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5.0 von 5 Sternen "Jeder soll zufrieden sein mit der Zeit, die ihm zum Leben gegeben ist", 20. Januar 2013
Die Schriften ‚Cato Maior - Über das Alter’ und ‚Laelius - Über die Freundschaft’ wurden in der zweisprachigen Sammlung Tusculum in einem Band gedruckt. Das erscheint sinnvoll, gibt es doch zwischen beiden Schriften auffallende Parallelen. Beide wurden von ihrem Autor Marcus Tullius Ciceros nach griechischem Vorbild in Dialogform gestaltet, in beiden Schriften gibt ein erfahrener Staatsmann seine Erkenntnisse an zwei wissbegierige junge Zuhörer weiter, beide Schriften sind dem Alterskollegen und Freund Atticus gewidmet, beide Schriften befassen sich, für einen Römer typisch, mit lebenspraktischen Fragestellungen: Wie bewältige ich das älter werden? Was zeichnet wahre Freundschaft aus?

Die Schriften zählen zu den Spätwerken Ciceros. Von Julius Caesar zur politischen Abstinenz verurteilt, wendet sich der Staatsmann und Redner der stoischen Philosophie zu. Gerhard Fink schreibt: „Ohne Zweifel besaß Cicero in hohem Maße die Fähigkeit, das, was ihn bedrängte, schreibend zu bewältigen“.

Wegen der begrenzten Zeichenzahl hier nur das erste Buch: Cato Maior

Mit der Schrift ‚Cato Maior’ will Cicero seinem Freund Atticus, aber auch sich selbst von der „Last des Alters“ befreien. Er lobt die Philosophie als Ratgeber und Trostspender: „Wer ihr ergeben ist, kann jedes Lebensalter ohne Kummer verbringen“.

Den Dialog legt Cicero in das Jahr 150 v.Chr. Scipio Africanus und dessen Freund Laelius bewundern die Gleichmut und Würde, mit der der 84 jährige Cato die Bürde des Alters trägt.

Für die Römer galt der ältere Cato als Vorbild. Cato stammt, wie Cicero auch, aus einer nicht-adligen Familie. Er besaß die klassischen römischen Tugenden, war Konsul und Zensor, bewirtschaftete ein Landgut. Da Cato jeden ausländischen Einfluss strikt ablehnte, wirkt die von Cicero dargestellte Sympathie Catos für die griechische Weisheit gekünstelt.

Eine „schulmäßige“ philosophische Disputation“ nennt Gerhard Fink in seiner Einführung die Aufstellung der vier Hauptargumente. Cicero legt Cato folgende Worte in den Mund: “Bei umfassender Betrachtung des Problems komme ich nämlich auf vier Gründe, aus denen man das Alter für ein Unglück hält: Erstens, weil es uns in zunehmendem Maße verwehre, Großes zu leisten; zweitens , weil es den Körper entkräfte; drittens, weil es uns fast jede Sinnenfreude nehme, und viertens, weil es dem Tode nahe sei“.

Schulmäßig auch die Widerlegung der Argumente. Gegen die erste Behauptung argumentiert der rüstige Greis: „Das Alter verwehrt uns die Tätigkeit. Welche denn? Die etwa, die jugendliche Kraft erfordert? Gibt es etwa im Alter keine Leistungen, die trotz körperlicher Schwäche mit der Kraft des Geistes erzielt werden können?“ Voraussetzung ist die ständige Übung des Gedächtnisses und die Bereitschaft, „täglich Neues“ hinzuzulernen.

Dem Einwand, dass Ältere „bei denen nichts mehr gälten, von denen sie vorher stets geachtet worden seinen“, entgegnet Cato durch Aufzählung der Personen des öffentlichen Lebens, die auch im hohen Alter dem Staat noch nützlich waren. Bedeutet das Wort Senat nicht ‚Rat der Alten’? Weisheit zeichnet das Alter aus, Unbesonnenheit die Jugend. Große Staatsmänner genießen auch im Alter noch Beachtung, „das Ansehen aber ist die Krone des Alters“.

Dass im Alter die Kräfte schwinden, leugnet Cato nicht. Er sieht aber in der Würde und der Redegewandtheit einen Ausgleich für die schwindenden Körperkräfte. „Gebrauche dieses Naturgeschenk (jugendliche Kraft), solange du es hast; hast du es dann nicht mehr, dann sollst du es auch nicht mehr zurückersehnen … Das Leben hat jedoch seinen ganz bestimmten Ablauf, und der Weg der Natur ist nur einer und zwar ein gerader. Jedes Lebensalter hat infolge der zeitlichen Entwicklung seinen eigenen Charakter; die Schwäche des Kindes, das Draufgängerische des jungen Mannes, der Ernst in bereits gesetzterem Alter und die Reife des hohen Alters haben etwas Naturgemäßes, das man zur rechten Zeit erkennen muss“.

Den Verlust der Sinnlichkeit bedauert Cato nicht. Er bezeichnet sie als tödliches Gift, welches Unzucht und Ehebruch verursacht und vernünftiges Denken hindert. Was kann besser für Körper und Geist sein als maßvolles Speisen und Trinken? Cato, der zeitlebens ein bescheidenes Leben auf seinem Landgut führte, griff auch als Zensor hart gegen „schandbare und hemmungslose Verworfenheit“ ein. Er trat für Maßhalten ein: „… nichts aber kann Kummer bereiten, wenn man es nicht vermisst“.

Bleibt noch die Angst vor dem drohenden Tod. Cato empfiehlt sich innerlich auf das Lebensende vorzubereiten und nicht ängstlich, sondern ruhig dem Tod entgegenzugehen. “Jeder soll zufrieden sein mit der Zeit, die ihm zum Leben gegeben ist“. Auch jungen Menschen können sterben, aber auch „eine kurze Lebenszeit ist nämlich lange genug, um sittlich gut und anständig zu leben“.
Er vergleicht das Lebensende mit einer reifen Frucht, die man pflückt, mit einem Hafen, in den man einläuft und mit einem aufgezehrten Feuer. Wenn das Maß voll ist, muss man die irdische Herberge verlassen und sich auf den Weg machen. Wohin? Cicero hofft auf das ewige Leben. Und wenn es kein ewiges Leben gibt, „so täusche ich mich gerne und will mir diesen Irrtum, der mir im Leben Freude spendet, auch nicht gewaltsam nehmen lassen …“. Kann man tröstlichere Worte finden?
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Cato Maior. Laelius: Lateinisch - Deutsch
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