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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ostfriesisch herb !!!, 24. November 2012
Von 
kwichybo "Jörn M." (Nürnberg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Flammenreich (Audio CD)
Adel verpflichtet! Immer wenn sich Musiker putzige Künstlernamen wie Solarian van Branden , Vestriz von Mesopotamien und Arminius von Theesfeld geben, dann kann ich mir das Lachen nur schwer verkneifen - denn im richtigen Leben heißen solche Leute ja dann doch zumeist Horst, Schorsch oder Dieter. "Es ist nicht wichtig, wer wir sind. Von Bedeutung ist nur, wer wir nicht sind." schreibt das adelige Trio im Booklet ihres Zweitwerks "Flammenreich", und kann seine Herkunft trotzdem nicht ganz verheimlichen. Hinter den maskenhaften Pseudonymen der Dynastie VON BRANDEN verbergen sich nämlich einige bekannte Personen der norddeutschen Metal-Halbprominenz. Während der Sänger die letzten beiden Scheiben der Black/Deather MEPHISTOPHELES ("Modern instincts purity" und "Death unveiled" ; brillianter Stoff!) eingekeift hat, waren der Gitarritst und der Trommler viele Jahre bei MANDRAKE aktiv. Und wenn man (so wie ich) jedes Werk der letztgenannten Gothic-Doomer in- und auswendig kennt, dann sind die musikalischen Parallelen teilweise schon mehr als eindeutig...ganz viel Keyboards, Piano, usw.
Mit ihrer Avantgarde-Melange aus Black-Metal , bedrohlichem Dark-Metal á la MOONSPELL und Postrock-Spurenelementen reihen sich VON BRANDEN direkt ins zweite Glied hinter ALCEST , AGRYPNIE und den unantastbaren SHINING ein. Im gesamtdeutschen Schwarzmetall-Vergleich steht "Flammenreich" in diesem Jahr sogar verdammt gut da, und teilt sich mit dem fabelhaften EIS-Debüt ("Wetterkreuz") gleichberechtigt die Pole-Position. Noch vorab eine Anmerkung zu den Lyrics: Die manisch depressiven, verzweifelten, aus purer Isolation schreienden Texte werden zweisprachig vorgetragen, wobei die deutschen Songs letztlich etwas "runder" klingen. Im Vergleich zu den Nürnbergern FREITOD kommt die Dynastie dabei komplett ohne peinlich-schlagerartige Gesangslinien aus, sondern lässt einfach nur die verwundete Psyche sprechen. Klarer Punkt für Ostfriesland!
Und in der Tat sind VON BRANDEN einige der besten Extrem-Metal-Nummern des Jahres gelungen, wobei der überragende Opener "Für die nächste Ewigkeit" als Glanzstück des Albums direkt am Anfang steht. Damit wird dieser Seelenschmerz verursachende 46-Minüter also vorftrefflich eingeläutet! Das sprunghafte Tempo-Chamäleon "Verlust" sowie der dauertrauernde Titelsong "Flammenreich" - nach einem bittersüßen Bass-Break im Mittelteil zieht das dramatische Finale den Hörer entgültig in den Abgrund! - zeigen die Band ebenfalls in großartiger Form. Doch auch das restliche Material dieses 8-Trackers ist kaum einen Deut schlechter: Bei "Sehnsucht" handelt es sich eigentlich um einen waschechten MANDRAKE-Song, der aber natürlich ohne weiblichen Lead-Gesang auskommen muss. Gut, aber leider kein Überflieger! Auch der heftige Stampfer "Eremite" atmet in Punkto Melodieführung das typische Flair der ehemaligen Hauptband, wobei vor allem die weinenden Gitarrenlinien am Schluss brilliant genug sind, um die unnötigen "Come to me"-Shouts zu egalisieren. Spätestens beim Song "Reverance" sind VON BRANDEN dann entgültig in Postrock-Gefilden angekommen...und bei dieser harmonisch-depressiven Atmosphäre wirft der CD-Käufer dann einen kurzen Blick ins Booklet, ob nicht doch eventuell JESU-Chefdenker Justin K. Broadrick als Ghostwriter engangiert wurde. Der Krächzgesang will bei dieser Nummer zwar nicht unbedingt passen, dafür sorgt der Schlagzeuger mit seinem dynamischen Spiel jedoch für einige rundum gelungene Momente. "Desert sand" ist ein guter Song, der aber auch nach mehreren Durchgängen nicht richtig zünden will und daher vergleichsweise blass bleibt. Mit "Monologue" folgt dann zum Abschluss ein hackender Longtrack mit WOLVES IN THE THRONEROOM-Schlagseite, dessen schräg-quäkenden Keyboard-Melodien den Song urplötzlich in eine komplett andere Richtung lotsen. Black-Metal-untypisch aber saumäßig stark!
Fazit: Offen gestanden hatte ich den VON BRANDEN-Erstling "Scherben" (2007) nicht in allerbester Erinnerung. Mit dem zweiten Album setzt dieses Trio aber ein großes Ausrufezeichen - die musikalische Weiterentwicklung ist hier für den Hörer jederzeit spürbar. Mit "Flammenreich" kann sich die Oldenburger-Dynastie ab sofort deutschlandweit behaupten. Allen Zweiflern sei an dieser Stelle dringend angeraten, mal das Video zum Titelsong auf den üblichen Online-Portalen anzuchecken. Dies lohnt sich nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern gibt darüber hinaus einen Einblick in das visuell schockierende Endzeit-Szenario ("Nosferatu" meets "The ring"), das VON BRANDEN mit diesem tollen Album heraufbeschwören. Großes Kino!
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Flammenreich
Flammenreich von von Branden
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