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Kundenrezensionen

114
3,7 von 5 Sternen
Imperium
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26 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. Mai 2012
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts – der deutsche Kaiser schenkte seinen Untertanen mit Kolonien in Übersee einen “Platz an der Sonne” – tauchte auf einer imperialen Südseeinsel ein junger Vegetarier auf, der dort sein eigenes Imperium erschaffen wollte. August Engelhardt, so der Name des historisch verbürgten Protagonisten, ist ein zotteliger Sonderling, der im Jahre 1902 eine extreme Art einer Lebensreform anstrebt.

Also die Idee einer neuen Gesellschaft, eines eigenen Reiches, ausgehend von einer Kokosnussplantage auf einer kleinen Insel, die er sich vom Erbe seiner Eltern sowie mittels eines Kredites kauft. Fest davon überzeugt, durch ausschließliche Ernährung von Kokosnüssen ein “göttliches” Bewusstsein zu erlangen, versucht dieser Fanatiker sogar, Gleichgesinnte auf seine Insel zu locken. Engelhardt schreibt unentwegt Postkarten nach Deutschland, um für seine Kokovaren-Kommune zu werben, anfangs sogar mit einem mäßigen Erfolg. Doch das Projekt scheitert schließlich. Nur wenige Mitstreiter reisen ihm nach, wenden sich aber schnell desillusioniert ab, einige sterben unter fragwürdigen Umständen. Der Idealist wandelt sich zu einem extremen Zwangsneurotiker, zu einem in sich verlorenen Einsiedler, der selbst vor (auto-)kannibalistischen Neigungen nicht zurückschreckt.

Die merkwürdige Kritik, die dem “Spiegel” kurz nach Veröffentlichung von Christian Krachts neuen Roman Imperium zu entnehmen war, scheint keinesfalls logisch und nachvollziehbar. Denn weder Christian Kracht, noch sein Protagonist August Engelhardt fungiert hier als “Türsteher rechten Gedankenguts”. Diese faschistisch-völkischen Andeutungen, von denen dabei die Rede ist, werden zweifellos angedeutet und haben durchaus ihre berechtigte Schlüsselfunktion.

Engelhardts Imperium basiert auf einer einseitigen Glaubenslehre, die schließlich, wie alle totalitären Gesellschaftsmodelle, in Vereinsamung und Entfremdung münden muss. Jenes Imperium des August Engelhardt kommt zum Glück kaum über seinen Schöpfer hinaus, und außer ein paar gestrandete Anhänger und wenigen merkwürdigen Todesfällen hält sich der Schaden noch in Grenzen. Der Wahnsinn nimmt jedoch die katastrophalen Abgründe des 20. Jahrhunderts vorweg. Der holprige Weg des Nudisten und Sonnenanbeters führt zum verbrecherischen Imperium eines berüchtigteren Zeitgenossen Engelhardts, einige Jahre später, der von Kracht lediglich als Karikatur angedeutet wird.

Kracht erzählt seine Geschichte freundlich, in spannenden, kurzweiligen Satzkaskaden. Allerdings nicht als kommode Version im Stil historischer Erzähler, vielmehr als eine Art Südseeballade in zeitgemäßer Form – und natürlich nicht ohne den leicht snobistischen Anspruch, den viele Leser schätzen, andere hassen.
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115 von 127 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 26. Februar 2012
Christian Krachts "Imperium" ist ein - verhältnismäßig kurzer - schwerelos-unterhaltsamer Roman über die absurde Kehrseite des ansonsten überhaupt nicht komischen Versuchs einer verspäteten Nation, koloniale Bedeutung zu erreichen. Kracht schildert den Weg des Nudisten und Vegetariers August Engelhardt aus Nürnberg in die kaiserlich-deutsche Südsee, um dort eine Kokovoren-Kommune aufzubauen. Genauso absurd wie Engelhardts Kokusnuss-Kult sind viele Geschehnisse, die sich sonst noch so im entlegensten Winkel des Reiches Kaiser Wilhelms abspielen. Krachts Erzählstil ist der eines amüsierten, kopfschüttelnden Beobachters, der allerdings an mehr als einer Stelle deutlich macht, dass das Beschriebene lediglich Vorstufe zu weit weniger amüsanten welthistorischen Ereignissen sein wird.

Genau in diesem Spannungsfeld zwischen Harmlosigkeit des Geschehens einerseits und Hinweis auf die Ereignisse des 20igsten Jahrhunderts andererseits sehe ich die Besonderheit von Krachts "Imperium". Wie konnten sich Nationen, die sich in der Südsee derart lächerlichen Spielereien hingaben, eigentlich wenig später in einem mörderischen Krieg gegenüberstehen? Oder spiegelt die grenzenlose Naivität und Verblendung des August Engelhardts genau dieses Phänomen wieder, dass es uns aus heutiger Perspektive so schwer macht zu verstehen, warum unsere Ahnen die Absurditäten der historischen Ereignisse vor über einem Jahrhundert nicht zu erkennen vermochten.

Wie Georg Diez (Spiegel) in diesem Roman eine "rassistische Weltsicht" und "antimodernes, demokratiefeindliches und totalitätes Denken" entdeckt, ist mir schleierhaft und grenzt geradezu an Engelhardtsche Wahnvorstellungen. Ich würde Lesern, die sich ein wenig für Geschichte interessieren und sich außerdem auf die Formulierfreude Krachts einlassen möchte, "Imperium" zur Lektüre uneingeschränkt empfehlen. Ein thematisch verwandter und ebenfalls empfehlenswerter Roman wäre Alex Capus' "Eine Frage der Zeit".
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37 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der historisch verbürgte August Engelhardt war das, was wir heute als Aussteiger bezeichnen. Vor gut 100 Jahren verließ er Nürnberg, um sich fortan auf 'seiner' Insel Kabakon in der Südsee nackt der Sonne und ausschließlich dem Genuss der göttlichen Kokosnuss hinzugeben. Dass dies, um es einmal vorsichtig auszudrücken, mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden war und auch nicht ungefährlich, ahnen wir schon früh.

Christian Kracht hatte es sich durch einen merkwürdigen Zufall bereits als zweiter Autor innerhalb eines Jahres zur Aufgabe gemacht, diesen außergewöhnlichen Menschen literarisch aufleben zu lassen. Er lässt sein Wissen als Nachgeborener einfließen und bedient sich in eloquenter Sprache dem Stilmittel Satire, ohne jedoch ins Klamaukhafte abzudriften. Dieses Buch, das uns in die Zeit deutscher Kolonialherrschaft nach Papua-Neuguina ins damalige Herbertshöhe, dem heutigen Kokopo (was für ein Name in diesem Zusammenhang!) führt, bereitet großes, reines Vergnügen. Hier kommt wieder einmal der nahezu unschlagbare Vorteil des Lesens zu tragen, in fremde Welten einzutauchen, die in der Realität nicht oder nicht mehr aufgesucht werden können. Wohlgemerkt, Engelhardts Welt samt seiner Philosophie hätten mir auch gestohlen bleiben können, als das noch real möglich war. Kopfschüttelnd tauchte ich in seine Geschichte ein, die anrührende, aber durchaus auch unappetitliche Seiten hat, mit denen ich lieber nicht real konfrontiert werden möchte. Aber am sicheren Seil von Krachts kunstfertiger Sprache in die Abgründe des engelhardtschen Paradieses hinabzusteigen, das war ein reines Vergnügen. Vielen Dank an Christian Kracht für diesen abenteuerlichen Abenteuerroman also auch von mir aus der Ecke, wo sich so viele von uns Lesern ungefragt und unberufen herumtreiben und unsere Meinungen im Bewusstsein völliger Irrelevanz mit großer Begeisterung in die Welt hinausschreiben.

Vielen Dank auch an den Verlag Kiepenheuer & Witsch für die so passende Umschlaggestaltung. Das Bild ersetzt liebevoll den Klappentext, der ja tatsächlich fehlt, wenn man Elfriede Jelineks so versiert geschriebenes Lob nicht dafür halten will. Nicht nur, dass 'Imperium' das Aussehen von Büchern aus meiner Kindheit zitiert, hier wurde auch bewiesen, dass schöne Bücher durchaus auf einen Schutzumschlag verzichten können. Den Kauf eines elektronischen Lesegeräts habe ich wieder einmal auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben...

Helga Kurz
19. Mai 2012
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. Januar 2014
Auf einer Südsee-Insel leben und sich nur von Kokosnüssen ernähren - wem würde das nicht gefallen?

Christian Kracht erzählt in seinem Roman eine wirklich schöne (dieses Adjektiv trifft es am besten) Geschichte eines Aussteigers, der ebendies tut. Sie basiert auf einer wahren Begebenheit, auch wenn Kracht es am Ende mit der Wahrheit nicht ganz so genau nimmt. Das liegt wohl darin begründet, dass es unserem Aussteiger in der Realität nicht ganz so blendend ergangen ist, wie im Buch geschildert.

Dieser Umstand tut dem Buch aber keinen Abbruch. Christian Kracht erzählt seine Geschichte in sprachlich gewählter, angenehmer Weise, immer mit einem gebildet-amüsierten Unterton, den man so ähnlich auch in dem Buch "Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann findet.

So ergibt sich ein von Anfang bis Ende lesenswertes Buch, das man unbeschwert lesen kann und bei dem ich an vielen Stellen herzlich gelacht habe - sei es über eine geschilderte Begebenheit oder eine besonders gelungene Formulierung.

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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. Oktober 2013
Krachts Bücher lese ich grundsätzlich erst dann, wenn sich der darüber verbreitete feulletonistische Staub gelegt hat, und würde dies auch jedem anderen empfehlen. Denn auf diese Weise erliegt man nicht der - in diesem Fall extrem häufigen - Versuchung, in seine künstlich-naturalistische Ausdrucksweise Dinge hinein zu interpretieren, die schlichtweg nicht vorhanden sind.

Man kann in diese Geschichte eines zivilisationsmüden Möchtegernreformers zur Kolonialzeit, der sich auf ein Eiland im Pazifik begibt, um einen Naturkult um den Kokosnussverzehr aufzubauen, sicherlich einiges hineinlesen. Es könnte sich um eine Persiflage der im Buch genannten anderen Reformer handeln, etwa Silvio Gesell, aber dazu setzt sich Kracht nicht genug mit deren Inhalten auseinander. Man könnte eine Satire auf Weltverbesserer annehmen, aber dazu konzentriert sich die Geschichte zu sehr auf den Zeitraum, in dem sie spielt. Man könnte in den vielfach zu beobachtenden Anleihen aus anderen Werken eine Art Hommage vermuten, zuvordererst an Hugo Pratt, den Schöpfer des Comic-Antihelden Corto Maltese, aus dessen längstem Abenteuer gleich mehrere Figuren entlehnt werden, von denen eine im Comic exakt genauso endet wie hier beschrieben; dazu könnte man auch böswillig anmerken, Kracht habe mit 'Imperium' einen von und zu Guttenberg gebaut, und dies mit voller Absicht.

Aber man kann genausogut über das alles den Kopf schütteln. Man kann sich fragen, was der literarische Wert eines Buches über die Kolonialzeit sein soll, dass sich nur sehr vage auf Fakten stützt und ansonsten eine Ansammlung von hanebüchenen Unwahrscheinlichkeiten ist (etwa dann, wenn der Protagonist dem indischen Dieb seiner Habe zufällig in Fiji wiederbegegnet). Man kann sich an Uwe Timms 'Morenga' erinnern und damit daran, dass Kritik am Kolonialwesen und Weltverbesserertum wesentlich härter, besser recherchiert und besser geschrieben sein kann. Man kann in der - wohl kaum unbeabsichtigt so formulierten - These, dass noch jeder deutsche Reformer letztendlich zum Antisemiten mutiert ist, sowohl eine nicht ganz unberechtigte Spitze sehen als auch den Versuch, genau die Reaktion beim Feuilleton hervorzurufen, die sie hervorgerufen hat.

Letztendlich bleibt 'Imperium' ein in viel Nichts eingewickeltes Rätsel. Wenn man einen Abenteuerroman im Stil der Jahrhundertwende lesen möchte, gibt es keinen Grund, dieses Buch anstelle eines von Karl May zu lesen. Wenn man sich für deutsches Kolonialunwesen interessiert, ist man mit dem bereits erwähnten 'Morenga' besser bedient. Und wenn man, wie wohl die meisten, dieses Buch einfach nur deshalb liest, um zu verstehen, warum sich so viele Leute darüber aufregen oder es toll finden, lässt es einen auch in dieser Hinsicht ohne Antwort. Man muss Kracht zugestehen, dass er immer wieder einen Nerv trifft, aber aus seinen Werken heraus ist dies nicht zu erklären. Das leicht Pennälerhafte seiner zusammengestocherten Schreibweise mag in seinem Publikum die Erinnerung an selbst verfasste Essays in Abschlussklausuren im Leistungskurs Deutsch wachrufen. Wenn es nun jemandem gelingt, aus solcherlei Ergüssen ein erfolgreiches Geschäftsmodell zu entwickeln, so kann man dies durchaus bewundernswert finden.
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TOP 1000 REZENSENTam 12. September 2012
Nachdem ich am Rande den 'Skandal' mitverfolgt hatte den dieses Werk verursachte (an rassistisch und demokratiefeindlich kann ich mich noch erinnern), frage ich mich nicht nur nach dem Lesen der letzten Seite, ob es wohl wirklich dieses Buch war, über das damals so geurteilt wurde. Ja, es handelt von der Zeit des Kolonialismus, als viele Deutsche sich als Herren dieser Welt fühlten und auch so aufführten, sie die Bewohner ihrer Kolonien meist mehr wie Tiere denn als Menschen behandelten. Und auch ja, Christian Kracht beschreibt diese Zeit ausgesprochen detailgenau und bildhaft, aber in keiner Weise als würde er sie glorifizieren oder sogar befürworten.
Es ist die Geschichte des Aussteigers August Engelhardt, der nicht nur vom Vegetarismus sondern auch von der Einzigartigkeit der Kokosnuss nicht nur als Lebensmittel überzeugt ist. Er emigriert nach Neu-Guinea wo er sich mit seiner ganzen Barschaft und entsprechenden Schuldscheinen ein völlig überteuertes Eiland kauft, um dort seinen Traum, die Erschaffung einer Kolonie der Kokovoren, zu verwirklichen.
Kracht beschreibt dieses Leben nebst all den Personen und der Gesellschaft, auf die der Aussteiger trifft, in zumeist ausufernden Satzgebilden so detailliert und anschaulich, immer mit einem leicht ironischen Unterton, wie es bereits die schön gestalteten Umschlagseiten vermitteln. Das Ganze dazu in einer herrlich altmodisch klingenden Sprache, gespickt mit diversen Fremdworten, die der Autor konsequent bis zur letzten Seite durchhält. Unterhaltend fand ich zudem das Auftauchen bekannter historischer Persönlichkeiten, die zwar nie namentlich genannt wurden, aber mit gut fundiertem Halbwissen wohl leicht zu identifizieren sind.
Wie man jedoch dazu kommt, dieses Buch als Abenteuerroman zu bezeichnen, ist mir unverständlich. Die Geschichte wirkt trotz teilweiser wirklich unappetitlicher Abschnitte immer beschaulich und voller Gelassenheit, Action und Spannung sind hier nicht zu finden.
Vier Punkte für eine amüsant zu lesende und unterhaltsame Geschichte.
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am 8. August 2015
Interessantes Thema, leider mehr vergeudet als genutzt. Altertümelnder Stil teils witzig, teils nervig. Abenteuer eines Vegetariers, Nudisten, Sonnenanbeters, Weltretters. Geographisch auf den Spuren von Conrad oder Maugham, inhaltlich aber größtenteils mehr John Cleese als Lord Jim.
Der Autor verwendet historische Figuren und Fakten, geht aber zu freizügig mit ihnen um. Den Lebenslauf der Hauptperson umzuschreiben scheint mir nicht akzeptabel, es sei denn es dient komödiantischen Zwecken. Davon kann hier nicht die Rede sein.

Unser Entdecker Engelhardt 'erobert' die deutschen Pazifikkolonien für sich und errichtet sein persönliches Reich auf der wunderbaren Allmacht der Kokosnuss. Mangels Sachkompetenz und mangels echtem Führertalent bleibt es bei aber einem sehr kleinen Imperium.
Die Welt war immer voller Spinner. Ich verweise auf die diesjährige Frankfurter Ausstellung über Künstler und Propheten, in der Schirn.

Ich finde, der Autor hat das Potenzial der Geschichte nicht ausgeschöpft. Er gibt uns recht sprunghaft kleine Häppchen einer eher größeren Geschichte. Es hat ihm wohl der Mut zum Epischen gefehlt? Wahrscheinlich wäre er dem auch nicht gewachsen gewesen.
Wir finden also keine ernsthafte Darstellung des wilhelminischen Kolonialismus, noch der internationalen Spannungen im Vorfeld des ersten Weltkriegs, noch der verschiedenen eskapistischen Ideologien. Nur ein streckenweise amüsantes Geplänkel.
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. April 2012
August Engelhardt, "eingefleischter" Vegetarier, Kokovore, Moralist und Nudist, reist auf das damals deutsche Bismarck-Archipel, kauft von geliehenem Geld eine kleine Insel und will darauf eine Kokosnuss-Plantage errichten, um damit Kokosnussprodukte bis nach Europa zu vertreiben und die Welt kokovorisch zu missionieren. Engelhardt ist davon überzeugt, dass die Kokosnuss eine göttliche Frucht ist, die alleine ausreicht, den Menschen zu ernähren. Also isst er nur noch Kokosfleisch und trinkt fast ausschließlich Kokosmilch. Kracht schildert, wie Engelhardt sich mit anderen Spinnern seiner Zeit anlegt, wie er kunstvoll betrogen wird, wie er ins wilde Australien reist, wie er von einem anschaulich gezeichneten Kapitän umgebracht werden soll, wie hunderte von Engelhardt-Jüngern auf der Nachbarinsel "anlanden", wie er einem jungen Eingeborenen europäische Literatur vorliest, wie er allmählich dem Wahnsinn und dem Antisemitismus verfällt.

Nationalistische Töne habe ich überhaupt keine entdecken können, höchstens in deutlich erkennbarer ironischer Brechung. Im Grunde ist das Buch ein Abenteuerroman und eine Robinsonade, Engelhardts Aussteigertum wird jedoch gewürzt mit allerhand Bildungswerk und historischen Beigaben, so zum Beispiel am Ende, wenn der Erste Weltkrieg ausbricht. Die Schilderung der Natur, des Klimas, der Menschen ist beinahe von Thomas Mannscher Ironie und Verschlungenheit, mitunter etwas drastischer und zugespitzter als bei Thomas Mann, gelegentlich werden zum Beispiel auch recht eklige Dinge erzählt, die Ästhetik des Hässlichen kommt genauso zur Anwendung wie idyllische, komödiantische oder vehemente Schilderungen der Umgebung, Personen und der Naturgewalten.
Dabei ist die Sprache auf der einen Seite ungemein anschaulich und pointiert, auf der anderen Seite verwendet Kracht einen historisierenden Stil, so dass er mit ellenlangen, verästelten Satzgefügen wirklich beinahe wirkt wie Thomas Mann und dieses Prinzip gelegentlich so zuspitzt, dass sich der Leser manches Mal in den Satzgebilden verheddert und den SAtz nochmal von vorne beginnen muss. Aber das stört an sich nicht, denn man wird bei der ironisch ausladenden Schreibweise oftmals genug belohnt durch witzige, treffende, überraschende Gedanken und Beschreibungen sowie durch schöne Wörter. Auch die Handlungsführung ist gekonnt, das Kapitel des Südseesturms ist geradezu ein Musterbeispiel für Spannungsaufbau und Perspektivwechsel mit anschließender gekonnter Weiterführung. Gelegentlich zeigt sich Kracht ein wenig zu wortverliebt, das Wort "anlanden" klingt zwar gut, wird aber - wie manche andere - biusweilen überstrapaziert.

Insgesamt ein großer Genuss. Wer ein Faible hat für historisierend angelegte Plots mit Ironie und alter Sprache, der ist hier goldrichtig und mag auch auf ähnlich gute Werke wie "Der König von Korsika" von Michael Kleeberg, den Klassiker "Schlafes Bruder" von Robert Schneider, den Geheimtipp "Moeller entpuppt sich" von Ulrich Effenhauser oder auf "Eine Frage der Zeit" von Alex Capus hingewiesen werden.
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am 17. März 2012
Für mich war dieses Buch eine kleine Enttäuschung. Irgendwie fehlt mir in dem Text der Pfeffer. Die Story maändert ein bisschen vor sich hin. Es scheint sie der Schlendrian der Südsee zu durchwabern.

Doch in diesem Buch wird klar, was Kracht antreibt. Die Absage an die Zivilisation, die Hinwendung zum Wilden, zur Natur, zum Ethnologischen und auch Ökologischen. Kracht ist wohl der bekannteste Öko-Autor unserer Zeit. Er schreibt gegen den Irrsinn des "American Ways of Life" mit besonderem Takt an.

Diesem Buch eine rechte Tendenz zu unterstellen, wie es der Spiegel-Autor Georg Diez getan hat, ist wohl unangebracht. Das Buch hinterfragt im Gegenteil sehr deutlich den Sinn von Krieg und Gewalt.

Andererseits ist dieses Buch aber auch nicht der supergrandiose Meisterwerks-Hit, wie ihn viele andere große Kritiker behaupten. Jedenfalls wüsste ich nicht, was an dem Buch so toll sein soll. Ich finde "1979" viel besser, und ich finde auch, dass Humor nicht so gut zu Kracht passt. Er ist doch ein sehr ernster Schriftsteller, dem das seichte Dahinplätschern unter Kokospalmen nicht wirklich liegt.
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15 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. März 2013
Das Schlimmste an dem Buch ist sicherlich die völlig überzogen pseudoliterarische und pseudointellektuelle Sprache, die stellenweise einfach sinnentleert ist. Was soll z.B. bitte eine „mesmerisierende Bedrohung“ sein?
Franz Mesmer war Arzt, Hypnotiseur und Wunderheiler und lehrte u.a. einem „animalischen Magnetismus“. Abgesehen davon, dass solch ein Wort einfach nicht verstanden werden kann, da es nicht nur ungebräuchlich ist sondern sich gleichzeitig von einer heute ebenfalls unbekannten historischen Persönlichkeit und seinem Wirken herleitet und somit nur im Wissen darüber zu verstehen ist, gibt es auch noch diverse Deutungsmöglichkeiten.
Retropedia.de schlägt als Bedeutung „ magnetisch anziehend“ vor, Wikipedia dagegen führt „mesmerisieren“ als Synonym für hypnotisieren auf und in der Heilkunde versteht man den Begriff als Methode, durch berührungslose Streichungen der Nervenbahnen eine Tiefenentspannung, Trance herbeizuführen, was uns wieder zur Hypnose bringt.
Ob es sich bei Kracht jetzt um eine magnetische, hypnotisierende oder entspannende Bedrohung handelt, ist letztlich ebenso spannend wie sein Buch. Wer seine Leser derart mit Formulierungen quält, die allzu bemüht eine historische Atmosphäre herstellen oder einfach nur das Wissen des Autors zur Schau stellen sollen aber für Stil und Lesefluss einfach tödlich sind, hat eine Beachtung, wie dieser Roman sie gefunden hat, mit Sicherheit nicht verdient.
Auch sonst schafft er es nicht, trotz der interessanten Biographie einen Spannungsbogen zu erzeugen, bewegt sich für meinen Geschmack zu weit weg von den historischen Fakten und wirkt im Ende völlig lieblos und uninteressiert an seinen Figuren, wobei es mir als Leser leider nicht anders ging.
Abgesehen von meinem Interesse an der skurrilen Biographie des August Engelhardt bin ich auch durch die Rassismus-Debatte um das Buch leider auf dieses „Werk“ aufmerksam geworden. Da diese Vorwürfe aber derart haltlos und platt sind, waren sie schlussendlich nur Werbung für das Buch.
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