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4,7 von 5 Sternen
Push the Sky Away
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86 von 91 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Schon mit den ersten Tönen stellt sie sich ein, diese angenehme Schwere. Noch hat Nick Cave nicht ein Wort gesungen, aber die tiefe, dichte Melancholie seiner gleichsam satten und brüchigen Stimme füllt schon den Raum. Wer den Unterschied zwischen der Schönheit gedankenversunkener Melancholie und der Hässlichkeit zerstörerischer Depression nicht erfasst, nicht empfinden kann oder will, sollte die Musik von Nick Cave grundsätzlich meiden, insbesondere das neue Album "Push the sky away".

Nach 30 Sekunden raunt Cave die erste Zeile "The tree don't care what the little bird sings..." und die Ahnung wird mehr und mehr zur Gewissheit: "Push the sky away" markiert wieder einmal einen Wendepunkt im Schaffen des Australiers. Nick Cave setzt mit diesem Album am ehesten, wenn überhaupt, bei den Alben "The Boatman's call" (1997) und "No more shall we part" (2001) an, allerdings unter weitgehendem Klavierverzicht. Die tendenziell eher schroffe Phase der letzten Alben "Dig!!! Lazarus, dig!!!" und den beiden Grinderman-Platten davor und danach, mit zuweilen herrlichstem klanglichen Geschnodder, scheint erst einmal vorüber. Cave dunkelt das Raumlicht wieder ab, bittet den Hörer platz zunehmen und mit ihm in die tiefsten Tiefen der eigenen Seele hinabzusteigen und sich selbst so vielleicht ein wenig näher zu kommen - das Schwarze sehen, nicht schwarzsehen!

Er hat sein Klavier nicht verkauft, natürlich nicht. Nach Jahren völliger Abstinenz bei den Produktionen aber, hört man bei dem Stück "We real cool" tatsächlich endlich sein vor Jahren prägendstes Instrument wieder zaghaft ein paar Töne streuen. Inmitten des bedrohlich, monoton blubbernden Basslaufs des Stückes, setzt Cave so mit einigen zaghaften Berührungen der Tasten einen vertrauten Kontrast. Dennoch muß auch "Push the sky away" im Wesentlichen ohne Klavier auskommen, wie alle Alben der letzten Jahre. Doch gerade das verhilft der Platte zu einem ureigenen Klangbild. Denn anders als die jüngeren Alben, sind hier alle neun Stücke im Grunde wieder strukturell Piano-Balladen (jetzt bitte nicht an Elton John denken!), nur eben ohne Piano. Klang prägend sind der schon erwähnte knochentrocken knarrende und leicht verkratzte Bass und verschiedenste Violinen-Verzerrungen. Hinzu kommen jeweils ein paar Details, die Atmosphäre schaffen. Bei allen Liedern des Albums bleibt das Klangbild aber klar gegliedert und transparent, keine großen Effekt-Aufschichtungen. Wenn man den Querverweis zu bisherigen Cave-Alben sucht, dann findet man ihn, neben den oben genannten, klanglich am stärksten bei seinen rein instrumentalen Soundtrack-Alben wie "The proposition" oder "The road". Der ruhig-schroffe Charakter dieser mit Warren Ellis geschaffenen Alben prägt auch "Push the sky away".

Die Platte fordert volle Aufmerksamkeit und wenn man sie ihr schenkt, lohnt sie es mit einem tiefempfundenen Wohlgefühl. Wie ein Gespräch mit einem uralten, lebensweisen Mann, der einem mit knappen Worten, wie nebenbei, ein paar Gedanken mitgibt und leise wieder geht. Im Hinterherschauen spürt man plötzlich das unbeschreiblich beseelende Gefühl, soeben etwas unermesslich Wertvolles für sein Leben erkannt zu haben. So pathetisch das auch klingen mag, in etwa so empfinde ich das neue Album von Nick Cave. Das ist subjektiv, gewiss, übertrieben ist es nicht. Und ob es andere ebenso oder ähnlich empfinden mögen, kann ich nicht beurteilen. Finden Sie es heraus.

Die Deluxe-Edition lohnt sich allein der edlen, kunstvoll illustrierten Aufmachung in gebundener Buchform wegen. Die zusätzlich beigelegte DVD enthält zwei weitere Songs, die als Video die Musiker im Studio bei der Arbeit zeigen. An sich nichts so fürchterlich aufregendes, wenn es sich nicht eben um weitere Songs handeln würde. Also nicht zwei Songs vom Album mit Studio-Eindrücken garniert, sondern zwei eigenständige Nummern, die wohl extrahiert wurden, weil sie den roten Faden der neun Stücke des Albums durchschnitten hätten. Also nicht zu schlecht, sondern zu anders.

Intensiv sind Nick Cave Alben immer, ausnahmslos. "Push the sky away" ist geprägt von grober Sanftheit, von Caves im Älterwerden immer noch zunehmender Fähigkeit scheinbar Unvereinbares in Einklang zu bringen, in seinen eigenen Klang zu bringen. Nicht einfach nur ein guter Musiker, sondern ein wirklicher Künstler.
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37 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Irgendwie hat es so klingen müssen. Nach der wuchtig, trotzigen Auflehnung der Grindermänner und ihrem jähen und viel zu frühen Ende (trotz einiger Livetermine in diesem Jahr) war klar, dass Cave mit den Bad Seeds trotz nahezu identischer Besetzung (Ellis, Casey und Sclavunos sind ja mit dem Meister selbst doppelt besetzt) einen Schwenk, einen harten Bruch würde vollführen müssen. Und so landet das aktuelle Bad-Seeds-Album stilistisch wieder weit näher bei den früheren Veröffentlichungen der Band als viele es ihm zugetraut und manche es sich gewünscht hätten. Keine laute Platte, keine unheilvoll hervorbrechenden Klangkaskaden, wenig auch vom knochenklappernden Teufelstanz, dessen Runden Cave ja nicht ungern dreht, sondern: Kammermusik, reduziert, bedächtig und konzentriert und in dieser Form wohl am ehesten dem Album „No More Shall We Part“ der Jahrtausenwende vergleichbar.

Dennoch: Die Themen, an denen sich Cave in Begleitung abarbeitet, unterscheiden sich nicht wesentlich von denen seines kürzlich verschiedenen Bluesrockquartetts, nur die Ausdrucksweisen haben sich gewandelt: Das Alter und das Altern treibt die Männer in eine Form von abgeklärter, milder Enttäuschung, wo laute Wut war, sind jetzt Bitterkeit und Sarkasmus. Einsamkeit und Unabänderlichkeit werden reell, was bleibt ist bestenfalls die Liebe und wenn die nicht zu haben ist, all die sehnsuchtsvollen Trug- und Traumbilder von ihr. Der Blick in die „Wide Lovely Eyes“ kündet ebenso davon wie der Klagegesang an die „Mermaids“, der käuflichen Liebe selbst beraubt ist für Hoffnung („Jubilee Street“) in der Tat nur noch wenig Platz. „You grow old and you grow cold“ heißt es in „Water’s Edge“, an anderer Stelle „... all the ones who come, all the ones who go, down to the water“ – die Dinge gehen ihren nicht eben erfreulichen Weg, die Dummheit schreitet voran („Wikipedia is heaven, when you don’t remember anymore“, We Real Cool), da kann man schon mal missmutig werden.

Musikalisch ist das alles wundervoll angerichtet, alles schimmert dunkel, kein Ton ist zuviel – die Bad Seeds in heutiger Zusammensetzung sind offenbar noch immer Männer von maximalem Fachverstand, auch Cave bezeugt ja nicht ohne Grund in den Linernotes: „Ask anyone who has seen them at work. They are unlike any other band on earth for pure, instinctive inventiveness.” Mal graviätisch mit Chor („Wide Lovely Eyes“), dann balladeskes Schunkeln („Water’s Edge“), für „Jubilee Street“ kurz die Gitarren etwas härter angefaßt, bevor bei „We Real Cool“ nur noch der dunkel dräuende Bass die Arbeit erledigt. „Higgs Boson Blues“ kratzt angenehm im Ohr, der Titelsong am Ende begnügt sich mit synthetischen Schleifen und dumpfem Grollen – fade out. Es sind große, wohlgeratene Songs geworden, allesamt, mit Bildern, die im Hirn gemächlich spazieren gehen und Melodien, die man so schnell nicht vergessen wird. „New in an old school kind of way“ sagt Cave selbst dazu, mehr war nun wirklich nicht zu erwarten. Jahresbestleistung, bis jetzt. mapambulo:blog
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Als ich hörte, dass Nick Cave ein Album mit "schönen" Songs abgeliefert hat, war ich skeptisch. Das letzte schöne Album, dass ich von ihm hörte, war Boatman's Call, und das hatte mich damals enttäuscht. Meiner Meinung nach passte diese Musik nicht zu ihm und er klang hörbar unsicher. Es war nichts mehr von der Klang gewordenen Raserei auf "Henry's Dream", dem Grusel auf "Murder Ballads" oder dem Fanatischen auf "Tender Prey" zu finden. Aber der Wandel ist sein gutes Recht als Künstler. Nun haben wir 2013.

"Push The Sky Away" ist anders "schön". Nicht durch Liebes-Balladen, sondern durch ruhige Songs, die zwar wenig dynamisch, aber voller Spannung und reich an kreativem Sound sind. "Jubilee Street" ist so ein spannendes Stück. Es bricht nie aus, aber man muss jederzeit damit rechnen, ebenso bei "Water's Edge" mit seinem kernigen Bass. Warren Ellis hat es verstanden, den Sound sparsam zu halten. Es ist nicht voll geladen wie "Dig Lazarus Dig". Die Schlussnummer "Push The Sky Away" erinnert mich enorm an "Stranger Than Kindness" von 1986. Beide Nummern gehören zu meinen absoluten Favoriten im Werk von Nick Cave. Sonst lädt das Album kaum dazu ein, im Backkatalog zu wühlen, und das ist auch OK. Nick Cave ist noch weit davon entfernt, sich selbst zu kopieren.
Obwohl kein Konzeptalbum macht Push The Sky Away doch am Stück zu hören Spaß. Mit unter 45 Minuten ist es nicht bemüht lang und hat (vielleicht auch dadurch) kein
Füllmaterial. Die Stück greifen wie völlig selbstversändlich ineinander.

Fazit: Klare Kaufempfehlung. Dass ich nur vier Punkte vergebe, liegt daran, dass mir eine Spur von der Aggressivität das alten Caves fehlt. Nummern wie "Tupelo" oder "Jack The Ripper" fehlen komplett. Liegt aber wohl mehr an meiner Erwartungshaltung. Das Album ist klasse.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. Juli 2013
Mir gefällt der sanfter gewordene Nick Cave. Die Songs erzeugen wohlige Gänsehaut.
Seit No More Shall We Part die Beste CD.
Die beste Cd dieses Jahres für mich, leider erst so spät entdeckt
Habe einmal beim hören an Leonhard Cohen gedacht u erst danach gelesen, dass Leonhard ein Vorbild für Nick Cave sein soll.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. April 2013
Ich bin ein grosser Nick Cave Fan, seine Bücher, seine Drehbücher, seine Gedichte und nicht zu letzt auch und v.a. seine Musik. Roh, poetisch, minimalistisch, ein Gesamtkonzept, dass vollends seine Berechtigung im immer schneller und oberflächlicher werdenden Musikbuisiness hat. Nick Cave gehört heute zu den alten Eisen und ehrlich gesagt, hatte ich bedenken, was das neue Album angeht. Letztlich kamen irgendwie in wenigen Wochen viele Altmeister mit ihren neuen Alben auf den Markt, wovon nicht alle gelungen sind (Depeche Mode, David Bowie, Eric Clapton, u.a.).

Aber dann die Erleichterung. Ein typischer Nick Cave, neu aber dennoch nicht von seinem bewährten und geliebten Stiel abgewichen. Die Tracks auf der LP sind ganz grosser Rock... nur halt nicht fürs Stadion, oder in welchen wahnwitzigen Dimensionen man heute denken sollte. Die Platte macht Spass und wer Nick Cave mag, der wird seine Freude hieran haben, für alle die ihn nicht kennen, durchaus mal einen Versuch wert, die ihn nicht abkönnen... weiterhin Finger weg. Mainstream gibt es wo anders... aber nicht hier!

Musik: 10/10

Zur LP:

Pressqualität: 9/10

Klang: 9/10

Die LP ist sehr gut verarbeitet. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Für all jene, die nicht ohne ihre MP3s für unterwegs auskommen... ich zähle dazu... Downloadcode liegt der LP bei. Zu Hause auflegen und geniessen und unterwegs auch mal gerne durchhören, wenn man durch die Stadt streift... man darf mich jetzt gerne anfeinden, aber die Platte funktioniert auch sehr gut draussen... Macht Laune!

Gesamteindruck: 9/10
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 20. März 2014
Es sieht wohl ganz danach aus, dass Nick Cave immer mehr das Privileg des Kritiker-Lieblings genießen darf. Wenn er es nicht schon längst tut. Er kann machen was er will. Und vor allem wann er will. Der Meister im Nadelstreifenanzug Cave und seine Bad Seeds haben mit „Push The Sky Away“ das nun mittlerweile schon fünfzehnte Album veröffentlicht und der kreative Gipfel scheint immer noch nicht erklommen. Man muss sich nicht immer völlig neu erfinden oder toppen, um den (gemessen an der enormen Künstler-Relevanz und langen Wartezeit) hohen Erwartungen gerecht zu werden. Erfahrung, Können und die Fähigkeit zur Selbstreflexion bringen einen Profi wie Cave so schnell nicht aus der Ruhe. Und deswegen vergingen diesmal gleich fünf Jahre nach dem für Cave-Verhältnisse relativ aufgedrehten „Dig!!! Lazerus, Dig!!!“. Wer sich eine Fortsetzung davon gewünscht hatte, der sollte lieber die Referenzalben seiner kurzlebigen, zweiten Band Grinderman für sich laufen lassen. Denn für „Push The Sky Away“ kehrt Cave zumindest formal wieder zu deutlich ruhigeren Tönen zurück. Zumindest klang die Musik der Bad Seeds wahrscheinlich noch nie so enthaltsam. Die rhythmische Grundlage von „We Know Who U R“, „Wide Lovely Eyes“, „Waters Edge“ und „We Real Cool“ bilden auf das Nötigste reduzierte Loops aus kratzenden Gitarren, murmelnden Bässen und Marimbas. Oder vielleicht doch Xylophone? Warren Ellis wird es am besten wissen. Die hier bewusst zur Schau gestellte Simplizität ist in jedem Fall alles andere als arm an Atmosphäre. Das merkt man besonders dann, wenn sich aus der scheinbaren Trägheit der Musik mit zunehmenden Streichern und Chören doch ein so wunderbar aufgehender Bluesrocker wie „Jubilee Street“ aufwiegelt. Und dann erkennt auch schon fast den alten Cave wieder. Aber der Neue auf „Push The Sky Away“ gefällt auch sehr. Manchmal liegt der Trick einfach darin, Details nicht zu ändern- oder hinzuzufügen, sondern sie einfach (fast) völlig zu streichen. Und plötzlich klingt wieder alles anders.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 31. August 2013
Diese zwei Zeilen stammen aus dem Titellied des 2013 erschienen Albums "Push the sky away" der australischen Band Nick Cave and the Bad Seeds. Die letzte Zeile des Zitats spiegelt exakt meine Gefühle über das gesamte Werk wider, denn jedes einzelne der neun Lieder - meiner Meinung nach jedes ein Meisterstück - ist direkt bis zu meiner Seele vorgedrungen, unübertrieben.

Wenn man Musik bewerten will, bleibt einzig und allein zu sagen, ob eine Musik qualitativ hochwertig ist. Und qualitativ hochwertig ist die Musik von Nick Cave and the Bad Seeds, keine Diskussion. Der Rest liegt ganz im Ohr des Hörers.

Musik besitzt die Gabe, eine ganze Bandbreite von Emotionen auszulösen und wirkt dabei auf jeden Hörer verschieden. Ich werde nun versuchen, meine ganz persönlichen Eindrücke und Empfindungen beim Hören von "Push the sky away" in Worte zu fassen.

Nick Cave and the Bad Seeds' Musik bewegt sich jenseits der Hektik des Alltags und die Band schlägt in "Push the sky away" vor allen Dingen ruhige Töne an. In größtenteils sanften Melodien werden in mysteriösen und poetischen Texten drastische Fantasien behandelt. Selten habe ich etwas so tiefes und intensives und auf seine ganz eigene, betörende und fast schon schreckliche Art und Weise wunderschönes gehört. Als die letzten Töne verklungen waren und die CD ausgespielt hatte, saß ich erst einmal eine Weile vollkommen still da und ließ den durch die Musik erzeugten Bann nachwirken.
Die Grundstimmung von "Push the sky away" ist eher depressiv, melancholisch, bedrückend und voller Schwere. Obwohl die Musik so tieftraurig ist, ist sie gleichzeitig auf merkwürdige Weise beglückend. Nick Caves angenehm dunkle Stimme, mal verträumt, ja fast zärtlich und hin und wieder geradezu roh, bedrohlich und leidenschaftlich, aber immer voller Schmerz, harmoniert auf wunderbare Weise mit der fast greifbaren Atmosphäre.

Fazit: Wenn man einmal Nick Cave gehört hat - unabhängig davon, ob man seine Musik nun mag oder nicht - vergessen wird man ihn nicht, denn seine Musik zieht nicht spurlos an einem vorüber. Mich zumindest hat sie zutiefst bewegt.
Hört euch diese CD an und schenkt ihr eure volle Aufmerksamkeit, denn sie verdient es, gehört zu werden.

"I got a feeling I just can't shake
I got a feeling that just won't go away
You've gotta just keep on pushing
Keep on pushing
Push the sky away"
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am 30. Dezember 2013
14 Alben, vier zusätzliche Live-Alben und 29 Jahre als Band auf dem Buckel: Nick Cave And The Bad Seeds haben wieder zugeschlagen und CD Nummer 15 auf den Markt gebracht. Push The Sky Away heißt sie und beinhaltet neun Songs, die einige Überraschungen bergen. Oder ist es vielleicht doch ein ganz normales Nick-Cave-Album?
Es beginnt sanft und ruhig, getragen schleicht die Melodie dahin, und man denkt eher an Beerdigungen oder auch ganz ruhige, romantische Tänze mit dem Liebsten. „We No Who U R“ ist eine schöne Nummer, die einmal mehr ohne Brachialgewalt auskommt und einen Chor für den Refrain hat, der ein bisschen Unschuld mimt.
Genauso geht es dann auch weiter. „Wide Lovely Eyes“ lässt ebenfalls harte Klänge vermissen, und man beginnt zu erkennen, dass dieser Silberling sehr ruhig werden wird. Wie immer arbeitet Cave mit der Unterstützung eines vollen Backgroundgesangs, der hin und wieder an einen unschuldigen Kinderchor erinnert. Manchmal ertönt auch ein zartes Stimmchen, das an ein junges Mädchen erinnert und nicht an die ausgewachsene Frau, die dahintersteckt.
„Water’s Edge“ entführt einen für wenige Augenblicke in die Wildnis. Vor dem inneren Auge entstehen australische, vielleicht auch afrikanische Landschaften, man jagt mit dem Jeep hindurch und hört diese lauernde Melodie. Aber das wird schnell schwächer, und wieder steht die Stimme des Sängers im Vordergrund.
Wieder einmal trägt er seine düsteren Geschichten vor, besingt in „Jubilee Street“ Bee, die erschossen wird, eine Geschichte hat, aber keine Vergangenheit. Cave erzählt von Mädchen, die sich anpreisen am Strand, oder sagt, er glaube an 72 Jungfrauen, Gott und „Mermaids“. Fröhliche und ausgelassene Lyrics sucht man bei ihm vergebens, außer man besitzt einen derben schwarzen Humor, der sich über kleine Grausamkeiten freut. Doch genau das ist es, was den Künstler ausmacht. Das Dunkle und Böse, der Zeigefinger auf den Abgründen der Gesellschaft und in ihren Wunden. Mit einer malerischen Sprache schaut er in die Winkel und Ecken, in die düsteren Gassen und die Finsternis der Seelen. Dabei verzichtet er auf musikalische Breitseiten, auf harte Drums und donnernden Bass. Im Vordergrund steht aber auch kein starker Gesang, der alles andere dominiert, nein. Nick Cave stellt die Lyrics ins Zentrum, fängt den Hörer ein und führt ihn durch die Welt, die alles andere als rosarot ist. Dabei geht es durchaus um Glück und Liebe – aber das muss ja nicht immer zum Happy End führen, nicht wahr? Das macht ihn aus, und das will man hören.
„We Real Cool“ bezieht Streicher mit ein, die den Song sehr getragen und geradezu todtraurig wirken lassen.
Das erwartet man auch eher im folgenden „Finishing Jubilee Street“, das aber viel besser in eine dieser Bars mit dezenter Livemusik passen würde. Hier schlägt er einen Bogen zu „Jubilee Street“ und beendet die Geschichte, die er dort angefangen hat.
Genauer hinhören sollte man bei „Higgs Boson Blues“. Das geht es um Hannah Montana alias Miley Cyrus. Ein bisschen fehlt das Pendant Justin Bieber, aber Cave geht nicht ganz so nett mit dem weiblichen Teeniestar um, so dass man sich entweder darüber aufregen oder eben doch schmunzeln kann. Es sind düstere Balladen und es werden – zum Glück – immer solche bleiben. Würde sich das ändern, wäre es nicht mehr der gute, alte Nick Cave.
Der Titelsong „Push The Sky Away“ ist vermutlich als kleine Aufforderung zu verstehen und zieht dadurch mit.Unterm Strich ein wirklich ruhiges Album. Ich vermisse ein bisschen das Lauernde, Bedrohliche von Cave, aber es ist eben ein neuer Silberling, der auch wieder Neues bringen darf. Die Scheibe lohnt sich, und die Texte sind bekannt düster.
Am 21.11.13 tritt Cave zusammen mit den Bad Seeds im Zenith in München auf, das sollte man nicht verpassen.Anspieltipp: Jubilee Street
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am 17. Februar 2013
Die Seeds sind zurück, Fünf Jahre ist es her und gefühlt wahrlich 15.
Push the Sky away schlägt dem großartigen letztem Werk "DIG, LAZARUS, DIG!!!" von vor fünf Jahren gegenüber völlig andere Pfade ein.
Es ist kein Rockalbum wie das Reinkarnationsalbum von 2008 aber es ist auch nicht so ein verklebter Schmonz wie es Nocturama aus heutiger Sicht ist.
Ich möchte reduziert sagen, doch ist die Idee falsch, Streicher und ein Chor widersprechen mir da. Verhalten und Zurückgenommen trifft es da schon eher. Nein, auch nicht No More Shall We Part, kaum Piano und weit femininer. Alterswerk klingt fast schon abwertend, trifft jedoch am ehesten den Punkt. Ruhig, meditativ und klar, mit einer unerwartet warmen Melancholie steht Caves Stimme in Vordergrund des Albums, es geht um ihn um seine Texte und seine Lyrik. Und so ist die limited Ausgabe ist in Form des Notebooks gehalten in welches Cave binnen 12 Monaten die Songtexte schrieb, veränderte, arrangierte und letztendlich für sich selbst absegnend stempelte.
Push the Sky away ist mehr das Album eines Dichters geworden, als das eines Musikers. Und wiedermal scheint Grinderman (Jewelcase) der Befreiungsschlag Caves zu sein, wo sie ihn seit Abattoir Blues/The Lyre Of Orpheus schon zum Rock zurückgeführt hatten ermöglichen sie ihm jetzt ein Seeds Album der Stille zu machen.
Push the Sky Away erinnert in seiner Schlichtheit an den späten Leonard Cohen, eben das Gegenteil von der Garage Rock inspirierten letzten Scheibe oder der erstklassigen Zweitband.
Schon der Opener We No Who U R" und zugleich die erste Single klingt nach den Ten New Songs und Cave bleibt bei diesem Klang. Grundsolide schwebt er durch das Internet als Zeitzeugnis und bildet alles erdenkliche in seinen Songs ab, von der Rotlichtgeschichte Jubilee Street bis zur Selbstmordattentäterstory Mermaids. Dabei muss ich sagen, dass Mermaids für mich den besten Track des Albums ausmacht, wo das Album jedoch in sich derart geschlossen wirkt, dass Anspieltips und Hervorhebungen über ein persönlichen Liebling hinaus unsinnig wären. Water Edge hat noch was bedrohlich Westernhaftes, dass dem Cave vertrautem Ohr unweigerlich der Jesse James Soundtrack ins Ohr stößt. Doch insgesamt ist der Cohenvergleich wohl die beste Art das neue Seedswerk zu beschreiben.
Denn insgesamt klingt hier ein gänzlich neuer, ein anderer, weicherer und sinnlicherer Sound entgegen und trägt die fast 50 Minuten den meditativen Klang des Albums.
Wer also ein zweites Dig! Lazarus, Dig! oder gar Tender Prey erwartet wird bitter enttäuscht werden. Grundsätzlich wird wohl jeder anerkennen, das Cave ein gutes Stück Arbeit geleistet hat. An Cohen kommt er dennoch (noch) nicht wirklich ran.
Nur ob diese neue Ausrichtung noch den Hörervorstellungen von einem Seeds Album entspricht, da werden sich wohl die Geister scheiden. Aber wie irre sind schon Erwartungshaltungen an ein Seedsalbum?
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. Mai 2013
Nachdem ich nur das erste Lied gehört hab, musste ich das restliche Album auch kennen lernen. Egal ob bei Dunkelheit oder extremer Hitze, irgendwie passen die etwas schweren, etwas melancholischen Lieder immer dazu und wirken auf mich extrem aufbauend. Unglaublich tolle Lieder, wobei ich sagen muss, dass es eigentlich nicht möglich ist, das Album mit Worten zu beschreiben. Kaufempfehlung!
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