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am 23. Mai 2016
"Legendary Van Cliburn"

Im Jahr 2013 verstarb der amerikanische Pianist Van Cliburn im Alter von 78 Jahren. Ohne Zweifel ist er einer der charismatischsten Musiker des 20. Jahrhunderts. Weltweite Berühmtheit erhielt er durch seine erfolgreiche Teilnahme am Moskauer Tschaikowsky Wettbewerb: Das Moskauer Publikum lag dem charmanten Texaner zu Füßen, ein Star ward über Nacht geboren, dessen Triumph inmitten des Kalten Krieges auch eine hochpolitische Dimension hatte. Wie zermürbend oder vielleicht sogar inspirierend das Rollenspiel als Pianist, Nationalheld, Kulturbotschafter und Diplomat für Cliburn war, können wir nur vermuten. Fakt ist, dass Cliburn sich knapp 20 Jahren nach dem Gewinn der Goldmedaille in Moskau vom Konzertleben verabschiedete und nach 1977 nur noch sporadisch konzertierte.

>> 28 Alben in 17 Jahren
Cliburns Konzert- und Schallplattenkarriere haftet der Ruf an nach den anfänglichen, kometenhaften Erfolgen allmählich an Bedeutung verloren zu haben. Tatsächlich hat der Pianist alle hier versammelten Aufnahmen in der recht kurzen Zeitspanne von 17 Jahren eingespielt, zwischen 1958 und 1975, wobei er das letzte größere Werk (Liszt-Sonate) bereits 1973 aufnahm. 28 Alben in nur 17 Jahren, das ist beachtlich.
Sicherlich muss man zugeben, dass ein nicht unwesentlicher Teil der Soloaufnahmen auf diversen "Favorites" und "Greatest Hits"- Kompilationen Wiederverwendung gefunden haben. Die Edition hat allerdings nur solche Kompilationen berücksichtigt, die neben recycelten Einspielungen aus älteren Alben auch bisher unveröffentlichte Stücke und Stückchen enthält. Leider waren es gerade diese weniger nach künstlerischen, sondern nach marktstrategischen Gesichtspunkten zusammengewürfelten Kompilationen wie "The world's favorite piano music", die den Ruf des amerikanischen Pianisten nachhaltig beschädigt haben. Die Musikwelt hat Cliburn die kommerzielle Ausnutzung seines Talents nie so recht verziehen und vor diesem Hintergrund auch seine interpretatorischen Großtaten relativiert.

>> Ausstattung
Sony hat im Sterbejahr des Pianisten sämtliche Live- und Studioaufnahmen Cliburns für das amerikanische Label RCA in der vorliegenden 28CD Box veröffentlicht und sie, wie es einem Nationalhelden gebührt, aufwendig ausgestattet: Die Tonaufnahmen aus den Jahren 1958 bis 1975 wurden sorgfältig überarbeitet und optimiert. Solide CD-Taschen mit den reproduzierten Original-Covern, das gebundene (!) Booklet enthält neben einer Würdigung des Pianisten eine ausführliche Diskografie und viele Fotos. Eine DVD mit Peter Rosens 58minütigen filmischem Portrait des Pianisten rundet die Edition zu einem schönen und wertbeständigen Sammlerstück ab.

>> Hervorragend bis überwältigend: Klavierkonzerte
Herausragend sind nicht nur die berühmten, kurz nach dem Moskauer Triumph entstandenen New Yorker Aufnahmen des ersten Tschaikowsky Konzertes und dritten Rachmaninow Konzertes mit dem Dirigenten Kyrill Kondrashin. Zu nennen sind insbesondere die Produktionen mit dem Chicago Symphony Orchestra unter Walter Hendl und dem legendären Fritz Reiner aus den Jahren 1960-1963: Ein hervorragendes fünftes Klavierkonzert von Beethoven etwa, ein angenehm helles und stringentes zweites Brahms-Konzert, Prokofiew 3 und Rachmaninow 2 in sehr differenzierten, eleganten Versionen und schließlich das bravouröse zweite Klavierkonzert von Edward MacDowell. Solide, aber etwas verhalten sind die Aufnahmen des vierten Beethoven Konzertes und des Schumann Konzertes geworden. Alle Aufnahmen aus Chicago klingen ungeachtet ihres Alters hervorragend. Und ohne Cliburns Leistung schmälern zu wollen: Gerade die Orchesterparts hört man selten so präzise in Zusammenspiel und Intonation und derart sorgfältig produziert wie bei den vorliegenden Aufnahmen.
Wenige Monate nach Reiners Tod entsteht die Aufnahme des ersten Brahms-Konzertes, und diesmal stehen Cliburn der Dirigent Erich Leinsdorf und das Boston Symphony Orchestra zu Seite. Die uninspirierte und wenig aufmerksame Orchesterleitung, nicht zuletzt auch der muffige Klang reichen dieser Produktion nicht gerade zur Ehre. Schade, denn Cliburn spielt auch im ersten Konzert mit klarer Linie und angenehm hellen Farben, ihm kann man das gescheiterte Projekt nicht anlasten. Immerhin blieb es die einzige Cliburn-Aufnahme mit Leinsdorf. Eugene Ormandy und das Philadelphia Orchestra begleiteten Cliburn bei den Konzertaufnahmen ab 1968: Die Konzerte von Grieg (großartig!), Liszt 1&2, Chopin 1, die Paganini Rhapsody von Rachmaninow und Beethoven 3 sind im Vergleich zur Produktion mit Leinsdorf deutlich erfreulicher. Bisweilen wirkt Cliburn sogar gelöster als in den Produktionen mit Fritz Reiner (Beethoven 3!). Dennoch: In manchen Orchestertutti oder 'soli vermisst man die Klasse des Chicagoer Orchesters und auch Reiners straffe Führung. Das ursprünglich erst 1992 veröffentlichte Album "Cliburn in Moscow" mit Live-Aufnahmen aus dem Jahr 1972 ist ein historisches Dokument, das aber nichts Wesentliches den Studioproduktionen von Rachmaninows Paganini-Rhapsody und besonders Brahms 2 entgegenzusetzen hat.
Cliburns Leistungen sind, obwohl selten so überwältigend wie in Tschaikowsky 1, doch immer hervorragend. Sein heller, brillanter Klang wirkt aus heutiger Perspektive gesehen sogar zeitgemäß und macht seine Aufnahmen auch heute noch sehr gut genießbar.

>> Gemischte Gefühle: Die Soloalben
Cliburns Soloaufnahmen sind, im Gegensatz zu den Konzertproduktionen, von sehr gemischter Qualität. Mit "My Favorite Chopin" hatte Cliburn einen besonders schlechten Start erwischt: Das Programm lässt einen roten Faden vermissen, und der Pianist wirkt fast durchgängig paralysiert. Schon die "heroische" Polonaise op. 53 hinterlässt einen Faden Eindruck, flach in der Dynamik, ohne Biss, und sogar das furiose Finale wirkt wie buchstabiert. Am überzeugendsten ist noch das dritte Scherzo, der Schlusspunkt des Programms. Aber auch hier spielt Cliburn offenbar mit angezogener Handbremse, als hätte er einen Vorbehalt - den er uns aber nicht mitteilt. Die Sonate Nr. 2 ist ebenfalls enttäuschend: Dramatische Themen haben wenig Wucht, lyrische Themen mäandern ziellos umher und hinterlassen keinen bleibenden Eindruck. Die Durchführung im ersten Satz wirkt brav aufgesagt, musikalische Sequenzen werden ohne Anteilnahme durch die Tonarten geführt, von zwingender Entwicklung keine Spur. Die dritte Sonate aber gelingt wesentlich überzeugender, wirkt vertiefter: Nicht nur trifft und unterstreicht Cliburn die Charaktere der Einzelsätze präzise, das Stück wirkt im kleinen wie großen Zusammenhang hervorragend ausbalanciert. Im Finalsatz greift Cliburn dann auch wieder beherzt zu ' geht doch! Auch in späteren Chopinaufnahmen ist der Eindruck höchst ambivalent, mal überzeugend (Fantaisie-Impromptu op. 66), mal irritierend matt (Scherzo op. 31).

Die Beethovensonaten opp. 81/a, 27/2, 13 und 57, besser bekannt als Les Adieux, Mondschein, Pathetique und Appassionata gehören auch für Cliburn zum pianistischen Pflichtprogramm. Obwohl ansatzweise durchaus interessant präsentiert Cliburn doch - mit Ausnahme der Appassionata - keine schlüssigen Konzepte für diese Musik. Der freie Umgang mit Agogik, die unglückliche Gestaltung von Übergängen, der manchmal planlose Ansatz von Ritardandi und dem leichtfertigen Gebrauch des rechten Pedals sind problematisch. Mit den bisweilen raschen Wechseln von Stimmungen und thematischen Abschnitten in Les Adieux weiß Cliburn nichts anzufangen, und auch die scharfen Kontraste zwischen den drei Sätzen der Sonate op. 27/2 werden von ihm aufgeweicht statt betont.
Die mit "Les Adieux" gekoppelte Mozart Sonate KV 330 hingegen liegt Cliburn sehr gut. Selbstbewusst führt er die Melodien und hat einen klaren Plan. Schade, dass es, abgesehen vom "Rondo alla turca" KV 331 in dem Album "The world's favorite piano music", seine einzige Mozart-Aufnahme geblieben ist.

Die distinguierte Haltung des Pianisten in Prokofiews sechster Sonate könnte man für einen Antagonismus halten, allerdings gestaltet Cliburn mit soviel Differenzierung und Hingabe, dass Skepsis gar nicht aufkommt. Cliburns Version der Barber-Sonate bedient sich ähnlicher Mittel: Statt - wie der Widmungsträger Vladimir Horowitz - den virtuosen Effekt und die schroffen Seiten zu betonen, fächert Cliburn den Klang kaleidoskopisch auf. Und weil er den Verlauf der Sonate zu jedem Zeitpunkt fest im Blick hat und absolut hinreißend jede Wendung der Musik aufnimmt und spürbar macht, ist diese Aufnahme eine der großartigsten des Werkes.
Immer wieder übt sich Cliburn in vornehmer Zurückhaltung, gibt sogar den großen Virtuosenwerken wie Liszts h-Moll Sonate und Rachmaninows b-Moll Sonate lieber ein edles Finish, als den Versuch zu unternehmen den Oktavendonner seiner KollegInnen nochmals zu übertrumpfen. Manchmal wird dieser Ansatz zum Balanceakt, wenn (wie häufig bei Chopin) die Zurckhaltung zu Ausdruckslosigkeit führt. (Nur der Vollständigkeit halber: Virtuosendonner kann Cliburn auch, aber den lässt er lieber im Mefisto-Walzer aufblitzen, statt in der h-Moll Sonate.)
Nicht vergessen darf man Johannes Brahms, dem Cliburn zwei Soloalben gewidmet hat, beide durchaus von seriösem Inhalt. Für "My favorite Brahms" hat er vornehmlich späte Klavierstücke aus opp. 116-119 ausgewählt. Die geradlinige Version der Händel-Variationen (laut Booklet live im Studio eingespielt - wow!) ist das zentrale Werk auf "Cliburn plays Brahms", ergänzt durch die Klavierstücke opp. 117 & 119. Durchaus typisch für Cliburns Alben der 1970er Jahre sind die Alben aus unterschiedlichen Aufnahmesessions zusammengesetzt, was man durchaus auch hören kann. Opp. 117&119 etwa wurden zwischen 1970 und 1975 aufgenommen, einzelne Sätze wurden bereits auf "My Favorite Brahms" veröffentlicht. Wie schon in den beiden Brahms-Konzerten betont er in den Solowerken weniger die düsteren Register, hellt den Klang auf, und das wirkt ungemein erfrischend. Einzige Einschränkung ist die starke Betonung der jeweils führenden Stimme. Da der Pianist häufig in großen und sehr großen Sälen konzertierte, erklärt das zumindest diese starke Gewichtung gegenüber den Nebenstimmen. Am heimischen Lautsprecher jedoch wirkt sie manches Mal übertrieben.
Anfang Januar spielte Cliburn ein Debussy-Album ein. Auch hier gibt es ein wenig von allem, keine kompletten Zyklen, sondern lediglich Einzelsätze aus den Etüden, aus Estampes, den Préludes usw. Wie in den Beethovensonaten hat man hier das Gefühl, das der Pianist einen vielversprechenden Ansatz gefunden hat, auch einige sehr delikate Versionen von "Clair de lune" oder der "Rêverie" zaubern kann, einen individuellen Klang für diese Musik aber noch nicht gefunden hat.
Das Debussy-Album ist eine der sieben Kompilationen, die Titel wie "Best of'", "Favorites", "Greatest Hits" oder "Encores" tragen. Cliburn und seine Plattenfirma haben solche Alben systematisch geplant und produziert. Ein positiver Nebeneffekt solcher Zusammenstellungen ist die Gelöstheit, mit der der Pianist musiziert. Selten wirkt er dabei oberflächlich oder routiniert. Trotzdem hätte man sich gewünscht, dass Cliburn sich die ein oder andere Kompilation verkniffen hätte, auch weil die Zusammenstellung der Werke häufig sinnentleert ist, manchmal unbedacht, wie im "Encores" Album: Da wird Scriabins dis-Moll Etüde unmittelbar neben Rachmaninows Etüde Tableau in es-Moll gestellt, zwei Stücke von quasi identischer Tonart, Tempo und Charakter. Eine lehrmeisterliche Geste, die dramaturgisch aber im höchsten Maße unglücklich ist. Vielleicht sollte man sich gleich aus all den Zuckerbonbons ein persönliches "Best of" zusammenstellen.

>> Fazit
Der überwiegende Teil der hier versammelten Aufnahmen ist von hervorragender musikalischer Qualität. Mit seinem geschmackvollen, eleganten Musizierstil drängt sich Cliburn sicherlich nicht so stark in den Vordergrund wie die extrovertierten Darstellungen eines Horowitz, die schwerblütigen Aufnahmen Richters oder die warmen Versionen Rubinsteins. Cliburns heller, kräftiger Klang und seine brillant-virtuose Souveränität geben besonders vollgriffigen romantischen Partituren von Tschaikowsky, Rachmaninow, aber auch Brahms eine willkommene Frischzellenkur. Nur in einzelnen Soloaufnahmen, insbesondere aber bei Chopin, droht Cliburns distinguierte Kühle in Belanglosigkeit umzuschlagen.
Eine luxuriöse Ausstattung und ein (für ihr Alter allemal) guter, ja sehr guter Klang, machen diese Hommage an den amerikanischen Jahrhundertpianisten zu einer vorbildlichen und empfehlenswerten Edition.
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am 20. März 2013
Bei der Zusammenstellung dieser Box haben sich die Toningenieure und Produktmanager fast selbst übertroffen. Die Manager mit dem Entschluss diese Box zusammen zu stellen, was leider duch den frühen Tod 2 Tage nach der Veröffentlichung zum tragischen Vermächtnis wurde. Die Toningenieure haben hier das Beste aus den Aufnahmen herausgeholt was möglich ist, da ich die Zusammenstellung der Konzert der RCA Aufnahmen besitze habe ich beide gegeneinander gehört. Das Resultat dieses Blindtest war phenomenal, der Hörraum wird um 3-5 Meter zur Seite erweitert, die Dynamik ist nochmals verstärkt worden und die Plastizität der Aufnahmen Pianoklang und Orchester ist noch stärker fokosiert. Hier kann man wirklich behaupten man sitzt in der Ersten Reihe und kann dem Pianisten auf seine Finger schauen. Einfach nur kaufen und genießen.
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