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am 26. April 2013
Huch, da ist sie schon angekommen, die neue Scheibe von Deep Purple. Dank Vorbestellung einen Tag vor dem offiziellen Erscheinen. Das hat schon mal super geklappt. Nachdem „Rapture Of The Deep“ vor 8 Jahren (!) bei mir nicht richtig zündete, hatte ich erst einmal kleine Zweifel, als ich den aktuellen Silberling samt Hülle in den Händen hielt. Aber gerade wegen der Vorab-Single „All The Time In The World/Hell To Pay“, die mir schon sehr gefiel, hatte sich bei mir trotzdem sehr viel Vorfreude aufgebaut. Jetzt höre ich das Werk schon seit gestern Nachmittag rauf und runter und, was soll ich sagen: Ich bin einfach begeistert.
Man darf und will vermutlich von den schon älteren Herren sicherlich keine Neuerfindung ihrer Musik erwarten. Gott sei Dank ist es auch nicht so. Aber in einer gewissen Weise ist „Now What?!“ eben doch anders. Es mag an Bob Ezrin und seiner einfühlsamen Produktion liegen. Und auch im Songwriting hat sich imho was getan: Nicht mehr ganz so „technisiert“ wie auf den letzten vier Alben, trotzdem mit überraschenden Wendungen ausgestattet und Ians Stimme ist einfach besser in die Songs eingebettet. Er verzichtet größtenteils auf die Quälerei, unbedingt die nicht mehr vorhandenen Höhen zu erreichen und nun kommt seine fantastische Stimme wieder richtig zu der ihr gebührenden Geltung. Trotz seiner 68 Lenze ist er immer noch ein herausragender Rocksänger. Außerdem sind die Gesangslinien weitaus melodiöser, ja einfach passender, geraten, Dons Hammondsound liegt schwer und gleichzeitig leicht wie ein robuster Klangteppich unter den Songs (seine Solos sind dabei göttlich), Ian Paice und Roger sind wie immer die Garanten des Dampfhammers (Tipp:“ Body Line“). Steves Gitarrenspiel ist in der Begleitung gewohnt genial virtuos sowie mit abwechslungsreichen Solis geschmückt aber dabei absolut songdienlich und er bringt natürlich wieder die nötige Härte mit ein – feinsinnig abgestimmt mit Dons Hammond. Strophen und Refrains sind insgesamt sehr viel besser und eingängiger kombiniert als bei den jüngsten Alben.
Was man hört ist qualitativ hochwertige und abwechslungsreiche Rockmusik. Mit mit „A Simple Song“ geht’s erst einmal ruhig los. Der Song baut in seinem Verlauf allerdings einen spannenden und hämmernden Mittelteil auf, um dann wieder ruhig zu enden. „Hell To Pay“, All The Time In The World“ (sehr entspannt auch im Text) und „Body Line“ zeigen sich in fantastischer Weise einfach und sehr straight, während andere Songs wie “Weirdistan”, “Above And Beyond”, “Out Of Hand”, „Beyond From A Stone” (mit bluesigem Wurlitzerpianosound) oder “Vincent Price” sich sehr abwechslungs- und spannungsreich und rockig gestalten. Bei letzterem kann ich mich sehr gut in einen der alten Edgar-Allen-Poe-Verfilmungen mit dem guten Vincent hineinversetzen.
Insgesamt erinnert mich “Now What?!” sehr stark an mein Lieblingsalbum “Perfect Strangers”, ohne dass dieses abgekupfert wurde. Die DVD enthält ein interessantes Interview und die Tracks der Vorabsingle, allerdings ohne „Hell To Pay“. Wer kein sammelwütiger Fan ist, kann darauf verzichten. Der Preis ist für diese LE trotzdem absolut angemessen.
Seht es mir bitte nach: Ich muss zugeben, dass ich absolut voreingenommen bin und halte dieses Album für einen wahrhaftigen Geniestreich der fünf „Altrocker“. Ich bin nun seit 28 Jahren Anhänger dieser fantastischen Gruppe und dieses Werk hat meine Überzeugung noch verstärkt. Ich bin überzeugt, echte Deep Purple Fans werden sich in diesem Album wiederfinden und sich daran mehr als erfreuen. So, jetzt warte ich noch mit Spannung auf Black Sabbaths „13“. Was für ein Jahr für den geneigten Classic Rock Anhänger!!
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am 27. April 2013
Deep Purple legen mit What Now?!" nochmal ein großes Album vor. Ihr bestes Werk seit Purpendicular" aus dem Jahr 1996. Die aktuelle Besetzung mit Steve Morse und Don Airey hat mit Bob Ezrin den richtigen Produzenten gefunden, der einen süffigen Breitwandsound kreiert hat, der die in Jams entstandenen Stücke wie live-Aufnahmen klingen lässt.
Die Musik fließt angetrieben von Glovers Groove und dem swingenden Schlagzeug von Ian Paice und bietet genug Raum für sehr inspirierte und immer überraschende Soli des Gitarren-Genies Steve Morse und vor allem von Don Airey. Er ist der Star des Albums, dominiert im positiven Sinn die meisten Stücke und spielt eine Hammond, die schon gespenstig nah an den Originalsound von Jon Lord herankommt. Lord ist das Album gewidmet (Souls having touched, are forever entwined.") und man meint seine Anwesenheit zu spüren, die Band spielt in seinem Geist.
Bis auf das letzte Stück Vincent Price" (als Vampir-Song sehr am Zeitgeist orientiert) und den Bonus Track "It`ll be me" läuft das Album wie ein musikalisches Konzeptalbum über 50 Minuten in selten gehörter Präzision und emotionaler Intensität ab. Was sich auf den letzten Alben angedeutet hat, ist bei What Now?!" Realität geworden: die Lyrics spielen bei Deep Purple eine ungewohnt wichtige Rolle. Losgelöst von einfachen Strophe-Refrain-Songs haben die Lyrics eine durchgehende Bedeutungsebene, wobei der zentrale Begriff time"/Zeit ist. Gleich der Beginn mit A Simple Song" greift dieses Motiv auf (Time it doesn't matter. But time is all we have to think about"). Und das auch als Single erschiene 10. Stück der Cd All the Time in the World" spielt mit diesem Motiv.
Die Lyrics sind interessant auch unabhängig von der Musik - Roger Glover und Ian Gillan haben hier Deep Purple eine neue Dimension eröffnet.
Die Musik klingt wie beschrieben nach live-Atmosphäre und enthält neben den Purple-typischen Hard-Rock-Elementen deutliche Prog-Anleihen. Die 70ziger Riesen Yes, Genesis, ELP und (ja Bob Ezrin hat produziert!) Pink Floyd werden stilistisch zitiert, dies wirkt aber nie aufgesetzt oder gar peinlich, es ist einfach das musikalische Umfeld von Deep Purple aus ihrer Glanzzeit, das wie selbstverständlich integriert wird.
Noch ein Wort zu Ian Gillan: sein Gesang klang schon lange nicht mehr so gut, so inspiriert und sicher. Es scheint so, dass Bob Ezrin mit seiner Produktion dafür gesorgt hat, dass das Songmaterial zum Sänger und seiner Stimme anno 2012/2013 passt. Keine unnötigen Schreie und keine zu hohen Passagen mehr, stimmige Tonlagen und ein ausdrucksstarker Gesang, der Gillan noch immer als einen herausragenden Vokalisten des klassischen Rock ausweist.
So bietet What Now?!" königlichen Hard-Rock - ganz so wie es im Song Uncommon Man" heißt: Yes it's good to be king."
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am 27. April 2013
Als freischaffender Musikjournalist (48) für das Schweizer Metal Webzine Metal METAL FACTORY habe ich die offziellen Promo-Files schon anfangs April erhalten, als Vorbereitung zum Interview mit Ian Paice am 9. April und der CD-Review für den Monat April. Müssig zu erwähnen, dass «NOW What?!» mit grossem Abstand zum Sieger des Monats gekürt wurde.

Wer sich die ganze Rezi zu Gemüte führen möchte, kann sich diese gerne bei metalfactory.ch in Ruhe anschauen..., und geniessen! Als Purple-Fan der ersten Stunde und mit «In Rock» als wegweisendes Album für meinen heutigen Musikgeschmack, muss man sich vielleicht eine gewisse Befangenheit (im positiven Sinne!) nachsagen lassen, aber damit kann ich ganz gut leben.

Mittlerweile habe ich das neue Meisterwerk schon bald 40 Mal durchgehört und jedes Mal, wenn es zu Ende ist, will man gleich wieder an den Anfang zurück. Das sagt wohl alles und während ich diese Zeilen schreibe, läuft natürlich die richtige Musik dazu im Hintergrund. Meines Erachtens gibt es eigentlich kein schlechtes Album von Deep Purple, sondern für jede Dekade entsprechende Höhen wie Tiefen und vor allem Vieles für die Ewigkeit!

Dass «NOW What?!» 45 Jahre nach «Shades Of Deep Purple» aber derart gut wird, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht zu glauben gewagt! In erster Linie ist es wohl Producer Bob Ezrin zu verdanken, der hier entscheidend zu diesem brillanten Resultat beigetragen hat. Dazu gehört in erster Linie, dass Steve Morse im vernünftigen Rahmen zurück gebunden wurde und dennoch seinen Stil einbringen kann. Die spürbaren Vibes von «In Rock» und «Perfect Strangers» wurden zudem mit ein paar progressiven Elementen (Genesis, ELP, Jean Michel Jarre) ergänzt, was vor allem auf Don Airey zurück geht. Die musikalische Verneigung vor Jon Lord hätte insgesamt nicht treffender ausfallen können!

Dann natürlich Ian Gillan, der (z. B. bei «Above And Beyond») unglaublich frisch klingt und das hoffentlich auch live bringen wird. Wer das letzte Gillan Solo-Werk «One Eye To Morocco» mag, wird die ruhigen und fluffigen Parts von «Blood From A Stone» mit einem zufriedenen Lächeln quittieren. Und über Paice/Glover noch gross was zu sagen, heisst Eulen nach Athen tragen. Selten hat das Rhythmus-Gespann so transparent auf den Punkt gespielt. Bestes Beispiel ist neben dem eben erwähnten «Blood From...» der zweite Song «Weirdistan», wo bis auf die letzte Sekunde alles passt!

Das erachte ich überdies als die grosse Stärke von «NOW What?!» und widerspiegelt auch die Aussage von Ian Paice im Interview, warum der eine Song eben nur vier Minuten und der andere halt sieben Minuten dauert. Das Geniale aber ist, dass einem die Songs wegen dem total fliessenden Aufbau stets zu kurz erscheinen und gefühlt immer zu schnell zu Ende sind. Was dann resultiert, heisst folgerichtig "replay" und ich freue mich jetzt schon diebisch auf das bestellte Vinyl, das danach durch das Gespann Thorens/Cambridge Audio und Acoustic Energy die Nachbarn heftigst fordern wird!!
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TOP 1000 REZENSENTam 23. August 2015
"Now What?!" ist das 19. Studioalbum der Hard Rocker Deep Purple und erschien im April 2013. Deep Purple sind: Ian Paice (Drums), Ian Gillan (Lead Vocals), Steve Morse (Lead Guitar), Don Airey (Keyboards) und Roger Glover (Bass Guitar). Produziert wurde das Album von Bob Ezrin (u.a. Kiss, Pink Floyd, Alice Cooper). Alle Tracks wurden von Deep Purple und Bob Ezrin geschrieben.

Deep Purple haben fast 8 Jahre gebraucht, um den Nachfolger für "Rapture Of The Deep" fertigzustellen. Es hat sich gelohnt, "Now What?!" wurde ein grosser Erfolg, in Deutschland wurde sogar Platz 1 der Charts erobert. In UK immerhin Platz 19, nur in den U.S.A. bekommen sie kein Bein mehr auf den Boden.
Los geht es mit `A simple song`. Ein merkwürdiger Opener, ist er recht melancholisch, gefällt mir aber gut. `Weirdistan` und `Out of hand` sind zwei recht gute Stücke, aber nichts weltbewegendes. Es fällt aber bereits hier auf, dass Don Airey mit tollem Keyboardspiel überzeugt, für mich das derzeitige Aushängeschild der Gruppe. `Hell to pay` ist für mich ein highlight. Ein richtig flottes Stück mit tollen Soli von Airey und Steve Morse. `Above and beyond` ist ein ganz starker Titel und Jon Lord gewidmet. R.I.P. Jon! `All the time in the world` war die 1. Single von "Now What" und hätte in einer gerechten Welt ein Hit werden müssen, aber Deep Purple finden im Radio einfach nicht statt. `Vincent Price` ist ebenfalls sehr stark und handelt von dem Schauspieler gleichen Namens. Hier gibt es sogar einen der sehr seltenen Schreie von Ian Gillan zu hören. Der Bonussong `It'll be me` ist ein Cover von Jerry Lee Lewis, gefällt mir aber nicht.

Ich habe lange überlegt, aber für die Höchstnote reicht es nicht ganz. "Now What" hat einige sehr starke Songs an Bord, manche wollen aber auch nicht richtig zünden. Steve Morse und besonders Don Airey wissen zu begeistern und Ian Gillan ist im Studio immer noch einer der besten Sänger. 4 gute Sterne für "Now What?!".
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am 6. Februar 2014
Ehrlich gesagt, habe ich mehr als einen Monat gewartet, bis ich mir die CD angehört habe, die mir mein Sohn zu Weihnachten geschenkt hat: Deep Purples "Now what?!". Ich erwartete von den alten Herren das Abnudeln ewig gleicher Klischees. Heute haben wir sie uns gemeinsam angehört und ich leiste Abbitte. Schon das Anfangsstück "A simple song" ist eine ganz und gar nicht simple Nummer, rhythmisch vertrackt, mit einem gefühlvoll-melancholischen Anfang, wunderbar gesungen von Ian Gillan, bis das ganze richtig explodiert. Das Album ist dem verstorbenen Jon Lord gewidmet und das merkt man: Die Keyboards sind überall präsent und Lords hochvirtuoser Nachfolger Don Airey hat den Meister genau studiert, bringt dessen typischen Hammond-Stil immer wieder in die erstaunlich komplexen Arrangements mit ein. Auch die Doors lassen grüßen beim "Riders"-angehauchten "Blood from a stone". Insgesamt ist das ganze nicht mehr ganz so speedig und harmonisch gerundeter als in den großen Tagen. Einen guten Eindruck macht Ian Gillan, der sich nun auch in die tiefen Tonlagen begibt, wo er ein erstaunlich emotionales Profil entwickelt. Die Shouter-Sirene lässt er nur noch ganz am Schluss ertönen, um zu zeigen, dass er das auch noch kann. Ein richtiges Novum ist der Song "Above and beyond", der mir mit seiner irish-folkigen Melodik fast die Tränen in die Augen trieb - das ist fast ein Brückenschlag zu Ritchie Blackmores Musik, die er heute liebt. Schöner mehrstimmiger Gesang und manche geradezu prog-rock-artige Passagen und überraschende, kluge Übergänge runden das Album ab, während Ian Paice stets souverän sein Ding am Drum abzieht, wie man es von ihm erwartet. Das ist sicher keine Musik auf der Höhe unserer Zeit, aber alles andere als eeine langweilige Oldies-Party: ein reifes Alterswerk. Schön, höre ich mir gleich nochmal an!
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TOP 1000 REZENSENTam 28. Februar 2014
Deep Purple waren und sind immer eine meiner (wenigen) Lieblingsbands gewesen. Das neue Album hat mich überrascht; es ist im Grunde das vielschichtigste Werk dieser Gruppe überhaupt. Deutliche "Anleihen" erkennt man durchaus wie auf dem Sticker auch bemerkt, "Perfect Strangers" schimmert immer mal durch...
Auch habe ich mich bei zwei Titeln an "Emerson Lake & Palmer" erinnert, und man muß den ausnahmslos guten Songs die Zeit geben, zu wirken. Wenn man neue Titel hört, brauchen sie eine Weile, bis sie sich im Ohr fest setzen und von daher werde ich dieses Album noch sehr oft hören. Ian Gillan singt solide und hervorragend, auch wenn viele meinen, seine Stimme wäre "schwächer" geworden, ist sie nicht, sie ist gealtert, und das ist vollkommen normal. Jedenfalls passt das alles sehr gut zusammen, auch Steve Morse trägt erheblich dazu bei, das es so klingt wie es soll, nämlich nach Deep Purple. Und trotzdem ist es eine Band, die mit "Mark II" keine Vergleiche scheuen braucht, außerdem bringt es überhaupt nichts, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Ich selbst bin durchaus sehr kritisch und berufe mich gerne auf "glorreiche Zeiten", aber ist es realistisch, eine CD von 2013 mit einer LP von 1971/1972 zu vergleichen ? Tut man es trotzdem muß man neidlos anerkennen, das hier 5 gestandene Musiker ein Top-Album abgeliefert haben und ob es nun gefällt oder nicht ist letztlich Geschmackssache. Aber keinesfalls ist es richtig, an der Qualität dieses Albums rumzumäkeln. Auch der Klang ist sehr harmonisch und ausgewogen. Es ist mit sicherheit kein "Heavy Rock Album", aber es bietet ausnahmslos hochkarätige Rockmusik vom Allerfeinsten.
Ein Vergleich zu "Made in Japan" ist albern, hier spielt eine Band von HEUTE, es ehrt die Musiker immer, mit dieser Zeit verglichen zu werden, aber sie haben sich weiter entwickelt, als Musiker und als Menschen, und das haben die Hörer ja auch. Ich freue mich schon auf das nächste "Durchhören ohne Scip-Taste", die braucht man nicht.
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am 17. Februar 2014
...also ich für meinen teil hatte vor allem nach den vielen berichten, deep purple würden die veröffentlichung eines neuen albums für relativ sinnlos halten etc und der langen vö-pause nicht mehr ernsthaft mit einem neuen album der band gerechnet...
...umso mehr freue ich mich drüber, daß sie uns doch nochmal mit einem hammeralbum beschenkt haben...
...klar ian gillan singt nicht mehr rauh aber an ausdruckskraft und elan hat er nicht hörbar eingebüst...
...finde nur ausgerechnet die von den medien hervorgehobenen tracks am "schwächsten", diese wären das etwas bemüht auf flotten hardrocksong getrimmte "hell to pay" und das gute, aber irgendwie seltsam unpassende "vincent price",...
...unterm strich ein album, das zum erschließen öfter gehört werden möchte und dies auch verdient hat...
...hoffe die jungs veröffentlichen noch viele, viele alben, denn ihre musik und ihre generation sind einzigartig...
...das werden viele erst merken, wenn die mal (wag nicht dran zu denken, heul) weg sein sollten...
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am 29. Oktober 2013
Die "echten" Deep Purple (MK I),wenn man denn so will (!), gab es eigentlich nur zwei Jahre (1968-1969). Ich sage "eigentlich", denn schließlich waren in der Urformation neben Ritchie Blackmore bereits Ian Paice und Jon Lord dabei. Und Ian Paice gehört bis heute zur Basis von Deep Purple, während Jon Lord wohl ebenfalls noch dabei wäre, wenn seine Krebserkrankung dies nicht unmöglich gemacht hätte. In dieser ersten Zeit entstanden drei sehr hörenswerte Alben, nebenbei bemerkt, die auch den späteren "Wandel" Blackmores zur Renaissance, der letztlich keiner ist, erklären.

Danach kamen die Jahrhundertalben "In Rock", "Fireball" und "Machine Head" in der MK II Formation mit Blackmore, Gillan, Lord, Glover und Paice, und der Kern dieser Formation hat sich bis heute erhalten, auch wenn Blackmore und Jon Lord nicht mehr dabei sind: Glover, Paice und Gillan bilden das Gerüst und Steve Morse und Don Airey sind ein absolut würdiger "Ersatz" für Blackmore bzw. Lord. Gitarristen sind starke Individualisten, und so wundert es natürlich nicht, dass Steve Morse seine ganz eigene Note einbringt, die passt sich aber perfekt ins Spiel mit den "Alten". Bei Don Airey hat man, insbesondere bei diesem neuen Album, den Eindruck, dass der Geist Jon Lords über ihm schwebt, ein Eindruck, der bei Stücken wie "Hell To Pay" fast angenehm-unheimlich wird.

Man sollte endlich aufhören, den Zeiten mit Ritchie Blackmore hinterher zu trauern. Blackmore hat seine Entscheidung gegen Deep Purple vor 20 Jahren getroffen, und gut ist, das müssen die Blackmore-Fans, zu denen ich auch gehöre, nun mal hinnehmen. Deep Purple ist aber nach wie vor Deep Purple geblieben, nur ist Blackmore eben nicht mehr Deep Purple, sondern hat in einer ganz anderen Welt mit Blackmore's Night seinen Frieden gefunden. Wer Blackmore noch mal auf der Stratocaster rocken sehen will, dem sei übrigens ein Besuch auf einem seiner vielen Konzerte angeraten, da gibt es nämlich immer ein paar rockige Einlagen zur Erinnerung an die alten Zeiten.

Aber das sind Erinnerungen, Zitate, ein wirklicher Rocker ist Blackmore nicht mehr. Vielleicht hätte es ja noch eine zweite Reunion mit Deep Purple gegeben, wenn Jon Lord nicht schon 2002 erkrankt wäre, Blackmore hat nach Lords Tod so etwas geäußert. Aber heute würde Blackmore wohl nicht mehr in diese wirklich sehr jung geblieben Truppe passen.

"Now What" hält, was die Marke Deep Purple seit "In Rock" verspricht: kompromisslosen, ehrlichen Rock, in dem jeder Song seinen eigenen Charakter mit überraschenden Wendungen und zuverlässig kreativen Riffs hat. Das Ganze in einen satten, kräftigen Sound, der die Wände wackeln lässt, verpackt. Und das Wichtigste: man spürt, dass hier keine Zombies am Werk sind, sondern jung geblieben Rocker, denen das Musikmachen einfach Spaß macht.

Es wird nie wieder ein Gitarrensolo wie das von Ritchie Blackmore in der Studiofassung von "Child in Time" geben. Aber das macht nichts.
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am 15. Oktober 2014
"Now What?!" ist das beste Album der britischen Hardrock-Institution seit gefühlten Ewigkeiten, nachdem der Vorgänger "Rapture Of The Deep" ein wenig unspektakulär und weniger inspiriert geklungen hatte. Wobei selbst hierbei einige starke Momente zu finden waren, für die andere Bands mindestens einen kleinen Finger geopfert hätten.

Das neue Album "Now What?!" kann jedenfalls so ziemlich alles:
dies liegt vor allem daran, dass Steve Morse in einer ganz eigenen Liga und Altmeister Blackmore an die Wand und zurück spielt.
Dazu Don Aireys geschmackvolle Keyboard-Sounds, die Altmeister John Lord (RIP!) alle Ehre machen, ohne diesen dabei zu imitieren oder an dessen Denkmal zu kratzen.
Darüber hinaus mit Roger Glover und Ian Paice ein (respektive DAS!) Rhythmus-Tandem, das sich stets blind zu verstehen scheint und ein grundsolides Fundament legt, das jedem Erdbeben standhalten kann.
Wäre da noch Ian Gillan: freilich ist der Gute im gesetzteren Alter nicht mehr in der Lage, an seine Gesangsleistungen aus den 70er Jahren anzuknüpfen, verbreitet aber immer noch ein Charisma, dem man sich nicht entziehen kann.

Macht summa summarum ein rundum gelungenes Album, bei dem man mit jedem Hören mehr entdeckt und das daher jedem Rockfan wärmstens ans Herz gelegt werden sollte.
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am 6. Januar 2014
Ich habe es sehr positiv aufgenommen, dass sich soundtechnisch viel getan hat im Vergleich zu den bisherigen Studio-Alben. Gefallen hat mir, dass mit durchaus guten Ideen und Ambitionen musiziert wird und das auf einem instrumentalen Niveau, das in der Rock-Szene nach wie vor absolut top ist. Ebenso finde ich es toll, dass auch ganze Passagen vollkommen improvisiert eingespielt wurden (z.B. bei "Uncommon Man"). Für mich ist das der Inbegriff von handgemachter (Rock-)Musik. Obwohl es mich gesanglich nicht vom Hocker gerissen hat, besitzt Gillan auf diesem Album mehr Wiedererkennungswert als auf den Alben der letzten Jahre. Ich bin der Meinung, dass er aus dem "Rockschuh" schon lange herausgewachsen ist.

Deep Purple hat dennoch zwei Probleme: den Bandnamen und die Tatsache, dass kein wirklich herausragender Songschreiber vorhanden ist. Aufgrund des Namens wird man immer mit seinen Heydays verglichen und ist stilistisch eingeschränkt. Die beiden Virtuosen Airey (Keboards) und Morse (Gitarre) sind durchaus in der Lage, ihre anspruchsvollen Ideen in ein ansprechendes Gewand zu verpacken. Es ist ihnen auch hoch anzurechnen, dass sie versuchen, den Deep Purple-Sound am Leben zu erhalten, was ihnen stellenweise auch gelingt (!). Aber ihr Zugang zur Musik ist ein völlig anderer und ein sehr kopflastiger obendrein. Deep Purple hat sich immer durch eine gewisse Simplizität ausgezeichnet. Die Riffs und Begleitungen gingen sehr einfach ins Ohr und erst als man versucht hat, das eigentlich einfach klingende Stück nachzuspielen, kam man dahinter, wie viel Finesse da drin steckt - d.h., dass da mehr Substanz vorhanden war, als man zunächst gedacht hätte. Mit den Songs, die instrumental hauptsächlich von Airey und Morse stammen, verhält es sich meistens genau umgekehrt. Man sucht neben dem einmal mehr und einmal weniger inspirierten Spiel vergebens nach wirklicher Substanz - worin aber die eigentliche Schwierigkeit und Herausforderung zu suchen ist. Das ist in meinen Augen die Hauptursache, warum erstmals ein Außenstehender (der Produzent Ezrin) überall am Songwriting beteiligt war und man auch auf den letzten Alben kaum einen Song mit Hitpotential veröffentlicht hat. Es ist auch nicht verwunderlich, dass "Vincent Price" - ein Song, der von Alice Cooper stammen könnte (in wie weit der tatsächlich von Ezrin ist, sei dahingestellt) - zur Hitsingle avanciert ist. Dieser Song passt weder zum Rest des Albums, noch zur Musik von Deep Purple.

Auch, wenn die obigen Zeilen einen anderen Eindruck vermitteln, habe ich mich trotzdem über das Album sehr gefreut und finde es bewundernswert, was Deep Purple hier auf die Beine gestellt hat. Man kann halt nicht alles haben ...
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