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218 von 232 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Musils Mikrokosmos
Obwohl dieses Werk über 1000 Seiten umfasst, kann man die eigentliche Handlung doch schnell erläutern.
Wien 1913. Die Hauptfigur Ulrich, eigentlich Mathematiker dem das Mögliche mehr bedeutet als das jeweils Wirkliche, weiss nicht wie es in seinem Leben weitergehen soll und macht somit erstmal "Urlaub vom Leben" um sich selbst zu finden. Er wird...
Veröffentlicht am 21. März 2005 von deathdealer92618

versus
3.0 von 5 Sternen Musil ist nicht für jeden etwas
Müßig, müßig... Langläufige Gedankengänge, die auf Grund endloser Sätze mit teilweise gegensätzlichen aussagen manchmal unfertig und chaotisch wirken. Aber ein Erkenntnisgewinn für alle Gesellschaftswissenschaftler, vor allem philosophisch angehauchten.
Vor 3 Tagen von sabine barufka veröffentlicht


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218 von 232 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Musils Mikrokosmos, 21. März 2005
Obwohl dieses Werk über 1000 Seiten umfasst, kann man die eigentliche Handlung doch schnell erläutern.
Wien 1913. Die Hauptfigur Ulrich, eigentlich Mathematiker dem das Mögliche mehr bedeutet als das jeweils Wirkliche, weiss nicht wie es in seinem Leben weitergehen soll und macht somit erstmal "Urlaub vom Leben" um sich selbst zu finden. Er wird Sekretär eines Komitees, das die sogenannte "Parallelaktion" plant. Dabei handelt es sich um eine Aktion die zu Ehren des 70jährigen Thronjubiläums von Kaiser Franz Josef I starten soll. Parallelaktion deswegen, weil in Berlin gleichzeitig eine Aktion zum 30jährigen Jubiläum von Kaiser Wilhelm geplant wird. Und eben bei diesen Planungen in Wien treffen die unterschiedlichsten Zeitgenossen aufeinander.
Und genau dadurch kann Robert Musil den Leser in eine eigene Welt entführen. In der fiktiven Donaumonarchie Kakanien treten die verschiedensten Figuren aus Politik, Wirtschaft, Kunst uvm, auf, die alle etwas denken, etwas zu sagen haben. Man lernt eine ganze Reihe von Ideologen und Fanatikern kennen, Nietzsche-Anhänger, Sexualmörder und und und... Der eigentliche rote Faden des Buches wird immer wieder unterbrochen von Gesprächen, Debatten, Eröterungen, Kommentaren, essayistische Betrachtungen.
Robert Musil hat ganz klar ein Meisterwerk geschaffen, er zeigt hier ein philosophisches, politisches, zeitgeschichtliches Panorama über den "Verfall" einer intellektuellen, großbürgerlichen Gesellschaft (geprägt durch Aufklärung und Rationalität) zur zweckorientierten Massengesellschaft.
Dieses Buch ist defintiv 5 Sterne wert, aber man muss auch bedenken, dass die Medaille zwei Seiten hat. Einerseits kann man unendlich viel aus diesem Buch schöpfen, es immer wieder lesen und immer noch mehr Neues erfahren, andererseits muss man aber auch sagen, das es wirklich harter Stoff ist und man somit dieses Buch wirklich lesen wollen muss! Möchte man es nur aufgrund des Namens und der Berühmtheit lesen, legt man es schnell wieder weg, es ist nichts für reine "Hobby-Leser". Musil hat in diese Buch Leidenschaft gesteckt und das muss der geneigte Leser ebenfalls tun! :-)
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84 von 94 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Roman ohne Eigenschaften, 19. Januar 2007
Vor mehr als 90 Jahren wurde ein Attentat auf den österreichischen Thronfolger verübt. Dieser Tag, der 28. Juni 1914, ist der endlich gefundene Grund für den nur wenige Wochen später gestarteten ersten Weltkrieg. Auf den Tag genau 90 Jahre später habe ich die Lektüre eines Romans, eines Romanfragments, ich scheue vor der Benutzung dieses Wortes angesichts der 1200 Seiten zurück, beendet. Na ja, es war der zweite Anlauf und die letzten knapp 200 Seiten habe ich sehr oberflächlich gelesen. Aber nun bin ich froh, daß ich diese Lektüre abgeschlossen habe, ich habe einen Roman ohne Eigenschaften gelesen.

"Der Mann ohne Eigenschaften" von Robert Musil hat ganz viele Eigenschaften. Er sucht nach dem Sinn des Lebens, er philosophiert sich durch die Welt des Jahres 1913, da beginnt der Roman. Er heißt Ulrich und ist ein liebenswürdiger Zyniker, ein Satiriker, ein Frauenliebhaber, ein kluger Kopf und ein Idealist. Er irrt durch die Welt, wird Sekretär der Parallelaktion, die man aus der Taufe hebt, um das im Jahre 1918 fällige 70zig jährige Thronjubiläum des Kaisers zu feiern und die Preußen auszubooten, die just im selben Jahre mit Sicherheit das läppische 30zig jährige Jubiläum ihres Monarchen zelebrieren werden.

Es wird in diesem Buch über alles philosophiert und es lebt davon, daß der Leser weiß, daß es nie zu den Feierlichkeiten kommen wird. Das Buch lebt von seinen wundervollen Metaphern, genauen Beobachtungen und grandiosen Menschenbeschreibungen. Es reiht einen klugen Gedanken an den anderen. Es ist so unendlich schwer, sich stets zu konzentrieren und schon nach wenigen Seiten Lektüre überfällt den Leser eine bleierne Müdigkeit, der man immer nachgeben sollte, um dann erfrischt die nächsten Seiten anzugehen.

Man hat diese ständigen Pausen bitter nötig, weil man sonst der Wucht der Gedanken kaum dauerhaft gewappnet sein dürfte.

Bestimmen wir unser Leben oder wird es bestimmt? Zitat: "Im Grunde wissen in den Jahren der Lebensmitte wenig Menschen mehr, wie sie eigentlich zu sich selbst gekommen sind, zu ihren Vergnügungen, ihrer Weltanschauung, ihrer Frau, ihrem Charakter, Beruf und ihren Erfolgen, aber sie haben das Gefühl, daß sich nun nicht mehr viel ändern kann. Es ließe sich sogar behaupten, daß sie betrogen worden seien, denn man kann nirgends einen zureichenden Grund dafür entdecken, daß alles gerade so kam, wie es gekommen ist; es hätte auch anders kommen können; die Ereignisse sind ja zum wenigsten von ihnen selbst ausgegangen, meistens hingen sie von allerhand Umständen ab, von der Laune, dem Leben, dem Tod ganz anderer Menschen, und sind gleichsam bloß im gegebenen Zeitpunkt auf sie zugeeilt. So lag in der Jugend das Leben noch wie ein unerschöpflicher Morgen vor ihnen, nach allen Seiten voll von Möglichkeit und Nichts, und schon am Mittag ist mit einemmal etwas da, das beanspruchen darf, nun ihr Leben zu sein, und das ist im ganzen doch so überraschend, wie wenn eines Tags plötzlich ein Mensch dasitzt, mit dem man zwanzig Jahre lang korrespondiert hat, ohne ihn zu kennen, und man hat ihn sich ganz anders vorgestellt. Noch viel sonderbarer aber ist es, daß die meisten Menschen das gar nicht bemerken; sie adoptieren den Mann, der zu ihnen gekommen ist, dessen Leben sich in sie eingelebt hat, seine Erlebnisse erscheinen ihnen jetzt als der Ausdruck ihrer Eigenschaften, und sein Schicksal ist ihr Verdienst oder Unglück."

Wenn man jetzt erst einmal eine Pause benötigt, kann ich das verstehen, weise aber pflichtschuldigst darauf hin, daß dies nur wenige Textzeilen waren, die ich hier wiedergegeben habe. Weiteres gefällig?

Der Staat wird nicht anders als Hotel verstanden, in dem man Anspruch auf höfliche Bedienung habe. In der Geschichte der Menschheit gäbe es kein freiwilliges zurück. Der Mann ohne Eigenschaften habe eine Eigenschaft: immer zu spötteln, statt sich dem Leben zu widmen. Sinn des frischen Gemüses ist es, Büchsengemüse zu werden. Die Schwere des Lebens, dieser heimlich auf uns lastende Mißmut, komme dadurch zustande, daß wir alle sterben müßten und daß alles so kurz und wahrscheinlich vergeblich sei. Und die vielleicht schönste Metapher dieses Romans: Gewisse Dinge müßten getan werden, um Mensch zu sein und nicht nur ein flaches Lesezeichen in den Bänden der Fachliteratur.

Ulrich hat eine Geliebte, die ihm auf die Nerven geht, eine Kusine, die zu vögeln er sich nicht traut, er übersieht das hübsche willfährige Kammermädchen und verweigert sich der Frau eines Freundes, die gern von ihm ein Kind bekommen möchte. Er wird mit seiner Schwester ein Verhältnis haben, aber dies alles, diese amouröse Seite des Romans ist nicht ausgeleuchtet, sondern geht unter im philosophischen Diskurs der an der Parallelaktion beteiligten Menschen. So treibt sich das Philosophieren durch den Roman wie ein Bohrer durch ein ganz dickes Eichenholzbrett.

Ich bin nicht reif für dieses Werk, wird man sagen, wenn man diese Zeilen gelesen hat. Ich stehe hier und kann nicht anders.
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106 von 119 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das am häufigsten nicht gelesene Buch, 26. April 2007
Von 
Das Buch beginnt furios, wie Mendelssohns Violinen Konzert in e - Mol und man wird zunächst in der Erwartung getäuscht,
dass es so nicht lange weitergehen kann. Das Buch hat im Prinzip keine Handlung, es passiert eigentlich nichts,
sondern es werden eine Reihe von Reflexionen angestellt, die vor allem zeitdiagnostischen Wert haben.
Die Reflexionen sind aber eigentlich nur Thesen, die zudem mit Ironie wieder zurückgenommen werden.
Zunächst ist jeder 3. Satz zitierfähig und würdig, so prägnant und apodiktisch ist seine Sentenz.
Eines der wichtigsten Ideen des Buches kommt in folgender These zum Ausdruck:

"So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebenso gut sein könnte,
zu denken [Anm. : ebenso gut, wie das, was tatsächlich existiert] und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen
als das, was nicht ist." (S.16)

Was bedeutet es, einen Menschen als "Mann ohne Eigenschaften" zu charakterisieren?
Musil meint hier offenbar, das nicht festgelegt sein, die Offenheit eines Menschen. Wie er in Vergangenheit war,
besagt nichts darüber, wie er in Zukunft sein wird. Der Mensch wird nicht durch eine Wirklichkeit bestimmt,
sondern er bestimmt die Wirklichkeit. Die Möglichkeit, die er entdeckt, ist der Grund der Wirklichkeit.
Die Wirklichkeit wird geschaffen auf Grund des Möglichkeitssinns des Menschen.
So hat es den Anschein, dass die Menschen die Wirklichkeit sehr viel eher verändern, die unpraktisch
erscheinen und als Träumer abgetan werden. Sie sind es, welche die scheinbar so stabile und fraglose
"Wirklichkeit" in das Licht der Kontingenz tauchen und damit entwerten ("Krittler").
Natürlich wird dieses Perspektive auch reflexiv angewendet und so erscheint die eigene Person "nur" möglich (zufällig)
und besitzt keine unveränderliche Substanz. Das Denken, Reflektieren ist maßgeblich für die Existenz eines solchen
Menschen, die Körperlichkeit, die Intuition und das Gefühl treten zurück. Das bedeutet nicht, das
Körperlichkeit nicht gelebt wird (Sport, Sex), sondern nur, dass sie praktisch ohne Belang ist, für so etwas
wie "Identität". Diese Interpretation macht den Protagonisten Ulrich zum Helden des Buches, aber so ist es
nicht gemeint. Auch Ulrich wird aus der relativierende Perspektive der Ironie geschildert.
Lediglich spürt man vielleicht etwas Anteilnahme mit einem Menschen, dem es an einer klaren Richtung und
ein eingebettet sein fehlt. Aber diese Anteilnahme erschöpft sich in einer wohlmeinenden schmunzelnden
Begleitung an Ulrichs aussichtslosen Versuch, sich in dieser Welt zu engagieren.

In der Zeitdiagnose wird das Moment der Entzauberung der alten verträumten Welt, durch die Welt der modernen Technik hervorgehoben.
Die Ungleichzeitigkeit von Entwicklungen und die unzeitgemäßen Orientierungen mit denen sich Menschen zu recht zu finden versuchen,
sind Anlass für zahlreiche spöttische und zugleich äußerst geistreiche Betrachtungen und lakonische Kommentare.

Das Buch gilt als das am häufigsten nicht gelesene, d.h. es ist allseits bekannt und präsent, aber kaum
jemand hat das Buch tatsächlich wenigstens in großen Teilen gelesen. Grund dafür dürfte die Form sein,
weniger ein unverständlicher Inhalt oder eine schwer verdauliche Sprache. Es passt inhaltlich gut zum Buch,
dass es ein Fragment geblieben ist. Die Unverbindlichkeit der angerissenen Ideen, dass Fehlen einer
wenigstens fragmentarisch vorhandenen Erzählstruktur, macht das Lesen des Buches zur Arbeit, einer Arbeit
allerdings, die oft Vergnügen bereiten kann. Um das Buch tatsächlich vollständig Lesen zu können, muss man
sich für einige Wochen ausschließlich dieser Aufgabe widmen, sich einen Notizblock zurecht legen und
ausreichend mit Tee oder Kaffee versorgt haben.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kosmos Österreich, 25. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Mann ohne Eigenschaften (Teil 1 bis 3) (Vollständiger Musil-Text) (Kindle Edition)
Tiefgründige Analyse einer vergangenen Zeit und einer überlebten Gesellschaft. Ein österreichischer "Jahrmarkt der Eitelkeiten"
mit Allgemeingültigkeit. Ein umfassendes Lexikon menschlichen Verhaltens, ein unvergängliches Lehrbuch der Psychologie des Menschen. Trotz distanzierter Sprache und kühlem Verstand oder vielleicht gerade deswegen, Musil hat den gläsernen Menschen geschaffen und die Mechanismen des menschlichen Verhaltens sichtbar gemacht, gültig für alle Zeiten.
Was für ein Lesestoff ! Ausreichend für viele Wochen, Monate und Jahre. Man wird das Buch nicht "mit einem mal verschlingen", man wird es Kapitel für Kapitel ergründen. Das Buch hat einen langen Atem und lässt einfach nicht los. Als Roman wie ein Lexikon und als Lexikon wie ein Roman. Was auch immer das bedeutet, es erscheint plausibel. Jedes Kapitel beschreibt einen anderen psychologischen Zustand menschlichen Verhaltens.
Gut, dass es das Buch gibt und gut, dass es so günstig als ebook allen zugänglich ist.
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60 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zwischen Ratlosigkeit und Begeisterung..., 18. Oktober 2004
So ging es mir mit diesem Buch...und wenn viele Leser ehrlich sind, glaube ich, daß es ihnen ähnlich mit diesem Werk ging, bei dem man ständig das Gefühl hat, Bedeutendes zu lesen, das man zwar in dem Augenblick des Lesens begreift und es darüber hinaus auch fantastisch findet..doch man glaubt auch häufig, dem Text nicht Genüge getan zu haben. Ich bin überzeugt, daß Musil einer der größten Geister Österreichs überhaupt ist, der einen Bernhard und sogar einen Handke bei weitem übertrifft wenn es um die Beobachtung von Verborgenem geht, der Erkenntis und Bewußtwerdung der großen Zusammenhänge und Mechanismen, die unser Land ebenso heimsuchen wie unsere Existenz im allgemeinen. Ein Buch, das einen oft abstößt, einem dann aber wieder Einlass in eine schillernde Welt voller luzider und atemberaubender Gedankengänge und Sätze erlaubt, die einem fast den Verstand rauben, man zugleich auch an seinem Verstand zweifelt, weil die Prosa dieses Dr. Musils so weit über den Erkenntnissen seiner eigenen Welt steht, die zusammenschrumpfen zur alltäglichen Nichtigkeit.
Ich glaube dieses Buch ist das beeindruckendste, wichtigste und zugleich gefährlichste, das jemals in dieser Form geschrieben worden ist. Es kann deine Seele berühren, dein Herz zum Rasen bringen, doch es kann dir auch den Boden entziehen und dich umherirren lassen wie den Protagonisten Ulrich, der sich oft wie ein Nebel, wie ein Geist vorkommt neben all dem vermeintlich Feststehenden. Der sich das Leben entlangtastet im Wissen, daß er zwar alle Eigenschaften besitzt, viele Stichwörter zu seiner Daseinsfindung in der Gesellschaft bereits zugeflüstert bekommen hat, doch letztlich weiß, daß ihn diese Einflüsterungen nichts angehen und auch nichts angehen dürfen, da er sein Leben als Hyphothese damit gefährden würde. Und dennoch wächste die Verzweiflung des Genies Unlrich von Seite zu Seite.
Es ist jedem zu empfehlen in dieses hochgradig sperrige Werk einzutauchen..und es nicht nur bei einem Versuch zu belassen, da der Zugang letztlich oft leichter fällt, als die vielen Worten vermuten lassen, mit die einem dieses Werk zuerst abzuschrecken versucht. Das Buch scheint greifbarer zu werden, wenn man darüber schreibt...doch dieser Eindruck ist eine unzulässige Täuschung und Vereinfachung, denn dieses Buch ist ein "Kraftfeld" (wie es Musil definiert), ein in viele verschiedene Richtungen ausströmendes Meisterwerk, das einen oft ratlos zurückläßt, teilweise beim ersten Lesen unverständlich bleibt, doch immer die immense Mühe Wert ist, gelesen zu werden. Die Bereicherung, die in das Leben des Lesers einfließen werden entschädigen für Stunden des oft anstregenden Lesens.
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29 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schlichtweg brilliant!, 15. März 2005
Rezension bezieht sich auf: Der Mann ohne Eigenschaften (Audio CD)
Hörbücher boomen!
Schauspieler, Musiker, Politiker und sogar die Autoren selbst, lesen was das Zeug hält. Der Markt will bedient werden. Da spielt es keine Rolle, ob ein guter Schriftsteller auch ein guter Vorträger seiner eigenen Werke ist oder ein Musiker besser an der Gitarre, als an einem Buch aufgehoben ist.
"Der Mann ohne Eigenschaften" ist ein Gewaltwerk an dem sich so manch geneigter Leser (ich auch) schon die Zähne ausgebissen hat. Da wird man doch recht skeptisch, wenn eine Lesung dieses monumentalen Buches veröffentlicht wird. Auf zwei mp3 CDs liest der österreichische Schauspieler Wolfram Berger das erste Buch. Für mich eines der besten Hörbücher der letzten Jahre. Wie man dieses teils sperrige Werk mit seinen komlexen Satzgebilden mit einer solchen Leichtigkeit und Souveränität vortragen kann ist schlichtweg brilliant. Eine außergewöhnliche hervorragende Lesung!
Die CDs werden in einem Leinenbüchlein mit Hintergrundinformation geliefert. Sehr schöne Aufmachung zu einem Top-Preis.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gedankengänge, die bereichern, 20. August 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Mann ohne Eigenschaften (Teil 1 bis 3) (Vollständiger Musil-Text) (Kindle Edition)
Ich habe seit 50 Jahren die Lektüre von Musils "Mann ohne Eigenschaften" ängstlich vermieden, weil ich dachte, dass der ungefähr so unverdaulich ist wie "Zettels Traum" von Arno Schmidt oder "Finnegans Wake" von Joyce.

Weit gefehlt! Kapitel für Kapitel wird man zwar nicht mit einer vordergründig fesselnden Action konfrontiert, dafür aber mit Gedankengängen, Thesen und treffenden, zum Teil herrlich ironischen Beschreibung der Charaktere, die einen ungeheuer bereichern.

Es kommt auch nicht so weitschweifig und "feminin" daher wie Prousts "Suche nach der verlorenen Zeit".

Fazit: Ich könnte mich ohrfeigen, dass ich nicht schon eher den Mut hatte, dieses Buch zu lesen.
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43 von 53 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Höchst empfehlenswert!, 3. September 2000
Von Ein Kunde
Zugang zu Musil zu finden, stellt den Menschen von heute vor eine gewisse Herausforderung. Der Schreibstil erscheint uns vielfach altertümlich und der Roman spielt in einer versunkenen Welt, die uns ferner und fremdartiger erscheint als irgendein Atlantis. Aber wer sich davon nicht abschrecken lässt, wird reich belohnt. Musil parodiert (absichtlich oder unabsichtlich) die sinnentleerte Existenz der "besseren Gesellschaft", wie etwa die Salonkönigin Diotima, die verzweifelt versucht, ihrem lieblos-bedeutungslosen Dasein mit der "Parallelaktion" einen Hauch von Glanz zu verleihen und all jenen, die sich in einem verzweifelten Versuch nach Kommunikation und menschlicher Wärme dieser Aktion anschliessen. Damit entsteht genau das, was Joachim Bessing und sein "popkulturelles Quintett" in unserer Zeit als Scheinprominenz und falschen Konsens mit Recht ablehnen (vgl. "Tristesse Royale", Ullstein, 1999). Im Roman übernehmen es Ulrich, der titelgebende "Mann ohne Eigenschaften", seine Schwester Agathe und der Frauenmörder Moosbrugger, dieser Gesellschaft als die Aussenseiter zu dienen, die ihr den Spiegel vorhalten und sie machen das so ausgezeichnet, dass man den Roman mit geringfügigen Änderungen auf die heutigen Verhältnisse übertragen könnte, ohne dass es gross auffiele. Dazu kommt noch, dass Musil den Rahmen des Romans benutzt, um eine Reihe von tiefgründigen Essays einzufügen, die Überschriften tragen wie "Wenn es Wirklichkeitssinn gibt, muss es auch einen Möglichkeitssinn geben", womit er den heutigen Leser ebenso nachdenklich macht, wie den der dreissiger Jahre. Diese Zeitlosigkeit ist die grosse Leistung Musils und daher ist dieses Buch noch heute zu empfehlen.
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44 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Klassiker der Literatur - nicht spannend aber geistreich, 1. November 2002
Von 
Raumzeitreisender (Atlantis) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Bei diesem Roman handelt es sich um eine Parodie auf die feine Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Handlungsort ist Wien, die Reichshauptstadt von Kakanien (gemeint ist die Österreichisch - Ungarische Monarchie). Hauptdarsteller Ulrich, von Haus aus begütert, wird Mitglied einer Arbeitsgruppe, die sich mit der Planung der sogenannten Parallelaktion (eine patriotische Handlung zum 70. Regierungsjubiläum des österreichischen Kaisers) beschäftigt. Eine der Initiatoren dieser Aktion ist Diotima, einer Dame der besseren Gesellschaft.
Das Buch lebt nicht von den Handlungen (es passiert nämlich nicht viel), sondern von Dialogen und Gedankengängen. Der Roman setzt sich aus vielen kleinen Kapiteln zusammen, in denen das Beziehungsgeflecht der Hauptakteure mit akribischer Genauigkeit beleuchtet wird. Die vielen Perspektiven auf das Geschehen, gespickt mit feiner Ironie, sind der Kern des Buches. In diesen Beschreibungen beweist Robert Musil Genialität.
Während viele berechenbare Personen am Geschehen teilnehmen (z.B. General Stumm von Bordwehr oder Diotima), bleibt der Protagonist Ulrich eine diffuse Gestalt, ein "Mann ohne Eigenschaften". Er ist in ein Außenseiter auf hohem intellektuellem Niveau und gleichzeitig ein Anziehungspunkt für die unterschiedlichsten Charaktere der feinen Gesellschaft.
"Der Mann ohne Eigenschaften" ist ein anspruchsvoller aber auch anstrengender Romangigant. Bandwurmsätze mit mehr als 80 Wörtern erschweren das Verständnis und sind nicht mehr zeitgemäß. Es ist unverkennbar, welche Arbeit in diesem Buch steckt, das man als Kunstwerk der Literaturgeschichte bezeichnen kann. Empfehlen würde ich es nur Viellesern, die sich von 1000 Seiten sprachgewaltiger Lektüre nicht abschrecken lassen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Poetische Sektion einer versunkenen Monarchie, 26. Oktober 2010
Robert Musil ist ein Meister der Sprache und ein Meister der Reflexion. Wer allerdings eine spannende Handlung im klassischen Sinn erwartet, dem sei sogleich von der Lektüre abgeraten, da die Schilderung des äußeren Geschehens eher dürftig zu nennen ist. Wer sich aber an das Buch wagt, wird schnell erkennen, dass Musil eine ganze Welt entwirft, die Welt der untergehenden k.u.k.-Monarchie. Doch anders als Joseph Roth, dessen Blick sehnsuchtsvoll zum alten Österreich zurückschweift und dessen Figuren mit dem Untergang des Reiches oft auch ihre Identität verloren haben, seziert Musil persönliche wie politische, soziale und vor allem seelische Zustände wie unter dem Mikroskop. Die Operateure sind seine Figuren, allen voran der Protagonist Ulrich. Indem der Autor in deren Bewusstsein die Fragen der Zeit stets aus Neue wie unter einem Brennglas spiegelt, schafft er einen geschlossenen Kosmos, der voller Bezüge ist. Dabei werden die Motive und Gefühle der einzelnen Akteure in einer Tiefe und Intensität ausgeleuchtet, die ihresgleichen in der deutschen Literatur sucht. Und da Musils Sprache bei all dem überaus kunstvoll und bildhaft ist, entstand zudem ein Werk voller Poesie. Umfangreich und sehr lohnenswert.
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