Kundenrezensionen


1 Rezension
5 Sterne:    (0)
4 Sterne:
 (1)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aus dem deutschen Barockopernmuseum, 4. Dezember 2013
Von 
Claus Fischer "clausfischer" (Lampertheim, Hessen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Großmütige Tomyris (Ga) (Audio CD)
Reinhard Keiser sei, so Johann Mattheson in seiner "Grundlage einer Ehrenpforte", "der größeste Opern-Componist von der Welt". Punkt. "Die großmütige Tomyris", 1717 im berühmt-berüchtigten Opernhaus am Gänsemarkt in Hamburg uraufgeführt, eignet sich hervorragend, Matthesons gewagtes Urteil zu untermauern. Das Libretto beruht auf einem Operntext von Domenico Lalli mit dem schönen umständlichen Titel "L'amor di figlio non conosciuto", der zuvor bereits von Tommaso Albinoni sowie von Alessandro Scarlatti (unter dem Titel "Tigrane") vertont worden war. Der Hamburger Autor Johann Joachim Hoe übersetzte es ins Deutsche, ließ aber einige Arientexte in der italienischen Originalsprache stehen, so dass ein typisch hanseatisch-weltmännisches Sprachengemisch entstand, dem Reinhard Keiser mit einer ebenso polyglotten Musik entsprach. An Abwechslungsreichtum ist die Musik der "Tomyris" jener seines bekannteren "Croesus" mindestens gleichwertig, an konstant hoher Qualität von Erfindung und Ausarbeitung womöglich sogar überlegen. Da stört es nicht weiter, dass die - durchaus bühnenwirksame - Handlung (eine Episode aus den Perserkriegen) recht weitschweifig entwickelt ist und stellenweise sehr tief in die Klamottenkiste der venezianischen Karnevalsoper greift. Immerhin bietet sie eine Fülle farbiger Situationen und durchaus vielschichtige, mit inneren Widersprüchen gezeichnete Charaktere, die nicht bloß Träger schablonenhafter Affekte sind.

Als Liebhaber ist man EMI daher dankbar für die Wiederveröffentlichung dieses 1988 im Ludwigshafener Theater im Pfalzbau aufgenommenen und lange vergriffenen Live-Mitschnitts. Allerdings ist er eher denjenigen zu empfehlen, die bereits für die Barockoper entflammt sind - es erscheint fraglich, ob auf Neulinge hier der zündende Funke überspränge. Man muss den "Alte Musik"-Aufnahmen jener Zeit zugute halten, dass die Beteiligten damals in dieser Repertoirenische noch nicht auf einer kontinuierlichen Aufführungstradition aufbauen konnten und die richtige Herangehensweise an diese Musik erst ausloten mussten. Der stilistische Zugriff der vorliegenden Aufnahme ist denn auch deutlich stärker von dem Duktus geprägt, mit dem man seinerzeit etwa auch Bachsche Passionen spielte, als dass ein Hauch Theaterluft zu spüren wäre.

Hans-Martin Linde und sein Consort haben unter den verdienten "Veteranen" der historischen Aufführungspraxis einen guten Namen, aber man spürt hier doch, dass sie im Reich der Oper nicht wirklich zu Hause waren. Das Ensemble ist zwar hörbar bestrebt, dem Komponisten und den musikalischen Qualitäten seines Werkes Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, aber es gelingt leider nicht, diese schöne Oper wirklich zum Leben zu erwecken. Es wird fast durchweg sehr kultiviert gespielt und gesungen, aber das Resultat gleicht einem Rundgang durch ein klingendes Arienmuseum, dessen Exponate liebevoll restauriert wie unter Glasstürzen präsentiert werden und wohl respektvolle Bewunderung, aber kaum leidenschaftliche Anteilnahme zu erwecken vermögen.

Die beiden qualitativen Gegenpole unter den Gesangssolisten sind die beiden Tenöre: Christoph Prégardien als Tigranes überzeugt wie stets durch sehr geschmackvoll auf Linie geführten, schlanken und stilsicheren Gesang. Stefan Dahlberg als sein Gegenspieler Policares dagegen verstört durch sein grobschlächtiges vokales Agieren, das hier völlig deplaziert ist. So dann bitte auch wieder nicht. Die übrige Sängerbesetzung sortiert sich zwischen diesen beiden Extremen ein.

Gemessen an heutigen Standards käme diese Aufnahme kaum über drei Sterne hinaus, aber diese Bewertung zu vergeben bräche mir das Herz. Deshalb vier Sterne - Reinhard Keiser zuliebe.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen