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22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einmalige und interessante populärwisschaftliche Diskussion der Frage aller Fragen...
Der bekannte Autor Lawrence M. Krauss ist nicht nur ein bekannter theoretischer Physiker, sondern hat sich auch mit einigen populärwissenschaftlichen Werken darüber hinaus bekannt gemacht. In EIN UNIVERSUM AUS DEM NICHTS versucht er zusammengefasst Belege physikalischer, aber auch philosophisch-logischer Art dafür zusammenzustellen die belegen, dass das...
Vor 20 Monaten von Retro Kinski veröffentlicht

versus
6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Arrogante Angeberlektüre
Selten habe ich einen solch aufgeblasenen Angebertext gelesen, wie den von Krauss. Zweifel an der Richtigkeit der eigenen Positionen und Annahmen scheint es bei ihm nicht zu geben. Dabei wirkt der Text extrem unorganisiert. Nichtphysikern dürfte das geballte chaotische Geschwafel weitestgehend unverständlich bleiben. In Die dritte Kultur. Das Weltbild der...
Vor 18 Monaten von Lulu veröffentlicht


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22 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einmalige und interessante populärwisschaftliche Diskussion der Frage aller Fragen..., 7. Juni 2013
Von 
Retro Kinski - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der bekannte Autor Lawrence M. Krauss ist nicht nur ein bekannter theoretischer Physiker, sondern hat sich auch mit einigen populärwissenschaftlichen Werken darüber hinaus bekannt gemacht. In EIN UNIVERSUM AUS DEM NICHTS versucht er zusammengefasst Belege physikalischer, aber auch philosophisch-logischer Art dafür zusammenzustellen die belegen, dass das Universum im genauesten Sinne des Wortes "aus dem Nichts" entstanden ist. "Belegen" natürlich nur in Form von Argumenten, beweisen kann man nämlich diese Fragen aus Prinzip mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit nicht.

Diese letzten beschäftigen die Philosophen seit Anfang der denkenden Menschheit auf das Äußerste. Die auf dem Buchrücken hervorgehobene zentrale Frage "Warum gibt es alles und nicht nichts" lehnt sich an die leicht abgewandelte Form eines Zitats an, welches auf den Philosophen und Generalwissenschaftler Gottfried Wilhelm Leibniz (1646--1716) zurückgeht und auch über Schelling, Schopenhauer bis zu Heidegger in der rhetorisch etwas schärfer zugespitzteren Form von "Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?" diskutiert wurde. Krauss zeigt aus verschiedenen Bereichen der Naturwissenschaft auf, dass es durchaus sein kann, dass etwas aus dem Nichts entsteht. Er appelliert an die Stärke der Empirie der Wissenschaft an sich und hält Religion und Theologie deswegen für diese Fragen für "irrelevant". Dabei geht es ihm stets nicht um einen Angriff der Religion, sondern eher um eine Zusammenfassung der neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft die eine Entstehung aus dem Nichts belegen könnten.

Er zieht dabei fachlich einen weiten Bogen über Newton, Einstein und Hubble ohne jedoch allzu sehr in die den Lesern wohl weithin bekannten Wissenschaftsgeschichte abzutauchen. Zudem bespricht er neueste aktuelle Erkenntnisse der theoretischen Physik und es freut mich auch, dass er auf Andrei Linde und seine "chaotische Inflation" und die Diskussion der Quantenfluktuation aus dem Nichts eingeht. Die Stringtheorie streift er nur am Rande was in Ordnung ist und auch den Rahmen des Buches gesprengt hätte. Leider geht Krauss für mich - und das ist die einzige Kritik die ich sehe - nicht auf andere Theorien die seine Argumentation aus Sicht der theoretischen Physik in sehr guter Weise stützen würden wie die der "Schleifen-Quantengravitation" ("QSG") ein. Hier seien exemplarisch Martin Bojowald oder indirekt auch Lee Smolin als allgemein bekannte fachliche Vertreter genannt.

Auch andere eher zyklische Erklärungsversuche der Entstehung der Welt werden nur gestreift. Die neuesten Erkenntnisse der Raumsonde PLANCK haben in Fachkreisen geradezu sensationelle, unerwartete und spannende Erkenntnisse gebracht die gerade diskutiert werden und die zarte und unbestätigte Argumente für eine zyklische Sicht der Welt, d.h. der QSG oder ähnlicher Ansätze sein könnten. An anderer Stelle und lapidar formuliert zeigt Krauss im leichten Konfrontationskurs mit den Religionen auf, dass ein (personaler) Gott trotz seiner attestierten Allmacht viel zu tun hätte, sich um jedes im Universum vorhandene Atom und seiner sinnvollen Bestimmung zugleich zu kümmern. Zugleich erhärtet er durch verschiedene Argumentationen die bekannte Unlogik der kausalen Kette der Theologie, nach der es einen ersten Urgrund geben muss, von dessen logischer Konsequenz aber ein Gott der Religionen ausgenommen ist.

Wem beim ernsthaften durchdenken der Kernfrage des Seins "warum überhaupt etwas ist" sich nicht im übertragenen Sinne die philosophisch-intellektuellen Nackenhaare aufstellen, der hat die Tragweite dieser Frage nicht verstanden. Ich gehe davon aus, dass dies die Leser und Interessenten dieses Buches tun. Krauss bekennt sich gleich zu Anfang offen dazu, mit religiösen Behauptungen wie "die Schöpfung erfordere einen Schöpfer" nichts anfangen zu können. Im finalen Kapitel "Schöne neue Welten" geht Krauss noch mal ausführlich auf die logischen und philosophischen Gegenargumente des Glaubens an Gott als Schöpfer der Welten ein. Diese Einstellung zieht sich durch das ganze Buch, ohne jedoch allzu sehr ins polemische oder in einem Angriff der Religion zu enden wie wir das bei einem geistesverwandten wie Richard Dawkins erleben dürfen.

Dennoch gibt es Bemerkungen bei der er von einem "intellektuellen Bankrott der Theologie und Philosophie" spricht. Krauss bezeichnet übrigens Richard Dawkins als Freund und dieser hat auch das Nachwort zu Buch beigesteuert. In diesem bestätigt er aus seiner Sicht die Ausführungen von Krauss und vergleicht ihn sogar mit Darwin. Dies halte ich für übertrieben da Krauss "nur" sehr gut und anschaulich den Stand der Diskussion dieser Themen aus Physik und Evolution wiedergibt und zusammenfasst. Von Lawrence M. Krauss kann ich auch noch DIE PHYSIK VON STAR TREK und JENSEITS VON STAR TREK als unterhaltsame populärwissenschaftliche Lektüre für (physikinteressierte) Trekkies empfehlen. Es ist auch positiv zu bemerken, dass schon ein Jahr nach der Veröffentlichung der Originalausgabe A UNIVERSE FROM NOTHING eine Deutsche Übersetzung vorliegt und man nicht auf die englischsprachige Ausgabe zurückgreifen muss.

Die rund 250 Textseiten mit nur wenigen schwarz-weiß Grafiken (also Kindle Interessenten verpassen nicht viel!) gliedert sich in quantitativ recht gleich gewichtige folgende Kapitel. Es ist leider zu bemerken, dass Kraus wie auch im populärwissenschaftlichen Bereich sonst üblich kein Personen- oder Sachregister und auch leider keine weiterführenden Literaturhinweise mit aufgenommen hat:

Vorbemerkung
Ein kosmisches Geheimnis – die Anfänge
Eine kosmische Detektivgeschichte – Wir wiegen das Universum
Licht vom Anfang der Zeit
Viel Lärm um nichts
Das fliehende Universum
Die Gratismahlzeit am Ende des Universums
Unsere beklagenswerte Zukunft
Ein Riesenzufall?
Das Nichts ist etwas
Das Nichts ist instabil
Schöne neue Welten
Epilog
Nachwort von Richard Dawkins

4,5/5 Sternen
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15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nichts ist nie nichts, 10. Juni 2013
Bei Krauss wird das Nichts" in allen denkbaren Varianten durchgearbeitet, denn das Nichts ist etwas, aus dem Nichts entstehen Teilchen und vergehen sofort wieder. Er stellt fest: Wir müssen Räume betrachten, die so klein und (zeitlich) so kurz sind, daß wir sie nicht messen können, was der Verrücktheit der Quanten freie Bahn lässt (S. 216)
Einfach und doch banal fasst der Autor zusammen: Es gibt einfach deshalb etwas, weil wir, wenn es nichts gäbe, nicht hier leben würden. Das ist eine Logik, die manchem sicher schon mal gekommen ist, auch ohne Krauss.

Der Autor erklärt eine Vielzahl von Begriffen wie Gesamtenergie, Vakuumenergie, Gesamtgravitationsenergie, Leerer Raum, Multiversen, 10-Dimensionen-Stringtheorie (wohin mit den 6 Zusatz-Dimensionen??), virtuelle Teilchen, Schwarze Löcher (die eben nicht alles verschlucken, sondern auch Teilchen abstrahlen sollen), flaches Universum, Zustand des Weltalls in 1 - 2 Billionen Jahren, anthropisches Element, und besonders schön: ... solipsistische Erwartung (da mußte ich erst mal googlen), und viele weitere Begriffe.

Krauss diskutiert natürlich auch das Standardmodell der Astrophysik, und anders als manche seiner Kollegen stellt er klar, daß über die Dunkle Materie nur Vermutungen als einer neuen Art von Elementarteilchen bestehen, daß aber die Dunkle Energie noch ein absolutes Geheimnis ist (S. 185). Dafür ist in seiner Sichtweise der Big Bang, der Urknall ein realer, nachgewiesener Startpunkt des Alls.

Zur Frage nach einem Schöpfer, oder einem Gott, oder einer Ersten Ursache" hat der Autor verschiedene Ansichten dargelegt, so u.a. die Erkenntnis: ... Die Physik ermöglicht, nicht an Gott zu glauben ..., oder: ... daß Gott ... nicht notwendig, im besten Fall überflüssig... ist. Er stellt fest: Die Natur ist möglicherweise cleverer als Philosophen und Theologen (S. 231).
Oder: ...Newtons Gesetze ...machten ... übernatürliche Eingriffe überflüssig.
Krauss steht voll hinter der Darwin'schen Evolution durch natürliche Selektion, für Kreationisten bleibt da kein Raum. Und das Nachwort von R. Dawkins passt, der atheistischen Gedankenwelt dieses Autors entsprechend, genau zu diesen Aussagen.

Mehrfach beschreibt er seine eigenen Arbeiten und Verdienste, und gerne verwendet er einige Male seine Lieblingsfloskel ... als der Rauch/das Pulver sich verzogen hatte...
Er stellt sehr viele Fragen (z.B. S. 182), die Antworten lässt er letztendlich meist offen, er benutzt viele Konjunktive wie ... es könnte, es würde, vielleicht, oder doch ganz anders, oder auch nicht ... usw.
Abschließend ein Satz auf Seite 200, der den Stil der ca. 250 Seiten des Buches treffend beschreibt und für potentielle Leser hier zitiert wird:
Wir und alles, was wir sehen, gehen also aus Quantenfluktuationen innerhalb eines Nichts in der Nähe des Anfangs der Zeit hervor, nämlich während der inflationären Expansion.
Das kann man durchaus mehrfach lesen, um es zu erfassen.
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23 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gott ist arbeitslos!, 9. Juli 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Krauss fasst in seinem Buch den derzeitigen Stand der naturwissenschaftlichen Forschung im Bereich der Kosmologie in leicht verständlicher Form zusammen. Seine Antwort auf die häufig gestellte Frage in der Form wie sie zuerst der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz gestellt hat „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?" ist fundiert und klar: „das Nichts ist nicht stabil“. Dabei geht er ausführlich auf die Problematik der Definition des Nichts ein und erläutert die wissenschaftliche Theorie zur Entstehung unserer Welt aus dem Nichts. Zum Schluss gibt er einen Ausblick auf das mögliche langfristige Schicksal unserer Welt und den damit verbundenen Schlussfolgerungen für den Sinn unseres Daseins.

Wissenschaft statt Philosophie und Theologie

Von dem amerikanischen Philosoph Jerry A. Fodor stammt der Satz: „Manche Philosophen sehen Philosophie als das an, was man mit einem Problem macht bevor es klar genug ist, um es mit Wissenschaft lösen zu können“. Bei der Frage nach der Entstehung unserer Welt ist in den letzten Jahrzehnten genau dieses eingetreten. Die Naturwissenschaft ist jetzt so weit fortgeschritten, dass sie eine Antwort auf diese Frage liefern kann. Krauss schreibt dazu: „Die moderne Kosmologie hat uns dazu gebracht, Vorstellungen in Betracht zu ziehen, die ein Jahrhundert zuvor noch nicht einmal hätten formuliert werden können. Die großen Entdeckungen des 20. und 21. Jahrhunderts haben nicht nur die Welt verändert, in der wir tätig sind. Sie haben auch unser Verständnis der Welt (oder der Welten) revolutioniert, die direkt vor unseren Augen existieren oder existieren könnten – einer Wirklichkeit, die verborgen bleibt, bis wir kühn genug sind, nach ihr zu suchen. Aus diesem Grund sind Philosophie und Theologie letztlich nicht fähig, aus sich heraus die wahrhaft grundlegenden Fragen anzugehen, die uns im Hinblick auf unsere Existenz verwirren“. Die Philosophie kann in der Tat bestenfalls Hypothesen über die Wirklichkeit aufstellen. Ob diese die Wirklichkeit zutreffend beschreiben, kann aber nur die Naturwissenschaft entscheiden. Metaphysik, Transzendenz und Theologie haben sich zur Aufklärung der Wirklichkeit nicht nur als restlos unbrauchbar erwiesen, sondern sie haben sie teilweise sogar vernebelt. Wissenschaft entzaubert die Natur, aber sie macht sie dadurch nicht weniger schön oder eindrucksvoll.

An anderer Stelle zitiert Krauss den berühmten Physiker Steven Weinberg mit den Worten: „Die Physik macht es nicht unmöglich an Gott zu glauben, sondern ermöglicht vielmehr, nicht an Gott zu glauben. Ohne Wissenschaft ist alles ein Wunder. Mit der Wissenschaft bleibt die Möglichkeit, dass gar nichts ist. In diesem Fall wird religiöser Glaube immer weniger notwendig und auch immer weniger relevant“. Im Nachwort schreibt Richard Dawkins: Mag sein, dass wir die Quantentheorie nicht verstehen, doch eine Theorie, welche die reale Welt auf zehn Dezimalstellen genau vorhersagt, kann in keinem direkt nachvollziehbaren Sinn falsch sein. Der Theologie mangelt es nicht nur an Dezimalstellen – ihr fehlt selbst der kleinste Hinweis auf eine Verbindung mit der Welt der Wirklichkeit. Wie sagte doch Thomas Jefferson bei der Gründung seiner University of Virginia: „In unserer Einrichtung sollte ein Lehrstuhl für Theologie keinen Platz haben“.

Das Nichts

Die Definition des Nichts ist innerhalb der Physik nicht ganz so einfach, wie sich das die meisten vorstellen. In der Regel stellt man sich unter dem physischen Nichts einen leeren Raum vor, d.h. einen Raum aus dem sämtliche Materie entfernt wurde. In der Physik bezeichnet man das als Vakuum. Krauss legt dar, dass es in einem solchen Raum vor virtuellen Teilchen nur so wimmelt. Die Heisenbergsche Unschärferelation erlaubt, dass diese Teilchen für eine extrem kurze Zeit in die Wirklichkeit eintreten und sofort wieder verschwinden. Das diese Vorstellung keine reine Hypothese ist, lässt sich experimentell über den so genannten Casimir-Effekt nachweisen. Zeit und Raum sind mehr als nichts und daher ist das Nichts im physikalischen Sinn nicht nur die Abwesenheit von Materie und Energie, sondern auch die Abwesenheit von Zeit und Raum. Eine solche Definition übersteigt zwar unser Vorstellungsvermögen, aber das trifft ohnehin auf große Bereiche der modernen Physik zu. Die Quantenmechanik hat ihre eigene Logik und diese unterscheidet sich erheblich von unserer Alltagslogik. Unser Vorstellungsvermögen wurde über die Evolution für unsere alltäglichen Herausforderungen optimiert aber keineswegs für alle Bereiche der Wirklichkeit. Die Volksweisheit „Von nichts kommt nichts“ kann daher nicht als Argument für die Begründung eines göttlichen Schöpfungsaktes gelten, zumal eine solche Annahme keine wirklich Erklärung der Entstehung unserer Welt wäre, sondern eine Verklärung.

Dunkle Materie und Dunkle Energie

Krauss zeigt in den ersten Kapiteln, wie die Wissenschaftler aufgrund der astronomischen Beobachtungsergebnisse der letzten Jahrzehnte zwangsläufig auf die Hypothese der Existenz einer Dunklen Materie und einer Dunklen Energie kamen. Bezüglich der Dunklen Materie kam der entscheidende Hinweis von der Messung der Dynamik von Galaxien. Die Sterne bewegen sich näherungsweise in Kreisbahnen um das Massezentrum der jeweiligen Galaxie. Insbesondere ihre äußeren Bereiche drehen sich allerdings schneller um das Zentrum als dies nach Abschätzung der bekannten Massen, d.h. Sterne, Schwarze Löcher und interstellaren Gas- und Staubwolken möglich wäre. Ein weiterer empirischer Beweis kam von dem beobachteten so genannten Gravitationslinseneffekt. Galaxienhaufen lenken nach der allgemeinen Relativitätstheorie Lichtstrahlen derart von ihrer ursprünglichen Richtung ab, das sie zuweilen wie eine Linse wirken und dahinter liegende Objekte sozusagen vergrößert erscheinen lassen. Auch hier war der Effekt wesentlich größer als es von der normalen Masse her zu erwarten gewesen wäre. Aus der Vielzahl einzelner Messungen konnte mittlerweile bestimmt werden, dass die bisher bekannten materiellen Komponenten des Universums insgesamt nur einen kleinen Teil der für die Gravitationseffekte wirksamen Gesamtmasse ausmachen. Der Rest ist der Dunklen Materie zuzurechnen. Aus welchen Elementarteilchen dieser Anteil der Materie besteht, ist Gegenstand intensiver Forschung.

Seit einer Veröffentlichung von Edwin Hubble im Jahr1929 wissen wir, dass sich die Galaxien von unserer eigenen Milchstraße entfernen und zwar mit einer Fluchtgeschwindigkeit, die proportional mit dem Abstand zunimmt. Extrapoliert man die Fluchtbewegung zurück in die Vergangenheit, so scheint alle Materie am Anfang des Universums in einem Punkt konzentriert gewesen zu sein. Dieser Befund führte zur Formulierung der Urknalltheorie. In den letzten Jahrzehnten konnten diese Messungen erheblich verfeinert werden. Zur Abstandsmessung wird die scheinbare Helligkeit von Sternexplosionen (Supernovae) herangezogen. Am Ende des Lebens von Sternen oberhalb einer bestimmten Masse explodieren diese. Dauer und Helligkeit dieser Explosionen folgen einem festen Muster, sodass aus dem Verlauf der Explosion die absolute Helligkeit berechnet werden kann. Aus Vergleich der absoluten mit der scheinbaren Helligkeit kann dann die Entfernung bestimmt werden. Ein großer Vorteil dieser Methode ist auch, dass die Helligkeiten der Explosionen so stark sind, dass sie in der Größenordnung der Gesamthelligkeiten von Galaxien liegen und damit über riesige Entfernungen hinweg detektiert werden können. Die Fluchtgeschwindigkeit der Galaxien kann über deren durch den Dopplereffekt zu größeren Wellenlängen hin verschobenes Lichtspektrum (Rotverschiebung) bestimmt werden. Nun sollte man eigentlich erwarten, dass sich die Fluchtgeschwindigkeit mit der Zeit etwas verringert, da die Gravitation zwischen den Galaxien bremsend wirkt. Genauere Messungen an besonders weit entfernten Galaxien zeigten aber genau das Gegenteil. Es tritt eine Beschleunigung ein. Physikalisch erklärt werden kann dies nur über ein bisher unbekanntes Kraftfeld das mit Dunkler Energie bezeichnet wurde. Da man nach Einstein Masse in Energie umrechnen kann, stellt sich die Frage wie groß die gesamte Dunkle Energie im Vergleich zur gesamten Masse ist. Das aktuelle Ergebnis ist, dass die Dunkle Energie 68,3% ausmacht und der Rest aus 4,9% Materie (Atome) und 26,8% Dunkler Materie besteht. Der sichtbare Teil des Universums, d.h. die leuchtenden Sterne, macht dabei insgesamt nur etwa 1% aus. Sowohl die gesamte Masse als auch die Gesamtmenge der Dunklen Energie lassen sich zusammenfassen als positive Gesamtenergie des Universums. Ihr gegenüber steht die gesamte Gravitationsenergie, die ein negatives Vorzeichen hat. Zählt man diese beiden Beiträge zusammen, so ergibt sich innerhalb einer Fehlergrenze von wenigen Prozent eine Gesamtenergie von Null.

Die Vermessung des Universums

Eine der zentralen Fragen der Kosmologie ist die nach der Geometrie des Raumes. Leben wir in einem positiv gekrümmten Universum, das geschlossen ist oder einem negativ gekrümmten, offenen Universum oder genau an der Grenze zwischen diesen beiden Möglichkeiten, nämlich in einem flachen Universum? In einem flachen Universum ist die Winkelsumme eines Dreiecks genau 180°, während sie in einem positiv gekrümmten größer ist und in einem negativ gekrümmten kleiner. Krauss legt dar, wie durch Messung der räumlichen Verteilung der Fluktuation der kosmischen Hintergrundstrahlung eine Bestimmung der Geometrie möglich wurde. Die bisher präzisesten Kartierungen dieser Strahlung stammen von den Forschungssatelliten WMAP (Wilkinson Microwave Anisotropy Probe) und Planck. Die Ergebnisse deuten mit einer Genauigkeit von einem Prozent auf ein flaches Universum hin. Dies deckt sich genau mit der oben erwähnten Bestimmung der Gesamtenergie des Universums, denn die Theorie fordert für ein flaches Universum eine Gesamtenergie von Null. Mit anderen Worten, für die Entstehung des Universums ist überhaupt keine Energie erforderlich und deshalb kann es durch Quantenfluktuationen aus dem Nichts entstanden sein. Krauss zieht den Schluss: „Die Quantengravitation scheint nicht nur zuzulassen, dass Universen aus dem Nichts hervorgehen, sie könnte sie sogar erfordern. Das „Nichts“ – in diesem Fall kein Raum, keine Zeit, kein gar nichts! – ist tatsächlich instabil“. Das was diese Theorie so überzeugend macht, sind die voneinander unabhängigen Beobachtungsergebnisse, die alle in die gleiche Richtung zeigen, nämlich einem flachen Universum mit der Gesamtenergie Null. Selbst die Häufigkeitsverteilung der Elemente passt genau in dieses Bild.

Die letzte Lücke für einen Schöpfergott: Schaffung der Naturgesetze.

In die Enge getriebene Theologen sehen zuweilen die letzte Chance für die Argumentation der notwendigen Existenz eines Schöpfergottes darin, dass er die Naturgesetze geschaffen hat, nach denen der Urknall abgelaufen ist. Aber auch dieses Argument lässt sich entkräften. Die modernen Theorien der Quantengravitation und der Superstringtheorie deuten darauf hin, dass unser Universum nicht das einzige ist, sondern dass es Teil eines Multiversums ist, das aus einer riesigen Zahl einzelner Universen besteht. In den einzelnen Universen gelten dann zufällige Naturgesetze mit zufälligen Naturkonstanten. Nach dem anthropischen Prinzip leben wir zwangsläufig in einem Universum mit Naturgesetzen, die biologisches Leben ermöglichen. Von diesen Argumenten ganz abgesehen ist ein Gott, der die letzten verbliebenen Lücken naturwissenschaftlicher Erkenntnis füllt, ein recht armseliger Gott. Krauss fragt in einem Interview: Wohin geht Gott, wenn die letzten Lücken gefüllt sind?

Das düstere Ende der Welt

Man kann zwar im Rahmen der Kosmologie die Zukunft der Welt nicht mit absoluter Sicherheit vorhersagen. Aber nach unserer derzeitigen Kenntnis wird sich unser Universum immer weiter ausdehnen, die Sterne werden verglühen und die Materie wird restlos zerfallen. Irgendwann wird es aufgrund der physikalischen Bedingungen weder biologisches Leben noch künstliches Leben bzw. Intelligenz geben können. Sogar jedwede Information über irgendwelche Zivilisationen wird verschwinden. Insofern müssen wir feststellen, dass es einen höheren letzten Sinn unserer Existenz grundsätzlich nicht geben kann. Das ändert allerdings nichts daran, dass wir unserem Leben einen auf die Dauer unserer Zivilisation begrenzten Sinn geben können. Krauss schreibt dazu: „Ein Universum ohne Zweck oder Lenkung mag manchem so erscheinen, als werde das Leben dadurch bedeutungslos. Für andere, zu denen auch ich mich zähle, wirkt ein solches Universum belebend. Es macht die Tatsache unserer Existenz noch erstaunlicher und motiviert uns, aus unserem eigenen Handeln Bedeutung abzuleiten und aus unserer kurzen Existenz unter der Sonne das Beste zu machen“.

Widerspruch

In Kreisen konservativer Philosophen und Theologen hat das Buch erheblichen Unmut und Widerspruch erzeugt. So bemängelt der New Yorker Philosoph David Albert, dass das von Krauss beschriebene Nichts ein Quantenvakuum sei, das in der Lage ist, Partikel in die Wirklichkeit zu bringen und es wäre somit etwas anderes als das von Philosophen und Theologen idealisierte Nichts. Der Berliner Philosoph Claus-Peter Eichhorst schreibt in seinem Buch „Das falsche Nichts“ Aber ihr (Anm.: Physiker wie z.B. Lawrence Krauss und Stephen Hawking) Irrtum steht fest, ein Mahnmal pseudo-naturalistischer Hybris. Denn ein Nichts, aus dem ein Universum wird, ist — wie das Nichts der Schöpfungstheologen — kein Nichts: ein falsches Nichts. Der Münchner Philosoph und Jesuit Godehard Brüntrup meint, etwas was nicht existiert, kann auch nichts bewirken. Krauss bezeichnet solche Kritiker als „idiotische Philosophen“, denn ein anderes Nichts, als das der physikalischen Definition, könne es in der Wirklichkeit nicht geben. Der Streit wird weiter gehen. Noch sind nicht wirklich alle Fragen der Kosmologie geklärt, aber der Nebel lichtet sich. Wissenschaft weiß noch nicht alles, Religion weiß nichts.
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5.0 von 5 Sternen Wissenschaftlicher Erklärungsansatz für die Entstehung des Universums (aus Nichts), 19. August 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ein Universum aus Nichts: ... und warum da trotzdem etwas ist (Kindle Edition)
Lawrence Krauss fasst unseren aktuellen kosmologischen Wissensstand allgemeinverständlich und unterhaltsam zusammen. Wie andere Autoren aktueller populärwissenschaftlicher Werke zu diesem Thema (z.B. S. Hawking* oder A. Vilenkin**), präsentiert er bemerkenswerte Fortschritte im Auffinden von Erklärungsansätzen zur Entstehung unseres Universums.
Aus den modernen kosmologischen Theorien ergeben sich offensichtliche Implikationen auch jenseits der Naturwissenschaften auf den Gebieten der Philosophie und der Religion.
Philosophen, die sich zukünftig mit dem Begriff des Nichts beschäftigen, ohne sich mit der naturwissenschaftlichen Definition des Nichts auseinanderzusetzen, darf getrost vorgeworfen werden, dass sie sich im Elfenbeinturm ihrer Fachdisziplin verschanzen.

*Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums
**Kosmische Doppelgänger: Wie es zum Urknall kam - Wie unzählige Universen entstehen
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5.0 von 5 Sternen Was ist eigentlich das Nichts?, 5. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ein Universum aus Nichts: ... und warum da trotzdem etwas ist (Kindle Edition)
Wie kann man das Nichts definieren? Und wie kann das absolute Nichts ein oder sogar mehrere - möglicherweise unendlich viele Universen hervorbringen? Bleibt hier noch Platz für einen göttlichen Schöpfer? All diese Fragen behandelt der Autor in seiner gut verständlichen populärwissenschaftliche Publikation vor dem Hintergrund aktueller physikalischer Theorien wie Quantenphysik und Sringtheorie. Man darf beim Lesen dieses Buches allerdings nicht vergessen, dass es sich bei einigen Inhalten um Überlegungen zu nicht bewiesenen physikalischen Theorien handelt. Auf jeden Fall sehr inspirierend und aufschlussreich für jeden, der sich für diese Themen interessiert und daher nur zu empfehlen.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Arrogante Angeberlektüre, 25. Juli 2013
Von 
Lulu "Penny" - Alle meine Rezensionen ansehen
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Selten habe ich einen solch aufgeblasenen Angebertext gelesen, wie den von Krauss. Zweifel an der Richtigkeit der eigenen Positionen und Annahmen scheint es bei ihm nicht zu geben. Dabei wirkt der Text extrem unorganisiert. Nichtphysikern dürfte das geballte chaotische Geschwafel weitestgehend unverständlich bleiben. In Die dritte Kultur. Das Weltbild der modernen Naturwissenschaft sagt jemand: "Wer sich nicht verständlich ausdrücken kann, ist nicht zivilisiert." Dieser Gedanke schoss mir durch den Kopf, als ich mich durch die Seiten wühlte.

Textprobe (132): "Als das Universum sich mit der Expansion des Urknalls ausdehnte und dabei abkühlte, war die Konfiguration von Materie und Strahlung, wie Guth erkannte, möglicherweise für einige Zeit in einem metastabilen Zuständ 'hängen geblieben', ehe sie schließlich mit der weiteren Abkühlung des Universums plötzlich einen Phasenübergang zum energetisch bevorzugten Grundzustand von Materie und Strahlung durchlief. Die vor dem vollständigen Phasenübergang in der Konfiguration des 'falschen Vakuums' im Universum gespeicherte Energie - seine 'latente Wärme', wenn man so will - konnte die Expansion des Universums in der Zeit vor dem Übergang dramatisch beeinflussen."

Schön. Mag alles sein. Viel überzeugender und glaubwürdiger als die Geschichte von der Arche Noah im Alten Testament wirkt dies auf mich aber nicht gerade, wenn ich das als überzeugte Atheistin einmal so sagen darf.

Extrem vollmundig ist leider auch Krauss' Umgang mit simplen Fakten, z. B. dem Alter des Universums. So heißt es auf S. 123: "Inzwischen kennen wir das Alter des Universums auf vier signifikante Stellen genau. Es ist 13,72 Milliarden Jahre alt! Ich hätte mir nie vorstellen können, dass wir zu meinen Lebzeiten eine solche Genauigkeit erreichen würden."

Bislang darf weiter gezweifelt werden, denn neuerdings (Stand 24.07.2013) wird das Alter des Universums auf 13,798 ± 0,037 Milliarden Jahre geschätzt (siehe auch Wikipedia dazu), ein Wert, der deutlich außerhalb der von Krauss gefeierten 4-stelligen Genauigkeit liegt (eigentlich müsste es jetzt heißen, dass das Universum 13,8 Mrd. Jahre alt ist). Doch Vorsicht: Alle Schätzungen beruhen auf dem sogenannten Lambda-CDM-Modell, und dessen Triftigkeit wird von vielen Wissenschaftlern angezweifelt (siehe z. B. Brian Clegg: Vor dem Urknall: Eine Reise hinter den Anfang der Zeit, S. 96 f.). Da halte ich mich doch lieber an die Aussagen von Personen, denen ich stärker vertraue und die auch vorsichtiger argumentieren, z. B. Katie Melua in ihrem Song Nine Million Bicycles, worin es wunderbar zutreffend heißt: "We are 12 billion light-years from the edge, That's a guess, No one can ever say it's true, But I know that I will always be with you." Sehr richtig: "No one can ever say it's true". Woraufhin der wunderschöne Song von niemand Geringerem als Simon Singh im "The Guardian" als "Bad Science" abgekanzelt wurde. Ich protestiere: Wenn irgendetwas Bad Science ist, dann das arrogante Krauss-Gezwitscher.

Auf die enormen wissenschaftlichen Probleme der Kosmologie und Physik (manche Autoren wie Lee Smolin sprechen ganz offen von Krise), wie sie beispielsweise sehr verständlich in Sean Carrols From Eternity to Here dargelegt werden, geht Krauss so gut wie gar nicht ein. Hinzu kommt: Im Vergleich zu Sean Carrols Buch etwa ist Krauss' Buch extrem informationsarm. Man lernt daraus so gut wie nichts, wenn man z. B. die Schmöker von Hawking oder Greene schon hinter sich hat. Literatur-, Namens-, Stichwortverzeichnis? Alles Fehlanzeige bei Krauss. Man erhält lediglich etwas mehr als 200 großzügig gedruckte Prosa zu einem stolzen Preis.

Als störend empfand ich auch die häufigen Attacken gegenüber den Religionen. Damit möchte ich in populärwissenschaftlichen Büchern, in denen es um die Entstehung des Universums aus Sicht der heutigen Physik geht, nicht konfrontiert werden, beide Themen haben nämlich herzlich wenig miteinander zu tun. Das Thema ist und bleibt Physik und zu mehr kann Krauss aus seiner Perspektive auch nichts beitragen. Das erkennt man bereits an der sehr leichtfertigen Verwendung des Wortes "Nichts". Krauss versteht unter Nichts den leeren Raum, der sich aus energetisch fluktuierenden Quantenfeldern zusammensetzt, die Schildkröten der theoretischen Physik sozusagen. Das ist aber ein ganz anderes Nichts als das Nichts der Philosophen oder der einfachen Frau auf der Straße, die genau weiß, dass sich in ihrem Geldbeutel mal wieder Nichts befindet statt eines Universums aus lauter Geldscheinen.

Wikipedia zum Nichts: "Die Nominalphrase 'das Nichts' bezieht sich auf das Gegenteil des Seins, die Negation und Abwesenheit des Seins, das Nichtsein, eine absolute Leere oder allgemeine Unbestimmtheit." Und über die Nichts-Auffassung Derridas heißt es weiter: "Aufgrund des Wesens des 'Nichts' kann über es nicht gesprochen werden, da die Sprache Ausdruck der Vernunft ist, welche dem 'Nichts' gegenübersteht und es in Schach hält. 'Nichts' offenbart sich also ausschließlich im Schweigen." Richtig! Wo alles schweigt, kann auch nichts urknallen.

Wer etwas über den Urknall und das Werden unseres Universums wissen möchte, der dürfte bei Greene, Hawking, Carroll, Lesch und Mücklich besser aufgehoben sein. Ich habe in meinem Bekanntenkreis rumgefragt: Alle waren der gleichen Meinung wie ich, nur Sheldon nicht, was mich in meinem Urteil bekräftigt hat ...
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12 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Eine Meta-Physik des Universums auf math.-physikal. Grundlage, 29. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Ich rücke einen Aspekt des Buches in den Mittelpunkt, der in anderen Rezensionen am Rande angesprochen wird:
Kann die moderne Kosmologie ohne Philosophie den Beginn unseres Universums aus "Nichts" und die damit verbundene Frage nach einem etwaigen Schöpfer zufriedenstellend beantworten?

Vorab will ich betonen: ich halte Krauss' Buch für lesenswert und sehr informativ für jeden, der über die Entstehung unseres Universums aus naturwissenschaftlich-fachkundiger Hand etwas erfahren will. Deshalb gebe ich drei Sterne.
Nur drei Sterne, weil ein so brillanter Physiker wie Krauss nicht bemerkt, dass er in seinem Buch in weiten Teilen keine Physik, sondern Philosophie betreibt, überspitzt formuliert: mathematisch-physikalisch gestützte Meta-Physik. Das wäre einem Einstein, Bohr, Planck oder Heisenberg nicht passiert.

Wie bei einem Buch nicht anders zu erwarten, dessen Nachwort von Richard Dawkins verfasst wurde, lässt auch L.M. Krauss kein gutes Haar an den Philosophen und Theologen. Dies allein ist nun nicht weiter tragisch, nur bemerkt Krauss eben nicht, inwieweit er selbst in seinem Buch philosophisch spekuliert.

Im Buch liest sich Krauss' Kritik so:

"Aus diesem Grund sind Philosophie und Theologie letztlich nicht fähig, aus sich heraus die wahrhaft grundlegenden Fragen anzugehen,
die uns im Hinblick auf unsere Existenz verwirren. Solange wir nicht die Augen öffnen und die Natur die Richtung vorgeben lassen,
sind wir gezwungen, in Kurzsichitgkeit zu verweilen." (S.235 + 236)

Soweit so gut.
Ich denke, zumindest heutzutage gibt es keinen ernst zu nehmenden Philosophen oder Theologen, der die Bedeutung und Wichtigkeit naturwissenschaftlicher Forschung für die Beantwortung der "wahrhaft grundlegenden Fragen unserer Existenz" bestritte. Sie würden allenfalls anmerken, dass die Naturwissenschaften nicht alle Aspekte unserer Existenz und dieses Universums befriedigend beantworten können.
Krauss scheint allerdings zu glauben, man könne nicht nur auf die Theologie, sondern auch auf die Philosophie bei der Bewältigung dieser grundlegenden Fragen unserer Existenz(!) gut und gerne verzichten. Die Naturwissenschaften allein machten das schon ...

Wenn Krauss freilich mit der umstittenen String-Theorie argumentiert und mit der noch viel umstritteneneren Multiversumstheorie, die das anthropische Prinzip erst sinnvoll macht, die erklärt, warum wir in genau diesem Universum mit genau seinen Parametern und genau seinen Naturgesetzen leben, dann betreibt er mit Sicherheit keine handelsübliche Physik mehr, sondern eher so etwas wie mathematisch-naturwissenschaftlich gestützte Meta-Physik, denn aus erkennntnistheoretischen Gründen kann die Multiverumstheorie naturwissenschaftlich-empririsch niemals bestätigt werden können. Krauss verlässt also den Bereich empirisch verifizierbarer physikalischer Modelle und begibt sich in den Bereich rein mathematisch denkbarer Theorie und wird damit zum Naturphilosophen, ohne, dass er das auch nur bemerkt.

Krauss möchte dem Leser nahelegen, dass unser Universun oder gar ein Multiversum durchaus aus buchstäblich "Nichts" entstanden sein kann. Das "Nichts" definiert er dabei als die Abwesenheit von Raum und Zeit. (S.225)
Dieses physikalische Nichts sei jedoch angefüllt von virtuellen Teilchen, die jederzeit aufgrund von Quantenfluktuation in die Existenz treten können. Das Nichts, so Krauss, sei seiner Natur nach allerdings instabil, weshalb es ein Universum oder eine unendliche Anzahl von Universen gebären könne.
Dieses "Nichts" enthält also - das Potenzial -, "Etwas" hervorzubringen.
Ein absolutes Nichts aber, also ein Nichts, welches nicht einmal dieses Potenzial in sich trägt, gibt es jedoch nicht.
Ich folge Krauss bei diesem Gedankengang übrigens und halte für korrekt, was er dazu schreibt.

"Nehmen wir ein Paar aus Positron und Elektron, das spontan aus dem leeren Raum in der Nähe eines Atomkerns auftaucht
und die Eigenschaften des Atoms für die kurze Zeit seiner Existenz beeinflusst. In welchem Sinne gab es das Elektron
oder Positron zuvor? Nach jeder vernünftigen Defintion existierten sie zuvor sicherlich nicht. Gewiss war aber das
Potenzial für ihre Existenz vorhanden, doch damit ist kein Sein definiert - (...)." (S.194)

Krauss wirft offenbar Theologen und/oder Gläubigen, mit denen er sich unterhalten zu haben scheint, vor, dass sie aber auf ein genau solches, absolutes Nichts pochen und daraus ableiten, dass es einen Gott geben muss, der in einer creatio ex nihilo dieses Universum erschaffen haben muss.

Wäre Krauss nicht nur Physiker, sondern auch ausgebildeter Philosoph, dann wüsste er, das bereits der scholastischste aller scholastischen Philosophen und Theologen, nämlich Johannes Duns Scotus (1266-1308), wegen seiner Scharfsinnigkeit Dr. Subtilis genannt, sehr sauber und diffizil zwischen einem absoluten Nichts (nihil simpliciter) und einem "relativen Nichts" unterschieden hat.
Dabei ist das "absolute Nichts" nicht einmal denkbar und ein Widerspruch in sich. Gott kann nur etwas erschaffen aus einem relativen Nichts, welches zumindest die Möglichkeit, also - das Potenzial - beinhaltet, dass Etwas aus diesem Nichts entstehen kann. Creatio ex nihilo bedeutet demnach die Voraussetzung eines Nichts, welches zumindest die Möglichkeit in sich birgt, dass etwas daraus hervorgehen kann.
Das ist nun ziemlich das, was Krauss auch annimmt.

Duns Scotus folgert hieraus, dass "Gott der Grund - der Möglichkeit(!) - ist, dass es eine Welt gibt".
Das ist natürlich kein Gottesbeweis.
Es zeigt nur, wie sehr sich Krauss irrt, wenn er meint, er habe die Möglichkeit eines Schöpfer-Gottes aus der Welt geschafft, wenn er plausibel macht, dass ein (relatives) Nichts existiert, welches die Möglichkeit beeinhaltet (in Form bloß virtueller Teilchen und virtueller Universen), dass aus ihm etwas entstehen kann.

Was Krauss uns also als letzten Schrei moderner kosmologischer Forschung verkauft, hat der über 700 Jahre alte Scholastiker Dr. Subtilis Johannes Duns Scotus bereits im 13. Jahrhundert entdeckt und aufgeschrieben, - und darauf gekommen ist er durch reines Nachdenken, sehr kostengünstig in seinem Lehnstuhl oder beim Herumwandern in einem Oxforder Garten!

Ich hätte mir dieses Buch von einem Naturwissenschaftler gewünscht, der auch ausgebildeter Philosoph ist: z.B. von Prof. Dr. Bernulf Kanitscheider, der mit seiner "Kosmologie", die mittlerweile allerdings veraltet ist, eine wesentlich bessere Darstellung der damals aktuellen Forschungslage veröffentlicht hat.
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3.0 von 5 Sternen Geht so, 15. Dezember 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Für Anfänger nicht unbedingt geeignet, da die Leichtigkeit des Schreibens (oder des Übersetzens) nicht überall gegeben ist. Viel besser: gibt es alles oder nichts von Jim Holt.
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3.0 von 5 Sternen Replay, 20. Januar 2015
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ein Universum aus Nichts: ... und warum da trotzdem etwas ist (Kindle Edition)
Das Buch ist auch für nicht professionelle Astronomen in sehr anschaulicher und leicht verständlicher Weise geschrieben. Darum vergebe ich 3 Sterne.
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12 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gute und überzeugende Darstellung der Entstehung des Universums, 18. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ein Universum aus Nichts: ... und warum da trotzdem etwas ist (Kindle Edition)
In der Tat die Modelle der Wissenschaft sind derartig überzeugend dass es einem immer wundert wie Menschen doch noch an religiöse Schöpfungsgeschichten glauben können.
Das Buch nimmt den Leser mit auf eine Reise und verlangt keine mathematischen Kenntnisse, nur die Bereitschaft sich auf vernünftige und zum Teil sehr heraus fordernde Gedankenspiele einzulassen.
Wenn man schon mal wenigstens ansatzweise verstanden hat welche enorm kleinen Volumina wir in der Teilchenphysik haben, der hat auch eher weniger Probleme damit die fast unvorstellbaren Größenunterschiede des Universums in Betracht zu ziehen.
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