Fashion Sale Hier klicken reduziertemalbuecher Cloud Drive Photos Erste Wahl Learn More sommer2016 designshop Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16

  • Gnade
  • Kundenrezensionen

Kundenrezensionen

3,7 von 5 Sternen
34
3,7 von 5 Sternen
Format: DVD|Ändern
Preis:5,99 €+ Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

TOP 500 REZENSENTam 26. Oktober 2012
Die Stadt Hammerfest, so erfährt der Kinozuschauer zu Beginn des Films 'Gnade', galt lange als nördlichste Stadt der Welt: Da die Stadt nördlich des Polarkreises liegt, geht zwischen dem 19. Mai und dem 26. Juli die Sonne nicht unter, im Winter dagegen vom 22. November bis zum 21. Januar nicht auf. Die Dunkelheit der Wintermonate heißt Polarnacht. Genau an diesen Ort zieht eine deutsche Familie: Vater, Mutter und Sohn. Alle drei werden während des Vorspanns mit kurzen Sequenzen vorgestellt, die nacheinander nebeneinander erscheinen. In diesem Splitscreen verharren die drei Standbilder der drei Personen und man ahnt bereits, dass - obwohl eine Familie - etwas Trennendes zwischen ihnen steht. Nur sehr zögerlich erfährt der Betrachter von den Hintergründen, nimmt aber von Beginn an teil an der Sprachlosigkeit und der Gefühlskälte in dieser Lebensgemeinschaft. Die grandiosen und zugleich eisig-lebensfeindlichen Landschaften von Norwegens Norden bilden das Spiegelbild zu diesen menschlichen Vereisungen. Niels (wie immer stoisch und unglaublich präsent: Jürgen Vogel) geht relativ missmutig seiner Arbeit als Ingenieur in einer Flüssiggasanlage nach, nebenher hat er eine Sex-Beziehung mit seiner gutaussehenden Kollegin. Seine gewollte berufliche Versetzung war der Grund für den Familienumzug. Seine Frau Maria (Birgit Minichmayr sorgt für die Empathie) arbeitet schichtweise in einem Hospiz und hat sich mit der (schwangeren) Leiterin angefreundet. Sie ist auch der Motor der Integration und singt im örtlichen Kirchenchor. Der ca. 13jährige Markus spricht nicht viel: Weder mit Gleichaltrigen und noch weniger mit seinen Eltern. Wenn Vater und Sohn zusammen beim Eisfischen gezeigt werden, weiß man nicht, ob die Kälte der Natur nicht doch die harmlosere ist im Vergleich zur Entfremdung zwischen den beiden. Schließlich setzt Markus seine Sprachlosigkeit medial um, indem er mit seinem Smartphone die Eltern in der Distanz heimlich filmt und so die Zuschauer (die eben jene Handy-Bilder als Filmbilder sehen) in seine stille Zeugenschaft mit hineinzieht. Obwohl der Titelbegriff im Film niemals gesprochen wird, ahnt der Betrachter, dass der von Maria verschuldete Unfall mit Fahrerflucht nun die vergletscherte Stimmung in Bewegung bringt. Tatsächlich arbeitet sich die Geschichte auch durch den ständig dunklen Winter in Richtung Sommer - von der Dunkelheit ins Licht. Inwieweit tatsächlich den dargestellten Personen Gnade widerfährt und wie diese genau zu deuten ist, muss jeder nach dem Schauen des Films selbst entscheiden.

Der Regisseur Matthias Glasner hat schon viel für das Fernsehen gearbeitet (Die fremde Frau - SZ-Cinemathek Thriller 3;Tatort: Odenthal-Box [4 DVDs]), einem Kino-Publikum wurde er aber erst durch Der freie Wille / Edition Deutscher Film bekannt, ebenfalls mit einem grandiosen Jürgen Vogel in der Hauptrolle. Sein Thema ist und bleibt der Abgrund menschlicher Existenz. Wie können wir die Abwesenheit von Liebe ertragen? Was verändert sich durch den (gewaltsamen) Tod, der plötzlich in das Leben einbricht? Inwieweit sind Menschen überhaupt zu (lebenslangen und glücklichen) Beziehungen fähig?
Die Geschichte, die in 'Gnade' erzählt wird, stellt all diese Fragen erneut. Dabei ist die Konstruktion und der Verlauf der Familienerzählung nicht so originell und schon in vielen Filmen zu sehen gewesen (zuletzt z.B. in In einer besseren Welt). Was 'Gnade' deutlich über den Durchschnitt gegenwärtiger deutscher Filmproduktion hebt, sind die Bilder, in denen Orte, Zeiten und Menschen zu einem beeindruckenden Fluss verbunden werden, so dass ein Sog entsteht, dem sich der Zuschauer bei aller gezeigten Kälte nur schwer entziehen kann. Sicher ist das Wahrnehmen auf der großen Leinwand für eine solche Art von Filmen besonders wichtig. Hier kommen schauspielerische Leistung, Lichtsetzung, Landschaftspanoramen und Kameratechnik voll zur Geltung. Geduld ist jedoch angesichts der betont ruhigen, unspektakulären Erzählweise erforderlich. Die Authentizität wird durch die original mit Untertiteln gesprochenen Sprachen (Englisch, Norwegisch und Deutsch) noch gesteigert.

Für Freunde des skandinavischen Kinos (obwohl es ein deutscher Film ist), Anhänger existenzieller Dramen und für alle, die an mit großartiger Landschaft metaphorisch unterlegten zwischenmenschlichen Beziehungserzählungen interessiert sind, unbedingt empfehlenswert!
33 Kommentare| 46 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 18. Mai 2013
Diese Strophe wird in einer Chor-Veranstaltung gesungen.
Wann gehen wir, wann bleiben wir, welche Wegkreuzung,welche Entscheidungen treffen wir im Leben.
Das kleine Gesangsstück rührt die Zuhörer, die Alten, die Todkranken, die dieser Vorstellung lauschen.
Wir befinden uns in einem Hospiz, so weit am Ende der Welt,wo selbst das Licht nur wenige Monate im Jahr wirklich die Szenerie erhellt.
Polarnacht am Rande des Eismeeres.
Eine Landschaft, die majestätisch und entrückt, lebensfeindlich ist.
Hierher hat es die Hospizschwester Maria,ihren Mann Niels und den gemeinsamen Sohn Markus verschlagen.
Birgit Minichmayr und Jürgen Vogel spielen so beispiellos gut, daß man niederknien könnte.
So vereist, erstarrt, wie die unwirkliche, eisige Umgebung sind auch die Gefühlswelten innerhalb dieser Kleinfamilie.
Doch während dieses Liedes wird zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Niels, der seine Frau zu der Chorvorstellung begleitet, richtig zuhören, lauschen, leise nach der Hand seiner Frau greifen.
Eine erste fast unbeholfene Zärtlichkeit, nach jahrelanger in Routine und Alltag erstickter Partnerschaft.
Und so wie hier zwei Menschen sich wieder öffnen, so wird auch sinnbildlich die atemberaubende Schneelandschaft, die einem großen unendlichen Leichentuch gleicht wieder neues Leben, neu erwachende Hoffnung vermitteln.
Die lange tote Dunkelheit in Menschen und Landschaften wird sich aufhellen und Trost und Erlösung spenden.
So zart und filigran und doch so atemberaubend, kraftvoll, umfassend mächtig und Menschheitsdramen ansprechend, ist Matthias Glasners Film, daß er zwei Stunden lang in jeder Minute fesselt.
Ein Film so hypnotisch und begnadet gut gespielt, daß er den Zuschauer, sogartig in sein eigenes Universum entführt.
Als sich Niels, Maria und Sohn Markus entschließen freiwillig als deutsche Auswandererfamilie ein neues Leben in entlegensten Teil Norwegens aufzubauen, ist dies nicht nur der Aussicht auf einen neuen Ingenieursjob des Mannes geschuldet.
Die Hoffnung schwingt auch mit in irgendeiner Form einen Neuanfang in einer bis ins Mark erkalteten Beziehung zu finden.
Alle drei Personen haben sich nichts mehr zu sagen, leben nebeneinander her.
Als sie an ihren schicksalshaften neuen Bestimmungsort kommen, zeigt uns der Film in langen phantastischen Kamerafahrten über verschneite Seen, und Eisberge, daß sich hier die tatsächliche Verlorenheit, mit der seelischen Tristesse verbinden und nur noch verschlimmern wird.
Vereiste Landschaften, erstarrte Charaktere.
Wie auf einem anderen Planeten sind wir als Zuschauer mit den Protagonisten in einer magisch unwirklichen Welt ausgesetzt, fremde Menschen, fremde Kulturen, fremde Sprachen.
Allein diese einsamen gigantischen Eislandschaften, die seit Jahrtausenden ohne sich um das Schicksal der menschlichen kleinen Lebewesen zu kümmern, göttlich gleich in den Horizont endlos ragen geben dem Film eine majestätische , übermenschliche, ja religiöse Note.
Wie kleine verlorene Ameisen, die hilflos und orientierungslos sich durch das weiße Nichts bewegen, so ist hier Matthias Glasners Blick auf die Menschen, auf das kleine verlorene Dorf, auf Empfindungen und Handlungen.
Kein wirkliches Sonnenlicht erfüllt die Wintermonate und so ist der Film in seltsam, unwirklichen, dämmrigen Farben gedreht.
Doch wird er zu einer langen meditativen Reise vom Dunkel ins Licht.
Große Fragen nach Schicksal oder Vorbestimmung stellt Matthias Glasner, aber das so hintergründig, so unaufdringlich, so komplex, das sie als Schlagwort nicht direkt greifbar werden.
Vielmehr läßt uns der Regisseur an Lebenswegen, Emotionen teilhaben, die über die lange Laufzeit des Films, wie ein ständiger hypnotischer Rausch gefangennehmen.
Jeder dieser Menschen wird auf die ein oder andere Weise schuldig werden, und gleichzeitig zum Vergebenden.
In jedem Charakter ist die Wiedersprüchlichkeit, die Dualität ,das Schwanken zwischen gegenüberliegenden Polen verankert.
Es ist das schicksalshafte, oft auch Umwege, oder verschlungene Pfade gehende Leben selbst, was wir hier sehen.
Nichts ist sicher. Sind es willkürliche Zufälle, die unser Leben bestimmen, oder hat jedes Geschehen, jedes Sterben, jede Schuld, jeder Fehler in sich schon den Keim des Gegensätzlichen.
Vom Dunkel zum Licht, von Tod zu Geboren werden, von Haß und Trauer zu Vergebung und Gnade.
Ein ewiger Kreislauf, ein übergeordneter Plan den wir Menschen nicht durchblicken können.
"Ich bin der gute Engel für die Sterbenden" sagt Maria, die sich in ihrem Hospiz hingebungsvoll um ihre Patienten kümmert. Gleichzeitig wird sie, in einer finsteren Nacht auf der einsamen Landstrasse einem unschuldigen Menschen den Tod bringen.
Und große Schuld auf sich laden. Aus dieser Nacht, entwickelt sich die gesamte vibrierende Ausgangssituation des Films denn durch dieses Ereignis, werden erst alle Verkrustungen aufgebrochen.
Zu keiner Zeit kann man sich hier als Zuschauer sicher sein in welche Richtung sich der Film entwickelt.
Er packt uns, betäubt uns, unberechenbar wie das Leben und Schicksal selbst.
Niels hat sich seit langem von seiner Gefühlswelt distanziert, stoisch geht er seiner Arbeit nach, emotionslos ist ihm Sohn und Frau gleichgültig geworden, teilnamslos führt er eine auf reinem Sex basierende Affäre mit einer Kollegin.
Auch er wird in mehr als einem Punkt schuldig und doch wird er der Erste sein, der durch die plötzliche Ausnahmesituation in die die Familie gerät, wieder eine körperliche Nähe und Liebe aufbauen wird.
"Es ist so schön, daß es noch Menschen gibt die Anteilnahme empfinden, Mitgefühl zeigen. Ich dachte die Welt wäre so kalt: Ich danke ihnen."
Wie und warum diese Worte gesprochen werden, sollte nicht verraten werden.
Allein diese einfachen Sätze, diese kleine Hoffnung auf Vergebung lösen seine Erstarrtheit, im Auto sitzend laufen Niels zum ersten Mal Tränen über die Wangen.
Trauer, Schmerz, Liebe und Gnade, und daraus resultierend neue Kraft, neue Lebenswege, neue Möglichkeiten, so die Aussage in diesem spirituell, religiös angehauchten Film dürfen wir alle, die wir als Menschen schuldig werden, vom Schicksal erhoffen.
Aus Tragödien kann auch ein neues, vielleicht erfüllteres Weiterleben erwachsen. Leben heißt Vergeben. Leben heißt nicht vergessen aber aktzeptieren können.
Jeder wird hier Narben, Verluste auf seiner Seele davontragen und doch endet der Film im Sonnenlicht.
Sollten Sie lieber Interessent, den Film anschauen, werden Sie bemerken, daß ich hier nur eine Deutungsweise anbiete, Schlagworte die dem Film so nicht gerecht werden können. Sie müssen ihn erleben.
Denn auf phantastische Weise schafft es dieser Meisterregiseur und die vielleicht besten Darsteller die man sich vorstellen kann, ein Grundgefühl, eine Grundschwingung im Zuschauer zu erschaffen.
Eine tiefe, berührende Melodie die die Seele zum Erklingen bringt, und das Gefühl hier grosse innere Wahrheiten übermittelt zu bekommen ohne daß man diese in konkreten Sätzen formulieren kann.
Der Film gibt ein erhebendes Gefühl der Geborgenheit in einem grösseren, religiösen Ganzen in dem das Leben selbst, das wahre nicht greifbare Mysterium und Wunder ist.
Er beschäftigt einen sehr lang, obwohl er nicht direkt greifbar ist ,sich nicht auf Aussagen festlegt oder vielleicht gerade deswegen. Zwar unsagbar packend aber niemals aufdringlich wird der Zuschauer hier zum Fühlen einer unbeschreiblichen größeren Wirklichkeit animiert.
Wer, wie ich das Glück hatte ihn vollkommen ohne weiter Informationen im Vorfeld zu erleben, mich von ihm berühren zu lassen, möchte Ihnen dieses schwebende Gefühl nicht beschränken.
Lassen Sie sich auf ihn ein und erleben sie welche Melodie, welche Gedanken er in Ihnen zum Erklingen bringt.
Ein großes unbeschreiblich geniales Mysterium und ein bleibendes tiefes, ja erhabenes Erlebnis.
11 Kommentar| 16 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 16. Juli 2013
Der Film beginnt mit einer deutschen Durchschnittsfamilie: Mann, Frau, Kind, die Ehe kriselt, und der Mann bekommt die Chance einer beruflichen Veränderung, die er mit dem Einverständnis seiner Frau wahrnimmt. Zunächst sieht es nicht so aus, als ob der räumliche Wechsel etwas bewirkt hätte. Doch dann kommt es zu einem Schicksalsschlag, der in der einen oder anderen Form auch Teil von vieler Menschen Leben ist: Die Frau überfährt einen Teenager, der daraufhin stirbt. Sie erzählt es ihrem Mann, und von nun an müssen beide mit diesem Geheimnis leben.

Der Film berührt auf eine ganz andere Art und Weise als so viele Hollywood-Streifen. Er erzählt langsam, stellenweise für meinen Geschmack zu langatmig, aber dafür mit Poesie. Er ist auch nicht gerade überfrachtet mit Dialogen, wobei ich diese Kombination aus Deutsch, Englisch und Norwegisch (die letzten beiden mit dt. Untertiteln) authentisch fand. Und er wirft die Frage auf: Wie gehen wir mit Schuld um? Letztlich kommt jeder Mensch in Situationen, in denen er auf Gnade angewiesen ist.
0Kommentar| 3 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
Ein Paar mit ihrem jugendlichen Sohn ziehen im Winter in den Norden von Norwegen - nach Hammerfest. Zwei Monate Düsternis stehen bevor. Ein wenig erscheint es wie eine Flucht, der Versuch eines Neustartes in fremder Umgebung. Doch ihre Altlasten nehmen sie mit. Die Frau arbeitet als Krankenschwester in einem Hospiz. Überraschend schnell hat sie die Landessprache gelernt. Sie hat sich wohl damit abgefunden, dass ihre Ehe nur noch auf dem Papier besteht. Der Mann unterhält sich weiterhin am liebsten auf Englisch und fängt auf seiner Arbeit ein Affäre an. Der Sohnemann schlägt sich recht wacker an der Schule.
Eines Abends ist die Frau für einen kurzen Moment gedankenverloren auf dem Heimweg als die Nordlichter bewundert. Sie überfährt „etwas“. Erst zuhause überfällt sie so richtig die Panik, dass es auch ein Mensch hätte sein können. Ihr Mann begibt sich an der Ort des Geschehens, kann aber nichts finden. Erst Tage später wird die Leiche des überfahrenen Mädchens in einer Bodenmulde entdeckt. Ein Schock, der in die Glieder fährt. Das Paar rauft sich zusammen, geht eine Art Verschwiegenheits-Bündnis ein und versucht zunächst, die Spuren der Tat zu verwischen. Doch wie kann mit dem verdrängten (Ge-)Wissen ein Weiterleben überhaupt möglich sein? Zumal man den Eltern der Getöteten ständig über den Weg läuft.......

Eisiger Winter, Kälte, Dunkelheit, eine Umgebung, die durchaus aufs Gemüt zu schlagen vermag. Im vorliegenden Psychodrama bietet sie die passende Kulisse für eine melancholische Grundstimmung, die sich fast komplett durch den ganzen Film zieht. Doch es sind auf ihre Art auch traumhaft schöne Eislandschafts-Aufnahmen, eine raue, kalte Natur und doch wunderschön.
Es wird kein Auswanderer-Idyll geschildert, sondern der desillusionierte Alltag im fremden Land. Dann geschieht das Unglück und dieses markiert den Wendepunkt im Leben der Akteure. Die Krise als Chance für einen tatsächlichen Neubeginn? Eine interessante Idee, die glaubwürdig umgesetzt wird. Nicht ganz nachvollziehbar war für mich jedoch das Ende. Da fehlte mir ein Puzzle-Teil. Die Sache mit Schuld und Vergebung hätte man besser herausarbeiten können.

Jürgen Vogel spielt einmal mehr einen Mann, der durch sein Verhalten eigentlich ablehnende Emotionen hervorrufen müsste, aber fast etwas wie Verständnis und Mitgefühl entstehen lässt. Birgit Minichmayr ist ebenso eine ganz hervorragende Schauspielerin, die für die Umsetzung ihrer Rolle einen Preis verdient hätte. Dem dritten im Bunde, dem Sohnemann (Henry Stange) kommt vor allem als Beobachter eine Schlüsselrolle zu. Was weiß er wirklich?

Regie führte Matthias Glasner ("Der freie Wille")

Extras: Interviews mit Jürgen Vogel (ca. 9 Minuten), Birgit Minichmayr (ca. 9 Minuten), Matthias Glasner (ca. 16 Minuten); 'deleted scenes' ca. 19 Minuten, Trailer

Fazit: Sehr gut gespieltes Psychodrama in eisiger Umgebung. 8,5 von 10.
0Kommentar| 4 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 29. November 2012
Ich habe den Film im Kino gesehen im Oktober 2012 - er wird Anfang 2013 auch in Norwegen in die Kinos kommen. Der Film hat Tiefgang, bewegt einen noch Tage nach dem Anschauen und bietet eine außergewöhnlich schöne Kulisse, der nordnorwegische Winter. Die DVD werde ich mir unbedingt kaufen und auch Norwegenfans schenken. Alles in allem sehr empfehlenswert und schon mehrfachen Anschauen geeignet.
22 Kommentare| 9 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
TOP 500 REZENSENTam 18. April 2013
FILM (OHNE SPOILER!) Bewertung (Review):

Es beginnt mit für den Film bildtechnisch recht ungewöhnlichen Splitscreens die aber Sinn machen, um dann aber gleich in die nächtlichen Bilder Norwegens abzutauchen für die im Laufe des Films es sich alleine lohnt GNADE anzusehen. Die düstere Atmosphäre des aus natürlichen Gründen fast völlig im Dunkeln spielenden Dramas passt sehr gut zu dem nebulösen Geheimnis zwischen Schuld, Vorwürfen, Moral und Befreiung, Erlösung und eben Gnade.

Fast am Ende der Welt in Hammerfest gibt es fantastische Bilder und eine mitreißende Geschichte. Jürgen Vogel nehme ich inzwischen fast jede Rolle ab und er überzeugt mich auch in GNADE erneut. Dies gilt auch für seine Frau Maria und die meisten Nebenrollen. Die Geschichte (OHNE SPOILER!) von Maria (Birgit Minichmayr) und Niels (Jürgen Vogel) die auswandern und einen Neuanfang versuchen, ist voller Menschlichkeit, aber auch menschlicher Schwächen und Leid.

Eins der im gesamten Film sehr genüsslich ausgekosteten Hauptthemen ist das "Leiden der Täter" und es gibt eine Reihe von Metaphern in Bezug auf auch religiös angehauchte Themen wie Buße, Sühne, Moral und Schuld. GNADE ist mit seinen 130 Minuten Laufzeit ohne dramaturgische Auflockerung und unter dem fast völligen Verzicht auf komödiantische Elemente auch für den Zuschauer nicht ohne gewisse Geduld und Ausdauer zu überstehen. Zu nachvollziehbar sind die Ereignisse, zu nah gekommen sind uns durch die realistische Darstellung die Protagonisten mit ihren immerwährenden trockenen, aber sehr pointierten und intensiven Dialogen.

Der philosophische Kontext ist deutlich erkennbar, ohne aber in allzu tiefe Regionen abzutauchen. GNADE ist beklemmend und einfühlsam zugleich. Gerade durch die recht soundtracklose Fassung werden diese Gefühle noch verstärkt. Auch wenn das Ende optisch und ästhetisch wirklich überhaupt nicht zur grandiosen Optik von GNADE passt, haben wir eine sehr empfehlenswerte deutsch-norwegische Zusammenarbeit gesehen.

4,5/5 Sternen

PRODUKT (Blu-ray/DVD) Bewertung (Review):

- BILD: gutes (HD) Bild ohne für mich feststellbare Schwächen
- TON: relativ frontlastig, manchmal räumlich, Blu-ray: DTS-HD MA 5.1, DVD: DD 5.1
- EXTRAS: Trailer
- SONSTIGES: FSK 12 uncut, Wendecover ohne FSK Logo (ggfs. nur Teil der Erstauflage)
0Kommentar| 7 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 12. Mai 2015
Wie immer Geschmacksache. Ich fand den Film sensationell und für mich gab es keinerlei Längen. Toll gefilmt, schöne Bilder, gute Musik. Ich bin oft in Norwegen und spreche auch etwas Norwegisch. Daher fand ich es toll, dass nicht alles synchronisiert wurde. Schade, dass man die UT nicht ganz ausschalten konnte. Bilder und Atmosphäre haben mich komplett in die Geschichte und nach Norwegen gezogen. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, da willste jetzt nicht sein...also für mich ein super Film. Vogel war da auch schon recht norwegisch unterwegs...was die Kommunikation anging.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. Dezember 2015
Man muss diesem Film Zeit geben, sich zu entwickeln. Ich hätte ihn fast abgebrochen und war dann froh, es nicht getan zu haben.
Birgit Minichmayrs Spiel ist tiefgreifend und hervorragend.Man spürt die Kälte des Polarkeises, aber das Herz wird erwärmt - nicht zuletzt durch berührenden Gesang, was mich ein bisschen an "Wie im Himmel" erinnert hat
Mit diesem Film werden Zyniker keine Freude haben,doch jene, die Gnade - oder vielleicht besser Vergebung - für möglich halten,werden den Film vermutlich lieben.
0Kommentar| 2 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 21. April 2013
Gnade handelt von einem Paar, das auf Grund eines gemeinsamen Schuldgefühls ihre fast zerbrochene Beziehung stärken kann. Das ist in ganz ruhigen und wahnsinnig schönen Bildern erzählt und beeindruckt durch die feine Zeichnung der Menschen, die dort mit dem Verlust eines Menschen umzugehen haben und es akzeptieren lernen müssen ohne den Schuldigen zu kennen. Der Film ist lang, aber für Liebhaber des Arthouse-Kinos nie langweilig. Besonders toll fand ich die Tatsache, dass der Film am Anfang sehr dunkel ist und am Ende sehr hell. Das liegt wohl an der Mitternachtssonne, hat aber auch eine Parallele zu der Handlung. Gnade ist ein sehr kluger und poetischer Film wie ich finde, der aber seine Konzentration auf ihn und nichts anderes verlangt. Kein Film fürs Bügeln nebenher!
0Kommentar| 6 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. Dezember 2015
Diese Rezension des im TV gesehenen Filmes enthält SPOILER, die sich zum Teil aber schon aus dem Filmtitel ergeben! ! !

Ingenieur Niels (Jürgen Vogel)) arbeitet in Energieanlagen, Ehefrau Maria (Birgit Minichmayr) als Krankenschwester. Mit Sohn Markus zieht das deutsche Paar nach Hammerfest am Polarmeer, 1000 km nördlich des Polarkreises, es soll auch ein Neuanfang der kriselnden Ehe sein. In der Polarnacht, der Winterzeit, in der die Sonne nicht über dem Horizont aufgeht, einer Zeit mit Wechsel von dunkler Nacht und grauer Dämmerung, setzt die Handlung ein.
Niels hat eine sexuelle Beziehung zu einer attraktiven jüngeren Kollegin, Maria arbeitet mit einer hochschwangeren Kollegin auf einer Palliativstation mit unheilbar Erkrankten und Sterbenden, in der knappen Freizeit singt sie in einem Chor. Nach einer Doppelschicht verspürt sie auf der Heimfahrt, abgelenkt durch ein Polarlicht, einen Schlag gegen den Wagen. Sie hält an, sieht im Rückspiegel aber nichts, auch Niels fährt an die Stelle, weil Maria sich sehr beunruhígt zeigt, guckt etwas genauer, geht die Straße auch ein Stück ab, aber ebenfalls erfolglos.
Maria hat, das wird am Folgetag aus Presse und Rundfunk klar, ein Mädchen angefahren, das sich vor seinem Tod noch ein Stück von der Straße wegbewegen konnte und so nicht zu sehen war.
"Du bist der Mann der Mörderin, Markus der Junge, der eine Mörderin zur Mutter hat", erklärt die schwer betroffene Maria Niels, und so wird Schweigen vereinbart, letztendlich nicht durchgehalten.
Ihnen wird verziehen, im Gegensatz zu Markus, der am Mobbing des Bruders des Opfers beteiligt war.

Die eisige Nordmeerküste mit Hammerfest, das sich im Dunkeln an der Küste und Berghängen entlang zieht, die schneebedeckte Landschaft, vereistes Wasser sind die passend stimmungsvolle Kulisse dieses ruhigen, moralischen und die Botschaft von Sünde und deren Vergebung als Gnade behandelnden gut 2stündigen deutsch -norwegischen Filmes. Korrekt wird deutsch, englisch und norwegisch gesprochen, Letzteres durch Untertitel unterlegt. Bemerkenswert, dass auch die Deutschen, Vogel und Minichmayr, norwegisch zu sprechen scheinen, wie man bei Nahaufnahmen der Gesichter bei Dialogen ablesen kann. Hierdurch wird eine Steigerung der authentischen Wirkung erzielt.

Das Ende des Filmes mit der harmonischen Mittsommerfeier an der Küste zeigt im Gegensatz zu einem Kritiker keine gleichgültig über das Geschehen hinweggegangene Gemeinschaft, die anwesenden Eltern des getöteten Mädchens haben getrauert, sie werden noch länger leiden, aber das bestimmt nicht, alles Schöne verdrängend, das Weiterleben. Maria und ihrer Familie ist eine Gnade zuteil geworden, eine Vergebiung von einer Tat, die ja mit dem Mobbing des Sohnes ganz und gar nicht zu vergleichen ist. Wie das geschah, wird nicht gezeigt, aber anzunehmen ist, dass ihre Ehrlichkeit und vielleicht auch Marias bewundernswürdige Arbeit auf der Palliativstation eine Rolle spielt, dass die Eltern die Deutschen nicht anzeigten.
Auch die Ehe ist wieder intakt, er hat die Geliebte verlassen und Maria das Verhältnis gebeichtet, eine schwere Krisensituation hat Niels und seine Frau wieder zusammengebracht, wie auch eine Szene bei einem Gesang des Chores ohne Maria zeigt, die von Markus zärtlich, töstend berührt und gestreichelt wird. Der Film ist nicht durch entsprechende dramatische oder Spannung erzeugende Musik unterlegt, beeindruckend ist der Gesang des Chores, den wir mehrmals ausgiebig gnießen können.

Der Film vermittelt eine schöne Botschaft, nämlich dass Stehen zu einer Schuld zu Verzeihen, zu Gnade führen kann, und dies wird gewohnt gut von Jürgen Vogel sowie den norwegischen Darstellern und sehr beeindruckend von Birgit Minichmayr gezeigt. Eine Darstellerin, die man nicht so oft sieht, ich habe sie schon in einigen Filmen als stark spielend empfunden ("Das Parfum" als Marktweib, "Alle anderen" mit Lars Eidinger). Nicht zu Unrecht hat sie schon besonders als Theaterschauspielerin einige Preise erhalten. Vor dem Geständnis sieht man Maria an, dass sie mit der Schuld und Lüge nicht wird leben können.

Plakativ nenne ich im Gegensatz zu einem Filmkritiker den Film nicht. Zwischen dem Geständnis und dem Ende im farblich beeindruckenden Sommer mit farbenfrohen Wasserpflanzen und güner, blühender Natur liegen gut 4 Monate, in der die Eltern des Opfers Zeit für Trauer, aber auch für Vergebung hatten. Ihre Trauer sah man der Mutter anfangs in einer Szene am Unfallort und später dem Vater an, sein Gesicht war vor unterdrückter Emotion starr, die Sätze und Stimme kalt.
Etwas undurchsichtig empfand ich nur Markus, eher zurückhaltend, aber auch mit einem Freund, der andauernd zuhause mit seinem Mobil-Telefon filmte. die Eltern fast ausspionierte, hat er etwas geahnt? Bedeutung gewann er für mich nur durch Darstellung des Gegensatzes des Verzeihens den Eltern für Marias Tat, nicht ihm für Spucken in einen Ranzen.

"Gnade" ist ein wunderbar gefilmter und gespielter Appell an Ehrlichkeit, Stehen zu einem schweren Fehler und der Tatsache, dass Vergebung auch trotz eines schweren Verlustes möglich ist, und hierfür ist der hohe Norden mit kaltem Winter ohne Sonnenlicht für Monate, in denen auch alle Farben blass erscheinen, und sonnigem Sommer im hellsten Sonnenlicht mit herrlichen kräftigen Farben der aus langem Winterschlaf erwachten Natur wunderbar passend gewählt. Dass der Drehort für eine Gemeinschaftsproduktion mit Darstellern unterschiedlicher Sprache kein notwendiges Übel, sondern ein regelrechter Glücksfall war, hat dieser berührende eindrucksvolle Film bestens bewiesen.

Auch wenn man ihn wie ich im TV gesehen hat, dieser Film sollte unbedingt die häusliche Sammlung anspruchsvoller Filme bereichern.

Doc Halliday
1313 Kommentare| Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden

Haben sich auch diese Artikel angesehen

5,99 €
4,97 €
5,00 €