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4.0 von 5 Sternen Doch nicht so retro, 17. Dezember 2012
Von 
Mapambulo "Mapambulo" (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Fluidum [Vinyl LP] (Vinyl)
Mit dem Punk, auch dem deutschen, ist das so eine Sache. Vorbei die Zeiten, da weniger als nichts zu können ausreichte, um die Welt für sich zu interessieren, vorbei die Zeit, da man allein mit den drei großen „A“ wie Agression, Attitüde und Authentizität seine Anhänger fesselte und die Scouts sich reihenweise ins Messer stürzten, wenn ein anderes Label mal wieder schneller in Unterschrift unterm Plattenvertrag hatte. Heute ist Punk Retro in Potenz, heute regieren gehobener Anspruch, politische Konsensfähigkeit und ein langer Atem. Heute hat man’s schwer. Das hindert offenbar auch hierzulande wenige junge Menschen daran, sich an der Musik abzuarbeiten, die schon vor gut fünfunddreißig Jahren die einfachste und direkteste war, um auf den Punkt zu kommen – Bands wie Messer, Frau Potz, Turbostaat, Adolar, Feine Sahne Fischfilet aso. decken zwischen Emo und Deutschpunk ein ansprechend vielfältiges Spektrum ab.

Nun also auch Die Nerven aus der Hauptstadt des Gröfazbahnhofs – drei Jungs, die mit „Fluidum“ ihr physisches Debüt bei This Charming Man Rec. veröffentlichen, nachdem sie mit „Asoziale Medien“ und ihrem veritablen Coverhit „Sommerzeit Traurigkeit“ (nach Lana Del Rey) schon ein Achtungszeichen im Netz setzen konnten. Der Sound der drei gibt sich hart und ausreichend wavig, um dezente Erinnerungen an die Fehlfarben zu wecken, wenigen kommt vielleicht auch eine frappierende Ähnlichkeit mit den frühen Sachen der Dresdner Punkrockkapelle Kaltfront in den Sinn – mit Sicherheit kein Fehler. Gleich zum Start haben Julian Knoth, Max Rieger und Kevin Kuhn vom Instanzblatt SPEX kräftig eine mitbekommen – herablassend, aufgesetzt, selbstverliebt sei ihr Stil, alles wirke unangenehm kalkuliert und hochnäßig und so geben die Berliner gleich einer ganzen Generation eine pauschale Watschn mit auf den Weg.

Was natürlich die Frage aufwirft, ob kalkulierte Rotzigkeit dem Punk nicht von jeher immanent war, ja ihm geradezu in die McLarensche Wiege gelegt wurde – eine sortenreine Trennung von ebenjener Attitüde und Authentizität war und ist kaum möglich und wohl auch nicht gewünscht. Selbst der zweite große Kritikpunkt der allwissenden Redaktion, die diffuse, beliebige und verschrobene Nörgelei, hinter welcher sich Die Nerven angeblich verstecken, greift nicht wirklich. Zynischerweise könnte man behaupten, wohl dem, der eine klaren Feind habe (wie etwa Feine Sahne Fischfilet in der national befreiten vorpommerschen Provinz) – dem anderen dann aber seine Orientierungslosigkeit, seine gefühlte Ohnmacht und Fremdbestimmtheit zum Vorwurf zu machen und auf die Schlaffheit gleich der ganzen ach so antriebsschwachen Jugend umzudichten zeugt nicht von viel Verständnis und Einfühlungsvermögen.

Sicher pendeln sich die Texte der Stuttgarter desöfteren in verwaschenen Bildern ein, die mantraartig vorgetragen, fast beschworen werden – den Körper als Waffe („Schrapnell“), die vergebliche Wut („Morgen breche ich aus“), den Schein, das Sein und den Selbstbetrug („Irgendwann geht’s zurück“) – da muss man sich seinen Teil, seinen Anknüpfungspunkt schon sorgsam suchen. Eingebettet in die wuchtige, kreischende Geräuschkulisse, die trotzdem die Melodie nicht scheut, wird das Ganze dann aber zu einem durchaus ansprechenden Vortrag in Sachen Ratlosigkeit, Missmut, Abscheu und wilder Empörung. Und so recht viel Falsches möchte man, für dieses Alter versteht sich, daran nicht erkennen. Denn mit Retro hat das nun wiederum nicht viel zu tun. Thumbs up! mapambulo:blog
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5.0 von 5 Sternen Ein Highlight, 14. Februar 2013
Von 
Happyx - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Fluidum (MP3-Download)
Kein Getue, gute Texte, die unter die Haut gehen, Jungsein, Pubertät, all die Probleme halt. Konzerte mitten in den Zuhörern, getrieben von allem, was nervt, laut nach außen gerichtet, melodiös manchmal, aber oft einfach Krachmusikoff, Stammestänze der Initiation.

Lange nicht mehr so etwas Anderes, Unvergleichliches gehört, Erinnerungen an weit zurück, die eigene Pubertät liegt vor mir, die Stille ist so laut, ich bin unersättlich, Hoffnung, das Ende der Nacht, der letzte Tanz steht an.

Diese Gruppe wird ihren Weg gehen, alleine das Cover ist ein pubertärer Genuss in so vielen unterschiedlichen Schattierungen erwachenden, erwachsenen Lebens.
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Fluidum
Fluidum von Die Nerven
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