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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Dunkle Romantik, 12. Januar 2013
Von 
vully "vully" (Neuhausen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Das Jahr 2013 bietet so viele Jubiläen - vor allem die 200. Geburtstage von Wagner und Verdi, aber eben auch den 40. Todestag von Otto Klemperer, dem die EMI eine ganze Reihe von Alben widmet, entsprechend seinem "Altersrepertoire" mit einem deutschen klassisch-romantischen Schwerpunkt. Eines der spannendsten Alben ist diese Zusammenstellung der Orchesterwerke (ohne Konzerte), des Deutschen Requiems und der Altrhapsodie von Johannes Brahms (der 2013 seinen 180. Geburtstag feiern könnte).

Klemperers Aufnahmen zeichnen sich generell durch eine große Strenge, ja Schroffheit aus, wirken trotz relativ langsamer Tempi nie träge. Die reinen Orchesterwerke (das Requiem möchte ich da ausnehmen) sind durchaus transparent geraten. Der Klang wird dominiert durch die tieferen Stimmen, die dunkleren Farben. Das ist durchwegs spannend, besonders in der eigentlich doch so sommerlichtdurchfluteten 2. Sinfonie, die in dieser Interpretation eine große Ernsthaftigkeit und Klarheit, eine ganz eigene Melancholie bekommt. Die Sammlung beginnt mit den Haydn-Variationen, die ich selten in einer solchen Intensität gehört habe.

Allerdings sind nicht alle Aufnahmen gleich gelungen - der erste Satz der 3. Sinfonie etwa hat nicht ganz die Spannung, die er bräuchte. Das mag an Klemperers angegriffener Gesundheit gelegen haben, der in den letzten Jahren seines Lebens teilweise gelähmt war und zudem durch eine schwere Brandverletzung stark gehandicapt war.

Nicht ganz glücklich bin ich mit der Aufnahme des Deutschen Requiems, auch wenn sie nach ihrem Erscheinen hochgelobt wurde. Sie leidet unter einem mulmigen Klang, der sehr große Chor singt wenig transparent und Elisabeth Schwarzkopf hat Probleme mit der sehr exponierten Lage ihrer Arie "Ihr habt nun Traurigkeit." Deshalb der eine Punkt Abzug.

Wunderbar gelungen ist dafür die Aufnahme der Altrhapsodie mit (und wegen) Christa Ludwig als Solistin.

Insgesamt eine nicht nur zu diesem Preis sehr empfehlenswerte Sammlung.

Übrigens hat Klemperer auch eine der besten Aufnahmen des Brahms'schen Violinkonzerts mit David Oistrach als Solisten hinterlassen - die allerdings auf einem anderen Album der Reihe erschienen ist.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klemperers Brahms-Vermächtnis, 10. März 2014
Von 
Klassikfreund (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Diese Zusammenstellung vereinigt zwei ältere EMI-Boxen und bietet daher eine tollen Einblick in Otto Klemperers Brahms-Sicht. Da ich beide Boxen bereits rezensiert habe, möchte ich die beiden Kritiken hier nun zusammenführen.

I. Die Sinfonien, Ouvertüren, Alt-Rhapsodie und Haydn-Variationen

"Gipfeltreffen zweier Titanen", 5/5 Sterne

Johannes Brahms und Otto Klemperer, zwei Meister der Musik, hier der später gedrungene, in sich gekehrte, ruhige Hamburger, dort der unbeirrbare, knurrige Hüne aus Breslau. Beide finden in dieser Edition zusammen. Und es ist faszinierend zu sehen, was aus der Musik des einen unter der Leitung des anderen wird.

Die EMI-Box vereinigt Klemperers Brahms-Interpretationen mit dem Philharmonia Orchestra aus den Jahren von 1954 bis 1962:

CD 1
- Variationen über ein Thema von Haydn, Op. 56a (1954, mono)
- 1. Sinfonie (1956/57)

CD 2
- 2. Sinfonie (1956)
- 3. Sinfonie (1956/57)

CD 3
- Akademische Festouvertüre (1957)
- Tragische Ouvertüre (1957)
- Alt-Rhapsodie mit Christa Ludwig (1962)
- 4. Sinfonie (1956/57)

Der gemeinsame Nenner

Setzt man Klemperer in direkten Vergleich zu zwei anderen großen Zeitgenossen, läßt sich seine Sicht auf Brahms am ehestens erfassen. Einerseits haben wir Wilhelm Furtwängler, den großen Romantiker, dessen Brahms-Interpretationen vom dramatischen Moment geprägt sind und dessen Spektrum in den Kriegsjahren von durchdringendster Ekstase bis zu einer hochklassischen Sicht am Ende seines Lebens reicht. Anderseits ist da der Humanist auf dem Podium, Bruno Walter. Sein Brahms zeichnet sich durch eine zutiefst menschliche, bejahende und versöhnliche Sicht aus.

Und wir haben Otto Klemperer, dessen Brahms-Interpretationen meiner Meinung nach ebenso individuell und in ihrer Form unerreicht sind, wie die der zuvor genannten Meister. Hier hören wir einen Brahms von titanischer Größe, äußerst stringent gespielt und mit einem dunklen Glanz, den man nur bei Klemperer finden kann. Er betont das Große, das Absolute des norddeutschen Meisters.

Einzelbetrachtungen

Dieser dunkle, titanische Ansatz geht bei den Sinfonien voll und ganz auf. Hier gelingt Klemperer ein homogener, gewaltiger und überzeugender Brahms. Fast scheint es so, als fänden sich hier der geniale Komponist und sein kongenialer Interpret, als erfasse der Dirigent das Absolute der Musik vollkommen uneingeschränkt. Gelungen sind ebenso die beiden Ouvertüren. Wer sich für einen faszinierenden Kontrast zur Akademischen interessiert, dem sei Walters Einspielung nahegelegt. Die Alt-Rhapsodie ist genausogut getroffen. Einzig die Haydn-Variationen verfehlen meinen Geschmack. Wo bei der Akademischen Festouvertüre Klemperers Monumentalität verfängt, hier tut sie es nicht. Ich kenne sechs der sieben Furtwängler-Aufnahmen und bin der Meinung, daß Klemperer die Farbigkeit und das Heitere des Stücks leider nicht findet.

Zu loben ist daneben noch das Spiel des Philharmonia Orchestras, das sich geradezu in Klemperers Bann zu befinden scheint und darunter zu regelrechten Höhenflügen anhebt. Die EMI hat technisch einiges geleistet, und abgesehen von der einen Monoaufnahme sind diese mehrheitlich aus den Fünfzigern stammenden Einspielungen klanglich außerordentlich gut gelungen.

Klemperer, der Besondere

Diese dunkle Sicht kann an manchen Stellen extrem werden, aber Klemperers Interpretationen gehören zu den großen Brahms-Visionen. Sicherlich sind sie damit nicht jedermanns Sache, aber musikalisch doch eindeutig hervorragend – für sich wie im Vergleich mit anderen.

Manchem Hörer mag die schiere Größe überwältigen, die monumentale Geradlinigkeit überfordern, vielleicht zu Beginn an der einen oder anderen Stelle spröde oder trocken anmuten. Aber wer im absoluten Komponisten Brahms einen Titanen sucht, der wird ihn hier finden!

II. Ein Deutsches Requiem (CD 4)

"Klemperers DEUTSCHES Requiem", 4/5 Sterne

Bekannt ist, daß Johannes Brahms schrieb, daß er "[...] gern auch das >Deutsch< fortließe und einfach den >Menschen<" setzen würde. Das ist insofern relevant, als daß dieser Umstand viel darüber aussagt, wie der Komponist sein Requiem selbst sah. Und ich finde, darin liegt das Problem dieser Interpretation.

Otto Klemperer und sein Philharmonia Orchestra harmonieren auch in dieser Brahms-Aufnahme aus dem Jahr 1961 ganz hervorragend. Die Solisten, Elisabeth Schwarzkopf (Sopran) und Dietrich Fischer-Dieskau (Bariton) überzeugen ebenso wie der Philharmonia Chorus, der aber etwas breit singt.

Doch nun zum bereits erwähnten Problem, und ich möchte betonen, daß dies keineswegs eine unwürdige Interpretation des Werks ist. Ich möchte lediglich auf die Besonderheit der Einspielung hinweisen. Meiner 4-Sterne-Wertung ist zu entnehmen, wie ich dazu stehe.

Klemperer, der Meister des Tragisch-Monumentalen trifft hier auf Brahms' "Deutsches Requiem", soweit so gut. Aber bei seiner Interpretation hat das Gewaltige, das Dunkle für meinen Geschmack zuviel Gewicht, so daß es mir gelegentlich zu sehr in eine trocken-spröde Monumentalität abdriftet. Und daraus ergibt sich das Dilemma, daß genau die Seite, die Brahms bei der Namensgebung ansprach, das Menschliche, ein wenig zu kurz kommt. Denn sein Requiem ist mitnichten die toternste und tieftraurige Totenmesse, die man hinter dem Titel vermutet. Es ist weniger das direkte Beklagen des Verlustes, als ein Sinnieren, ein Meditieren über den Tod. Es ist damit weniger eine anlaßbezogene Klage als vielmehr eine innere, zutiefst persönliche Beschäftigung mit der Sterblichkeit.

Ginge es darum, den Namen eines Werkes möglichst treffend umzusetzen, wäre Klemperers Interpretation eine Punktlandung. Der deutschen Seele wird schließlich immer ein gewisser Tiefgang, eine Form der Gedanken- und Gemütsschwere nachgesagt, die der Dirigent hier eindeutig trifft. Allerdings kommt mir in dieser dunklen, trockenen Sicht das Menschliche etwas zu kurz. Für mich besteht ein Unterschied zwischen der Klage über den Verlust eines Menschen und der inneren Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod. Künstlerisch kann man an dieser Aufnahme kaum etwas bemängeln, aber interpretatorisch treffen Christian Thielemanns menschlich-farbenfreudigere Sicht und Wilhelm Furtwänglers dramatischere Requiem-Interpretationen meinen persönlichen Geschmack mehr.

Ich will keinesfalls ein "Deutsches Requiem", das einen heiteren Grundton hat, aber meines Erachtens besteht bei diesem Werk mit seinem spezifisch dunklen Grundton die Gefahr, daß man den Bogen überspannt, wenn man diesen Grundton zusätzlich noch "abdunkelt". Nun überspannt Klemperers Aufnahme den Bogen nicht, aber sie spannt ihn doch aufs Äußerste. Und sollte bei einer Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit letztlich nicht auch das versöhnliche Element das entscheidende sein? Diese Seite des "Deutschen Requiems" kommt mir leider zu kurz.

Als Einstieg würde ich diese Aufnahme nicht empfehlen, da man als Hörer Gefahr läuft, keinen Gefallen am Werk zu finden. Als weitere, vertiefende Interpretation eignet sich Klemperers großartige wie gewaltig dunkle Sicht aber allemal.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr ernsthaft, herrlich spröde, 24. August 2013
Von 
Knorpel Weise (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Für mich ist Klemperers Zugriff auf diesen Brahms etwas Besonderes. Niemand hat ihn so ernsthaft, so durchdacht angepackt und nur wenige ihn so spannend dirigiert. Es stimmt, die Aufnahmen wirken im Vergleich mit denen anderer Dirigenten etwas spröde (siehe dazu auch die Ausführungen in den Kommentaren zu dieser Rezension). Ich bin fast versucht, das auf die Aufnahmezeit zu schieben. Ältere Aufnahmen klingen ja allgemein etwas knackiger als die aus den 70er oder 80er Jahren. Heute geht die Tendenz bei den Aufführungen auch wieder eher in Richtung Trockenheit und Klarheit. Insofern sind Klemperers Aufführungen heute überaus zeitgemäß. Klassiker sind sie ja so und so.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Ringen von Brahms, nach Beethoven weitere Sinfonien zu schreiben ..., 2. April 2014
Von 
Es ist überliefert, wie sehr Brahms gerungen habe, um nach Beethoven noch Sinfonien schreiben zu können.

Genau das macht Klemperer deutlich : das Ringen von Brahms um und in der Sinfonie. Da plätschert kaum einmal die Musik leicht und perlend dahin - Klemperer und das Orchester mühen und plagen sich hörbar. Eine einzigartige Aufnahme - eher herb und kraftvoll. Ich kenne keine andere Aufnahme, die den Kampf von Brahms so deutlich abbildet.

Das Klangbild entspricht übrigens der Interpretation : nicht glitzernd hell, sondern (altersbedingt - aufgenommen rund um 1960 in Stereo) etwas verhangen und den Gesamtklang gegenüber detaillierter Auflösung betonend. (Kein Nachteil, sondern das Spezielle dieser Einspielung noch unterstützend.)

Auch wenn man schon andere Aufnahmen gesammelt hat - diese hier sollte nicht fehlen. (Noch dazu um diesen Sonderpreis - ich habe diese Aufnahmen noch deutlich teurer als Einzel-CDs erworben.)
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine tolle CD-Ausgabe, 18. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Diese Ausgabe aus dem Jahr 2013 enthält zu dem guten Preis nicht nur die in den Jahren 1992 und 1999 remasterte Klemperer-Ausgabe aller 4 Sinfonien aus dem Jahr 2004 (ASIN: B00018GJHY Brahms: Sinfonien Nr.1-4 / Ouvertüren ), sondern auch die im Jahr 1997 remasterte Klemperer-Ausgabe des Deutschen Requiems aus dem Jahr 2012 (ASIN: B006LL02PK Ein Deutsches Requiem ). Nach wie vor ist die Klemperer-Einspielung absolute Spitze neben der von Giulini (Sinfonien ASIN: B000AA7DOG Brahms:the Complete Symphonies bzw. B004RRW4J2 Sämtliche Sinfonien sowie Requiem ASIN: B000025WXR Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem (Gesamtaufnahme) ) und neben der von Abbado (Sinfonien ASIN: B0000012V3 Brahms - 4 Symphonien sowie Requiem ASIN: B000001GI5 Ein Deutsches Requiem ). Daran ändert auch so manche andere Aufnahme nichts. Carlos Kleiber veröffentlichte ja nur die Sinfonie Nr. 4 und bleibt damit leider eine tolle Ausnahme (ASIN: B000006NXP The Originals - Brahms 4. Sinfonie ). Neben Giulini und Abbado ist Klemperer bei Brahms ein unverzichtbarer Meister, der durch seine Einspielungen den interessierten Hörer immer wieder erstaunen lässt. Eine tolle CD-Ausgabe, die man in der preisbewussten Form bei Abbado z. B. vermisst. Nur bei der sehr düsteren Cover-Gestaltung und bei der fehlenden Farbvariation des CD-Aufdruckes würde ich mir eine Verbesserung wünschen. Die CD-Hüllen aus Pappe bieten keine besonders schonende Aufbewahrung und wurden von mir durch geeignetere CD-Papierhüllen ergänzt. Das Booklet enthält auch Angaben in deutscher Sprache.
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