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TOP 500 REZENSENTam 1. April 2013
Ich möchte hier nicht das ewige, stets ermüdende Lamento über Literatur-Verfilmungen anheben, die angeblich immer schlechter als die jeweilige Buchvorlage sind. Nicht, weil es auch überzeugende Gegenbeispiele gibt (mir fällt da spontan die "Herr der Ringe"-Trilogie ein), sondern weil der Vergleich oftmals nicht fair ist.

Allein die grundverschiedenen Methoden, eine gute Geschichte zu erzählen, erzwingen beim Film eben oftmals eine andere Erzählweise. Dazu kommt das eigene, individuelle Kopfkino beim Lesen, an dem sich die spätere Verfilmung messen lassen muss. Deshalb will ich versuchen - trotz meiner mit dem Titel dieser Rezension vorweggenommenen Enttäuschung - nicht auch in diese Vorurteils-Falle zu tappen. Technische Aspekte sind am Schluss meiner Rezension zu finden.

Detlev Bucks "Vermessung der Welt" erzählt wie die schlichtweg geniale literarische Vorlage von Daniel Kehlmann die Geschichte zweier großer Deutscher - von Carl Friedrich Gauss ("Fürst der Mathematik") und des Forschers und Entdeckers Alexander von Humboldt über eine Zeitspanne von vielen Jahrzehnten. Doch während das ganze Buch von einem feinen, hintersinnigen Humor lebt, enthält man diesen hier dem Kinopublikum bis auf wenige Szenen schlichtweg vor. Als Surrogat darf hier wieder einmal viel nackte Haut dienen - augenscheinlich weil man wohl ausschließlich auf Besucherquote setzt (eine der Schönheiten ist ja schon in einem der Trailer zu sehen und gibt auf BluRay in der betreffenden Szene im wahrsten Sinne des Wortes tiefe Einblicke) und dem Publikum wenig zutraut. Nicht, dass es nicht erotisch anzusehen wäre - aber es hat nun mal mit dem Buch nichts zu tun.

Wenn man dann schon im Vorspann gezeigt bekommt, wie viele bundesdeutsche Förderinstitutionen und mit Zwangsgebühren finanzierte Geldgeber öffentlichen Rechts hier die Finger drin hatten, dann stellt sich mir die Frage, wie grandios dieser Film - mit mehr Mut zum Risiko und unabhängigen Geldgebern - hätte ausfallen können.

Und so reiht sich im Film eine Enttäuschung an die nächste - trotz der hervorragenden Bildsprache und der mit Recht fulminant zu nennenden Darstellung zahlreicher Charaktere. Aber leider kommen eben zu keinem Zeitpunkt diese Gänsehaut-Momente auf, wie sie das Buch doch so zahlreich enthält und wie sie auch ohne Einbußen in die Hörbuchfassung hinübergerettet worden waren. Alles, aber wirklich alles bleibt emotionslos.

Ein für so viele Stellen exemplarisches Beispiel ist die doch recht platte Kartenspiel-Szene am Schluss des Films, die das wehmütig-geniale Ende des Buches ersetzt. Gauss' Sohn Eugen darf auf der erzwungenen Schiffspassage nach Amerika seinen vom Vater erlernten Kartentrick vorführen, der ihm zwar den Zorn der anderen Spieler, aber anschließend auch die Gunst einer alleinreisenden Maid einbringt. Wie öde und banal ist das alles gegen die letzten Sätze des Buches: "Er stopfte den letzten Tabak in seine Pfeife, ging zum Bug und stand dort so lange mit vom Wind tränenden Augen, bis etwas sich im Abenddunst abzeichnete, durchscheinend zunächst und noch nicht ganz wirklich, aber dann immer deutlicher, und der Kapitän lachend antwortete, nein, diesmal sei es keine Chimäre und auch kein Wetterleuchten, das sei Amerika."

Störend war für mich auch, dass die beiden Protagonisten selbst noch als Greise ihre jugendhaften Stimmen behalten hatten. Das machte die Szenen unglaubwürdig. Apropos Stimme - Daniel Kehlmann als Sprecher aus dem Off sehe ich hier (bei allem Respekt vor dem Schöpfer der Geschichte) als glatte Fehlbesetzung.
Und wer um Himmels willen musste partout diesen belanglosen Popsong an das Ende des Films setzen?

FAZIT: Wer das Buch nicht kennt, wird in bester "Die Öffentlich-Rechtlichen ahmen Hollywood nach und schaffen es wie immer nicht"-Manier unterhalten. Für sich allein betrachtet ist der Film handwerklich solides Popkorn-Kino ohne Ecken und Kanten.

Wer jedoch die gedruckte oder auch die gesprochene Variante dieser faszinierenden Geschichte um zwei Genies des 19. Jahrhunderts kennen, schätzen und damit ganz sicher auch lieben gelernt hat, sollte sich auf eine Enttäuschung gefasst machen - denn der Film hat mit dem Buch fast nur noch die Grundzüge der Handlung gemein.

TECHNIK:
Die 3D-Fassung befindet auf einer separaten BluRay. Das Bild ist fast immer knackscharf und nahezu ohne Makel, dabei jedoch durch einen sehr harten Kontrast und viele damit einher gehende dunkle Bildbereiche gekennzeichnet. Hier wird dem häuslichen 3D-Equipment wirklich alles abverlangt. Die räumliche Staffelung des Bildes ist dabei stets hervorragend, einige sehr schöne Pop-Out-Effekte runden die fast schon Referenz-artige Darstellung ab. Hier wurde ganz offensichtlich geklotzt und nicht gekleckert.

Das Gleiche gilt auch für den Ton (DTS-HD Master Audio 5.1), der sich vor keiner Blockbuster-Produktion zu verstecken braucht - auch nicht in den leisen Szenen.
55 Kommentare106 von 114 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. Dezember 2012
Dieser Film enttäuscht auf ganzer Linie. Er berichtet ohne Tiefgang, historische Verlässlichkeit und Niveau über zwei berühmte Forscher, die er mehr karikiert als erfasst. Das haben Humboldt und Gauß nicht verdient. Dass Kehlmann sich für ein solches Drehbuch hergibt, an dem er selbst mitgewirkt hat, schadet seinem Ruf als Autor des verfilmten Romans. Der Film ist nichts anderes als eine Anbiederung an den Zeitgeist, der sich aus Sex, Action und Gewalt auf niedriger Ebene speist. Sogar der Anspruch auf Humor bleibt im Sand stecken und ist an einigen Stellen geradezu peinlich.
11 Kommentar80 von 92 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. November 2012
Die größte Enttäuschung ist Herr Kehlmann.
Warum lässt er es zu, dass es plötzlich Veränderungen seiner Szenen zum Schlechten gibt. Besonders ärgerlich die Szene, die jeder aus dem Buch kennt: Ein Zitteraal hat Humbold und seinen Getreuen mit Stromschlägen im Wasser malträtiert.
Im Film spielt die Szene plötzlich mit busenfreien kakaohäutigen eingeborenen Schönheiten die bei ihrem paradiesischen planschen plötzlich einem Zitteraal zum Opfer fallen.
Die Szene ist so eindeutig kinomässig in Richtung "Blanke Haut" verschoben, dass sogar der Wahrheitsgehalt in Mitleidenschaft gezogen ist. Schliesslich darf man annehmen, dass Indiofrauen genau wissen, wann sie das Risiko einer Begegnung mit einem Zitteraal zu fürchten haben.
Oder ein weiteres Beispiel.
Die nachlassende körperliche Spannkraft von Humbold, bei gleichzeitigem Erhalt seiner Abenteuerlust (sie erlebt man ihn im Buch in mehreren Szenen) wird im Film einfach platt dadurch ersetzt, dass er im Gespräch mit Gauss sein Wasser vor Aufregung nicht halten kann. Das ist zuviel des Guten und ersetzt nicht die schöne Differenziertheit mit der Kehlmann im Buch das Thema Altwerden von geistigen Koryphäen versieht.

Andere Szenen, die man für ein Kinoerlebnis in 3D dringend so klein wie möglich hätte gestalten müssen, werden mit einer Widerlichkeit gezeigt, dass man sich fragt, ob der Regisseur sein Publikum absichtlich abschrecken wollte.
Gemeint ist die Zahnarzt(-Klempner) Szene mit dem blutigen Ausrupfen des erst falschen und dann richtigen entzündeten Backenzahnes von Gauss.
Man kann sich denken, warum schon Kehlmann diese Szene geschrieben hat. Um auf die Diskrepanz des schon modern denkenden Gauss und der Mittelalterlichkeit seines Jahrhundert hinzuweisen. Dafür braucht es im Kino aber nicht Szenen dieses Kaliber in 3 D.

Einzig überzeugend:

Die Frische, die die Schauspielerin der Rolle der ersten Frau von Gauss dem Film verleihen kann.
Ansonsten bleibt nur der hervorragend besetzte Fürst in Erinnerung.

Die Figur des deutschen Kriegsherren mit Dreispitz, die nicht näher erklärt wird, sollte wohl eine Rolle für den von Buck geschätzten "Hitler" aus RubeldiKatz ergeben, fügt sich aber so gar nicht harmonisch funktionierend in den Film ein.

Bis weit über die Mitte des Buches hält sich der Film fast sklavisch an das Buch, um zum Schluss die ganze Russland Reise dem Zuschauer schuldig zu bleiben.

Somit fällt auch die schöne Ironie eines "alten" Humbold in Russland, dem alle Mitarbeiter vorrauseilen und seine Arbeit tun, weg. Mehr als schade.

Wenn dann auf dem Schiff sein Sohn bei der Überfahrt nach Amerika auch noch quasi pflichtschuldigst seine Liebste auf dem Schiff entdeckt und mit einem Zuzwinkern "Alles klar" ist, ist der Abgeschmacktheit genug und der schönen Ironie des Buches zu viel angetan worden.

Dass der Autor dies selber mitzuverantworten hat, ist eine ganz große Enttäuschung! Das Herr Buck dieses Buch nicht stimmig ins Medium Film übersetzten konnte, sondern es bei einem Bilderbogen-Reigen mit blassen Schauspielern und müder Fernsehdramaturgie belässt, ist eine weitere Enttäuschung.

Nur noch ein letztes Beispiel:
Wenn zu Anfang des Filmes die Sichtbarmachung der Zahlen, die Gauss im Sinn hat, als Staub, der sich in der Luft formiert hat, erleben, dann freuen wir uns noch auf das, was kommt. Doch an filmischer Auflösung ist es das dann auch schon. Und das, obwohl das Buch herrliche Vorlagen gibt, wie das Kapitel, in dem Gauss durch seinen vermessten Wald geht und überall nur Winkel und Linien sieht. Da kann man im Buch die filmische Übertragung fast greifen. Überall würde man Messlinien ein- und überblenden und man känn kurz in die Gauss'sche Welt aus Zahlen und Geometrie eintauchen. Doch die Szene wird einfach weggelassen...

Kurz und knapp gesagt:
So sieht der gute deutsche Film, den wir uns alle wünschen, nicht aus!
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am 3. März 2014
Ich habe den Film durchgehalten! Alle Mitseher hingegen sind vorher ins Bett.
Dass dieses Machwerk historische Figuren ins Absurde karikiert und wie 'Volldeppen' und Knallchargen erscheinen läßt,
wurde ja schon hinreichend gesagt.
Alle Figuren sind so überzeichnet, dass, wie etwa das 'Verschlucken' des Herzogs,
oder beim Todesfluch von Humboldts Mutter,
keinerlei Ironie entsteht, es auch nicht komisch ist, sondern alles ins Peinliche umkippt.
Man sitzt betreten vor dem Bildschirm, ist befremdet und völlig aus dem Film heraussen und
fragt sich: Was soll jetzt dieser Schmarrn?
Man fängt an zu gähnen und schaut nach, wie lang der Film noch dauert.

Der Film zeigt alles zu explizit: Den Dreck auf der Straße, die gezognen Zähne, nackte, weilbiche Haut, falsches Grinsen, Militarismus, Mathematik in der Hochzeitsnacht, Schläge aufs Gesäß, dumpfe Sklavenhalter, dämliche Herzöge ...
und zwar so, als wäre der Zuschauer ein Kleinkind, das man mit dem Finger drauf stoßen müßte: Da, da schau hin!
Und das heißt: Man unterschätzt das Mitdenken des Betrachters, man hält ihn für blöd.
Man glaubt, ihm alles vordenken, alles vorspielen zu müssen, alles vorzukauen zu haben.

Ich glaube, deshalb ist dieser Film so schlecht: Jedes gute Werk, gleich ob Malerei, Belletristik oder Film hat mehrere Ebenen, mehrere Bedeutungsebenen, darin man zwischen den Zeilen lesen kann und dieser Zwischenraum erzählt manchmal eine ganz andere Geschichte, als das geschriebene Wort.
Von dieser Vielschichtigkeit lebt die Kultur.
Dieser Vermessungsfilm hier aber ist vollkommen positivistisch: Das, was er zeigt, meint er aus so. Es gibt kein Darüberhinaus. Es gibt keine Eigenleistung des Betrachters. Deswegen findet man sich als Zuschauer veräppelt.
Der Herzog z.B. wird als vollkommener Idiot dargestellt. Es ist aber nicht so, das man das als Betrachter nebenbei erkennt, sondern man bekommt diesen Deppen bereits als Deppen auf dem Präsentierteller vorgeworfen.
Das ist übelste Bevormundung des Rezeptionisten. Das ist autoritär.

Das ist genau das Gegenteil dessen, was Humboldt auszeichnet: Der weltoffene Geist, das neugierige Denken, die offene Welt, in Inhalt und Bedeutung noch unerschlossen und frei und totalitärer Bemächtigung noch nicht gänzlich unterworfen.
Deswegen ist dieser Film ein Verrat an den historischen Gestalten, die er abzubilden vorgibt.
Wenn er wenigstens wissenschaftskritisch wäre - aber selbst das schafft er nicht zu sein.

Darüberhinaus ist er geschäftsschädigend für Kehlmanns Verlag.
Weil, dieses Buch lese ich jetzt garantiert nicht mehr.
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am 18. Januar 2015
stellt dieser Film überhaupt dar. Eine annähernd komplette Abhandlung der Historie bzw. der Lebensläufe ist er zumindest nicht. Bezeichnenderweise ist ein erheblicher Zeitsprung enthalten, zum einen Erzählung aus Kindheit und Jugend beider und zum Abschluss des Films beide Wissenschaftler im höheren Alter. Insgesamt kann dieser Handlung nicht ganz einfach gefolgt werden, einmal Szenen aus dem Urwald und dann wieder aus Deutschland, Spannung kommt eigentlich nicht auf. So einen Film haben dann beide hochkarätigen Wissenschaftler nicht verdient, zumal sie nicht sonderlich gut dargestellt werden.
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am 8. November 2012
Das Buch ist pfiffig, der Film nur albern. Wo andere vielleicht feine Ironie sehen, vermag ich nur platten Klamauk zu erkennen. Das Beste ist noch die Musik zum Abspann. Weil sie gut ist und weil es damit vorbei ist.
Sollte Herr Kehlmann sein Buch so gemeint haben, wie der Film gemacht ist, bin ich froh, ihn lange mißverstanden zu haben. So bleibt mir das Buch wenigstens ihn positiver Erinnerung.
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am 29. August 2013
Ich bin schon ein kleiner Filmnarr, kaufe und sehe sehr viele BluRays und DVDs und gehe auch oft ins Kino. Ich schaue sehr gerne nach nichht so bekannten oder nicht so erfolgreichen Produktionen, weil man durchaus den einen oder anderen Schatz entdeckt.

"Die Vermessung der Welt" wollte ich, trotz halbwegs negativer Kritiken, einfach mal sehen und entdecken, was Detlev Buck aus so einem Stoff macht. Und die Enttäuschung war groß. Die Gesamtleistung hat vorne und hinten nicht gepasst. Aus einem literarischen Weltbestseller wurde durch ein (vermutlich) schlechtes Drehbuch, miserable Regie und überwiegend nicht gerade überragende Schauspieler ein Machwerk des Schundfilms. Nur ein paar schöne Naturaufnahmen und die eine oder andere gute Einzelleistung haben mich über den Abend gerettet.

Also doch lieber einmal öfter auf Pönis Filmkritik hören ...
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TOP 500 REZENSENTam 20. März 2015
Schon das Buch war eher ein Roman für Naturwissenschaftler und Nerds. Der Humor ist speziell und nicht für jedermann. Das fängt der Film sehr gut ein. Auch Kehlmann als Erzähler gibt dem ganzen noch einmal eine Prise Ironie. So gesehen, wenn man das Buch kennt, und diese spezielle Art von Humor mag, und weiß, worauf man sich in diesem Film gefasst machen muss, eine gelungene wirklich humorvolle Verfilmung. Die Kulisse ist ansprechend, die Schauspieler gut, ich hätte nicht gedacht, dass da ein deutscher Film ist, er wirkt gar nicht so Deutsch.
ABER
Wenn man das Buch nicht kennt, wenn man kein Wissenschaftler ist, noch nie von Gauss oder Humbold gehört hat, wird man sich zu Tode langweilen.
Dieser Film setzt voraus, dass man das Buch kennt und weiß, worum es geht. Für 'Uneingeweihte' springt die Handlung zwischen einem langweiligen Nerd zum anderen und man fragt sich 'Was soll das?' Die Handlungsstränge haben ja auch gar nichts miteinander zu tun, da werden zwei unterschiedliche Geschichten erzählt und irgendwann treffen sich die beiden Wissenschaftler eben. Die feine Ironie ist nicht jedem zugänglich und nervt 'normale' Menschen leider sehr schnell, die sich fragen, was soll ich mit dieser sprunghaften Geschichte anfangen? Das ist ja schlimmer als Terra X.

Fazit: Ich finde die Verfilmung gelungen und absolut genial. Sie fängt die Stimmung des Buches ein, ist witzig und ironisch und ist auch visuell sehr ansprechend. Ich kann aber verstehen, dass Menschen, die das Buch nicht gelesen haben und mit Wissenschaftlern und Wissenschaft herzlich wenig im Sinn haben, diesem Film gähnend langweilig finden. Das ist ein Spartenfilm für eine besondere Klientel, nicht für den Mainsteam.
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am 6. Januar 2015
Der Erfolg des Weltbestsellers wird durch den unterhaltsamen Film, in dem der Schriftsteller Daniel Kehlmann als Drehbuchautor, Sprecher und Kleindarsteller mitwirkt, farbenprächtig unterstrichen. Natürlich ersetzt der geglückte Film des Regisseurs Detlev Buck nicht die Lektüre.

Der Humor dieser Doppelbiografie rührt von der Begegnung der beiden berühmten Gelehrten, die sich gegenseitig geistreich belehren. So bezeichnet Carl Friedrich Gauß es beispielsweise als ein Wunder, dass er einen großen Curare-Schluck überlebt habe. Alexander von Hmboldt klärt ihn gelassen darüber auf, dass Curare erst wirke, wenn es in die Blutbahn eingebracht werde: Dies müsse er, Humboldt, ja wohl als der Erstbeschreiber des Gifts, wissen. Man fühlt sich fast auf einen wissenschaftlichen Kongress versetzt, wo blitzgescheite Köpfe ohne jede Spur von Bescheidenheit ihr Besserwissen demonstrieren.

Humorvoll ist auch die Emotionslosigkeit der beiden Gelehrten, wenn es um die natürlichen Leidenschaften der Leute geht, weil sie sich den großen Forschungsfragen der Welt widmen und nur der wissenschaftlichen Logik vertrauen, wäre da nicht die unbegreifliche weibliche Natur.

Liebe im Urwald ist streng verboten, Liebe im deutschen Gelehrtenhaushalt aber auch höchst kompliziert.

Wunderbar ist dann der manchmal schwarze, immer aber trockene Humor.
Neben den bohrenden Zweifeln des Geistes nehmen sich die körperlichen Befindlichkeiten, wie z.B. Schmerzen bei einer Zahnextraktion, entsprechend gering aus. Wohl deshalb wird diese in blutiger Übertreibung dargestellt. Auch die erotischen Episoden sind, farbenprächtig ausgemalt, ironisch überzeichnet, ein guter Kontrast zu den mathematischen und naturwissenschaftlichen Experimenten. (Selbst die erste Liebe des Mathematikers und seiner natürlichen, geistreichen Freundin, ist ein Experiment mit anfangs ungewissem Resultat. "Hast du das schon mal gemacht?" Antwort: "Nein").
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am 26. November 2012
...zeige der Film, behaupten hier einige Rezensenten.

Vorweg erst einmal: ich würde mir den Film jederzeit wieder anschauen. Vier Sterne-Bewertungen gebe ich immer dann, wenn ein Rest von Zwiespalt bei mir zurückbleibt, ich im Ganzen aber herausragend finde, was ich zu sehen oder zu lesen bekam.

Im Nachhinein: diesen Film musste ich erst einmal auf mich wirken lassen. Das Buch las ich vor einigen Jahren, und hätte nach der Lektüre nicht so ganz genau sagen können, worin ich denn eigentlich die Grundmotivation des Autors für diesen Roman bzw. für die Gestaltung seiner beiden Hauptfiguren erkenne. Nun glaube ich's, dank des movie, sagen zu können, denn eine insgeheim strukturierende Kraft brachte im Schlaf eine Ordnung der auf den ersten Anhieb memorierten Bilder und Gedanken zuwege:
selbstverständlich war der Roman bereits keiner mit historisierendem Anspruch, folglich kann's der Film auch nicht sein...also was war der Anspruch?

Antwort: Zwei Figuren der deutschen Wissenschaftsgeschichte hernehmen, ihre Biografien zum Anlass nehmen, zwei vollkommen unterschiedliche Auffassungen von Wissenschaft und Forschung amüsant einander gegenüber zu stellen. Ohne erhobenen didaktischen Zeigefinger, ohne die Attitüde, durch die Kenntnis des Verlaufs der Historie alles besser zu wissen, als die Protagonisten, aber mit einem Augenzwinkern den Bizarrerien und Skurrilitäten gegenüber, die wir empfinden, wenn wir manche Rückständigkeiten jener Zeiten aus dem heutigen Blickwinkel betrachten.

Der fiktive Gauss, im Buch ebenso wie im - wie ich finde - kongenial gemachten Film, ist also nicht beabsichtigt als
eine der biografischen Wahrheit exakt entsprechende Fiktion, vielmehr spielt Kehlmann mit der vorgefundenden Biografie und lässt vor unseren Augen einen Wissenschaftlertypus entstehen, der unserem Klischee vom vergeistigten Schreibtischgenie verdächtig nahe kommt. In eben derselben Weise verfährt er mit "dem Alexander von Humboldt in uns", den wir bereits als Teil gymnasialer Bildung stets als leuchtendes Forschervorbild präsentiert bekamen, ganz der gute deutsche Geschichtsunterricht. Und diese, unsere Vorprägung als Zuschauer, nimmt Kehlmann her und bricht sie in der Spiegelung mit einer feinen ironischen Distanz, in dem unsere klischeehaften Erwartungen teils erfüllt, teils verworfen werden.

Film diesen Genres, ebenso wie moderne Kunst, Literatur und auch Wissenschaft, funktioniert nicht voraussetzungslos, ein gewisses Bildungsniveau ist unabdingbar, um den geistigen Entwicklungen folgen zu können, ob es sich dabei um Quantentheorie, mathematische
Genialitäten (die uns hier auf niederstem Niveau präsentiert werden, in dem wir den "kleinen Gauss" mitrechnen und mit-denken dürfen, was uns heute geradezu trivial erscheint) oder um die Frage handelt, ob es am Orinoco noch sich kannibalisch ernährende Ur-Völker gibt bzw. ob es diese je gab. Und so lässt Kehlmann den Typus des geistigen Genies, das im Kopf auf Reisen in die Galaxien der Mathematik, der Geisteswissenschaft Nummer eins, geht, zusammenprallen mit dem Forscher, der mit der Botanisiertrommel und dem Fliegenbeinzähl-, äh, vielmehr, Kopfläusezähl-Projekt die große, weite, abenteuerliche Welt bereist. Und dieser Zusammenprall von ehemals geistes- versus naturwissenschaftlicher Weltensicht ist einfach irre spannend, amüsant und voller Brechungen, die der Zuschauer des Films noch besser nachvollziehen kann, als der Leser des Buches: als da wären, ein Gauss, der sinnenfroh und gleichzeitig geistig angeregt mit seiner Lieben c-opuliert gegen einen Humboldt, der angesichts der sexuellen Aktivitäten eines lebensfrohen Bonplant mitten im stimulierend-tropischen Urwald in die Enthaltsamkeit verfällt: dies genau bricht unsere heimliche Überzeugung davon, dass der Schreibtisch eine Dürre des Lebens beinhaltet, wohingegen die weite Welt einen einzigen Lockruf zum sich-Verströmen darstellt. Dem ist nicht so, ruft uns der Autor Kehlmann zu, und die tatsächlich opulenten Bilder des Films, an dem er maßgeblich mitgearbeitet hat, sprechen die gleiche Sprache.

Noch viele andere Facetten sind zu entdecken, für den, der sich auf die Reise in die Geschichte unserer geistigen Entwicklung macht, auch dies scheint der Film mitteilen zu wollen. Er macht neugierig, jedenfalls diejenigen, die bis hierhin mitgegangen sind und mithalten konnten. Er zeigt uns, wie das preußische Bildungswesen wahrhaftig aussah, nämlich gab es für eigenständige geistige Leistungen erstmal tüchtig den Rohrstock auf den blanken Hintern....der "Schöler" (Feuerzangenbowle) könne ja sonst eventuell übermütig zu weiteren Höhenflügen neigen. Die politische Macht, so sagt Kehlmann, war ebenfalls nur ein grober Klotz, einfältig, dumm, verfressen, in militärischen Kategorien denkend, gleichwohl degeneriert, und unfähig, die Leistungen von Forschung und Wissenschaft in ihrer Bedeutung zu begreifen...bis hin zu der Frage, ob diese denn überhaupt für die Welt von Bedeutung sind, und ob diese nicht nur den sie Betreibenden, den jeweiligen Protagonisten des großen Geistes dieser Disziplinen am Ende schaurig vereinsamen lässt, da sich "ein gleichgesinntes nicht findet". So sehen wir am Schluß sowohl Humboldt wie Gauss aus dieser Perspektive, und auch Gaussens Sohn Eugen, der ziemlich ohne geistige Talente am Ende es in Amerika zu etwas bringt, und damit sicher auch ein Leben führt, das Sinn macht. Dass der Film seine Darsteller dabei ein wenig als exemplarisch und dafür weniger als individuelle Charaktere erscheinen lässt, ist beabsichtigt und entspricht der Indifferenz der Kehlmannschen Sichtweise, die er auch in anderen Büchern durchscheinen lässt: die Protagonisten sind Folien für diese Weltsicht, mehr nicht. Florian David Fitz und Albrecht Abraham Schuch spielen diese Gratwanderung, wie ich finde, vorzüglich, das Fehlen der letztlichen emotionalen Berührung des Zuschauers, ist dabei m. E. eben kein Mangel, sondern von Kehlmann als geistige Distanz zum Betrachter durchaus beabsichtigt. Ebenso beabsichtigt wie das Gruseln, das uns überfällt, wenn wir sehen, wie leicht man damals an einem entzündeten Backenzahn hätte irre werden oder sterben können und wie leicht man tatsächlich im Kindbett starb. Oder die schöne Spannung, die sich aus unserer naturkundlichen Unwissenheit ergibt, wenn wir mit ansehen, wie Gauss eine Flasche des Pfeilgiftes Curare trinkt.....und Humboldt ihm später mitteilt, man könne das Zeug in Litern zu sich nehmen, so lange man es nur nicht in die Blutbahn injiziert, sei es völlig ungefährlich. Und übrigens stamme die Flasche von ihm, Alexander von Humboldt, der sie aus Amazonien mitgebracht hat.

Wer dies alles nicht unterhaltsam auf einem guten Niveau findet, dem ist meines Erachtens mit diesem Genre der Literatur und des Kinos nicht gedient. Ob sich der Film allerdings mit der 3D-Version selbst dient, dies bleibt zu fragen. Aus dieser und noch zwei, drei kleineren Ecken betrachtet fehlt es für mich am fünften Stern. Auf mich hat 3D, außer in Animationsfilmen, wo es sehr schön sein kann, stets zunächst die Wirkung, das Gesehene zu banalisieren durch Über-Deutlichkeit, und kurze Zeit später tritt ein Gewöhnungseffekt ein, der mich die Bilder wieder in bekannter Weise wahrnehmen lässt...es ist so ähnlich wie die Sensation, eine Rolltreppe oder ein Rollband zum ersten Mal im Leben zu betreten oder das weite offene Meer zum ersten Mal zu sehen...und gleich
danach verfliegt dieses sensationelle Gefühl und wird zur Gewohnheit. Film ist und bleibt, wiewohl man ihn wiederholt anschauen kann, eigentlich ein Momentereignis wie das Theater..ist die Dramaturgie einmal am Zuschauer vollzogen, gibt es kein Zurück mehr hinter die gewonnene Erkenntnis. Das ist schade und nicht zu ändern, und man sieht denselben Film beim zweiten Anschauen halt mit anderen Augen. Wenn es sich gelohnt hat, den Film überhaupt zu machen, bleibt auch in der Wiederholung etwas zum Entdecken übrig. Und Entdecken, das wissen wir nun auch wieder einmal dank Kehlmann, kann man am Schreibtisch genauso wie im brasilianischen Urwald wie am heimischen DVD-Player.
33 Kommentare36 von 48 Personen haben dies hilfreich gefunden.. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

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