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Der bekannte Autor Lawrence M. Krauss ist nicht nur ein bekannter theoretischer Physiker, sondern hat sich auch mit einigen populärwissenschaftlichen Werken darüber hinaus bekannt gemacht. In EIN UNIVERSUM AUS DEM NICHTS versucht er zusammengefasst Belege physikalischer, aber auch philosophisch-logischer Art dafür zusammenzustellen die belegen, dass das Universum im genauesten Sinne des Wortes "aus dem Nichts" entstanden ist. "Belegen" natürlich nur in Form von Argumenten, beweisen kann man nämlich diese Fragen aus Prinzip mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit nicht.

Diese letzten beschäftigen die Philosophen seit Anfang der denkenden Menschheit auf das Äußerste. Die auf dem Buchrücken hervorgehobene zentrale Frage "Warum gibt es alles und nicht nichts" lehnt sich an die leicht abgewandelte Form eines Zitats an, welches auf den Philosophen und Generalwissenschaftler Gottfried Wilhelm Leibniz (1646--1716) zurückgeht und auch über Schelling, Schopenhauer bis zu Heidegger in der rhetorisch etwas schärfer zugespitzteren Form von "Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?" diskutiert wurde. Krauss zeigt aus verschiedenen Bereichen der Naturwissenschaft auf, dass es durchaus sein kann, dass etwas aus dem Nichts entsteht. Er appelliert an die Stärke der Empirie der Wissenschaft an sich und hält Religion und Theologie deswegen für diese Fragen für "irrelevant". Dabei geht es ihm stets nicht um einen Angriff der Religion, sondern eher um eine Zusammenfassung der neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft die eine Entstehung aus dem Nichts belegen könnten.

Er zieht dabei fachlich einen weiten Bogen über Newton, Einstein und Hubble ohne jedoch allzu sehr in die den Lesern wohl weithin bekannten Wissenschaftsgeschichte abzutauchen. Zudem bespricht er neueste aktuelle Erkenntnisse der theoretischen Physik und es freut mich auch, dass er auf Andrei Linde und seine "chaotische Inflation" und die Diskussion der Quantenfluktuation aus dem Nichts eingeht. Die Stringtheorie streift er nur am Rande was in Ordnung ist und auch den Rahmen des Buches gesprengt hätte. Leider geht Krauss für mich - und das ist die einzige Kritik die ich sehe - nicht auf andere Theorien die seine Argumentation aus Sicht der theoretischen Physik in sehr guter Weise stützen würden wie die der "Schleifen-Quantengravitation" ("QSG") ein. Hier seien exemplarisch Martin Bojowald oder indirekt auch Lee Smolin als allgemein bekannte fachliche Vertreter genannt.

Auch andere eher zyklische Erklärungsversuche der Entstehung der Welt werden nur gestreift. Die neuesten Erkenntnisse der Raumsonde PLANCK haben in Fachkreisen geradezu sensationelle, unerwartete und spannende Erkenntnisse gebracht die gerade diskutiert werden und die zarte und unbestätigte Argumente für eine zyklische Sicht der Welt, d.h. der QSG oder ähnlicher Ansätze sein könnten. An anderer Stelle und lapidar formuliert zeigt Krauss im leichten Konfrontationskurs mit den Religionen auf, dass ein (personaler) Gott trotz seiner attestierten Allmacht viel zu tun hätte, sich um jedes im Universum vorhandene Atom und seiner sinnvollen Bestimmung zugleich zu kümmern. Zugleich erhärtet er durch verschiedene Argumentationen die bekannte Unlogik der kausalen Kette der Theologie, nach der es einen ersten Urgrund geben muss, von dessen logischer Konsequenz aber ein Gott der Religionen ausgenommen ist.

Wem beim ernsthaften durchdenken der Kernfrage des Seins "warum überhaupt etwas ist" sich nicht im übertragenen Sinne die philosophisch-intellektuellen Nackenhaare aufstellen, der hat die Tragweite dieser Frage nicht verstanden. Ich gehe davon aus, dass dies die Leser und Interessenten dieses Buches tun. Krauss bekennt sich gleich zu Anfang offen dazu, mit religiösen Behauptungen wie "die Schöpfung erfordere einen Schöpfer" nichts anfangen zu können. Im finalen Kapitel "Schöne neue Welten" geht Krauss noch mal ausführlich auf die logischen und philosophischen Gegenargumente des Glaubens an Gott als Schöpfer der Welten ein. Diese Einstellung zieht sich durch das ganze Buch, ohne jedoch allzu sehr ins polemische oder in einem Angriff der Religion zu enden wie wir das bei einem geistesverwandten wie Richard Dawkins erleben dürfen.

Dennoch gibt es Bemerkungen bei der er von einem "intellektuellen Bankrott der Theologie und Philosophie" spricht. Krauss bezeichnet übrigens Richard Dawkins als Freund und dieser hat auch das Nachwort zu Buch beigesteuert. In diesem bestätigt er aus seiner Sicht die Ausführungen von Krauss und vergleicht ihn sogar mit Darwin. Dies halte ich für übertrieben da Krauss "nur" sehr gut und anschaulich den Stand der Diskussion dieser Themen aus Physik und Evolution wiedergibt und zusammenfasst. Von Lawrence M. Krauss kann ich auch noch DIE PHYSIK VON STAR TREK und JENSEITS VON STAR TREK als unterhaltsame populärwissenschaftliche Lektüre für (physikinteressierte) Trekkies empfehlen. Es ist auch positiv zu bemerken, dass schon ein Jahr nach der Veröffentlichung der Originalausgabe A UNIVERSE FROM NOTHING eine Deutsche Übersetzung vorliegt und man nicht auf die englischsprachige Ausgabe zurückgreifen muss.

Die rund 250 Textseiten mit nur wenigen schwarz-weiß Grafiken (also Kindle Interessenten verpassen nicht viel!) gliedert sich in quantitativ recht gleich gewichtige folgende Kapitel. Es ist leider zu bemerken, dass Kraus wie auch im populärwissenschaftlichen Bereich sonst üblich kein Personen- oder Sachregister und auch leider keine weiterführenden Literaturhinweise mit aufgenommen hat:

Vorbemerkung
Ein kosmisches Geheimnis – die Anfänge
Eine kosmische Detektivgeschichte – Wir wiegen das Universum
Licht vom Anfang der Zeit
Viel Lärm um nichts
Das fliehende Universum
Die Gratismahlzeit am Ende des Universums
Unsere beklagenswerte Zukunft
Ein Riesenzufall?
Das Nichts ist etwas
Das Nichts ist instabil
Schöne neue Welten
Epilog
Nachwort von Richard Dawkins

4,5/5 Sternen
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am 10. Juni 2013
Bei Krauss wird das Nichts" in allen denkbaren Varianten durchgearbeitet, denn das Nichts ist etwas, aus dem Nichts entstehen Teilchen und vergehen sofort wieder. Er stellt fest: Wir müssen Räume betrachten, die so klein und (zeitlich) so kurz sind, daß wir sie nicht messen können, was der Verrücktheit der Quanten freie Bahn lässt (S. 216)
Einfach und doch banal fasst der Autor zusammen: Es gibt einfach deshalb etwas, weil wir, wenn es nichts gäbe, nicht hier leben würden. Das ist eine Logik, die manchem sicher schon mal gekommen ist, auch ohne Krauss.

Der Autor erklärt eine Vielzahl von Begriffen wie Gesamtenergie, Vakuumenergie, Gesamtgravitationsenergie, Leerer Raum, Multiversen, 10-Dimensionen-Stringtheorie (wohin mit den 6 Zusatz-Dimensionen??), virtuelle Teilchen, Schwarze Löcher (die eben nicht alles verschlucken, sondern auch Teilchen abstrahlen sollen), flaches Universum, Zustand des Weltalls in 1 - 2 Billionen Jahren, anthropisches Element, und besonders schön: ... solipsistische Erwartung (da mußte ich erst mal googlen), und viele weitere Begriffe.

Krauss diskutiert natürlich auch das Standardmodell der Astrophysik, und anders als manche seiner Kollegen stellt er klar, daß über die Dunkle Materie nur Vermutungen als einer neuen Art von Elementarteilchen bestehen, daß aber die Dunkle Energie noch ein absolutes Geheimnis ist (S. 185). Dafür ist in seiner Sichtweise der Big Bang, der Urknall ein realer, nachgewiesener Startpunkt des Alls.

Zur Frage nach einem Schöpfer, oder einem Gott, oder einer Ersten Ursache" hat der Autor verschiedene Ansichten dargelegt, so u.a. die Erkenntnis: ... Die Physik ermöglicht, nicht an Gott zu glauben ..., oder: ... daß Gott ... nicht notwendig, im besten Fall überflüssig... ist. Er stellt fest: Die Natur ist möglicherweise cleverer als Philosophen und Theologen (S. 231).
Oder: ...Newtons Gesetze ...machten ... übernatürliche Eingriffe überflüssig.
Krauss steht voll hinter der Darwin'schen Evolution durch natürliche Selektion, für Kreationisten bleibt da kein Raum. Und das Nachwort von R. Dawkins passt, der atheistischen Gedankenwelt dieses Autors entsprechend, genau zu diesen Aussagen.

Mehrfach beschreibt er seine eigenen Arbeiten und Verdienste, und gerne verwendet er einige Male seine Lieblingsfloskel ... als der Rauch/das Pulver sich verzogen hatte...
Er stellt sehr viele Fragen (z.B. S. 182), die Antworten lässt er letztendlich meist offen, er benutzt viele Konjunktive wie ... es könnte, es würde, vielleicht, oder doch ganz anders, oder auch nicht ... usw.
Abschließend ein Satz auf Seite 200, der den Stil der ca. 250 Seiten des Buches treffend beschreibt und für potentielle Leser hier zitiert wird:
Wir und alles, was wir sehen, gehen also aus Quantenfluktuationen innerhalb eines Nichts in der Nähe des Anfangs der Zeit hervor, nämlich während der inflationären Expansion.
Das kann man durchaus mehrfach lesen, um es zu erfassen.
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am 9. Juli 2013
Krauss fasst in seinem Buch den derzeitigen Stand der naturwissenschaftlichen Forschung im Bereich der Kosmologie in leicht verständlicher Form zusammen. Seine Antwort auf die häufig gestellte Frage in der Form wie sie zuerst der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz gestellt hat „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?" ist fundiert und klar: „das Nichts ist nicht stabil“. Dabei geht er ausführlich auf die Problematik der Definition des Nichts ein und erläutert die wissenschaftliche Theorie zur Entstehung unserer Welt aus dem Nichts. Zum Schluss gibt er einen Ausblick auf das mögliche langfristige Schicksal unserer Welt und den damit verbundenen Schlussfolgerungen für den Sinn unseres Daseins.

Wissenschaft statt Philosophie und Theologie

Von dem amerikanischen Philosoph Jerry A. Fodor stammt der Satz: „Manche Philosophen sehen Philosophie als das an, was man mit einem Problem macht bevor es klar genug ist, um es mit Wissenschaft lösen zu können“. Bei der Frage nach der Entstehung unserer Welt ist in den letzten Jahrzehnten genau dieses eingetreten. Die Naturwissenschaft ist jetzt so weit fortgeschritten, dass sie eine Antwort auf diese Frage liefern kann. Krauss schreibt dazu: „Die moderne Kosmologie hat uns dazu gebracht, Vorstellungen in Betracht zu ziehen, die ein Jahrhundert zuvor noch nicht einmal hätten formuliert werden können. Die großen Entdeckungen des 20. und 21. Jahrhunderts haben nicht nur die Welt verändert, in der wir tätig sind. Sie haben auch unser Verständnis der Welt (oder der Welten) revolutioniert, die direkt vor unseren Augen existieren oder existieren könnten – einer Wirklichkeit, die verborgen bleibt, bis wir kühn genug sind, nach ihr zu suchen. Aus diesem Grund sind Philosophie und Theologie letztlich nicht fähig, aus sich heraus die wahrhaft grundlegenden Fragen anzugehen, die uns im Hinblick auf unsere Existenz verwirren“. Die Philosophie kann in der Tat bestenfalls Hypothesen über die Wirklichkeit aufstellen. Ob diese die Wirklichkeit zutreffend beschreiben, kann aber nur die Naturwissenschaft entscheiden. Metaphysik, Transzendenz und Theologie haben sich zur Aufklärung der Wirklichkeit nicht nur als restlos unbrauchbar erwiesen, sondern sie haben sie teilweise sogar vernebelt. Wissenschaft entzaubert die Natur, aber sie macht sie dadurch nicht weniger schön oder eindrucksvoll.

An anderer Stelle zitiert Krauss den berühmten Physiker Steven Weinberg mit den Worten: „Die Physik macht es nicht unmöglich an Gott zu glauben, sondern ermöglicht vielmehr, nicht an Gott zu glauben. Ohne Wissenschaft ist alles ein Wunder. Mit der Wissenschaft bleibt die Möglichkeit, dass gar nichts ist. In diesem Fall wird religiöser Glaube immer weniger notwendig und auch immer weniger relevant“. Im Nachwort schreibt Richard Dawkins: Mag sein, dass wir die Quantentheorie nicht verstehen, doch eine Theorie, welche die reale Welt auf zehn Dezimalstellen genau vorhersagt, kann in keinem direkt nachvollziehbaren Sinn falsch sein. Der Theologie mangelt es nicht nur an Dezimalstellen – ihr fehlt selbst der kleinste Hinweis auf eine Verbindung mit der Welt der Wirklichkeit. Wie sagte doch Thomas Jefferson bei der Gründung seiner University of Virginia: „In unserer Einrichtung sollte ein Lehrstuhl für Theologie keinen Platz haben“.

Das Nichts

Die Definition des Nichts ist innerhalb der Physik nicht ganz so einfach, wie sich das die meisten vorstellen. In der Regel stellt man sich unter dem physischen Nichts einen leeren Raum vor, d.h. einen Raum aus dem sämtliche Materie entfernt wurde. In der Physik bezeichnet man das als Vakuum. Krauss legt dar, dass es in einem solchen Raum vor virtuellen Teilchen nur so wimmelt. Die Heisenbergsche Unschärferelation erlaubt, dass diese Teilchen für eine extrem kurze Zeit in die Wirklichkeit eintreten und sofort wieder verschwinden. Das diese Vorstellung keine reine Hypothese ist, lässt sich experimentell über den so genannten Casimir-Effekt nachweisen. Zeit und Raum sind mehr als nichts und daher ist das Nichts im physikalischen Sinn nicht nur die Abwesenheit von Materie und Energie, sondern auch die Abwesenheit von Zeit und Raum. Eine solche Definition übersteigt zwar unser Vorstellungsvermögen, aber das trifft ohnehin auf große Bereiche der modernen Physik zu. Die Quantenmechanik hat ihre eigene Logik und diese unterscheidet sich erheblich von unserer Alltagslogik. Unser Vorstellungsvermögen wurde über die Evolution für unsere alltäglichen Herausforderungen optimiert aber keineswegs für alle Bereiche der Wirklichkeit. Die Volksweisheit „Von nichts kommt nichts“ kann daher nicht als Argument für die Begründung eines göttlichen Schöpfungsaktes gelten, zumal eine solche Annahme keine wirklich Erklärung der Entstehung unserer Welt wäre, sondern eine Verklärung.

Dunkle Materie und Dunkle Energie

Krauss zeigt in den ersten Kapiteln, wie die Wissenschaftler aufgrund der astronomischen Beobachtungsergebnisse der letzten Jahrzehnte zwangsläufig auf die Hypothese der Existenz einer Dunklen Materie und einer Dunklen Energie kamen. Bezüglich der Dunklen Materie kam der entscheidende Hinweis von der Messung der Dynamik von Galaxien. Die Sterne bewegen sich näherungsweise in Kreisbahnen um das Massezentrum der jeweiligen Galaxie. Insbesondere ihre äußeren Bereiche drehen sich allerdings schneller um das Zentrum als dies nach Abschätzung der bekannten Massen, d.h. Sterne, Schwarze Löcher und interstellaren Gas- und Staubwolken möglich wäre. Ein weiterer empirischer Beweis kam von dem beobachteten so genannten Gravitationslinseneffekt. Galaxienhaufen lenken nach der allgemeinen Relativitätstheorie Lichtstrahlen derart von ihrer ursprünglichen Richtung ab, das sie zuweilen wie eine Linse wirken und dahinter liegende Objekte sozusagen vergrößert erscheinen lassen. Auch hier war der Effekt wesentlich größer als es von der normalen Masse her zu erwarten gewesen wäre. Aus der Vielzahl einzelner Messungen konnte mittlerweile bestimmt werden, dass die bisher bekannten materiellen Komponenten des Universums insgesamt nur einen kleinen Teil der für die Gravitationseffekte wirksamen Gesamtmasse ausmachen. Der Rest ist der Dunklen Materie zuzurechnen. Aus welchen Elementarteilchen dieser Anteil der Materie besteht, ist Gegenstand intensiver Forschung.

Seit einer Veröffentlichung von Edwin Hubble im Jahr1929 wissen wir, dass sich die Galaxien von unserer eigenen Milchstraße entfernen und zwar mit einer Fluchtgeschwindigkeit, die proportional mit dem Abstand zunimmt. Extrapoliert man die Fluchtbewegung zurück in die Vergangenheit, so scheint alle Materie am Anfang des Universums in einem Punkt konzentriert gewesen zu sein. Dieser Befund führte zur Formulierung der Urknalltheorie. In den letzten Jahrzehnten konnten diese Messungen erheblich verfeinert werden. Zur Abstandsmessung wird die scheinbare Helligkeit von Sternexplosionen (Supernovae) herangezogen. Am Ende des Lebens von Sternen oberhalb einer bestimmten Masse explodieren diese. Dauer und Helligkeit dieser Explosionen folgen einem festen Muster, sodass aus dem Verlauf der Explosion die absolute Helligkeit berechnet werden kann. Aus Vergleich der absoluten mit der scheinbaren Helligkeit kann dann die Entfernung bestimmt werden. Ein großer Vorteil dieser Methode ist auch, dass die Helligkeiten der Explosionen so stark sind, dass sie in der Größenordnung der Gesamthelligkeiten von Galaxien liegen und damit über riesige Entfernungen hinweg detektiert werden können. Die Fluchtgeschwindigkeit der Galaxien kann über deren durch den Dopplereffekt zu größeren Wellenlängen hin verschobenes Lichtspektrum (Rotverschiebung) bestimmt werden. Nun sollte man eigentlich erwarten, dass sich die Fluchtgeschwindigkeit mit der Zeit etwas verringert, da die Gravitation zwischen den Galaxien bremsend wirkt. Genauere Messungen an besonders weit entfernten Galaxien zeigten aber genau das Gegenteil. Es tritt eine Beschleunigung ein. Physikalisch erklärt werden kann dies nur über ein bisher unbekanntes Kraftfeld das mit Dunkler Energie bezeichnet wurde. Da man nach Einstein Masse in Energie umrechnen kann, stellt sich die Frage wie groß die gesamte Dunkle Energie im Vergleich zur gesamten Masse ist. Das aktuelle Ergebnis ist, dass die Dunkle Energie 68,3% ausmacht und der Rest aus 4,9% Materie (Atome) und 26,8% Dunkler Materie besteht. Der sichtbare Teil des Universums, d.h. die leuchtenden Sterne, macht dabei insgesamt nur etwa 1% aus. Sowohl die gesamte Masse als auch die Gesamtmenge der Dunklen Energie lassen sich zusammenfassen als positive Gesamtenergie des Universums. Ihr gegenüber steht die gesamte Gravitationsenergie, die ein negatives Vorzeichen hat. Zählt man diese beiden Beiträge zusammen, so ergibt sich innerhalb einer Fehlergrenze von wenigen Prozent eine Gesamtenergie von Null.

Die Vermessung des Universums

Eine der zentralen Fragen der Kosmologie ist die nach der Geometrie des Raumes. Leben wir in einem positiv gekrümmten Universum, das geschlossen ist oder einem negativ gekrümmten, offenen Universum oder genau an der Grenze zwischen diesen beiden Möglichkeiten, nämlich in einem flachen Universum? In einem flachen Universum ist die Winkelsumme eines Dreiecks genau 180°, während sie in einem positiv gekrümmten größer ist und in einem negativ gekrümmten kleiner. Krauss legt dar, wie durch Messung der räumlichen Verteilung der Fluktuation der kosmischen Hintergrundstrahlung eine Bestimmung der Geometrie möglich wurde. Die bisher präzisesten Kartierungen dieser Strahlung stammen von den Forschungssatelliten WMAP (Wilkinson Microwave Anisotropy Probe) und Planck. Die Ergebnisse deuten mit einer Genauigkeit von einem Prozent auf ein flaches Universum hin. Dies deckt sich genau mit der oben erwähnten Bestimmung der Gesamtenergie des Universums, denn die Theorie fordert für ein flaches Universum eine Gesamtenergie von Null. Mit anderen Worten, für die Entstehung des Universums ist überhaupt keine Energie erforderlich und deshalb kann es durch Quantenfluktuationen aus dem Nichts entstanden sein. Krauss zieht den Schluss: „Die Quantengravitation scheint nicht nur zuzulassen, dass Universen aus dem Nichts hervorgehen, sie könnte sie sogar erfordern. Das „Nichts“ – in diesem Fall kein Raum, keine Zeit, kein gar nichts! – ist tatsächlich instabil“. Das was diese Theorie so überzeugend macht, sind die voneinander unabhängigen Beobachtungsergebnisse, die alle in die gleiche Richtung zeigen, nämlich einem flachen Universum mit der Gesamtenergie Null. Selbst die Häufigkeitsverteilung der Elemente passt genau in dieses Bild.

Die letzte Lücke für einen Schöpfergott: Schaffung der Naturgesetze.

In die Enge getriebene Theologen sehen zuweilen die letzte Chance für die Argumentation der notwendigen Existenz eines Schöpfergottes darin, dass er die Naturgesetze geschaffen hat, nach denen der Urknall abgelaufen ist. Aber auch dieses Argument lässt sich entkräften. Die modernen Theorien der Quantengravitation und der Superstringtheorie deuten darauf hin, dass unser Universum nicht das einzige ist, sondern dass es Teil eines Multiversums ist, das aus einer riesigen Zahl einzelner Universen besteht. In den einzelnen Universen gelten dann zufällige Naturgesetze mit zufälligen Naturkonstanten. Nach dem anthropischen Prinzip leben wir zwangsläufig in einem Universum mit Naturgesetzen, die biologisches Leben ermöglichen. Von diesen Argumenten ganz abgesehen ist ein Gott, der die letzten verbliebenen Lücken naturwissenschaftlicher Erkenntnis füllt, ein recht armseliger Gott. Krauss fragt in einem Interview: Wohin geht Gott, wenn die letzten Lücken gefüllt sind?

Das düstere Ende der Welt

Man kann zwar im Rahmen der Kosmologie die Zukunft der Welt nicht mit absoluter Sicherheit vorhersagen. Aber nach unserer derzeitigen Kenntnis wird sich unser Universum immer weiter ausdehnen, die Sterne werden verglühen und die Materie wird restlos zerfallen. Irgendwann wird es aufgrund der physikalischen Bedingungen weder biologisches Leben noch künstliches Leben bzw. Intelligenz geben können. Sogar jedwede Information über irgendwelche Zivilisationen wird verschwinden. Insofern müssen wir feststellen, dass es einen höheren letzten Sinn unserer Existenz grundsätzlich nicht geben kann. Das ändert allerdings nichts daran, dass wir unserem Leben einen auf die Dauer unserer Zivilisation begrenzten Sinn geben können. Krauss schreibt dazu: „Ein Universum ohne Zweck oder Lenkung mag manchem so erscheinen, als werde das Leben dadurch bedeutungslos. Für andere, zu denen auch ich mich zähle, wirkt ein solches Universum belebend. Es macht die Tatsache unserer Existenz noch erstaunlicher und motiviert uns, aus unserem eigenen Handeln Bedeutung abzuleiten und aus unserer kurzen Existenz unter der Sonne das Beste zu machen“.

Widerspruch

In Kreisen konservativer Philosophen und Theologen hat das Buch erheblichen Unmut und Widerspruch erzeugt. So bemängelt der New Yorker Philosoph David Albert, dass das von Krauss beschriebene Nichts ein Quantenvakuum sei, das in der Lage ist, Partikel in die Wirklichkeit zu bringen und es wäre somit etwas anderes als das von Philosophen und Theologen idealisierte Nichts. Der Berliner Philosoph Claus-Peter Eichhorst schreibt in seinem Buch „Das falsche Nichts“ Aber ihr (Anm.: Physiker wie z.B. Lawrence Krauss und Stephen Hawking) Irrtum steht fest, ein Mahnmal pseudo-naturalistischer Hybris. Denn ein Nichts, aus dem ein Universum wird, ist — wie das Nichts der Schöpfungstheologen — kein Nichts: ein falsches Nichts. Der Münchner Philosoph und Jesuit Godehard Brüntrup meint, etwas was nicht existiert, kann auch nichts bewirken. Krauss bezeichnet solche Kritiker als „idiotische Philosophen“, denn ein anderes Nichts, als das der physikalischen Definition, könne es in der Wirklichkeit nicht geben. Der Streit wird weiter gehen. Noch sind nicht wirklich alle Fragen der Kosmologie geklärt, aber der Nebel lichtet sich. Wissenschaft weiß noch nicht alles, Religion weiß nichts.
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am 15. Dezember 2014
Für Anfänger nicht unbedingt geeignet, da die Leichtigkeit des Schreibens (oder des Übersetzens) nicht überall gegeben ist. Viel besser: gibt es alles oder nichts von Jim Holt.
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am 12. August 2015
Warum gibt es nicht Nichts?

Herumgeht unser Tanz
der Fragen im Kreis,
und in der Mitte
sitzt das Geheimnis,
das alles weiß.*

Ist es Gott?
Wenn ja, wer hat ihn erschaffen?

Ist es ein Nullsummenspiel?
Wenn ja, wer hat es erfunden?

- Ewige kosmische Inflation
ohne Grenzen?

- Quantenfluktuation im
Quantenvakuum?

- M- und Stringtheorie?

- Multiversen?

- Quantelung von Raum und Zeit?

- Anthropisches Prinzip?

Warum gibt es nicht Nichts?
*) Robert Frost, amerikanischer Dichter

Insbesondere die Bücher von Stephan Hawking und Rüdiger Vaas haben vor einigen Jahren diese Fragen provoziert. Viele Fragen, es handelt sich ja mehr um Andeutungen, um Schlagworte, sind für mich inzwischen beantwortbar – manche aber auch immer noch nicht bzw. nur recht vage. Um dem abzuhelfen, habe ich das Buch von Lawrence M. Krauss „Ein Universum aus Nichts“ gekauft. Ja, ein gewisser Wissenszuwachs hat sich ergeben. Ich bin nicht enttäuscht worden und kann deshalb das Buch für gleichgesinnte Leser empfehlen
.
Doch vorher sei mir ein kleiner geschichtlicher Exkurs über den heutigen Wissenstand gestattet:

Insbesondere sind in den letzten 30 Jahren nicht nur auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften unglaubliche Wissensfortschritte geschehen, sondern auch auf dem Gebiet der Kosmologie. Dies ist aber allein der Arbeitsmethode der Naturwissenschaften zu verdanken. Philosophie und insbesondere die Theologie haben hier über Jahrhunderte jämmerlich versagt. Heutzutage ist m. E. Philosophie nur noch auf Basis naturwissenschaftlicher Erkenntnisse möglich. Dieses Buch gibt ihnen in vielen Punkten dazu Gelegenheit
.
Aber halten wir einmal den gesicherten Wissensgewinn fest, der sich seit Einstein ergeben hat:

Einstein war noch zur Zeit der Formulierung seiner berühmten Theorien fest der Meinung, unser Kosmos sei statisch und er hatte keine Ahnung von den Milliarden Galaxien mit jeweils über 100 Milliarden Sonnen. Somit wusste er auch nichts vom Urknall und von der kosmischen Inflation, entdeckt von Prof. Guth und inzwischen auch wissenschaftlich bestätigt, welche in Bruchteilen einer Sekunde danach stattfand und wohl auch Multiversen verursacht. Mit der Quantentheorie tat er sich sowieso schwer. Aber es gibt nun halt in unserem Universum, im sogenannten leeren Raum, bedingt durch die Heisenbergsche Unschärferelation, virtuelle Teilchen aux masse, deren Existenz durch den sogenannten Casimir-Effekt nachweisbar ist. Seit Hubble weiß man weiterhin, die Galaxien streben mit immer größerer Geschwindigkeit auseinander. Je weiter entfernt, umso schneller. Das hat zur Folge, dass in ferner Zukunft auf einem anderen Planeten in unserer Galaxie lebende Astronomen keine Nachbargalaxien mehr erkennen können, da diese hinter dem Erkenntnishorizont verschwunden sind. Sie werden dann über den seinerzeitigen Wissensstand von Einstein, das Universum sei statisch, nicht hinaus kommen.

Diese Zeilen zeigen, eigentlich wissen wir doch bereits recht viel. Doch halt, da ist noch die schwarze Materie und Energie. Sie machen rd. 95% unseres Kosmos aus und von beiden wissen wir nur, dass sie existieren. Doch die Forschung bleibt nicht stehen. Heutzutage hat Kosmologie bereits einen Wissensstand erreicht, welche Physiker wie Lawrence Krauss ermutigen, sich mit dem Thema der Entstehung eines Universums aus dem Nichts zu beschäftigen. In 100 Jahren wissen wir ganz gewiss mehr
.
Doch nähern wir uns zunächst einmal dem Nichts, das gemäß Plausibilitätsüberlegungen von Prof. Krauss ein Universum gebiert.

Nun, es ist nicht das Vakuum, in dem noch die virtuellen Teilchen nur so wimmeln, sondern dazu gehört noch die Abwesenheit von Raum und Zeit und dieses so definierte Nichts ist laut Prof. Krauss nicht stabil, weshalb durch Quantenfluktuationen im Quantenvakuum und ohne Energieaufwand (Nullsummenspiel) ein Universum entstehen dürfte oder sogar, und dieser Meinung ist die Mehrzahl der theoretischen Physiker, eine Vielzahl von Universen (Multiversum) mit jeweils unterschiedlichen Naturgesetzen.

Jetzt muss ich aber einen Punkt setzen, denn das ist doch kaum verständlich. Ja, das ist es auch. Hier haben Philosophen und Theologen wieder viel zu tun-
.
Doch, wer versteht denn schon die Quantentheorie. Zum Überleben des Homo sapiens war es sicherlich entwicklungsgeschichtlich nicht erforderlich, sich ebenfalls solche Vorgänge vorzustellen oder sie sogar zu verstehen, die sich in unvorstellbar kleinen Dimensionen abspielen. Wer versteht denn letztlich, dass selbst chemischen Verbindungen als kleine Teilchen, die sie ja auch sind, Wellen- und Teilchencharakter eigen sind – oder dass nach der bereits angesprochenen Unschärferelation bei einer, nach meiner Erinnerung, unvorstellbar kleinen Zeiteinheit von 10 hoch minus 44 Überlichtgeschwindigkeiten möglich sind wodurch letztlich aus dem Nichts (Nichts des Vakuums) ein zusätzliches Teilchen entsteht. Ich wenigstens komme da an meine Grenzen - (so geschildert in diesem Buch auf den Seiten 93 ff.). Die Quantentheorie hat wirklich ihre eigene kaum verständliche Logik. Für ihre Richtigkeit spricht aber allein die Tatsache, dass ohne sie unsere moderne elektronische Industrie nicht existieren würde und mit ihr exakte Berechnungen auf viele Stellen nach dem Komma möglich sind.
.
Gut, nehmen wir zur Kenntnis, dass es sich bei der Entstehung aus dem Nichts um ein Nullsummenspiel handelt. Dies ergibt sich aus der positiven Gesamtenergie - bestehend aus rd. 5% Materie (davon nur 1% sichtbar) 27% Dunkler Materie sowie 68% Dunkler Energie - und der ihr gegenüberstehenden Gravitationsenergie mit negativen Vorzeichen. Beide Energien heben sich gegenseitig auf!

Nun ist interessant, jüngste Forschungsergebnisse bestätigen dieses Ergebnis. So haben die Forschungssatelliten WMAMP und vor allem Planck mit einer hohen Auflösung die kosmische Hintergrundstrahlung vermessen wodurch es möglich war, die Geometrie unseres Universums zu bestimmen. Es ist weder geschlossen noch offen, sondern flach. Es gilt folglich die euklidische Geometrie. Dabei ist seine Form nicht die eines Pfannkuchens, da gleichzeitig der Raum gekrümmt ist. Wiederum ist der so weise Homo in seinem Vorstellungsvermögen überfordert. Was bedeutet nun dieses Ergebnis? Für ein flaches Universum verlangt nämlich die Theorie wiederum eine Gesamtenergie von Null womit sich der Kreis schließt. Besonders ist aber auch zu erwähnen , dass die beiden Forschungssatelliten die von Allen Guth in seiner Doktorandenzeit entdeckte INFLATION bestätigen - auch die Raumsonde Cobe hat bereits 1992 Belege dafür geliefert - womit ebenfalls das Thema der Entstehung des Multiversums angesprochen wird. Sein Buch „Die Geburt des Kosmos aus dem Nichts – Die Theorie des inflationären Universums“ habe ich vor etwa 15 Jahren gelesen und in Erinnerung, dass in diesem Vakuumfeld der Inflation Störungen entstehen. Gasbläschen im kochenden Wasser seien als Analogie herangezogen. Sie bedeuten aber hier die Entstehung neuer „Universen“ mit jeweils unterschiedlichen Naturgesetzen. Dabei entsteht zufällig auch ein Universum, in welchem die uns bekannten Naturgesetze gelten, die wiederum die Evolution der Lebewesen bis hin zum Menschen ermöglicht hat – (Anthropisches Prinzip).

Oh je, jetzt flimmert es mir aber vor den Augen und ich sehe in den Galaxien helle Flammen aufleuchten – sie überstrahlen sogar die Leuchtkraft einer Galaxie. Damit bin ich wieder bei fundiertem Wissen angelangt – es sind Hyper Supernovae, Riesensonnen, die in ihrem Todeskampf Elemente jenseits des Eisens aufbauen. Sternenstaub – wir sind Geschöpfe des Sternenstaubs.

Wie schon erwähnt, habe ich dieses Buch durchaus mit Gewinn gelesen. Doch muss ich gleichzeitig bekennen, einige Kapitel sollte ich zum besseren Verständnis mir nochmals vornehmen
.
Gleichwohl kann ich nur 4 Sterne vergeben. Warum? Ja, warum ist Lawrence M. Krauss nicht auf die Schleifen-Quantengravitation eingegangen, warum nicht auf Bojowald, der in seinem Buch einen zyklischen Erklärungsversuch unseres Universums aufzeigt.
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am 21. März 2016
Zum Inhalt dieses Buches ist von einigen Rezensenten bereits viel Kluges geschrieben worden. Ich muss hier nichts ergänzen.
Gleichwohl erscheint mir die Übersetzung ins Deutsche wirklich problematisch zu sein. Die häufige 1:1 Übernahme des englischen Satzbaues zeigt m.E., dass der Übersetzer den Sinn des Textes nicht versteht und sich deshalb viel zu sehr an das Original klammert. Das erschwert das Verständnis dieses Buches. Schade!
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am 29. September 2013
Ich rücke einen Aspekt des Buches in den Mittelpunkt, der in anderen Rezensionen am Rande angesprochen wird:
Kann die moderne Kosmologie ohne Philosophie den Beginn unseres Universums aus "Nichts" und die damit verbundene Frage nach einem etwaigen Schöpfer zufriedenstellend beantworten?

Vorab will ich betonen: ich halte Krauss' Buch für lesenswert und sehr informativ für jeden, der über die Entstehung unseres Universums aus naturwissenschaftlich-fachkundiger Hand etwas erfahren will. Deshalb gebe ich drei Sterne.
Nur drei Sterne, weil ein so brillanter Physiker wie Krauss nicht bemerkt, dass er in seinem Buch in weiten Teilen keine Physik, sondern Philosophie betreibt, überspitzt formuliert: mathematisch-physikalisch gestützte Meta-Physik. Das wäre einem Einstein, Bohr, Planck oder Heisenberg nicht passiert.

Wie bei einem Buch nicht anders zu erwarten, dessen Nachwort von Richard Dawkins verfasst wurde, lässt auch L.M. Krauss kein gutes Haar an den Philosophen und Theologen. Dies allein ist nun nicht weiter tragisch, nur bemerkt Krauss eben nicht, inwieweit er selbst in seinem Buch philosophisch spekuliert.

Im Buch liest sich Krauss' Kritik so:

"Aus diesem Grund sind Philosophie und Theologie letztlich nicht fähig, aus sich heraus die wahrhaft grundlegenden Fragen anzugehen,
die uns im Hinblick auf unsere Existenz verwirren. Solange wir nicht die Augen öffnen und die Natur die Richtung vorgeben lassen,
sind wir gezwungen, in Kurzsichitgkeit zu verweilen." (S.235 + 236)

Soweit so gut.
Ich denke, zumindest heutzutage gibt es keinen ernst zu nehmenden Philosophen oder Theologen, der die Bedeutung und Wichtigkeit naturwissenschaftlicher Forschung für die Beantwortung der "wahrhaft grundlegenden Fragen unserer Existenz" bestritte. Sie würden allenfalls anmerken, dass die Naturwissenschaften nicht alle Aspekte unserer Existenz und dieses Universums befriedigend beantworten können.
Krauss scheint allerdings zu glauben, man könne nicht nur auf die Theologie, sondern auch auf die Philosophie bei der Bewältigung dieser grundlegenden Fragen unserer Existenz(!) gut und gerne verzichten. Die Naturwissenschaften allein machten das schon ...

Wenn Krauss freilich mit der umstittenen String-Theorie argumentiert und mit der noch viel umstritteneneren Multiversumstheorie, die das anthropische Prinzip erst sinnvoll macht, die erklärt, warum wir in genau diesem Universum mit genau seinen Parametern und genau seinen Naturgesetzen leben, dann betreibt er mit Sicherheit keine handelsübliche Physik mehr, sondern eher so etwas wie mathematisch-naturwissenschaftlich gestützte Meta-Physik, denn aus erkennntnistheoretischen Gründen kann die Multiverumstheorie naturwissenschaftlich-empririsch niemals bestätigt werden können. Krauss verlässt also den Bereich empirisch verifizierbarer physikalischer Modelle und begibt sich in den Bereich rein mathematisch denkbarer Theorie und wird damit zum Naturphilosophen, ohne, dass er das auch nur bemerkt.

Krauss möchte dem Leser nahelegen, dass unser Universun oder gar ein Multiversum durchaus aus buchstäblich "Nichts" entstanden sein kann. Das "Nichts" definiert er dabei als die Abwesenheit von Raum und Zeit. (S.225)
Dieses physikalische Nichts sei jedoch angefüllt von virtuellen Teilchen, die jederzeit aufgrund von Quantenfluktuation in die Existenz treten können. Das Nichts, so Krauss, sei seiner Natur nach allerdings instabil, weshalb es ein Universum oder eine unendliche Anzahl von Universen gebären könne.
Dieses "Nichts" enthält also - das Potenzial -, "Etwas" hervorzubringen.
Ein absolutes Nichts aber, also ein Nichts, welches nicht einmal dieses Potenzial in sich trägt, gibt es jedoch nicht.
Ich folge Krauss bei diesem Gedankengang übrigens und halte für korrekt, was er dazu schreibt.

"Nehmen wir ein Paar aus Positron und Elektron, das spontan aus dem leeren Raum in der Nähe eines Atomkerns auftaucht
und die Eigenschaften des Atoms für die kurze Zeit seiner Existenz beeinflusst. In welchem Sinne gab es das Elektron
oder Positron zuvor? Nach jeder vernünftigen Defintion existierten sie zuvor sicherlich nicht. Gewiss war aber das
Potenzial für ihre Existenz vorhanden, doch damit ist kein Sein definiert - (...)." (S.194)

Krauss wirft offenbar Theologen und/oder Gläubigen, mit denen er sich unterhalten zu haben scheint, vor, dass sie aber auf ein genau solches, absolutes Nichts pochen und daraus ableiten, dass es einen Gott geben muss, der in einer creatio ex nihilo dieses Universum erschaffen haben muss.

Wäre Krauss nicht nur Physiker, sondern auch ausgebildeter Philosoph, dann wüsste er, das bereits der scholastischste aller scholastischen Philosophen und Theologen, nämlich Johannes Duns Scotus (1266-1308), wegen seiner Scharfsinnigkeit Dr. Subtilis genannt, sehr sauber und diffizil zwischen einem absoluten Nichts (nihil simpliciter) und einem "relativen Nichts" unterschieden hat.
Dabei ist das "absolute Nichts" nicht einmal denkbar und ein Widerspruch in sich. Gott kann nur etwas erschaffen aus einem relativen Nichts, welches zumindest die Möglichkeit, also - das Potenzial - beinhaltet, dass Etwas aus diesem Nichts entstehen kann. Creatio ex nihilo bedeutet demnach die Voraussetzung eines Nichts, welches zumindest die Möglichkeit in sich birgt, dass etwas daraus hervorgehen kann.
Das ist nun ziemlich das, was Krauss auch annimmt.

Duns Scotus folgert hieraus, dass "Gott der Grund - der Möglichkeit(!) - ist, dass es eine Welt gibt".
Das ist natürlich kein Gottesbeweis.
Es zeigt nur, wie sehr sich Krauss irrt, wenn er meint, er habe die Möglichkeit eines Schöpfer-Gottes aus der Welt geschafft, wenn er plausibel macht, dass ein (relatives) Nichts existiert, welches die Möglichkeit beeinhaltet (in Form bloß virtueller Teilchen und virtueller Universen), dass aus ihm etwas entstehen kann.

Was Krauss uns also als letzten Schrei moderner kosmologischer Forschung verkauft, hat der über 700 Jahre alte Scholastiker Dr. Subtilis Johannes Duns Scotus bereits im 13. Jahrhundert entdeckt und aufgeschrieben, - und darauf gekommen ist er durch reines Nachdenken, sehr kostengünstig in seinem Lehnstuhl oder beim Herumwandern in einem Oxforder Garten!

Ich hätte mir dieses Buch von einem Naturwissenschaftler gewünscht, der auch ausgebildeter Philosoph ist: z.B. von Prof. Dr. Bernulf Kanitscheider, der mit seiner "Kosmologie", die mittlerweile allerdings veraltet ist, eine wesentlich bessere Darstellung der damals aktuellen Forschungslage veröffentlicht hat.
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am 5. Oktober 2014
Wie kann man das Nichts definieren? Und wie kann das absolute Nichts ein oder sogar mehrere - möglicherweise unendlich viele Universen hervorbringen? Bleibt hier noch Platz für einen göttlichen Schöpfer? All diese Fragen behandelt der Autor in seiner gut verständlichen populärwissenschaftliche Publikation vor dem Hintergrund aktueller physikalischer Theorien wie Quantenphysik und Sringtheorie. Man darf beim Lesen dieses Buches allerdings nicht vergessen, dass es sich bei einigen Inhalten um Überlegungen zu nicht bewiesenen physikalischen Theorien handelt. Auf jeden Fall sehr inspirierend und aufschlussreich für jeden, der sich für diese Themen interessiert und daher nur zu empfehlen.
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am 19. August 2014
Lawrence Krauss fasst unseren aktuellen kosmologischen Wissensstand allgemeinverständlich und unterhaltsam zusammen. Wie andere Autoren aktueller populärwissenschaftlicher Werke zu diesem Thema (z.B. S. Hawking* oder A. Vilenkin**), präsentiert er bemerkenswerte Fortschritte im Auffinden von Erklärungsansätzen zur Entstehung unseres Universums.
Aus den modernen kosmologischen Theorien ergeben sich offensichtliche Implikationen auch jenseits der Naturwissenschaften auf den Gebieten der Philosophie und der Religion.
Philosophen, die sich zukünftig mit dem Begriff des Nichts beschäftigen, ohne sich mit der naturwissenschaftlichen Definition des Nichts auseinanderzusetzen, darf getrost vorgeworfen werden, dass sie sich im Elfenbeinturm ihrer Fachdisziplin verschanzen.

*Der große Entwurf: Eine neue Erklärung des Universums
**Kosmische Doppelgänger: Wie es zum Urknall kam - Wie unzählige Universen entstehen
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am 3. März 2015
Ein Universum aus nichts gibt es nicht. Wenn auch Materie und Antimaterie sich in Strahlung auflösen und wir die dunkle Energie und dunkle Masse nicht sehen, so ist doch etwas vorhanden. Aber die Idee ist nicht schlecht.
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