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VINE-PRODUKTTESTERam 15. September 2012
Kurzbeschreibung:
Der 18 jährige Jari hat seine Tischlerlehre im Betrieb seines Vaters erfolgreich beendet und beschließt nun erstmal eine 3 wöchige Wanderung zu unternehmen. Er will ein bisschen Freiheit und Natur genießen, bevor das Alltagsleben ihn verschlingt. In einer kleinen Galerie am Fuße des Gebirges trifft er auf ein Mädchen, das so hässlich ist, wie er noch keins zuvor gesehen hat, aber dennoch begleitet er sie ein Stück des Weges und erlebt seine erste große Überraschung. Eigentlich hätte er hier schon merken müssen, dass nicht immer alles ist, wie es scheint, aber für diese Einsicht braucht er dann doch einige Zeit länger.
Das Mädchen führt ihn tief hinein in den Nebelwald, ein Wald, indem schon viele Menschen verschwunden sind, zu dem Haus in dem es wohnt. Ein Haus voller Schönheit und Verwirrung.
Das Mädchen benötigt Hilfe. Und Jari bleibt. Nur heute oder vielleicht auch noch morgen ...
Was an den Tagen danach geschieht möchte ich hier nicht verraten. Lasst euch überraschen und lasst euch genau wie Jari in die Irre führen.

Meine Meinung:
Als ich das Buch bestellt habe, kannte ich lediglich das Cover und den Titel. Das reichte. Den Klappentext und alle anderen Informationen habe ich mir gar nicht angeschaut, um nicht zu viele Infos im Vorfeld zu bekommen. Nach "Der Märchenerzähler" und "Die Worte der weißen Königin" wusste ich, womit ich zu rechnen habe, und Cover und Titel allein versprachen schon eine poetische, düstere Geschichte.
Diese düstere Geschichte habe ich dann auch bekommen. Mit all den schönen Worten, den poetischen Beschreibungen in märchenhafter Manier, durchzogen mit grausamer, kalter Wirklichkeit.
Wie weit ist jemand bereit zu gehen, der glaubt sein Glück, die Liebe oder was auch immer gefunden zu haben? Wie lange dauert es, bis dieser Jemand bemerkt, dass nicht alles ist wie es scheint? Wie viel kann man ertragen, wie viel verzeihen? Wo befindet sich der Punkt, ab dem man nicht mehr zurück kann, oder auch gar nicht zurück möchte?
Diesen Fragen und noch vielen mehr muss nicht nur Jari sich stellen. Auch der Leser wird nicht darum herum kommen.
Ein Kinderlied, gesungen mit glockenheller Stimme lockt einen in verwirrende Worte die einen nicht mehr loslassen. Hinter aller Schönheit lauert dunkles und obwohl man tief in sich die Bedrohung spürt trappelt man brav in die Falle.
Antonia Michaelis bildet mit ihren Worten die Strippen an denen sie Jari und uns Leser wie willenlose Marionetten hin und her tänzeln lässt. Kurz bevor es zu hart wird, lässt sie die Strippen etwas lockerer, wiegt uns in Sicherheit, nur um sie dann um so fester anzuziehen.

Fazit:
Ein wunderbares Buch mit unendlich vielen Interpretationsmöglichkeiten.
Ein Buch über Liebe, Tod, Hörigkeit, und menschliche Abgründe, vor denen niemand sich in Sicherheit wiegen sollte. Eine melancholisch dramatische Reise.
55 Kommentare14 von 17 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. August 2012
Erwartungen und Altersgruppe

Die Erwartungen an das neue Buch "Solange die Nachtigall singt" werden vom Verlag selbst hoch angesetzt, wenn dieser "Das Meisterwerk einer Märchenerzählerin" schreibt. Die "Nachtigall" soll der Nachfolger des erfolgreichen Märchenerzählers werden. Der "Märchenerzähler" wurde 2011 mit der "Segeberger Feder" ausgezeichnet und ist in 2012 gleich für zwei wichtige Jugendbuchpreise (Buxtehuder Bulle, Deutscher Jugendliteraturpreis) nominiert.

Die "Nachtigall" wird von der Autorin, ebenso wie der "Märchenerzähler", für Leser ab 16 Jahre empfohlen. Wegen einiger finsteren, manchmal auch brutalen und spannender Stellen nachvollziehbar. Berührungsängste, was leicht skurrile Sexszenen angeht, sollte der Leser besser nicht haben.

Auch in diesem Buch werden wieder Tabus gebrochen. Bücher von Antonia Michaelis geben einem nie vor, was man zu denken hat, sie sind immer auch unbequem.

Also ungeeignet für 15-jährige? Oder 14-jährige? Schwer zu sagen, denn Kinder, Jugendliche und Erwachsene lassen sich nicht so leicht eingruppieren wie es Verlage oder Rezensenten gerne hätten. Die "Nachtigall" lässt sich, sofern man Kategorisierungen mag, am besten als Crossover oder All-Age-Literatur beschreiben. Bei Antonia Michaelis ist das sicher kein Kalkül, denn auch die mir bekannten Kinderbücher der Autorin (zb. die Kreuzberg 007 Serie oder Oliver und Twist) enthalten immer Komponenten die sich in zwei Ebenen an ältere und auch jüngere Leser richten, die bei mehreren Altersgruppen funktionieren, aber eben auf verschiedenen Bedeutungsebenen und das schon zu Zeiten als Crossover als Marketingbegriff noch bei keinem Verlag in den Mund genommen wurde.

Ist die "Nachtigall" ein neuer "Märchenerzähler"? Ja, weil die Leser die den "Märchenerzähler" liebten vermutlich auch die "Nachtigall" lieben werden. Nein, denn der "Märchenerzähler" war viel verträumter, mehr Märchen und viel einfacher gestrickt.

Zum Inhalt

Der 18-jährige Jari hat soeben seine Lehrer als Tischler abgeschlossen, da beschließt er alleine auf Wanderschaft zu gehen, nur für zwei oder drei Wochen, um, etwas zu erleben, ein Abenteuer, er möchte etwas zu erzählen haben und die Natur und seine Freiheit genießen. Irgendwo hinter Zittau, im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien. Der Einstieg ins Buch geschieht sanft, leise und wunderschön. Jari befindet sich in einem Wald, so scheint es. In einem bunten, geheimnisvollen und grünleuchtenden Wald. Aber er ist nicht tatsächlich dort, er betrachtet ein Gemälde in einer Galerie und er ist unterwegs auf seiner Reise die ihn wenige später genau dorthin führen wird, in diesen geheimnisvollen und wunderschönen Wald, in dem es fast ausschließlich spielt.
Ein Buch das im Wald spielt? Kann das spannend sein? Ja, es kann. Und zwar sehr. Gerade die Abgeschiedenheit, die Abgeschlossenheit von der Außenwelt geben der Geschichte einen Rahmen der wunderbar passt und der auch später sehr beklemmend sein kann.

Die "Nachtigall" nimmt einen von Anbeginn an in ihren Bann. Alleine wegen der wunderbaren Sprache und den Details in den Beschreibungen versinkt man geradezu im Buch und würde sich am liebsten für ein verlängertes Wochenende einschließen, und nur das eine tun: Lesen.

Jari begegnet in der Galerie der geheimnisvollen Jascha. Sie hat sich verkleidet und sie verstellt sich, sie malt wunderbare Gemälde. Sie lebt von diesen Gemälden und alleine im Wald, einem Wald in den sich kaum ein Mensch verirrt und in dem immer wieder Menschen verschwinden.

Erst als Jari mit Jascha den Weg in den Wald aufgenommen hat, entledigt sie sich ihrer Maskerade und er sieht das schönste und bezauberndste Mädchen dem er je begegnet ist. Sie führt ihn zu einem alten Haus mitten im Wald in die sie allein zu leben scheint. Doch Jari verwandelt sich im Laufe der Geschichte immer mehr. Die Welt die er wahrnimmt, verschwimmt, er weiß nicht mehr welchen Eindrücken er glauben kann und welchen nicht, er verliere das Gefühl für Raum und Zeit. Aus dem unbefangenen und lebenslustigen Jari wird ein Jäger.

Das Buch beginnt so gar nicht mit einem Knall, aber es deutet auf den ersten 4-5 Seiten bereits so vieles an, so vieles könnte geschehen, dass man es nicht mehr weglegen möchte, nicht mehr weglegen kann. Das Buch verzaubert.

Der Verlauf

In einer zweiten und anfänglich sehr mystischen Ebene der Geschichte, wunderbar poetisch geschrieben, werden drei Mädchen eingeflochten, die sich im Trailer und auf einem Photo im Buch schon angedeutet haben. Was es mit diesen auf sich hat, diese Frage wird die Leser das ganze Buch über begleiten. Sind das drei Mädchen? Sind es zwei? Oder doch nur eines? Was ist Einbildung und was ist Realität? Woher kommen Sie? Wer hat sie hier her gebracht? Und wohin? Im Wald? Im Keller? Und woher? Eine Entführung? Eine Flucht? Warum eigentlich? Es empfiehlt sich genau zu lesen, es steht alles im Text man darf sich nicht blenden lassen. Diese Ebene hat zu Beginn etwas sehr märchenhaftes, schönes, aber zugleich auch Grausames. Sehr viel Grausames.

Es dauert nicht lange, da beginnt Jari mit Jascha zu flirten. Jari ist alleine, alleine mit Jascha, dem schönsten Mädchen. Jari lässt sich von Jaschas Leichtigkeit geradezu einfangen. Immer wieder taucht die "Nachtigall" auf "Still, still, meine Nachtigall sei still." Er schläft in ihrem Haus, einem perfekten Haus das nur voller Schönheit ist.

Je weiter die Geschichte voranschreitet umso unschärfer wird die Wirklichkeit. Zuerst sind es die Spiegel im Badezimmer, die eine Unendlichkeit und eine Scheinwelt voller glitzernder Wassertropfen erschaffen. Jari ist vollkommen gebannt von Jascha, aber auf seine Fragen weicht sie immerzu mit einem Lächeln aus. Und es geschehen Dinge, kleine Begebenheiten, die Jari sich nicht wirklich erklären kann. Jascha taucht zu schnell an unterschiedlichen Orten auf, er hört unheimliche Geräusche in der Nacht. Narben erscheinen und verschwinden. Und er bleibt. Er will sich Jascha nähern, aber im Wald entschwindet sie ihm. Er verirrt sich, lernt ganz leise die Gefahren des Waldes kennen, die drei Mädchen tauchen erneut auf, geben wieder Rätsel auf, er begegnet einem Wolf, findet eine Anhäufung von Vogelfedern, muss unter freiem Himmel übernachten und beginnt zu träumen. Was wird aus der Liebe zwischen Jari und Jascha? Wird sie unerfüllt bleiben wie in der ersten Nacht? Wird Jascha Antworten geben? Was hat es mit den Narben auf sich die plötzlich verschwinden, genauso wie Jascha verschwindet und wieder auftaucht, sich auffällig häufig umzieht. Jari entdeckt immer mehr geheimnisvolles und was Realität ist und was nicht, diese zentrale Frage wird sich der Leser immer und wieder stellen, bis es am Ende zu einer großartigen Auflösung kommt.

Schau genau hin, lies genau und achte auf die Namen. Aber es nützt alles nichts, man lässt sich auf das Spiel ein, so wie es Jari auch die ganze Zeit getan hat, man lässt sich verführen. Es gibt mehrere Stellen im Buch an denen man denkt, das war es jetzt. Man denkt, na ja, etwas enttäuschend, man erwartet mehr. Auch auf den letzten Seiten glaubt man, es wäre nun alles geschehen und aufgelöst. Vielleicht liegt man mit seinen Ahnungen am Ende richtig, aber überrascht wird jeder sein. Das Finale ist einfach nur unbeschreiblich. Verraten? Nein, um keinen Preis. Das Buch endet auf der letzten Seite. Nicht früher.

Die Sprache

Die Sprache Antonia Michaelis ist auch in der "Nachtigall" wieder wunderschön und zugleich atemberaubend. Sie ist genauso poetisch wie im "Märchenerzähler" oder in "Die Worte der weißen Königin", aber sie hat noch mehr Feinheiten dazu gewonnen. Sie ist vielfältiger, hat so viel unterschiedliche Facettierungen. Es gibt Stellen da wähnt man sich in einem Märchen, es wird kitschig, manchmal habe ich befürchtet Antoni Michaelis sei in das Lager von Fantasy-Autoren gewechselt und es regnet gleich rosane Einhörner vom Himmel, dann wird man geradezu in die Realität zurück katapultiert. Sowie wie mit Jari in der Handlung gespielt wird, so gerät man als Leser immer wieder zum Spielball der Erzählerin.
Die Sprache umhüllt die Geschichte, sie ist einfach nur einzigartig. Sie wandelt sich mit der Geschichte und den Wandlungen ihrer Charaktere. Sie passt immer, zu jeder der verschiedenen Ebenen im Buch. Mal ist sie prägnant und direkt, dann wieder sehr leicht, mal auch sehr poetisch wie in einem Märchen, aber sie kann genauso brutal sein, Tempo vorgeben und Spannung erzeugen, alles in allem ist sie sehr vielfältig. Das Buch ist voller kleiner Nebengeschichten und Andeutungen, es kann durchaus komisch und ganz leicht sein.

Fazit

Mit liebevollen Details in einer gewohnt wundervollen Sprache verfasst, taucht man als Leser in die unwirklich erscheinende Welt ein, die mehr und mehr verschwindet, irreale Züge bekommt die erst ganz am Ende aufgelöst wird und wohl nahezu jeden Leser überraschen wird. Die Sprache ist vielfältiger und bunter als im "Märchenerzähler". Die "Nachtigall" ist kein Märchen, kein Kinderbuch und keine leichte Kost. Sie ist vieles. Die Beschreibungen sind so bunt wie in von der Autorin gewohnt, sie übertreffen auch "Die Worte der weißen Königin". Das Buch durchläuft sehr viele Genres in seinen verschiedenen Ebenen, es ist sehr spannend, und bietet ein grandioses Finale. Was kann man mehr wollen von einem Buch?

Klare Leseempfehlung und vielleicht mein Lieblingsbuch des Jahres 2012.
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am 9. September 2012
Die Geschichte:
Jari, der 18- jährige Tischlerssohn, begibt sich auf eine Wanderung. Die Wanderung führt ihn irgendwo hinter Zittau, im Dreiländereck zwischen Deutschland, Polen und Tschechien. Auf dem Weg trifft er ein junges, sehr hässliches Mädchen. Da beide den gleichen Weg haben, folgt er ihr. Doch als sie den Wald erreichen zieht das Mädchen seine Verkleidung aus und dahinter kommt das schönste Mädchen zu Tage, was Jari je gesehen hat. Bezaubert folgt er dem Mädchen, mit dem Namen Jascha, in den Wald, da er sowieso eine Unterkunft für die Nacht braucht. Tief im Wald erwartet ihn eine Welt voller Schönheit und Gefahren, voller Abgründe und Liebe.

Der Einstieg in das Buch ist ruhig und sanft. Man lernt Jari langsam kennen und begleitet ihn auf dem Weg in den Wald. Dort bekommt man eine wunderschöne und detailliert beschriebene Welt inmitten eines Waldes gezeigt. In dieser auf den ersten Blick harmonischen Welt, jenseits der Zivilisation, wirkt alles magisch, märchenhaft und geheimnisvoll.
Neben der Haupthandlung gibt es noch einige Passagen von drei kleinen Mädchen und als Leser fragt man sich schnell, was diese Passagen vielleicht mit Jascha zu tun haben. Alles ist sehr geheimnisvoll und bis zum Schluss wurde ich in die Irre geführt und wusste nicht, worauf das Buch hinausläuft. Es gibt viele überraschende Wendungen und das Ende ist so dermaßen anders, erschreckend und auch faszinierend, dass ich nach dem Lesen erstmal darüber nachdenken musste. Es hat mich schon sehr aufgewühlt, aber auch tief berührt.
Die Handlung ist sehr komplex und geheimnisvoll.

Insgesamt war ich leider oft sehr verwirrt und erst am Ende hat wirklich alles Sinn ergeben und die Handlung war schlüssig und nachvollziehbar. Dadurch ist mir das Lesen aber leider stellenweise etwas schwer gefallen.
In "Solange die Nachtigall singt" werden viele Tabus gebrochen und die märchenhafte Stimmung vom Anfang wird zunehmend durch Brutalität ersetzt. Es führt in die Tiefen der menschlichen Abgründe. Nie ist klar, was ist Realität und was Fiktion, was wirklich und wann wird man in die Irre geführt?

Die Protagonisten:
Jari war mir am Anfang etwas unsympatisch, weil sein einziges Ziel war, Jascha ins Bett zu bekommen. Dabei ist er eigentlich recht schüchtern und lieb. Seine zunehmende Veränderung vom ruhigen Jungen in den brutalen Jäger zu verfolgen hat mich fasziniert, aber auch teilweise erschreckt. Er macht wirklich eine wahnsinnige Entwicklung durch und bis zum Schluss ist nicht klar, auf was diese hinausläuft. Zeitweise habe ich mit ihm mitgefühlt, dann hat er mich wieder abgestoßen oder ich mochte ihn wirklich. Ich habe selten solche facettenreichen Protagonisten erlebt, die mich so in ihren Bann gezogen haben.
Jascha ist sehr geheimnisvoll und bleibt es auch sehr lange. Man erfährt als Leser zwar immer mehr über sie, aber wird doch in vielen Dingen im Dunkeln gelassem, was aber beabsichtigt ist und auch mit den Reiz des Buches ausmacht.
Die wenigen anderen Protagonisten gliedern sich gut in die Handlung ein und passen zu der Grundstimmung des Buches.

Der Schreibstil:
Der Schreibstil ist wohl das, was Antonia Michaelis ausmacht. Sie schreibt wunderbar poetisch, spannend, faszinierend, emotional und geheimnisvoll. Die ganze Handlung wird atemberaubend und schonungslos beschrieben und sie kann viele intensive Gefühle bei dem Leser hervorrufen.
Das Buch ist bis auf die Passagen über die drei kleinen Mädchen, aus Jaris Sicht verfasst (personaler Erzähler), so dass der Leser auch immer nur erfährt, was auch er weiß.

Das Cover/der Buchtitel:
Das Cover ist düster und geheimnisvoll. Es passt perfekt zu dem Buch. Ich finde, es sticht ziemlich ins Auge, da es nicht sehr viele so düster Cover in der Jugendliteratur gibt.
Der Titel passt ebenfalls sehr gut, weil ein Lied über die Nachtigall und auch die Nachtigall an sich wichtig für die Handlung ist und den Leser stets begleitet.

Fazit:
"Solange die Nachtigall singt" ist kein Buch für schwache Nerven und auch jüngere Jugendliche sollten davon Abstand nehmen.
Dennoch konnte es mich insgesamt überzeugen, auch wenn es mich schockiert zurückgelassen hat. Manchmal mag ich solche Bücher.
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am 28. März 2015
Das Buch ist leider furchtbar. 5/6 des Buches war unerträgliche Langeweile angesagt. es ist nichts passiert. Das actionreiche Ende wurde dann nur noch überflogen, weil mir längst die Lust vergangen war. Zusammengefasst ist die Story nur abstrus und komplett unrealistisch (n paar Hand voll ermordeter Menschen scheint keiner zu vermissen und sowas wie Polizei oder Ermittlungen von außen gibt es sowieso nicht) Wo soll dieser Wald liegen? Im Nirgendwo?! in einer Welt mit Happyend für Mörder... wie idyllisch. Also echt mal, absolut verschwendete Lebenszeit die mir die Lust aufs Lesen erstmal schön verdorben hat 😒
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am 20. September 2015
Das Cover

Das Cover ist für mich ein „typisches“ Antonia Michaelis Cover und gefällt mir ausgesprochen gut. Es erweckt sofort eine finstere und bedrohliche Stimmung und das ist auch genau, was man bekommt. Außerdem hat es mich voll angesprochen und unheimlich neugierig auf die Geschichte gemacht, was ja durchaus der Sinn und Zweck eines Covers ist. Also für mich wieder mal eine tolle Gestaltung eines Buchs, dass es absolut verdient hat, auf diese Art in Szene gesetzt zu werden.

Kurze Inhaltsbeschreibung

Der achtzehnjährige Jari unternimmt eine Wanderung. Der Tischlerlehrling ist auf der Suche, wonach weiß er vermutlich selbst gar nicht so genau. Sein Leben ist geprägt von Zwängen und idyllischer Kleinkariertheit. Er vermisst die Freiheit, die Luft zum Atmen, die großen Abenteuer und ein Stück weit sich selbst und so ist es vielleicht die Suche nach Jari, die ihn aufbrechen lässt. Allein. Denn selbst seinen besten Freund Matti mit seinem Bier und den Weisheiten in Sachen Frauen lässt er im Heimatort zurück.
Auf dem Weg in den Wald begegnet er Jascha und wird Zeuge einer Verwandlung, die erst der Anfang in eine faszinierende Welt aus Trug und Lug, aus Schatten und Licht, aus Schein und Sein ist. Er begleitet Jascha in den Wald und ein Stück weit in ihre Welt und bald schon ist sich Jari nicht sicher, ob er immer noch auf der Suche ist, oder sich längst in Jaschas Welt verliert. Doch dieser Wald, das was dort in der Finsternis verborgen liegt und ihm immer wieder entgleitet, ist nicht nur ein faszinierendes Spiel und ein jugendlich, unschuldiges Abenteuer. Es ist gefährlich. Tödlich.

Schreibstil und Storyverlauf

Antonia Michaelis’ Bücher sind Geschmacksfrage. Das kann ich nach Buch zwei nun mit Sicherheit behaupten und liege bestimmt nicht falsch. Nicht jeder wird mögen, was sie schreibt, wie sie schreibt und wie sie es schafft auf dieser dünnen Grenze zwischen Wirklichkeit und Realität, zwischen Märchen und Wahrheit zu wandeln. Weder im Licht, noch im Schatten. Irgendwo dazwischen. Im Zwielicht, da wo die Welt tiefgründiger ist, da wo nichts einfach schwarz oder einfach weiß ist. Da wo es noch kompliziert ist, alles zwei Seiten hat, nichts bloß gut oder böse, nichts einfach richtig oder falsch. Da wo Figuren so komplex und so facettenreich sind das man sich als Leser fasziniert, abgestoßen, überfordert und mitten im Herzen berührt fühlt, weil es einen da rührt, wo wir es gar nicht mehr gewohnt sind, bewegen sich die meisten anderen Jugendbücher doch gerne außerhalb dieser Zone im Licht, wo es so viel einfacher ist zu strahlen und Menschen zu begeistern.
Einfach ausgedrückt: Antonia Michaelis’ Bücher sind anders. Sie sind etwas ganz Besonderes. Keine leichte Lektüre nur darauf aus zu unterhalten und daher alles andere als ‚mal eben’ gelesen. Mich konnte diese Geschichte sofort, schon auf der ersten Seite in ihren düsteren Bann ziehen. Die Spannung, das Aufreiben, das Mitfühlen, die Zweifel, die Frage wo es endet, das erschreckende Vorausahnen, das Entsetzen kurz vor der Erkenntnis, das aufrüttelnde, emotionale Finale und der bittersüße Abschied. Für mich war es kein „Märchenerzähler“ Abklatsch, aber es war auf dem gleichen Niveau und genauso gut. Für mich ist diese Autorin ein wahrer Schatz, in einer Nische, in der sie hoffentlich bleibt. Wir brauchen solche Bücher. Also bitte, bitte: Mehr davon.

Die Charaktere und ihre Entwicklung

Wie erwähnt bekommen wir es hier im Buch nicht mit den normalen Buchfiguren zu tun, die wir so oder so ähnlich schon in tausend Büchern gelesen haben. Jari und Jascha, um bei den Hauptdiguren zu bleiben, sind alles andere als einfach. In der Tat haben sie so viele Schwächen, Komplexe und machen so viele Fehler, dass sie zwischendurch unsympathisch sind. Weil wir es gewohnt sind die Protas zu lesen, die gut sind, die alles richtig machen, die Helden, zu denen wir aufsehen können.
Die beiden und auch Jaschas Schwestern Jolanda und Joanna (meine Lieblingsfigur im Übrigen, wenn man das so sagen kann) sind alles andere als das. Aber auf ihre Art, wenn man da hintersieht, kann man nicht umhin den Mut, die Verzweiflung, die Liebe und die Menschlichkeit in ihren Handlungen zu sehen. Denn das sind sie, menschlich. Jung, einsam und auf der Suche. Irgendwo da im Zwielicht in einer ganz anderen Welt. Eine, in die keiner will und doch kann man es sich manchmal nicht aussuchen.

Ich habe jede der im Buch vorkommenden Figuren wahnsinnig stark geliebt und um jeden Verlust geweint und überhaupt habe ich geweint, weil diese Geschichte so verdammt berührend ist. Abstrus, märchenhaft, bizarr, düster, anders und dennoch einfach nur berührend. Mehr kann ich gar nicht schreiben. LEST es einfach selbst. Ja, bitte lest es einfach. Am besten gleich jetzt.

Fazit

Mein einziges Fazit, denn ihr müsst hier einfach die ganze Rezension lesen, oder es lassen und euch gleich das Buch kaufen und das lesen, ist: Gelesen und Geliebt. Danke für diese wundervollen Lesestunden. Für dieses Buch und bitte: Mehr davon.
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am 19. November 2014
***** ACHTUNG: Diese Rezi enthält viele Spoiler :D Wer eine sinnvolle Rezension erwartet ist heute ausnahmsweise mal falsch bei mir. *****

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Ich weiß gar nicht wo ich beginnen soll. Dieses Buch hat mich wahnsinnig gemacht. Hätte auch noch ungefähr 1/5 zu Lesen übrig, vielleicht lese ich es auch noch, aber für den Moment macht mich dieses Buch einfach nur wütend. Ich brauch erst einmal ein anderes, haha.

Selten - wirklich SELTEN - kam mir ein solch dämlicher Protagonist unter die Nase. Eigentlich ging ich davon aus, das Buch sei eine reine Märchen-Nacherzählung. Aber nä: Es ist die Odyssee von Jari Cizek, den Jungen den sie Zeisig nennen. Vielleicht weil er ein Vogelhirn hat?

Jari Cizek ist 18 und hat gerade seine Ausbildung zum Tischler beendet. Nun möchte er für drei Wochen durch die Lausitz wandern, ein wenig Natur schnuppern und so. Zudem ist er deprimiert weil sein bester Freund Matti ständig eine Freundin nach der nächsten hat (angeblich ist er ja nur ein Romantiker, der jede wirklich liebt. Bei seinem Freundinnen-Verschleiß würde ich aber eher anderes vermuten. Die Mädels verlassen Matti und nicht er sie, haha). Genau dann wird einem suggeriert dass es ja das tollste und normalste für 18 Jährige Jungs ist, ein Mädel nach dem nächsten abzuschleppen und unbedingt Erfolg zu haben. Nur dann ist man ein toller Hecht.
Leider gelingt ihm das nicht und er hatte noch nie eine Freundin. Doch im Wald möchte er "ein Jäger" werden - Jari - der, der die Mädchen jagt. Generell ist sein einziger Antrieb lange, fast die Hälfte des Buches über, dass er einmal "ein Mädchen erlegen" möchte. Und dafür ist er bereit wirklich etwas zu erlegen. Zuerst illegal wilde Wölfe und Bären - dann Menschen. Und alles im Namen der Schönheit dreier Mädchen. Einer seiner Hauptantriebe ist ganz, ganz lange das er von ihnen dafür "belohnt" werden möchte.
Ich meine HEY! Wenn gleich drei hübsche Mädchen verlangen zu töten, wer würde das nicht? Es sind immerhin eineiige Drillinge - total der heiße S*****. Matti wird blass vor Neid. Ich schwör's euch!

Generell wird ständig von Matti geredet, aber nie etwas Neues. Immer das Gleiche. Außerdem ist der Begriff "Freundschaft" zwischen ihnen viel zu weich - das Wort "Bier" trifft es eher, nach Jaris Meinung.

Bevor er in den Wald aufsteigt, begegnet er einem jungen Mädchen mit Buckel, dicker Brille, grauem Haar und verzogenen Händen. Also ok, jeder würde sich sicherlich etwas denken wie "die Arme" oder auch Dinge, die vielleicht nicht angebracht waren und man sich innerlich dafür schämt. Aber er... er legt einen fast zwei Seiten langen Monolog hin dass es das hässlichste Mädchen ist was er jemals gesehen hat. Er geht nicht davon aus sie habe es aufgrund der Behinderung schwer, nein, sie muss es schwer haben weil sie so unglaublich hässlich ist. Selbst ihr liebliches Lachen verstört ihn, passt es doch nicht zum Rest der Person.
Aber dann! Im Wald legt sie ihre Verkleidung ab. Ähnlich wie das Umstyling bei Germany's Next Topmodel. Auf einmal ist sie die schönste Person die er jemals sah und verliebt sich fast auf Anhieb und folgt ihr neugierig tiefer in den Wald (ihr habt das mit dem Jagen sicherlich noch nicht vergessen!). Würde ich natürlich auch. Ich traue auch jeder Person die vortäuscht eine Behinderung zu haben und im Wald lebt.

Genauso geht er auch mit "Branko" um (warum heißen die großen, kräftigen Männer mit Behinderung immer Branko oder dergleichen?). Ich nehme an es soll ein Charakter mit Down-Syndrom sein? Der Junge schwafelt wieder davon was für ein Dorftrottel Branko doch ist. Aber Dorftrottel darf man ja nicht sagen, meinte mal seine Mutter, aber seine Mutter glaubt ja auch an die Bibel (mal wieder ein Jari-Original).

Dazu bemerkt er von Anfang an dass in diesem Wald etwas nicht stimmt. Nach und nach werden die Ereignisse in der Hütte und um die Hütte immer eigenartiger, die Mädchen spielen die ganze Zeit über ein mieses Spiel mit ihm, was er sogar aufdeckt - und er ist ihnen nicht einmal böse (sie sind doch so schön!).
Eines der Mädchen schreibt ihm heimlich Briefe, er solle gehen und keinem trauen, alles sei bloß Trug. Sie ermöglicht ihm sogar die Flucht!

Auch die Auflösung der Geschichte ist so übertrieben dramatisch. Diplomatentöchter die Entführt wurden, zwei Jahre Gefangene waren und nach dem Tod des Vaters im Wald verschwanden. Spätestens dann sollte Jari Zeisighirn nachgedacht haben, dass diese Mädchen traumatisiert sind, ernsthaft Hilfe brauchen nachdem wie sie ihre Spiele mit ihm spielten - nein - also was habt ihr denn erwartet? Jari tötet natürlich den Förster um ihnen zu helfen, damit durch den Wald keine Straße gebaut wird.
Denn wenn mal wieder (Betonung auf "mal wieder") jemand in diesem Wald verschwindet, schiebt man es sicherlich wie gewohnt auf die Wölfe und für lange Zeit wird hier kein Mensch mehr auftauchen. Denn ohne Förster trauen sich die Landvermesser nicht mehr in den Wald - hier verschwinden schließlich Menschen! (Wenn in einem Wald stets Menschen verschwinden, seit 10 Jahren, sollte dann nicht die Polizei langsam aktiv werden?)

Alles ist so verdammt auf poetisch getrimmt. Selbst die Art der Personen zu sprechen. Der Junge ist 18 und lebt definitiv nicht im 18ten Jahrhundert. Alles wirkt ein wenig Altbacken, so als hätte eine konservative Person versucht zu beschreiben was moderne, jugendliche Freiheit bedeutet und verpackt dies in schwülstigen Wortlaut. An sich las es sich schnell und flüssig, man konnte sich zum Glück daran gewöhnen.

Ich kann mir eigentlich nicht erklären warum dieses Buch so extrem viele gute Bewertungen hat. Auf Amazon, um ein Beispiel zu nennen, gab es 48 mal 5 Sterne und nur ein Mal einen Stern.

Das Drumherum, die Mädchen, die absurd tragische Geschichte und einiges anderes, das hätte mich gar nicht mal so extrem gestört wenn da nicht dieser total dämliche Vogel gewesen wäre. Er scheint null gesunden Menschenverstand zu besitzen. Keine Logik, denkt nur an sich, ist naiv und oberflächlich.

Vielleicht bekam er deswegen nie eine Freundin ab?

... außerdem wird er Süchtig nach Fliegenpilzen.
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am 17. September 2012
Inhalt:
Jari, ein 18-jähriger Tischler, hat gerade seine Lehre abgeschlossen und beschließt sich für zwei/drei Wochen auf Wanderschaft, in den Zittauer Gebirge, zu begeben. Am Bahnhof trifft er, in seinen Augen, auf das hässlichste Mädchen der Welt und doch, trotz ihrer Hässlichkeit, strahlt sie eine Faszination für ihn aus, der er sich nicht entziehen kann. Es kommt dazu, dass er seine Wanderschaft mit dem Mädchen, dessen Name übrigens Jascha ist, beginnt. Und nach einiger Zeit verwandelt sich dieses hässliche Mädchen, in das schönste was er je gesehen hat, nicht durch Zauberei, sondern einen Trick, denn man allerdings lesen muss, um ihn verstehen zu können.
Es ist auch der Moment, in dem Jari Jascha verfällt, er bleibt an ihrer Seite, begleitet sie bis zu ihrem Haus im Wald. Sie bietet ihn eine Unterkunft für die Nacht an, welche er gerne annimmt, doch aus einer Nacht, werden Tage und aus Tagen Wochen, bis Jari letztlich die Realität aus den Augen verliert und sich in einen Jäger verwandelt.

Meine Meinung:
Antonia Michaelis war mir schon durch „Den Märchenerzähler“ und „Die Nacht der gefangenen Träume“ ein Begriff. Besonders ihr einmaliger Schreibstil hat es für mich geschafft, dass sie eine meiner Lieblingsautorinnen ist und auch „Solange die Nachtigall singt“ kann mit einer Portion Poesie in wenigen Worten aufwarten. Der Schreibstil hat also seine bekannte Magie versprüht, nur der Rest, da habe ich keine Ahnung, was das war.

Die Geschichte klingt seltsam und genau so ist sie – seltsam. Es hat ein bisschen etwas von einem Mystery – Horror Szenario gehabt, was die Atmosphäre definitiv den Leser liefern konnte. Der geheimnisvolle Wald, dichter Nebel, rasche Szenenwechsel, plötzliches Auftauchen und Verschwinden, ja, es war alles sehr seltsam in der Geschichte und durchaus einnehmend. Was mich irgendwann gestört hat, waren diese dauerhaften Wiederholungen, die kein Ende nehmen wollten. Jascha ist verschwunden, taucht wieder auf, sie springt um Jari herum, der langsam den Verstand verliert, es geschehen komische Dinge und es geschehen noch mehr komische Dinge und eigentlich geschieht nichts aussagekräftiges. Mich hat das Buch einfach zu langweilen begonnen und da war noch nicht einmal die Hälfte der Geschichte erreicht, einzig der Schreibstil und die überspringende Atmosphäre ließ mich durchhalten, wobei gelohnt hat es sich nicht wirklich.

Es ist so, man liest immer wieder kleine Einschübe aus der Vergangenheit im Buch, wie es eben dazukam, dass Jascha jetzt alleine im Wald lebt und durch diese kurzen Sprüngen, kann man sich relativ leicht eine Geschichte zusammendichten, wie „Solange die Nachtigall singt“ enden könnte, dass es dann tatsächlich so kam, wie ich es mir vorgestellt hat, war kein Überraschung für mich. Es ist vorherzusehen, wie sich das Ganze entwickelt und welche Richtung es einnimmt.

„Ganz alleine sein ist schrecklich. Der Wind heult draußen, wenn du ganz allein bist, und klagt und weint in den Ästen. Die Kälte wird unerträglich kalt und die Dunkelheit unerträglich dunkel. Und in den Ecken lauert die Angst. Wenn du ganz allein bist im Wald, wirst du verrückt. Dann bist du verloren. Ausgeliefert. Hilflos. Dann hat dich die Nacht.“ (Seite 36)

Was die Autorin wirklich gut kann, ist die Grenzen zwischen Realität und Fiktion so zu verwischen, so dass man als Leser irgendwann selbst an sich zu zweifeln beginnt, dutzende Male nachdenken muss über eine Situation, nur um dann zu keinen Ergebnis zu kommen. Man kann die Geschichte nur wirken lassen, darf sich nicht den wirren Gedankengängen hingeben, denen man vielleicht versucht ist nachzuhängend, dann nämlich glaube ich, hat man sich verloren, oder vielleicht war dies auch mein Fehler, ich bin nicht verloren gegangen, weil ich ein viel zu rational denkender Mensch bin und mich auf viele Situationen nicht eingelassen habe. Eventuell wird das Leseabenteuer deutlich höher, wenn man die Realität loslässt und sich ins Buch fallen lässt, wie gesagt, ich konnte es leider nicht, weshalb das Buch mich nicht überzeugt hat.

Fazit:
Eine einzigartige Atmosphäre, die durch den Schreibstil von Antonia Michaelis fassbar macht, bestimmt das Buch und die Geschichte, nur leider war es das auch schon. Geprägt von Wiederholungen und Langatmigkeit, kann ich keine Empfehlung für „Solange die Nachtigall singt“ abgeben.
44 Kommentare15 von 20 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 1. November 2015
Ich habe mir das Buch gekauft, weil ich bereits den Märchenerzähler kenne und den besonderen Schreibstil von Antonia Michaelis sehr gemocht habe. Sie schreibt sehr Märchenhaft, poetisch und anschaulich.

Kritik:
Zuerst muss ich sagen, dass mir das Buch anfangs sehr gut gefallen hat, doch dann wurde es immer absurder. Es war spannend, gut geschrieben und mysteriös. Die Charaktere wurden mir im Laufe der Geschichte aber immer unsympathischer, ihr Verhalten war meines Erachtens nicht mehr nachvollziehbar und bei einigen Handlungssträngen konnte ich nur noch mit dem Kopf schütteln. Jedoch war die Geschichte für mich trotzdem spannend und ich wollte unbedingt das Ende erfahren.
Der Schluss des Buches hat mich etwas enttäuscht und mich mit sehr gemischten Gefühlen zurück gelassen. In dem Buch ist nichts wie es scheint und das macht es gleichzeitig sehr spannend aber auch verwirrend und an den Haaren herbeigezogen. Das Verhalten des Hauptprotagonisten ist für mich nicht schlüssig.
Trotzdem hat es mich gefesselt. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Ich denke, wenn man sich voll und ganz auf die Geschichte einlässt, es ein Buch ist, dass einen in sein Bann zieht. Bei mir hat es das geschafft, trotz der Unstimmigkeiten in den Handlungen der Protagonisten und den Szenen, die man gerade bei der Altersempfehlung getrost weglassen hätte können.
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am 10. Februar 2013
Ich bin ein bisschen zwiegespalten, was dieses Buch angeht.
Auch ich war nach dem Märchenerzähler euphorisch und wollte unbedingt weitere Bücher der Autorin lesen.
'Solange die Nachtigall singt' fängt atmosphärisch und düster-spannend an, zieht einen als Leser in einen tiefen Sog ... und dann, ab etwa der Hälfte, habe ich die Geduld verloren. Ich habe trotzdem weitergelesen und ich wollte auch wissen, wie es ausgeht, es ist ein gutes, gut geschriebenes und absolut lesenswertes Buch - aber die Faszination vom Märchenerzähler, diesen meisterhaft geschmiedeten Spannungsbogen konnte es nicht erreichen.

Ein bisschen hatte ich das Gefühl, die Autorin will zu viel. Die schöne Sprache, die überbordend schönen Bilder, die gewaltige Stimmungsmalerei - das kann sie gut, das wurde schon beim Märchenerzähler hoch gelobt, das treibt sie hier auf die Spitze. Das Buch spielt in einem düster-schönen Nebelwald im Nirgendwo zwischen Deutschland, Tschechien und Polen, einem Märchenwald mit einer Höhle und einem grundlosen schwarzen See und Rosen in einer Schlucht und Büschen voller reifer Schlehen. Mit einem Wolfsrudel und der Legende einer Bärin, die ihre drei Jungen sucht.
Das Buch beginnt in einem goldenen Herbst und dämmert in einen glitzernd weißen Winter hinüber. Die Farben, die Düfte, die herbstliche Stimmung - es haut einen um beim Lesen. Wirklich.
Und dann verliert sie sich in der Schönheit. Zumindest hatte ich beim Lesen dieses Gefühl. Der Tischlergeselle Jari wird von einem schönen Mädchen in den Wald gelockt, verbringt die Nacht in ihrem wunderschönen Haus und verliert sich in ihrer Welt. Er findet nicht mehr aus dem Wald hinaus, und bald will er das auch nicht mehr. Der Wald aber hütet ein düsteres Geheimnis und das Mädchen ist nicht, was sie scheint und das Haus ist voller Spiegel und ausgestopfter Tiere. Jari weiß bald nicht mehr, was Realität und was Traum ist. Der Leser auch nicht. Das hat seinen Reiz.
Doch dann häuft die Autorin Episode auf Episode, Traum auf Traum. Die Geschichte kommt ins Stocken, Jari dreht sich im Kreis. Der Leser auch. Vielleicht ist das Absicht. Aber mich hat es aus der Faszination herausgerissen, ich wollte wissen, wie es weitergeht.
Das Ende, die Auflösung fand ich ... tja, fast ein bisschen zu einfach für die enorme Erwartungshaltung, die vorher aufgebaut wird. Das hat mich ein wenig enttäuscht. Vielleicht wäre das anders gewesen, hätte ich nicht die vorherigen fünfzig oder hundert Seiten in manchen Passagen nur noch überflogen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich - auf den Mittelteil bezogen - mit surrealen Traumwelten nur bedingt etwas anfangen kann, sofern sie nicht eine konkrete Auswirkung auf die Realität haben.

Das ist kein Verriss, auch wenn er stellenweise so klingt.
'Solange die Nachtigall singt' ist ein märchenhaftes, düsteres, lesenswertes Buch, das viel Spaß macht und sich spannend anlässt - nur im Mittelteil etwas Geduld vom Leser verlangt. Allein die wunderschöne Sprache macht es schon empfehlenswert.
Nur kann es - für mich - nicht ganz die hohen Erwartungen erfüllen, die ich nach dem Märchenerzähler an das Buch gestellt hatte.
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am 11. September 2012
Jari ist gerade achtzehn geworden und hat seine Tischlerlehre bei seinem Vater abgeschlossen. Bevor er ins harte Arbeitsleben einsteigt, möchte Jari sein Freiheit noch ein letztes Mal in vollen Zügen genießen und beschließt, im Wald an der Grenze zwischen Deutschland, Tschechien und Polen, zwei Wochen wandern zu gehen. Doch seine Pläne werden über den Haufen geworfen, als er Jascha begegnet, deren Schönheit so rein und so vollkommen ist, dass Jari sich ihr nicht entziehen kann. Er folgt ihr zu der kleinen Hütte, in der sie vorgibt seit dem Tod ihres Vaters alleine zu leben. Eigentlich wollte er nur eine stürmische Nacht mit der dunkelhaarigen Schönheit verbringen, doch ohne es zu merken, bindet sich Jari immer mehr an Jascha und aus dem ruhigen und unscheinbaren Tischlergesellen wird ein Jäger, der sein Mädchen vor den Gefahren des Nebelwaldes beschützen möchte. Doch Jari muss schnell herausfinden, dass diese Gefahren ganz anderer Natur sind, als es den Anschein hat. Denn das Böse versteckt sich nicht im Gewand eines Wolfes oder Bären und der Wald, mit all seiner vollkommenen Schönheit, birgt mehr Geheimnisse als Jari jemals für möglich gehalten hätte... .

Nachdem mich Antonia Michaelis Werk "Der Märchenerzähler" sprachlos zurückgelassen hat - so schockierend und brutal, aber ebenso zärtlich, poetisch und liebevoll wird die Geschichte erzählt - , fieberte ich ihrem neuen Werk gespannt entgegen. Die Idee eines verwunschenen Waldes, bewohnt von einem ebenso schönen, wie geheimnisvollen Mädchen, klang absolut faszinierend und aufgrund meiner Begeisterung für "Der Märchenerzähler" waren meine Erwartungen natürlich sehr hoch.

Gleich zu Beginn des Romans wird der Leser mit Jari, aus dessen Sicht wir die Geschehnisse erfahren, bekannt gemacht. Jari ist ein junger Mann, der von Selbstzweifeln zerfressen ist. Er sieht sich immer nur als Anhängsel seines Vaters oder besten Freundes. Als eigene Persönlichkeit scheint er von anderen nicht wahrgenommen zu werden. Kein Wunder, denn er selbst nimmt sich so auch nicht wahr. Um endlich herauszufinden, wer Jari Cizek wirklich ist, begibt er sich auf eine Art "Selbstfindungstrip" in den nächstgelegenen Wald. Geplant war, dass er dort für zwei Wochen wandern geht, um danach bei seinem Vater zu arbeiten, doch als Jari Jascha kennen lernt, merkt der Leser schnell, dass sich Jaris Pläne wohl ändern werden.

Jari selbst empfand ich als einen sehr angenehmen Protagonisten. Er ist ein ruhiger und nachdenklicher Mensch, der für sein Alter schon ziemlich reif zu sein scheint. Ich persönlich habe es sehr genossen, in Jaris Gedankenwelt abzutauchen, denn diese ist unheimlich poetisch, voller Bilder und Metaphern und Jaris Blick für das Wesentliche und die Schönheit dieser Welt ist wirklich augenöffenend. Frau Michaels versteht es wie keine andere, ihre Leser alleine durch ihren märchenhaften Schreibstil und die melancholische Stimmung, die dieser erzeugt, an ihre Romane zu fesseln.

Als Jari Jascha kennenlernt, kommt eine Art subtiler Spannung auf, die bei mir während des Lesens eine Beklemmung und Bedrängnis auslöste, die ich mit Worten gar nicht beschreiben kann. Es war beinahe so, als sei ich selbst in diesem Wald, der voller Geheimnisse und Gefahren ist, gefangen, wie in einem Labyrinth, in dem ich mich immer wieder verlaufe und den Ausgang nicht finde. Jari selbst scheint dieses Gefühl anfangs nicht zu verspüren, da Jaschas makellose Schönheit in für alle lauernden Gefahren blind zu machen scheint. Doch schon bald erkennt Jari, dass mit Jascha irgendetwas nicht stimmt und dass sie das vielleicht größte Geheimnis des Nebelwaldes ist.

Wer ist sie? Wieso scheint sie immer an mehreren Orten gleichzeitig zu sein? Wie kann es sein, dass sie im einen Moment Narben an Stellen hat, an denen im nächsten keine mehr sind? Man versucht, sich nicht blenden zu lassen und hinter Jaschas Geheimnis zu kommen. Würde man sehr genau lesen, würde es einem sicherlich gelingen, doch wie Jari lässt man sich von Jaschas unschuldiger Art und ihrer Schönheit verführen. Was ist Realität und was Einbildung? Und welches Geheimnis verbirgt sich hinter Jaschas schöner Fassade?

Diesem Geheimnis kommt der Leser Stück für Stück immer mehr auf die Schliche, da Frau Michaelis einen zweiten Handlungsstang in ihre Geschichte miteinwebt. Zwar nimmt dieser Handlungsstang nur einen minimalen Teil der Geschichte ein, er ist aber ebenso spannend und märchenhaft erzählt wie der Haupterzählstrang. Man kommt Jaschas Geheimnis dadurch relativ schnell auf die Spur und glaubt schon zu wissen wie der Roman verlaufen wird. Erstaunlicherweise - und in meinen Augen macht genau das die Geschichte so undurchschaubar und spannend -, löst die Autorin dieses "Geheimnis" aber selbst recht schnell auf. Wieso die Geschichte dadurch noch spannender wird? Da Jaschas Existenz durch die Enthüllung nicht weniger verwirrend und mysteriös wird, sondern im Gegenteil eher noch unheimlicher.

Unheimlich ist dieser Roman stellenweise wirklich sehr. Nicht nur einmal habe ich mich dabei erwischt, wie ich selbst ganz ängstlich wurde, als sich mal wieder das Gefühl der Beklemmung einstellte, wenn Jari seltsame Entdeckungen macht. Dieser Roman ist atmosphärisch wirklich unheimlich dicht und beinhaltet so viele skurrile, merkwürdig abstrakte und schaurige Szenen, dass es zumindest mir während des Lesens teilweise ganz anders wurde. Gerade Jari verändert sich im Beisein des Mädchens auf geradezu erschreckend negative Art und Weise.

Auch wenn das bisher alles sehr spannend und ganz nach einem besonders guten Leseerlebnis klingt, muss ich leider sagen, dass mich "Solange die Nachtigall singt" stellenweise ein wenig enttäuscht hat. Der Roman ist durchweg extrem verwirrend und in meinem Kopf herrschte während des Lesens ein ganz schönes Durcheinander. So viele Rätsel gibt Frau Michaelis ihren Lesern auf, von denen zumindest ich hoffte, dass sie gegen Ende zufriedenstellend aufgelöst werden würden. Leider ist es aber mal wieder der Schluss, der mich enttäuscht hat. Die Autorin hat versucht das Durcheinander, das die vielen Anspielungen und Unklarheiten hervorriefen, innerhalb von zehn Seiten zu entwirren. Dass das nicht klappen kann, schon gar nicht auf authentische und nachvollziehbare Weise, ist wohl jedem klar. Es erschien mir ganz so, als habe die Autorin selbst nicht so recht gewusst, wie sie die Fäden entwirren soll, sodass sie am Ende alles nochmal komplett über den Haufen wirft und eine Erklärung findet, die so vollkommen absurd ist, dass sie einer ausführlichen Schilderung bedurft hätte, die aber vollkommen ausbleibt.

Gerade der Schluss ist es mal wieder, der den Roman in meinen Augen ganz schön runterzieht. Der märchenhafte Schreibstil und die faszinierende Idee, die dem Roman zugrunde liegt, leidet unheimlich unter den vielen Anspielungen, die den Leser einfach nur verwirren und dem absolut nicht zufriedenstellenden Schluss. Da Frau Michaelis aber mal wieder bewiest, dass sie ganz wunderbar schreiben kann und ihre Ideen immer wieder innovativ und spannend sind, sodass man sich dem Sog, den der Roman erzeugt, nicht entziehen kann, kann ich "Solange die Nachtigall singt" dennoch auf jeden Fall besten Gewissens weiterempfehlen.
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