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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine melancholisch, dramatische Reise
Kurzbeschreibung:
Der 18 jährige Jari hat seine Tischlerlehre im Betrieb seines Vaters erfolgreich beendet und beschließt nun erstmal eine 3 wöchige Wanderung zu unternehmen. Er will ein bisschen Freiheit und Natur genießen, bevor das Alltagsleben ihn verschlingt. In einer kleinen Galerie am Fuße des Gebirges trifft er auf ein...
Veröffentlicht am 15. September 2012 von MacBaylie

versus
13 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Solange die Nachtigall singt
Inhalt:
Jari, ein 18-jähriger Tischler, hat gerade seine Lehre abgeschlossen und beschließt sich für zwei/drei Wochen auf Wanderschaft, in den Zittauer Gebirge, zu begeben. Am Bahnhof trifft er, in seinen Augen, auf das hässlichste Mädchen der Welt und doch, trotz ihrer Hässlichkeit, strahlt sie eine Faszination für ihn aus, der er...
Veröffentlicht am 17. September 2012 von Sarlascht


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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wer Frau Michaelis Stil mag, wird diese Geschichte lieben., 11. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Solange die Nachtigall singt (Kindle Edition)
Inhalt:
Als Javi beschließt für einige Wochen in den Bergen wandern zu gehen und sich eine Auszeit zu gönnen, ahnt er noch nicht, dass diese Reise sein Leben komplett verändern wird...

Zu Beginn seines Marsches trifft er auf die junge Jascha. Dieses Mädchen übt eine starke Faszination auf ihn aus. Er begleitet sie in ihr Reich - den tiefen Wäldern. Hier lebt das Mädchen in einem abgeschiedenen Häuschen. Bald schon merkt Javi, dass der Wald und Jascha eine ungeheure Kraft auf ihn ausüben, die ihn langsam verändert. Diese Veränderungen machen ihn gefährlich - für sich und für andere...

Meinung:
Ich habe "Der Märchenerzähler" gelesen und mich gleich in Frau Michaelis Stil verliebt. "Solange die Nachtigall singt" musste daher nicht lange warten, bis es in mein Regal ziehen konnte und ich bin froh, dass ich es endlich gelesen habe.

Ich bin immer noch ganz gefangen von dieser Geschichte und weiß gar nicht so recht, wie ich meine überschwängliche Meinung gebührend ins Licht rücken kann. Aber eins weiß ich ganz genau - gefangen zu sein in fantastischen Sätzen, poetischen Wirbeln aus Worten und einer mehr als märchenhaften Story kann kaum besser in Szene gesetzt werden, wie in diesem Buch.

Der Schreibstil ist: Poetisch, ausladend, bilderreich, verwirrend, bedeutungsschwanger, ausdrucksvoll, gespickt mit VIELEM und sagt oft so wenig und doch immer genug. Ich war gefesselt, jeder Satz scheint eine tiefere Bedeutung zu haben. Die Autorin weiß, wie man mit Worten umgehen muss, um diese stark wirken zu lassen.

Des einen Freud ist des anderen Leid. So wird der "besondere" Stil nicht jedermanns Geschmack treffen. Ist das dann leider der Fall, so hat das Buch eigentlich schon verloren, denn die Handlung LEBT durch diesen Stil. Ich persönlich liebe Bücher, in denen viel hineininterpretiert werden kann/soll/muss und bei denen eine tiefere Bedeutung versteckt zwischen den Zeilen liegt, bei denen man sich seitenlang fragt, wie etwas gemeint ist und am Ende doch alles anders ist. Ein Buch, das Verwirrung stiftet und dem man doch nicht böse dafür ist.

Durch diesen oft ausladenden Stil steckt die Handlung eingelullt in den Sätzen. Im Klartext: Ein Buch für zwischendurch ist die Nachtigall sicherlich nicht. Man muss sich ganz auf die Geschichte einlassen und wirklich konzentriert lesen, um der Handlung folgen zu können. Diese konnte mich wirklich in allen Bereichen fesseln. Das Buch hat oftmals schon einen leicht schaurig, gruseligen Touch, was der Kulisse zuzuschreiben ist - der Wald als Schauplatz, macht die Handlung erst so geheimnisvoll, so mystisch. Das Heulen der Wölfe, das Rascheln der Blätter, das Knacken der Äste und plötzlich aufkommender Nebel, der alles zu verschlucken droht.

Aber um noch einmal auf die Handlung zurückzukommen. Die Geschichte um Jascha konnte mich wirklich packen und es ist echt schwer, nicht zu viel zu verraten. Rückblicke in Jaschas Vergangenheit, lassen die Handlung immer Stück für Stück aufleben und bringen diese dadurch weiter. Die Veränderungen, die Javi mit der Zeit im Wald durchmacht werden zunehmend erschreckender und zum Ende hin regelrecht grausam.

Dennoch finde ich dieses Ende SEHR gelungen und die Handlung "entwirrt" sich in so ziemlich allen Bereichen und die Lichter der Erleuchtung springen an.

Fazit:
Frau Michaelis trifft auch mit "Solange die Nachtigall singt" zu hundert Prozent meinen Geschmack. Ihr Stil, ihr Geschick mit Worten umzugehen, ist atemberaubend und wunderschön, wird aber nicht jedermanns Geschmack sein und man sollte sich vorher im Klaren sein, worauf man sich einlässt. Der Schreibstil ist sehr ausladend und bildlich und "lullt" die Handlung in starke, ausdrucksvolle Sätze. Dadurch ist ein Lesen für zwischendurch kaum möglich. Wer sich aber auf die Geschichte einlässt, erfährt eine märchenhafte, oft auch schaurig, gruselige Atmosphäre, die die Handlung zu etwas Besonderem macht. Ich kann gar nicht anderes, als die volle Punktzahl zu vergeben. 5/5 möglichen Punkten!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen klare Leseempfehlung, 13. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Inhalt:
Ein Wald, der im Nebel ein Rätsel verbirgt. Ein Wanderer, der sich verirrt. Eine Geschichte, die dem Leser den Atem raubt. Nach Abschluss seiner Tischlerlehre begibt sich Jari auf Wanderschaft, um Freiheit und Natur zu genießen. Dabei trifft er auf Jascha, das bezauberndste Mädchen, dem er je begegnet ist, und folgt ihr zu ihrer Enklave mitten im Wald. Gefangen zwischen märchenhafter Schönheit und menschlichen Abgründen wird der harmlose Tischler zum unerbittlichen Jäger. Poetisch und fesselnd erzählt Erfolgsautorin Antonia Michaelis die Geschichte einer Liebe, der kein Geheimnis zu düster und kein Opfer zu groß ist. Das Meisterwerk einer Märchenerzählerin.

Aufbau und Handlung:
Bereits ab der ersten Seite befindet sich der Leser bereits mitten im Geschehen. Protagonist Jari befindet sich in der Kunstgalerie eines kleinen Dorfes, indem er auf eine alte Frau, sowie ein buckliges, unansehnliches Mädchen trifft. Er hat vor durch die Wälder zu wandern, doch es kommt alles anders als geplant. Völlig unerwartet bietet er dem eigenartigen Mädchen seine Hilfe an, indem er ihre Bilder ihr ein Stück in den Wald tragen will. Von Anfang an ist der Wald wie verzaubert, genau wie das hässliche Mädchen, das plötzlich ihre Hülle abwirft und zu einer wahren Schönheit erblüht. Sie nennt sich Jascha und lebt ganz alleine, mitten im Wald. Jari beschließt die Nacht bei ihr zu verbringen und erhofft sich ein Abenteuer. Ein Abenteuer soll er auch bekommen, jedoch ganz anders als erwartet.
Das Buch ist in der Vergangenheit geschrieben und anfangs nur aus Jaris Sicht. Gegen Ende auch zeitweise aus der Sicht einer anderen Person.

Cover:
Das Cover passt perfekt zu dem Roman, da ich mir genauso düster den Nebelwald vorstellen würde. Zudem ist etwas in den Schatten zu erkennen, dass man erst verstehen, wenn man bereits in dem Roman gefangen ist.

Eigene Meinung:
Nach dem ich bereits den „Märchenerzähler“ von Antonia Michaelis mit großer Begeisterung gelesen habe, war ich auf ihren neuen Roman sehr gespannt und kann bereits vorab sagen, dass sie mich mit keiner Seite enttäuscht hat. Antonia Michaelis versteht es wie kein anderer Autor, einen in eine geheimnisvolle, ganz eigene Welt zu entführen. Ihre Worte sind wie ein schauriges, aber wunderschönes Gedicht. Die düstere und geheimnisvolle Stimmung des Romans ist fast greifbar. Ich konnte „Solange die Nachtigall singt“ nicht mehr aus der Hand legen. Zwar gibt es Stellen, die ich so nicht ganz nachvollziehen konnte, aber auch das passt wiederum zu dem Rest des Buches, da es Protagonist Jari genauso ergeht.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für „Solange die Nachtigall singt“.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein kraftvoll-poetisches Herbstmärchen voller Schönheit, das manchmal die Spannung vergisst, 10. Februar 2013
Ich bin ein bisschen zwiegespalten, was dieses Buch angeht.
Auch ich war nach dem Märchenerzähler euphorisch und wollte unbedingt weitere Bücher der Autorin lesen.
'Solange die Nachtigall singt' fängt atmosphärisch und düster-spannend an, zieht einen als Leser in einen tiefen Sog ... und dann, ab etwa der Hälfte, habe ich die Geduld verloren. Ich habe trotzdem weitergelesen und ich wollte auch wissen, wie es ausgeht, es ist ein gutes, gut geschriebenes und absolut lesenswertes Buch - aber die Faszination vom Märchenerzähler, diesen meisterhaft geschmiedeten Spannungsbogen konnte es nicht erreichen.

Ein bisschen hatte ich das Gefühl, die Autorin will zu viel. Die schöne Sprache, die überbordend schönen Bilder, die gewaltige Stimmungsmalerei - das kann sie gut, das wurde schon beim Märchenerzähler hoch gelobt, das treibt sie hier auf die Spitze. Das Buch spielt in einem düster-schönen Nebelwald im Nirgendwo zwischen Deutschland, Tschechien und Polen, einem Märchenwald mit einer Höhle und einem grundlosen schwarzen See und Rosen in einer Schlucht und Büschen voller reifer Schlehen. Mit einem Wolfsrudel und der Legende einer Bärin, die ihre drei Jungen sucht.
Das Buch beginnt in einem goldenen Herbst und dämmert in einen glitzernd weißen Winter hinüber. Die Farben, die Düfte, die herbstliche Stimmung - es haut einen um beim Lesen. Wirklich.
Und dann verliert sie sich in der Schönheit. Zumindest hatte ich beim Lesen dieses Gefühl. Der Tischlergeselle Jari wird von einem schönen Mädchen in den Wald gelockt, verbringt die Nacht in ihrem wunderschönen Haus und verliert sich in ihrer Welt. Er findet nicht mehr aus dem Wald hinaus, und bald will er das auch nicht mehr. Der Wald aber hütet ein düsteres Geheimnis und das Mädchen ist nicht, was sie scheint und das Haus ist voller Spiegel und ausgestopfter Tiere. Jari weiß bald nicht mehr, was Realität und was Traum ist. Der Leser auch nicht. Das hat seinen Reiz.
Doch dann häuft die Autorin Episode auf Episode, Traum auf Traum. Die Geschichte kommt ins Stocken, Jari dreht sich im Kreis. Der Leser auch. Vielleicht ist das Absicht. Aber mich hat es aus der Faszination herausgerissen, ich wollte wissen, wie es weitergeht.
Das Ende, die Auflösung fand ich ... tja, fast ein bisschen zu einfach für die enorme Erwartungshaltung, die vorher aufgebaut wird. Das hat mich ein wenig enttäuscht. Vielleicht wäre das anders gewesen, hätte ich nicht die vorherigen fünfzig oder hundert Seiten in manchen Passagen nur noch überflogen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich - auf den Mittelteil bezogen - mit surrealen Traumwelten nur bedingt etwas anfangen kann, sofern sie nicht eine konkrete Auswirkung auf die Realität haben.

Das ist kein Verriss, auch wenn er stellenweise so klingt.
'Solange die Nachtigall singt' ist ein märchenhaftes, düsteres, lesenswertes Buch, das viel Spaß macht und sich spannend anlässt - nur im Mittelteil etwas Geduld vom Leser verlangt. Allein die wunderschöne Sprache macht es schon empfehlenswert.
Nur kann es - für mich - nicht ganz die hohen Erwartungen erfüllen, die ich nach dem Märchenerzähler an das Buch gestellt hatte.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nicht ganz so gut wie der Märchenerzähler, 31. Januar 2013
Ich fand den Märchenerzähler richtig gut und habe deshalb dieses Buch mir geholt. Ich fand es aber nicht ganz so gut wie das andere. Teilweise war es verwirrend geschrieben und es gab viele Wiederholungen. Jascha taucht auf, verschwindet und taucht wieder auf und Jari benimmt sich auch komisch an manchen Stellen. Ich konnte nicht verstehen, wieso er einiges gemacht hat. Am Anfang konnte ich mit ihm mitfühlen, aber dann irgendwann ist es mir immer schwerer gefallen. Das Ende hat mir dann wieder gut gefallen, denn es regt zum Nachdenken an wie beim Märchenerzähler auch schon.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Modernes, packendes Märchen, 30. Januar 2013
Puh – Ich weiß gar nicht, wo ich mit diesem außergewöhnlichen Roman anfangen soll.

Verzaubert vom schönsten Mädchen auf Erden, so betörend wie aus einem Märchen, begibt sich der 18jährige Jari auf eine Reise, die ihn an die Grenzen seiner Vorstellungskraft und seines Verstandes bringen. Er lässt sich auf die Waise Jascha ein, die ihn schon bald so einnimmt, dass er bei ihr im abgelegenen Waldhaus bleibt und ihr bei allem zur Hand geht: Er bestellt den kleinen Garten, geht sogar jagen. Und immer mehr verliebt er sich in die unerreichbare Schöne, um die sich nach und nach ein Netz aus Geheimnissen spinnt. Obwohl Jari schnell Jaschas Spielchen überdrüssig wird, kann er sie einfach nicht verlassen, denn etwas hat die geheimnisvolle Waise an sich, das ihn nicht mehr loslässt. Doch immer mehr bröckelt die Fassade – nicht nur die des Hauses „voller Schönheit und Geheimnisse“, das für Jari anfangs von unbeschreiblicher Anziehungskraft und voller Melodien war, sondern auch Jaschas. Ist sie wirklich nur ein Mädchen, dass alleine im Wald wohnt? Warum verschwinden ihre Narben und tauchen immer wieder an anderen Körperstellen auf? Wie kommt es, dass sie sich an gemeinsame Erlebnisse mit Jari nicht mehr erinnert? Warum gibt sie auf keine von Jaris Fragen konkrete Antworten, sondern spielt mit ihren Worten? Nicht nur der Nebelschleier im Wald trübt die Sicht, sondern auch die lang zurückliegende Entführungsgeschichte dreier kleiner Mädchen, die bei einer Entführung in eben diesem Wald voller Gräben verschwanden.
Kann Jari den unheimlichen Entwicklungen auf den Grund gehen, oder verläuft er sich im Spiegellabyrinth des Hauses?

Was wie eine zauberhafte und märchenhafte Geschichte beginnt, entwickelt sich zu einem packenden Abenteuer, in dem bald nicht mehr nur Tiere zur Nahrung erschossen werden. Jari wird zum Beschützer Jaschas, der nur noch an den Schutz des ihm Geliebten Interesse hat. Er wird waghalsiger, übermütig, wahnsinnig – nicht nur von den fremden Pilzen und dem kräftigen Wein, den ihm Jascha immer wieder einschenkt. Seine Erlebnisse verwandeln sich in einen Rausch, bei dem er die Zeit und sich selbst vergisst.

Die Geschichte passiert wie im Traum, mit nicht immer logischen, dafür aber bildgewaltigen Übergängen – sowohl für die Figur als auch für den Leser. Ich fand es unglaublich, wie die Autorin es meistert, auch nicht weiter aktiven Personen Leben einzuhauchen. Alle auftretenden Figuren sind greifbar und tief charakterisiert, besonders hat mir Matti gefallen, der in der ersten Hälfte des Buches nur eine Erinnerung ist, sich dann aber auf die Suche nach Jari macht und zu einer Schlüsselfigur wird. Die Frage nach dem, wie lange man man selbst bleibt, oder ob man überhaupt schon jemand ist, stellt sich immer wieder. Denn Jari will nicht länger nur 'der Sohn' oder 'der Tischlergeselle' sein, sondern sich neu und treffender darstellen. Eine grandiose Naturbeschreibung folgt der anderen mit einer Sprachgewalt, die ihresgleichen sucht.

Ich kann diesen fantastischen Roman gar nicht einordnen: Vom Reisebericht, Märchen, Thriller, Entwicklungsroman, Liebesroman bis zur Naturerzählung sind sämtliche Elemente enthalten und diese Verknüpfung macht es grandios. Michaelis wiegt den Leser auf die sichere Seite, nur um ihm im letzten Moment wieder zu verwirren. Der Roman kann an einigen Stellen tatsächlich langatmig werden, aber im Gesamten ist es dennoch genau passend dosiert. Die Sprache ist sehr poetisch, aber nicht kitschig. Sie zieht den Stil in einem durch, was nicht vielen Autoren gelingt, die ein so hohes Sprachmaß setzen. Es ist mal kein Jugendbuch über Fabelwesen oder Dystopien, sondern paradoxerweise märchenhafte Realität.

Ich habe „Solange die Nachtigall singt“ atmosphärisch sehr ansprechend gefunden. Jeder Satz ist für den Verlauf der Geschichte entscheidend, jedes Wort punktgenau platziert. – daher 5 Sterne und eine absolute Empfehlung.
Da allerdings einige fragwürdige Inhalte moralisch undurchsichtig und unkommentiert bleiben, manche Beschreibungen sind extrem widerlich oder detailliert (aber nicht pietät- oder respektlos),
würde ich den Roman erst ab 16 empfehlen.
***

Eine Rezension für buecherkinder.de
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was ist wahr und was gelogen? Was ist Realität und wo beginnt die Einbildung? In diesem Wald ist das schwer zu sagen!, 11. September 2012
Jari ist gerade achtzehn geworden und hat seine Tischlerlehre bei seinem Vater abgeschlossen. Bevor er ins harte Arbeitsleben einsteigt, möchte Jari sein Freiheit noch ein letztes Mal in vollen Zügen genießen und beschließt, im Wald an der Grenze zwischen Deutschland, Tschechien und Polen, zwei Wochen wandern zu gehen. Doch seine Pläne werden über den Haufen geworfen, als er Jascha begegnet, deren Schönheit so rein und so vollkommen ist, dass Jari sich ihr nicht entziehen kann. Er folgt ihr zu der kleinen Hütte, in der sie vorgibt seit dem Tod ihres Vaters alleine zu leben. Eigentlich wollte er nur eine stürmische Nacht mit der dunkelhaarigen Schönheit verbringen, doch ohne es zu merken, bindet sich Jari immer mehr an Jascha und aus dem ruhigen und unscheinbaren Tischlergesellen wird ein Jäger, der sein Mädchen vor den Gefahren des Nebelwaldes beschützen möchte. Doch Jari muss schnell herausfinden, dass diese Gefahren ganz anderer Natur sind, als es den Anschein hat. Denn das Böse versteckt sich nicht im Gewand eines Wolfes oder Bären und der Wald, mit all seiner vollkommenen Schönheit, birgt mehr Geheimnisse als Jari jemals für möglich gehalten hätte... .

Nachdem mich Antonia Michaelis Werk "Der Märchenerzähler" sprachlos zurückgelassen hat - so schockierend und brutal, aber ebenso zärtlich, poetisch und liebevoll wird die Geschichte erzählt - , fieberte ich ihrem neuen Werk gespannt entgegen. Die Idee eines verwunschenen Waldes, bewohnt von einem ebenso schönen, wie geheimnisvollen Mädchen, klang absolut faszinierend und aufgrund meiner Begeisterung für "Der Märchenerzähler" waren meine Erwartungen natürlich sehr hoch.

Gleich zu Beginn des Romans wird der Leser mit Jari, aus dessen Sicht wir die Geschehnisse erfahren, bekannt gemacht. Jari ist ein junger Mann, der von Selbstzweifeln zerfressen ist. Er sieht sich immer nur als Anhängsel seines Vaters oder besten Freundes. Als eigene Persönlichkeit scheint er von anderen nicht wahrgenommen zu werden. Kein Wunder, denn er selbst nimmt sich so auch nicht wahr. Um endlich herauszufinden, wer Jari Cizek wirklich ist, begibt er sich auf eine Art "Selbstfindungstrip" in den nächstgelegenen Wald. Geplant war, dass er dort für zwei Wochen wandern geht, um danach bei seinem Vater zu arbeiten, doch als Jari Jascha kennen lernt, merkt der Leser schnell, dass sich Jaris Pläne wohl ändern werden.

Jari selbst empfand ich als einen sehr angenehmen Protagonisten. Er ist ein ruhiger und nachdenklicher Mensch, der für sein Alter schon ziemlich reif zu sein scheint. Ich persönlich habe es sehr genossen, in Jaris Gedankenwelt abzutauchen, denn diese ist unheimlich poetisch, voller Bilder und Metaphern und Jaris Blick für das Wesentliche und die Schönheit dieser Welt ist wirklich augenöffenend. Frau Michaels versteht es wie keine andere, ihre Leser alleine durch ihren märchenhaften Schreibstil und die melancholische Stimmung, die dieser erzeugt, an ihre Romane zu fesseln.

Als Jari Jascha kennenlernt, kommt eine Art subtiler Spannung auf, die bei mir während des Lesens eine Beklemmung und Bedrängnis auslöste, die ich mit Worten gar nicht beschreiben kann. Es war beinahe so, als sei ich selbst in diesem Wald, der voller Geheimnisse und Gefahren ist, gefangen, wie in einem Labyrinth, in dem ich mich immer wieder verlaufe und den Ausgang nicht finde. Jari selbst scheint dieses Gefühl anfangs nicht zu verspüren, da Jaschas makellose Schönheit in für alle lauernden Gefahren blind zu machen scheint. Doch schon bald erkennt Jari, dass mit Jascha irgendetwas nicht stimmt und dass sie das vielleicht größte Geheimnis des Nebelwaldes ist.

Wer ist sie? Wieso scheint sie immer an mehreren Orten gleichzeitig zu sein? Wie kann es sein, dass sie im einen Moment Narben an Stellen hat, an denen im nächsten keine mehr sind? Man versucht, sich nicht blenden zu lassen und hinter Jaschas Geheimnis zu kommen. Würde man sehr genau lesen, würde es einem sicherlich gelingen, doch wie Jari lässt man sich von Jaschas unschuldiger Art und ihrer Schönheit verführen. Was ist Realität und was Einbildung? Und welches Geheimnis verbirgt sich hinter Jaschas schöner Fassade?

Diesem Geheimnis kommt der Leser Stück für Stück immer mehr auf die Schliche, da Frau Michaelis einen zweiten Handlungsstang in ihre Geschichte miteinwebt. Zwar nimmt dieser Handlungsstang nur einen minimalen Teil der Geschichte ein, er ist aber ebenso spannend und märchenhaft erzählt wie der Haupterzählstrang. Man kommt Jaschas Geheimnis dadurch relativ schnell auf die Spur und glaubt schon zu wissen wie der Roman verlaufen wird. Erstaunlicherweise - und in meinen Augen macht genau das die Geschichte so undurchschaubar und spannend -, löst die Autorin dieses "Geheimnis" aber selbst recht schnell auf. Wieso die Geschichte dadurch noch spannender wird? Da Jaschas Existenz durch die Enthüllung nicht weniger verwirrend und mysteriös wird, sondern im Gegenteil eher noch unheimlicher.

Unheimlich ist dieser Roman stellenweise wirklich sehr. Nicht nur einmal habe ich mich dabei erwischt, wie ich selbst ganz ängstlich wurde, als sich mal wieder das Gefühl der Beklemmung einstellte, wenn Jari seltsame Entdeckungen macht. Dieser Roman ist atmosphärisch wirklich unheimlich dicht und beinhaltet so viele skurrile, merkwürdig abstrakte und schaurige Szenen, dass es zumindest mir während des Lesens teilweise ganz anders wurde. Gerade Jari verändert sich im Beisein des Mädchens auf geradezu erschreckend negative Art und Weise.

Auch wenn das bisher alles sehr spannend und ganz nach einem besonders guten Leseerlebnis klingt, muss ich leider sagen, dass mich "Solange die Nachtigall singt" stellenweise ein wenig enttäuscht hat. Der Roman ist durchweg extrem verwirrend und in meinem Kopf herrschte während des Lesens ein ganz schönes Durcheinander. So viele Rätsel gibt Frau Michaelis ihren Lesern auf, von denen zumindest ich hoffte, dass sie gegen Ende zufriedenstellend aufgelöst werden würden. Leider ist es aber mal wieder der Schluss, der mich enttäuscht hat. Die Autorin hat versucht das Durcheinander, das die vielen Anspielungen und Unklarheiten hervorriefen, innerhalb von zehn Seiten zu entwirren. Dass das nicht klappen kann, schon gar nicht auf authentische und nachvollziehbare Weise, ist wohl jedem klar. Es erschien mir ganz so, als habe die Autorin selbst nicht so recht gewusst, wie sie die Fäden entwirren soll, sodass sie am Ende alles nochmal komplett über den Haufen wirft und eine Erklärung findet, die so vollkommen absurd ist, dass sie einer ausführlichen Schilderung bedurft hätte, die aber vollkommen ausbleibt.

Gerade der Schluss ist es mal wieder, der den Roman in meinen Augen ganz schön runterzieht. Der märchenhafte Schreibstil und die faszinierende Idee, die dem Roman zugrunde liegt, leidet unheimlich unter den vielen Anspielungen, die den Leser einfach nur verwirren und dem absolut nicht zufriedenstellenden Schluss. Da Frau Michaelis aber mal wieder bewiest, dass sie ganz wunderbar schreiben kann und ihre Ideen immer wieder innovativ und spannend sind, sodass man sich dem Sog, den der Roman erzeugt, nicht entziehen kann, kann ich "Solange die Nachtigall singt" dennoch auf jeden Fall besten Gewissens weiterempfehlen.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Von Dämmergrün, über Schneeblau und Federgrau bis Transparent, 10. September 2012
Von 
DieBuchpiraten - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
So wie Jari Cizek, der achtzehnjährige frischgebackene Tischlergeselle, alleine aufbricht, um ein Stück Welt für sich zu entdecken und dabei sich selbst findet, so gerät auch der Leser in den Sog dieser verstörenden Geschichte über Schönheit, Illusionen, Täuschungen, vom Wahn und mystischen, grausamen Horrors. Wo hört die Realität auf, wo beginnt das Trugbild?

Jenseits der Grenze einer gefährlichen Klamm, hinter der anmutigen Fassade vielsagender Farben (Kapiteltitel) des mit gruseligen Geschichten verwobenen Nebelwaldes, findet Jari ein bewohntes Haus und erlebt dort Dinge unvorstellbarer Dimensionen. Dem Leser vermittelt Antonia Michaelis in gewohnt gekonnter, nachtigallfederleicht wirkenden Manier, dichte, atmosphärische Bilder und Metapher, die ihn weiter und weiter jagen, bis zum Showdown und einer überraschenden Erkenntnis. Doch war es wirklich eine Überraschung oder wollte der Leser Zeichen nicht richtig deuten? Andeutungen, Feinheiten, wie die des doppelten Coverbildes - ein Suchbild: "Was unterscheidet die Abbildung vom Schutzumschlag von der des Buchcovers?" Schön auch immer wieder die kleinen ausgelegten Spannungsfallen, in die ich gerne tappe: "Er ahnte nicht, ...; hätte er gewusst, ..."

Für Liebhaber düsterer, melancholischer, aber auch poetischer Romane, ein Schmankerl. Aber: Weder sex-, noch gewaltfrei; nicht übertrieben roh, aber durchaus blutig und direkt dargestellt. Brutalität und Verbrechen haben eben keine schönen Seiten!

Der Plot erinnerte mich manchmal ein wenig an Otfried Preußlers Krabat, in dem ebenfalls ein auf sich gestellter Lehrjunge (an fast identischem Ort, wenn ich mich recht erinnere, aber in einer anderen Zeit) auf Leben und Tod herausgefordert wird.

Für mich war der Roman eigentlich mit "Federgrau", dem vorletzten Kapitel, abgeschlossen. "Transparent" machte genau das nicht. Mit dem Wissen des Endes, sollte man das Buch sicher irgendwann noch einmal lesen - eine neue, andere Sicht tut sich vielleicht auf (und vielleicht der ein oder andere arg zur Logik gebogene Fakt ;o))

Ein fantastisches Buch für junge Erwachsene und natürlich auch ältere, die den Wunsch verspüren, sich mal wieder richtig von einem Buch fesseln zu lassen!
(T)

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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dieses Buch braucht Zeit und zündet nur ,wenn der Leser sich darauf einlässt., 28. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Dieses Buch braucht Zeit und zündet nur ,wenn der Leser sich darauf einlässt.

Eine Tiefe mit gewaltiger Kraft von Worten und Sätzen zieht den Leser mit in die Geschichte . Märchen,Fantasy oder Realität? Der Leser wird immer wieder in den Irrglauben getrieben und wenn er einen Verdacht hegt, wird dieser sofort wieder entkräftet.
Antonia Michaelis zeigt auch mit „Solange die Nachtigall singt“ wieder ihr Können, was sie schon mit „Der Märchenerzähler bewiesen hat. Ihre Art ,ihre Worte zu wählen, das ganze so zu verpacken, dass man sich wie in einem Märchen fühlt, ist einfach überwältigend.
Poesie pur, denn mit ihrer bildgewaltigen Sprache fühlt man mit und verliert sich in den Sätzen und Beschreibungen, man vergisst alles um sich herum und taucht in die Charaktere ein, denn sie sind so facettenhaft, real geschrieben, ihre Geschichte ist so dicht gewebt, dass man gar nicht mehr auftauchen möchte.

Die Kapitelüberschriften, z.B. Fuchspelz, Herbstbronze,Nebelmilch oder Flammseide spiegeln so wunderbar die Farben des Waldes wieder. Die Autorin schafft es ,den Wald, das Setting in solch wunderbare Farben zu tauchen, dass dem Leser nichts anderes übrig bleibt als vor Phantasie zu sprühen. Es entstehen wunderbare Gemälde im Kopf des Lesers, und dazu muss man nicht einmal phantasiebegabt sein, es passiert einfach so, durch die Sprache von Antonia Michaelis.
Da dieses Buch so viel Tiefe besitzt, langsam und genau gelesen werden muss ,denn jedes Wort, jeder einzelne Satz hat eine Bedeutung und verbirgt Hinweise, sehe ich es nicht als Jugendbuch, sondern als Buch für junge Erwachsene, denn hier muss man wirklich intensiv lesen und gelesenes verknüpfen um nicht völlig den Faden der Realität zu verlieren und die Worte zwischen en Zeilen zu verstehen.
Wichtig ist, zu wissen, dass das Buch nicht von Spannung lebt, es lebt von einzigartigen Beschreibungen, Verknüpfungen der Phantasien des Lesers. Es ist ein ruhiges Buch mit einer intensiven Geschichte, die sich erst am Ende zusammenfügt. Man muss geduldig sein, sich auf alles einlassen und sich führen lassen, dann erfährt man die Realität in Gewändern von Märchen und Fantasie gehüllt.
Das Cover ist einfach phantastisch, nach dem Lesen des Buches findet man es einfach nur passend und wunderschön gestaltet. Man beachte den Unterschied zwischen Schutzumschlag und Buchcover.

„Solange die Nachtigall singt“ ist keine leichte Kost, dafür aber eine wunderbar märchenhaft verpackte Geschichte von Liebe, Krankheit und Tragödien in der Schönheit des winterlichen Naturschauspiels.

4 Sterne

Wieder einmal begeistert von ihrem Stil, werde ich mir bald mit „Die Worte der weißen Königin“ meine Lesezeit versüßen.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nichts für schwache Nerven, aber ein wunderbares Buch!, 27. August 2012
Von 
Bücherwurm (Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Der achtzehnjährige Jari macht sich nach Abschluss seiner Tischlerprüfung für drei Wochen auf den Weg, um in den Wäldern wandern zu gehen. Am Anfang seiner Reise kommt er in eine Galerie und trifft dort auf die junge Jascha, die in seinem Alter zu sein scheint, allerdings hässlich und verkrüppelt ist. Er geht mit ihr mit, um ihr beim Tragen zu helfen, doch kaum sind die beiden im Wald, streift das Mädchen seine Verkleidung ab: es ist in Wirklichkeit wunderschön und benutzt die Verkleidung nur, um Mitleid zu erregen, wenn es seine Bilder an die Galeristin verkauft. Jari folgt Jascha zu ihrem Haus im Wald. Doch der Wald scheint ein Geheimnis zu bergen, denn immer wieder verschwinden Wanderer und andere Menschen im Nebelwald. Werden sie von der Bärin oder den grausamen Wölfen getötet und gefressen, die angeblich dort ihr Unwesen treiben oder steckt etwas ganz anderes dahinter? Jari bleibt bei den Mädchen im Wald, da er in Jascha verliebt ist. Doch dort scheint es nicht mich rechten Dingen zuzugehen. Und was ist mit dem geistig zurückgebliebenen Branko, der die Mädchen immer wieder besucht, der aber im Dorf von den Leuten nur als Mörder beschimpft wird? Was hat es mit der Vergangenheit der Mädchen auf sich und warum leben sie ganz alleine im Wald? Bald schon wird Jari in einen Strudel gezogen, in die Inszenierung, das Spiel der Mädchen... oder bildet er sich das alles nur ein?

Ich bin durch das Buch "Der Märchenerzähler" auf die Autorin aufmerksam geworden. Dieses Buch hat mich damals so tief berührt, aufgewühlt und zum Nachdenken angeregt, dass ich seitdem ein riesengroßer Fan von der Autorin bin. Zudem liebe ich ihren bildhaften und poetischen Schreibstil, der geradezu dazu einlädt, in ihren Geschichten zu versinken. Deshalb war es natürlich klar, dass ich auch ihr neues Buch sofort vorbestellen würde und war schon wahnsinnig auf dieses neue Werk gespannt: "Solange die Nachtigall singt".

Das Buchcover ist sehr düster in Schwarz und Grautönen gehalten, was schon einen Vorgeschmack auf die Geschichte liefert. Zudem ist ein Mädchen oder eine junge Frau zu erkennen, die verschwommen zwischen den Bäumen des Waldes verschwindet. Allein schon dieses Cover hat mich wahnsinnig neugierig auf die Geschichte gemacht und so konnte ich es nicht mehr erwarten, mit dem Lesen zu beginnen.

Die Geschichte beginnt mit Jari und seiner Schilderung eines Waldes. Erst kurze Zeit später wurde mir bewusst, dass er sich in einer Galerie befindet und über ein Gemälde nachdenkt, das einen Wald zeigt. Schon hier wurde ich wieder von dem wahnsinnig schönen Sprachstil der Autorin gefangen genommen, der sich durch das ganze Buch hindurch fortsetzt und diesen Roman zu einem Lesevergnügen macht.

Immer wieder wird die Handlung durch den Einschub einer kursiv gedruckten Geschichte unterbrochen. War anfangs noch meine Vermutung, dass es sich um ein Märchen handelt, wurde mir bald klar, dass diese Geschichtsbruchstücke die Vergangenheit der drei Mädchen erzählen. Man erfährt von ihrem traurigen Schicksal, wobei ich hier nicht mehr dazu verraten möchte. Doch diese Unterbrechungen sorgen dafür, dass unheimlich Spannung aufgebaut wird und schon nach kürzester Zeit kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen, weil man unbedingt wissen will, wie die Geschichte weitergeht und wie sie mit der Vergangenheit der Mädchen zusammenhängt.

Überhaupt schafft es Antonia Michaelis, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion bald verwischen zu lassen. Da Jari immer wieder halluzinogene Pilze konsumiert, gerät er in Halluzinationen und kann Realität und Fiktion bald nicht mehr trennen. Durch den Schreibstil geht es dem Leser bald genauso und man weiß schon bald nicht mehr, was man glauben kann, also was Realität ist und was sich Jari nur einbildet. Tatsächlich dauert es lange, bis man als Leser anfängt mehr zu verstehen und erst im letzten Teil des Buches kommt es zu einer Auflösung der Geschehnisse. Und die lässt den Leser mit einem Entsetzen und zutiefst verstört zurück, man ist erschüttert und zumindest ich war am Ende auch abgestoßen: von Jascha und auch von Jari sowie von der Geschichte an sich, die mich einfach nur fassungslos zurückgelassen hat. Wieder hat man es hier mit einer Geschichte zu tun, die den Leser zu erschüttern vermag, wie es auch schon beim "Märchenerzähler" der Fall war und es lässt einen lange nicht mehr los. Und man hat es hier wahrlich nicht mit einem einfachen Stoff oder einer harmlosen Geschichte zu tun, "Solange hier Nachtigall singt" ist eher ein Buch für Leser mit starken Nerven. Mich hat schon ziemlich bald die düstere Stimmung der Geschichte erfasst, was sicherlich auch am Schreibstil lag und ich hatte das Gefühl, die Geschichte live mitzuerleben. Da sie auch stellenweise sehr brutal ist und immer wieder Leute sterben oder getötet werden, ist dieses Buch meiner Meinung nach keinesfalls für jüngere Leser gedacht, sondern für ältere ab ca. 17/18 Jahren oder Erwachsene. Ich finde für jüngere Leser ist es einfach zu düster und brutal.

Fazit: "Solange die Nachtigall singt" ist ein sehr rätselhaftes, total spannendes, trauriges und zugleich düsteres Buch für ältere Leser mit starken Nerven. Der geniale Schreibstil macht es zu etwas Besonderem und lässt den Leser die Geschichte quasi live miterleben und bald schon ist man fast schon süchtig nach diesem Buch, sodass man es nicht mehr weglegen kann. Doch am Ende kommt es zur überraschenden und schockierenden Auflösung und bis dahin ist es ein reines Lesevergnügen. Deshalb gibt es volle 5 Sterne von mir und eine klare Leseempfehlung!!!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein atmosphärisches Verwirrspiel, 20. Juli 2014
Völlig unverhofft trifft der achtzehnjährige Jari auf die geheimnisvolle Jascha, deren Schönheit er sich nicht entziehen kann. Er folgt ihr in das abgeschiedene Haus mitten im Wald, wo sie lebt. Und das, obwohl er spürt, dass dieser Ort ein düsteres Geheimnis birgt. Etwas ist geschehen. Etwas, das schrecklicher ist als alles, was Jari sich je hätte ausmalen können. Etwas, das ihn in tödliche Gefahr bringt …

Antonia Michaelis scheut sich auch in „Solange die Nachtigall singt“ nicht vor unbequemen Themen, aber das kenne ich schon aus „Die Worte der weißen Königin“, „Nashville oder das Wolfsspiel“, „Der Märchenerzähler“, „Paradies für alle“ und „Friedhofskind“, die ich alle gut bis sehr gut fand. In „Solange die Nachtigall singt“ behandelt sie unter anderem Verführungen, verlorene Unschuld und ein Trauma, das nie verarbeitet wurde. Und es steckt noch so viel mehr in diesem Buch.

„Solange die Nachtigall singt“ ist Jugendliteratur auf höchsten Niveau, aber eher für reifere Jugendliche, da es schwer verdauliche Kost und das Thema anspruchsvoll ist. Mich hat das Buch sehr zum Nachdenken angeregt. Antonia Michaelis schafft es immer wieder aufs Neue, mir den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Sie erschafft dramatische Geschichten und tragische Charaktere, die nachhallen.

An dieser Stelle möchte ich Antonia Michaelis‘ außergewöhnliche Sprache loben. Sie ist melodisch und poetisch. Antonia Michaelis verwendet kein Wort zu viel oder zu wenig. Ihr spezieller Schreibstil sticht heraus und erzeugt eine dichte Atmosphäre, in der ich mir alles bildlich vorstellen konnte, alles gespürt habe. Ihre Sprache erzeugt einen Sog, ich konnte nicht aufhören zu lesen. Ich musste wissen, was die Wahrheit hinter all dem Schein ist, egal wie verstörend, entsetzlich und grausam sie ist. Das Buch ist sehr spannend, obwohl relativ ruhig und unspektakulär von der Handlung. Aber das ist Antonia Michaelis‘ wahre Kunst. Sie bedarf keiner Action, um Spannung in ihren Büchern aufzubauen. Die Stimmung ist bedrohlich; der Leser ahnt, etwas lauert unter der Oberfläche.
Des Weiteren ist die Handlung genial verstrickt und ich wurde von den vielen Wendungen immer wieder getäuscht und überrascht.

Zudem möchte ich anmerken, dass der Schutzumschlag und der Buchrücken extrem gut gelungen sind. Wer das Buch kennt, für den ergibt die Gestaltung einen Sinn. Auch der Titel des Buches ist nicht grundlos gewählt.

Fazit: Antonia Michaelis hat mit „Solange die Nachtigall singt“ ein weiteres Meisterwerk geschrieben.
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Solange die Nachtigall singt
Solange die Nachtigall singt von Antonia Michaelis
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