte von Chris "Alex Supertramp" McCandless. Dieser bricht, nachdem er das College absolviert und sein gesamtes Vermögen gespendet hat, zu einer Rucksackreise quer durch die USA auf. Er überlebt 14 Tage in der Wüste und geht später nach Alaska, um sein letztes großes Abenteuer zu erleben: den...
Veröffentlicht am 10. März 2008 von TK


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64 von 68 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Rehabilitation eines mutigen Träumers, 23. März 2008
Chris McCandless hat umgesetzt, was andere nur träumen. Der Traum von Ursprünglichkeit und Unverfälschtheit ist alt, und es gibt immer mehr, die ihn träumen. Das zeigt die Resonanz auf Buch und Film. Aber es gibt eben nur wenige, die ihn auch leben - mit aller Konsequenz. Und da wir ja alle täglich unsere Kompromisse schließen, stempeln wir so jemanden dann gerne als armen Irren ab. Denn schließlich müssen wir ja morgens wieder in den Spiegel sehen ...

Krakauer, versucht, Chris zu rehabilitieren. Es ist ihm ein Anliegen, ihn nicht als armen Irren, als sturen, ahnungslosen Romantiker abgestempelt zu sehen. Die Sehnsucht nach der Einfachheit und der Erhabenheit der Natur teilt und versteht er. Mit diesem Versuch gibt er gleichzeitig all jenen recht, die Chris, alias Alexander Supertramp, auf seiner Reise begegnet sind und ihn kennengelernt haben als einen liebevollen und intelligenten Menschen. Chris' Odyssee ist nicht abzutun als die Reise eines armen Irren, oder eines verwöhnten Vorstadtkindes, das keine Ahnung hat, wie man in der Natur überlebt. Im Gegenteil - Krakauer sagt es an einer Stelle im Buch ganz explizit - die vielen Hobbyjäger, die sich am Wochenende mit allerlei technischer Ausstattung in die "Wildnis" begeben, hätten vermutlich keine zwei Wochen ausgehalten. Chris' Geschichte ist die Geschichte einer Suche nach dem Wahren, Absoluten, nach dem eigenen Ich und dem richtigen Lebensentwurf. Das Schöne ist, das er am Ende all dies gefunden zu haben scheint.

Erstaunlich, wie viel man über Chris erfährt, wie viel Krakauer herausgefunden hat durch mühevolle Detailrecherche. Das ist gut geschrieben und wird nie langweilig. Auch wenn es nicht im eigentlichen Sinne spannend ist, so möchte man doch einfach mehr und besser verstehen, was ihn getrieben hat und vor allem, warum er am Ende viele so allein und ratlos zurücklässt. Am Ende gibt das Buch keine Antwort darauf. Das wäre auch anmaßend. Aber es gibt Hinweise und lädt ein zum Nachdenken.

Also dann: Lesen wir jetzt Jack London und Leo Tolstoi.
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71 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nach dem Schluss kommen die Pilger, 28. April 2009
Von 
Helga Kurz "Helga Kurz" (Stuttgart) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich habe ein glückliches Leben gelebt. Christopher Johnson McCandless

Rezension zu Buch und Film - und zur Filmmusik. Gedanken zu Chris McCandless.

Der Stampede Trail ist ein gekrümmter Pfad, der sich in der Taiga Alaskas von Osten nach Westen durch die fast menschenleere, hügelige Landschaft aus Sümpfen und lichten Fichtenwäldern zieht. Er ist stellenweise überwuchert und wird kaum genutzt. Die wenigen Menschen, die das tun, sind überwiegend Jäger und Trapper, gefolgt von Rangern, Wissenschaftlern und sehr selten, obwohl die Zivilisation nicht weit entfernt ist, von Abenteurern, Aussteigern auf Zeit, Naturliebhabern; letztere Spinner und Idioten eben, wie sie aburteilend und mitleidlos von den beinharten Alaskanern genannt werden. Seit einiger Zeit kommen auch Pilger. Aber davon später. Der Teklanika, ein Fluss, dessen Beschaffenheit bedingt durch Schneeschmelze stark variieren kann, zieht sich wie ein braunes Band durch die Gegend. Ihn zu überqueren, ist zuweilen der gefährlichste Part auf dem Fußweg zum Bus. Abweisend und fremdschön ist die Landschaft, die sich selbst genug ist. Etwas - der Form und Farben nach - eindeutig von Menschenhand Geschaffenes duckt sich auf einer Lichtung nahe des Wegs, auf der Höhe des Sushana River: eine Busruine, die, ihrer verwitterten Aufschrift nach, in den 1940er-Jahren Teil des öffentlichen Verkehrsystems von Fairbanks war und in der Innenstadt verkehrte. Der Bus mit der Nummer 142 hat seine letzte Fahrt schon lange hinter sich gebracht und dient seit Jahrzehnten den wenigen Vorbeikommenden als behelfsmäßiger Unterschlupf. Ein skurriles Ding, das an dieser surrealen Haltestelle wie das Artefakt einer untergegangenen Kultur wirkt.

Wie kam der Omnibus in die Wildnis und warum trägt er so sehr zur Faszination von Buch und Film bei? Jon Krakauers Geschichte über dieses einstige Fahrzeug ist eingebettet in eine übergeordnete Geschichte. Es ist die Geschichte eines am Ende kompromisslosen, intensiven und kurzen Lebens, eine Recherche über die letzten beiden Jahre im Leben des Chris McCandless, eines jungen, begabten, gebildeten, privilegierten, sportlichen, gesunden, geliebten und lebenshungrigen Nordamerikaners, dem für eine kleine Weile die ganze Welt offen stand und der sich ein gutes Stück davon einverleibte, bevor er, nachdem er noch nicht einmal ein Vierteljahrhundert gelebt hatte, 1992 in diesem Buswrack, in seinem "Magic-Bus" verhungerte, allein und vielleicht einsam. Es ist aber auch eine Geschichte über einige Menschen, die er auf seiner Odyssee traf und die sich noch heute seine Freunde nennen, über seine Eltern und Schwester und ganz bestimmt auch eine Geschichte, die Jon Krakauer fasziniert und betroffen macht. Und bei allem Respekt für das Leid der Menschen, die diesen jungen Mann lieben und vermissen, ist "Into the Wild" auch ein fantastisches amerikanisches Roadmovie, das bei ganz unterschiedlichen Menschen ein Ziehen in der Magengegend auslösen kann, man kann es "Go-West-Syndrom" oder in diesem Fall "Go-North-Syndrom" nennen. Sean Penn wiederum erlag zuerst dem Bild des tiefverschneiten Busses und anschließend der Faszination der Story und hat sie, als er es endlich durfte, ambitioniert und liebevoll verfilmt. Leider bedeutet die Verfilmung für ein Buch stets, dass die Umschlaggestaltung für alle Zeiten von Bildern des Films dominiert wird. Eine leidige, leider erfolgreiche Marketingunsitte, der wir auch den unsterblichen Satz "Das Buch zum Film" zu verdanken haben. Alaska im Frühling und der echte Omnibus sind seit der Existenz des Films vom Umschlag verschwunden.

Jon Krakauer also hat den Bestseller geschrieben, getrieben von dem Wunsch, die letzten beiden Jahre von Chris "Alex Supertramp" McCandless zu rekonstruieren und den jungen Mann, dessen Verhalten in den Medien überwiegend negativ dargestellt wird, vorsichtig zu rehabilitieren. Sean Penn, selbst ein Suchender, Getriebener, war von der Lektüre so angetan, dass er rund ein Jahrzehnt dafür kämpfte, die Geschichte verfilmen zu dürfen. Eddie Vedder, der Frontmann von Pearl Jam, wiederum textete, komponierte und sang dem Film die Musik auf dem Leib, ein Sound, der anders klingt, als das, was man sonst von ihm zu hören gewohnt ist. ("guaranteed", der herausragende letzte Song auf der CD sollte man ruhig eine Weile in die Stille laufen lassen - es lohnt sich, nicht gleich auszuschalten!)

Was immer man über das Buch, dem Film, der auf dem Buch basiert (!) und zur Musik zum Film anmerken möchte - eines muss man den drei Männern uneingeschränkt zugestehen: sie wollten Chris "Alex Supertramp" McCandless, den sie nie kennengelernt haben, unbedingt gerecht werden. Warum? "Alex Supertramp" geisterte auch durch ihre Jugend und sucht sie vielleicht von Zeit zu Zeit immer noch heim. Eddie Vedder drückt es in einem auf der DVD zur Verfügung stehenden Interview sinngemäß so aus: "Ich habe die Musik parallel zum Film, zu dieser Geschichte geschrieben und unterlag dadurch vielen Einschränkungen, die mich aber nicht einengten. Es macht mir fast Angst, wie gut ich Chris verstehe. Zuerst war ich frustriert, weil ich dachte, das läge alles hinter mir, das hätte ich mit meiner Musik, meiner Kunst, mit meiner Art zu leben verarbeitet. Jetzt musste ich feststellen, dass es unter der Oberfläche immer noch da ist." Wie Chris McCandless stammt Eddie Vedder aus einer Familie, deren Fundament aus gewichtigen Lebenslügen bestand. Die Filmmusik hat er nicht "Alex Supertramp" gewidmet, wohl aber Christopher J. McCandless.

Jon Krakauer lässt in das Buch, das eigentlich eine lange Reportage und der Versuch einer Charakterstudie ist, Geschichten anderer Abenteurer und eigene Erlebnisse aus seiner Jugend einfließen. Auch er hatte, als er ungefähr in Chris' Alter war, sein Alaska-Abenteuer. Er ist fest davon überzeugt, dass er ebenfalls als geistesgestört und selbstmordgefährdet eingestuft worden wäre, wenn er auf diesem Trip ums Leben gekommen wäre. Aus seiner Sympathie und seinem Verständnis für "Alex Supertramp" macht er kein Geheimnis, berichtet jedoch auch über Erkenntnisse, die Chris McCandless nicht nur im strahlenden Licht zeigen. Der junge Mann hatte durchaus seine negativen Seiten, mit denen er bei manchen Leuten aneckte. Allerdings schien diese gewollt einsame Gestalt es zu schaffen, bei anderen Menschen versteinerte Gefühle in Bewegung zu bringen und ist deshalb so eindrucksvoll in deren Erinnerungen präsent. In Penns Film ist Chris eine Lichtgestalt ohne Fehl und Tadel, dargestellt mit Haut und Haaren von einem sehr sympathischen Jungen auf der Schwelle zum Mann: Emile Hirsch. Alle Charaktere sind sorgfältig ausgesucht, das ist nicht nur so dahergesagt. In diesem Film steckt Herzblut, im Buch auch. (Hirschs Kajaktrainer Brian Dierker in der ersten Filmrolle seines Lebens als "Rainey" ist ein reines Vergnügen). Die 37 Orte (!) (etliche Namen lassen Amerikasüchtige das Herz höher schlagen) nebst passenden Jahreszeiten, in denen Chris McCandless nachweislich dort war, werden im Film real gezeigt. Nur der "magische" Bus ist nicht echt und ein, von kleinen Abweichungen abgesehen, zusammengeschweißtes Meisterwerk der Nachbildung, geformt aus mehreren anderen Streamlinern dieser Baureihe, die in unterschiedlichen, aber ausnahmslos schlechten Erhaltungsformen auf den Schrottplätzen von Fairbanks ruhten. Gedreht wurde auch an einem anderen Standort, aber ebenfalls am Rand des Denali-Nationalparks, weil Penn aus Respekt für alle McCandless' an Chris' Sterbeort nicht drehen wollte - und vielleicht auch, weil die Landschaft dort weniger spektakulär ist. Denn schon allein die Naturaufnahmen, wie die des unnahbaren Mount McKinley, unterlegt mit Eddie Vedders so passender Musik, heben den Film weit aus der Masse heraus und machen ihn besonders sehenswert. Doch der seltsame Held wird uns nach Lektüre und Film nicht vertrauter. Besonders letzterer trägt zur Legendenbildung bei. Hollywood ist und bleibt auch in seinen besten Werken wie in diesem, das National-Geographies-Bildniveau erreicht, dennoch der ultimative Mythenmacher der westlichen Hemisphäre und so lässt Penn dann doch einiges weg, was der Glorifizierung von Chris McCandless schaden könnte. So zum Beispiel seinen an den Bus gehefteten schriftlichen Hilferuf gegen Ende seines Lebens, der nachweislich existiert. Er richtet sich an eventuell Vorbeikommende, ist klar formuliert und mit dem Namen unterschrieben, den seine Eltern ihm gaben. Er legt nahe, dass der Mann bereit war, zurückzukehren, es aber aus eigener Kraft nicht mehr schaffte. Aus Leichtsinn und Ignoranz, wie die Einheimischen kopfschüttelnd sagen. Chris McCandless, der die intellektuellen Fähigkeiten dazu besaß, hätte vermutlich auch in der Zukunft keine konventionelle Geldscheffel-Karriere angestrebt (er hielt "Karrieren" für eine schlechte Erfindung unserer Zeit), aber Amerika ist immer noch groß, leer und weit; er hätte seine Nische finden können und wusste das sicher auch. In Buch und Film gibt es voneinander abweichende tödlich verlaufende Vergiftungstheorien durch Pflanzen, die beide von Wissenschaftlern der University of Alaska als absolut haltlos abgetan werden. Sie beharren darauf, dass der Tod des Mannes schlicht durch schleichendes Verhungern eintrat. In seinem Körper, der bei der Autopsie keine Spur von Fett mehr aufwies, fanden sie weder Spuren von Toxinen, noch von Alkaloiden. Der Tote wog nur noch rund 30 kg.

Neben Chris McCandless' Leiche fanden sich "kryptische" Aufschriebe und Notizen und einige Taschenbücher mit unterstrichenen Passagen (London, Thoreau, Walden, Tolstoi), die sich überwiegend mit philosophischen Betrachtungen der Natur und dem Prozess der Selbstfindung beschäftigen. Die aus seiner Kamera gewonnen Bilder zeigen viele Selbstportraits, strahlende Gesichter eines lachenden Mannes, der sich wohlzufühlen scheint. Eine der Aufnahmen, er sitzend vor dem Bus und in die Kamera lächelnd, hat Kultstatus (mit all' seinen Auswüchsen) erreicht. Es ist das einzige Bild, das auch Jon Krakauers Buch zeigt. Bei einem Reportagenroman wünsche ich mir jedoch einen Bildteil und vor allem auch mehr Originaltext aus den Aufzeichnungen, die, da nicht sehr umfangreich, durchaus in einem Anhang gepasst hätten. Aber die Tiefen des Internets helfen auch in diesem Fall, sich eine Fülle von Informationen weit über die Lektüre hinaus zu beschaffen, Bilder und Filmaufnahmen eingeschlossen. Es gibt etliche Filmchen von Leuten aus aller Welt, die ihren Trip zum "Magic-Bus" dokumentiert und öffentlich zugänglich gemacht haben. Es gibt ganze Bilderserien von Ausflügen zum Ort des Sterbens von "Alex Supertramp". Das Internet offenbart, dass es auf der ganzen Welt Menschen gibt, für die dieser Mann zum Held und der Besuch des Busses zur Wallfahrt, zur Pilgerreise wurde. Manche kommen vermutlich aus reiner Neugier, und das Bild vor dem Bus darf als Trophäe nie fehlen. Wie die Einheimischen über diese Leute denken, lässt sich leicht ausmalen. Einer der Elchjäger, der dabei half, die Leiche zu bergen, drückte es wiederholt so aus: "Es ist nichts anderes als ein alter Bus und wenn er ein Held ist, dann ist er ein toter Held." Das Recherchieren zu diesem Fall löst zwiespältige Gefühle aus. Eins ist sicher: diese Geschichte bewegt viele Menschen seit langer Zeit. Details werden diskutiert, Theorien aufgestellt und verworfen. Beispiel: hatte er eine Landkarte oder doch nicht? Schönste Theorie: er hatte keine, denn dann wäre es für ihn so gewesen, wie wenn das Land noch jungfräulich gewesen, nie vermessen worden wäre. Was würde Chris McCandless, der die rasante Entwicklung des Internets für die Massen nicht mehr erlebt hat, zu alledem meinen? Hätte er dieses Buch, diesen Film, beide kommerziell erfolgreich, gewollt? So gewollt? Hätte er überlebt, dann hätte er uns die Geschichte seiner Reisen durch Amerika vielleicht selbst einmal erzählt, aber wir hätten vielleicht gar nicht zugehört. Doch Chris McCandless ist verschwunden. Was geblieben ist, ist jener reizvoll deplazierte Bus in der Wildnis. Meine Meinung über ihn deckt sich nicht mit der des bodenständigen Elchjägers. Ich verstehe seine Anziehungskraft. Einst fuhr er durch die Straßen unserer Zivilisation, war laut, verpestete die Luft und beförderte eine Menge von Leuten, die nicht selten frierend und müde an den Haltestellen auf ihn warteten. Heute ist er ein Außenposten der Zivilisation und beherbergt manchmal Menschen, die durchaus für eine Weile auf eine Menge ihrer Annehmlichkeiten verzichten können. Und er war der Schauplatz eines einsamen Sterbens und ist der von Neugier und wie auch immer gearteter Heldenverehrung oder wie man das nennen will. Er ist ein Ort, der viele und wenige Menschen beherbergte. Und oft gar keine. Könnte man seine Vergangenheit bis zur Gegenwart hörbar machen, was würde man in dieser verrottenden Hülle erfahren, hören? Welche Gedanken wurden hier gedacht? Wir werden es niemals wissen. Nur eins ist sicher. Meist ist "Magic-Bus", der die Faszination des Unbelebten mit belebter Vergangenheit besitzt, ein sehr stiller Ort. Ein Ort, der sein Wissen über Chris McCandless auch um den Preis, totfotografiert und -gefilmt zu werden, nicht preisgibt. Garantiert nicht.

Helga Kurz, April 2009
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schwer zu fassen..., 7. April 2008
...ist die Geschichte von Chris McCandless. Der junge Mann schießt ein geregeltes Leben in den Wind, trampt kreuz und quer durch Amerika und verliert sein Lebensziel nicht aus den Augen: In Alaska, weit ab von der Zivilisation, nur mit den Resourcen der Natur, zu überleben.

McCandless schafft es tatsächlich bis Fairbanks und begibt sich dor auf den Stampede Trail. In einem alten, verrotteten Bus, seltsamerweise nicht so weit von der Zivilisation entfernt, wie er es sich vorgenommen hatte, verhungert McCandless und lässt eine ganze Reihe von Menschen zurück, die sich im Nachhinein fragen: Wie konnte das passieren? Und: Wer war dieser Chris McCandless eigentlich?

Seit McCandless Tod 1992 kommt die Diskussion über den Tod des jungen Amerikaners nicht zum Stilltand. War McCandless ein verträumter Dummkopf, der fürs Überleben in der Wildnis völlig ungeeignet war? Oder steckt doch mehr hinter dem Wunsch, sich der Zivilisation zu entziehen? Was waren die genauen Umstände seines Todes? Und wie soll man den Charkakter dieses seltsamen Zeitgenossen erklären?

Fragen über Fragen, an deren Beantwortung sich Jon Krakauer macht. Krakauer, ein hervorragender Kolumnist, Bergsteiger und Beobachter, recherchiert in seiner eigenen, unverwechselbaren Art und Weise, im Leben des Chris McCandless. Dabei bringt er Überraschendes wie Banales zum Vorschein. -In die Wildnis- ist dabei nicht so atemberaubend und spannend, wie zum Beispiel Krakauers -In eisigen Höhen- geraten. Vielmehr ist es eine detaillierte Studie über einen jungen Menschen, der völlig abseits der normalen Wege unserer Welt versucht hat voranzukommen. Der dilletantische Fehler beging und magische Momente erlebte, wenn er in der Wildnis Thoreau oder Pasternak las. Auch Krakauer kann das Geheimnis um McCandless letztendlich nicht völlig lösen. Aber er bietet Ansätze und Denkanstöße, die hochinteressant sind.

-In die Wildnis- ist momentan vor allem durch Sean Penns Verfilmung des Stoffs in aller Munde. Das Buch Krakauers erinnert uns daran, dass unser Leben manchmal an einem seidenen Faden hängt. Das man versucht, etwas zu erleben und dafür mit dem eigenen Leben bezahlt. Eindrucksvoll geschrieben und gut zu lesen.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Seltsamer Einstieg in einen seltsamen Austieg, 12. Januar 2010
Ich bin vor Ewigkeiten auf die "In die Wildnis" Verfilmung von Sean Penn gestoßen und hab den Film wirklich lieben gelernt. Ich habe eine ganze Weile gehadert mir das Buch zu kaufen in der erwartung das entweder das Buch oder der Film schlechter ist...also das eine das andere Abwerten könnte. Habe mich dann aber, weil ich vorher schon "In eisige Höhen" gelesen habe und ziemlich begeistert war von Krakauers Schreibstil, dazu entschlossen es mir zuzulegen und die Wahl war gut.

Es ist am Anfang Gewöhnungsbedürftig das das Buch so distanziert geschrieben wirkt wohingegen der Film sofort Persönlich ist. Das wird aber dadurch geklärt das "Supertramp" sein eigenes Tagebuch auch schon in der 3ten person verfasst wurde.
Das Buch gibt rundum sehr viele zusätzliche Informationen die im Film natürlich verborgen bleiben und werfen ein sehr menschliches Licht auf den Protagonisten und seine Selbstreflektion.
Krakauer versteht es wirklich einen zu Fesseln, mit Informatonen
zu versorgen und die Dinge, trotzdem er vorwarnt Persönlich zu werden, immernoch Kritisch zu betrachten.

FAZIT: Das Buch lohnt sich Definitiv zu Lesen, es geht schnell von der Hand und ist auch für die die den Film kennen eine sehr gelungene Erweiterung der Sicht auf einen außergewöhnlichen jungen Mann und seine außergewöhnlichen Sichtweisen ohne zu verführen.
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27 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Solides Buch über ein faszinierendes Thema - allerdings mit Längen, 10. März 2008
In "In die Wildnis" beschreibt John Krakauer die Geschichte von Chris "Alex Supertramp" McCandless. Dieser bricht, nachdem er das College absolviert und sein gesamtes Vermögen gespendet hat, zu einer Rucksackreise quer durch die USA auf. Er überlebt 14 Tage in der Wüste und geht später nach Alaska, um sein letztes großes Abenteuer zu erleben: den Sommer nur mit dem zu überstehen, was die Natur ihm bietet. Zuerst läuft alles gut, aber als ihm der Rückweg durch einen angestiegenen Fluss verbaut wird, stirbt er durch Unterernährung.
Das Buch ist solide geschrieben. Krakauer schildert Chris' familiären Background, rekonstruiert seine Reise und erzählt von Treffen mit Menschen, denen Chris in dieser Zeit begegnet ist und mit denen er sich angefreundet hat. Durch Tagebucheinträge und angestrichene Passagen in Büchern, versucht Krakauer Näheres über seine Persönlichkeit und Motive herauszufinden (zu seinen Lieblingsautoren gehörten u.a. Thoreau und Jack London).
Generell finde ich die Themen des Buches sehr faszinierend und tiefgreifend. Leider bin ich aber von Krakauers Umsetzung etwas enttäuscht. Einige Stellen sind zu ausufernd und werden langweilig. Durch diese muss man sich durchkämpfen. 50 Seiten weniger hätten das Buch sicher aufgewertet. Auch finde ich, dass er zu wenig auf philosophische Hintergründe eingeht, die bei McCandless sicher vorhanden waren (siehe z.B. Thoreau). Hier bleibt das Buch leider etwas oberflächlich. Positiv erwähnen möchte ich noch die vielen Zitate und Buchausschnitte, die man v.a. am Anfang jedes Kapitels findet. Hier lassen sich vielleicht noch einige Perlen ausgraben...Mein Fazit: wegen der beschriebenen "Mängel" 3(,5) Sterne.
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Rebell in der Einsamkeit, 28. Mai 2001
Von Ein Kunde
Wie viele von uns träumten in den wilden, sturmgepeitschten Jahren nach der Pubertät vom Ausstieg aus der Zwangsjacke bürgerlicher Verhaltens-normen und Wertvorstellungen. Der Rebell in uns wollte alles ganz anders machen, niemals werden wie die Eltern. Doch wie viele haben einen wirk-lichen Ausstieg gewagt ? Haben sie ihr Glück gefunden und vor allem, wel-chen Preis haben sie bezahlt ? Christopher Johnson McCandless, der 20jährige Sprößling einer gutsituier-ten Familie aus einem reichen Vorort von Washington D. C., beendet im Sommer 1990 die Universität mit ausgezeichneten Ergebnissen. Dieser jun-ge Intellektuelle bricht rigoros mit der Vergangenheit, spendet seine Erspar-nisse von 24 000 Dollar der Wohlfahrt und tritt einen langen und entbeh-rungsreichen Weg nach Alaska an. In der unendlichen Weite dieses Landes, seiner wildromantisch-trügerischen Idylle und Unerbittlichkeit gegen Ein-dringlinge, die ihm nicht gewachsen sind, sucht Alexander Supertramp, wie er sich inzwischen nennt, die Gefahr. Er gibt sich keineswegs der Illusion hin, das Paradies zu finden. Es ist die Herausforderung, mit den Widernis-sen des Lebens fern jeglicher Zivilisation fertig zu werden, die den jungen Wilden unaufhörlich treibt. Entbrannt für den russischen Romancier Lew Tolstoi und gefesselt von dessen Werken, seiner Askese und selbstaufer-legten ethischen Grundsätzen, macht sich McCandless dessen Lebens-philosophie zu eigen. Nicht selten arbeitet er auf den Stationen seiner weiten Reise durch den amerikanischen Mittelwesten bis hin nach Fairbanks nahe des nördlichen Polarkreises. Er brutzelt Hamburger und plagt sich in einem Getreidesilo. Erfahrene, warmherzige Menschen kreuzen seinen Weg, geben Rat und bieten Hilfe. Er meldet sich später bei ihnen auch - niemals aber bei seinen Eltern. Überall, wo der sympathische Junge auftaucht, hinterlässt er neben der freundlichen Erinnerung auch Kopfschütteln, man hält ihn für versponnen, leidenschaftlich und weltfremd. Nach zwei Jahren ist der jugendliche Tramp am Ende seiner Odyssee, in Fairbanks. Im April 1992 bricht Chris, ausgestattet mit einer Pistole und fünf Kilo Reis, in die Wildnis nördlich des vergletscherten Mount McKinley auf. Vier Monate später finden sechs Alaskaner den völlig ausgezehrten Leichnam eines jungen Mannes, der scheinbar einvernehmlich mit sich und der Natur aus dem Leben gehen mußte. Er hatte seinen Traum von Freiheit gelebt. Jon Krakauer, ein Mittvierziger aus Seattle, weltweit bekannt durch seine Mt. Everest-Reportage "In eisige Höhen", war vom Schicksal dieses jungen Mannes emotional sehr berührt. Entdeckte er doch selbst Parallelen zu Chris McCandless, über die er in seinem 1997 in Deutschland erschienenen Taschenbuch ganz offen schreibt. Es entstand nach einem 1993 in der Zeitschrift "Outside" veröffentlichten Artikel. Auf 302 Seiten verfolgt Krakauer anhand von Tagebuchaufzeichnungen, Postkarten und Interviews dokumentarisch Chris McCandless' Weg in dessen Freiheit. Einfühlsam schildert der Extremsportler Krakauer, wie sich Alex Supertramp gefühlt haben könnte, als der Hungertod nach ihm griff. Chris wollte ein wenig Jack London, Mark Twain und Lew Tolstoi sein. Er war es wohl auch. Mit Sicherheit ist ein wenig von ihm auch in uns. Leicht und unbeschwert ist die Lektüre nicht, sie fesselt, macht beklommen und traurig. "In die Wildnis. Allein nach Alaska" wirbt für Verständnis für jene, die andere Wege gehen. Schon deswegen lohnt es sich, das Buch zu lesen.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verdientes Denkmal für einen außergewöhnlichen Aussteiger, 9. November 2008
Zu den bedeutendsten traditionellen Werten der amerikanischen Nationalidentität gehört die Freiheit - Freiheit in dem Sinne, dass man sein Leben ohne Einmischung höherer Instanzen gestalten kann, wie es einem gefällt. Das kann die Freiheit bedeuten, schnell reich zu werden. Oder aber auch sich die Freiheit zu nehmen, aus der Enge des Materialismus auszusteigen. Zu denen, die letzteres radikal vollzogen haben, gehört Chris McCandless. Gleich nach seinem Studium brach der junge und mit vielen Talenten gesegnete Bursche mit seinem gesellschaftlichen und familiären Umfeld und zog sich fortan ohne ein Wort des Abschieds in ein asketisches Leben in totaler Autonomie als "Alexander Supertramp" zurück. 1992 fand man seine Leiche in einem ausrangierten Bus in der Wildnis Alaskas, in der er an Hunger und Auszehrung verstarb.

Der Fall erregte in den USA einiges Aufsehen und motivierte den Journalisten Jon Krakauer zu einer Spurensuche durch McCandless` Leben. Sein Buch "In die Wildnis: Allein nach Alaska" zeichnet ein intimes Porträt dieses außergewöhnlichen jungen Menschen und nimmt den Leser mit auf dessen spannende Pilgerreise quer durch den nordamerikanischen Kontinent. Krakauer erhellt, worin McCandless spirituelle Suche bestand und reflektiert jene biographischen Wurzeln, in denen sein Wanderschicksal vorherbestimmt scheint. Das Charisma McCandless` gibt der Autor derart überzeugend wieder, dass sich der Leser auch im Nachhinein diesem nicht zu entziehen vermag und dadurch besser seine Wirkung auf jene Menschen versteht, die seinen Weg kreuzten. Krakauers kriminalistische Recherche deckt dabei die Tragik in McCandless' Tod auf, der auf einen Fehler zurückzuführen ist, dem auch einem erfahrenen Waldgänger hätte unterlaufen können. Damit wiederfährt ihm endlich Gerechtigkeit gegen die Vorverurteilungen als Geistesgestörter, Dilettant und Selbstmörder. Krakauer kommt zu dem Schluss, dass McCandless letztendlich an seinem enormen Selbstbewusstsein gescheitert ist, das in gefährlicher Überschätzung seiner tatsächlichen Möglichkeiten und Kräfte in Hybris umschlug.

Die Reaktionen auf McCandless Geschichte polarisieren zwischen Bewunderung und Ablehnung. Während die einen gedacht haben, bei dem sind ein paar Schrauben locker", weckt er bei anderen trotz des tödlichen Ausgang seines Weges Bewunderung für seinen Versuch, nur von dem zu leben, was die Natur hergibt: "Ich wette, von denen, die McCandless als unfähig verschreien, hat es kaum einer versucht ... die meisten Leute haben keine Ahnung, wie schwierig das in Wirklichkeit ist. Und McCandless hat es beinahe hingekriegt.", zitiert Krakauer einen Biologen aus Alaska.

Der Rezensent selbst bleibt ratlos und betroffen zurück und weiß nach der Lektüre nicht, was er von McCandless halten soll. Ist McCandless für die Verwirklichung seiner Träume zu weit gegangen? War er zu rücksichtslos gegen sich und andere, als dass er als Vorbild dienen könnte, wie wir unsere eigenen Träume verwirklichen sollen?

Wie auch immer, Krakauer hat Chris McCandless ein verdientes Denkmal gesetzt und ihn eingeordnet in die lange Tradition amerikanischer Aussteiger, seit die Frontiers auf der Flucht vor dem Vormarsch der amerikanischen Zivilisation Stück für Stück nach Westen zogen. Wer Sehnsucht auf einen Trip "In die Wildnis" hat, gewinnt mit Krakauers Buch einen anschaulichen und harten Einblick darüber, was von einem Menschen dafür abverlangt wird.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Packend, 17. Juni 2013
"So viele Leute sind unglücklich mit ihrem Leben und schaffen es trotzdem nicht, etwas an ihrer Situation zu ändern, weil sie total fixiert sind auf ein angepasstes Leben in Sicherheit, in dem möglichst alles gleich bleibt. (...) In Wirklichkeit wird die Abenteuerlust im Menschen jedoch am meisten durch eine gesicherte Zukunft gebremst. Leidenschaftliche Abenteuerlust ist die Quelle, aus der der Mensch die Kraft schöpft, sich dem Leben zu stellen. Freude empfinden wir nur, wenn wir neue Erfahrungen machen, und von daher gibt es kein größeres Glück als in einen immer wieder wechselnden Horizont blicken zu dürfen, an dem jeder Tag mit einer neuen, ganz anderen Sonne anbricht."

Der das schrieb, war ein 24jähriger Amerikaner namens Chris McCandless. 1968 in gutsituierten Verhältnissen geboren (sein Vater war Ingenieur bei der NASA), aufgewachsen in einem vornehmen Vorort von Washington, hervorragender Schüler und Student, zugleich ein guter Sportler, ließ er 1990, mit 22 Jahren, nach dem Universitätsabschluss plötzlich sein ganzes Leben hinter sich. Er spendete sein gesamtes Geld, fuhr mit seinem Auto in den Westen der USA, ließ es dort stehen und reiste zu Fuß und als Anhalter kreuz und quer durch das Land. Zwischendurch lebte er von schlecht bezahlten Aushilfsjobs. Im April 1992 begab er sich nach Alaska, wo er das ultimative Abenteuer erleben wollte. Im September 1992 wurde seine Leiche von Elchjägern im Wrack eines dort vor Jahrzehnten abgestellten Busses auf einer aufgegebenen unbefestigten Straße in der Wildnis gefunden - er war verhungert.

Chris McCandless wäre in Vergessenheit geraten, hätte nicht Jon Krakauer, der bekannte Publizist mit Spezialgebiet Bergsteigen und Outdoor-Abenteuer, sich seines Schicksals angenommen. Im Januar 1993 veröffentlichte er zunächst in einem amerikanischen Magazin eine fünfseitige Reportage über den ungewöhnlichen Aussteiger. Doch viele Leser reagierten ungehalten: Wer so unvorbereitet, naiv und ahnungslos in die Wildnis gehe, brauche sich nicht zu wundern, wenn er dort umkommt. Jon Krakauer recherchierte weiter, um seinem Helden Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Er hatte Zweifel, ob dieser seinen Tod wirklich so leichtfertig herbeigeführt hatte. Immerhin hatte er 16 Wochen in der Wildnis überlebt, bis er starb. Und was trieb ihn überhaupt in das Innere Alaskas? Das Ergebnis dieser Spurensuche ist das vorliegende Buch.

Das Buch ist von Anfang bis Ende ein packender, ein mitreißender, ein aufwühlender Bericht. Sicher lebt es nicht zum geringen Teil von der Faszination, die der Westen der Vereinigten Staaten auf viele Menschen ausübt. Wobei der Autor diese Landschaften gar nicht beschreibt, sondern nur den Weg seines Helden durch diese Landschaften, was es dem Leser ermöglicht, seine eigenen Bilder, die er im Kopf hat, einzusetzen. Und ein Teil der Wirkung des Buchs beruht sicher auch darauf, dass Chris McCandless mit großem Mut und großer Konsequenz einen Traum verwirklicht hat, den viele Menschen träumen: Der Traum vom Ausbruch, von der Weite, von der Ferne, den Traum vom Aussteigen und vom Umherziehen. Nicht zuletzt aber lebt das Buch auch von der Persönlichkeit seines Helden: Chris McCandless war kein durchgeknallter Spinner, kein Hippie, kein weltfremder Träumer, sondern ein gebildeter Mensch, der gern Tolstoi und Jack London las, ein höflicher und kultivierter junger Mann, der die Einsamkeit suchte, aber durchaus auch sozial und gesellig sein konnte.

Der Autor rekonstruiert das Leben von Chris McCandless, indem er ihn selbst - das heißt seine Briefe und Tagebucheintragungen - ausführlich zitiert und indem er Bekannte und Weggefährten, die er aufgespürt hat, zu Wort kommen lässt. Hilfreich ist, dass der Weg des Helden des Buchs anhand von Karten nachvollziehbar wird. Interessant ist auch, dass der Autor, um seinen Helden besser beurteilen zu können, von ähnlichen Aussteigern der Vergangenheit berichtet und auch eigene Alaska-Erfahrungen einbaut. Lediglich ein paar Fotos von den Landschaften, um die es geht, wären schön gewesen. Aber man kann eben nicht alles haben.

Und warum ist Chris McCandless nun gestorben, obwohl er, wie der Autor zeigt, weder naiv noch leichtsinnig war und schon 16 Wochen in der Wildnis Alaskas überlebt hat? Die Antwort wird nicht verraten, der geneigte Leser dieser Rezension möge das Buch lesen.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Happiness is shared", 13. Februar 2008
Von 
Colleen - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Mit "In die Wildnis" erzählt Jon Krakauer anhand von Tagebucheinträgen, Postkarten und Gesprächen die Lebensgeschichte des jungen Amerikaners Chris McCandless, der von einem vollkommen unabhängigen Leben in purer Freiheit und ohne die lästigen Verpflichtungen des Alltags träumt. Er will einfach einmal richtig LEBEN - und das im Einklang mit der Natur.
Chris reist bzw. trampt von 1990 bis 1992 unter dem Namen "Alexander Supertramp" durch die USA und Mexiko und lässt die Eltern sowie seine jüngere Schwester Carine damit tief besorgt (und ohne jede Nachricht) zurück. Obwohl Chris zeitweise auch mit dem Gedanken spielt, sein Vagabundenleben aufzugeben und sich in Carthage (eine kleine Provinz, von der er aufgrund ihrer Einfachheit sehr angetan ist) niederzulassen, treibt ihn sein ruheloser Geist und eine unstillbare Sehnsucht immer wieder auf eine rastlose Suche und letztendliche in die unbarmherzige und zugleich wunderschöne Wildnis Alaskas.
In dem Buch sind außerdem Ausschnitte aus Landkarten abgedruckt, so dass man den Weg von Chris gut nachvollziehen kann.
Inmitten des Buchs widmet der Autor zwei Kapitel seiner eigenen Extremtour, die ihn als dreiundzwanzigjährigen zu der Besteigung des Devil's Thumb (Alaska) trieb. Ich hatte diesen Teil des Buchs vorerst ausgelassen, da ich viel zu sehr daran interessiert war, mehr über Chris zu erfahren. Aber als ich den Abschnitt über Jon Krakauers Jugend im Nachhinein las, musste ich mir eingestehen, dass es doch sehr interessant und aufschllussreich war.
Aber um wieder auf die eigentlich Geschichte zurückzukommen: Das traurige Ende von "In die Wildnis" lässt einen beklommen und mit so einigen unbeantworteten Fragen zurück. Als ich den Epilog und die letzte Seite des Buches gelesen hatte, standen mir die Tränen in den Augen und ich fühlte mich ziemlich elend. Es ist bewegend und herzzerreißend zugleich die Passagen zu lesen, als Chris Eltern, Billie und Walt, den Ort aufsuchen, an welchem ihr Sohn sein Leben lassen musste.
Ja, die Geschichte von Chris McCandless ist traurig, aber irgendwo auch schön. Chris ist für seinen Traum eingetreten, hat dafür gekämpft und niemals aufgegeben für seine Ideale zu leben. Von nichts und niemanden hat er sich von seinem Alaska-Abenteuer abbringen lassen. Er hatte ein vielleicht viel zu großes Herz und konnte nicht verstehen, warum es oft so unmenschlich in der Welt zuging, er war mutig und tapfer, intelligent, hilfsbereit und hatte eine unstillbare Sehnsucht nach mehr im Leben, als nur Karriere und Geld (eigentlich nur zu verständlich).
Ich frage mich manchmal: Ist es vielleicht besser, zwei Jahre im Leben richtig gelebt zu haben, als sich niemals auch nur einen einzigen Tag lebendig gefühlt zu haben? Und ist es nicht auch besser, mit der Erkenntnis "Happiness is shared" zu sterben, als ein Leben ohne ihr gefristet zu haben?
Auf jeden Fall ist "In die Wildnis" ein Buch, dass jeder Mensch einmal gelesen haben sollte. Ebenso kann ich die wunderschöne Verfilmung von Sean Penn mit Emile Hirsch jedem ans Herz legen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen jemand der die Traeume anderer lebte, 15. August 2013
Ein junger Mann zieht in die Wildniss, ziemlich unvorbereitet, und ueberlebt diese Abenteuer nicht. Ich war kurz nach dieser wahren Geschichte Austauschstudent in Alaska, und dort schuettelten viele den Kopf ueber die Naivitaet von Chris MacCandless (er hatte keine Karte, eine Bruecke in der Naehe haette in gerettet usw...) Warum dann aber der Erfolg und die Faszination fuer seine Geschichte?

Ich denke, Chris McCandless lebte genau das, von dem viele in ihren jungen Jahren traeumen. Diese verrueckte Alltagswelt hinter sich zu lassen in der nur Geld und Erfolg zaehlt, unabhaengig leben, nach Alaska und dort vom Land leben... In gewissem Sinne erkenne ich meine eigenen Jugendfantasien wieder, durch die nach Alaska kam, wenn auch "nur" als Student.

Am Ende hat McCandless eine Einsicht: "Happiness is only real when shared -- nur geteiltes Glueck ist wirkliches Glueck." Wir sind keine isolierten, unabhaengigen Wesen, die alleine und vergessen fuer sich in der Wildniss leben, wir sind Teil dieser Alltagswelt und brauchen sie, auch wenn sie uns noch so nervt.

Wie Krakauer in der Einleitung schreibt, McCandless haette genauso Alaska lebend verlassen koennen und wir haetten nie etwas von ihm gehoert. Er kam um, verhungerte, aber das Paradoxe ist, dass gerade dadurch seine Geschichte und seine Einsicht so viele Menschen in der Welt erreichen und faszinieren konnte.
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In die Wildnis: Allein nach Alaska
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