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240 von 266 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es ist wie mein Opa erzählte
Um es kurz zu sagen: der Film deckt sich im Kern in unglaublich vielerlei Hinsicht mit den Erzählungen meines Großvaters, der den Russlandfeldzug von Anfang bis zum Ende als Wehrmachtssoldat mitgemacht hat und mir davon berichtet hat, als ich ein Kind war. Es ist alles zu sehen, was ich aus seinen Erzählungen kannte: der Hurrapatriotismus, die wachsende...
Vor 16 Monaten von A. Mergard veröffentlicht

versus
225 von 285 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nur scheinbar authentisch
Es ist erstaunlich, wie positiv der ZDF-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ von vielen bewertet wird. Erklären läßt sich dies wohl nur durch die zweifellos guten schauspielerischen Leistungen der Darsteller und die Suggestivkraft der Bilder. Die Geschichte selbst und die Figuren sind jedoch alles andere als historisch...
Vor 14 Monaten von Waldläufer76 veröffentlicht


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240 von 266 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es ist wie mein Opa erzählte, 19. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Unsere Mütter, unsere Väter [2 DVDs] (DVD)
Um es kurz zu sagen: der Film deckt sich im Kern in unglaublich vielerlei Hinsicht mit den Erzählungen meines Großvaters, der den Russlandfeldzug von Anfang bis zum Ende als Wehrmachtssoldat mitgemacht hat und mir davon berichtet hat, als ich ein Kind war. Es ist alles zu sehen, was ich aus seinen Erzählungen kannte: der Hurrapatriotismus, die wachsende Grausamkeit von allen Seiten, die menschliche Verzweiflung, die Selbstverständlichkeit mit der die meisten die Judenverfolgung hinnahmen, die Kameradschaft im Feld, die Angst davor zu sterben, die heimlich wachsende Erkenntnis der Sinnlosigkeit und Aussichtslosigkeit des Krieges und der Versuch, an Lügen zu glauben um der Wahrheit nicht in's Gesicht sehen zu müssen.

Ich empfinde den Film als längst überfälliges Werk, das die menschlichen Regungen, den Alltag, die Sternstunden und die Abgründe einer deutschen Generation zeigt, die in der Niederlage erkennen musste, dass ihr Patriotismus von den Nazis ausgenutzt worden war. Mein Großvater sagte mir, während des Krieges hätten die meisten seiner Kameraden immer geglaubt auf der Seite der Guten zu stehen.
Als dann nach dem Krieg laut ausgesprochen wurde, was in den KZ's geschehen war, wie in Russland, Polen und woanders gemordet worden war, als Deutschland in Trümmern lag und deutlich wurde wie viel Glauben und Hoffnung missbraucht worden war, begann man sich für sein Mitmachen insgeheim zu schämen. Mein Großvater sagte, er sei für Deutschland ausgezogen, hatte auf Hitler schwören müssen und hatte mit dem Hakenkreuz an der Brust gekämpft, obwohl er für die Nazis wenig übrig hatte. Und mit jedem glänzenden Sieg am Anfang, sagte er, hatten alle nur an Deutschland gedacht, aber eigentlich nur den Nazis geholfen. Jetzt, am Ende, lag alles offen. Wo war der Spiegel, in den man da nach dem Krieg noch genau schauen wollte ?

Oder um es aus der Erinnerung mit den Worten meines Großvaters zu sagen : "Bei uns gab es auch Helden, da haben sich auch viele aufgeopfert und viele sind gefallen. Aber Junge, für wen ? Nit für Deutschland ! Für Verbrecher ! Und aus uns Soldaten ham sie dann am Schluss auch Verbrecher gemacht !"

Diese Tragik dieser Generation darzustellen, ist die große Leistung des Films

Von daher : sehr verdiente fünf Sterne !
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64 von 79 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Krieg bringt in uns allen nur das Schlechte hervor und nie das Gute - am Ende wird nichts mehr so sein, wie es wahr!", 21. März 2013
Von 
Amigo Del Sol "ADS" (Fürstentum Lippe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Unsere Mütter, unsere Väter [2 DVDs] (DVD)
Fünf Freunde feiern im Juni 1941 ihren letzten Abend gemeinsam in Berlin, ehe es für sie in verschiedene Himmelsrichtungen geht. Die beiden Brüder Wilhelm (Volker Bruch) und Friedhelm (Tom Schilling) werden mit der Wehrmacht in Russland einmarschieren. Charlotte (Miriam Stein) wird ihnen in einem Feldlazarett weit hinter der Front folgen, denn sie hat sich freiwillig als Krankenschwester gemeldet. Die lebenslustige Greta (Katharina Schüttler) träumt davon ein UFA-Star zu werden, während ihr Freund Viktor (Ludwig Trepte) als Jude versucht seine Eltern von einer Flucht aus Berlin und aus Deutschland zu überzeugen. Nach diesem Abend trennen sich die Wege dieser fünf Freunde, mit dem Versprechen sich an Weihnachten wiederzusehen...

"Unsere Mütter, unsere Väter" gehört, wie sicherlich auch schon vielfach geschrieben, definitiv zu den besseren Weltkriegsaufarbeitungsfilmen. Ich persönlich würde ihn durchaus auf einer Ebene mit Filmen wie "Stalingrad", "Der Untergang" oder auch "Steiner - Das eiserne Kreuz" sehen, wobei Letzterer sicherlich mehr Action als Schauspielkunst zu bieten hatte. In einer Sache sind sich aber beide Filme sehr ähnlich, als Ein- und Überleitungen wurden historische Filmaufnahmen genutzt. Die vor allem auch bei "Steiner - Das eiserne Kreuz" seinerzeit zu einer Kontroverse geführt haben, weil die Originalvideos deutlich das ganze Leid dieses Krieges zeigten, was man seinerzeit wohl so noch nicht erwartet hatte.
Hat man in den vergangenen Produktionen noch auf überwiegend namenhafte Schauspieler gesetzt, so treten sie in "Unsere Mütter, unsere Väter" nur in Nebenrollen auf. Der Fokus des Ensembles liegt hierbei auf fünf, eher unverbrauchten Schauspielern, von denen ich persönlich nur Tom Schilling aus dem Film "Napola" kannte bzw. wahrgenommen hatte. Das hatte den angenehmen Vorteil, dass man als Zuschauer schon einmal völlig unvoreingenommen gegenüber den Protagonisten war und man wurde nicht enttäuscht. Alle fünf Hauptdarsteller liefern ein beeindruckendes Schauspiel ab.

Da ist Wilhelm, der die Blitzkriege gegen Frankreich und Polen miterlebt hat, quasi als Soldat der ersten Stunde und dementsprechend von der Stärke der Wehrmacht überzeugt ist und auch in seiner Familie daher ein entsprechendes Ansehen genießt, besonders gegenüber seinem Vater. Der im Laufe des Krieges allerdings jeglichen Illusionen beraubt wird. Sein Bruder Friedhelm ist hier anfangs mehr der Träumer und der einzige, der eine Ahnung davon entwickelt, was Krieg wirklich bedeutet. So ist er auch derjenige, der von allen Protagonisten die größte Entwicklung in allen drei Filmteilen nimmt und er vielleicht am Ende für diejenigen steht, die bis zur letzten Patrone kämpfen mussten, weil sie es einfach anders nicht mehr konnten oder wollten, denn dafür haben sie einfach zu viel Leid gesehen und es selber gebracht.
Charlotte nimmt eine ähnliche Entwicklung, allerdings in die andere Richtung. Als überzeugte Nationalsozialistin scheut sie auch vor Denunziationen nicht zurück. Aber spätestens als die Front immer näher rückt und Verwundeten immer mehr und immer schlechter versorgt werden, beginnt sich ihr Weltbild zu wandeln und alles woran sie geglaubt hat, gerät ins Wanken. Greta träumt von der großen Karriere und ihre Affäre mit einem verheirateten Gestapo-Mann bringt sie fast ans Ziel ihrer Träume - ehe sie von allen vielleicht den brutalsten Absturz erlebt. Viktor als Jude hat vielleicht von allen die schlechtesten Karten, schon von Anfang an - wie sollte es auch anders sein. Seine Entwicklung kann man im Grunde auf den blanken Wunsch einfach zu überleben herunterdividieren, denn das ist die einzige Chance die er wirklich hat. Denn dieser Film zeigt deutlich, dass die Juden auch in Osteuropa verhasst waren und dort als Übel für den Krieg gesehen wurden. Ein kleiner aber nachhaltiger Versuch der Macher, dieses Gut-Böse oder Schwarz-Weiß-Bildnis, dass sich immer wieder aufbaut zu untergraben, um damit dann zu zeigen, dass dieser Krieg nicht zwischen Gut und Böse unterschieden, sondern nur bei Leben und Tod einen Unterschied gemacht hat. Gleiches gilt übrigens auch in der späteren Inthronisierung von Ex-Nazis in den Verwaltungsapparat des Nachkriegsdeutschlands - auch ein Thema, dass so noch nicht im TV behandelt wurde.

Gewollt war es von den Machern, dass sich alle Protagonisten in den verschiedenen Entwicklungsstadien immer mal wieder begegneten. Das wirkt phasenweise vielleicht etwas konstruiert, liefert aber eine nicht zu verachtene emotionale Komponente mit. Bemerkenswert fand ich es auch, dass der gesamte Krieg gegen Russland (1941 - 1945) in diesem Dreiteiler aufbereitet wurde. Angefangen mit dem Vorstoß der Wehrmacht kurz vor Moskau, über die Panzerschlacht bei Kursk bis hin zum jähen Ende irgendwo zwischen Berlin und der polnischen Grenze. Es wird gezeigt wie die Wehrmacht und Sonderkommandos immer brutaler gegen die Zivilbevölkerung vorgingen. Ganz nach dem Motto "Wir töten Sie, bevor sie uns töten" und daraus sich ein brutaler Partisanenkrieg entwickelte. Die Macher des Films zeigen ziemlich eindrucksvoll, wie sich hier eine Mördertruppe entwickelt hat.

Die Effekte in dieser TV-Produktion kann man definitiv als gelungen werten. Der Einsatz von Handkameras und einer schnellen Schnittfolge kennt man sonst nur aus Hollywood- oder internationalen TV/Serien-Produktionen. Der Zuschauer bekommt nicht den Eindruck "nur" zuzuschauen, sondern er ist förmlich mitten drin, wenn die Soldaten versuchen eine völlig sinnlose Telegrafenstation zurückzuerobern.
Was ich allerdings ein wenig vermisst habe, waren stellenweise die Aufnahmen aus Berlin, vor allem der obligatorische Fliegeralarm fehlte im Sinne der Authentizität. Auch die häufigen Standortwechsel waren als Zuschauer etwas verwirrend, spätestens dann, wenn mal Schnee lag und dann wieder nicht. So blieb bei mir leider auch der Eindruck haften, dass die Story vor allem zum Ende hin sehr gerafft wirkte. So fällt für mich vor allem der dritte Teil im Vergleich zu den ersten beiden Folgen hier etwas ab. Ob es hier noch die Option auf einen Directors Cut gibt, kann man bei einer TV-Produktion allerdings nicht zwingend erwarten.

Unterm Strich haben die ersten beiden Teile locker die 5-Sterne-Hürde genommen, der dritte Teil fällt aufgrund des Eindrucks, dass hier versucht wurde die Story zu raffen etwas ab, was bei fünf Handlungssträngen vielleicht auch einer zu viel war. Insgesamt ist "Unsere Mütter, unsere Väter" aber ein beklemmender, spannender und unerwartet authentischer Film. Vor allem nach den ersten beiden Teilen, war ein beklemmendes Gefühl bei mir definitiv vorhanden. Das ZDF scheint dies schon nach dem ersten Teil geahnt zu haben, so dass es bei der TV-Ausstrahlung direkt im Anschluss die obligatorische Aufklärungs- und Erklärungsdoku gab. Ich fand sie persönlich unnötig und man hätte sich dies fürs Ende des dritten Teils aufsparen können, denn somit wurde die bedrückende Story wieder verklärt und der Zuschauer fand sich doch wieder im Knoppschen-Augenzeugenberichten-Doku-Stil wieder, ohne das vorher Gesehene ersteinmal sacken zu lassen. Das fand ich nicht so gut, sollte aber den Eindruck des eigentlichen Film nicht schmälern - 5 Sterne für ein ziemlich intensives, authentisches und spannendes TV-Erlebnis.
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225 von 285 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Nur scheinbar authentisch, 30. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Unsere Mütter, unsere Väter [2 DVDs] (DVD)
Es ist erstaunlich, wie positiv der ZDF-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ von vielen bewertet wird. Erklären läßt sich dies wohl nur durch die zweifellos guten schauspielerischen Leistungen der Darsteller und die Suggestivkraft der Bilder. Die Geschichte selbst und die Figuren sind jedoch alles andere als historisch authentisch, weil sie schlicht nicht repräsentativ für ihre Generation und allzu widersprüchlich gezeichnet sind. Heutige Sichtweisen und Wertungen werden in die Vergangenheit projiziert und überdies bestimmte Zusammenhänge verschwiegen, so daß insgesamt ein verzerrtes Bild der damaligen Wirklichkeit vermittelt wird.

Problematisch an dem Film ist vor allem, daß er nicht ansatzweise die prägenden Erfahrungen wiedergibt, die die deutschen Soldaten nach Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 machten. Der überraschende deutsche Vorstoß traf nämlich auf personell und materiell weit überlegene sowjetische Truppen, so daß die von der NS-Propaganda aufgestellte These, man führe einen Präventivkrieg, sich zu bestätigen schien. Die deutschen Soldaten kämpften also in dem Bewußtsein, einem sowjetischen Angriff gerade noch rechtzeitig zuvorgekommen zu sein.

Auf ihrem Vormarsch, vor allem im Baltikum und der Ukraine, wurden sie von großen Teilen der einheimischen Bevölkerung zunächst als Befreier vom kommunistischen Terror begrüßt. In zahlreichen Städten (etwa in Lemberg) fanden sie in Gefängnissen Tausende vom sowjetischen Geheimdienst NKWD ermordete politische Gefangene auf. Besonders brisant daran ist, daß die Einheimischen für diese Taten die mit den Kommunisten gleichgesetzte jüdische Bevölkerung verantwortlich machten, so daß es auch ohne deutsches Zutun zu schweren Pogromen kam. Auch hier schien fatalerweise die Wirklichkeit die NS-Propaganda zu bestätigen.

Eine andere prägende Erfahrung im Ostfeldzug der Wehrmacht war, daß gleich zu Beginn der Kampfhandlungen von sowjetischer Seite in Gefangenschaft geratene deutsche Soldaten (überwiegend Verwundete) bestialisch ermordet wurden, oft nach vorhergehender Folter und Verstümmelung. Im kurz darauf einsetzenden Partisanenkrieg im Hinterland der Front wurden auch immer wieder derartige Grausamkeiten dokumentiert.

All diese Dinge werden in dem Film unterschlagen. Stattdessen werden vollkommen unvermittelt deutsche Verbrechen wie die Vollstreckung des Kommissarbefehls (Liquidierung sowjetischer Politkommissare), Vernichtungsaktionen der SS-Einsatzgruppen gegen Juden, Erschießungen von Partisanen bzw. „Partisanenverdächtigen“ und ähnliches gezeigt. Es ist richtig, daß ein Film über den Rußlandfeldzug dies deutlich und in aller Drastik vorführt. Diese Verbrechen hat es ja tatsächlich gegeben. Es ist jedoch mehr als problematisch, gleich zwei der Hauptfiguren (Wilhelm und Friedhelm) als Vertreter der Wehrmacht unmittelbar in diese Vorgänge verstrickt zu präsentieren.

In Wirklichkeit waren der seriösen Forschung zufolge von während des gesamten Krieges etwa 18 Millionen deutschen Soldaten (einschließlich Angehörigen der Waffen-SS) allenfalls 5 Prozent an Kriegsverbrechen oder heute als Kriegsverbrechen gesehenen Handlungen beteiligt. Höhere Angaben dürften kaum realistisch sein. Durch den Film entsteht also ein vollkommen schiefes Bild. Zu bedenken ist dabei auch, daß die Judenvernichtung durch Erschießungskommandos und der Partisanenkrieg im Hinterland der Front überwiegend von SS- und Polizeiverbänden durchgeführt wurden, wobei sie von einheimischen Hilfstruppen unterstützt wurden. Die Wehrmacht war hieran nur am Rande beteiligt. Ebenfalls verschwiegen wird in dem Film, daß die Wehrmacht den verbrecherischen Kommissarbefehl nur zum Teil ausführte und ihn verbreitet sabotierte. Der Widerstand von unten führte schließlich sogar dazu, daß Hitler den von ihm erlassenen Befehl im Mai 1942 aufhob.

Auch sonst sind die Figuren wenig realistisch in ihrem Verhalten. Weshalb ausgerechnet der Ernst-Jünger-Leser Friedhelm innerlich Pazifist bzw. Antimilitarist nach heutigem Muster ist, obwohl er offenbar aus einem deutschnationalen Elternhaus stammt und sein Bruder Offizier ist, erschließt sich nicht. Noch weniger sein bewußter Versuch, nachts im Alarmposten mit Hilfe seiner glimmenden Zigarette feindliche Bomber auf die Stellung seiner Einheit aufmerksam zu machen und zum Angriff auf die eigene Truppe zu provozieren. Wäre er überzeugter Kommunist, könnte man eine solche Handlungsweise ja noch nachvollziehen. Aber so wie es dargestellt ist, ist das Ganze wenig plausibel.

Man muß sich klarmachen, daß die Deutschen damals fast alle Patrioten waren (wie die Menschen in so ziemlich jedem anderen Land). Es spielte letztlich keine Rolle, wie man in den Krieg hineingeraten war. Wenn so eine Auseinandersetzung erst einmal im Gange ist, geht es für jede Seite nur noch darum, sich zu behaupten und Freiheit und Unabhängigkeit des eigenen Landes zu bewahren. Es ist keineswegs so, daß nur die Anhänger des NS-Regimes im engeren Sinne sich einen deutschen Sieg wünschten. Auch diejenigen, die dem System distanzierter gegenüberstanden, wollten den Krieg auf keinen Fall verlieren. Dies gilt selbst für die Mehrzahl derjenigen, die dem deutschen Widerstand gegen das NS-Regime angehörten.

Die Motivation, Deutschland zu verteidigen, war allgemein hoch. Und gerade auf dem Kriegsschauplatz im Osten war so ziemlich jedem deutschen Soldaten klar, daß man hier gegen ein bösartiges Terrorsystem kämpfte, das bereits viele Millionen Menschen auf dem Gewissen hatte und nicht nur für Deutschland, sondern für Europa insgesamt eine massive Bedrohung darstellte, die es abzuwehren galt. Nicht ohne Grund kämpften an der Ostfront mehrere hunderttausend Freiwillige aus ganz Europa auf deutscher Seite (Franzosen, Niederländer, Skandinavier u.a.), ebenso wie mindestens eine Million Russen, Ukrainer, Letten, Esten, Litauer usw.

Letzteres wäre kaum möglich gewesen, wenn sich die Wehrmacht nicht im allgemeinen gegenüber der einheimischen Zivilbevölkerung ähnlich korrekt verhalten hätte wie in Westeuropa. Getrübt wurde das ansonsten gute Verhältnis im Osten allerdings durch die Unterdrückungspolitik der deutschen Zivilverwaltung und der SS (insbesondere die Aushebung von Zwangsarbeitern) und den sich entfaltenden Partisanenkrieg, in dem es zu für diese Art Krieg typischen Exzessen auf beiden Seiten kam. Letztlich verhielten sich die an diesen Kämpfen beteiligten Wehrmachtsteile aber nicht anders als andere Armeen in vergleichbarer Lage (etwa amerikanische Truppen im Korea- und Vietnamkrieg oder französische im Algerienkrieg).

Die Härte der Kämpfe, die Angst und Verzweiflung der Soldaten und die extremen Bedingungen insbesondere des Kriegswinters 1941 werden in dem Film durchaus eindrucksvoll und treffend wiedergegeben. Man macht sich jedoch falsche Vorstellungen, wenn man davon ausgeht, die deutschen Soldaten hätten nur widerwillig den Kampf geführt. Die Kampfmoral und die Widerstandskraft der deutschen Truppen, denen praktisch immer eine gewaltige zahlen- und materialmäßige Übermacht gegenüberstand, war trotz allem gerade an der Ostfront erstaunlich hoch, was auch von den Gegnern anerkannt wurde. Desertiert sind nur sehr wenige. Insofern ist die Entwicklung Wilhelms eher untypisch, wenn auch vielleicht nicht vollkommen unmöglich.

Sehr seltsam und unglaubwürdig ist schließlich auch die Figur der Charlotte, deren Schuldigwerden doch ziemlich konstruiert wirkt. Daß sie einerseits persönlich mit einem Juden (Viktor) befreundet ist, dann aber gezielt nach einem ersten Verdacht in den Sachen der von ihr ausgesuchten einheimischen Hilfsschwester Lilija herumsucht, sie als Jüdin identifiziert und meldet (auch wenn sie es recht schnell bereut), ist doch ziemlich unglaubhaft. Wieso sollte ein realer Mensch sich so verhalten? Hier ging es wohl darum, die idealistische Krankenschwester, die sich freiwillig zum Lazaretteinsatz an die Front meldet, auf keinen Fall zu positiv darzustellen.

Geradezu absurd ist schließlich die Szene, in der die eigentlich todgeweihte Lilija in sowjetischer Uniform wieder auftaucht und einen Rotarmisten gerade noch davon abhält, Charlotte zu vergewaltigen bzw. die Vergewaltigung abbricht. Sinngemäß mit den Worten, die Sowjetsoldaten kämen als „Befreier“ und seien „keine Vergewaltiger“ – ganz als hätte es sich nur um seltene Einzelfälle gehandelt. Hier ist die Grenze zur Geschichtsklitterung vollends überschritten. Für mich ein negativer Höhepunkt des Films. Viel schlimmer hätte man die etwa 2 Millionen von Rotarmisten vergewaltigten deutschen Frauen und Mädchen, von denen viele nicht überlebten, nicht verhöhnen können.

Die Absicht des Drehbuchschreibers, die Figur der Charlotte so darzustellen, war wohl, die tatsächliche oder vermeintliche Wirkung der antisemitischen Propaganda während der NS-Zeit vorzuführen und ihr als besonders scharfen Kontrast die edelmütige und keinesfalls auf Rache sinnende Lilija gegenüberzustellen. Charlotte muß natürlich – zumindest für einen kurzen Moment – dem „Gift des Antisemitismus“ erliegen, sonst wäre sie nach Ansicht der Macher des Films keine typische Deutsche der Zeit. Daß dieses Bild keineswegs der damaligen Wirklichkeit entspricht und nicht einmal überzeugte NS-Anhänger mehrheitlich harte Antisemiten waren, zeigte sich besonders deutlich etwa bei den von der NS-Führung initiierten Pogromen des 9. November 1938, die von der Mehrheit der Deutschen (einschließlich Anhängern der NS-Bewegung) als Schock erlebt und mit Entsetzen aufgenommen wurden. Hierfür gibt es vielfältige historische Belege (SD-Berichte über die Stimmung im Volk, Aussagen von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels und zahlreiche Überlieferungen von Zeitzeugen).

Man darf nicht den Fehler machen, die Stärke des Antisemitismus unter den damaligen Deutschen zu überschätzen. Auch für die Wahlerfolge der Nationalsozialisten ab Anfang der dreißiger Jahre spielte er keine entscheidende Rolle. Es ist sogar eher so, daß die NSDAP von vielen eher trotz als wegen ihres Antisemitismus gewählt wurde. Gerade in den Jahren ihres Aufstiegs wurde das Thema in der Wahlpropaganda der Partei nicht in den Vordergrund gestellt. Ausschlaggebend für die Anziehungskraft der NS-Bewegung in dieser Zeit waren vielmehr ihre konsequente Gegnerschaft zum von so ziemlich jedem Deutschen von links bis rechts als nationale Erniedrigung und Knechtung erlebten Diktatfrieden von Versailles, die Unzufriedenheit mit dem bestehenden Parteiensystem der Weimarer Republik und nicht zuletzt ihre radikale Gegenposition zum Kommunismus, der aufgrund der Erfahrungen zwischen 1918 und 1923 mit kommunistischen Aufständen in Deutschland und der nach Westeuropa gelangten Nachrichten über die rote Terrorherrschaft in Sowjetrußland mit Millionen Toten nachvollziehbarerweise von vielen als ernste Bedrohung gesehen wurde.

Als dann ab 1929 mit Beginn der Weltwirtschaftskrise sich die Situation zuspitzte, Massenarbeitslosigkeit und Verelendung um sich griffen und es zu einer starken politischen Polarisierung und entsprechender Radikalisierung bis hin zu bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen kam (vor allem zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten), erschien die NSDAP breiten Kreisen in Bürgertum, Bauern- und Arbeiterschaft als hoffnungsvolle Alternative zum in ihren Augen gescheiterten Weimarer Staat. Ihr Ideal einer solidarischen Volksgemeinschaft, die eine Überwindung der Klassengegensätze und einen Dritten Weg zwischen Liberalkapitalismus und Kommunismus versprach, war damals ungemein attraktiv und elektrisierte vor allem die deutsche Jugend. Nach der Machtübernahme Hitlers schien vieles davon Wirklichkeit zu werden. Die Souveränität Deutschlands wurde wiederhergestellt (Revision des Vertrags von Versailles), und es folgte ein wirtschaftlicher Wiederaufstieg des Landes. Viel realistischer wäre es also gewesen, Charlotte ebenso wie Wilhelm und Friedhelm als authentische Vertreter dieser idealistischen Jugendgeneration zu zeigen, die nicht wissen konnte, daß Hitler Deutschland in einen Krieg führen würde, der sich ab 1941 zu einem neuen Weltkrieg ausweitete. Einmal in diese Situation geraten, die für ihr Land existentielle Gefahr bedeutete, zögerte kaum einer von ihnen, es mit ganzem Einsatz zu verteidigen.

Die dunkle, verbrecherische Seite des NS-Regimes – sein zunehmend totalitärer Charakter und die von ihm ausgeübte brutale Gewalt- und Terrorherrschaft – wurde für die meisten Deutschen erst im Laufe des Krieges nach und nach sichtbar. Das ganze Ausmaß der Verbrechen wurde allerdings erst nach Kriegsende deutlich. Dies gilt speziell für den Völkermord am Judentum Europas in den Vernichtungslagern im Osten Europas, der unter größter Geheimhaltung erfolgte und nur wenigen in Deutschland vor 1945 bekannt wurde. Die verschiedensten Zeitzeugen beteuerten, während des Krieges keine Kenntnis über die Vernichtungslager gehabt zu haben. Prominente Beispiele sind der sozialdemokratische Altbundeskanzler Helmut Schmidt oder Marion Gräfin Dönhoff (spätere Herausgeberin der linksliberalen Wochenzeitung „Die Zeit“), die während des Krieges Widerstandskreisen nahestand und trotz entsprechend besserer Informiertheit aussagte, „den Namen Auschwitz erst nach dem Krieg zum erstenmal gehört“ zu haben. Zu den Judendeportationen sagte sie gegenüber ihrer Biographin Alice Schwarzer: Man habe gewußt, „die Leute werden weggeschafft in den Osten. Aber daß es keine Arbeitslager, sondern Vernichtungslager waren, das habe ich erst nach dem Krieg erfahren. Auf die Idee, daß sie umgebracht werden, konnte kein Mensch kommen …“ Die ebenfalls in Verbindung zu Widerstandskreisen stehende Journalistin Ursula von Kardorff berichtete hingegen, sie habe kurz nach Weihnachten 1944 – also nicht einmal ein halbes Jahr vor dem Zusammenbruch des NS-Regimes – die schreckliche Wahrheit über die Funktion der Lager im Osten erfahren.

Die sich während des Zweiten Weltkrieges verschärfende Judenverfolgung wurde von vielen Durchschnittsdeutschen am Rande durchaus wahrgenommen. Daß ein großangelegter Massenmord im Gange war, überstieg jedoch die Vorstellungskraft der meisten und wurde nur von wenigen durchschaut. Überdies banden die sich zuspitzende Kriegslage, der alliierte Bombenkrieg, die Sorge um Angehörige an den Fronten und der tägliche Kampf ums Überleben die Aufmerksamkeit der Menschen und ihre Energien. Nur gerüchteweise kursierten von Fronturlaubern stammende Informationen über Massaker der SS an Juden im Osten, aus denen sich jedoch kein Gesamtbild ergab. Für den Normaldeutschen – sofern er als Soldat oder Zivilist von solchen Vorgängen erfuhr – war keineswegs klar, ob es sich um einzelne verurteilenswerte Exzesse der SS handelte oder System dahintersteckte. Ein Beleg dafür, wie gut die Geheimhaltung des Völkermordes in den Vernichtungslagern funktionierte, dürfte die Tatsache sein, daß zumeist selbst die jüdischen Opfer der Deportationen keine Vorstellung davon hatten, was mit ihnen geschehen würde.

Die Geschichte des Juden Viktor und seiner Familie in dem Dreiteiler hat sicherlich noch am meisten Berechtigung, auch wenn man Details seiner Flucht wie den Sprung aus dem Deportationszug bei relativ hoher Geschwindigkeit etwas unrealistisch finden mag. Auch werden sich in der Realität wohl nicht allzu viele deutsche Juden den Partisanen der Polnischen Heimatarmee angeschlossen haben. Mutig von den Machern des Films war es immerhin, den ausgeprägten Antisemitismus in Polen nicht zu verschweigen, sondern mehrfach deutlich hervorzuheben. Daß antijüdische Einstellungen in Osteuropa allgemein recht stark und weit verbreitet waren (weit mehr als in Deutschland und den Ländern Westeuropas!), ist ja nur den wenigsten bewußt. Dennoch ist der Film auch hier etwas einseitig, da er nicht zeigt, daß Teile der Polnischen Heimatarmee Juden durchaus halfen und ihr Leben retteten. Die Kritik aus Polen ist also nicht vollkommen unbegründet, wenngleich hier die Grundtendenz der Darstellung wohl stimmig und historisch korrekt ist. Die Figur der Greta dient hingegen nur dazu, eher seltene Verhaltensweisen und Erfahrungen in einer Person zu bündeln (Verrat des jüdischen Partners aus Karrieregründen; Verurteilung zum Tode wegen defätistischer Äußerungen usw.) und das wenig sympathische Bild der damaligen Deutschen zu komplettieren.

Insgesamt muß man feststellen, daß der Film den Deutschen von damals nicht gerecht wird. Er stellt sie entweder als Klischee-Nazis, tumbe Masse oder charakterschwach dar und führt sie auf diese Weise regelrecht vor. Ein vollkommenes Zerrbild, das hier gezeichnet wird. Man sollte das nicht für bare Münze nehmen. Problematisch ist wie gesagt vor allem das Bild der Wehrmacht im Rußlandkrieg, die sich gegenüber der einheimischen Zivilbevölkerung im allgemeinen sehr viel besser verhielt, als heute zumeist behauptet wird. Die Botschaft des Films, der Krieg bringe nur das Schlechteste im Menschen zum Vorschein, ist ebenfalls in ihrer Einseitigkeit höchst zweifelhaft. Zwar dürfte kaum jemand bestreiten, daß Krieg das Niederste im Menschen hervorbringen kann. Wie sich immer wieder gezeigt hat, bringt er jedoch – und zwar insgesamt wohl sehr viel häufiger – gerade auch das Edelste in ihm zum Vorschein (Kameradschaft in Not und Gefahr, Mut, Tapferkeit, Selbstlosigkeit, Opferbereitschaft, die höchsten Tugenden, zu denen Menschen fähig sind). Und besonders deutsche Soldaten haben dies in beiden Weltkriegen immer wieder unter Beweis gestellt. Wir müssen uns der großen Mehrheit unserer Vorfahren einschließlich der Masse unserer damaligen Soldaten gewiß nicht schämen.

Ein Film wie der Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ trägt wenig dazu bei, sich ein halbwegs realistisches Bild der Zeit zu machen. Wer tiefere Einblicke gewinnen und wirklich verstehen möchte, kommt nicht darum herum, zum Buch zu greifen und sich neben Erinnerungen von Zeitzeugen differenzierten historischen Darstellungen zuzuwenden. Zum Ehrlichsten und Authentischsten, was ich selbst über die Phase der späten Weimarer Republik und die NS-Zeit gelesen habe, gehören für mich die in zwei Bänden erschienenen Kindheits- und Jugenderinnerungen des Historikers und Journalisten Wolfgang Venohr (1925–2005), der in seiner Jugend zunächst begeisterter Hitlerjunge war und von 1943 an als Soldat einer deutschen Elitedivision am Krieg teilnahm. Mindestens ebenso lesenswert ist seine in eine ausgezeichnete Darstellung der Zeit eingebettete Biographie des Hitlerattentäters Claus von Stauffenberg (20. Juli 1944).

Hier für Interessierte die Titel:

Wolfgang Venohr: Erinnerung an eine Jugend (1997)

Wolfgang Venohr: Die Abwehrschlacht. Jugenderinnerungen 1940–1955 (2002)

Wolfgang Venohr: Stauffenberg – Symbol des Widerstands. Eine politische Biographie (2000)

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Außerdem noch einige differenzierte Darstellungen zur Wehrmacht:

Philippe Masson: Die deutsche Armee. Geschichte der Wehrmacht 1935–1945 (1996)

H. Poeppel u.a. (Hrsg.): Die Soldaten der Wehrmacht (1998)

Franz W. Seidler: Die Wehrmacht im Partisanenkrieg. Militärische und völkerrechtliche Darlegungen zur Kriegführung im Osten (1999)

DVD: Die Geschichte der Wehrmacht, Polar Film (2006)

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Ebenfalls sehr zu empfehlen:

Walter Kempowski: Das Echolot. Barbarossa `41. Ein kollektives Tagebuch (2002)

Philipp von Boeselager: Wir wollten Hitler töten. Ein letzter Zeuge des 20. Juli erinnert sich (2008)

Herbert Reinecker: Ein Zeitbericht unter Zuhilfenahme des eigenen Lebenslaufs (1990)

Alfred de Zayas: Völkermord als Staatsgeheimnis. Vom Wissen über die „Endlösung der Judenfrage“ im Dritten Reich (2011)

Konrad Löw: Deutsche Schuld 1933–1945? Die ignorierten Antworten der Zeitzeugen (2010)
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17 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Verdient trotz Schwächen Respekt, 21. März 2013
Von 
Grüner Baum - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Unsere Mütter, unsere Väter [2 DVDs] (DVD)
Die für das ZDF erstellte Produktion erzählt in drei Teilen mit je 90 Minuten anhand eines Freundeskreises fünf junger Berliner/innen einen Teil der Geschichte des zweiten Weltkriegs, speziell des Russlandfeldzugs, von dessen Beginn im Sommer 1941 bis zu Kriegsende im Mai 1945:
* Willhelm ist überzeugter Oberleutnant, war schon beim Angriff auf Frankreich dabei und wird jetzt nach Russland gehen. Er ist mit Off-Kommentaren Erzähler der Geschichte.
* Friedhelm ist sein jüngerer Bruder; intellektuell geprägt und eigentlich Kriegsgegner muss er als direkter Untergebener seines Bruders mit in den Feldzug (wenn ich es richtig mitbekommen habe zunächst als Gefreiter, später als Unteroffizier).
* Viktor ist Jude, Freund von Greta, die versucht, ihm zur Fluch zu verhelfen.
* Greta will eine Karriere als Schlagersängerin machen und nutzt dafür den Kontakt zu einem Offizier der Gestapo.
* Charlotte ist auch überzeugte Kriegsanhängerin und meldet sich freiwillig als Schwester in einem Krieglazarett, das über die Episoden hinweg oft in der Nähe der Einheit von Willhelm/Friedhelm liegt. Sie liebt Willhelm, offenbart sich ihm aber nicht. Er ahnt es, sagt es aber nicht, weil er nicht weiß, ob er den Krieg überlebt.

Erzählt werden anhand einzelner Szenen und ein paar Orginaldokuaufnahmen die historische Rahmenereignisse des Russlandfeldzugs und Ereignisse des tatsächliches Kriegsgeschehen am Beispiel der Einheit von Willhelm/Friedhelm. Weiter werden anhand von zugespitzten Szenen und Dialogen zentrale Themen des Kriegs und des speziellen Feldzugs thematisiert (Ermordung von Zivilpersonen, Verrohung von Soldaten, Vorwurfs der Feigheit unter Soldaten, etc.). Schließlich werden die Entwicklungen der Figuren und ihrer Beziehungen miteinander verfolgt, so kommt es z.B. zwischen den Brüdern im Laufe der Episoden wegen ihrer unterschiedlichen Haltungen zunächst zu Konflikten, später zu Änderungen ihrer Haltungen. Auch die heimliche Liebe von Charlotte zu Willhelm wird in gelegentlichen zufälligen Aufeinandertreffen thematisiert.

Die Darstellung erfolgt mit großen zeitlichen Pausen. Auf eine Reihe von Szenen, die sich innerhalb weniger Tage/Wochen abspielen folgt eine mit einem Off-Kommentar überbrückte zeitliche Lücke von mehreren Monaten bis zu einem Jahr, bevor es mit der nächsten Szenengruppe weitergeht.

Mich lässt die Produktion mit gemischten Gefühlen zurück. Zunächst einmal besticht sie durch einen für eine deutsche TV-Produktion hohen Aufwand und große handwerkliche Güte. Kulisse, Kostüme und Make-Up sind auf hohem Niveau und vermitteln viel Authenzitätsgefühl. Kampf- und Kriegszenen sind aufwendig hergestellt und - z.T. mit Wackelkameraeffekten - intensiv dargestellt. Der Schrecken von Kampf und Krieg wird - im Rahmen dessen, was eine TV-Darstellung erlaubt - beklemmend deutlich und ohne jede Beschönigung oder den Versuch es mit Heldentum zu balancieren dargestellt. Die Schauspieler agieren mit hohem Einsatz und intensiv. Für Aufwand, Handwerk und Intensität gebührt der Produktion Respekt und macht sie einer Empfehlung wert.

Gleichzeitig gibt es aber jenseits der z.T. eindrucksvollen Wirkung leider aus meiner Sicht eine Reihe von rein filmischen Mängeln, die für mich einen Teil des Eindrucks wieder geschmälert haben:

* Erzählerisch: Die Rahmengeschichte der fünf Freunde soll einen dramaturgischen Rahmen bzw. ein Gerüst bilden. Das wird mir aber zu wenig gefüllt. Außer, dass sie miteinander aufgewachsen sind, erfährt man wenig bis nichts, was sie verbindet. Das vermeintliche Gerüst hängt so für mich ein bisschen in der Luft. Die Beziehungen zueinander werden etwas gewollt entwickelt. Abgesehen von Willhelm und Friedhelm, die in einer Einheit sind, und anfänglich Greta und Viktor in Berlin wirken verschiedene Zufallsbegegnungen zwischen ihnen in der Weite des russischen Raumes so konstruiert (speziell im dritten Teil!), dass sie bei aller Zugeständnis an dramaturgisch notwendige Vereinfachungen die Grenze zum Albernen zumindest ankratzen. Das hätte man überzeugender lösen können.
Schließlich ist der Gesamtrhytmus nicht wirklich gelungen. Man springt von großer Szene zu großer Szene. Es entsteht kein Fluss der Geschichte oder der Charaktere, keine Erzählung. Da hätte man m.E. entweder zu mehr Episoden greifen oder die erzählten Ereignisse reduzieren soll. An vielen Stellen (v.a. im ersten Teil) wirkt es so, als ob man mechanisch einen genretypischen Punkt nach dem anderen abhakt. Beispiel: in der letzten Folge taucht mal aus dem Nichts ein einzelner Wagen mit einer flüchtenden Familie auf, damit man das Thema Flucht auch mal hatte. Das dauert eine Minute und dann ist es vergessen. Das hat so ein wenig den Geruch von Geschichtsstunde.
Auch gibt es ein paar Fälle, wo ein Subplot zu einem Zeitpunkt angefangen wird dann nach einer Pause von einem halben Jahr in der erzählten Zeit einfach weitergeführt wird, als ob zwischendrin nichts passiert wird. So ein handwerklicher Lapsus wirkt einfach lieblos.

* Charaktere: Auch überzeugt mich die Entwicklung der Charaktere nur z.T.: Friedhelm ist ein starker Charakter, nur für mich zu wenig auserzählt und mit übertriebenen Ende; auch Willhelm hat eine im Kern interessante Entwicklung, die aber für mich zu wenig erzählerische Tiefe bekommt. Die anderen drei zeigen etwas sehr sprunghaftem, nicht recht überzeugende Entwicklungen (und die Liebesgeschichte hätte es für mich gar nicht gebraucht).

* Dialoge: Wie die Erzählung haben auch die Dialoge oft keinen Fluss und wirken immer mal wieder recht paradigmatisch oder klischeehaft, simpel und mechanisch konstruiert oder überambitioniert. Ich meine z.B. die gefühlte dutzendfache Wiederholung von "Der Endsieg wird kommen" vs. "Der Krieg ist doch schon längst verloren", einfach mal in eine Szene integrierte Sprüche wie "Fresst Kruppstahl", eine recht emphatische und stakkatohaft formulierte Phrase wie "Erst war es nur ein Gefühl. Nun weiß ich es. Die deutsche Wehrmacht ist nicht unbesiegbar.", in so einer Produktion nicht ganz passende Filmfloskeln wie "Es wird erst aufhören, wenn es zu Ende ist." (hat mich an Rocky erinnert) oder im letzten Teil, wenn mitten in eine OP eine Schwester reinplatzt und unvermittelt reportagehaft verkündet: "Die Russen sind durchgebrochen. Auf breiter Front. Wir brechen überall ein." - Gleichzeitg werden einige Entwicklung hauptsächlich durch Schweigen und intensive Blicke erzählt. Das ist mir zum einen zu wenig und überrascht mich zum anderen bei einer Produktion, die den Anspruch spüren lässt, dass sie eben erzählen und das Schweigen brechen will. Die Charaktere wirken zuweilen wie das vorweggenommene Schweigen der Nachkriegszeit. Man könnte interpretieren, dass das dargestellt werden soll, wenn die Produktion eben nicht sonst eine eher aufklärerische Ausstrahlung hätte.

Visuell gibt es eine Reihe von breiten, gut photographierten Bildern, aber leider auch eine größere Menge an hochemotional inszenierten Nahaufnahmen, die an andre Genres erinnern. Letzeres trifft leider oft auch auf die Musik, die etwas zu oft mit unheilvollem Brummen aufwartet als ob die beklemmenden Bilder nicht für sich sprechen könnten.

Im ganzen fehlt also ausreichend genuin erzählerische Darstellung, die eine Geschichte bildet und den Unterschied des Films zur aufwendigen dramatisierten Dokumentation bildet. Noch ein kleines Beispiel: im ersten Teil äußerst Viktors Vater noch die feste Zuversicht, dass ihm, obowhl Jude, als Deutscher und Veteran des 1. Weltkrieg nichts passieren wird. Das wird hier aber in einer Szene in der heimischen Wohnung eher aufgesagt als erzählt. Man vergleiche es mit einer Szene in "Comdian Harmonist", wo die gleiche Überzeugung eines älteren jüdischen Deutschen in einer mit viel Gefühl und schauspielerischer Präzision in einer kleinen erzählten (!) Szene zwischen dem Weltkriegsteilnehmer und zwei Polizisten dargestellt wird.

Fazit: Die Produktion hat ihre Stärken und ihre Verdienste und die Leistung verdient Respekt. Innerhalb des Kosmos deutscher TV-Produktionen ist sie sicher sehr stark. In einem größeren Rahmen gesehen aber - der sich auf Amazon ja aufzwingt - kann ich aus rein filmischer Sicht nicht mehr als vier Sterne vertreten.
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19 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Film klasse - DVD schwach, 22. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Unsere Mütter, unsere Väter [2 DVDs] (DVD)
"Unsere Mütter, unsere Väter" dokumentiert eindrucksvoll Einzelschicksale des Zweiten Weltkrieges. Ich möchte nicht sagen, dass dies längst überfällig war, freue mich aber durchaus darüber, dass die endlosen Dokumentationen über Hitler und seine Führungsriege eine emotionale Ergänzung bekommen. Anspruch auf Repräsentanz, also für alle "Mütter und Väter" zu stehen, erhebt der Dreiteiler meiner Meinung nach nicht und wäre auch viel zu pauschal. Stattdessen erzählt er die Geschichte von 5 Freunden, also auch 5 möglichen Schicksalen, die es so bestimmt in der ein oder anderen Form gegeben hat.

Alle drei Teile sind qualitativ hochwertig gemacht und haben mich durchaus emotional berührt. Besonders die ersten beiden Teile sind beklemmend und spannend zugleich. Die Schauspielerriege agiert großartig, hatte aber auch von meiner Seite aus große Vorschusslorbeeren, da man auf das übliche Ferres/Ferch etc.- Ensemble verzichtet hat. Besonders Tom Schilling als Friedhelm sticht mit seiner Leistung äußerst positiv hervor und schafft in meinen Augen am besten den Wandel vom kreativen Freidenker und nachdenklichem Jugendlichen hin zum "kaltblütigen" und dennoch verzweifelten Soldaten. Die Aussichtslosigkeit der Lage und das Schwinden der eigenen Hoffnung sieht man Stück für Stück in Schillings stahlblauen Augen, die eine unglaubliche Ausdruckskraft besitzen. Insgesamt ist der Film authentisch und mit Liebe zum Detail gemacht.

Als Historikerin sind mir natürlich die ein oder anderen Schnitzer aufgefallen, die hier in den Rezensionen bereits thematisiert wurden. Da der Film aber ausdrücklich NICHT den Anspruch erhebt, eine Dokumentation zu sein, sondern Emotionen und Beweggründe beleuchtet, empfinde ich falsche Abzeichen, später eingeführte Uniformen oder gar einen nicht-existenten Ort als nicht weiter schlimm. Der erhobene Zeigefinger der Kollektivschuld und die ausschließlich schwarz-weißen Tötungsmaschinen, mit denen wir sonst im Fernsehen konfrontiert werden, fehlen, was ich als sehr positiv werte. Durch die aufgebaute Sympathie mit den Protagonisten beginnt man gleichzeitig, seine eigene Geschichte, bzw. die seiner Eltern und Großeltern zu hinterfragen. Ein, wie ich finde, richtiger und "positiver" Umgang mit dieser schlimmen Zeit.

Auch den oftmals bemängelten Einsatz von Handkameras habe ich nicht als störend empfunden. Im ersten Teil spiegelt er Beklemmung, im zweiten Hektik und Durcheinander und im dritten eine Mischung aus beidem wieder. Man ist nah bei den Charakteren und sieht eben nicht die Totale der schwarz-weißen Dokumentationen.

Einzig die Konstruiertheit vieler Szenen hat mich besonders im dritten Teil gestört. Natürlich ist es gewollt, dass die Schicksale ineinander verwoben sind und sich die Freunde mehrmals begegnen. Die Begegnung Viktors und Friedhelms im Wald und Gretas Auftritt vor der Truppe waren für mich dann aber doch zu viel des Guten. Für ein Unterfangen dieser Ausmaße, 5 Leben in 5 Jahren nachzuerzählen, waren drei Teile vermutlich auch etwas kurz. Einige Zeitsprünge sind eher irritierend und flachen die Handlung ab - vor allem Viktors Geschichte leidet stark darunter, dass sie nicht komplett ausgeleuchtet wird. Er verkommt zu einer Art Stereotyp und am Ende hat man dann ganz das Gefühl, dass man seine Geschichte "halt irgendwie" zu Ende bringen musste. Überhaupt ist der dritte Teil der schwächste und das Ende hat mir gar nicht gefallen, da es viel zu abrupt und konstruiert erschien.

Abschließend noch ein paar Worte zur DVD, die mir seit gestern vorliegt. Die Aufmachung ist recht hübsch, die Menüführung geht gar nicht. Um zwischen Haupt- und Untermenü zu wechseln, muss man rund 60 Sekunden warten, während der DVD-Player unangenehm rattert. Ich werde wohl noch einmal prüfen, ob es sich dabei um einen Fehler meines Exemplars handelt oder überall zu finden ist. Die Bildqualität ist meiner Meinung nach sehr gut und die zwei Dokumentationen, die auch im ZDF gelaufen sind, kann man als Bonusmaterial finden. Beide sind im üblichen Guido-Knopp-Stil gemacht und damit zwar informativ und umfassend, aber eben nichts überragend besonderes.

Nichtsdestotrotz eine schöne Leistung des ZDF, die ich gerne mit 4 Sternen bewerte.

NACHTRAG: Ich habe die DVD umgetauscht. Das neue Exemplar "kratzt" leider im Menü ganz genauso. Rund 60 Sekunden dauert es, bis das Gerät die DVD erfasst hat und auch das Menü selbst reagiert äußerst träge. Zudem habe ich die DVD mit einem irischen Freund geschaut, der gut deutsch kann, aber bei Filmen etc. gerne deutsche Untertitel in Anspruch nimmt. Diese sind leider nicht vorhanden, was, wie ich denke, auch für Hörgeschädigte etc. ein kleines Manko sein dürfte.
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39 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Skepsis widerlegt. - Vorbestellt!, 19. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Unsere Mütter, unsere Väter [2 DVDs] (DVD)
Ich habe etliche Dokus ("Stalingrad", "Band of brothers") und Bücher ("Nachbar Hitler" z.B.) im Regal, dazu ungezählte TV-Ausstrahlungen gesehen.

Ich hatte von daher einen "modernen, telegenen Aufguss" von längst Bekanntem, nach Machart von "Die Flut" befürchtet.

Bereits die ersten beiden Teile von "Unsere Mütter, unsere Väter" haben mich dann allerdings derart in den Bann gezogen, dass ich soeben die DVD vorbestellt habe.

Warum?

Die 5 Hauptdarsteller, die von Wesen und Weltanschauung unterschiedlicher nicht sein könnten, und die glücklicherweise keine bekannten Stars sind, kommen jede(r) für sich so glaubwürdig rüber, das es beinahe graust. Denn: Das macht ihr Handeln und Ringen mit dem Geschehen und sich selbst so nachvollziehbar, dass ich mich unwillkürlich in die verschiedensten Lagen einfühlen konnte - und auch - noch Tage nach der TV-Ausstrahlung - frage, was ich denn wohl getan hätte in der Situation x oder y? - Und das auch, obwohl ich nicht im Alter der jungen Menschen bin, sondern eher ein Elternteil sein könnte.

Der Film wirkt nach. Bei mir anders als andere Dokumentation. Was nach meinem Empfinden daran liegt, dass hier Geschichte mit Lebensläufen verbunden wird. Mein Hirn sich also nicht müht, Fakten aufzunehmen, sondern diese Fakten über das "Mitleben" mit den Protagonisten, die übrigens keine herausragenden Stellungen einnehmen, sondern ganz "normale" Kriegsteilnehmer darstellen, "mitnimmt". Was, wie ich unlängst im Rahmen einer Forbildung informiert wurde, übrigens eine besonders effektive Art des Lernens sein soll.

Der Fakten, punktgenau gesetzter Wortbeiträge und aussagekräfter Situationen und Bilder sind es so viele, dass ich bei der TV-Übertragung Mühe hatte, alle Details aufzunehmen, schon war das Geschehen vorangeschritten. Teil III wird morgen ausgestrahlt. Ich werde auf jeden Fall dabei sein.

Die DVD hat einen fairen Preis. Die ZDF-Doku, in der Zeitzeugen zu Wort kommen, ist auch mit drauf.

Alles in allem also viele Gründe, sich diese TV-Ausstrahlung bei Gelegenheit noch einmal anzuschauen.

NACHTRAG:

Gegen Ende des dritten Teils waren es mir (für wenige Momente) der bedeutungsschweren Zufälle (Wiederbegegnungen) zwar ein wenig viel, was den Vorteil hatte, mich daran zu erinnern, es hier mit einem Film zu tun zu haben; was an meinem positivsten Gesamteindruck nichts andern kann:

Dieser Film wirkt nach, wühlt auf:

Ich fühlte mich so oft an die Worte meines Großvaters erinnert, der nicht viel erzählen mochte (und jetzt verstehe ich warum) und sich nie so wirklich erholt hat von dem Erlebten...

Und es öffnen sich Scheuentore mit weiterreichenden existentiellen, philosphischen Fragen:

Die nach Schuld und Sühne...

Die nach den (viel später zu Tage tretenden) Folgen von (Fehl-)Entscheidungen...

Die nach der Bedeutung und den Folgen von Zufällen...

Die, wieviel Freude (oder gleichgültigen Alltag) es wohl HEUTE geben mag darüber, dass dieser Krieg zu Ende ist. Die Frage nach dem Wert von Frieden...

Und auch die Fragen, was uns vor dem Hintergrund dieser Geschichte heute eigentlich wichtig ist, wichtig erscheint? Womit wir uns im Alltag beschäftigen? Wonach wir trachten?

Die nach den Mechanismen der Macht...

Und ob wir eigentlich gelernt haben? (Oder auch nicht?) Wo wir HEUTE wegschauen, mit den Achseln zucken, mitlaufen, mitmachen - Flagge zeigen?

Und ich bedaure bereits, dass diesen Fragen nachzugehen eher ein einsames Unterfangen werden wird. Und womöglich auch ein müßiges? Schauen wir uns um im Alltag... Schauen wir uns die Nachrichten an...

Insofern möchte ich fast - nein, nicht wirklich! - warnen, diesen Film auf sich wirken zu lassen.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Wahnsinn des Krieges der die Menschen zerfrisst. Besser, differenzierter kann man es nicht darstellen, 18. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Unsere Mütter, unsere Väter [2 DVDs] (DVD)
Es ist schwierig eine Rezension zu schreiben über einen Film, eine Auseinandersetzung mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte, der mich und viele andere Zuschauer so sprachlos macht, so tief ins Herz trifft, Zusammenhänge fühlbar, erlebbar macht ohne nicht ständig Superlative zu bemühen.
Was dem ZDF mit seinem DreiTeiler gelungen ist, ist wohl einer der besten, detailliertesten und bewegendsten "Versuche" diese Zeit genauer die Jahre 1941-1945 in eine filmische Form zu bringen.
Ich schreibe "Versuch" denn, wie man hier auch in vielen Kritiken liest, fühlt sich der eine natürlich nicht richtig dargestellt, kritisiert ein anderer die Auslassungen, Vereinfachungen oder die für eine dramaturgisch, geschlossenen Form eines Spielfilms notwendige künstlerische Freiheit.
Sicherlich wäre es real fast unmöglich daß die fünf Freunde im Laufe der Jahre immer wieder aufeinandertreffen.
Doch all dies ist Suchen nach der Nadel im Heuhaufen, zeigt ausschließlich wieviel Zündstoff auch heute noch in der Thematik liegt und ist zu vernachlässigen im Angesicht dieser kraftvollen, unglaublich bewegenden und unvergesslichen Gesamtleistung. Alle Spielfilme, sei es dieser, sei es "Schindlers Liste", seien es Kriegsepen wie "James Ryan", "Das Boot" oder Filme die versuchen im kleinen Rahmen das große Grauen darzustellen wie "Drei Tage im April" oder "der letzte Zug" können immer nur mosaikartige Ausschnitte bieten.
Man sollte sie auch niemals gegen sachliche Reportagen ausspielen.
Warum nicht alle Formen nutzen, die jede für sich ob sachliche Reportage oder in Spielfilmhandlung umgesetzte und dadurch erfühlbar gemachte Einzelschicksale jeweils Eindrücke vermitteln können.
Erklärbar, durch und durch alle Aspekte zu berücksichtigen ist unmöglich.
Das ist es auch was diese 12 Jahre und auch nicht zu vergessen, die vielen Jahre zuvor, die den Nährboden bereiteten, so unglaublich faszinierend , so verstörend machen.
Dieses Jahrhundertverbrechen wird eben nie vollständig verstandesmäßig erfassbar sein. Diese 12 Jahre zeigen in komprimierter Form alles wozu der menschliche Geist in seinen Abgründen unter welchen Vorraussetzungen auch immer fähig seien kann. Die Frage nach uns selbst, unseren Handeln, unserer Psyche stellt sich somit auch heute Tag für Tag aus Neue.
So bin ich froh über jede neue Form, in der dieses Thema behandelt wird, das niemals ruhen, niemals vergessen werden sollte. Nicht aus Schuldfragen. Oh, nein.
Alle die das NS- Regime in der Hinsicht auf primitive Weise immer wieder instrumentalisieren (man siehe im Ausland die Merkel- Puppen mit Hitlerbärtchen) sind genauso auf dem Holzweg, wie die die diese Zeit ganz ignorieren.
Denn wir sehen ja wie die gefährlichen Auswüchse auch und gerade heute noch aktiv sind.
Unter all diesen Aspekten ist es phänomenal was für ein packendes Monument mit hervorragenden Schauspielern, einem unglaublich authentischen Decor, einem so facettenreichen Drehbuch hier geschaffen wurde.
Eine filmische Sternstunde, ein Jahrhundertfilm.
Vielleicht auch der letzte der sich noch auf Zeitzeugen berufen kann.
Alles was einem Film nur an Mitteln möglich ist um einen Einblick in diese Zeit des Grauens zu ermöglichen wird hier umgesetzt. Wenn man, wozu ich raten würde alle drei Teile hintereinander schaut, spürt man der Film gibt bei Gott keine schnellen Antworten und geht so tief in die Seele, unmöglich einzelne der unzähligen Aspekte herauszuheben.
Hunderte kleine Szenen die dieses Gesamtbild entwickeln, in das der Zuschauer hineingesogen wird.
Sie betrachten diesen Film nicht, sie erleben ihn mit. Sehen, spüren, fühlen Sie, lieber Interessent diese Erfahrung selbst.
Nicht einzelne Staaten, nicht einzelne Charaktere,nein, der Krieg als solches ist das Monster das jedes Menschenleben, jede einzelne Seele vergiftet und zerstört. Sein gnadenloser Mechanismus zermalmt jedes menschliche Schicksal in seinem Getriebe. Da ist der Schöngeist, der durch den Krieg zur emotionslosen Tötungsmaschine wird, da ist die Sängerin, ein wenig angelehnt an Zarah Leander, die durch die Gunst des Regimes zum gefeierten Star wird und genauso schnell wieder gnadenlos geopfert, da ist der Jude, ständig flüchtend vor dem sicheren Tod, da ist die Krankenschwester, die obwohl nur Gutes tun zu wollen zur Verräterin wird, da sind die stummen Mitläufer, die Nazi-Größen, die monströs und menschenverachtend, sadistisch handeln,am Kriegsende jedoch wieder ihre Fähnlein nach dem Wind richten und vieles mehr.
Jeder Dialog, jede Gefühlsnuance unglaublich mitreissend, verstörend, bewegend.
Freunde werden zu Verrätern, der Tod, die Angst , die Auswegslosigkeit allgegenwärtig.
Jeder Täter ist auch Opfer zugleich. Jeder wird durch diesen Krieg ein Stück seines Menschseins und seiner Empathie aufgeben. Menschliche Wracks, menschliche Bestien. Jeder verliert hier seine Unschuld.
Fazit: In allen Punkten eine phantastische, hautnahe, unvergessliche, unfassbar beindruckende Gesamtleistung, die aber auch wirklich jede Aufmerksamkeit, jede Auszeichnung mehr als verdient hat.
Ich hatte Tränen in den Augen, einen dicken Kloß im Hals und konnte erst einmal nur stumm dieses Filmwerk auf mich wirken lassen. Danke an das ZDF und an alle Beteiligten für diesen Mut, dieses Können, diese Hingabe an ein weiß Gott brisantes Thema.
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41 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geschichte wird lebendig, 20. März 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Unsere Mütter, unsere Väter [2 DVDs] (DVD)
Endlich, nach einem Jahrzehnt der Schmonzetten wie „Die Gustloff“, Die Flucht“ etc., ist hier eine Film-Crew am Werk, die etwas von ihrem Handwerk versteht. Keine asphaltierten Straßen, keine Pappmasche-Hintergründe und keine Arztroman-Romantik, sondern Vorbilder wie „Band Of Brothers“ werden erreicht und speziell für uns Deutsche sogar übertroffen. Eine unglaublich großartige Produktion, ein Film, der mit Sicherheit Jahre oder Jahrzehnte nachwirken wird.

Wie die Schauspielerin Katharina Schüttler in einer Talkshow schon richtig bemerkte, werden durch Farbbilder, wird durch Farbe abstraktes Schwarz-Weiß in Bildern zur erlebten Geschichte. Junge Menschen werden im Krieg verheizt, der Blick auf sie, ihre Veränderungen und ihre Traumata werden dadurch emotional erfahrbar; Geschichte wird lebendig.

Alle am Film Beteiligten haben großartiges erschaffen, bisher in Deutschland einzigartig (wenn man einmal von den Filmen „Die Brücke“ [das Original, nicht die Neuverfilmung] sowie „Das Boot“ absieht, die ähnlich aber dann doch nicht vergleichbar sind).

Endlich hat das ZDF die Qualitätsmisere der 2000-er Jahre hinter sich gebracht. Vielen Dank für dieses historische und cineastische Highlight.

Georg B. Mrozek
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28 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen nach Teil 1: glatte 5 Sterne, 18. März 2013
Rezension bezieht sich auf: Unsere Mütter, unsere Väter [2 DVDs] (DVD)
Finde den ersten Teil schon mal äußerst gelungen, und denke mal, dass das auch bei den anderen beiden Teilen der Fall sein wird.
Was mir nicht ganz so gut gefällt, ist die Tatsache, dass man zu viele Thematiken/ Charaktere eingebaut hat. Dadurch kommt alles bei insgesamt 4,5 Std. wahrscheinlich doch etwas zu kurz rüber. Man wird sehen. Eine längere Serie wäre wahrscheinlich noch besser gewesen. Bei Band of Brothers ist das ja so der Fall. Okay, wir haben hier nicht Hollywood, und für eine deutsche Produktion muss man sagen, dass das schon verdammt gut gelungen ist. Danke auch dafür, dass man „vernünftige“ und glaubwürdige Schauspieler wie auch schon bei Napola gewählt hat, die zudem nicht in heroischen Hochglanzuniformen mit blitzblanken Stahlhelmen auftauchen - verheizt im Dreck in Lumpen gehüllt - so wie es eben war.
Die Serie gehört in Sachen Darstellungen über den 2. WK für mich ziemlich weit nach vorn und das bereits nach dem ersten Teil.
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17 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Deutsches Kino wie es sein soll, 24. März 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Unsere Mütter, unsere Väter [Blu-Ray] [2 BDs] (Blu-ray)
Vorwort
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Deutsche Filme leiden oft an gewissen Krankheiten. Da wären zum Einen Dialog-Exzesse und zum anderen eine Lindenstraße-Optik, zum Dritten Schauspieler, denen man ihre Rolle einfach nicht abnimmt. All dies findet man in diesem Dreiteiler NICHT.
So muss Kino aus Deutschland sein. Erstaunlich, dass ausgerechnet das ZDF den deutschen Filmemachern zeigen muss, wie es geht. Ein großes Lob an das ZDF dafür.

Viele lassen sich über Kleinigkeiten aus, die angeblich nicht stimmen, oder dies und das. "Unsere Mütter, unsere Väter" ist ein Film!!! Filme sollen unterhalten! Durch viel Vorarbeit wurden viele Sachen in den Film eingebracht, die eben einfach so waren. Ob es da kleine Unstimmigkeiten geben sollte ist irrelevant. Denn in erster Linie ist dies ein (grandioser) Film und keine Dokumentation.

Die Bluray
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Die 3 Teile kommen auf insgesamt 2 sehr guten Blurays. Auf Scheibe 1 befinden sich Teil 1 und 2, auf Scheibe 2 der 3. Teil und die 2 dazugehörigen Dokumentationen und ein Audiokommentar.

Die Bild und Tonqualität ist durchweg gut und stimmig. Atmospärisch sehr gut.

Die Optik
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ENDLICH! Ein Öffentlich Rechtlicher Sender zeigt den deutschen Filmemachern, wie ein Kinofilm auszusehen hat! Keine Lindenstraße-Optik, keine Uniformen, die aussehen, als hätte man sie gerade aus der Garderobe geholt und nochmal eben schnell gebügelt. Schauplätze, Einrichtungen, Fahrzeuge und alle Kleinigkeiten absolut authentisch. So muss Kino aussehen und daran müssen sich alle weiteren deutschen Filme messen lassen.
Super optischer Eindruck. Und zwar nicht nur für einen deutschen Film. Das ist internationales Niveau.

Der Film
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Es wird anhand der Geschichte von 5 Freunden versucht, die Umstände der Zeit des 2. Weltkrieges zu zeigen. Wie der Krieg Menschen verändert, was der Krieg aus der Gesellschaft macht und das ein Krieg alles, was man kennt aus den Fugen hebt und es alles ganz anders kommt. Dies gelingt dem Film auf hervorragende Weise.
Ohne erhobenen Zeigefinger, ohne Dialog-Exzesse und ohne übermäßige Polemik ist dieser 3 Teiler so ziemlich das Beste, um diese Zeit zu erklären UND - um einen Filmfan zu unterhalten. Letzteres haben frühere deutsche Werke oft aus den Augen verloren. Dieser Film nicht.

Die Leistung der Schauspieler ist absolut hervor zu heben! Alle Schauspieler sind 100% authentisch und man nimmt ihnen ihre Rollen zu 100% ab. Zum Glück verzichtete das ZDF bei diesem Film auf Stars wie Ferres, Liefers und Co. Die hätten den Film kaputt gemacht.

Mein Fazit
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Auch wenn ich nicht weiß, was da noch kommt lehne ich mich mal aus dem Fenster und sage, das ist DER deutsche Film des Jahres 2013 und auch der beste deutsche Film der letzten 10 Jahre. Denn mag auch "Der Untergang" gut sein ist er doch recht langatmig und vermittelt von Anfang an "Die bösen Nazis".
Empfehlung: Kaufen! Unbedingt!
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Unsere Mütter, unsere Väter [Blu-Ray] [2 BDs]
Unsere Mütter, unsere Väter [Blu-Ray] [2 BDs] von Philipp Kadelbach (Blu-ray - 2013)
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