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51 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „Bestand hat nur das Antifragile“
„Für Zufälligkeiten, Ungewissheit und Chaos gilt dasselbe: Ich will von ihnen profitieren und mich nicht vor ihnen verstecken“.

Nicht ausweichen, nicht dem Irrglauben verfallen, das Leben ließe sich kontrollieren, nicht zurückweichen vor den Unwägbarkeiten des Lebens, sondern diese geradezu an ihrem Ort...
Vor 21 Monaten von M. Lehmann-Pape veröffentlicht

versus
24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Autor mit gesundem Selbstbewusstsein aber viel Angriffsfläche
Bei einem Autor, der so von der Richtigkeit seiner Meinung überzeugt ist, kann man auch gleich in die Kritik einsteigen.
Die Grundaussage des Buchs, die ich mitgenommen habe ist, dass sich das unvorhersehbare nicht vorhersehen lässt.
Der Autor leitet daraus seine Theorie der Antifragilität ab, die allgemein gesprochen Systeme so aufbaut, dass sie...
Vor 14 Monaten von Tim Buktu veröffentlicht


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24 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Autor mit gesundem Selbstbewusstsein aber viel Angriffsfläche, 12. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Antifragilität: Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen (Kindle Edition)
Bei einem Autor, der so von der Richtigkeit seiner Meinung überzeugt ist, kann man auch gleich in die Kritik einsteigen.
Die Grundaussage des Buchs, die ich mitgenommen habe ist, dass sich das unvorhersehbare nicht vorhersehen lässt.
Der Autor leitet daraus seine Theorie der Antifragilität ab, die allgemein gesprochen Systeme so aufbaut, dass sie unvorhersehbare Verwerfungen nicht nur überstehen (robust sind), sondern davon profitieren (antifragil sind).
Diese Theorie wird auf unterschiedlichste Lebensbereiche (Finanzmärkte, Volkswirtschaft, Gesundheit, Nahrung, ...) angewandt. Generell wird dabei hart mit Menschen ins Gericht gegangen, die Planung/Prognosen machen, maximale Effizienz anstreben oder auch allgemein nur Forschung betreiben. Der Autor zieht sein Wissen hauptsächlich aus seiner Erfahrung als Börsenhändler, seiner eigenen Lebenserfahrung und vielen Titeln der klassischen Literatur (angefangen bei den alten Griechen).
Ohne im Detail auf alle Punkte einzugehen, werden zwar viele Missstände unser heutigen Gesellschaft zurecht aufgezeigt, die Ableitung der "Antifragilitätstheorie" als zentrale Lösung, wirkt dabei an vielen Stellen etwas aufgesetzt.
Generell könnte ich die Mehrzahl der aufgezeigten "Antifragilen Systeme" problemlos mit dem eigenen Ansatz des Autors zerlegen (z.B. sind antifragile Taxifahrer spätestens dann nur noch bestenfalls robust, wenn Autos selbst den Weg zum Ziel finden und ich nicht mal mehr einen Fahrer brauche). darüber hinaus "vergewaltigt" der Autor die Begriffe von konvex und konkav zur Erklärung seiner Modelle, ohne das es Sinn macht. Der zugrunde liegende Mathematische Ansatz mag im Trading Umfeld ganz gut anwendbar sein, im Grunde genommen beschreibt es aber nur eine sinnvolle Abwägung von Chancen und Risiken und die Möglichkeiten insbesondere in der Finanzwelt eingegangenen Risiken entgegenzuwirken. Die Anwendung dieser Modelle auf andere Lebensbereiche wie Sport oder Nahrung (z.B. nichts Essen was was es nicht schon vor 2000 Jahren in der eigenen Herkunftsregion gab, weil Zeit Produkte antifragil macht) bereiten eher ein schmunzeln, als das man sie ernst nehmen kann. Kritisch werden solche Bereiche allerdings, wenn sie auf Krankheiten (oder umgekehrt das Gesundsein) angewandt werden. Hier wird dann die sehr allgemeine Theorie teilweise in sehr bizarren Beispielen aufgeführt, die dem einen oder anderen Mediziner wahrscheinlich die Haare zu Berge steigen lassen.
Generell finde ich es gut an Gesellschaftlichen Entwicklungen wie dem Hang zur Monokultur und dem Wegfall der Vielfalt Kritik zu üben, die vom Autor aufgestellte Theorie ist dafür aber zu einfach und auf zu viele Bereiche des Lebens angewandt und damit mehr als angreifbar.
Literarisch ist das Buch ebenfalls zäh, viele Wiederholungen, öfter fragt man sich ob das Lesezeichen verrutscht ist, weil man glaubt das gleiche noch mal zu lesen und mir persönlich geht auch der generell beleidigende Tonfall (ganz wenige andere Menschen haben Ahnung, die meisten davon sind seit mehr als 1000 Jahren tot) und das permanente von sich selbst überzeugt sein des Autors ziemlich auf die Nerven.
Insofern kann ich das Buch nicht empfehlen, die wesentliche Theorie könnte man auch in einem Aufsatz oder mehrseitigen Zeitungsartikel darstellen. Die Lehre das Überraschungen überraschend kommen hat das Niveau von Fußballweisheiten....
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Keiner ist so schlau wie Nassim, 7. Mai 2014
Wollte man das umfangreiche Buch in einem einzigen Satz zusammenfassen, müßte dieser lauten: Keiner ist so schlau wie Nassim!
Denn alle kriegen sie hier ihr Fett weg: Ökonomen, Statistiker, Philosophen, Naturwissenschaftler, Wissenschaftstheoretiker usw. usf. Daß der Autor in vielen Disziplinen offenkundig nicht einmal Oberflächenwissen besitzt - was verschlägt's? Das macht ihm das Kritisieren um so einfacher.

Taleb brüstet sich damit, eben nicht akademisch zu schreiben. So gerät das Buch zu einer äußerst willkürlichen Auswahl von Anekdoten, die, wo notwendig, auch noch gehörig zurechtgebogen werden, um die Ansichten des Autors zu stützen. Davor bleiben auch die von ihm so verehrten Werke der Antike nicht verschont, die er - stolz darauf, sie im Original zu lesen - oft auch noch so falsch zitiert, daß es jedem Latein-Abiturienten die Nackenhaare aufstellen würde. ("Magnus Opus" - brrrr...)

Argument ist alles, was dem Autor nützt.
Beispiele?
Seine These, naturwissenschaftliche Bildung sei nicht die Voraussetzung, sondern das Resultat des Reichtums einer Gesellschaft, "beweist" er am Beispiel Kuwait. Japan? Nie gehört.
Weiters: Die Naturwissenschaften würden in ihrer Theoriebildung immer den Werken von Ingenieuren und anderen findigen Bastlern hinterhereilen. Computerchips, Laser, GPS? Nie gehört.

Würde man das Buch von allen Ausritten gegen die von ihm verabscheuten Disziplinen der Wissenschaft befreien (das wären, kurz zusammengefaßt: alle); und würde man auch noch Eigenlob, falsch wiedergegebene Zitate und non sequiturs entfernen, blieben etwa 50 Seiten unterhaltsamer Lektüre, die vermutlich sogar die eine oder andere Einsicht bescheren könnten.

Das Thema des Buches jedoch: Was ist jetzt eigentlich diese Antifragilität, und was genau machen wir mit ihr? - bliebe vermutlich dennoch ungeklärt. Denn wenn Taleb eines beherrscht, dann die Kunst, sich nicht festzulegen.

Aber vielleicht bin ich ungerecht: Vielleicht wäre die große Erkenntnis ja noch gekommen. Ich habe das Buch nämlich, entnervt von so viel Selbstbeweihräucherung, nach gut der Hälfte weggelegt. Taleb, selbst ein erklärter Feind gelehriger Geschwätzigkeit, hätte mir dies gewiß verziehen.
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120 von 132 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eine gute Idee macht noch kein gutes Buch..., 3. Juni 2013
Für dieses Buch gilt so ziemlich das Gleiche wie für Talebs Bestseller "Der schwarze Schwan": Eine prinzipiell interessante Idee (Was ist das Gegenteil von Fragilität? Eben NICHT Robustheit) wird durch endlose Wiederholungen und Betrachtungen von allen Seiten breit getreten, ohne dass auf den letzten ca. 500 Seiten des Buchs ein nennenswerter Erkenntnisgewinn zu verzeichnen wäre.

Die mittlerweile bekannte Angewohnheit von Taleb, sich dabei auf arrogante Weise über andere lustig zu machen und gleichzeitig die eigene vermeintliche Geistesgröße in den Mittelpunkt zu stellen, mag auf einige Leser "erfrischend" wirken, ich fand es eher nervig. Das ständige Einprügeln auf Analysten/Menschen, die Anzüge tragen/Naturwissenschaftler/Menschen, die Prognosen erstellen/Antike Philosophen/Menschen, die Zeitung lesen/Berater/Reiche Menschen im Smoking etc. ist wohlfeil und sehr ähnlich bereits im "Schwarzen Schwan" vorhanden, hier wird es halt noch einmal aufgekocht. Ich bin allerdings sicher, dass gerade dieser herablassende Stil das wahre verkaufsfördernde Argument für Talebs Bücher ist.

Denn die akademische Qualität seiner Gedankenwelt kann es nicht sein: Neben der Vorstellung des Konzepts der Antifragilität auf den ersten Seiten findet nichts Spannendes mehr statt, und wirklich ärgerlich ist es, wenn Folgerungen in Form eines "Das ist der Grund für..." geäußert werden, die dann aber in keinerlei Weise empirisch begründet werden. Dieses Mittel der "Beweisführung" wird leider über Gebühr genutzt und hat mir letztendlich die Lektüre verdorben, da damit viele (auch nachvollziehbare) Äußerungen auf reine Glaubenssätze reduziert werden.

Da dieses Buch des Öfteren in Kombination mit Kahnemans "Schnelles Denken, langsames Denken" bei Amazon angeboten wird: Der Unterschied ist eben schon, dass bei letztgenanntem auf fast jeder Seite ein neuer interessanter Gedanke präsentiert und dann auch über empirische Studien nachgewiesen wird (das macht natürlich Arbeit...). Und obwohl ich die Lektüre von Kahnemans Buch bereits vor einem Jahr abgeschlossen habe, komme ich gerne immer wieder darauf zurück.

Das wird mir bei "Antifragilität" wohl eher nicht passieren.
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51 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen „Bestand hat nur das Antifragile“, 18. März 2013
„Für Zufälligkeiten, Ungewissheit und Chaos gilt dasselbe: Ich will von ihnen profitieren und mich nicht vor ihnen verstecken“.

Nicht ausweichen, nicht dem Irrglauben verfallen, das Leben ließe sich kontrollieren, nicht zurückweichen vor den Unwägbarkeiten des Lebens, sondern diese geradezu an ihrem Ort „aufsuchen“, das sind Kerngedanken Talebs, die er in diesem umfassenden philosophischen Werk quer durch alle Lebensbereiche nach verfolgt und anhand unzähliger, oft und oft präzise treffender Beispiele aus Politik, Wirtschaft, Alltag sehr konkret in Worte zu fassen vermag.

„Der häufig Fragile (recht habende) gewinnt Pennys und verliert Dollars, der Antfragile (nur einmal recht habende) verliert Pennys und gewinnt Dollars“.

Die „Ungewissheit“ nicht nur „irgendwie bestehen“, „knapp überleben“, sondern „unbeschadet überleben und darüber hinaus noch das letzte Wort haben“, darum geht es Taleb. Und dafür ist es notwendig, „antfragil“ zu sein. Eine Wortschöpfung Talebs, mit der er jene Kraft, jenen Zustand (im Menschen) meint, der „mehr als robust“, am Unwägbaren, an Schocks, an plötzlichen und nicht planbaren Wendungen des Lebens wächst.

„Mut zum Leben“ gerade in seinen unwägbaren Formen, so könnte man das Pogramm Talebs bezeichnen, wobei er grundlegend postuliert, dass gerade da, wo es „unwägbar“ ist, das Leben immer auch „über den Ist-Zustand“ hinaus weist und damit Wachstum und Entwicklung generiert. Das Unwägbare, wenn es antifragil angegangen wird, führt zu automatischen Handlungen, zu einem Bewältigen und darin sieht Taleb die eigentliche Stärke des Menschen, nicht im Sinnieren und Nachdenken. In seinen Augen kann der Mensch mit „eintretenden, potentiell risikoreichen“ Situationen besser umgehen, als mit der „Voraussage des Ereignisses“. Also gilt es, die gegenwärtig übliche Vorgehensweise im Bereich des Risikomanagements schlichtweg auf den Kopf zu stellen. Alles, was von zufälligen Erschütterungen und Unwägbarkeiten „mehr profitiert, als es darunter leidet, ist antifragil“. Was natürlich in letzter Konsequent bedeutet, offenen Auges ins Risiko zu gehen.

Faszinierende Gedanken, die tatsächlich das überbordende Sicherheitsbedürfnis des Menschen vollständig in Frage stellen und zwar nicht als nur Postulat, sondern als nachweislich „Ineffektiv“. Wer in einer Welt, die er nicht versteht (weil sie nicht im Letzten zu verstehen ist), glücklich leben können will, der muss großen, unvorhersehbaren Ereignissen „antifragil“ und handlungsbereit begegnen, diese gerade zu suchen, um sich zu entwickeln und als Person zu wachsen.

Faszinierend und in sich logisch entfaltet Taleb auf den gut 600 Seiten des Buches verständlich und mit klaren, praktischen Beispielen versehen, seinen „Aufruf zum Gang ins Risiko“. Nichts weniger als eine Umkehrung all jener Versuche aus dem Alltag heraus bis in die feinsten Verästelungen der Real- und Finanzwirtschaft hinein, Risiken zu berechnen und soweit als möglich auszuschließen.

Zum einen gelingt dies in den wesentlichen Dingen des Lebens und Wirtschaftens nicht, zum anderen verhindert es das innere Wachstum und die Entfaltung persönlicher Anti-Fragilität als Kernressource für ein gelingendes und sich entfaltendes Leben. So, wie die gesamte Natur nicht „sicher“ ist, sondern zerstört und austauscht, generiert und verschwinden lässt.

Fast staunend folgt man den Wendungen Talebs und versteht Seite für Seite besser, das sein Anliegen weniger das ist, einen moralischen oder wie immer sonst gearteten „Aufruf zur Freiheit“ von sich zu geben, sondern im Gesamten schlichtweg nachweist, dass die grundlegende Haltung des modernen Menschen westlicher Prägung einfach nicht funktioniert.

„Wir nehmen uns vor, der Belästigung durch Dinge, die wir nicht verstehen, aus dem Weg zu gehen“. Ein Vorhaben, das nicht gelingt und das, im besten Falle, nur das eigene Leben in seinen Möglichkeiten erfolgreich hemmt, Was nicht die Idee des Lebens wäre. Wobei, auch das gilt, es nicht um ein hochkomplexes „neues“ Gedankengebäude im Buch geht, sondern um eine „Reinigung zum Einfachen“ hin. Das das Einfache, das Natürliche sich entfalten kann. Und dazu gehört das Unvorhersehbare, das Risiko, das Wagnis, sich dem Leben so zu stellen, wie es einem entgegenkommt.

Ein faszinierendes Buch gegen die „Unfähigkeit, Unbeständiges zu ertragen“ und für die „einfache“ Haltung, am Risiko zu wachsen, statt ausweichen zu wollen. Eine Lebensweg, den Taleb „altertümlich-mediterran“ nennt und für den er mit seinen eigenen Handlungen geradesteht. Einfach Faszinierend.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Gute Idee, schlechtes Buch..., 29. August 2013
Von 
Marius (Bayern, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch war am Anfang wirklich enorm Interssant für mich, aber nach einer Weile hat es wirklich genervt dieses Buch zu lesen.
Antifragilität ist eine sehr gute Idee, doch dieses abartig nervige zynische Art von Herr Taleb nervt einfach nur noch...
Fast jeder Wirtschaftswissenschaftler ist ein (Zitat): Dummkopf. Um genau zu sein ist jeder der andere Meinung ist ein Dummkopf, manche werden so gar namentlich genannt.

Was mich aber am aller meisten stört, sind seine für ihn allgemein gültigen Aussagen wie: "Kritiker können Autoren nichts anhaben wenn sie negativ über sie schreiben, ganz im Gegenteil das ist sogar für sie gut"
Das stimmt zwar meiner Meinung nach schon, aber eben nicht immer. Wenn ein Noname ein Buch schreibt und es von jederman fertig gemacht wird, dann kaufts auch niemand... Natürlich stimmt das, dass negative Werbung auch Werbung ist, aber das stimmt nun wirklich nicht bei jeglicher Art von Kritik.
Noch ein Beispiel ist seine Art zu lernen. Laut her Taleb ist es förderlich für die Konzentration, wenn man in der Umgebung leise störende Geräusche hört, da man sich so mehr anstrengen muss um sich zu konzentriern. Und so stärkt das dann scheinbar die Konzentration.
Das mag ja für ihn gelten, aber meine Konzentration fördert das ganz garnicht wenn ich nervige Geräusche beim Konzentriern (lernen) höre...
Worums mir geht, er stellt mehrere solche für ihn allgemein gültige Aussagen auf, aber differenziert VIEL VIEL zu wenig.
Mir scheints so als ob er nur schwarz und weiß in seiner Welt sieht...

Dazu kommt noch das dieses Buch alles andere als pragmatisch ist, sehr viele Wiederholungen und Erlebnisserzählungen aus seiner Vergangenheit. Wen er zum Beispiel vor ein paar Jahren zum Kaffee getroffen hat...

Ich hab durch die viel Zahl der positiven Bewertung gedacht es sei ein gutes Buch, aber ich kann nur davon ab raten!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Anleitung zur Lektüre, 18. August 2013
Taleb untersucht im vorliegenden Buch die interessante Fragestellung, welche Systeme von Schwankungen nicht nur nicht beeinträchtigt werden (Robustheit), sondern davon sogar profitieren (Taleb, bzw. sein Übersetzer, spricht dann von Antifragilität). Um die beiden Kernpunkte des Buchs zu betrachten, die Antifragilität und die Rolle, die nicht lineare Zusammenhänge dabei spielen, reicht es m.E. aber, die Kapitel 1-8 (Antifragilität) sowie Kapitel 18 (Nichtlinearität) zu lesen, also gut 100 Seiten. Die restlichen Kapitel tragen eher Details und Erläuterungen für den besonders interessierten Leser bei.

Was ist mit antifragilen Systemen gemeint? Man stelle sich zwei Länder vor, wobei es in Land A eine dominante Großbank gibt, in Land B aber 20 konkurrierende Institute. Tritt nun eine Krise ein (à la sub-prime Hypothekenkrise, Griechenland usw.) so wird bei insgesamt gleicher Risikoposition nach der talebschen Logik Land A stärker in Mitleidenschaft gezogen, als Land B. Im Land B gehen vielleicht ein paar - aber eben nicht alle - Banken pleite bzw. müssen ihr Portfolio nach und nach bereinigen. Die anderen lernen, ihr Risikosystem zu verbessern. Sprich: während Land A wahrscheinlich aus der Krise und bail-out geschwächt hervorgeht und unter nachhaltigem Wohlstandsverlust leidet, hat Land B antifragil profitiert und kommt im Vergleich zu Land A gestärkt hervor.

Ergänzend zu diesem Grundgedanken macht Taleb noch auf die Bedeutung nicht linearer Zusammenhänge aufmerksam. Als Beispiel nutzt er die Fehlspekulation von Kerviel bei der Société Général (Taleb vergisst übrigens im Original einen der zahlreichen Akzente). Es entsand ein Schaden in Höhe von 6 Mrd. $, weil der Markt bei der Auflösung der kritischen Position nicht aufnahmefähig genug war. Hätte man sukzessive, sagen wir: 5, kleine Verkäufe tätigen können, wäre die Summe der Teile aufgrund von Nichtlinearität aber nicht gleich, sondern wahrscheinlich viel niedriger gewesen. Überdimensionierte Organisationen tendierten danach zu besonderer Instabilität (sollte dies auf den ESM Rettungsschirm zur Eurorettung auch zutreffen?).

Der Schreibstil von Taleb ist hinlänglich diskutiert worden: hanseatische Zurückhaltung gehört nicht zu seinen noblen Tugenden. Man möge es ihm aber als Vertreter eines anderen Kulturkreises und vor allem wegen des Inhalts verzeihen. Immerhin hat er lt. Scopus Datenbank Mitte 2013 auch 14 wissenschaftliche bzw. wissenschaftsnahe Aufsätze veröffentlicht, die knapp 100 Mal zitiert wurden. Das wird ihn in keinem akademischen Ranking nach vorne bringen. Es ist aber gerade für einen Autor, der dauernd Universitäten und Professoren kritisiert, auch nicht wirklich schlecht, ja so gesehen geradezu verdächtig viel. Vielleicht entbehrt die Akademieschelte durch Prof. Taleb ja nicht einer gewissen Ironie...
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen entdecke die Welt 2.0, 24. Juni 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Antifragilität ist das jüngste der drei essayistischen Bücher des ehemaligen Traders Nicholas Taleb (die beiden anderen sind: Narren des Zufalls: Die unterschätzte Rolle des Zufalls in unserem Leben sowie Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse).
Antifragilität ist von diesen Büchern m. E. das beste: das Gedankengut ist weiter gereift, die Gesamtheit der Themen ist sehr breit gefasst (dies ist definitiv kein Finanzbuch mehr!) und es werden Handlungsanweisungen und Lösungsansätze angeboten, ein Punkt der in den Vorgängerwerken oft zu kurz kam. Wer die anderen beiden Bücher kennt, wird inhaltliche Überschneidungen bemerken. Sie resultieren daraus, dass Talebs Essays immer um den salopp formulierten Komplex "seltene Ereignisse, deren Einschätzung und deren nichtlineare Auswirkungen" kreisen. Man braucht die beiden anderen Bücher nicht zum Verständnis von Antifragilität.

Was ist Antifragilität? Es gibt einige Dinge/Strukturen/Verhaltensweisen, die von Belastungen wie Zufällen/Schwankungen/Stress/... positiv profitieren. Unser übliches Denken und Handeln hat hingegen i.A. fragile Strukturen im Fokus - diese werden aber früher oder später untergehen bzw. uns in Schwierigkeiten bringen.

Das Konzept Fragilität-Robustheit-Antifragilität wird im 1. Kapitel stringent eingeführt. Es wird von Taleb sehr weit gefasst; im weiteren Verlauf des Buches werden dann Aspekte und Nebenaspekte aus u.a. Wissenschaft, Medien, Finanzwesen, Medizin, Gesellschaft, Moral auf eine raffiniert unsystematische, sich dem Thema immer wieder neu nähernde Art beleuchtet. Taleb praktiziert hiermit den (antifragilen) "Flaneur", der scheinbar ziellos umherwandert, hierdurch jedoch offen für Entdeckungen am Wegesrand ist und der für ihn der Gegenentwurf zum (fragilen) "Touristen" darstellt. Durch dieses Vorgehen werden eine Vielzahl bedenkenswerter Ideen zu Tage gefördert (z.B. die Rolle von Stressoren für unsere Gesundheit) und es gelingen ihm einige schöne Bilder ("leerer Anzug", "Flugunterricht für Vögel").

Taleb bleibt in diesem Buch seinem unkonventionellen Stil treu: Statt zu theoretisieren setzt er ganz auf exemplarische Anschauung, was der Lesbarkeit sehr entgegenkommt. Hierzu wird ein bunter Mix u.a. aus eigener Lebenserfahrung, fiktiven Charakteren und Ausführungen klassischer Autoren eingesetzt.

Auch das ihm eigene polarisierende Element, gut ablesbar an den Amazon-Rezensionen zu seinen Werken, ist vertreten. Es wird wie in seinen anderen Büchern kräftig vor allem auf das wirtschaftswissenschaftliche Establishment ("Fragilisten") eingeprügelt. Eigentlich lässt er nur Daniel Kahneman bzw. die theoretische Physik gelten.

Fazit: Der Wert dieses Buches besteht weniger darin, dass es absolute Wahrheiten verkündet (da ja viel aus der Sicht von Anschauung und Erfahrung argumentiert wird, ist manches Detail auch anfechtbar); er besteht darin, dass es zum Denken anregt und Lust macht, sich mit offenen Augen mit manchem Selbstverständlichen auseinanderzusetzen.
Wenn also etwas von Taleb lesen, dann dieses!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gute Idee, aber auch nicht neu..., 7. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Insgesamt ein lesenswertes Buch mit zahlreichen Beispielen und interessanten Passagen zu verschiedensten Themen wie Ländern, Gesellschaften, Technik, Medizin, Wirtschaftswissenschaften etc…

Zusammenfassend:

Dass man aus Krisen gestärkt hervorgehen kann, wird ja spätestens seit 2008/2009 auf jeder 2. Betriebsversammlung zahlreicher Unternehmen als Durchhalteparole gebracht. Etwas weiterentwickelt will die Antifragilität ebenso darauf hinaus:
Systeme, die nicht nur robust sind, sondern sogar besser werden, wenn ihnen eigentlich etwas schlechtes widerfährt. Der Begriff wird anhand von Beispielen ausführlich erklärt, genauso wie der eigentliche Aufbau des Buches und dessen Verhältnis zum „Schwarzen Schwan“. Das Gegenteil von 1 ist eben nicht Null, sondern -1. Und Stressoren und Unbequemlichkeit sind wichtige Signale für den Menschen. Bin ich absolut einverstanden.

Dennoch fallen mir folgende Kritikpunkte ein:

Bei einigen Passagen schaut man etwas verwundert: Der Begriff „Antifragilität“ ist nicht schwierig zu verstehen. Wenn es aber eine „dumme Frage“ ist, wenn man doch noch mal nachfragt (S.31), dann wirkt der Autor etwas elitär-arrogant. Es gibt doch keine dummen Fragen…

Auch wird ordentlich über Ökonomen hergezogen. „Man muss dazu sagen, dass dieser Ökonom ein […] Ohrfeigengesicht hatte,[…] das förmlich dazu einlädt hineinzuschlagen.“ Auch bekommt der ein oder andere Limousinenchauffeur ein „f*** off“ zu hören. Auf Seite 247 dann meine persönliche Lieblingsstelle: "Ich glaube, der größte Vorteil von Reichtum liegt [...] darin, dass man reiche Leute verachten kann [...]. Noch reizvoller ist es, wenn diese Säcke nicht wissen, dass man selbst reicher ist als sie.".
Aber letztlich muss man anmerken, dass auch ein Wittgenstein und ein Schopenhauer gedonnert, gewettert, beschimpft und sogar beleidigt hat. Von daher geht es für mich auch in Ordnung, wenn ein Taleb mal auf den Tisch haut.

Es werden etwas zu häufig Vergleiche und Beispiele aus der Mythologie herangezogen, die zwar wirklich gut passen, aber im heutigen Alltag nicht wirklich weiterhelfen. Immerhin werden auch ein paar realistische Beispiele und Analogien genannt, die Talebs Thesen sehr gut stützen.

Mit einigen kann ich mich aber nicht ganz anfreunden: Dass Taxifahrer und Prostituierte in Krisen antifragiler sind, als ein (einigermaßen gut ausgebildeter) Angestellter, KANN so sein, MUSS aber nicht:
In der Krise 2009 hatte das Taxigeschäft erheblich zu kämpfen. Prostituierte ebenso (DIE ZEIT berichtete: „Krise erreicht Bordelle“). Da hilft es nicht „einen neuen Stadtteil zu finden“ (S.129) und schon passt alles wieder.

Ich bin als Angestellter jedenfalls gut durch die Krise gekommen und war froh, kein Taxifahrer zu sein. Die Taxifahrer standen um 2009 nämlich reihenweise am Straßenrand und hatten nix zu tun (während ihre wiederum reihenweise abgestellten Taxis am Straßenrand andere Autofahrer behindert haben). Wären sie in eine andere Stadt gefahren, hätten sie die selbe Krise vorgefunden.

Dass Radfahren die Knochen schwächt (S.91), gilt allenfalls für den Leistungssport. Eigentlich wird Radfahren gegen Gelenkprobleme sogar empfohlen; und der Autor hält ja gerade ein stabiles Skelett für eine Grundvoraussetzung für Gesundheit (S.93). Letztendlich ist die Message des Buches hier: Sport hält Alterungsprozesse (in Grenzen) auf und ist ein sinnvoller Stressor. Das weiß man aber schon länger. Gilt übrigens nicht nur für Knochendichte etc., sondern auch für Organe (Augen etc..)

Taleb ist auch kein begnadeter Techniker: „Stellen sie sich vor es gäbe ein Material, das Dinge stärker macht, sie in die Lage versetzt, sich selbst zu reparieren…“ (S.89).
Diese gibt es durchaus. Der Formgedächtniseffekt mancher Legierungen hätte hier erwähnt werden müssen. Der Kotflügel eines Autos aus einer solchen Legierung würde sich also in der Tat selbst reparieren. Das wäre keine volle Antifragilität, aber als Quasi-Antifragilität erwähnenswert. Erste Berührungspunkte mit diesen Legierungen gehen auf die 1930er Jahre zurück…

Und dass man auf unseren Autobahnen 200 km/h fahren kann, ist natürlich für jemanden, der in den USA lebt, reinstes Unbehagen. Da lächelt man als Leser aus Deutschland etwas müde und denkt an seine tägliche Fahrt zur Arbeit mit jeder Menge "Freie-Fahrt-Abschnitten"…

Etwas kurzsichtig wirkt es wenn von Lebensmodellen gesprochen wird. Der Autor empfindet Nervenkitzel, wenn er Bücher schreibt. Das mag sein, aber ein anderer wird sich schon beim bloßen Gedanken ein Autor zu sein langweilen. Jeder sieht Nervenkitzel und Langeweile anders. Viele haben auch nicht unbedingt die Möglichkeiten das Leben zu führen, das ihnen Nervenkitzel bieten würde. Nicht jeder hat die gleichen Chancen, Hr. Taleb. (S.101)

Alles in Allem also ein gutes Buch, das für mich zwar viele interessante Details bereit hielt, aber auch viele Grundideen transportiert, nach denen ich bereits seit Jahrzehnten aus Eigeninstinkt lebe.
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63 von 74 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Warum das Einfache das Klügere ist, 23. Februar 2013
Von 
Falk Müller - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Die Fragen, die der Autor im Buch stellt, sind sehr interessant: Wie können wir angstfrei mit Dingen umgehen, die wir offensichtlich nicht verstehen? Wie können wir sie sogar produktiv nutzen? Wie können wir uns mit unserer Unwissenheit konfrontieren, ohne das Gefühl zu haben, überfordert zu sein - wie können wir stattdessen offensiv und stolz Mensch sein?

Die Lösung, die der Autor andeutet, lässt sich in vier Worten etwa so beschreiben: je einfacher, desto besser. Denn das Einfache ist zwar nicht perfekt, aber beständig - also antifragil, um es mal mit dem Buchtitel zu auszudrücken. Deshalb setzt sich das Einfache langfristig durch. Der Autor führt hier ein treffendes Zität von Apple-Gründer Steve Jobs an: "Sie müssen schwer an sich arbeiten, um Ihr Denken zu reinigen und es damit einfach zu machen." Der Erfolg hat ihm recht gegeben: gerade weil seine Produkte so einfach zu verstehen sind, haben sie sich durchgesetzt.

Das Buch hat also einen interessanten Kontext. Was ich aber nicht so toll fand war, dass es sehr weitschweifig ist. Der Autor verliert sich zu sehr in Einzelheiten, die nach meiner Meinung nur bedingt mit dem eigentlichen Gegenstand des Buches zu tun haben. Obwohl man nur ein Buch in der Hand hält, sind es eigentlich sogar mehrere: laut Inhaltsverzeichnis sogar sieben. Vorher kommt noch ein Prolog, ein Anhang zum Prolog und eine Einleitung. Und am Schluss kommt noch ein Appendix I und ein Appendix II. Man hat ein wenig den Eindruck, dass der Autor eine Heidenangst davor hatte, auch nur einen Satz ungeschrieben zu lassen.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Damokles, Phönix, Hydra, 4. Juni 2013
Von 
FMA - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Das Gegenteil von fragil, zerbrechlich, so der Autor, ist nicht ein Zustand, der Gefahren einfach nur mit mehr Stabilität, Robustheit begegnet, sondern ein Zustand, aus dem heraus man sich durch den Einbruch des Unvorhergesehenen, Chaotischen weiterentwickeln kann, so dass man nicht etwa nur unbeschadet, sondern gestärkt daraus hervorgeht - Antifragilität. Damit meint Taleb einer Art universellem Prinzip auf die Spur gekommen zu sein. I.d.T. ist das, was er Antifragilität nennt, ein Charakteristikum alles Lebendigen und der evolutionären Entwicklung. Es sind die widrigen Umstände eines Biotops, die dazu führen, dass eine Spezies neue Eigenschaften ausbildet, die ihr ein besseres Leben und Überleben sichern.

Menschliche Existenz, Kultur, Zivilisation hingegen, steht immer in der Gefahr, der Versuchung zur Robustheit zu erliegen. Eine wesentliche Triebkraft insbesondere der westlichen Kultur ist die Reduktion, Beherrschung und Ausschließung von Risiken. Und immer wieder kommt man in verschiedensten Bereichen an den Punkt, wo es so scheint, dass dies nun weitestgehend gelungen ist - bis zur nächsten Katastrophe.

Diesen Grundgedanken spielt Taleb in seinem Wälzer für mannigfaltigste Konstellationen in Geschichte und Gegenwart; in Mythologie, Philosophie, Literatur und Wissenschaft; für Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und individueller Daseinsgestaltung durch. Der Eindruck, dass er dabei wohl auch ein wenig mit einem schier grenzenlosen enzyklopädischen Wissen angeben möchte, scheint sich nicht wenigen seiner Rezensenten - Fans wie Kritikern - zu vermitteln. Aber seis drum - sein Buch ließt sich allenthalben inspirierend und unterhaltsam, auch wenn man ihm nicht immer zustimmt oder so manches eher verschwommen oder überzogen wirkt.

In der griechischen Mythologie sieht Taleb Fragilität in der Geschichte von Damokles, Robustheit in der des Phönix, Antifragilität hingegen bei der vielköpfigen Hydra, der man gar nicht besser zum Wachstum verhelfen konnte, als ihr einen Kopf abzuschlagen, versinnbildlicht.

Damokles war der Überlieferung zufolge ein unzufriedener Günstling des Tyrannen Dionysios von Syrakus. Letzterer ließ - um dem Emporkömmling eine Lehre zu erteilen - bei einem luxuriösem Symposion über dessen Platz ein Schwert an einem Rosshaar befestigen. Als Damokles dies entdeckte, verging ihm der Appetit. Die Botschaft des Königs: Sieh dich vor, du wähnst dich satt und sicher und weist doch nicht, was als nächstes über dich hereinbrechen könnte. Du gierst nach immer mehr Macht und Einfluss, statt dankbar und weise zu sein. - Ein schönes Bild für Leute, die Taleb als "Turkeys" - Truthähne bezeichnet. Die Experten und Prognostiker, die uns - stets mit dem Anspruch der Wissenschaftlichkeit - erklären, was als nächstes kommt. Auch der Truthhahn "denkt" streng fakten- und evidenzbasiert. Der Farmer verwöhnt ihn ja jeden Tag und er wird kugelrund unter seiner Fürsorge. Mit jedem Tag ist die Annahme, dass alles bestens ist, statistisch ein wenig besser belegt. Bis zum Tag vor Thanks Giving.

Überhaupt steht Taleb mit dem gängigen Wissenschaftsbetrieb auf Kriegsfuß. Mit dem Mathematiker Benoît Mandelbrot kooperierte und verstand er sich bestens. Für sein Verhältnis zum Psychologen und Verhaltensökonomen David Kahneman, der ihn zwar bei aller Freundschaft nicht unkritisch sieht, ihm aber dennoch bescheinigt, sein Denken verändert zu haben, gilt dies ebenso. Sein - bei Verfassung des Buches abgebrochener, inzwischen allerdings wieder fortgesetzter - Ausflug in den universitären Lehrbetrieb hingegen hatte offenbar keinen guten Eindruck hinterlassen. Hier sei er Menschen begegnet, die sich anmaßen, in den großen Fragen unserer Zeit Experten zu sein, und dabei in einer Pseudowelt leben; prognostizieren und über Risiken philosophieren, ohne je ein existenzielles Risiko eingegangen zu sein.

Sicherlich etwas übertrieben, ebenso wie der verklärten Rückblick auf seine Zeit als Trader an der Wallstreet - die er als eine gesunden Sportsgeist erfordernde Welt ständiger Rivalität und Herausforderung, die aber durchaus von lebensnahem Pragmatismus und gewissen Ehrenkodices geprägt sei, beschreibt. Verständlich ist seine Nostalgie natürlich. Als Hedgefondmanager hatte er seinerzeit allen Buh-Rufen zum Trotz auf fallende Kurse gewettet und die Finanz- und Immobilien-Krise in The Black Swan" 2007 vorausgesagt. Als diese dann ein Jahr später hereinbrach, wurde er steinreich durch seine Transaktionen; reich und berühmt durch sein Buch, das zum Megaseller und Kultbuch der Börsenszene wurde und zum begehrten Ratgeber in Politik und Finanzwelt obendrein.

Aber er schwelgt auch in der Erinnerung an die levantischen Suks seiner Kindheit. Hier käme nur das Beste im Menschen zum Vorschein: Nachsicht, Ehrlichkeit, Liebe, Vertrauen und Offenherzigkeit." Solche Formen des Handels in einem überschaubaren Rahmen seien seines Erachtens das einzige Tor zu jeglicher Form von Toleranz."

Besonders angetan haben es Taleb antireligiöse Fanatiker wie Richard Dawkins, Sam Harris, Daniel Dennett. Für ihn sind die sog. Neu-Atheisten engstirnige Dogmatiker, "naive Rationalisten". I.d.T. wirkte in öffentlicher Diskussion selbst der eloquente Christopher Hitchens (R.I.P.), ehedem eine Art Popstar der neu-atheistischen Szene, neben Taleb wie ein neunmalkluger Schuljunge.

Seit der Aufklärung, so Taleb, wollen wir Entscheidungen nur noch anhand umfassender Informationen treffen - und übersehen regelmäßig, dass die Welt viel zu komplex ist, um auf einer solchen Basis langfristige Strategien zu entwickeln.Vor der Aufklärung seien wir weiser gewesen; mithilfe der Religion in der Lage, trotz mangelhafter Informationen vorwärts zu gehen. Das lag zum Einen daran, dass Religionen ein evolutionär erfolgreich erprobtes, kulturspezifisches Grundraster für Entscheidungsprozesse zur Verfügung stellen, zum anderen, dass sie ein existenzielles Grundvertrauen ermöglichen, das vor übersteigertem Aktivismus, der oft mehr schadet als nutzt, bewahrt. Nur selten erkennen wir unter den Segnungen der Religion den Umstand, dass sie den Interventionsirrtum begrenzt."

Rationalisten verrennen sich regelmäßig; wer antifragil ausgerichtet ist, bleibt nah am Leben. Die großen Neuerungen der Wissenschaft wurden nicht von den oft deduktiv denkenden professionellen Wissenschaftlern mit ihren großen Gedankengebäuden, aufwendigen Laboren und Forschungseinrichtungen hervorgebracht, sondern von Tüftlern, Querdenkern und innovativen Praktikern - Antifragilisten, die auf konkrete Herausforderungen konkrete Antworten fanden.

Antike Stadtstaaten oder mittel-europäische Fürstentümer hätten kriegerische Auseinandersetzungen wie einen Volkssport betrieben. Krieger oder Ritter traten gegeneinander an und akzeptierten bei einer Niederlage die Bedingungen des Siegers - bis zum nächsten Streit. Darüber, ob dgl. zu begrüßen ist, kann man geteilter Ansicht sein. Aber, so Taleb, man verhielt sich antifragil, blieb wehrhaft und kampferprobt und die Opferzahlen hielten sich in Grenzen. Die eigentlichen zivilisatorischen Katastrophen erlebte die Welt gerade dadurch, dass man jede Bedrohung auszuschließen versuchte. Hochgerüstete Imperien und eine entsprechende Bündnisspolitik sorgten dafür, dass aus Regionalkonflikten, globale Flächenbrände wurden. Das Verteidigungspotenzial" moderner Waffen führte dazu, dass Millionen Unschuldige, Frauen und Kinder - die der mit Lanze, Schwert und Schild gerüstete griechische Hoplit noch problemlos schützen konnte - ihr Leben lassen mussten.

Das Bankensystem wurde im Laufe der Jahrzehnte nicht zuletzt auch durch die Basel-Vereinbarungen, die es doch eigentlich sicherer machen sollten, in einer Weise hochgezüchtet, dass der Bankrott eines der großen Institute einer Katastrophe für die gesamte Finanzwirtschaft gleich kommt. Das Bemühen nach Robustheit hat die Risiken für die Weltwirtschaft also noch erhöht. Antifragilität tut Not - kleine Unternehmen, die manövrierfähig sind und auf Krisen und Herausforderungen flexibel und effektiv reagieren oder auch ohne Schaden für das System ausscheiden bzw. sich neu erfinden können. So sieht es Taleb bspw. in der Gastronomie verwirklicht. Dadurch, dass Restaurants ständig um ihre Kunden konkurrieren müssen, wird das System insgesamt immer besser.

Die moderne Medizin, so Taleb, will mit gigantischem Aufwand dafür sorgen, den Menschen robuster zu machen. Gesünder seien wir dadurch mitnichten. Bestenfalls werden wir mit all unseren Zivilisationskrankheiten immer älter. Auch hier wäre mehr dadurch getan, dass Menschen sich vor ungesunder Ernährung bewahren, statt Cholesterinblogger zu schlucken, sich körperlich fit halten, statt Kreislaufmedikamente einzunehmen - kurzum spätestens bei auftauchenden gesundheitlichen Problemen, die dem Betroffenen seine Fragilität vor Augen führen, kreativ und konstruktiv zu reagieren. Der Burnout-Epidemie begegnet man nicht erfolgreich, indem man einseitig auf Stressreduktion setzt, sondern indem man Stressoren und Herausforderungen aktiv begegnet.

Wenn Antifragilität eine Eigenschaft derjenigen natürlichen (und komplexen) Systeme ist, die sich durchsetzen konnten, dann werden diese Systeme logischerweise darunter leiden, wenn sie Volatilität, Zufälligkeit und bestimmten Stressoren nicht länger ausgesetzt sind. Sie werden schwächer, sterben oder gehen in die Luft. Indem wir Zufälligkeit und Instabilität unterdrücken, haben wir die Wirtschaft, unsere Gesundheit, das politische Leben, das Erziehungswesen, fast all unsere Lebensbereiche fragilisiert."
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