Kundenrezensionen


19 Rezensionen
5 Sterne:
 (14)
4 Sterne:
 (2)
3 Sterne:
 (2)
2 Sterne:
 (1)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gesellschaftskritik mit grossen Bildern und viel Symbolik
Nein, süß ist dieses Leben bei weitem nicht, das der römische Jet Set da Ende der 50er Jahre führt, für den normalen arbeitenden „Kleinen Mann“ eher abstossend, aber der Film könnte genauso in der Jetztzeit in München oder Madrid oder London spielen, Viel hat sich nicht verändert. In der Person des Frauenlieblings und...
Vor 13 Monaten von Bonaventura veröffentlicht

versus
0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Schöner Film
Ein sehr schöner kultiger Film mit der legendären Trevi-Brunnen Szene. Leider zieht sich der Film ganz schön hin und wird somit irgendwann ermüdend.
Vor 7 Monaten von Señorita J. veröffentlicht


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Gesellschaftskritik mit grossen Bildern und viel Symbolik, 2. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: La dolce vita (DVD)
Nein, süß ist dieses Leben bei weitem nicht, das der römische Jet Set da Ende der 50er Jahre führt, für den normalen arbeitenden „Kleinen Mann“ eher abstossend, aber der Film könnte genauso in der Jetztzeit in München oder Madrid oder London spielen, Viel hat sich nicht verändert. In der Person des Frauenlieblings und Boulevard-Journalisten Marcello, der aus seinem verkorksten Privatleben (Familie, Verlobte) flieht, werden wir mitgenommen in die inhaltlose, oberflächliche Welt einer gelangweilten und infantilen Schickeria voller Selbsthass, die sich von Amüsement zu Amüsement hangelt, sich darin gefällt, sich öffentlich gegenseitig zu demütigen und zu quälen, dazu eine allgegenwärtige Meute von Paparazzi, die wie ein Schwarm Schmeissfliegen ohne jedwede Hemmung sich auf alles stürzt, was auflagefördernd zu sein scheint, ja selbst vor dem Tod ohne Respekt, Exzesse aus endlosen Partys, Sex ohne Liebe und Alkohol usw.
Allen, die sich einen gewöhnlichen Unterhaltungsspielfilm erwarten, sei gesagt: Dies ist mehr eine dokumentarische Aneinanderreihung von zur damaligen Zeit real passierten skandalösen Szenen des römischen Nachtlebens ohne eigentlichen Handlungsstrang.
Die Charaktere sind fast durchweg unsympathisch gezeichnet, sie kennen keine Moral, noch Selbstrespekt, schwanken zwischen Verzweiflung (Marcellos Braut) und Promiskuität, die Hauptperson Marcello ist ein zerrissener Antiheld. Eigentlich kommen während der fast 3 Stunden nur 2 menschliche Wesen darin vor, die respektabel erscheinen: Steiner, ein wirklicher Intellektueller, ganz im Gegensatz zum Gernegross Marcello voller Seele und Gefühl, der aber innerlich auch voller Ängste ist und keinen Ausweg für sich und seine Kinder sieht ausser dem Freitod und ein junges unverdorbenes engelhaftes Mädchen, welches zuerst Marcellos ewige Lüsternheit weckt und in der sehr surrealistischen Strand-Szene am Schluss (La Strada lässt grüßen!) wie ein Engelswesen von einem anderen Stern plötzlich auftaucht und versucht mit Marcello zu kommunizieren, der aber nach einer weiteren alkoholgeschwängerten Orgie für einen Aussenstehenden nicht mehr erreichbar ist, und das liegt nicht nur am Sturm und Brandung...
Überhaupt ist diese letzte Szene in meinen Augen viel eindrucksvoller, als die immer nur zitierte berühmte Brunnenbadeszene dieses kichernden Film-Starlets (A. Ekberg), das selbst noch zu dumm ist, selbständig auf Reporterfragen zu antworten, nämlich als die restlos verkommene Partygesellschaft aus jungen Adligen, Filmstars, Transvestiten usw. im Morgengrauen an den Strand eilt, um eine weitere vermeintliche Sensation zu begaffen aber dann nur sich selbst sieht, in Form eines toten, schon halb verfaulten Meeres-Ungeheuers (ein riesiger Rochen).
Ein abendfüllender Film voller subtiler Kritik an einer bestimmten Gesellschaftsschicht, toller schauspielerischer Leistungen und grosser Bilder und Symbolik. Aber wie gesagt, nichts zum Mitlachen oder Mitfiebern und schon gar keine „Liebeserklärung des Regisseurs an Rom“ wie man so oft lesen kann.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Es gibt nur zwei Dinge: die Leere und das gezeichnete Ich." (Benn),, 4. August 2008
Von 
Helga König - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: La dolce vita (DVD)
Jeder kennt die Filmszene, in der die vollbusige Anita Ekberg lasziv durch die "Fontana de Trevi" tanzt. Dieses Sexsymbol der frühen 60er Jahre visualisiert und verspricht zugleich - wie kaum eine andere Darstellerin - das " Dolce Vita " im Rom der frühen 60er Jahre, das dem Zuschauer von heute allerdings etwas befremdlich erscheint. Dennoch spielt Ekberg keineswegs die Hauptrolle in dem 167 Minuten andauernden Streifen. Fast scheint es so als habe Fellini durch diese Schauspielerin für sein Werk im Vorfeld Aufsehen erregen wollen, denn das Bild ging bereits um die Welt, lange bevor der Film abgedreht war.
Der junge Marcello Mastroianni spielt einen Klatschkolumnisten, der sich gemeinsam mit einem Heer von Paparazzis auf der Via Veneto bewegt . Dort treffen sich die Reichen und die Schönen Roms , aber auch die Intellektuellen, die Künstler und die Filmleute.

Marcello ist diesen Leuten, die ihn mögen, immer ganz nah, um über ihr Jet-Set-Leben berichten zu können, vielleicht aber auch, weil deren abgefahrenes Dasein einen gewissen Reiz auf ihn ausübt.

Der Journalist nimmt an den dekadenten Partys teil, lässt sich von den gelangweilten, reichen Frauen verführen und natürlich gehen diesem "Latin Lover" die Augen über als sich besagte blonde, wuchtbrummige Brunhilde als lebendig gewordene Männerfantasie im Brunnen räkelt. ( Eine ganz ungemein amüsante Szene!)

Alle Sequenzen wirken surreal. Vom alten Rom sieht man außer dem Trevi- Brunnen kaum etwas. Stattdessen werden neu erbaute Hochhäuser gezeigt, die wohl als Symbol für den wirtschaftlichen Aufschwung galten, aber auch zeigen sollen, dass das, was sich abspielt, ebenso gut an einem anderen Ort ereignen kann. Es geht nicht um das Lebensgefühl in Rom jener Jahre, sondern um das Lebensgefühl einer Gesellschaftsschicht in der damaligen Zeit, weltweit.

Bis auf Marcello und seinen Freund Steiner (einem Intellektuellen), der sich schließlich angewidert erschießt, sind die gezeigten Personen allesamt geistlos den Oberflächlichkeiten des Seins ergeben. Dialoge finden zwischen diesen Menschen nicht statt. Sie produzieren sich, saufen bis zum Abwinken und frönen dem Sex in dieser Welt des schönen Scheins und der Vergänglichkeit.

Marcellos Verlobte ist das ebenso unerquickliche Gegenbild des dargestellten Verhaltens der Schickeria . Kleingeistig, vereinnahmend und spießig versucht sie Einfluss auf Marcello zu nehmen. In meinen Augen ist ihr Verhaltensmuster noch schlimmer als das vom Rest der Bande.

Ist es Marcello möglich - unbeeinträchtigt von seinem Umfeld - seinen eigenen Weg zu gehen?
Oder ist diese Frage gar unerheblich in einem Film, der darauf verzichtet eine Geschichte zu erzählen?

Empfehlenswert!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


42 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen La dolce vita, 2. August 2007
Rezension bezieht sich auf: La dolce vita (DVD)
Während seiner Recherchen für "Die Nächte der Cabiria" war Federico Fellini auf ein gesellschaftliches Phänomen gestoßen, das ihn mehr und mehr zu faszinieren begann: Die reiche Oberschicht des Landes führte gegen Ende der 50er Jahre ein Leben der Ausschweifungen und Dekadenz, deren Zentrum die römische Via Veneto mit ihren Bars und Straßencafes war. Diesem bunten Treiben nahmen sich der Regisseur und drei Drehbuchautoren an und entwarfen das ebenso faszinierende wie abstoßende Panorama einer Gesellschaft, die an ihrem eigenen Luxus und Wohlstand zu ersticken droht. Exemplarisch dafür ist der junge Reporter Marcello Rubini (Mastroianni), der für ein Skandalblatt schreibt, obwohl er insgeheim die Hoffnung hegt, eines Tages ein seriöser Schriftsteller zu sein. Vorerst lässt er sich jedoch von einer Party zur nächsten, von einem vermeintlichen gesellschaftlichen Höhepunkt zum anderen treiben und frönt den schnellen Vergnügungen der Menschen, über die er berichten soll. Innerhalb der episodenhaften Handlung hat er eine kurze Affäre mit einer reichen Erbin, macht mit einem Filmstar (Ekberg) die Nacht durch, berichtet über eine angebliche Marienerscheinung und nimmt an einer wilden Orgie teil. Zwischendurch muss er noch seine Geliebte, die aus Eifersucht einen Selbstmordversuch unternommen hat, ins Krankenhaus fahren und sich mit seinem Vater treffen, der vom Lebenswandel seines Sohnes schockiert ist.

Zu den bekanntesten Szenen dieses meisterlichen Werkes, das einen Meilenstein der Filmgeschichte darstellt, gehören mit Sicherheit die spektakuläre, symbolische Eröffnungseinstellung, in der eine riesige Christusstatue per Hubschrauber aus der Stadt geflogen wird, sowie das Bad von Anita Ekberg als Filmdiva Sylvia in Roms berühmtem Trevi-Brunnen. Die Dreharbeiten, für die man die Via Veneto teilweise nachgebaut hatte, dauerten ein halbes Jahr und brachten das Ergebnis von 92.000 Meter belichtetem Material, was einer Spieldauer von ungefähr 56 Stunden entspricht. Mit seiner Laufzeit von annähend drei Stunden stellte das fertige Produkt dann auch den ersten italienischen Spielfilm mit einer derart gewaltigen Überlänge dar. La dolce vita, ein Begriff, der mittlerweile in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen ist, schlug im wahrsten Sinne des Wortes wie eine Bombe ein: Bei der Mailänder Premiere wurde er ausgepfiffen und es kam zu tumultartigen Szenen, als mehrere Besucher Fellini beschimpften und sogar anspuckten. Später beschäftigte sich das römische Parlament mit der angeblichen Amoralität des Films, der nach Meinung nicht weniger ganz Italien in den Dreck ziehen würde, und der Vatikan hielt seine Schäfchen an, die Kinos zu meiden. Der Regisseur selbst bemerkte zu diesen Vorwürfen: "Mein Film ist keusch, er beschreibt das Böse, ohne sich darin zu gefallen." Der ganze Wirbel war natürlich kostenlose Publicity, und das Publikum stürmte die Kassen - zunächst in Italien, später auf der ganzen Welt. Ein wahrer Preis-Regen folgte, darunter die Goldene Palme in Cannes, der Preis der New Yorker Filmkritiker als Bester ausländischer Film sowie ein Oscar für die besten Kostüme.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen La dolce vita, 26. März 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: La dolce vita [Blu-ray] (Blu-ray)
Nachdem Fellini "Die Nächte der Cabiria" abgedreht hatte erschien dann im Jahre 1960 sein wohl berühmtester Film, "La dolce vita" zu deutsch "Das süße Leben".
La dolce vita schildert die Arbeit eines Klatschreporters. Aber nicht nur das, sondern er zeigt die Höhen und Tiefen der menschlichen Gesellschaft. Der Film hält den Menschen quasi einen Spiegel vors Gesicht, das ganze ist eine Metapher auf das Leben. Die Frage nach dem Sinn der Existenz wird hier gestellt.
La dolce vita ging in die Filmgeschichte ein, nicht nur wegen der guten Schauspieler und dem hervorragenden Drehbuch sondern auch auf anderem Gebiet. Dieser Film prägte die Kultur der damaligen Zeit, die Rollkragenpullover wurden en vogue, man nannte sie dolce vita. Paparazzo, der Name des wohl berühmtesten Fotografen der Filmgeschichte wurde im Plural international der Begriff für die Klatschreporter.
Auch die Restauration in HD ist bestens gelungen. Das Bild ist perfekt, der Ton ist in Ordnung.Nur schade, das es auf der Blu Ray keine Extras gibt, sonst ein Film der Extraklasse, wirklich empfehlenswert.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kreuzweg, 2. März 2012
Von 
jury - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: La Dolce Vita (DVD)
Willi Forst tat es bereits 1951 mit Hildegard Knef in Die Sünderin. Erst 1963 werden es Jean Luc Godard mit Brigitte Bardot in Le mépris - Die Verachtung und Ingmar Bergman mit Das Schweigen tun. Aber auch für Federico Fellini bedeutete lautes Skandal-Geschrei in der Presse selbstverständlich den Zugang zu den Publikumsmassen.

Erkennbar daneben liegt allerdings die Unterstellung, er hätte es darauf angelegt. Es gibt in diesem Film keine "Nacktaufnahmen" und auch keine "Orgíen". Die berühmte Szene in seinem 1960 erschienen Film "La dolce vita", in der Anita Ekbert mit blonder Mähne und großer Abendrobe schwanengleich in die Fontana di Trevi steigt, dient keiner plakativen Erotik. Diese kurze, aber wunderschöne Szene entspringt reiner Poesie und illustriert mit Marcellos Anbetung eine Vergötterung des Urweibes, in welchem der Südländer die Vereinigung von Heiligkeit und Sinnlichkeit sieht. Dem wohnt nichts Spekulatives inne. Hinsichtlich der Handlung ist die Erkenntnis Marcellos angesichts der Unbefangenheit, mit der Silvia in den Brunnen steigt, einfach, weil ihr danach ist, von Bedeutung: "Wir machen alles falsch."

Abgesehen von dieser frostigen (gedreht wurde im März...) Szene wird sich angesichts irreführender Kritik nach drei Stunden mancher Zuschauer fragen, was das Ganze nun eigentlich soll. Man vagabundiert mit Marcello (Marcello Mastroianni, 36) durch die römische Szene - damals mit Brennpunkt in der legendären Via Vittorio Veneto. Und scheinbar haben all die Begegnungen und nächtlichen Erlebnisse wenig miteinander zu tun. Aber wie gesagt - man sollte nicht alles glauben, was Kritiker schreiben, sondern diesem Kunstwerk Fellinis mit offener Erwartung begegnen, um es würdigen zu können.

Denn Fellini liegt schon ein wenig mehr am Herzen, als nur einen frühen Vorläufer für Kir Royal zu kreieren, als nur durch die Tränken von Roms Haute Volée zu flanieren und die Dekadenz des reichen Adels zu persiflieren.

Marcellos "Süßes Leben" illustriert die Suche eines jungen Mannes nach dem Weg, den er im Leben zu gehen hat. "La dolce vita" steht zur Diskussion in Alternative zu einem schöpferischen und der Familie gewidmeten Leben. Marcello ist der Protagonist, der den Zuschauer durch das Für- und Wider der Sinnfragen führt.

Er befindet sich im Zwiespalt - auf der einen Seite gibt er den hedonistischen Skandalreporter, der sich nicht scheut, auch mal für die Schickeria den Clown zu spielen - Hauptsache, man hat eine hübsche Wohnung, einen schickes englisches Cabrio und schöne Frauen satt. Auf der anderen Seite würde er sich gerne auf ernsthafte Schriftstellerei konzentrieren - wofür sein Freund Steiner plädiert - und mit einer jungen, "normalen", unverdorbenen Frau "ganz von vorne neu anfangen". Dafür steht die hübsche, fast noch kindliche Bedienung Paola (Valeria Ciangottini, 15), die er just in einem der wenigen Momente, in denen er zu schreiben versucht, in einer Strandbar kennen lernt - am hellichten Tag.

Die Sinn-Krise wird angestoßen durch den Selbstmordversuch seiner Verlobten Emma (Yvonne Furneaux, 32), führt durch Affären mit dem schwedischen Starlet Sylvia (Anita Ekberg, 29) und der dekadenten Upper-Class-Geliebten Maddalena (Anouk Aimée, 28) - aber die einzige Erkenntnis, die dabei herauszuspringen scheint, ist, dass er sich nicht von einer Heim- und Herd-Frau wie Emma einsperren lassen möchte. Doch auch im Verhalten zu Emma zeigt er seine Unsicherheit, mal jagt er sie zum Teufel, dann verbringt er wieder die Nacht mit ihr.

Den Blick auf einen größeren Rahmen öffnet der Besuch bei seinem Freund Steiner (Alin Curry, 52). Der plädiert auf der einen Seite für Freiheit und warnt vor der Anpassung: "Das erbärmlichste Leben in Freiheit ist besser als eine in dieser Gesellschaftsordnung verankerte Existenz." Auf der anderen Seite formuliert er die speziell in dieser Zeit in Europa dominante Angst vor dem Horror einer globalen Vernichtung: "Ich frage mich, was die Zukunft meinen Kindern bringen wird. Die Welt wird wunderbar, sagen sie. Aber wie kann sie wunderbar sein, wenn jemand nur auf einen Knopf drücken braucht, um sie in ein Chaos zu verwandeln?"

Dann begegnet Marcello dem alten Adel, der scheinbar unberührt durch den Wandel der Zeiten Generation auf Generation schichtet: In der Via Veneto gabelt er nachts das Model Nicolina auf, das ihn zu einer schon ziemlich müden Haute-Volé-Party in einem Schloss bringt. Dort trifft er auch wieder Maddalena: "Mir geht's gut, ich bin betrunken." Maddalena demonstriert ihm in der Ahnengalerie die Unvergänglichkeit ihrer schönen, großen Augen, die ihn unergründlich über einen schwarzen Schleier anblicken wie die Damen auf den Gemälden. Wenig später macht sie ihm einen elegischen Heiratsantrag - und gibt sich einem anderen hin. Marcello lässt sich von Nadia (Nadia Gray, 37) stehend am Gemäuer einer verfallenen Villa in den Tag treiben.

Immer wieder wird die Kürze des Lebens anhand von Szenen am Rande von Marcellos Streifzügen durch Rom verdeutlicht. Symbolisch beginnt dies in dem Moment, in welchem das Wasser in der Fontana di Trevi plötzlich nicht mehr läuft. Dann ist da das Mädchen, das die Madonna gesehen haben will, aber im Chaos der Fanatiker den nächsten Tag nicht erlebt. Vor allem aber wird Marcello durch den Freitod seines Freundes Steiner erschüttert, der mit seinen kleinen Kindern aus dem Leben schied, vielleicht, wie Marcello sinniert, "aus Furcht vor der Zukunft". Auch Familie gibt nur endlich Halt: Marcellos Vater bricht nach einer ausgelassenen Nacht in der Wohnung einer Tänzerin zusammen und verweigert Marcello die Gelegenheit, sich "endlich mal miteinander zu unterhalten". Drastisch wird das unvermeidliche Ende jeder Kreatur durch einen im Morgengrauen aus dem Wasser gezogenen, riesigen Rochen verdeutlicht. Der vielleicht eleganteste Wanderer der Meere, in seiner schwebenden Anmut vergleichbar mit der schönen Blonden, die im wehenden Cape in der Fontana di Trevi steht, wird tot auf den Rücken gedreht, schon halb aufgefressen von den Krebsen. Reglos und stumpf schauen seine großen, schwarzen Augen die abgekämpfte Partygesellschaft an.

Erst in der darauf folgenden, letzten Szene, nachdem alle Optionen, alle Chancen ausgelotet und alle Gefahren durchlaufen sind, alle Erfahrungen gemacht wurden, erfährt der Zuschauer, ob Marcello bereit ist, Paola zu folgen und einen Neuanfang zu wagen - oder ob er aufgibt, vorgibt, Paola nicht zu verstehen zu können - so wie die Mädchen der Anfangsszene vorgegeben hatten, nicht zu verstehen - und sich weiter durch das süße Leben treiben lassen will.

Das waren selbstverständlich Fragen, mit denen sich der 40-jährige Fellini selbst gequält hat. Aber aus Zuschauersicht nimmt Marcello auch wieder die Rolle des Stellvertreters von uns allen ein, die wir den richtigen Weg wohl wissen, aber dort, wo wir am Kreuzweg stehend entscheiden könnten, ohne erkennbare Zwänge versagen.

Apropos Kreuzweg: Ob Fellini mit der eingangs nach Rom eingeflogenen Jesus-Statue Parallelen zwischen den Stationen der nächtlichen Eskapaden und den 14 Stationen des Kreuzwegs nahelegen wollte? Vermutlich ja, aber seiner Einstellung gegenüber Religiosität gemäß lediglich in ironischer Manier - ähnlich wie die Darstellung des Madonnen-Rummels böse und sarkastisch zu verstehen ist. Erklärtermaßen lag es Fellini fern, das Leben der wohlhabenden Hedonisten zu kritisieren - er hat es nur gezeigt. Wer den Gesprächen - insbesondere mit Steiner - folgt, wird feststellen, dass die existenziellen Überlegungen, die im Zentrum des Films stehen, recht wenig mit Kirche und Religion zu tun haben. Das erste Treffen mit Steiner beispielsweise findet zwar in einer Kirche statt; aber Steiner ist es eben auch, der auf der Orgel zunächst mal einen Rock'n'Roll-Rhythmus anspielt. Für etwas zu abwegig halte ich den Versuch, die "7 Todsünden" in den Reigen hinein zu interpretieren. Aber: chacun à son goût - es war nie Sache Fellinis, Deutungen mitzuliefern.

Auf das Tempo Federico Fellinis muss man sich einlassen können. Ohne wesentliche Inhalte zu verlieren, könnte man den Film leicht auf Normal-Länge zusammenschneiden. Doch Schnitte scheint Fellini zu verabscheuen wie die Katze das Wasser. Eine "eheliche" Diskussion Marcellos mit Emma erstreckt sich schnell mal auf zehn Minuten, die Darstellung der durchgeknallten Gläubigen-Scharen um eine Madonna-Erscheinung zieht sich auf gefühlte 20 Minuten.

Und doch kann diese "epische Breite" faszinieren. Man erinnert sich an andere Filme, in denen scheinbar "nichts passiert", die aber genau dadurch eine Realität erhalten, die vergessen macht, dass man vor einer Leinwand sitzt.

Ohnedies werden immer wieder "Erinnerungen" an andere Filme wach, die ähnliche Momente enthalten. So bestehen Parallelen zu Tom Cruise` nächtlichen Irrläufen in Kubricks Eyes Wide Shut, Sylvia erinnert an Veronica Ferres' Rolle in Rossini, immer wieder assoziiere ich auch die schwarz-weiße, gelassene Zeitlosigkeit in Zur Sache, Schätzchen. Verstört schreckt man dann auf in der Erkenntnis, dass all diese Filme erst viele Jahre später entstanden sind.

Eigentlich darf man nicht allgemein empfehlen, "Das süße Leben" anzuschauen - dieses Kunstwerk ist ganz sicher nicht jedermanns Sache. Angesprochen kann sich ohnedies nur fühlen, wer sich ernsthafte Gedanken über die Ausrichtung seines Lebens macht. Daher beschränke ich mich auf die persönliche Aussage, dass mir selbst dieser Film unendlich viel gibt - wie sonst vielleicht nur Der Steppenwolf von Hermann Hesse. Ich könnte in der Fotografie baden und bedaure sehr, dass es der leicht plärrende und krächzende Ton an manchen Stellen schwer macht, den Dialogen zu folgen. Kurz gesagt besitzt dieser Markstein der Filmgeschichte die gleiche Wertigkeit wie die Stadt Rom selbst: ewig lebendige Kultur.

film-jury 5* A0907 © 8.8.2011eg Genre: Komödie | Drama

Im Original 174 - 180 Minuten, Format 2,35:1 S/W auf 35 mm Film, mono (Quelle: IMDB)

Die italienische Tonspur wirkt bei den Stimmen ein klein wenig präsenter, aber ebenso häufig übersteuert und verzerrt. Musik kommt scheppernd und dumpf wie aus einem Volksempfänger - und natürlich mono. Die Untertitel liegen ausschließlich in einer Version für Hörgeschädigte vor - dabei sind die zahlreichen englischen Dialoge nicht übersetzt, sondern in Englisch untertitelt. Wie häufig fallen die Übersetzungen eher lieblos aus, manches - auch bei den Kommentaren - stimmt einfach nicht. Aber nach einigen Durchgängen macht die untertitelfreie Originalversion ohnedies am meisten Spaß.

Anmerkungen:

Manchem wird auffallen, dass relativ häufig "moderne" Baustellen gezeigt werden - dabei handelte es sich um den Ende der 50er Jahre anlässlich der Olympiade 1960 in Rom neu errichteten Stadtteil E.U.R. im Süden der City, auf welchen die Verwaltung unglaublich stolz war ob seiner ach so fortschrittlichen Beton-Architektur.

Fellini sah das offenbar differenziert - die Bilder seines Films erinnern mehr an kriegszerstörte Städte als an architektonische Meisterwerke. Insbesondere in der Szene, in welcher Maddalena und Marcello die Wohnung einer Prostituierten aufsuchen, wird die Unzulänglichkeit moderner Bauweise recht plakativ mit überschwemmten Wohnräumen angeprangert.

Die E.U.R. ist mit der S-Bahn nach Ostia bequem zu erreichen und durchaus einen Besuch wert.

Übrigens dienten auch historisch interessante Plätze als Drehorte: man besucht - neben der Fontana di Trevi - den Quirinal Palast, den Petersdom, die Caracalla-Thermen und die Vatikanstadt. (IMDB)
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Bröckelnde Fassade, 26. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: La dolce vita [Blu-ray] (Blu-ray)
In dem Film folgen wir dem Römischen Journalisten Marcello Rubini (Marcello Mastroianni) auf seinen Streifzügen durch die High Society Roms, bei denen er allehand aufregende Frauen kennenlernt, die ihn von seiner eigenen, ihn stets bemutternden, Verlobten völlig ablenken. Er verliehrt sich so mehr und mehr in den Wirren der Gesellschaft, bis er, als ein Geschätzter Freund und Schriftsteller Selbstmord begeht, plötzlich in einen Abgrund und hinter die Fassade blickt.
Doch es ist bereits zu spät...
Fellini hat mit diesem Sittengemälde der verruchten Römischen High Society den Spiegel vors, von Geschwühren zerfressene, Antlitz gehalten. In Episodenartiger Erzählweise erfahren wir als Zuschauer mehr und mehr, dass ein Leben in Saus und Braus mehr Schein als Sein ist und für die angehörige Gesellschaft außer viel Alkohol und endlosen Partys eigentlich nur Leere und Langeweile zu bieten hat.
All dies findet vor der wunderschönen Kulisse des Roms der Sechziger Jahre statt und wartet so mit zahlreichen Schauwerten auf. Die Szene in der Anita Ekberg im Fontana Di Trevi Brunnen tanzt ist sogar ein kleines Stück Filmgeschichte geworden und gehört zu den Unvergesslichen Momenten des Europäischen Kinos.
Neben Ekberg (The Killer Nun) und Mastroianni (Das 10. Opfer, Die Sonntagsfrau, 8 1/2) sind Ida Galli (Un Bianco vestito per Mariale, Il Dolce Corpo di Deborah) und Pasolini's Muse Laura Betti (Bay of Blood, Hatchet for the Honeymoon) in kleineren Nebenrollen zu sehen.
Die aktuell erschiehnene Blu-ray bietet dieses europäische Ausnahmemeisterwerk in grandioser und nie dagewesener Bild und Tonqualität.
Weniger als die Höchstnote wäre hier eine pure Schmach für dieses, aus einer Zeit in der es noch um Kino als Kunst und Ausdrucksform ging stammende Werk!
Dicke 10/10 Punkten
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Untertitel, 30. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: La dolce vita [Blu-ray] (Blu-ray)
Prima Bildqualität. Zum Film selbst muss man nix mehr sagen. Weshalb also nur 4 Sterne? Es sind mal wieder die deutschen Untertitel. Wer sich die Originalfassung ansehen möchte und des Italienischen nicht allzu mächtig ist, sieht sich mit Untertiteln konfrontiert, die der deutschen Synchro entnommen sind und nur ansatzweise das wiedergeben, was in der - zugegebenermaßen ebenfalls synchronisierten - italienischen Version gesprochen wird. Da erscheinen dann Zweizeiler, während im Original absolut nix zu hören ist. Gut, immerhin wird so deutlich, wie verfälschend oft eine - auch gute - Synchronisation sein kann.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


12 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassische Dekadenz, 12. Februar 2002
Von 
Rezension bezieht sich auf: La dolce vita [VHS] (Videokassette)
"La dolce vita - Das süße Leben", Federico Fellinis Film um den römischen Papparazzo Marcello (Marcello Mastroianni) beschreibt schon im Jahr 1959 weit vorausschauend Tendenzen der Sensationsberichterstattung, des Startkults und des Lebens der "Reichen und Schönen", welches bei allem Glamour ein sinnentleertes und oberflächliches bleibt. Wir beobachten Marcello zwei Tage lang auf seinem Trip durch die Welt der High-Society. Kontrastiert wird deren Luxusleben durch eine Reportage von einer Marienschauung zweier Kinder und einer Begegnung Marcellos mit einem jungen freundlichen Mädchen, das in seiner Unschuld die Dekadenz der "Dolce Vita" entlarvt. Marcello wirkt wie ein Spiegel des glitzernden, aber unmoralischen Tuns, über das er berichtet und gleichzeitig wie das gnadenlos registrierende und analysierende Auge, das nicht wegschauen kann. So werden die spaßigen Orgien der Stars zu quälenden Dokumentationen von Einsamkeit und Langeweile. Der Geniestreich, den Fellini mit "La dolce Vita" kreierte, ist aber, dass jener Mikrokosmos der "Upper Class" beispielhaft für eine Welt zu stehen scheint, die sich dem Materialismus und eher dem Schein als dem Sein verkauft hat, eine Welt, deren humane Werte in Auflösung begriffen sind. Ein hervorragender Film eines herausragenden Regisseurs und ein Meilenstein der Filmgeschichte.
Neben dem großartigen Mastroianni hatte Anita Ekberg hier ihren berühmtesten Kinoauftritt (nackt in einem Brunnen badend) und Nico, das deutsche Fotomodell, das sieben Jahre später mit "The Velvet Underground" Popgeschichte gemacht hat, ist in einer Nebenrolle zu sehen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr gelungene Restaurierung, 26. Februar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: La dolce vita [Blu-ray] (Blu-ray)
LA DOLCE VITA [1960]

Universum bietet hier wirklich tolle Qualität für wenig Geld. Der Film ist wunderbar restauriert und auch die Möglichkeiten der DL-BD sind gut genutzt. Allein dem Film kommen satte 39GB zu und das mit nur zwei HD-2.0-Spuren. Super!

Hier sind ein paar genaue Daten:

Freigabe: FSK 12
Laufzeit: 175:10 Min
Regionalcode: B
Blu-ray Disc-Format: DL (double-layer) = 41GB, davon 39GB für Film und Ton, dafür muss man leider auf Extras verzichten
Verpackung: Blu-ray Case (Amaray, Wendecover)
Bildformat: 2,35:1 (1080p)
Tonformat: Deutsch, Italienisch (DTS-HD Master Audio 2.0 Mono)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Vor dem Film wird ausgiebig erläutert, wie sorgsam und aufwendig man bei der Restauration war (etwa der 4k-Scan).

Meine volle Kaufempfehlung!

PS: Ein Vorrezensent schreibt korrekt, das das Bild recht hell wirkt. Natürlich kann man je nach Belieben die Helligkeit LEICHT absenken. Nötig ist das jedoch nicht, da hier kein Versehen vorliegt. Der Vorspann zeigt gut, dass das Schwarz des Bildes nahezu perfekt dem Schwarz des Scope-Balkens entspricht. Man hat sich hier bewusst für einen bestimmten Helligkeitsverlauf im Bild entschieden, um Details zu erhalten und nicht den ganzen Film versehentlich zu hell präsentiert (wie scheinbar bei Concordes TESS-Veröffentlichung).
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen La dolce vita, 28. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: La dolce vita [Blu-ray] (Blu-ray)
Der 'Sensationsfilm' von einst hat an Aussage und Stimmung bis heute nichts eingebüßt. Die Stimmungsbilder wurden von Fellini unnachahmlich eingefangen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


‹ Zurück | 1 2 | Weiter ›
Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

La dolce vita
La dolce vita von Marcello Mastroianni (DVD - 2013)
EUR 7,99
Auf Lager.
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen