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23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniales Gerichtsdrama
Eine Vergewaltigung ín einer Kleinstadt. Ein Rachemord im Affekt. Ein zwielichtiger Mandant, eine untreue Ehefrau und ein Duell zwischen Ankläger und Verteidiger, die beide gleichermaßen eiskalt wie genial sind. Aus diesen Zutaten konstruiert das Regiegenie Otto Premminger einen der genialsten Gerichtsfilme, die ich je sah. Allerdings ist er keine...
Veröffentlicht am 26. März 2003 von Sören Haase

versus
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wer war es und warum nicht?
Rechtsanwalt Paul Biegler (James Stewart) kommt aus dem geliebten Angelurlaub zurück und wird gleich mit einem möglichen Gerichtsfall konfrontiert. Leutnant Manion (Ben Gazarra) sitzt im Knast, weil er aus Rache den Mann getötet haben soll, der zuvor seine Frau Laura (Lee Remick) vergewaltigt hatte. Da die Tötung eindeutig auf Manion...
Vor 20 Monaten von Matthias Haas veröffentlicht


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23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Geniales Gerichtsdrama, 26. März 2003
Rezension bezieht sich auf: Anatomie eines Mordes (DVD)
Eine Vergewaltigung ín einer Kleinstadt. Ein Rachemord im Affekt. Ein zwielichtiger Mandant, eine untreue Ehefrau und ein Duell zwischen Ankläger und Verteidiger, die beide gleichermaßen eiskalt wie genial sind. Aus diesen Zutaten konstruiert das Regiegenie Otto Premminger einen der genialsten Gerichtsfilme, die ich je sah. Allerdings ist er keine leichte Kost, kein idealistischer Film über Gerechtigkeit, an dem am Ende Wahrheit und Gerechtigkeit siegen. Er ist vielmehr eine filmische Studie des amerikanischen Rechtssystems, in dem die zwielichtige Moral amerikanischer Anwälte beleuchtet wird, d.h. keine dramatischen Effekte, dafür aber geschliffene Rededuelle und das köstlich ironische Spiel von James Stewart. Ein Meisterwerk in Schwarzweiß! Wer diesen Film nicht mag, ist selber schuld.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nichts für staubtrockene Juristen, 20. Oktober 2009
Von 
Tonio Gas - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Anatomie eines Mordes (DVD)
Ein Mann hat den Vergewaltiger seiner Frau erschossen, der Film schildert im wesentlichen den Mordprozess. Wie genial ist der Titel gewählt - Beinahejurist Otto Preminger leistet wirklich eine "Anatomie" und seziert die Tat, die Begleitumstände, aber auch die Gesellschaft und das Gerichtssystem. Messerscharf, klug und sehr böse. Einmal abgesehen davon, dass die Ereignisse mit einer für die US-Zensur des Jahres 1959 unerhörten Gründlichkeit (aber ohne Voyeurismus) aufgearbeitet werden, kommt hier vieles vor, das es im Gerichtsfilm noch nie gab und auch bis heute kaum einmal gibt. "Anatomie eines Mordes" ist anders. Nach einer klassischen "abgehalfterter Anwalt bekommt seinen großen Fall"-Einleitung geht es zur Sache. Den Anwalt spielt James Stewart, und hinter der Stewart-typischen, immer etwas schnöseligen, immer etwas bewusst übertriebenen (und manchmal ziemlich spaßigen) Attitüde lauert klar erkennbar der schlaue Fuchs. Ein gemeiner Fuchs zudem, der schön unsauber kämpft und genau weiß, dass der Richter mit einem "Meine Damen und Herren Geschworenen, betrachten Sie diese Aussage als nicht gehört" auch nichts mehr im Kopfe der Geschworenen rückgängig machen kann (endlich wird diese Absurdität des US-Prozessrechts einmal offengelegt). Hier gibt es keinen aufrechten Recken gegen ein unmenschliches System, auf keiner Seite. Und Gerechtigkeit auch nicht. Wahrheitsfindung schon gar nicht. Das Genialste an diesem Film ist vielleicht, dass Preminger am Ende vom Gerichtssystem, von einer sadomasochistisch angehauchten Ehe, von bestimmten gesellschaftlichen Vorurteilen ALLES aufgedeckt hat, aber von den Fakten so gut wie nichts. Preminger riskiert hier wirklich alles, nach viel Dialog spart er ausgerechnet die Plädoyers aus, und er macht auch sonst alles anders als in anderen Gerichtsfilmen. Letztlich zeigt dies, wie schwach einige der Konkurrenten doch sind, auch die besseren. Der Knalleffekt am Ende, er bleibt aus. Die Wahrheit bleibt relativ. Der Überraschungszeuge bringt auch nur weitere Mosaiksteinchen des Puzzles zutage, von denen niemand weiß, wie sie sich zusammenfügen. Das vorgeblich so gesunde Volksempfinden der Geschworenen kann man vergessen. Preminger schickt das alles auf den Strich, und gemeinerweise immer nur so haarscharf an den Konventionen vorbei, dass wir eigentlich diese ganzen Standardzutaten bis zum Ende immer noch erwarten. Wenn sie dann ausbleiben, sind wir aber von der analytischen Genialität so fasziniert, dass wir uns nicht über enttäuschte Erwartungen ärgern müssen. Auf gut deutsch, Preminger führt uns bewusst in die Irre, lässt uns dann im Dickicht allein und das finden wir auch noch toll.

Ist das nun nicht weniger, aber auch nicht mehr als genialer Zynismus, gar Nihilismus? Nein, und the human factor, ohne gefühlsduselig zu werden, ist in Lee Remick zu sehen. In der Rolle des Vergewaltigungsopfers leistet sie Bravouröses. Sie ist im Grunde, was Mann einen heißen Feger nennt, doch das bedeutet viel mehr als nur Auslöser der "sie hat ihn provoziert"-Mutmaßung zu sein. Remick liefert ein komplexes Porträt einer Frau, die weiß, wie saugut sie aussieht und das auch genießt (wie sie den Stewart zu Beginn verunsichert, führt zu ein paar wirklich schönen Lachern). Sie amüsiert sich auch gern mal, trinkt ein bißchen zu viel, geht gern aufgebrezelt auf die Piste - aber dann ist sie wieder die Unschuld vom Lande, die ihr Schoßhündchen über alles liebt und ihren Mann auch. Wir sehen diese Zerrissenheit, diese Unsicherheit hinter mutmaßlicher Selbstsicherheit, diese Abhängigkeit von einem, "der für sie da ist", in ihrem Gesicht, ihrem jähen Wechsel zwischen keck und keusch, zwischen herausfordernd und anlehnend. Preminger arbeitet das alles auch in extrem gegensätzlicher Kleidung und Aufmachung heraus, aber es steht alles schon in diesem Gesicht, in der Körperhaltung, in falschem Lachen und echtem Sehnen. Eigentlich ist das ein todtrauriges, sehr berührendes Porträt, aus meiner Sicht oscarwürdig gespielt. Und wie der Prozess auch ausgeht, Preminger, Remick und Ben Gazzara als Angeklagter zeigen in kleinen, aber deutlichen Gesten am Rande immer: Da hat sie sich wohl den falschen Mann ausgesucht. Wie immer die Geschworenen entscheiden werden - in der Rechtssache "Fortführung der Ehe" tendieren die Chancen gegen Null. Von daher ein Film, der gleichermaßen etwas für den Verstand und für das Gefühl bietet, wobei diese beiden Elemente einander ergänzen und miteinander verwoben sind, anstatt sich auf die Füße zu treten.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großer Haufen Abfall, 3. Juli 2012
Von 
Tristram Shandy - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Anatomie eines Mordes (DVD)
(Vorsicht, Spoiler!)

Das ist alles, was der Kleinstadtanwalt Paul Biegler (James Stewart) und sein Adlatus Parnell McCarthy (Arthur O'Connell) auf dem Wohnwagenpark wiederfinden, als sie nach abgeschlossenem Prozeß ihren Klienten und dessen Frau aufsuchen, um sich ihr Honorar zu holen. Das junge Ehepaar hat sich aus dem Staub gemacht, ohne seine Schulden zu bezahlen, und das, was sie zurückgelassen haben - leere Alkoholflaschen und ein ruinierter Damenschuh - spricht dafür, daß es am Vorabend sehr turbulent zugegangen sein muß.

Ein zynischer Abschluß für einen schonungslos ehrlichen Film. 1959, als er in die Kinos kam, war Otto Premingers "Anatomy of a Murder" zwar vor allem wegen der Offenheit, mit der in den Gerichtsszenen über Vergewaltigung und Sexualität gesprochen wurde, heftig umstritten - der Fama nach soll sogar Stewarts Vater öffentlich zum Boycott gegen diesen von ihm als "unanständig" gebrandmarkten Film aufgerufen haben -, doch wenn der moderne Zuschauer, trainiert durch den Genitalhumor unzähliger amerikanischer und in deren Gefolge auch europäischer Erfolgsserien sowie zivilisatorischer Meisterwerke wie "Hangover", in bezug auf Körpersäfte mittlerweile hart im Nehmen ist, so vermag die Illusionslosigkeit, mit der das Gerichtswesen gezeichnet wird, auch heute noch zu schockieren - denn wir wollen ja alle nur das Beste und lassen es uns gern von allmächtigen Institutionen versprechen.

"Anatomy of a Murder" ist in zweierlei Hinsicht ein ganz besonderer Gerichtsfilm. Er erzählt von dem - nachdem man ihn im Hinblick auf seine Karriere ausgebootet hat - an seinem Beruf irre gewordenen Kleinstadtanwalt Paul Biegler, der lieber Fischen geht, als sich seiner Profession zu widmen. Biegler übernimmt, zunächst eher widerwillig, die Verteidigung des Leutnants Frederick Manion (Ben Gazzara), der den Gastwirt Barney Quill erschoß, weil dieser angeblich Manions Frau Laura (Lee Remick) vergewaltigt hatte. Die erste Besonderheit von "Anatomy of a Murder" nun ist, daß Preminger wirklich die Mühlen der Justiz in den Vordergrund stellt und wir - mit der Ausnahme der Plädoyers am Ende - fast alles sehen, was einen Gerichtsprozeß ausmacht. Wir erleben mit, wie Biegler zunächst mit seinem zukünftigen Mandanten redet, wie er im Vorfeld Zeugen auf seinen Nutzen für ihn abklopft, und wir sehen jede Menge Kreuzverhöre, erregter Wortwechsel, ja wir sehen sogar, wie Biegler und McCarthy zusammen dicke Bücher wälzen, um einen Präzedenzfall auszugraben, der ihnen frommen können. Anders als in dem ebenfalls großartigen "12 Angry Men", den Sidney Lumet zwei Jahre zuvor ins Kino gebracht hatte, nutzt Preminger nicht die Kulisse des Prozesses als Hülle einer Allegorie, sondern es geht in "Anatomy of a Murder" recht eigentlich um das amerikanische Gerichtswesen.

Dieses, und hierin liegt die zweite Besonderheit dieses Filmes, wird einer äußerst kritischen Inspektion unterzogen, aus der es nicht ohne Schrammen hervorgeht. Zwar sinniert gegen Ende des Filmes der alte McCarthy, der zu Beginn noch allen Ernstes die trockenen juristischen Schinken in Bieglers Haus mit exotischen Blüten verglich, angerührt über das Geschworenengericht: "Twelve people go off into a room: Twelve different minds, twelve different hearts, from twelve different walks of life; twelve sets of eyes, ears, shapes, and sizes. And these twelve people are asked to judge another human being as different from them as they are from each other. And in their judgment, they must become of one mind - unanimous. It's one of the miracles of Man's disorganized soul that they can do it, and in most instances, do it right well. God bless juries." Allerdings zeigt Preminger zuvor, wie die Anklage und die Verteidigung diese Geschworenen nach allen Regeln der Kunst eingeseift und manipuliert haben. Dies geschieht manchmal recht plump und lautstark, aber deshalb wohl nicht minder effizient; bisweilen aber auch auf ziemlich subtile Weise. So spielt der bauernschlaue Biegler die Aversionen, die die krähwinkeligen Geschworenen gegen den großstädtischen Staatsanwalt Dancer (George C. Scott) haben mögen, geschickt gegen seinen Widersacher aus, indem er betont, ein Mann wie Dancer glaube wohl, mit einem Kleinstadtanwalt wie ihm leichtes Spiel zu haben. In der Verhandlung werden Zeugen instrumentalisiert, indem man ihnen im Vorfeld Worte in den Mund legt oder ihnen gar Haftminderung verspricht, wie es die Anklage tut. Doch auch Biegler ist eigentlich um keinen Deut besser, rät er vor Aufnahme des Prozesses seinem Mandanten in spe doch durch die Blume, auf temporäre Unzurechnungsfähigkeit zu plädieren, wobei die Armee schon den geeigneten psychiatrischen Gutachter finden werde. Daß dieser dann ausgerechnet einen so trivialen Namen wie Matthew Smith hat, mag seine Wirkung vor Gericht dann wieder einschränken, aber man kann ja nicht alles haben. Beiden, Dancer wie Biegler, scheint es nicht so sehr darum zu gehen, der Wahrheit vor Gericht zu ihrem Siege zu verhelfen, ihnen ist einzig am Triumph über ihren Gegenspieler gelegen. Kein Vergleich zu dem Anwalt Jonathan Wilk (Orson Welles) aus Richard Fleischers Gerichtsdrama "Compulsion" (ebenfalls 1959), der mittellose Klienten sogar ohne Honorar vertritt und noch einen Strafprozeß gegen zwei geisteskranke Mörder nutzt, um seinen mit Überzeugung geführten Feldzug gegen die Todesstrafe zu verfolgen! Vielleicht wirkt aber auch gerade deshalb "Anatomy of a Murder" aus heutiger Sicht weniger altbacken als "Compulsion". Die einzige erlösende Figur in diesem Gerichtssaal ist denn auch der Richter (Joseph N. Welch, übrigens ein wirklicher Jurist, und ein mutiger McCarthy-Gegner obendrein), der sich bemüht, die Spiegelfechtereien Bieglers und Dancers im Rahmen des Vertretbaren zu halten.

Ob nun Quill wirklich Laura Manion vergewaltigt hat oder nicht, dies bleibt am Ende offen. Lee Remick spielt die Ehefrau durchaus ambivalent, und so muß Biegler Laura denn auch ganz dezidiert Regeln für ihr Auftreten in der Öffentlichkeit während des Prozesses geben, denn eine in Nachtclubs herumhängende, Männerbekanntschaften schließende Strohwitwe ist in einer piefigen Kleinstadt zweifellos keine Sympathieträgerin. Auch die Beweggründe Manions für den Mord an Quill bleiben zweifelhaft - genau wie das Verhältnis zwischen den beiden Eheleuten. Das macht die beiden zu ganz anderen Mandanten als diejenigen, die John Travolta in "A Civil Action" (1998) gegen einen eindeutig bösen Robert Duvall oder gar Julia Roberts in "Erin Brockovich" (2000) vertritt.

Am Ende nämlich bleibt nichts als dieser garstige Müllhaufen, und Biegler und sein Partner, der durch den Prozeß immerhin mit dem Saufen aufgehört hat, überlegen, ob sie sich nicht zu Vermögensverwaltern der Alleinerbin des Mordopfers Quill aufschwingen sollten. Es erben sich Gesetz und Recht ...

Der Score des Filmes stammt übrigens fast zur Gänze von Duke Ellington, der auch einen Cameo im Film hat. Zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, unterstreicht er durch seine mondäne Note doch den Zynismus des Filmes - was ich durchaus als Kompliment meine.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wahrheitsfindung à la Preminger, 14. April 2013
Von 
Isabelle Klein "vintage books" (Würzburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Anatomie eines Mordes (DVD)
Regie: Otto Preminger, mit: James Stewart, Lee Remick, Ben Gazzara, Arthur O'Connell, Eve Arden; Columbia, USA 1959, 155 min

Paul Biegler (Stewart) -ehemals Staatsanwalt eines kleines Kaffes im ländlich angehauchten Michigan- verbringt seine Tage recht abwechslungslos als erfolglos praktizierender Anwalt mit fischen, seinem Piano und indem er mit seinem -dem Alkohol nicht abgeneigten- Freund und ebenso erfolglosen Anwaltskollegen Parnell McCarthy die Zeit totschlägt. Da tritt die Ehefrau des Soldaten Frderick Mannion (Gazzara), Laura (Remick) an Biegler heran, mit der Bitte dessen Verteidigung zu übernehmen. Diesem wird vorgeworfen den Barbesitzer Barney Quill mit fünf Schüssen getötet zu haben. Quill brachte Laura nach einem Abend in dessen Inn nach Hause und vergewaltigte sie auf dem Weg. Nachdem sie ihrem Mann die Tat gestand, schnappte sich dieser sein Gewehr und fuhr ins Inn - mit bekanntem Ausgang.
Obwohl ihm Mannion weder sympathisch ist, noch über das nötige Geld verfügt, übernimmt Biegler -zusammen mit Parnell- die Verteidigung.

Was Preminger uns nun über 155 Minuten vor Augen führt ist extrem gelungen, zynisch, provokant, extrem interssant und zugleich unterhaltsam. Der sich entwickelnde Prozess - inklusive Staatsanwaltschaft und Richter- ist ALLES, aber keinesfalls OBJEKTIV. Dass Wahrheit, oder das was man dafür hält, stets auch im Auge des Subjekts liegt wird eindrucksvoll inszeniert: Verteidigung, Anklage, Angeklagter, seine Frau, die Zeugen, alle haben differierende Ansichten was wahr bzw. falsch ist; zudem variieren ihre Sichtweisen bezüglich Justiz, Moral, Integrität und Ethik.
Die Parteien greifen gerne mal tief in die Kiste, werden unsachlich, beschimpfen sich, arbeiten mit jedem Trick - kurz sie sind alles, aber keineswegs objektiv. Dass es hier keineswegs um die Wahrheitsfindung geht, sondern die jeweiligen Interessen wirkungsvoll zu vertreten und durchzusetzen, ist schnell offensichtlich. So plädiert Biegler auf Unzurechnungsfähigkeit und findet einen Armeepsychologen, der seinem Mandanten eine dissoziative Reaktion bescheinigt; Mannion folgte einen unwiderstehlichen Impuls, den er keinesfalls kontrollieren konnte, so die Theorie.

Beeindruckende und extrem unterhaltsame Szenen gibt es zuhauf: z.B. die der zugeknöpftem Laura, in hochgeschlossenem, schlechtsitzenden Kostüm, mit Spiegelglasbrille und Hut, verkleidet um den Anschein von Ehrbarkeit zu erwecken. Der Eindruck wird im Sekundenbruchteil zunichtegemacht, als sie äußerst lustvoll ihre Haarpracht ausschüttelt und der Charade ein Ende macht.
Dass das Pärchen diverse Probleme hat ist auch kein Geheimnis, was nach dem Prozess höchstwahrscheinlich geschehen wird, klar wie Kloßbrühe. Dies wird dezent, aber zugleich effektiv angedeutet durch die diversen Seitenblicke zwischen den beiden.
Dass letztlich keiner so wirklich an der Wahrheitsfindung interessiert ist, zeigt sich im Gespräch des Verteidigers mit dem Richter, in Anwesenheit der Anklagevertretung, als Richter und Verteidiger lieber übers Angeln, denn über die strittigen Aspekte des Falles fachsimpeln. UND, dann stiehlt Muffy, Lauras ständiger Begleiter und wichtiger Zeuge, auch noch allen die Schau und lässt den Staatsanwalt leicht lächerlich zurück.

Beeindruckend fand ich v.a. Remicks Darstellung der extrovertierten Laura, sie spielt die Rolle der schwer fassbaren Frau, die von ihrem tristen Wohnwagendasein gelangweilt ist, exzellent. Dazu Gazzara, der dunkle, grüblerische, wenn Blicke-töten-könnten-Typ, der dieser schönen Frau misstraut und sie ganz für sich haben will, und sich schon mal gern im Ton vergreift. Eine explosive, aber sicher keine liebvolle, auf Vertrauen basierende Beziehung.

Zur DVD: gutes Bild und Ton. Keine englischen UT, nur deutsche, das ist schade. Geschnittene Szenen der deutschen Fassung sind im Original belassen und mit deutschen UT versehen. interessant zu sehen, was man damals meinte kürzen zu müssen.

Fazit: Eindrucksvolles Zeugnis für die Fehlbarkeit der Jurisprudenz und die Schwächen im System.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen AkribischeJustizarbeit., 9. Mai 2013
Von 
Frank Linden (Troisdorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Anatomie eines Mordes (DVD)
Paul Biegler hat seine Besten Zeiten als Anwalt hinter sich.
Er nimmt nur noch wenige Fälle an, zumeist harmlose, um seine laufenden Kosten zu decken.
Dann bekommt er eines Tages einen dicken Fall zugeschanzt.
Army Lieutenant Manion hat den Vergewaltiger seiner Frau eiskalt mit 5 Schüssen getötet.....vor einigen Zeugen.
Das ganze scheint aussichtslos zu sein aber Biegler nimmt an.
Er lernt auch Manions freizügige Frau Laura kennen die nicht den Eindruck einer vergewaltigten macht.
Wie kann er den Fall also gewinnen zumal die Anklage mit einem Staranwalt aufwartet?
Akribisch beginnt er den Aufbau seiner Verteidigung.

Anatomie eines Mordes von Otto Preminger aus dem Jahr 1959 ist ein dialoglastiger und authentisch wirkender Justizfilm der so tief wie fast kein anderer in die staubtrockene Materie eintaucht.
Bei einer Laufzeit von ca. 154 Minuten wird der Story viel Platz zur Entfaltung gegeben, allerdings entstehen dadurch auch mal zähere Szenen.
Gerade in der ersten Stunde passiert nicht viel, aber im Laufe der Gerichtsverhandlung entsteht ein fesselnder Spannungsbogen.
Die Dialoge sind ausgefeilt, die Atmosphäre hervorragend und die Darsteller gut aufgelegt.
Es wirken mit: James Stewart, Lee Remick, George C. Scott, Ben Gazzara und mit einem Kurzauftritt von Jazzlegende Duke Ellington der auch den Soundtrack prägt.
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19 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Für Freunde von Gerichtsfilmen ein absolutes Muß, 31. Oktober 2004
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Anatomie eines Mordes (DVD)
Was ist ein Gerichtsfilm? Ein Film, der sich weder durch betonte Action hervortut, noch seine Spannung aus lebensbedrohenden Szenarien bezieht. Spannung entsteht durch die Dialoge und die Frage, wer zum einen die Rededuelle gewinnt und wer die bessere Verfahrensstrategie am Ende hatte. Neben "Die 12 Geschworenen" und "Eine Frage der Ehre" ein absoluter Klassiker.
Für die Vertreter der PISA-Generation, die in Chats ihre Rechtschreibschwäche outen und Dialogen weder folgen können, noch daran interessiert wären, ist der Film nichts. Wer aber etwas für Schwarzweißfilm-Nostalgie übrig hat, für die Musik jener Zeit und wer auch selbst noch nicht das Sprechen verlernt hat und nicht spätestens bei Erkan & Stefan seinen eigenen Horizont vorfinden muß, der wird diesen Film lieben.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dieser Film verursachte 1959 in den USA einen Skandal, 12. Februar 2012
Von 
Film- und Buchfreund (Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Anatomie eines Mordes (DVD)
Rezension zu: "Anatomie eines Mordes" (USA 1959)

Zum Inhalt:

Rechtsanwalt Paul Biegler (James Stewart) übernimmt die Verteidigung eines wegen Mordes angeklagten Armeeoffiziers. Lt. Manion (Ben Gazzara) erschoss einen Barbesitzer, der seine Ehefrau Laura (Lee Remick) abends in einem abgelegenen Waldstück vergewaltigt haben soll. Der Film bezieht einen Teil seiner Spannung u.a. aus der bis zum Schluss offen bleibenden Frage, ob Lt. Manions Ehefrau tatsächlich vergewaltigt wurde oder ob sie dem Barbesitzer im Vorfeld der Tat Avancen gemacht hat oder ob sie gar eine Affäre mit dem Barbesitzer hatte und Lt. Manion ihn deshalb erschoss.

Bewertung:

Das "Lexikon des Internationalen Films" beurteilte diesen Film folgendermaßen:

"Schauspielerisch hervorragend besetztes Dialogdrama. Die brillante Regie macht aus dem Stoff ein klar strukturiertes Experiment, das mit nahezu wissenschaftlicher Präzision die "seelische Anatomie" aller Beteiligten seziert".

Dieser Film verursachte 1959 in den USA einen Skandal, weil hier offen über das "Tabu-Thema" Vergewaltigung gesprochen wurde. Regisseur Otto Preminger drehte dieses spannende Gerichtsdrama und besetzte es mit ausgezeichneten Schauspielern.

Dieser Film mit dem unvergessenen James Stewart (1908-1997) ist auch heute noch absolut sehens- und empfehlenswert.

Die Ton- und Bild-Qualität [ schwarz-weiß; Filmlänge ca. 160 min ] dieserr DVD-Veröffentlichung ist sehr gut.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Schuldig oder unschuldig, ein Klassiker mit Tiefgang!, 13. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Anatomie eines Mordes (DVD)
Anatomie eines Mordes (1959 Originaltitel: Anatomy of a Murder)
Verfilmung des gleichnamigen Kriminalromans von Robert Traver, Regie von Otto Preminger.

Ein Kriminalklassiker sonders gleichen. Ein Rechtsanwalt namens Paul Biegler (James Stewart) vertritt eine des Mordes angeklagten Armeeoffizier der die Vergewaltigung seiner frau rächte und ihren Peiniger tötete wollte. Der Film fokussiert sich gelungen auf die Psyche der einzelnen Darsteller und zerlegt ihr verhalten bis ins kleinste Detail. Die frage ob der Offizier nun seine frau rächte oder sie ihn nur benutzte ,um ihre mögliche Affäre mit Opfer zu verschleiern und zu beenden, bleibt bis zum Schluss eine wichtige Frage.
Spannen und realistisch umgesetzte Krimi seiner zeit. Für Liebhaber von klassischen Filmen ein muss. Nur zu empfehlen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausgezeichnetes Drama mit wahrem Hintergrund, 12. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Anatomie eines Mordes (DVD)
Regisseur Preminger hat mit seiner Verfilmung des auf Wahrheit basierenden Romans den wohl besten Justizthriller aller Zeiten geschaffen!
Der Film überzeugt durch seine ausgeklügelten Charaktere, sowie durch die intelligente Aufmachung des Duells zwischen Verteidigung und Anklage auf ganzer Linie. Humorvolle Dialoge sorgen für das gewisse Etwas mit ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Must see, 8. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Anatomie eines Mordes (DVD)
Spannender Film aus den späten 50er Jahren mit wunderschöner Musik.
Obwohl der Film 150 Minuten dauert, wird es nicht langweilig, was sowohl an der gut ausgearbeiteten Story, wie auch an den glaubhaften Charakteren liegt, die von herausragenden Schauspielern verkörpert werden. Alles in allem also ein erstklassiger Gerichtsfilm, dem man sich anschauen sollte.
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Anatomie eines Mordes
Anatomie eines Mordes von Otto Preminger (DVD - 2012)
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