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5.0 von 5 Sternen Orfeos Prachtbox: Furtwänglers Konzerte in Wien (1944-54), 1. Mai 2013
Von 
Klassikfreund (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Wiener Konzerte 1944-1954 (Audio CD)
Neben Berlin war Wien die zweite Wirkstätte des Dirigenten Wilhelm Furtwängler, die Philharmoniker beider Metropolen seine "Hauptorchester". Nachdem Furtwängler im Jahr 1922 die Leitung des deutschen Spitzenorchester übernahm, erschien er im selben Jahr erstmals auch am Pult des österreichischen Klangkörpers. Beiden Orchestern blieb er bis zu seinem Lebensende eng verbunden.

Der Münchener Musikverlag Orfeo hat sich daher einer Edition der Wiener Konzerte Furtwänglers (mit den Wiener Philharmonikern) von 1944 bis 1954 gewidmet. Entstanden ist dabei eine Box mit 18 CDs, die durch die Qualität ihrer Bearbeitung den Kenner ebenso begeistert, wie sie dem Interessierten durch die Breite der Palette einen ausgezeichneten Überblick über das Schaffen Furtwänglers vermittelt. Darüber hinaus verbindet sie die unbeschreiblich intensiven Kriegsaufnahmen mit den altersweisen Interpretation der letzten Jahre.

- 2./3. Juni 1944 -
Mozart: Sinfonie KV 550, Beethoven: Leonoren-Ouvertüre Nr. 3, Schubert: Rosamunde, Entr'acte Nr. 3 - Andantino (CD 1)
+++ Die einzige Kriegsaufnahme der 40. Sinfonie (KV 550) zeigt einen kraftvollen, aber nicht historisch aufgeführten Mozart. Die Leonoren-Ouvertüre brennt förmlich in ihrer Intensität – ein Höhepunkt der Kriegsaufnahmen. Das Rosamunde-Stück ist tiefgängig und ruhig genommen.

- 17. Oktober 1944 -
Bruckner: Sinfonie Nr. 8 (CD 2)
+++ Bei der Achten erschafft Furtwängler wieder eine infernalische Grenzerfahrung. Er führt die Sinfonie durch spannungsgeladene und tragische 79 Minuten.

- 19. Dezember 1944 -
Beethoven: Sinfonie Nr. 3 "Eroica" (CD 3)
+++ Unter den elf erhaltenen Mitschnitten der Eroica nimmt diese Interpretation einen herausgehobenen Platz ein. Wie zuvor bei Bruckner gelingt Furtwängler hier ein höchst expressives Werk. (Bei Tahra auch als SACD erhältlich.)

- 28. Januar 1945 -
Franck: Sinfonie d-Moll, Brahms: Sinfonie Nr. 2 (CD 4)
+++ Es ist sein letztes Konzert im Krieg, wenige Tage vor seiner Flucht vor der Gestapo in den Schweiz. Dabei erklingt eine der zwei Aufnahmen von Francks Sinfonie in d-Moll und Brahms Zweite. Es ist der letzte Höhepunkt und zugleich Schlußstein der Kriegsaufnahmen. Hier hört man, warum Furtwängler einer der besten, wenn nicht gar DER beste Brahms-Dirigent schlechthin ist. Die Sinfonie ist unbeschreiblich geladen, zu vergleichen mit der Oberflächenspannung eines randvollen Glases: Äußerste Spannung, bei der nichts mehr geht, und doch wird nichts vergossen.

- 8. Februar 1949 -
Mozart: Klavierkonzert für zwei Klaviere KV 365 (CD 5)
+++ Mozart bei gefühlt perfektem Tempo, jedoch sehr romantisch gespielt.

- 27. Januar 1952 -
Mozart: Klavierkonzert KV 482 (CD 5)
+++ Auch hier ein sehr romantisches Konzert, bei dem Furtwängler erneut zeigt, daß er das Organische in Mozarts Musik kongenial mit seiner Art des organischen Musizierens vereinen kann.

- 7. Januar 1951 -
Beethoven: Sinfonie Nr. 9 (CD 6)
+++ 1951 läßt Furtwängler Beethovens Neunte gleich dreimal an wichtigen Orten des Musikgeschehens erklingen: im Sommer in Bayreuth und Salzburg sowie zum Jahresanfang in Wien. Diese Aufnahme ist wie jede Aufführung des Meisterwerks unter dem Dirigenten ein Ereignis, wenngleich die Aufnahme zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele im gleichen Jahr zu den drei ganz großen der Furtwängler-Diskographie ebenso wie der Werk-Diskographie im allgemeinen gehört.

- 25. Januar 1951 -
Brahms: Ein deutsches Requiem. Teile I, III, IV und V (CD 7)
+++ Das einzige Werk dieser Box mit den Wiener Symphonikern ist nur unvollständig erhalten. Komplette Veröffentlichungen wurden meist um die fehlenden Sätze ergänzt, tatsächlich sind aber nur die hier vorliegenden von Furtwängler dirigiert worden. Es ist ein Dilemma, daß alle Mitschnitte des Brahms-Requiems unter Furtwängler (also auch die Aufnahmen von 1947 und 1948) nur in mäßiger Klangqualität aufgezeichnet worden sind. Denn die vier erhaltenen Sätze zeigen, mit welcher Tiefe der Künstler das Stück interpretiert. Damit erfüllt Furtwängler Brahms' Ansicht, wonach das deutsche Requiem eigentlich "Ein menschliches Requiem" heißen müßte.

- 27. Januar 1951 -
Brahms: Variationen über ein Thema von Haydn, Doppelkonzert (CD 7/8), Sinfonie Nr. 1 (CD 8)
+++ Gleich drei großartige Kompositionen bündelte das reine Brahms-Konzert an diesem Tag. Die Stücke waren dieselben wie bei Furtwänglers Brahms-Konzert am 27. Oktober 1951, wenngleich der Mitschnitt des Doppelkonzerts nicht erhalten blieb. Somit ist auch der Vergleich mit dem feurigen norddeutschen Konzert und dem vorliegenden nicht vollends möglich. Nichtsdestotrotz gelingt Furtwängler bei diesem homogenen Musikereignis ein hinreißender, mustergültiger Brahms.

- 3. Februar 1952 -
Beethoven: Sinfonie Nr. 9 (CD 9)
+++ Die zweite Neunte in dieser Edition, die bei Tahra erst unlängst als SACD erschienen ist, wurde von mir bereits rezensiert. Ich möchte daher kurz zitieren, denn interpretatorisch ist die Aufnahme besonders: "Musikalisch reißt die Aufnahme vom Hocker! Mich würde interessieren, was Furtwängler an diesem Abend bewegte, denn der Mitschnitt ist unerwartet ruppig, geladen, vorantreibend und wirkt damit, als habe der Maestro am Pult der Wiener Philharmoniker Luft ablassen müssen. Er steht interpretatorisch der expressiven Neunten von 1942 viel näher als der Feierlichen von 1951 oder der altersweisen Sicht von 1954 (die drei Meilensteine der Furtwängler-Neunte-Diskographie). Interessanterweise liegt er zeitlich (3. Februar 1952) jedoch zwischen den beiden letztgenannten und unterscheidet sich doch deutlich."

- 9. April 1952 -
Bach: Matthäus-Passion. Erster Teil (CD 10)
+++ Das romantisch musizierte Fragment ist nur dank eines Amateur-Mitschnitts überliefert worden. 1939 hatte Furtwängler sich zur historischen Aufführungspraxis von Bach-Werken geäußert. Er sprach von einer "andere(n) Wirklichkeit, die wir vor und in uns haben als Bach, dieser unserer Wirklichkeit [...] haben wir Rechnung zu tragen." Am Beispiel der Choräle erklärte er: "Das Publikum unserer Konzertsäle singt nun einmal die Choräle nicht mit, die Choräle haben sich abgelöst, sie sind in das Werk hineingestellt." Außerdem verwies er auf den Wandel bei den Aufführungsorten und der Orchesterbesetzung. Entstanden ist auf dieser Grundlage ein romantischer, ein wahrer Furtwängler-Bach, der aber dadurch keinesfalls an Reiz verliert.

- 29. November 1952 -
Beethoven: Sinfonie Nr. 1 (CD 11)
+++ Eine Beethoven-Sinfonie par excellence, die in mir sofort das Verlangen weckt, einen ganzen Zyklus unter Furtwänglers Leitung anhören zu wollen.

- 30. November 1952 -
Mahler: Lieder eines fahrenden Gesellen (CD 11), Beethoven: Sinfonie Nr. 3 "Eroica" (CD 12)
+++ Alfred Poell singt die "Lieder eines fahrenden Gesellen". Es ist das einzige Werk Mahlers, das unter Furtwänglers Leitung, wenngleich insgesamt in drei verschiedenen Aufnahmen, erhalten ist. Daneben liegt hier zum zweiten Mal Beethovens Dritte vor. Auch dieser Mitschnitt ist bei Tahra als SACD erschienen und von mir rezensiert worden: "So ist auch diese Eroica ein kraftvoller, schwerer, von emotionalem Tiefgang gezeichneter Gigant."

- 22. Februar 1953 -
Gluck: Iphigenie in Aulis. Ouvertüre (CD 12), Furtwängler: Sinfonie Nr. 2 (CD 13)
+++ Zwei selten gespielte Werke folgen: Glucks Ouvertüre zu "Iphigenie in Aulis" und Furtwänglers Sinfonie Nr. 2. Das Dirigieren mußte als "das Dach" erscheinen, "unter das ich mich im Leben geflüchtet habe, weil ich im Begriff war, als Komponist zugrunde zu gehen", schrieb Furtwängler 1946 an einen Freund. Er war infolgedessen auch immer höchst angespannt, wenn er eigene Werke, wie seine e-Moll-Sinfonie, dirigierte. Sie steht am meisten für den Komponisten Furtwängler. 80 Minuten mißt das Werk, das man hier unter der Leitung seines Schöpfers genießen kann.

- 31. Mai 1953 -
Beethoven: Sinfonie Nr. 9 (CD 14)
+++ Der einzige Mitschnitt einer neunten Sinfonie Beethovens aus dem Jahr 1953 ist der hier vorliegende: klanglich hervorragend, interpretatorisch von hoher Qualität.

- 10. April 1954 -
Bruckner: Sinfonie Nr. 8 (CD 15/16)
+++ Die achte Sinfonie aus Furtwänglers Todesjahr, die letzte Aufzeichnung überhaupt unter seiner Führung. An Kraft und Ausdruck büßt sie nichts ein, denn Furtwängler erweckt den Titanen, Bruckners Achte, abermals zum Leben. Diesmal ist sie jedoch mehr menschlicher und weniger tragischer Natur im Vergleich zur Aufnahme von 1944. Das Werk gewinnt dadurch an Tiefe. Gleiches kann man beim Vergleich der neunten Sinfonien Beethovens von 1942 und 1954 beobachten.

- 15. April 1954 -
Bach: Matthäus-Passion (CD16-18)
+++ Erstmals veröffentlicht Orfeo nun den vollständigen Mitschnitt der Matthäus-Passion von 1954. Die EMI hatte ihre Bänder gekürzt und bearbeitet erst 1995 publiziert, der vorliegende Mittschnitt basiert auf den gleichzeitig entstandenen Originalbändern des Rundfunks. Wie für die 1952er Passion gilt auch hier, daß Furtwänglers Sicht, nur weil sie den Verfechtern der "Werktreue" widerspricht, keine falsche ist. Nein, seine Interpretation fußt auf einer wohldurchdachten und für Furtwängler zutiefst essentiellen Grundlage – seiner fundamentalen und dem Werk verschriebenen Überzeugung: "Alles reproduktive Musizieren verdirbt den Charakter. Es ist zuerst echt, muß aber dann notwendig falsch werden, wenn es zum Selbstzweck erhoben wird, da Erlebnisse sich nicht mit Routine beliebig wiederholen lassen. Alle wirklich Großen haben noch andere Ressourcen, aus denen sich die Kraft ihrer Reproduktion erneuert."

Ein Fazit

Die vorliegende Edition verbindet herausragende Zeugnisse von Furtwänglers Musizieren in mustergültiger Bearbeitung, die Musikstücke wurden 2011/12 restauriert. Dazu hat Orfeo sich viel Mühe gegeben und ein hochwertiges, umfangreiches Begleitheft in deutscher und englischer Sprache beigelegt. Selten war eine Furtwängler-Box qualitativ von so großer Güte in Inhalt und Umsetzung wie "Die Wiener Konzerte von 1944-1954".
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gold on records, 12. August 2013
Von 
G Pelloni "gpelloni" (Cottingham, East Yorkshire United Kingdom) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
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Rezension bezieht sich auf: Wiener Konzerte 1944-1954 (Audio CD)
the only words you can use to summarize the artistry of Whilelm Furtwangler are those used by Claudio Arrau to describe his experience of attending Whilelm Furtwangler's concerts: " Everything he (Whilelm Furtwangler ) touched was gold".
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Wiener Konzerte 1944-1954
Wiener Konzerte 1944-1954 von Johann Sebastian Bach (Audio CD - 2012)
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