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TOP 500 REZENSENTam 8. März 2013
Bitte in den folgenden Zeilen keine objektive (was auch immer das ist) Meinung erwarten. Hier ist jemand mit David Bowie Klängen aus den 70ern aus dem Nachbarzimmer seines Bruders aufgewachsen, und ist diesen Sound, diese Stimme nie wieder losgeworden. Und so ging es mir wie wahrscheinlich vielen Fans, eigentlich hatte ich mich schon abgefunden damit, dass sich Bowie würdevoll in den Ruhestand zurückgezogen hat. Würdevoll und mit einem Vermächtnis, einer Fülle unvergessener Lieder, von denen man weiß, dass sie bleiben werden. Umso überraschend dann die erste Januarwoche, morgens noch im Internet vom 66 Geburtstag gelesen, mit eben jenem sentimentalen Gedanken an den Ruhestand und dann diese überraschende Veröffentlichung von WHERE ARE WE NOW, sondern auch die Ankündigung des Albums.

In einem Satz: ‚The Next Day‘ ist grandios geworden, textlich immer spannend, ansprechend und tiefgründig, musikalisch voller Verweise, überraschender Ideen und wunderbarer Melodien.

THE NEXT DAY eröffnet das Album mit einer sehr schönen Reminiszenz in Form eines schmutziges Velvet Underground Riffs und erzählt die Geschichte eines Kriminellen, der um sein Leben rennt. Was aber auch gleich ins Auge (Ohr ;-) fällt ist der erste von vielen Verweisen auf die eigene Sterblichkeit, ‚My body left to rot in a hollow tree‘

Auch der zweite Song DIRTY BOYS ist ein Verweis an die eigene Vergangenheit und kommt daher wie ein entfernter Verwandter von „Ashes to Ashes“ mit schauerlichen Gitarren, Bariton Saxophone und verwaschenen Gesangslinie. Düster, aber auf eine sehr britische nette Art.

THE STARS (ARE OUT TONIGHT) ist einer der einfachsten, leichtesten und zugänglichsten Songs, mit einem fantastischen Chorus. Auch hier steht das Thema Altern im Vordergrund.

LOVE IS LOST ist ein absolutes Albumhighlight. Bewegend und beschwörend, die Orgel lässt Übles schwanen, die Gitarren scheinen sich immer wieder im Raum zu verirren. Die Jugend scheint ihm bedrohlich, neue Dinge und Sichten sind im Überfluss vorhanden, nichtsdestotrotz …. „your fear is still old“. Hier wird deutlich, dass es sich nicht nur um einen verklärten, romantisierenden Rückblick eines älteren Herren handelt.

WHERE ARE WE NOW? Das unerwartete Geburtstagsgeschenk, wahrscheinlich hätte Bowie auch Weises Rauschen rausbringen können, es wäre ihm aus den Händen gerissen worden. So aber ist es ein introspektiverm majestätischer Song geworden, der in der Stimmung an ‚Thursday's Child‘ erinnert. WHERE ARE WE NOW? ist einerseits eine Reminiszenz an seine Berliner Jahre, andererseits aber auch eine Ode an Älterwerden. Das Video dazu ist wunderschön, wenn auch etwas traurig. Erst mit der Zeile „As long as there is fire...“ verschwindet die bedrohliche melancholische Enge.

VALENTINE’S DAY ist Ambivalenz pur, direkt beim ersten Hören ist der Song geradezu süß, geradezu einladend, mit seinem bedeutungsvollen Riff und der ansprechenden Chorus. Aber halt, das besungene „tiny face” ist das eine Teeny Psychopathen, der kurz vor einer Tat steht …

IF YOU CAN SEE ME ist vielleicht der experimentellste Song des Albums. Über einen desorientierten, rumpelnde Rhythmus folgt eine Wirrwarr aus Noten und Worten, die Wut des letzten Songs bleibt …. „I will slaughter your kind“

I’D RATHER BE HIGH bleibt in dieser düsteren Gedankenwelt, über einem psychedelischen wunderbaren Riff wird die Geschichte eines jugendlichen Soldaten und seinen grässlichen Umständen erzählt. Vielleicht oldfashioned, aber ja, ein Antikriegsong, dem es gelingt seine schaurige Nachricht zu transportieren.

BOSS OF ME läßt Gail Ann Dorsey etwas Spielraum, mit einer feinen kleinen funkigen Bassline, Bowie darf auch wieder sein geliebtes Bariton Saxophone auspacken.

DACING OUT OF SPACE beginnt schon fast mit einem “Lets’s dance“ snare drum geht aber dann natürlich in eine andere Richtung, das immer wieder abschweifende Riff gibt dem Song die Leichtigkeit eines Brit Pop Shuffles.

In HOW DOES THE GRASS GROW / APACHE reflektiert Bowie den ethnischen Genocid mit alptraumhafter Verzweifelung und konterkariert mit einem la la la Chorus.

In (YOU WILL) SET THE WORLD ON FIRE lässt Bowie den inneren Rocker von der Leine, eine gelungene Verneigung vor der Tin Machine Phase unseres Helden. Erinnert sich noch jemand? Bowie war einer der ersten, der Ende der 80er wieder die schmutzigen Gitarren auspackte, damals ging das ja fast unter, obwohl er damit trendtechnisch wieder die Nase vorn hatte.

YOU FEEL SO LONELY YOU COULD DIE ist ein weiterer epischer Höhepunkt und ein üppiger Verweis auf den guten alten Ziggy und seinen „Rock’n’Roll Suicide“, aber vor allen auch voller boshafter Bemerkungen anstelle von Mitgefühl.

Der Schlusssong HEAT ist ein angemessener Schlusspunkt und ein brillantes Beispiel, warum es gut ist, solche Musiker wie Bowie zu haben. Überirdische Gesangsparts, eigenartiges Geräuschen, wehklagenden Streichern und impressionistischen Texten. „I am a seer, I am a liar“ fasst Bowie seine Karriere in einem Satz zusammen, immer noch ausweichend und gerissen, nach all den Jahren und Jahrzehnten.

Das Album ist undurchsichtig und liefert auch keine einfachen Antworten, die man von einem in Würde gealterten Künstler wie David Bowie erwarten kann. Aber gerade in dieser Undurchsichtigkeit ist „The Next Day“ ein Triumph geworden, den wahrscheinlich viele nicht mehr erwartet haben: Ein innovativer, düsterer, gewagter und kreativer Triumph, wie ihn neben Bowie wahrscheinlich nicht viele Musiker dieser Generation mehr hinbekommen werden.
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TOP 500 REZENSENTam 22. März 2013
Natürlich ist das NICHT die beste Bowie Platte seit Scary Monsters, auch nicht die beste Bowie Platte seit ,Reality` oder seit ,Low`, weil es nämlich in der wirklichen, wirklichen Wirklichkeit die ich ganz genau kenne, weil ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe, gar keine beste Bowie Platte gibt. So wie es auch keine beste Dylan Platte, oder keine beste Rolling Stones Platte gibt. Soweit klar? Nein? - mir auch nicht, aber genau darauf kommt es an - auf den Kontext in dem man ein Album zum ersten Mal hört, auf die Stimmung in der man das Album wieder auflegt - und genau damit macht Bowie es einem mit ,The Next Day` wirklich nicht leicht und genau das zeichnet dieses Album am meisten aus.

Bowie war nie ein Mann von großen eigenständigen Ideen - er war nur einer der Trends frühzeitig erkannte und die Ideen anderer mit seinen Fähigkeiten und dem richtigen Riecher für die richtigen Partner adaptierte. Glam Rock? Bolan war der erste, Bowie fügte Dank Ronson etwas Garage dazu - voilà! Elektronik? Kraftwerk, Neu! und Enos Klanguniversum kombiniert - fertig waren die ersten Prä Synthie Pop Hits. Und da gäbe es noch mehr Beispiele... Lustigerweise war er ausgrechnet dann sehr weit seiner Zeit voraus und auch noch am Eigenständigsten, wenn es sonst kaum jemand mitbekam. Mit Tin Machine bspw. machte er erstklassigen Grunge, 3 Jahre vor Nirvana, mit ,Outside` gab er dem Industrial wichtige Impulse und den Drum & Bassern zeigte er mit einem Nebenbei-Album, dass deren Musik auch mit richtigen Songs funktionieren konnte (Earthling).

Und heute? Heute ist er Bowie - ein Kurator im Museum seiner eigenen Kunst- oder besser PopRichtung, der seine verschiedenen Stile nochmal in neue - und ziemliche gute - Songs packt. Das ist weder eine Legendenselbstverwaltung, noch Retro, es ist schlicht Bowie - die Kunstfigur in all ihren Inkarnationen führt er uns musikalisch noch mal vor - eine Werkschau eigentlich. Mehr muss es auch nicht sein, denn niemand hat von Bowie einen weiteren Klassiker erhofft oder erwartet - und diesen Status wird TND auch nie bekommen, aber: vergleicht man diese Songs und ihre Umsetzung mit ganz aktuellen Produktionen wie ,comedown machine` von den Strokes, der aktuellen Depeche Mode (die Bowie ja auch viel schulden) oder auf der rockigen Seite dem Sound City Soundtrack, dann hat das was Bowie jetzt macht, trotzdem immer noch mehr Substanz, Griffigkeit und genug Kanten um eine größere Nachhaltigkeit zu bekommen (Kompliment übirgens an Earl Slick - wie der Mann es schafft Ronson, Gabrels, Alomar, Fripp bzw. Belew in einer Person zu sein ist perfektes musikalisches method acting). Deswegen - und nur deswegen - diese 5 Sterne, gemessen an der Konkurrenz. An Bowie's eigenem Werk gemessen wären es - natürlich rein subjektiv aus meiner Sicht (aber wie gesagt hab` ich immerhin die Weisheit mit Löffeln...) knappe 4.

Rockig, poppig, soulig, songwriterhaft, all das hat dieses Album, nicht mal auf die guten Momente von Bowie's 80er Jahre Muckentum muss man verzichten und geschmackvoll und zeitlos in Szene gesetzt hat es Visconti - was will man mehr? Aber - wenn er jetzt kein neues Album mehr aufnimmt ist es auch gut, wenn ja, dann würde man sich freuen, nur mehr als eine neuerliche Werkschau soll und darf man sich nicht mehr erwarten - was nicht an Bowie liegt, sondern an der Struktur der Musikszene wie Sie sich seit den mittleren 00er Jahren manifestiert hat (oder fällt irgendjemanden ein instant classic Album ein, das in den letzten 8 Jahren veröffentlicht wurde?).

Coda: hätten alle songs die kompositorische Güte von ,Where Are We Now`, dann würde TND ein Klassiker werden...
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am 8. März 2013
Eigentlich kann man es ja kaum in Worte fassen, wie unbeschreiblich schön das Gefühl ist, nach zehn langen Jahren endlich ein neues Bowie Album in den Händen halten zu können. Fast hätte man damit schon gar nicht mehr gerechnet.
Und doch...
Wie aus aus dem Nichts tauchte plötzlich am 8.1.2013, pünktlich zu David Bowies 66. Geburtstag, die neue Single "Where Are We Now?" als Video-Clip im Internet auf. Damit verbunden ein Relaunch der Web-Site und die Ankündigung eines neuen Albums für Anfang März mit sage und schreibe 17(!) neuen Songs. Und 12 weitere hat er noch in Reserve für ein nächstes Album. Eine Sensation!

Ab jetzt hiess es nur mehr warten - warten - warten. Zwei Monate können so verdammt lang sein!
Wie wird dieses neue Album wohl sein? Was hat sich musikalisch verändert in den letzten zehn Jahren? "Hours" (1999), "Heathen" (2002) und "Reality" (2003) sind sich ja irgendwie ähnlich - wird Bowie dort weitermachen? Oder wendet er sich wieder mehr der kommerziellen Richtung zu? (hoffentlich nicht!). Oder macht er ganz was anderes? Fragen über Fragen, doch nun ist die Zeit des angespannten Wartens Gott sei Dank vorbei!

Was Bowie im Lauf der letzten zwei Jahre ausgetüftelt und mit Hilfe seines langjährigen Freundes und Produzenten Tony Visconti im New Yorker Studio "The Magic Shop" gezaubert hat, übertrifft selbst meine kühnsten Erwartungen.
Mit "The Next Day" hat David Bowie zum einen ein intensives Werk von beeindruckender Dichte und kompositorischer Präzision geschaffen; zum anderen ist ihm damit ein grossartiges Comeback und ein festes Entree in eine neue Dekade gelungen.

STIL:
Stilistisch ist "The Next Day" vor allem eines: ein Rockalbum. Und was für eines. Mit viel Bowie in allen Variationen und reichlichem Einsatz von Gitarre, Bass und Schlagzeug. Voller Ecken und Kanten und einer Bandbreite an Songmaterial, das sich von tiefer Schönheit ("Heat") bis hin zu brachialer Unerbittlichkeit ("The Next Day") erstreckt, zeigt Bowie hier alle Facetten seiner Kunst.
Gespickt mit Zitaten und Querverweisen zum eigenen Werk, verpackt mit viel Ironie und manchmal auch etwas Zynismus, verarbeitet und recycled Bowie hier Zutaten aus seinem reichlichen Fundus (Lodger/Tin Machine/Scary Monsters/Ziggy Stardust/Heroes) in völlig anderem Kontext zu etwas komplett Neuem. So entsteht der Eindruck, man kennt das von irgendwo, nur man kann nicht genau sagen, woher. Und trotz der Beimengung bekannter Bowie-Aphorismen entwickelt dieses Album, das anfangs vielleicht etwas spröde und sperrig klingen mag, nach mehrmaligem Hören seinen ganz eigenenständigen Charakter im Kopf des Zuhörers. Es ist als ganzes nicht direkt vergleichbar mit irgend einem seiner anderen Alben - es steht für sich selbst. Und es ist ganz weit entfernt von seiner kommerziellen Phase der 80er Jahre (Let's Dance/Tonight/Never Let Me Down). "Sucht man den klassischen Bowie, so wird man ihn auf diesem Album finden - sucht man den innovativen Bowie, so wird man ihn auf diesem Album ebenso finden" (Zitat: Tony Visconti - David Bowies "Stimme auf Erden").

TEXT:
Auf gewohnt hohem Niveau entwirft Bowie in seinen Texten verschiedene Muster über verzweifelte/gescheiterte Charaktere, die er mit Hilfe unterschiedlicher Stimm-Nuancierungen zum Leben erweckt. Er erzählt Geschichten, doch er lässt Lücken, um die Fantasien anzuregen; oft wirft er dem Zuhörer nur wenige Wort/Satz/Brocken hin, um diesem ein Maximum an freier Interpretation zu verschaffen. Er wühlt in der Historie - projeziert in die Gegenwart - kratzt an sozialkritischen Themen - nagt an Zwischenmenschlichem - reflektiert seine Vergangenheit und den eigenen Mythos in anderem Licht ("gleaming like blackened sunshine").

MUSIK:
Musikalisch wirkt dieses Album schlank und entschlackt, mit einem hohen Mass an Modernität. Stellenweise ungewohnt spartanisch instrumentiert, verzichtet Bowie hier auf diverse Soundspielereien. Der Einsatz von Synthesizern ist eher zurückhaltend. Unnötiger Ballast und Schnickschnack wurden über Bord geworfen; man beschränkt sich auf das Essentielle. Die Band spielt präzise auf den Punkt und präsentiert sich vom Sound her jung und dynamisch.
Manchmal treten die Musiker auch ein paar Schritte in den Hintergrund, um Bowie den Vortritt zu lassen. Die Songs sind kurz gehalten, frei nach der Devise "in der Kürze liegt die Würze". Anders als z. B. bei "Earthling" (1997), wo die Songs zumeist eine Länge von fünf bis sechs Minuten aufweisen und wo Effekte bzw. Instrumentalpassagen eher grosszügig eingesetzt wurden, spielt hier Bowies Stimme eindeutig die Hauptrolle. "The Next Day" enthält ausschliesslich Original-Kompositionen, es gibt keine Cover Versionen. Glasklar in der Produktion und mit dem Visconti-typischen donnerndem Drum-Sound versehen, präsentiert sich dieses Album äusserst kompakt und homogen.

BAND:
Zum Kern der Band neben dem Meister selbst gehören im Prinzip lauter "alte" Bekannte: Gail Ann Dorsey (bass, backing vocals), Gerry Leonard (guitar) und an den Drums wechselweise Zachary Alford bzw. Sterling Cambell, der aber nur begrenzt zur Verfügung stand, da er anderweitige Verpflichtungen bei den B-52's hatte. Bowie übernahm die Keyboard/Sythesizer-Passagen und spielte bei einigen Tracks Akustik-Gitarre. Produzent Visconti widerum zupfte bei einigen Titeln den Bass. Zusätzlich beteiligt waren namhafte Musiker wie Earl Slick (guitar), David Torn (guitar effects), Tony Levin (bass), Steve Elson (sax) und Henry Hey (piano). Sogar ein Streich-Quartett wurde bei einigen Songs eingesetzt, um den Sound zu verfeinern. Auch King Crimson-Gitarrist Robert Fripp wurde eingeladen, ebenfalls mitzumachen, doch aus Termin-Gründen musste dieser leider absagen.

SONGS:
1. The Next Day
Volle Power gleich zu Beginn. Rockig, rotzig, trotzig - mit mächtiger Stimme, dominanten/verzerrten Gitarren und satten Drums. Thematik: Vergänglichkeit. "Here I am, not quite dying/"My body left to rot in a hollow tree". Tin Machine lässt grüssen - ruft aber auch Erinnerungen wach an "Lodger" (1979) oder "Scary Monsters" (1980).

2. Dirty Boys
Ein zerklüftetes Stück Modern Jazz, das anmutet, als wäre es von Laurie Anderson - mit zitterndem Bass (Tony Levin), schroffem Bariton Sax (Steve Elson) und klirrend-kalten Gitarren (Gerry Leonard, Earl Slick). In einer Art Kaugummi-Gesang erzählt Bowie von einer Rocker-Bande, den "Dirty Boys", denen man sich nicht entziehen kann.

3. The Stars (Are Out Tonight)
Die zweite Single-Auskopplung. "We have a nice life" flüstert Tilda Swinton im dazugehörigen Video-Clip David leise ins Ohr. Damit bringt sie es auf den Punkt. Vermittelt wird das Bild des "heilen", biederen Lebens eines Ehepaares, das jäh gestört wird wird durch die Ankunft eines jungen, party-affinen Pärchens in der Nachbarschaft. Seltsam nur, dass eine der Protagonistinnen mit ihren roten Haaren aussieht wie David in seinen jungen Jahren zu seiner "Cracked Actor"-Zeit (1974). Ob das wohl ein Zufall ist? The Stars (Are Out Tonight) ist ein flottes Stück. Dezente Synths gepaart mit Strings und einem hintergründigen Bariton Sax schaffen eine bedrohliche Stimmung von aufkommendem Unbehagen. "Stars are never sleeping - the dead ones and the living". Wirkt ähnlich beschwörend wie "The Voyeur Of Utter Destruction" ("Outside", 1995).

4. Love Is Lost
Psychodelische Orgelklänge, stampfende Drums, Verzweiflung in der Stimme und echoverhallte Gitarren erzeugen ein hypnotisches, beklemmendes Feeling, ähnlich wie bei Alex Harvey's "Faith Healer". Kernaussage: "Alles ist neu, nur die Ängste sind die alten geblieben". Könnte von "Scary Monsters" (1980) sein.

5. Where Are We Now?
Mit schwebend leichter Melodie und dezenten Gitarren, aber textlich und von der Stimmlage her von tiefer Melancholie und Schwermut geprägt, erinnert sich Bowie an das Berlin der ausklingenden 70er Jahre, wie er es erlebt hat. Eine Ballade wie aus einer anderen, fernen Zeit. Und ein für dieses Album atypischer Song.

6. Valentine’s Day
Mit leicht süsslichem Gesang und den "sha-lal-la"-Chören aus dem Hintergrund versprüht "Valentine’s Day" pure Nostalgie. Allerdings geht es hier thematisch nicht um den 14.2., an dem man sich Blumen schenkt, sondern um einen Serienkiller namens Valentine. Earl Slick lässt die Gitarre jaulen in bester Mick Ronson-Manier. Gegen Ende des Songs liefern sich Slick und Bowie ein Duell "Gitarre vs. Stimme" - fast so schön wie bei "Moonage Daydream" ("Ziggy Stardust", 1972)

7. If You Can See Me
Hämmernde Sythies, gehetzter Gesang, hektische Drum & Bass-Rhythmen wie bei "Earthling" (1997), doch zum Unterschied, hier mit "echten" Instrumenten gespielt.

8. I’d Rather Be High
Ein Song zum Thema Krieg. Prägnante Drums, griffige Gitarren-Licks und helle, gezogene Vocals mit Beatles-Touch erzeugen zusammen mit dem Background-Chor ein gewisses Sixties Flair.

9. Boss of Me
Steve Elsons Bariton-Sax kommt erneut zum Einsatz. Verhaltene Orgel, die feine Bassarbeit von Tony Levin sowie die Background Vocals von Gail Ann Dorsey bilden den weiteren Boden, auf dem sich Bowie hier mit klagender Stimme bewegt: "Who'd have ever thought of it, who'd have dreamed" / "that a smalltown girl like you would be the boss of me".

10. Dancing Out In Space
Ein im Uptempo Rhythmus gehaltener Song mit leicht verzerrten Gitarrenklängen/Effekten, beigesteuert von David Torn. Erinnert an "Heathen" (2002).

11. How Does the Grass Grow?
Fängt an wie "Boys Keep Swinging", wird aber sofort beim Einsatz des Gesangs von Bowie in eine andere Richtung dirigiert. Eine bitterböse Western-Idylle voller Zynismen. Bowies helle, klagende Staccato-Vocals und die wiederkehrenden "Ya Ya Ya"-Chöre (entlehnt aus dem Shadows-Song "Apache") untermauern die düstere Grund-Stimmung. Deftige Gitarren-Parts im Stil von "Heroes" (1977) gegen Ende des Songs.

12. (You Will) Set the World On Fire
Ein sehr kraftvoller Titel, gesungen mit elegisch tiefer Stimme und begleitet von donnernden Drums, präzise in Szene gesetzt von Sterling Campbell. Mit Schweine-Gitarren (Earl Slick, Gerry Leonard) a la Tin Machine. Erinnert etwas an "Bang Bang" ("Never Let Me Down"; 1987)

13. You Feel So Lonely You Could Die
Eine Midtempo-Ballade in bedrohlicher Stimmlage, begleitet von akustischer Gitarre und Streichern. Passt stilistisch perfekt in die Ziggy Stardust-Phase. Das Drums-Outro ist wieder einmal ein Selbstzitat.

14. Heat
Das athmosphärisch düster fliessende, mit tiefer Stimme im Stil von Scott Walker gesungene "Heat" bildet den Ausklang des Albums. Untermalt von Bowies Akustik-Gitarre, Streichern und Gail Ann Dorseys virtuosem Fretless Bass-Spiel. Textlich kontrovers. "And i tell myself, i don't know who i am"/"I am the seer, but i am a liar".

Bonus Tracks
1. So She
Ein federleichter, melancholischer Song mit dezenten Gitarrenklängen und verhaltenen Drums.

2. I’ll Take You There
Ein flotter, rockiger Track mit prägnantem Gitarren-Riff, den Bowie gemeinsam mit seinem Gitarristen Gerry Leonard geschrieben hat.

3. Plan
Ein Instrumentaltitel. Er enthält diese Passagen, die als Einleitung zum Clip "The Stars (Are Out Tonight)" verwendet wurden.

Mit Absicht habe ich keine Bewertung der einzelnen Songs vorgenommen. Da muss sich schon jeder selbst durchhören und überraschen lassen - ich kann nur soviel sagen: Trotz einer Spieldauer von über 60 Minuten, vergehen diese sehr schnell. Das mag daran liegen, dass "The Next Day" ein äusserst kurzweiliges Album ist, auf dem es keinen schwachen Song gibt - und deshalb vergebe ich 5 Sterne!
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am 19. April 2013
Next Day ist kein Album "für sein Alter noch gut". Es ist wirklich großartig. "Where are we now" ist ein grandioser Wurf, der schon nach kurzer Zeit zum Bowie-Klassiker aufgestiegen ist und gleich süchtig macht. Viele andere Highlights machen das Album zu einem von Bowies Besten. Das ganze ist sehr geschlossen, hat einen durchgehenden, sehr eigenen Stil, und ja, es knüpft an viele alte Bowie-Sachen an. Aber jeder Song ist was komplett Neues, und der Einsatz von Synthies wird wieder auf das notwendige Maß eingeschränkt und steht nicht mehr so im Vordergrund wie z.B. auf der "Heathen". Und weil es auch durchgehend anhörbar ist und nicht stellenweise versucht, die Nervenstränge zu zersägen ist es nicht sein bestes Album seit "Scary Monsters", sondern viel besser als Monsters und Heroes zusammen. Nach meinem Geschmack würde ich es so im Bereich von Low, Aladdin Sane oder Diamond Dogs ansiedeln. Ein zeitgemäßes Meisterwerk und ein Muss für jeden Bowie-Fan. "Next Day" ist jedoch auch für Neu-Einsteiger schwer zu empfehlen (im Anschluss dann aber unbedingt Ziggy, Hunky Dory, Diamond Dogs, Aladdin Sane und Low ziehen. Und natürlich nur auf LP, alles andere ist Mist und klingt nicht halb so gut ;-)

P.S.: Obwohl ich diesen neumodischen "2-LP"-Quatsch als total nervige Geldmacherei empfinde, macht es hier wirklich Sinn, da es mit knapp über 60 min. Gesamtspielzeit schon fast ein echtes Doppelalbum ist und definitiv nicht mehr auf eine LP gepasst hätte.
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am 12. März 2013
Es war im Jahr 1980 nach Christus Geburt. Ein damals schon sehr angesehener aber nicht mehr ganz so junger Musiker Namens David Bowie veröffentlichte ein Album, welches er „Scary Monsters“ nannte. Und wie das so ist, wenn man sich mit Monstern umgibt, löste er damit einen Fluch aus.
Zunächst jedoch blieb der Fluch unentdeckt. Der Mann mit den 1000 Gesichtern wendete sich zum Schrecken vieler der kommerziellen Musik zu und sah sich ein Jahrzehnt lang die Charts von oben an. Hit folgte auf Hit. Dann wurde es ihm langweilig. Er wollte kein Star mehr sein und wusste auch sonst nicht genau, was er sein wollte. Also gründete er eine Band Namens Tin Machine. Auch das fanden viele nicht so schön. Aber diese Phase war nur kurz und Bowie wurde wieder Single. Und ab diesem Moment zeigte der Fluch seine ganze Kraft. Wann immer nun Bowie ein neues Album veröffentlicht, muss er sich von seinen Fans auf Ewigkeit anhören, dass das neue Werk das beste seit „Scary Monsters“ ist (Man möge mir die Pauschalisierung als Mittel der verdeutlichenden Zuspitzung verzeihen). Bei großer Euphorie wird auch mal die Formulierung gewählt: Genauso gut wie „Scary Monsters“. Seltener: „Sogar besser als Scary Monsters“. Die Kritiker, vor allem das Feuilleton, hingegen stellten stets fest: „Dem Album fehlt die Relevanz früherer Werke. Sein letztes Werk von Relevanz ist Scary Monster gewesen.“ Denn Bowie hat gleich mehrere relevante Alben veröffentlicht. Darunter versteht man kurz gefasst solche Werke, die andere Musiker beeinflussen und somit Einfluss auf die Musikgeschichte nehmen. Und Bowie muss nun immer Relevant sein. Obwohl es den meisten anderen Musikern nicht mal vergönnt ist, auch nur ein einziges relevantes Album zu schreiben.
Und nun Veröffentlicht Bowie nach zehn Jahren Pause wieder ein Album. Und was macht der Fluch? Die Fans erkennen sein bestes Album seit „Scary Monsters“. Doch bei den Kritikern scheint der Fluch zunächst durchbrochen. Angerührt durch das nicht mehr erwartete Comeback wird jede gehauchte Silbe der Vorabsingle zum Geniestreich. Jedes Bild des dazugehörigen Videos wird gehuldigt. Das Ende des Fluchs? Nein, kaum ist das Album veröffentlicht, stellt man dann doch wieder fest: „Es hat nicht mehr die Relevanz wie Scary Monsters“
Auch ich glaube nicht, dass sich zukünftige Bands, deren Mitglieder heute noch nicht geboren sind, nach Songtiteln dieses Albums benennen werden.
Bowie nimmt sich sein eigenes Gesamtwerk vor und fügt ihm neue Songs hinzu. Aus allen Epochen findet sich etwas. Der Clou an dem Album ist, dass man die einzelnen Songs verschiedenen Alben (auch den Relevanten) einfach hinzufügen könnte, und sie würden sich würdig einfügen. „You Feel So Lonely You Could Die“ passt zu „Ziggy Stardust“, „The Next Day“ zu „Lodger“, „Valentine's Day“ zu „Aladdin Sane“ usw.
Sie wären zwar nicht die stärksten Stücke, aber man würde sie doch immer mal wieder gerne hören. Und damit hat mir Bowie mit „The Next Day“ mehr gegeben, als ich es für möglich gehalten habe. Das Album ist schlicht gut, und es werden dieses Jahr mit Sicherheit nicht viele Alben veröffentlicht, die besser sind.
Fans werden zudem ihre Freude daran haben, innerhalb der einzelnen Songs die zahlreichen Zitate von früheren Liedern zu suchen und zuzuordnen.
Falls David Bowie kein weiteres Album veröffentlicht, wäre „The Next Day“ ein würdiger Schlusspunkt einer großen Karriere.
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am 9. März 2013
Aktualisierte Fassung, 18. Januar 2016

In den letzten knapp drei Jahren habe ich THE NEXT DAY immer wieder angehört und die Scheibe gefiel mir immer besser. Schon länger hatte ich vor meine Rezension zu aktualisieren. Anfang des Jahres sollte es soweit sein. Dann kann mir Bowies neue Platte 'Blackstar' dazwischen . Am 11. Januar morgens dann erfuhr ich von meiner Frau die schockierende Meldung, dass David Bowie gestorben ist. In den folgenden Tagen hörte ich viele Platten von ihm. Ich bin überrascht, wie sehr mich sein Tod beschäftigt. Ich könnte gerade zu vielen Platten von ihm etwas schreiben, ich möchte jedoch die Aktualisierung meiner Rezension zu THE NEXT DAY nicht länger aufschieben.

Beim ersten Hören gefiel mir "The next day" nicht. Ich hörte viele Zitate und dagegen hatte und habe ich grundsätzlich nichts. Aber wenig überzeugte mich, ich fand kaum Zugang zu der Platte. Nur eine Handvoll Songs gefielen mir. Viele Lieder deuteten Möglichkeiten an, blieben aber unterwegs stecken. Die ganzen 5-Sterne-Rezensionen erzeugten bei mir Ratlosigkeit. Eine neue Bowie-Scheibe, Tony Visconti, Gail Ann Dorsey, Earl Slick, Sterling Campbell & David Torn sind dabei, Bowies Stimme immer noch phantastisch, ich kam jedoch nicht rein, die Tür blieb zu. Ich habe die Scheibe dann etwa zehnmal gehört und nach und nach lichteten sich die Wolken. Die große Ernüchterung nach dem ersten Durchlauf hatte sich gottseidank nicht bestätigt. Dazu kam dann noch ein königsblauer Sieg im 142. Derby, so dass das Wochenende besser endete, als es anfing. Knappe vier Sterne habe ich der Platte damals gegeben. Eine insgesamt ordentliche Platte, die für mich jedoch nicht an die Vorgänger 'HOURS'', HEATHEN oder REALITY, die ich allesamt sehr gut finde, heranreichte.

Nach rund drei Jahren ist mir THE NEXT DAY ans Herz gewachsen. Bowie bietet hier nichts Neues, er erfindet keinen neuen Stil, er hängt sich auch nicht, wie bei EARTHLING, an einen neue Trend ran. Stattdessen schreibt er viele gute Songs, er zitiert sich auch selber und bringt eine gelungene Rockplatte heraus. Bei dieser Platte kommen mir einige klassische Bowiescheiben der Siebziger bis einschließlich SCARY MOSNTERS in den Sinn. Als erster Song wurde "Where are we now?" in die Welt geschickt, eine schöne Reminiszenz an seine Berliner Jahre, der jedoch die Zuhörer auf die falsche Fährte locken kann. THE NEXT DAY ist keine Berlin-Platte, auch wenn so manches hier atmosphärisch nach dieser Zeit klingt. 'Where are we now?' ist herrlich old fashioned melancholisch, am Schluss löst sich das Ganze auf und hinterlässt einen dann in diese schwebende & seltsame Mischung aus Euphorie und Traurigkeit. Der Text ist sehr melancholisch. Im Video zum Song sieht man Aufnahmen aus West-Berlin, unter anderem den Meistersaal ( wo Teile von LOW und die gesamte "HEROES" entstanden), und die Hauptstraße 155, beide Orte habe ich vor einigen Jahren mal besucht. Es war das einzige Mal, dass ich die ehemalige Wohnung und das ehemalige Studio eines mir wichtigen Musikers besucht habe.

"The stars (are out tonight)" hatte ich zunächst unterschätzt. Der Song mit dem vermutlich größten Pop-Appeal auf der Platte, ein richtig guter & starker Song, der aber bei mir nicht so schnell zündete wie bspw. Auch zu zu diesem Lied gibt gibt es ein gutes Video. Bowie mimt dem Ehemann, Tilda Swinton seine Frau. In die ruhige Idylle ('we have a nice life!') bricht ein Glamour-Rockstar-Paar herein. Die androgyne Sängerin weist große Ähnlichkeit mit dem Thin White Duke auf. Der nächste Song "Love is lost" ist eine schöne Postpunk-Nummer. Ein treibender Bass, eine düstere unheilvolle Orgel. Die Jugend, der Überfluss, alles da, alles neu, nur die Ängste sind immer die gleichen geblieben. "You feel so lonely you could die" fand ich von Anfang an sehr gut. Ziggy und Aladdin Sane lassen grüßen, die Diamond Dogs kommen um die Ecke, theatralisch und boshaft, eine gute Nummer. Bowie mit seiner wunderbaren Crooner-Stimme. Ein musikalisches Highlight, das an ganz alte Bowie-Klassiker, aber auch an das wunderbare "Slip away" erinnert. Beim Fadeout wird nochmal "Five years" beschwört.

"Heat" fand ich anfangs schwach. Ich empfand das Lied recht lange als missratene Schlussnummer, gerade nach dem grandiosen 'You feel so lonely you could die'! Der Song fängt mit dunklem Sound an, dann setzt Bowie mit der Stimme ein. Interessante Lyrics, aber der Song blieb für mich trotz des Ambientsounds, der Dramatik, stecken. "Heathen (The rays)" von 2002 oder 'Bring me the Disco King' von 2003 waren da deutlich beindruckender. Ich finde nach wie vor die Schlusslieder der drei Vorgängeralben besser, 'Heat' hat für mich mit der Zeit aber gewonnen. "So she", der erste Bonus-Track, ist ein kleines, kurzes Stück, ein netter Keyboard-Lauf, insgesamt etwas unscheinbar. Klingt wie ein Bonus-Track, ist ein Bonus-Track. "I'll take you there", ein weiterer Bonus-Track, deutet Möglichkeiten an. Es bleibt bei Andeutungen, nach 2.41 ist Ende. Beide Bonustracks klingen wie Skizzen oder alte Single-B-Seiten. "Valentine`s day" ist ein Lied über einen Psychopathen. American Nightmare, Bilder von amerikanischen Kleinstädten und Schulen erscheinen vor unserem Auge. Den Song hatte ich zunächst auch überhört. Der Flow am Anfang der Platte ist mir bei den ersten Durchläufen vollkommen entgangen. Doch mit der Zeit entfaltete sich die Schönheit der Songs.

Das Instrumental "Plan" wird als musikalischer Vorspann beim Video zu "The stars (are out tonight)" genutzt. Ein schönes kleines düsteres Stück. "If you can see me" benötigte, wie so viele Songs hier, ebenfalls etwas Zeit. Hätte auf EARTHLING vermutlich treibender geklungen und wäre nicht unter fünf Minuten geblieben. Der hektischste Song der Platte, Stream of Consciousness-Lyrics, Gail Ann Dorsay singt mit, schnelle Drums. "I'd rather be high", sollte das Beatles-Stück auf der Scheibe sein, erinnert mich aber eher an die Lads aus Manchester als an die Fab Four aus Liverpool. Ein Antikriegssong mit Britpop-Assoziationen. "Boss of me" enttäuschte mich anfangs sehr, soll das der Song sein, den Visconti als sexy und schlüpfrig beschreibt?. Finde ich nun auch lässig und besser als zu Beginn . Hätte aber eventuell in einer Liveversion Entwicklungspotenzial gehabt. "Dancing out in space" ist eine etwas leichtgewichtige Nummer, tuckert etwas vor sich hin. Eine etwas schwächere Nummer. "How does the grass grow" erinnert zu Beginn an "Lodger", dann setzt mit Bowies Stimme ein und der Song geht in eine andere Richtung. Der Track wird von einem vorwärts treibendem Rhythmus getragen. Dann setzt die melodiöse Bridge ab 2.41 ein, dann geht es zurück in den treibenden Beat.

"(You will) Set the world on fire" erinnert mich an die erste Tin Machine, an einige Stücke aus der Glamrock-Zeit und an den Song "Reality". Ein schnörkelloses Stück, guter Riff, finde ich gelungen. "Dirty boys" ist ein interessanter Song. Jazzy mit einem Hang zur geheimnisvollen Dunkelheit. Ein Song über eine Gang, besate Dirty Boys. Mit dem Opener "The next day" konnte ich beim ersten Hören nichts anfangen. Der Text, eine schöne, schaurige Geschichte, ein Tyrann auf seinem letzten Gang. Die Musik erinnert an LODGER und SCARY MONSTERS. Ich wurde mit dem Song jedoch nicht richtig warm. Obwohl er mich an zwei gute Bowie-Platten erinnerte, gefiel er mir nicht und war für mich längere Zeit ein misslungener Einstieg ins Album. Jetzt finde ich, dass der Song ein holpriger, aber schön schräger Einstieg in das Album ist.

Das Cover: Das Konzept, welches hinter dem Cover steht, finde ich zwar interessant, das Resultat ist aber zumindest diskussionswürdig und sagt mir nicht zu. Die Idee ein Cover zu verfremden, an einem Mythos zu rütteln, um zu demonstrieren, dass man im Augenblick lebt und die Vergangenheit hinter sich lässt ( dabei aber immer und immer zitiert! ), ist sicher ein guter Aspekt. Mir würde jedoch eine andere Umsetzung besser gefallen. Das Originalcover von "Heroes" zitiert genau wie das Cover von Iggy Pops ebenfalls 1977 in Berlin entstandenem "The Idiot" Erich Heckels Bild "Roquairol" (Bildnis Ernst Ludwig Kirchner) aus dem Jahr 1917. Ich hatte das Glück das Gemälde im Brücke Museum zu sehen. Die psychische Zerrüttung ist sehr eindrucksvoll wiedergegeben. Ein neues Foto, wo Bowie die Pose des Gemäldes aufnimmt, hätte mir, auch wenn Bowie 2013 von der Stimmung des Bildes vermutlich deutlich weiter entfernt ist als 1977, mehr zugesagt.

Nach rund drei Jahren ist THE NEXT DAY für mich ein gutes David Bowie-Album, welches ich mittlerweile sehr gerne höre. Leider wird es die Songs dieser Platte von Bowie nicht mehr live geben. Aber wir haben ja die Platten, seine Musik und in seinen Songs lebt er fort. The next day and the next and another day...
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am 12. März 2013
Seit Aladdin Sane war ich immer ein Fan von Bowie. Wenn man also alle Alben zigmal gehört hat
im Laufe der Jahrzehnte, denke ich, dass man auch diese CD gut einordnen kann.
Auf die einzelnen Songs möchte ich hier nicht eingehen.
Schon die Single Where are we now? war nichts Herausragendes und deshalb habe ich von dieser CD auch nichts Sensationelles erwartet, eigentlich ist die Single ziemlich langweilig. Hätte in den 70ern evtl. mehr gezündet, heutzutage gibt es aufregendere Gruppen, mit denen sich Bowie messen lassen muss, wenn er es denn überhaupt will.
Insgesamt gibt es einige sehr gute Songs aber auch nur durchschnittliches Geschrammel ohne erkennbare Strukturen und Melodien, hauptsächlich so ungefähr in der Mitte des Albums. Es kommt mir so vor, als ob Bowie altes Material, das aus früheren Produktionen übriggeblieben ist und für die damaligen Alben als für nicht gut genug befunden wurde, verwendet und neu aufgenommen hat. Fast bei allen Songs erkennt man Verwandtschaften zu früheren erschienen Aufnahmen.
Bowie kupfert offensichtlich bei allen Songs von sich selbst ab.
Nicht nachzuvollziehen sind die überwiegenden Rezensionen, die hier erschienen sind, die meisten scheinen sich
die CD schönreden zu wollen. Von "meisterhaft" und anderen Superlativen kann nicht die Rede sein.
Alles in allem vergebe ich trotzdem noch 3 Sterne für die angesprochenen guten bis sehr guten Songs, für die gesamte CD gesehen ist dieser Auftritt jedoch zu wenig für 5 Sterne.
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am 11. März 2013
Als jahrzehntelanger Bowie-Fan ist es zugegebenermaßen schwierig eine 100% objektive Rezension zu verfassen. Einerseits liegt das darin begründet, dass Bowie weit mehr als ein Musiker ist, sondern von den meisten (auch wahrscheinlich von mir) fast als Mythos verehrt wird. Zweitens liegt es vielleicht auch darin begründet, dass die Tatsache, dass er nach 10 Jahren völlig überraschend eine neue CD veröffentlicht, schon fast eine Sensation ist und sich einer herkömmlichen Kritik entzieht. Ich gehe auch davon aus, dass die meisten Rezensenten ebenfalls Bowie-Fans sind und mit Begeisterung die Platte schon vorab bestellt haben.

Wenn man all diese Kriterien und den Social-Media Hype um die Platte außer Acht lässt, ist das Album aber dennoch sehr gut geworden und verdient Anerkennung. Warum?

Die stilistische Vielschichtigkeit, die sehr guten Texte und die teilweise ungewöhnlichen Melodien stechen in der heutigen Musikszene wohltuendst hervor. "Where are we now" besticht durch retrospektive Melancholie, dem Bekenntnis zur eigenen Sterblichkeit und doch einer sanften Trotzigkeit "as long as there is fire, rain, you, me...."). Die zweite Single "The Stars are out tonight" hat eine sehr eingängige Melodie, sticht aber nicht weiters hervor...

Wirklich interessante Tracks sind "Heat" (Scott Walker lässt grüßen..), "You feel so lonely...", "Love is lost", "If you can see me", "How does the grass grow", "You will set the world on Fire", "The dirty Boys". Sämtliche Tracks stehen hier für sich und es ist schwierig sie einer bestimmten Stilrichtung zuzuordnen - dafür sind sie zu unterschiedlich.

Man wird abwarten müssen, ob das Album den Test der Zeit besteht. Aber ist das nicht mit den meisten Bowie-Platten so? Jene Alben,ursprünglich kaum Aufmerksamkeit fanden und bedingt erfolgreich waren, gelten heute als Klassiker (z.B. Low) . Jene, die zu Beginn hochgelobt wurden stellten sich nachträglich als weniger bedeutsam heraus (z.B. Reality).

Man wird abwarten müssen. Nach mehrmaligem Hören des Albums ist mein erstes Resumee aber einmal sehr positiv. Bowies Stimme ist nachwievor sehr gut, das Album hat Klasse und ich freue mich einfach sehr, dass er uns dieses Album geschenkt hat.
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am 11. März 2013
vorweg sollte man sagen: wer bisher mit David Bowie nichts anfangen konnte, wird es nach "The Next Day" auch nicht können! Meiner Meinung nach ist das kein Album für Jederman, man sollte schon ein Bowie-Kenner sein.
Ich bin ein Kind der 80-ziger und seine Musik hat mich seit dem begleitet und nicht wieder losgelassen!
Auch ich war an seinem Geburtstag auf seiner Website und kam somit auf "Where Are we Now" und hatte Tränen vor Freude in den Augen als ich seinen neuen Song (nach 10 langen Jahren) hörte. Irgendwie hat wohl keiner mit einem neuen Album gerechnet. Zugegeben, meine Erwartung an das neue Album war groß und beim ersten hören war nicht gleich jeder Song ein Ohrwurm für mich! The Stars und Valentine's Day haben mich gleich mitgerissen. Mittlerweile läuft die Scheibe hoch und runter bei mir und ich bin begeistert! The Next Day has gone straight to the top of 40 different countries’ iTunes charts and it’s also Top 10 on iTunes in another 10 countries.( lt. David Bowie.com) Weiter so....
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am 8. April 2013
Immer wenn man denkt da kommt nichts mehr.... Aus meiner Sicht ist diese Platte für einen 66-jährigen eine Meisterleistung. Ich finde seine Stimme einmalig, gebrochen, krächzend, dann wieder klar und deutlich. Die Songs sind sehr unterschiedlich, insbesondere die "Berliner" Ballade der Hit!! Weckt doch sehr viel Nostalgie. Auch die Melodien sind eingängig. Also ich höre diese Platte im Auto rauf und runter! Kaufen!
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