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4.0 von 5 Sternen Wagnerwonnen zum Sonderpreis - wunderbar!, 25. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Wagner: Scenes form Tannhäuser / Lohengrin / Die Walküre (Audio CD)
Diese wunderbare, 1996 in München entstandene Aufnahme von Szenen aus Richard Wagners Opern "Tannhäuser", "Lohengrin" sowie "Walküre" bietet nahezu konkurrenzlosen, modernen Wagner-Belcanto, also genau das Richtige zum 200. Geburtstag des Komponisten.
Julia Varady und Peter Seiffert demonstrieren eindringlich und überzeugend die Art von Wagnergesang, welche so selten zu hören ist und die Aufführungen in Oper, Konzert oder Studio daher oft nur mit Einschränkungen genießen lassen. Während Peter Seiffert als der führende deutsche Wagnertenor sein Repertoire mittlerweile vollständig hat aufnehmen können (es fehlt nur der Tristan), leider immer wieder mit fatalen Fehlbesetzungen der Frauenpartien, gibt es von Julia Varady bislang nur die komplette Sieglinde sowie als Video den Holländer.
Schade, hört man diese Aufnahme, kann man nur bedauern, dass die Produzenten in den "richtigen" Jahren phantasielos und ignorant waren, mit diesem Sängerpaar hätte ein "Tannhäuser" oder/und ein "Lohengrin" eine hervorragende Besetzung aufgeboten. Sono tempi passati!
Immerhin können wir hier 70 Minuten reinen Gesang hören, und da stellt sich die Frage, warum die Brautgemach-Szene nicht bis zum Ende aufgenommen worden ist, denn Zeit wäre auf der CD gewesen...
Eröffnet wird das Programm mit "Tannhäuser" : Hallenarie sowie die Szene Elisabeth - Tannhäuser; es folgt das Vorspiel zum 3. Akt, Chor und Brautgemachsszene aus "Lohengrin"; den Abschluss bildet die 3. Szene des 1. Aktes der "Walküre" von "Ein Schwert verhieß mir der Vater", der Erzählung Sieglindes, "Winterstürme", Duett bis zum "So blühe denn Wälsungenblut" - eine gute Auswahl und natürlich ein fulminanter Schluss einer Aufnahme.
Julia Varady besticht auch im reifen Sopranistinnenalter mit einer intakten Stimme, jubelnder Höhe, saftiger Tiefe, mit der ihr eigenen Kraft und Intelligenz einer Rollengestaltung, die mit Emotion, Überschwang, Verinnerlichung, ja mit einem breiten Spektrum an Facetten den Figuren selbst in diesen Auszügen Leben einhaucht und damit restlos überzeugt. Sie spielt mit der Modulation und macht dadurch die ariosen Passagen spannend, weil klug aufbauend. Sie hat ein sehr gutes Legato und lässt die Kantilenen blühen, manchmal auch zum Nachteil der Verständlichkeit. Auffallend ist der breitere Stimmklang vor allem in der Höhe, da hat sie ein paar Jahre zuvor noch fokussierter gesungen. Wenn an zwei oder drei Fortestellen der Sopranjubel nicht ganz perfekt und selbstverständlich erklingt, so ist das nur eine kleine Einschränkung. Insgesamt ist sie absolut überzeugend in der Gestaltung dieser drei Frauen und durch das kluge und klangvolle Singen in italienischer Tradition eine Wohltat für die Ohren, wenn man an das vielleicht voluminösere Stemmen, Wackeln, in Einheitslautstärke fabrizierte Gebrüll aus den letzten Jahren und Monaten an berühmten Stätten denkt. Sie folgt damit der Tradition einer Lotte Lehmann, wenngleich stimmlich etwas kleiner dimensioniert.
Peter Seiffert ist nicht nur der singende, jugendliche Held dieser Aufnahme, er besteht geradezu heldisch als Tenor gegenüber seinen Fachkollegen. Seine Tonproduktion ist nicht ganz so italienisch wie die seiner Partnerin, allerdings auch nicht annähernd so tedesc wie bei seinen deutschen Fachkollegen, oder gar tutend wie bei manchen Amerikanern heute. Er besitzt einen hellen, doch immer männlichen, strahlend in der Höhe aufblühenden Tenor, dem es zuweilen noch an der selbstverständlichen Tiefe für den Siegmund fehlen mag. Gottlob macht er nicht den Fehler, seine Stimme künstlich abzudunkeln oder in der Tiefe aufzureißen, so dass er immer über seine sichere Höhe gebieten kann. Seine Artikulation ist plastisch und hervorragend, sein Atem erstaunlich und dadurch sein Legato vorbildlich. Er versucht, die hohen Töne nicht herauszuhauen, sondern in die Gesangslinie einzubinden, was ihm sehr oft gut gelingt. Als Siegmund verzichtet er auf die bekannten Mätzchen und singt auf Linie, was herrlich klingt und beinahe an den vaterländischen Belcanto von Ludwig Suthaus erinnert. Seifferts Tenor hat inzwischen ein beträchtliches Volumen gewonnen, welches begründet ist auf seinem Stimmsitz in der Maske und einem an Leo Slezak gemahnenden Strahl besonders auf dem Vokal "e". Hören Sie nur die "Wälse"-Rufe, das sagt alles. Wenn der Lohengrin bereits 1996 eine Paradepartie darstellt und die Textbehandlung die Bühnenerfahrung hören lässt, so sind hier Tannhäuser und Siegmund noch die (nahe) Zukunft. Als Tannhäuser hat Peter Seiffert inzwischen ebenfalls weltweit für Furore gesorgt, kein Wunder bei der Höhe, dem Legato, der Fähigkeit, sich in die Partien reinzuknien und daran zu wachsen. Aufgrund seines immer hellen (über die Jahre jedoch auch mit den dunkleren Farben einer gereiften Stimme gesegneten Klanges) Timbres wird ihm immer mal wieder eine tiefgründigere Auseinandersetzung mit seinen Rollen abgesprochen. Ich finde das eher ungerecht und absurd, denn Seiffert arbeitet vor allem musikalisch, über die Kantilene, die Modulation, die Artikulation, und das macht er hervorragend. Hier können Sie beruhigt zuhören und werden keinen stimmlichen Einbruch des Helden erleben, keine Schreie, kein Stemmen oder Überagieren, und das ist insgesamt klasse!
Dietrich Fischer-Dieskau ist der Dirigent des Bayerischen Staatsorchesters sowie der Sänger der wenigen Wolfram-Worte in der Szene Elisabeth-Tannhäuser. Nun ja, ein großer, inzwischen gealterter Sänger macht das ordentlich. Durchaus spannend und schwungvoll ist sein Dirigat. Mit eher zügigen Tempi, schönen Klangballungen bei den Höhepunkten, mit Zeit für die weichen und langsameren Stellen, mit einer ausgewogenen Balance zwischen Bläsern und Streichern (vor allem im Lohengrin-Vorspiel, da bleiben die Streicher immer hörbar trotz kräftigen Bläsersounds) erzeugt Fischer-Dieskau einen weichen Wagnersound und gibt damit den Szenen die notwendige Grundlage und Stimmung. Das Orchester spielt hervorragend, der Chor des BR singt seinen Kurzauftritt perfekt, der Klang ist sehr gut, ein bisserl weniger Hall wäre sicherlich nicht schlecht gewesen.
Für mich ist diese Aufnahme auch 17 Jahre nach Erscheinen ein Highlight, weil Julia Varady und Peter Seiffert als Sänger und Gestalter vollauf überzeugen. Beim Erscheinen der CD lag diese um 18 €, jetzt als Niedrigpreis, unbedingt lohnenswert für alle Wagnerfans bzw. Fans der Protagonisten!
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