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16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderbar - trotz Zweifeln an Pergolesis Autorschaft, 7. März 2013
Von 
Ein kritisches Ohr "Jommelli" (Bavaria) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Septem Verba a Christo (Pergolesi) (Audio CD)
Die Ankündigung eines neu entdeckten Pergolesi zugeschriebenen Oratoriums macht natürlich neugierig, noch dazu, wenn zu der Urheberfrage eine ausführliche Dissertation vorliegt und der Autor, Reinhard Fehling, im Booklet dazu Stellung nimmt. Wie man erfährt, stetzte sich schon Hermann Scherchen um 1930 für das Stück ein, hatte damit aber wenig Erfolg, da bereits damals die Zweifel an der Autorschaft groß waren. Da mir Fehlings Arbeit derzeit nicht vorliegt, kann ich mich natürlich nur auf meine Hörerfahrung verlassen - und hier komme ich zu einem sehr klaren Ergebnis: Alle, aber wirklich alle musikalischen Parameter (Harmonik, formale Gestaltung, Melodik, Prosodie, Instrumentation) haben mit den authentischen Sakralwerken Pergolesis nicht das geringste zu tun, selbst eine Zuschreibung in die neapolitanische Schule scheint mir mehr als fragwürdig, eher wahrscheinlich dürfte ein begabter Klosterkomponist des süddeutschen Raumes der 1740ger oder frühen 1750ger Jahre sein. Jenseits der wohl nicht 100% zu klärenden Frage nach dem Komponisten dieses formal äußerst ungewöhnlichen Oratoriums überzeugt seine musikalische Qualität völlig, ich habe selten ein so experimentierfreudiges und farbenreiches Sakralwerk zur Passionszeit gehört, was besonders an der originellen Verwendung von Instrumenten wie Harfe, sowie Viola, Horn und Trompete (alle solistisch) liegt. Satztechnisch und harmonisch finden sich so manche Ungeschicklichkeiten, Ecken und Kanten, die aber durchaus reizvoll sind und daher wohl auch zu der Annahme führten, es handle sich um eines der frühesten Werke Pergolesis.
Nicht minder überzeugend ist die wunderbar ausgewogene Interpretation von René Jacobs und seinem handverlesenem Ensemble, aus dem der klare und ausdrucksvolle Sopran Sophie Karthäusers besonders berührend hervorragt. Diesmal stülpt Jacobs dem Werk nicht (wie etwa in der m.E. misslungenen Einspielung der Telemannschen Brockespassion) plakative Show-Effekte und willkürliche Änderungen über, sondern übt sich in zurückhaltender Noblesse, was diesem exzeptionellen Werk sehr zugute kommt.
Passend zur angehenden Passionszeit kann für diese besondere CD also eine klare Kaufempfehlung abgegeben werden!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Großes Werk eines großen Unbekannten, 30. Oktober 2013
Von 
Claus Fischer "clausfischer" (Lampertheim, Hessen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Septem Verba a Christo (Pergolesi) (Audio CD)
Manchmal dauert es mit der "Entdeckung" von theoretisch längst Bekanntem etwas länger. Wie im Falle des hier vorliegenden Passionsoratoriums, das vielleicht von Giovanni Battista Pergolesi stammt, aber eben nur vielleicht. Schon in den 1930er Jahren hat der Dirigent Hermann Scherchen, einer der heimlichen Propheten der "Alten Musik" lange bevor die moderne "historische Aufführungspraxis" aufkam, sich für dieses Werk eingesetzt, das sich jedoch bis heute keinen Platz im Repertoire erobern konnte, da es mit dem unauslöschlichen Makel seiner zweifelhaften Herkunft befleckt ist. Wenn man diese herrliche Komposition doch nur einem berühmten Namen zuschreiben könnte (unsere Musikkultur verlangt nun einmal nach großen Namen), wäre sie wahrscheinlich längst ebenso berühmt wie das "Stabat Mater" von Pergolesi, für dessen Urheberschaft an den "Septem Verba a Christo" der Musikwissenschaftler Reinhard Fehling nun unlängst stichhaltige Beweise gefunden haben will und darüber sogar promoviert hat.

Ohne Fehlings Argumente anfechten zu wollen, die er außer in seiner Dissertation auch in geraffter Form im Booklet der vorliegenden Aufnahme sowie im Vorwort der von ihm herausgegebenen Urtext-Edition der Partitur anführt, bleiben doch einige Zweifel. Mit einem "kritischen Ohr" (herzliche Grüße an meinen Vorredner) gehört und mit unvoreingenommenem Auge betrachtet, drängt sich die Vermutung auf, dass die Komposition doch eher nördlich der Alpen entstanden sein dürfte, wenn auch im Einflussbereich der italienischen Musikkultur, die damals ohnehin weite Teile Europas beherrschte. Ungeachtet ihrer abgeklärten Schönheit, die wie ein sanfter Widerschein himmlischen Lichtes über diese Musik ausgegossen liegt, enthält sie doch einige satztechnische Unroutiniertheiten, die einem Pergolesi spätestens nach Ende seiner Studienzeit nicht mehr unterlaufen wären. Demnach wäre, wenn man eine Autorschaft Pergolesis annimmt, eine sehr frühe Entstehungszeit zu vermuten, wozu der reife musikalische Ausdruck aber nicht recht passen will - und die Tatsache, dass die Melodiesprache des Werkes eine Reihe Wendungen enthält, die erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts gebräuchlich wurden, was nicht zu überhören ist, selbst wenn man einräumt, dass auch die unzweifelhaft authentischen Werke Pergolesis in dieser Hinsicht ihrer Zeit voraus sind.

Demnach wage auch ich zu behaupten, dass es sich bei den "Septem Verba" vermutlich um das Werk eines hochtalentierten Amateurkomponisten handelt, der an natürlicher Begabung einem Meister wie Pergolesi durchaus ebenbürtig ist - so etwas kommt vor, nicht zuletzt hinter Klostermauern. Ich nehme sogar an, dass dieser Anonymus Pergolesis "Stabat Mater" gekannt haben wird, das schon damals nicht nur handschriftlich kursierte; es war im 18. Jahrhundert das am häufigsten gedruckte Musikstück. Gewisse rhythmische Figuren wie die schwer auf unbetonte Silben niederfallenden "lombardischen" Seufzer, die in Pergolesis Stabat gehäuft vorkommen, in der übrigen neapolitanischen Musik der Zeit aber in dieser speziellen Form eher selten begegnen, deuten auf eine künstlerische Gevatterschaft.

Ungeachtet aller Fragen zur "Echtheit" ist dies jedoch ein hinreißendes Werk, soweit man das von einer andächtigen Passionsmusik behaupten darf. Schon Thema und Form sind originell. An die in den Evangelien überlieferten Sieben Letzen Worte des Erlösers am Kreuze (von Joseph Haydn in rein orchestraler Form ausgedeutet) knüpfen sich hier jeweils Betrachtungen in Form von Rezitativen und Arien auf freie lateinische Dichtung, die im Wesentlichen mit den Stilmitteln der neapolitanischen Oper vertont ist. Die für die Zeit ungewöhnliche solistische Verwendung von Horn, Harfe und Viola verleiht der Musik dabei einen aparten klangfarblichen Reiz. Die vier Vokalsolisten dürfen mit einem melodischen Schmelz glänzen, dass man sich im siebenten Himmel wähnt und sich die Frage erheben will, wie "schön" eine Passionsmusik eigentlich sein darf. Als Antwort bleibt nur die Gegenfrage: Wenn Musik zu diesem Anlass nicht schön sein darf, wann darf sie es dann?

Die vorliegende Einspielung wird dem Werk uneingeschränkt gerecht und hoffentlich dafür sorgen, dass es fortan einen festen Platz im Repertoire und in den Herzen der Musikliebhaber einnehmen wird. Wenn es denn sein muss, auch unter Pergolesis Namen, dem man ungeachtet der genannten Vorbehalte mit der Zuschreibung wahrlich keine Schande antut. Die hier gebotene Interpretation vermeidet alle Untugenden, die in der historisierenden Musizierpraxis heute eingerissen sind, und besinnt sich zur Abwechslung wieder einmal auf die Tugenden. Auch ist René Jacobs erfreulicherweise diesmal nicht der Versuchung erlegen, die Aufnahme mit fragwürdigen Gimmicks aufzupeppen, sondern waltet mit Würde seines Amtes. Unter den handverlesenen Gesangssolisten gebührt Sophie Karthäuser besonderes Lob, deren schlanker, flexibler, farbenreicher Sopran für diesen sensiblen Repertoirebereich ideal ist, aber auch das übrige Ensemble überzeugt uneingeschränkt.

Bleibt also nur, Werk und Aufnahme wärmstens zu empfehlen. Und die Hoffnung, dass der wahre Urheber der Musik niemals enttarnt wird. Am Ende käme noch heraus, dass sie von einem völlig unbedeutenden Kleinmeister stammt. Frei nach Karl Kraus: Eine Musik ist so lange gut, bis man weiß, von wem sie ist...
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Septem Verba a Christo (Pergolesi)
Septem Verba a Christo (Pergolesi) von Sophie Karthäuser (Audio CD - 2013)
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