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40 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schwarzbuch Intuition
Was wir Menschen "Denken" nennen, ist nicht mehr als ein geschicktes Raten. Es ist gut genug, um ein Leben zu führen, aber bei Lichte besehen von tausenden Fehlern durchzogen. Die Folge sind individuelle Fehlentscheidungen, aber auch Krisen oder das Verwenden gemeinschaftlicher Ressourcen auf fragwürdige Zwecke. Wie lässt sich dem begegnen? Sinnvoll ist...
Veröffentlicht am 3. Juni 2012 von tsvifle

versus
500 von 532 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Man lernt nie aus
Der Hype um das Buch machte mich neugierig. Beim Lesen war ich überrascht, denn was sich hier findet, ist eigentlich schlichte, relativ konservative Vernunft. Zwar ist der Ausgangspunkt des Autors jeweils eine andere Spielart menschlicher Fehlwahrnehmung (mitunter gar als neuste Entdeckung der Hirnforschung deklariert). In Handlungsmaximen umgemünzt ist man dann...
Veröffentlicht am 25. Juni 2012 von FMA


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500 von 532 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Man lernt nie aus, 25. Juni 2012
Von 
FMA - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Der Hype um das Buch machte mich neugierig. Beim Lesen war ich überrascht, denn was sich hier findet, ist eigentlich schlichte, relativ konservative Vernunft. Zwar ist der Ausgangspunkt des Autors jeweils eine andere Spielart menschlicher Fehlwahrnehmung (mitunter gar als neuste Entdeckung der Hirnforschung deklariert). In Handlungsmaximen umgemünzt ist man dann aber im Großen und Ganzen bei dem, was man gemeinhin "gesunder Menschenverstand" nennt.

Dass man sich im Umgang mit anderen Menschen nicht vom schönen Schein blenden lassen, sich nicht von schnellen Gewinnchancen mitreißen oder überzogenen Verlustängsten entmutigen lassen soll; dass man Risiken und Chancen nüchtern einschätzen und die Kosten vor einem Projekt gründlich überschlagen sollte; dass man das Denken nicht anderen überlässt, dass Geld nicht glücklich macht, wohl aber gute Beziehungen, dass Wegschauen und Untätigkeit schlimmer sein kann, als eine falsche Entscheidung; blinder Aktionismus hingegen die Dinge oft nur "verschlimmbessert"; dass man bei Verlusten den Blick für Relationen nicht verlieren sollte, nicht vorschnell dem Bauchgefühl folgt, sondern besser den Verstand einschaltet; dass man Schuld zuerst bei sich selbst suchen und nicht auf andere schieben sowie sich nicht selbst überschätzen sollte - das alles sind Dinge, die uns schon unsere Mütter immer ans Herz gelegt haben.

Dass man gerade in Wirtschaftskreisen so von Dobelli begeistert ist, verwundert zusätzlich, weil vieles, was der Autor schreibt, ja gewissermaßen seitenverkehrte Werbe- bzw. Marketingpsychologie ist:
"Dieses Buch wird Ihr Denken verändern." (Prof. Dan Goldstein, London Business School)
"Ein Feuerwerk an Erkenntnis!" (Prof. Iris Bohnet, Harvard, Leiterin des Harvard Decision Science Laboratory)
"Muss man dieses Buch lesen? Unbedingt!" (Prof. Dr. h.c. Roland Berger, Gründer und Honorary Chairman von Roland Berger Strategy Consultants)
"Rolf Dobelli ist sowohl mit Sachkenntnis als auch Erfindungsgabe gesegnet - eine seit Ende der Renaissance seltene Kombination." (Nassim Nicholas Taleb, The Black Swan)

Wenn man dies Verzückung für das eigentlich Selbstverständliche erlebt, wundert einen nicht mehr, wie es zu den gegenwärtigen Krisen in vielen Bereichen kommen konnte und warum man sich mit Lösungen so schwer tut.

Es ist ein interessantes Phänomen, dass die Nachfrage nach gesunden Konzepten der Entscheidungsfindung und Orientierung gerade in den gesellschaftlichen Eliten so groß ist. Bereits seit einiger Zeit geht der Trend dabei deutlich hin zum Altbewährten. Konfuzius und Sunzi werden als Lehrmeister entdeckt; Jesus als Leit- und Vorbild. Klöster erleben einen Run ratsuchender Manager. Die aktuelle Krise hat all das noch verstärkt.

Tatsächlich könnte man nahezu jedes Kapitel in Dobellis Buch auch mit Bibelversen untermauern. Im Kapitel zur "Reziprozität" nimmt Dobelli selbst Bezug auf die Bergpredigt: "Vergeltet nicht Böses mit Bösem". Ebenso denkt man an Paulus: "Überwinde das Böse mit Gutem" oder "Geben ist seliger denn nehmen" - neuerdings eine der zentralen Thesen der empirischen Glücksforschung.

Noch vor einigen Jahren ging es in der Managementliteratur um ganz andere Schwerpunkte: Vergiss alle Regeln und folge deinen eigenen! Du musst den Erfolgt nur wollen! Setze dich durch! Think positiv! The sky is the limit! Lass Bedenkenträger und Moralisten hinter dir! - Nun herrscht Katerstimmung und eine Sehnsucht nach Bodenständigkeit, Augenmaß, Solidität, Charakter, Anstand, Werten, Gemeinsinn.

Das Ganze erinnert an ähnliche vorangegangene Entwicklungen, bspw. im pädagogisch-psychologischen Bereich. Auch hier feierte man in den 60ern bis in die 80er Jahre hinein das Ende der Familie und Zweierbeziehung und meinte mit Laissez Fair-Erziehung den besseren Menschen heranzubilden. Selbst für viele der damaligen Protagonisten mündete dies in schmerzhafte Lernprozesse.
Am Ende kam man einmal mehr im Großen und Ganzen dort an, wo christliche Sozialethik (selbstredend nicht unbedingt die kirchliche) schon 2000 Jahre vorher war.

Das Manko des Buches besteht darin, dass es zwar viele gute Ratschläge gibt, jedoch auf das begrenzte Vermögen des Menschen, diese auch umzusetzen, keine Antwort hat. Unproblematisch ist es letztlich insofern nicht, dass solide Grundsätze der Entscheidungsfindung und Handlungskonzeption wiederum in erster Linie in den Dienst effektiver Geschäftemacherei oder des eigenen Vorteils gestellt werden. Die Ressource Menschlichkeit, derer wir so dringend bedürfen, wird so sicher nicht vermehrt.
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453 von 485 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Knappe knackige Ausführungen - vielleicht etwas zu knapp!, 24. Oktober 2011
Durch die vielen Vorschusslorbeeren, gemeint sind die bisherigen Rezensionen, beeinflusst habe ich mir dieses Buch als Kindle-Version gekauft.

Dies war bereits mein erster "Denkfehler", den ich nach Lesen des Buches vielleicht nicht gemacht hätte. Ich bin dem "Social Proof" wie der Autor es nennt erlegen. Auf deutsch dem Herdentrieb. Wenn alle sagen, das Buch ist gut, dann muss es ja auch gut sein. Warum der Autor diese Eigenschaft nicht Herdentrieb oder Gruppendruck genannt hat bleibt mir schleierhaft. Dies ist auch ein Kritikpunkt an dem Buch, dass viele Denkfehler mit englischen oder französischen Begriffen benannt werden, obwohl die deutsche Sprache auch dafür sicherlich einen Begriff gefunden hätte. Begriffe wie ,Hyperbolic Discounting', `The Omission Bias' oder ,C'est le ton qui fait la musique' sagen leider icht jedem Leser auf Anhieb etwas.

Die Verwendung dieser Begriffe allein ist jedoch nicht verwerflich, die teilweisen sehr knappen Erläuterungen a) zu den Begriffen und b) zu den Effekten könnten meines Erachtens an vielen Stellen ausführlicher ausgeführt werden. Die Erklärungen sind sehr oberflächlich und Experimente werden nur ansatzweise dargestellt, ohne die Hintergründe ausführlich zu betrachten. Leider finden sich, wie in vielen Büchern dieser Art, die gleichen Beispiele zur Erläuterung der Sachverhalte. Das Experiment mit den Stromstößen oder das Marshmallow-Experiment mit vierjährigen Kindern sind keine besonders aufregenden Neuigkeiten.

Auch gibt der Autor selbst einen Grund, dieses Buch nicht zu kaufen, da er schreibt: "Machen Sie einen Bogen um Selbsthilfeliteratur...", und als solches kann man dieses Buch verstehen.

Trotz all der Kritik, öffnet einem der Autor in vielen Fällen die Augen für die falschen Entscheidungen, die man tagtäglich aufgrund der klassischen Denkfehler trifft.

Fazit: Ein lesenswertes Buch, das in einigen Aspekten zu oberflächlich ist. Die Verständlichkeit könnte durch eine bessere Begriffserläuterung in vielen Bereichen ganz klar gesteigert werden.
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69 von 74 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Logik light, 8. Mai 2012
Rolf Dobelli ist ein erfolgreicher Schriftsteller. - Dieser Satz exemplifiziert den "fundamentalen Attributionsfehler". Der Erfolg des Buches "Die Kunst des klaren Denkens" muß nämlich keineswegs dem Autor zuzuschreiben sein. Möglich ist, daß das Thema derzeit Konjunktur hat, daß angesichts zunehmend unklarer werdender Verhältnisse das Trainieren klaren Denkens opportun scheint, daß das Marketing gut war, daß das Buch gerade die richtige Größe, Aufmachung und den richtigen Preis hat, um als Geschenk mitgenommen zu werden, und so fort.
Worauf der Erfolg des Buches tatsächlich beruht, weiß ich nicht. Am Autor allein kann er meines Erachtens jedoch nicht liegen. Dobellis Ausführungen haben nämlich einige auffällige Mängel.
Daß er denjenigen, die mit der Thematik vertraut sind, kaum Neues bietet, muß man ihm nicht ankreiden. Vorwerfen muß man ihm jedoch, daß er unklar und inkonsequent vorgeht. Unklar oder zumindest ungenau sind häufig die Bezeichnungen der aus logischen oder psychologischen Gründen ungültigen Schlüsse, die Dobelli beschreibt. Was er "Fehler" nennt, sind oft nur Einseitigkeiten oder Überakzentuierungen. Viele der als "falsch" oder "illusorisch" bezeichneten Folgerungen können unter entsprechenden Prämissen durchaus zutreffen - ihre Problematik besteht lediglich darin, daß es keine sicheren Folgerungen sind.
Neben der Unklarheit mancher Ausführungen hat mich das nahezu völlige Fehlen von Selbstkritik gestört. Die Fehler machen die anderen, Dobelli entlarvt. Dabei scheint der Versuch, Fehlschlüsse aufzudecken, a priori doch ebenso fehleranfällig zu sein wie das Schließen selbst. Zudem räumt Dobelli in manchen Fällen ein, die Suggestivkraft des betreffenden psychologischen Mechanismus sei so groß, daß man ihr gar nicht entrinnen könne. Diese Feststellung sollte einen Autor doch bezüglich seines eigenen Standpunkts ins Grübeln bringen. Dobelli nicht; er besetzt die Position des feuilletonistischen Aufklärers, unangefochten und von Zweifeln unangekränkelt. So darf denn ein Kapitel, das die "Prognoseillusion" zu entlarven vorgibt, auch Prognosen enthalten.
Zu empfehlen ist dieses Buch nur denjenigen, die einen ersten Einblick in die Vielfalt gedanklicher Irrwege suchen. Alle anderen werden dieselbe Enttäuschung erleben wie jemand, der sich auf ein Pils freut und dann alkoholfreies Bier vorgesetzt bekommt.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Reines Vernunftsdenken ist ein Hirngespinnst und keine Kunst, sondern Selbstbetrug, 3. August 2013
Der Titel bzw. Untertitel des Autors ist marketingtechnisch geschickt gewählt (er spricht von Fehlern und appelliert damit an die Eitelkeit in uns) und entlarvt ihn zugleich als Halbwissenden, der die Menschen von oben herab zu betrachten scheint und gerne manipuliert.

Warum? Um es einfach zu sagen, er wertet alles Emotionale ab, stellt es als Blendwerk dar, dessen Heilung mit viel Anstrengung durch klares Denken überwunden werden kann.

Dem ist zunächst einmal ganz wissenschaftlich und "unemotional" entgegen zu halten, dass selbst führende Hirnforscher meinen, heute erkannt zu haben(z.B. Gerhard Roth), dass die Letztentscheidung immer im emotionalen Zentrum des Hirns (emotionales Erfahrungsgedächtnis) getroffen wird. Die Vernunft muss sich sozusagen vor der Emotion bewähren.

Die Phänomene des Denkens, die der Autor erkennt und die uns Menschen teilweise wirklich im Weg stehen, diese Phänomene erklärt er sich evolutionär, stuft sie aber gleichzeitig als Fehler ein. Diese Aussage ist so dermaßen zu kurz gegriffen und teilweise selbst wiederum Fehlerhaft, dass man das Gefühl gewinnen kann, der Autor hätte ein paar wichtige Lektionen des Lebens erkannt, doch ihre dahinterliegende Bedeutung teilweise nur halb bis gar nicht verstanden, mit der Folge, dass vieles vermischt wird und zusammenhangslos und ohne Fundament in den Raum gestellt wird.

Als gutes Beispiel dient hier zum einen sein Kapitel zum Phänomen "Framing". Nach Aussage des Autors neigt der Mensch zur Ausschmückung der Realität und erzählt Geschichten...der Mensch schönt die Dinge...Dieses Phänomen (und auch viele andere, die Dobelli beschreibt) ist vielen Menschen ab einem bestimmten alter bewusst und wird dennoch gerne in Kauf genommen. Das Framing als Denkfehler zu bezeichnen ist grotesk. Wie viele andere Erklärungen mag es wohl geben, diese Eigenschaft des Menschen anders zu beurteilen (Schutzfunktion, positive Verstärkung von Glücksgefühlen....etc.?

Richtig verächtlich gegenüber vielen Menschen wird Dobelli im Kapitel zum Phänomen "The Zero Risk Bias". Hier erklärt der Autor zusammengefasst, dass nichts sicher ist im Leben und daher nicht zuviel Energie darauf verschwendet werden sollte, Risiken auf 0% reduzieren zu wollen. Soweit so gut, aber in seinem Fazit sagt er: "Und trösten Sie sich damit, dass es doch etwas gibt, was ziemlich stabil ist: die eigene Glückseeligkeit...Glückliche Menschen bleiben glücklich, egal was ihnen geschieht, unglückliche Unglücklich." Dieser Satz ist...unglaublich herablassend...am besten alle Therapeuten dieser Welt geben ihren Beruf noch heute auf, denn dieser ist damit IMMER sinnlos!

Doch im vorliegenden Buch, kommt das Schlimmste zum Schluss. Im letzten Kapitel schafft es der Autor doch tatsächlich den Satz von Horaz "Carpe Diem" dermaßen in seinem Sinn zu vergewaltigen, dass einem übel werden kann. Er versteht den Ausspruch einzig als hedonistische Aufforderung den Tag zu genießen. Dann setzt er den hedonistischen Genuss auch noch mit impulshaftem Trieb gleich und verkennt zudem noch die eigentlich epirkureische Aussage von "Carpe Diem". Sein Fazit: Lerne nicht sofort deinem Trieb nachzugeben, dann kannst du größere Belohnungen in der Zukunft einstreichen. Er zeigt dafür Beispiele auf. Besonders dumm ist sein Beispiel mit den Zinsen...sein Fazit: "Unser emotionaler Zinssatz steigt an, je näher die Belohnung in der Gegenwart liegt." Das er das als Fehler qualifiziert ist einfach unglaublich...es ist schlichtweg natürlich und vor dem Hintergrund, dass nichts sicher ist im Leben (wie er ja selbst so treffend im zuvor erwähnten Kapitel angemerkt hat), erst recht nicht, wie lange man noch leben wird, ein grundsätzlich sehr vernünftiges verhalten, wenn man dabei die Zukunft nicht völlig ausblendet!

Fazit: Das Buch enthält viele interessante Denkweisen des Menschen, die völlig unterschiedliche Bereiche betreffen und leider in einer zusammenhangslosen Aufreihung (ohne Prioritätscharakter oder Abstimmung oder erkennbaren Aufbau) dem Leser offeriert werden. Viele Phänomene sind richtig erkannt, doch es werden gar keine oder falsche oder zu kurz gegriffene Schlussfolgerungen daraus gezogen. Dieses Buch sollte man (wenn überhaupt) nur mit einem sehr kritischen Auge lesen (Misstrauen sie Expertenwissen :-), wie Dobelli selbst an anderer Stelle verordnet. Sollten sie nach Tiefgang im Denken der Menschen suchen, dann empfehle ich "Komm ich erzähl dir eine Geschichte" von George Bucay, hier ist mehr an Erkenntnis zu gewinnen, als ein Leben ausreicht und definitiv mehr als im vorliegend rezensierten Buch.
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159 von 174 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Alte Weine im neuen Schlauch, 3. Mai 2012
Von 
Susanne Preusker "SP" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Nettes Büchlein, origineller Titel, aber dennoch: bei den Denkfehlern, die Dobelli benennt, handelt es sich um sattsam bekannte Phänomene und Effekte der Psychologie, vornehmlich der Sozialpsychologie, die nicht nur in der Fachliteratur, sondern auch in zahlreichen populärwissenschaftlichen Abhandlungen ausführlich beschrieben sind. Neu ist das also mitnichten. Diese Phänomene in ein hübsch illustriertes Bändchen zu packen und in komprimierter Form den CEOs dieser Welt (trotz Globalisierung ein Stern Abzug für die Verwendung dieses Kürzels) zur allgemeinen Erbauung ans Herz zu legen, ist eine interessante Vermarktungsidee für einen BWLer, die mich vielleicht überzeugt hätte, wenn Dobelli richtig gut und lebendig schreiben könnte. Kann er aber nicht. Etwas mehr Sprachwitz, eine Prise Selbstironie und Verzicht auf diesen unangenehm belehrenden Grundton hätte den alten Weinen nicht geschadet und dem neuen Schlauch gut getan.
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79 von 87 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Ein konzeptioneller Denkfehler, 16. April 2012
Der erste, äußere Eindruck ist: Ein schönes Buch. Angenehm kleines Format, schöne Typographie, Lesebändchen.
Schon das Inhaltsverzeichnis stört meinen Eindruck. Ich finde 52 Kapitel à drei Seiten. Die Kapitel sind deshalb alle gleich lang, weil sie schon als Kolumne in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gestanden haben. In jedem soll einer der angekündigten Denkfehler beschrieben werden. Kapitelüberschriften wie "Der Over-Confidence-Effekt", "The Swimmer's Body Illusion" oder "The Survivorship Bias" lassen mich ein Buch umgehend wieder zuklappen. Aber dies waren nur die ersten drei. Es kommen noch 49 weitere.
Jeder kennt aus seinem Arbeits- oder Privatleben diesen bestimmten Typen Mensch, der sich auf Partys unterhält mit Leuten, die er nicht kennt, aber trotzdem beeindrucken will. Dann erzählt er, gerne in Monologen, von Dingen, die er nicht versteht, die er aber entweder für hip hält, oder aber für so kompliziert, dass der andere wegen des ebenfalls Keine-Ahnung-Habens nur ergriffen schweigen oder beeindruckt zustimmen kann.
Diese Menschen werden sich mit Dobellis Buch wohl fühlen. Sie finden darin mindestens 52 Möglichkeiten in einer attraktiven sprachlichen Mischung aus Englisch, Französisch und Lateinisch, mit denen Sie bei der nächsten Party/Incentive/Vorstandssitzung auftrumpfen können.
Wenn ich mir überlege, wie viele Menschen dieses Buch gekauft haben, wird mir schwindelig. Warum bloß werden solche Bücher Bestseller? Wegen der kurzen Kapitelchen, die gerade über drei Seiten reichen? Weil immer noch eines vor dem Einschlafen geht und man sich nie länger auf einen Text mit Zusammenhang konzentrieren muss? Wegen der vielen, noch kürzeren Anekdoten, die sich auf dem Lufthansa-Kurzflug mal eben aus dem Aktenköfferchen zaubern lassen? (Ja, auch LH-Vorstandschef Franz liebt das Buch, so steht es zumindest auf dem Umschlag.) Wird es gekauft, weil es mit 14,90 Euro erstaunlich preiswert ist für ein Hardcover? Oder ist es doch der bloße Werbeeffekt des Zeitungs-Kolumnisten Dobelli, der auf seine eingeschworene Lesergemeinde bei der FAZ und die Anzeigenflächen des Verlages setzen kann?
Ich habe keinen blassen Schimmer. Für mich ist Dobellis Buch die schlimmste, weil intellektuell verkleidete Form des Ratgebers, der bei mir schon in seiner Ur-Ausprägung (Schlank im Schlaf") manchmal allergischen Juckreiz auslöst.
Das Traurige ist: Manche von Dobellis Texten sind durchaus interessant. Drei Seiten über das Phänomen des Herdentriebs, der bei ihm "Social Proof" heißt, regen zum Nachdenken an, sind aber viel zu kurz, sprich oberflächlich, um im Gehirn des Lesers ernsthaft Spuren zu hinterlassen. (Es eignet sich eben nicht jede Zeitungskolumne dazu, als Buch ohne neues Konzept zweitverwurstet zu werden.) Dabei hätte sich die Überlegung gelohnt: Ist man wieder dem Sog der Masse erlegen und hat ein Buch nur deshalb gekauft, weil es auf der Spiegel-Bestsellerliste oben stand?
Oder das Kapitel über das "Chauffeur-Wissen" im Gegensatz zum echten Wissen: "Chauffeur-Wissen" bedeutet nach Dobelli: von-allem-ein-bisschen-aber-nichts-richtig-Wissen. Das sind ziemlich genau jene Kenntnisse, die man sich aneignet, wenn man Dobellis Buch liest. Und weil Dobelli, ich kenne ihn nicht persönlich, ja eigentlich ein ganz kluger Mann sein müsste, muss man spätestens auf Seite 63 begriffen haben, das man hier vom Autor nach Stich und Faden ver... wird. Deshalb genieße ich jetzt noch für einen Moment die hübschen Illustrationen von Birgit Lang und lege das Lesebändchen ein.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Form schlägt Inhalt, 9. November 2013
Von 
Ein Buch, das Denkfehlern den Kampf erklärt, kommt dieser Tage gerade recht. Viel zu häufig fühlen wir uns hintergangen; zumindest aber nicht hinreichtend informiert. Was Rolf Dobelli mit seinem Werk versucht, sind hehre Absichten. Bedauerlicherweise stolpert der Autor über seinen eigenen Anspruch. Klares Denken kann nicht stattfinden mit platten Aussagen, unscharfen Begriffen und dem Ignorieren von Punkten, die der eigenen Ansicht zuwiderlaufen.
Mittels dreier Beispiele, möchte ich dies veranschaulichen.

In der Schwammigkeit religiöser und philosophischer Überzeugungen sieht Dobelli einen hervorragenden Nährboden für den - wie er ihn nennt - "Confirmation Bias". Gemeint ist ein Denkfehler, bei dem sich Menschen auf eine so wage Theorie berufen, deren Inhalt so ungenau bestimmt ist, dass sich leicht zig Beispiele finden, die diese Theorie bestätigen. Mit seinem Angriff auf den "Confimation Bias" erliegt Dobelli eben diesem Fehler selbst. Seine Aussagen sind häufig so oberflächlich und aus dem Zusammenhang gerissen, dass sich auch hier jedes Vorurteil flämisch bestätigen lässt. Denn: Ernsthafte philosophische Überzeugungen sind i.d.R. klar durchdacht und exakt ausgelotet. Schwammig werden sie nur, wenn Laien meinen, einzelne Sätze - weil wohlklingend - aus ihrem Gesamtzusammenhang reißen zu müssen, um mit diesen Aphorismen Bildung vorzugaukeln, die nicht vorhanden ist. Mit plumpen Aussagen wie: "Gläubige sehen auf Schritt und Tritt bestätigt, dass es Gott gibt. Dass dieser sich nicht direkt präsentiert - mit Ausnahme vor Analphabeten in Wüsten und abgelegenen Bergdörfern, aber niemals in einer Stadt wie Frankfurt oder New York" illustriert der Autor seine These. Mit dieser Oberflächhlichkeit verspielt der Autor jede Überzeugunskraft.

Ganz allgemein passt Dobelli Begriffe in einer ihm gefälligen Weise an. So schreibt er, dass sich die Menschen seit alters her Geschichten erzählen. Verliefen diese über Jahre hinweg gerade, würde man das "Identität" nennen. Den Begriff der "Identität" derart zu verkürzen, tut weh. Weiter fordert er seine Leser auf, Geschichten (seien sie in den Nachrichten oder der Werbung) auseinanderzunehmen. Immer solle man danach fragen, was die Geschichte verbergen möchte. Dass Geschichten nicht immer manipulieren möchten, sondern dass das Erzählen, das Narrative, etwas Urmenschliches ist, blendet der Autor aus. Entgegen der landläufigen Meinung, unsere Sprache sei in erster Linie ein Informationsvehikel, zeigen Untersuchungen wie falsch wir mit dieser Annahme liegen. Es ist eben nicht der Informationsaustausch, für welchen wir hauptsächlich unsere Stimme erheben. Viel mehr benutzen wir sie, um neben gänzlich uninformativem Geplapper, mit welchem wir eine stumm-schweigende Situation ihrer Anspannung berauben, Dinge beschwören, den Menschen Trost spenden, oder sie gar als Aggressor einzusetzen wissen.

Ganz allgemein versucht Dobelli sich rein rational bestimmten Denkmustern anzunehmen. Was auf den ersten Blick als gut und richtig erscheint, offenbart später seinen einengenden und manipulativen Charakter. Berufsbedingt argumentiert der studierte Betriebswirt nüchtern, technisch. Eigene Prämissen werden jedoch nicht kritisch durchdacht. Dobelli sieht als einzige Lösung für die Tragik der Allmende (dem Problem, das kostenlose Güter von den Menschen überbeansprucht und damit zerstört werden) den Weg in die Privatisierung und das Managen. Ohne offenzulegen, was denn Privatisierung heißt, endet hier die Argumentation und der Autor klopft sich auf die Schulter ob seines genialen Gedankens. Dass es mittlerweile sogar eine Tragik der Anti-Allmende gibt, übergeht der Autor. Gleichzeitig applaudieren ihm alle lobenden Rezensenten, die im hinteren Teil des Buches ihre Stimmen erheben. Alles Ökonomen, vieles Freunde und Bekannte von Dobelli.

Ähnlich versucht der Autor mit seinen Ausführungen zum "Social Loafing" die Leistungsgesellschaft per se zu idealisieren. Ausgangspunkt ist eine Untersuchung die zeigt, dass zwei Pferde vor einen Wagen gespannt nicht doppelt so viel Leitung vollbringen, wie eines. Diese Untersuchung auf Menschen angewandt, zeige, dass Menschen in Teams weniger Leistung bringen, als wenn diese einzeln arbeiten würden. So würden Tauzieher in Zweierteams lediglich noch 93 Prozent ihrer Kraft einsetzten, zögen sie zu dritt, würde sich ihr Einsatz auf etwa 85 Prozent reduzieren. Schuld daran sei die Verantwortungsdiffusion. Heißt: Wenn Leistung nicht mehr eins zu eins einer Person zugeschrieben werden kann, dann ist das Ergebnis auch nicht mehr allein von dieser Person abhängig. Möge man also effiziente Teams, in denen jeder 100 Prozent bringen muss, müssten die Teams und ihre Arbeitsbereiche so differenziert sein, dass abschließend exakt bestimmt werden kann, auf wen welche Leistung zurückzuführen ist. Dobelli vergisst: Wenn zwei Pferde nicht 200 Prozent der ursprünglichen Leistung bringen, so bringen sie dennoch mehr als die ursprünglichen 100 Prozent des einzelnen Pferdes. Mehr noch: Die Tiere müssen sich weniger anstrengen und die hervorgebrachte Leistung ist dennoch höher als die anfängliche. Auf menschliche Teams übertragen heißt das, dass hier Mitarbeiter unter Umständen zwar nicht mehr 100 Prozent bringen, das Endergebnis aber dennoch über dem ursprünglichen liegt. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Mitarbeiter Teile ihrer Ressourcen schonen (können) und damit gesund bleiben. Weiter bleibt in dieser engen Argumentationslinie Dobellis die Frage offen, ob nicht vielleicht Synergieeffekte der Teammitglieder das Ergebnis deutlich verbessern, unabhängig davon, wie viel Einsatz die einzelnen Mitarbeiter bringen.

Schade, dass Dobelli seine durchaus kurzweiligen und gut zu lesenden Kapitel dermaßen verkürzt darstellt. Viele regen tatsächlich zum Nachdenken an und werfen teilweise ein neues Licht auf gesellschaftliche Vorgänge - viele sind aber auch schon seit Jahren bekannt und wurden schon häufig publiziert. Seine verkürzte Darstellung ist dabei mehr als ein Wehrmutstropfen. Ganz im Sinne des Kant'schen Erbes geht Dobelli bei seinen Darlegungen davon aus, dass es einen Dualismus von Ratio und Emotion gibt. Selbst wenn das die moderne Hirnforschung widerlegt. Der Mensch entscheidet nämlich unterbewusst emotionaler als wir annehmen, während eine rationale Erklärung der Entscheidung erst im Nachhinein geliefert wird. In seinem Nachwort spricht Dobelli dies selbst an. Doch ist das Kind hier bereits in den Brunnen gefallen.

Vielleicht ist - summa summarum - an diesen begrifflichen Unschärfen und verkürzten Darstellungen auch der Verlag schuld oder die Tatsache, dass Dobellis Texte bereits als Kolumnen erschienen sind und hier wohl nur eine begrenzte Zeilenmenge zur Verfügung stand. Wohl wäre es im Sinne der Qualität des gesamten Werkes gewesen, sich auf weniger als 52 Kapitel zu konzentrieren, dafür diese wenigen Kapitel durchdachter zu präsentieren. Auf Grund der kurzen Kapitel können sich Dobellis Gedanken gerade nicht klar entfalten und bleiben nur schwer in Erinnerung. Nicht immer nämlich ist kurz gleich klar, wie wir oft glauben. Ein guter, klarer Gedanke braucht zuweilen Raum, seine Wirkung entfalten zu können.
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23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Vor dem Kauf rein zu schauen, lohnt sich., 6. April 2013
Das Buch wurde mir empfohlen und die Kritiken auf der Rückseite versprachen Denkanstöße und unterhaltsame Lektüre.
Leider habe ich das Buch vor dem Kauf nicht ausgepackt und reingelesen, denn dann hätte ich es sicherlich im Laden gelassen. Nach den ersten Seiten dachte ich ernsthaft, es handele sich um ein ironisch geschriebenes Buch. Einige Seiten weiter habe ich allerdings mit Erschrecken festgestellt, dass er es scheinbar ernst meint, mit dem, was er da schreibt.
Meiner Meinung nach liegt sein eigener größter Denkfehler darin, zu glauben, seine Weltsicht ist die Wahre und Richtige und die Fehler machen die anderen.
Er selber unterliegt seinem Confirmation Bias - wie er schreibt - dem Vater aller Denkfehler, indem er einseitig aufgestellte Thesen als Wahrheiten ausgibt.
Besonders gravierend kommt das im Denkfehler 3 Overconfidence-Effekt zum Ausdruck, in dem er schreibt, dass wir alle uns selber ständig überschätzen. Er schreibt dieses sei auf eine natürliche Art naiv und angeboren. Woher er das Wissen um diese Wahrheit hat, frage ich mich, aber besonders frage ich mich, woher er sich so sicher ist dass : "Das Gegenteil, einen Underconfidence-Effekt, gibt es nicht." zutrifft?
Köstlich amüsiert haben mich auf Seite 67 die Schlusssätze zum Denkfehler "Die Kontrollillusion":"Und Sie? Haben Sie Ihr Leben im Griff? Wahrscheinlich weniger, als Sie denken. Glauben Sie nicht, Sie seien ein stoisch-kontrollierender Marc Aurel. Eher sind Sie der Mann mit der roten Mütze." Ich frage mich noch, welche rote Mütze er meint? Werde diese Wissenslücke mal googeln.
Woher nimmt Herr Dobelli all die genauen Kenntnisse über seine Leserschar und warum hegt er keinerlei Zweifel an seinen Aussagen, die er dem Leser als Tatsachen verkauft?
Positiv an dem Buch war einzig, dass ich meinen Blickwinkel erweitern konnte. Zum einen darüber, wie Herr Dobelli tickt, zum anderen habe ich gelernt, dass langweilige und nichts Neues und noch nicht mal Amüsantes bringende Bücher durch geschickte Vermarktung und durch Coverkommentare berühmter Personen künstlich zum Verkaufsschlager erhoben werden können, aber eigentlich war auch dies schon bekannt.

Fazit: Man erfährt nichts Neues, der Schreibstil bringt KEINE Freude beim Lesen, das einzige Trostpflaster sind die Illustrationen, die das Buch aufwerten.
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236 von 264 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Bullshit Bingo, 23. Februar 2012
Von 
Lothar Müller-Güldemeister "Reißwolf" (Berlin Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Wenn Roland Berger und CEOs von Großunternehmen dieses Büchlein über den grünen Klee loben, heißt das dann etwa, dass sie daraus völlig neue Erkenntnisse für ihre geschäftlichen Entscheidungen gewonnen haben? Das würde die Finanzkrise und noch einiges mehr erklären, denn es steht nicht viel mehr darin als das, was einem schon der gesunde Menschenverstand sagen sollte: dass nicht automatisch richtig ist, was alle nachplappern, dass Prognosen unsicher sind, wenn sie die Zukunft betreffen, dass 90 % der Menschen ihre Intelligenz und ihre Fähigkeiten als Autofahrer und Liebhaber überdurchschnittlich finden, dass sie eine einzelne Schwalbe mit dem Sommer verwechseln und hochhängende Trauben automatisch für sauer halten... Und so weiter. Das meiste davon kann man übrigens - und zwar weitaus geschliffener und prägnanter und daher mit weit mehr Vergnügen - schon in dem 300 Jahre alten Hand-Orakel und Kunst der Weltklugheit des spanischen Jesuiten Gracian lesen.

Natürlich spricht nichts dagegen, den Menschen immer wieder von Neuem den Spiegel vorzuhalten. Aber warum müssen es bloß diese oberpeinlichen angeberischen Bullshit-Bingo-Sprüche sein, mit denen der Autor uns zuschmeißt - "The survivorship bias", "The sunk cost fallacy" - als ob man diese Erscheinungen nicht in der Sprache Schillers und Schopenhauers ausdrücken könnte! - und warum muss er uns auf jeder Zeile von Neuem wissen lassen, was für ein toller, erfolgreicher, jetsettender und mit Dutzenden wunderbarer Promi-Freunde gesegneter Mensch er doch ist? Bei dieser Prahlerei kommt einem die Mobbelkotze hoch.

Schade eigentlich. Denn dass die Denkfehler, auf die der Autor hinweist, allgegenwärtig sind - vom Hartzie bis zum Minister und - wie einige Rezensenten hier bereits herausgearbeitet haben und ich nicht wiederholen muss - bis hin zu ihm selber - lässt sich nicht leugnen.
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111 von 124 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Sehr Pseudowissenschaftlich, 25. August 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Also ich habe schon bei der Einleitung etwas gegrübelt, dass hier irgendetwas nicht stimmt mit diesem Buch.

An Selbstbewusstsein und Selbstüberschätzung mangelt es dem Autor nicht, zunächst verkündet er:

"Jahre später realisierte ich, dass ich neben meinem Job als Schriftsteller und Unternehmer ein veritables Studium der sozialen und kognitiven Psychologie absolviert hatte."

Und in den Lobeshymnen auf der Buch-Rückseite sind ja auch nur BWLer aufgelistet
(u.a. Vorstand Lufthansa AG, was sollen das bitte für Referenzen sein).

Einer seiner *Freunde* die der Autor auch im Buch erwähnt "Nassim Taleb" sagt: "[Dobelli] ist sowohl mit Sachkenntnis als auch Erfindungsgabe gesegnet - eine seit Ende der Renaissance seltene Kombination", einfach nur lächerlich.

Also zum Haupt-Problem:

Die Argumentation ist schwammig, unfassbar verkürzt und häufig nicht nachvollziehbar und teilweise willkürlich im erkennbaren Zusammenhang.

Es gibt schon einen deutlichen Unterschied zwischen tatsächlichen Wissenschaftlichern und einem BWLer, der sich selbst zum Wissenschaftler erklärt.

Der Unterschied in der Argumentation und dem Inhalt kommt mir im Vergleich so offensichtlich mangelhaft vor, weil ich - unter anderem - zuvor das Buch von Thomas Metzinger "Der Ego-Tunnel" gelesen habe.

Nur wenn man einen Vergleich hat, wird einem klar, wie bodenlos der Inhalt ist. Metzinger ist theoretischer Philosoph, der mit Neurowissenschaftlern zusammenarbeitet und er hat sich nicht mal bei seinem Kern-Thema so weit aus dem Fenster gelehnt wie Dobelli bei fast allen Themen und Metzinger hat Haarscharf und Glasklar argumentiert und absolut perfekt wissenschaftlich und nachvollziehbar.

Der eindeutig bessere Dobellit - den Dobelli selbst nach zu ahmen scheint - ist Prof. Cialdini, seine Bücher sind die eindeutig wissenschaftlichere Variante.

Dieses Buch auf gar keinen Fall kaufen, bessere alternative Autoren: Thomas Metzinger, Robert Cialdini, Richard Precht
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